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 Die Ankunft der Flüchtlinge (Informationspost)

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Neome
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BeitragThema: Die Ankunft der Flüchtlinge (Informationspost)   Sa Mai 14, 2016 2:11 pm

Die Schiffe mit den Menschen aus Ortac kamen an einem windigen Tag. Den Männern am Hafen blies es den ein oder anderen Hut vom Kopf, aber für die Reisenden bedeutete es, dass sie früher als geplant das Festland erreichten. Sie umfuhren es leewärts und gingen am Hafen vor Anker. Menschen, viele Menschen in unterschiedlichen Farben und Zuständen. Und mitten darin ein brüllender Zwerg. Keiner konnte sich so recht erklären, wie der es mit an Bord geschafft hatte, oder beinahe keiner. Der Kapitän freilich, und seine engsten Mannen, konnten es erklären.

„Jesko selbst hat veranlasst, ihn mit aufs Schiff zu lassen. Aber er hasst Wasser und er wird auch dieses Land hassen und er wird, ganz egal wieviel man ihn trinken lässt, weder stiller noch heiser.“

Da war also Brom, dieser Zwerg, der Vetter von Gulf, der ein Freund des zornigen Archons gewesen war, und der Befehl, ihn mit auf das Schiff zu lassen, war von einem Mann gekommen, dessen Beachtung zu erregen die kleine Gruppe von Auswanderern zu Recht bestimmt nicht erwartet hatte. Jesko war der Sohn des Archons Emmerich von Ghalm. Der Bruder von Dion, dem gefallenen Archon der Naihlar. Und deshalb hatten die Seefahrer auf ihn gehört.
„Ihr seid jetzt selbst Anführer eines Reiches“, erklärte der Zwerg. Er raunte die Worte bärbeißig in seinen gräulichen, mehr schwarzen Bart und funkelte aus Käferaugen zu Neome hinauf. „Man hat also zumindest von euch gehört. Zumindest der eine hat's. Aber das wird euch unter den Gombas nicht viel Achtung einbringen.“ Dann ging er auf Beinen wie Baumstümpfen davon und schrie nach einem Bett, das stillstände.

Und bestimmt hatte er Recht. Es brauchte keinen Zwergen, um Neome zu erklären, was sie bei den Leuten, die von den Schiffen aus Ortac kamen, erwartete.

Da waren die Naihlar, die den größten Anteil an Reisenden ausmachten. Ihre Bronzegesichter waren müde, aber viele schauten aus eindringlichen Augen auf das neue Land und riefen sich Dinge zu. Von ihnen hatten sie noch keinen Respekt zu erwarten. Wenn sie an einem vorbeikamen rochen sie süßlich, nach Schweiß, Rum oder Rauchkraut, nach Asche, vermischt mit Duftöl. Es würde gefährlich werden, diesen Leuten Befehle zu erteilen. Unter den Naihlar war der Archon wie ein Freund und Bruder. Ihnen konnte kein Anführer aufgezwungen werden. Und Neome wusste, dass noch nichts geschehen war, sich die Anerkennung des Windvolkes zu verdienen. Sie über das Meer gebracht zu haben war bei ihnen keine Leistung. Aber dass Neome einen Vater gehabt hatte, den alle duldeten, der ein Mann war, dessen Wort etwas golt, dies war ein Umstand, der die Beziehung zu den Überreisenden von Beginn an stärkte.
Jeder konnte zu den Naihlar gehen und mit ihnen sprechen, doch wegen der Art, wie sie schauten, hielt mancher sich vielleicht lieber von ihnen fern. Sie erfassten Takbal mit misstrauischen und neugierigen, mit verschlossenen und harten Blicken. Sie stellten viele Fragen, waren aber im Gegenzug bereit, nur wenig Antworten zu geben. Wenn man sie aber auf den Zwerg ansprach, dann lachten sie und wussten die ein oder andere spöttische Geschichte zum Besten zu geben.

Es gab auch Chirya unter den Ankömmlingen, aber von ihnen hatten sich viel wenigere dazu bewegen lassen, die Heimat zu verlassen. Ihr innerstes Wesen war als Volk dem Kampf um ihre Wurzeln verschrieben und ein neuerliches Umtopfen ließen die Wenigsten über sich ergehen. Sie hatten sich auf Ortac geformt, um die Erde zu retten, die vom Krieg verbrannt worden war. Mancher war von dem Zweck abgekommen. Und aus dieser kleinen Zahl hatte wiederum mancher es auf die Schiffe der Naihlar geschafft. Sie waren blass als sie ankamen, ihre Klamotten hatten sich dafür verdunkelt und trugen jetzt alle möglichen Flecken und Risse. Das Salz der Luft rieb ihre Filzzöpfe auf und mehr als einer schwor, nie wieder ein Schiff zu betreten. Sie gingen aufrecht, einer fiel auf die Knie und küsste unter Dankesgesang das neue Land, worauf im Hintergrund einige der Naihlar das Lied mit ihrem Lachen unterbrachen.
Die Chirya waren von allen die mit den höchsten Mauern aus Misstrauen und Zweifel. Es mussten starke Gründe gewesen sein, die sie von Ortac weggetragen hatten, empfindlich persönliche Gründe, die zu hinterfragen jetzt zu Beginn nicht klug war. Aber aus Abenteuerlust war bestimmt keiner unter ihnen dabei. Ihre Vorurteile galten nicht den Naihlar, die in Takbal das Meiste zu bestimmen wussten. Es galt der Fremde und der Ferne und jedem der Oshead und noch viel mehr jedem, der nicht zu den Oshead gehörte. Sie sprachen außerordentlich friedfertig. Sie waren nicht feindselig und brachten sogar Armbäder aus Halbedelsteinen als Geschenke mit. Aber auch sie würden zuerst nicht leicht zu dirigieren sein und bräuchten ihre Zeit, sich all dem Neuen zu öffnen. Dann würden sie die Häuser nach ihrem Gefühl einrichten, würden für offene Bauten und Säulen einstehen und den Einwohnern gute Dampfbäder bereiten und schöne Instrumente bauen. Aber jetzt, wo sie wie gebrochene Heilsträger am Dock standen, mit kleinen, in sich gewandten Augen und einem Ausdruck, als frören sie innerlich, schien all das unendlich weit entfernt.

Die Ghalmaren waren genauso erschöpft wie alle anderen, aber sie brachten ihre Zweifel laut zum Ausdruck. Sie sprachen von wenig Platz und davon, dass die Struktur fehle, ehe sie sich überhaupt davon überzeugen konnten, ob ihr Eindruck richtig war oder falsch. Es waren bei ihnen fast gleich viele Männer wie Frauen dabei und auch ein paar Kinder. Die Ghalmaren war der hiesigen Bevölkerung am ähnlichsten und verwandte wahrscheinlich auch die meisten Gedanken darauf, die Gutenbuchter für sich zu gewinnen. Vielleicht kam es einem auch nur so vor, weil sie die geringste Mühe dabei hatten. Ihre Kleidung war zweckmäßig, erdfarben und dunkelgrün. Sie beschwerten sich darüber, was die feuchte Luft dem Leder angetan hatte und teilten sich in zwei Gruppen: Jene, die den Gombas mit Abneigung und Skepsis begegneten und dann die zweite, die zu schätzen wusste, dass man sie aufgenommen hatte, und versprach, sich mit ihrer Arbeitskraft gut einzubringen.
„Hier ist ein neues Land“, sagte einer, der sich Fin nannte, ein Bursche mit starken Armen und mittelbraunem Haar. „Neue Begebenheiten. Es kümmert nicht mehr, ob wir mit einem Ghalmaren arbeiten oder einem Naihlar, weil das hier weder Ghalm noch Naihl ist. Wir arbeiten, nehme ich an, alle als Gutenbuchter.“ Das brachte ihm seitens der Ghalmaren und Naihlar sowohl Zustimmung als auch Widerspruch ein. Sogar Neome wandte ihr Gesicht ab und krauste ein wenig die Nase. Unter den Chirya wurde diese Einstellung wunderlicherweise am Besten aufgenommen. Und auch unter der letzten Gruppe.

Den Naeviten, die ein seltsames unsichtbares Feld umgab, eine Kraft scheinbar, die andere von sich abstieß, kamen gebündelt und schweigsam daher. Wenn sie etwas sagten, klang es klug und bedacht, bis auf manche Ausnahmen, die nur dummes Gepöbel von sich geben konnten und die Geschehnisse in der Heimat noch nicht mit sich vereinbart hatten. Sie spürten alle sehr genau die Ablehnung, die sie von vielen Seiten traf.
„Es gibt auf Ortac kein sicheres Leben mehr für uns“, erklärte eine Frau, die bereits älter war, und der die Schiffahrt wenig ausgemacht hatte, wie sie sagte. „Wir dienen denen, die uns Schutz geben.“ Viele der Naeviten sprachen von Willkür, von ungerechter Feindseligkeit ihnen gegenüber. Viele waren Unterdrückte des Krieges. Bei anderen konnte man sich nicht ganz sicher sein, ob sie nicht Kriegstreiber gewesen waren. Neome hatte bei den Naeviten die größte Alarmbereitschaft gespürt. Nun musste sie anerkennen, dass der Umgang mit ihnen leichter war als der mit den Naihlar und Chirya.

Der schreiende Zwerg, der im ersten Moment der Ankunft ein Schrecken für die gewesen sein musste, die schon auf dem Festland waren, erwies sich als gedanklich weitsichtiger denn körperlich.
Er forderte von denen, die mit ihm kamen, wenn man eine neue Regierung betrat, sich nach dieser zu richten. Er missbilligte die Naihlar für ihren Stolz, wenn sie sagten, dass es ihr Volk war, ihre Brüder und Schwestern, die sie hergeholt hatten, und dass es für sie keine neue Regierung war. Er verstand nicht die Chirya mit ihrer Sinnlichkeit und begab sich trotzdem am Häufigsten in deren Gegenwart. Die Naeviten mochte er überhaupt nicht. Mit den Ghalmaren sprach er gern über den Kampf. Er war ein Krieger und ein Schmied, aber zu verraten, warum er mitgekommen war, war er noch nicht bereit.

So stand denn fest, als der Schmutz und der scharfe Seewind ihre Flüchtlinge ausspuckte, dass es mit ihnen nicht so leicht werden würde, wie mancher es sich vielleicht ausgemalt hatte. Das waren keine leeren Arbeiterhüllen, noch stumpfe Mitläufer. Hinter den hoffnungsvollen, ängstlichen und zornigen Gesichtern verbargen sich Gedanken und Wünsche, eigene Ziele und Vorurteile. Noch waren sie einfach nur Fremde, die eine Rettung suchten. Und es würde ihrer aller Geschick und Feingefühl kosten, sie zu Verbündeten zu machen.
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Neome
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BeitragThema: Re: Die Ankunft der Flüchtlinge (Informationspost)   So Mai 15, 2016 3:59 pm

Menschen bringen immer auch Geschichten mit. Und so vielfältig wie die Anmömmlinge sind auch ihre Berichte und die Neuigkeiten, die sie teilen.


Zwei ungleiche Geschichten verbreiten sich. Die eine sagt Karg ist tot. Die andere behauptet das Gegenteil.
Es gibt die Geschichte davon, dass eine Tochter Emebeths und Absalons (Kargs Bruder) Karg von den Neun Zinnen gestoßen haben soll.
Andere behaupten, das wäre nicht wahr.
Die Gefroreren wurden jedenfalls nicht abgezogen und sicher scheint zu sein, dass die rothaarige Tochter Emebeths (Emelie) sich in der Festung in Peneran befindet.

Schlimme Botschaften kommen mit übers Wasser.
Dion, Archon der Naihlar ist gegen die Gefrorenen gefallen.
Auch der Archon der Zwerge ist dem Krieg zum Opfer gefallen.
Und auch Emebeth ist tot. Ihre zweite Tochter Sorcha soll sie jetzt beerben.

Die Dörfer und Siedlungen der Chirya haben am stärksten unter den Attacken von Kargs Schergen gelitten. Lostar und viele andere Orte wurden eingenommen oder ausgebrannt.
Auch die andere Spähren mussten Verluste hinnehmen, natürlich, aber keiner hat so viele Dörfer verloren wie die Chirya.

Man erzählt sich außerdem von Knochengängern, die befreit worden wären, und auch hier gibt es verschiedene Versionen der Geschichte.
Die Knochengänger sind die Gefallenen einer vorzeitlichen Schlacht in Andurs altem Reich, dem heutigen Hanland in Naevi. Der Krieg wurde mit Magie geführt, und die Magie ist dort in die Erde gesickert. Da hält sie die Körper der Toten, die umhergehen, gewachsen sind, große, diamantharte Knochenmänner, manche mit Teilen ihres alten Körpers, der ihnen vom Gebein schmilzt. Die Berichte erzüählen davon, dass jemand Magie gewirkt hat und sie aus ihren Grenzen gelassen hat. Wenn auch glaubhaft ist, dass die Knochengänger nur durch Magie gesteuert werden können und nur dorthin sich bewegen können, wo sie fließt und zirkuliert, sind die Menschen uneins darüber, wer hinter ihrer Steuerung steckt.

Manche sagen, der Turm der Magier sei geöffnet worden, und das wäre wirklich eine Katastrophe. Andere glauben, dass es die Verborgenen Magier waren, die guten, und dass die Knochengänger zum Zweck der freien Völker entfesselt wurden.

Unter den Flüchtlingen kam es immer wieder zu Unruhen und Prügeleien. Naihlar verbreiten das Gerücht, die Hoffnungsträgerinnen wären nicht Töchter Absalons, sondern Töchter Kargs.
Die Chirya nehmen diese Verleumdung ihrer Herrscherin Emebeths (der Mutter der Mädchen) nicht hin. Zwei Männer aus dem Pferdeland haben einen Naihlar gelyncht, eine Naihlarfrau dafür einen dieser Männer aufgeschlitzt, ehe die Unruhen beendet werden konnten.

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