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 Briefwechsel mit Chattras

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Vhenan
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BeitragThema: Briefwechsel mit Chattras   Mo Mai 16, 2016 6:39 pm

Für alle offen, die Post verschicken wollen.



Einige Wochen nach dem Konvent in Holzbrück erreicht ein Bote die Zuflucht in den Südlanden und übermittelt folgende Zeilen. Der Brief ist mit einem Kraken in goldenem Siegelwachs verschlossen.


Atata und Cháire Chattras!

Am Hof würden die dich vielleicht noch mit einem ''Der Segen der Quihen'Assil mit Euch!' begrüßen. Ich habe mich bisher immer erfolgreich darum gedrückt es zu erwidern, wie du dir sicher vorstellen kannst. Aber meine Tage dort haben ein Ende gefunden. Die Abschlussprüfung liegt hinter mir und ich bin nach Hause geschickt worden. Ich bin gespannt, ob Scriptoria mich ein wenig vermissen wird. Sie muss eigentlich merken, dass es plötzlich leiser ist... und langweiliger... mich muss man doch vermissen! Selbst DU vermisst mich und versuch gar nicht erst, dich da rauszureden!

Eminenz, ich muss dir einiges erzählen! Und meine Gedanken toben alle durcheinander, Ich hoffe ich vergesse am Ende nichts. Wenn doch, dann versuche ich es mir bis zum nächsten Mal zu merken! Was ich dir in meinem Delirium in der Taverne gesagt habe, weiß ich gar nicht mehr, also kann es sein, dass ich mich wiederhole. Aber das ist ja nichts, was du nicht ohnehin von mir kennst. Ich bin übrigens mit mörderischen Kopfschmerzen in den Unterricht gegangen und Scriptoria hat mich nicht geköpft. Aber ich glaube sie war nah dran... Sie hat genau wie du ständig geseufzt, wenn ich irgendwetwas für sie Seltsames gesagt habe. Es kam recht häufig vor, ich weiß wirklich nicht was ihr immer alle habt!

Die Ausbildung zum Urkundenmacher war recht... trocken. Und langweilig. Aber das war mir leider schon von Anfang an klar, Mein Vater hat mir Chollodan und Chollodim auch so ätzend unspannend beigebracht. Scriptoria hat noch versucht witzig zu sein, denke ich. Wie ein alter Lehrmeister mit klugen Weisheiten, aber das ist voll nach hinten losgegangen und danach kam nichts mehr. Vermutlich war sie zu feige oder zu erhaben sich noch einmal darauf einzulassen... Sie kam mit ähnlichen Weisheiten wie du. Aber im Gegensatz zu dir hat sie nicht herumgebrüllt, als ich es zu weit getrieben hat. Lag vermutlich hauptsächlich an mir, aber ich mag es nicht, wenn man mich für dumm verkauft und vorführt. Da mag ich vielleicht etwas eruptiv in die Luft gegangen sein. Das Wort habe ich neu gelernt. Eruptiv. Das gefällt mir! Aber nunja. Naihlar'sches Temperament eben. Das scheint denen hier (abgesehhen von den Naldar und Leonora) völlig fremd zu sein. Temperament. Mitten in der Ausbildung bin ich sogar einmal aus dem Unterricht geflogen!! Ich dachte ja Sciptoria tönt nur herum und meint es nicht ernst, aber dann hat sie tatsächlich durchgegiffen. Das war... seltsam. Habe ich ihr nicht zugetraut, Und dann stand ich da. Bradach. Aber das war eher unglückliches Missverständnis, nichts was dich zu eine jubilierenden Tänzchen animieren sollte. Ich glaube ja sie mag mich doch irgendwo.

Dass das Herrenhaus abgefackelt ist, weißt du ja glaube ich. Es war ziemlich dramatisch, aber irgendwie hat mich das kaum erschreckt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich  zu abgestumpft geworden bin oder ob die anderen alle  zu schreckhaft sind... ich glaube die würden auf See nicht lange durchhalten, dafür sind sie nicht wahnsinnig und waghalsig genug. Bis auf den materiellen Verlust ist nichts weiter passiert, wir hatten Glück.

Im Unterricht bin ich ich hin und wieder auch mit anderen aneinandergeraten. Meine Opfer wechselten je nachdem, wer mir einen Funken lieferte, aber auch das ist ja nichts Neues. Es ist nur leider auffällig, dass ich das größte Konfliktpotential ausstrahle, dabei weiß ich gar nicht woran das liegt. Und dann wird man mit Blumen dezent darauf hingewiesen. Ich würde niemals einen Blumenstrauß verschicken, um jemandem die Meinung zu geigen... die sind komisch. Wobei... ich tatsächlich etwas verschickt habe. Eine Warnung, weil ich plötzlich mit dem Gerücht konfrontiert wurde ein hinterlistiger Kehlschneider zu sein. Hast du da was mit zu tun? Als ob ich das nötig hätte! Der wird sich noch umsehen und sich wünschen ich hätte ihm nur Klee geschickt. Wird sich zeigen. Wenn er will, dass ich an ihm herumschneide, muss er das beim nächsten Mal einfach sagen, dann tu ich ihm den Gefallen.

Aber egal... Ich hätte nicht gedacht, dass es Spaß machen kann Briefe zu schreiben. Das hätten wir schon früher machen sollen, aber damals mochte ich dich zu wenig, um es tatsächlich durchzuhalten, fürchte ich. Und jetzt wo ich weiß, wie man diese komische Sprache korrekt benutzt und schreibt, geht es auch viel schneller. Sieg auf ganzer Linie! Übrigens hätte ich dir diesen Brief schon in Holzbrück gerne zugesandt, es ging das Gerücht um, dass deine Zufluchtsfreunde dort seien, aber ich habe niemanden gesehen... vielleicht haben die Bracar sich auch vorher um sie gekümmert. Das Clanhorn kenne ich jetzt übrigens auch. Es gab eine unfreiwillige Taufe für eine Frau, weil der Kerl zu schwach gewesen war und es nicht halten konnte... sogar ICH konnte das Ding halten... der hatte wirklich Streichholzarme.

Auf dem Konvent konnten ich endlich wieder durchatmen. Oshead hatten viel zu tun, du weißt ja wie geschäftig wir sind. Reden ist unsere Spezialität und wir haben einigen Leuten etwas aufgeschwatzt. Auch wenn du es nicht glaubst, wir haben viele Kontakte geknüpft und Handelspartner gefunden. Das erste Schiff ist verkauft und wird nach Fertiggstellung weitergegeben. Da siehst du, dein Spott prallt völlig an uns ab und wir kommen in großen Schritten voran. Mach dich nur weiter lustig. Das meine ich ernst, denn das ist höchst amüsant. Ich werde es auch beibehalten.
Wir bauen gerade unsere neue Hauptstadt. Loravinde. In Takbal siedeln die neuangekommen Flüchtlinge aus Ortac. Hast du davon schon gehört? Es sind sogar Naeviten gelandet. Karg soll tot sein. Andere sagen das stimmt nicht... aber alle sagen Dion, der Listige sei tot. Und der Archon der Zwerge... Daran scheint es keine Zweifel zu geben. Um Dion tut es mir schon leid... den habe ich früher immer ein wenig angehimmelt...
Trotzdem scheint es in der alten Heimat nicht sicher zu sein. Nach dem Krieg herrschen genauso viele Unruhen wie in der Zeit davor... und hier auf Mythodea müssen sie sich erst einleben. Die ersten wurden schon gelyncht, andere reden bloß, aber das ist der Lauf der Dinge. Wir arrangieren uns damit und versuchen die Kontrolle zu bekommen. Falls du also Naevitenkontakt willst... er wäre hier.

Ich mache mich jetzt wieder auf und gehe üben. In wenigen Wochen ziehen wir in den Krieg gegen das Untote Fleisch. Die Zweifler sind nicht der einzige Feind, wenn vielleicht auch der Schlimmste. Und bevor ich denen wieder in die Augen sehe, muss ich einiges für mich klären. Angeblich bin ich doch eher Ignis verbunden und nicht Aeris. Die muss sich auf einer Nebensäule vergnüngen... ich habe von verschiedenen Kontrukten der Elementvereinigung in einem selbst gehört und muss da noch eine Weile drüber nachdenken ... vielleicht habe ich mich erneut geirrt und mich selbst falsch eingeschätzt. Das wäre nicht das erste Mal. Hast dir schon Gedanken darüber gemacht welches Element bei deinen Besuchen hier am Stärkste ist? Magica kann es eigentlich nicht sein, denn da steht Harmonie und Zusammenhalt im Zentrum und davon verstehst du nichts. Ich glaube für dich muss sich noch ein Extraelement offenbaren... Oder die Knochenkönigin adoptiert dich.

Schreib bald zurück. Was machst du eigentlich den ganzen Tag in der Zuflucht?

Malenah

Vhenan
Tochter des Joriel
Haus Lorashosha
Eingeweihte in die Mysterien des Rums
Schülerin des Regir
Glücksspieler und Gomba
und... Gandrachalgar ân Oshead
JA! Ich habe bestanden. HA!

Auf bald!

p.s. Gack geht es übrigens gut. Ich mag sie und habe in meiner Abwesenheit jemand Fähigen beauftragt auf sie aufzupassen. Keine Sorge, dein Geschöpf wird gut behandelt. Du scheinst ja richtige Vatergefühle entwickelt zu haben, so wie du dich um sie sorgst. Beinahe rührend. Wir schicken sie irgendwann zurück, sobald wir wissen wie. Wenn du uns aber das nächste Mal etwas schickst, dann mit weniger Krawall, bitte. Einige Bewohner dachten die Welt geht unter. Und ICH dachte ein Weltenriss tut sich auf. Trotz deines Erfolges gab es mal wieder einige negative Nebeneffekte. Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre, Meister der Reiskreise.
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Chattras

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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Di Mai 17, 2016 12:33 pm

Mit einem dumpfen Pochen schlug der stumpfe Stahl einmal mehr auf das schwere Holz des Übungsschildes. Chattras' Arm krümmte sich nach innen, als ihm der Schmerz durch die Nervenbahnen fuhr. Er gab ein gequältes Röcheln von sich und wich noch einen Schritt weiter zurück.

Und noch einmal!

Der Waffenmeister hob das Schwert wieder an. Er trat nach vorne, zur Seite, wieder nach vorne ... jeder Schritt sorgfältig vor den anderen gesetzt, einem unsichtbaren Tanzmuster folgend. Der Magier, schweißüberströmt und mehr als nur ein wenig zurechtgestutzt, verfluchte einmal mehr seine Entscheidung, wehrfähiger werden zu wollen. Dann packte er den Schild fester und drehte sich mit seinem Gegner. Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung wahr, genug Ablenkung für einen weiteren Hieb.

Umpfh.
Aufmerksamkeit wahren, euer Eminenz. Immer die Aufmerksamkeit wahren.
Chattras trat zurück und öffnete die Schildhalterung an der Hand. Es ist mir bewusst ... uff ... ich habe nur ... ugh ... ist das nicht ... Eughbert?

Tatsächlich stapfte der Universalhilfszombie den Pfad hinauf, ganz sture Entschlossenheit. Chattras trat ihm entgegen, bevor er etwas anstellen konnte.
Was ist denn .. ich meine: Eughbert, repetiere mir den exakten Wortlaut der Anweisung, auf deren Basis du diesen Ort aufgesucht hast und nenne mir die Bezeichnung des Man ... Men ... der Entität, welche diese Anweisung formuliert hat.
Man musste bei Zombies aufpassen.
Dann, wie ein altes Reibeisen, durch das man einen noch älteren Esel schob:
'Eughbert, bring diesen Brief zu Seiner Eminenz Kaddrass Melanies und schütze ihn dabei vor dem Wetter. Ich glaube, dieser blutgierige Irre hampelt wieder mal am Südhang herum.' Dies sagte Postmeister ... ... Postmeister Senior Al'Mukthur, ich weiß.
Der alte Mann hatte keine Manieren und ein entsetzliches Namensgedächtnis, aber er war ein guter Postmeister. Oder zumindest gab es keinen besseren.
Nun gut. Von wem ... nein, das weißt du natürlich nicht. Hm ... wo ist denn der Brief?
Chattras Blick glitt den untoten Leib des Dieners entlang. Als dessen Hand Richtung Bauch wanderte, kam ihm ein hässlicher Verdacht.

Vor dem Wetter ... ach, verdammt. Du hast ihn gegessen, nicht wahr?
Brief ist hier sicher.
Soll dich der Naihlar betrügen, du dämliches Mistding. Nein, das war keine Anweisung. Komm mit - das war eine - ich glaube, ich habe hier noch irgendwo mein Besteck ...

Eine kurze, aber höchst verzwickte und eilig improvisierte Magenoperation später hielt Chattras einen fleckigen Lederzylinder in Händen. Immerhin, sie hatten daran gedacht, das Papier vor Zombie-Anweisungsinterpretationen zu schützen. Das war ja schon einmal etwas. Er öffnete den Deckel und zog den Inhalt heraus.

Als er das Siegel sah, seufzte er leise. Es erschien ihm nur angemessen.
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Chattras

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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Do Jul 21, 2016 1:48 pm

Einige Wochen später, in einer zugigen Kammer, hoch oben in den Bergen



Chattras stand am Fenster und blickte auf das Tal hinunter. Es war die Zeit im Jahr, in der das Grün der Felder zu wachsen schien; die engen Grenzen des Flusslaufs  brechend, hinauf in die grauen, felsigen Höhen des Gebirges. Eine vergebliche Anstrengung - in einigen Monaten würden die Hänge wieder so kahl sein wie zuvor. Und doch hatte es etwas Tröstendes.

In einer ewigen Welt müssen auch diese Berge irgendwann einmal grün werden, dachte er bei sich.
Dann zog er den Kopf aus den Wolken, schloss das Fenster und drehte sich zum Dikthanaton um.

Also gut. Eughbert, du wirst, was ich dir sagen werde, auf das vor dir liegende Papier mittels der Feder in deiner Hand in der dir bekannten Schriftform übertragen, beginnend mit den Worten, die ich nach dem vereinbarten Losungswort sprechen werde und endend wieder mit dem vereinbarten Losungswort. Wenn die Schrift von der vorhergehenden in Sichtbarkeit abweicht, wirst du erneut Tinte aus dem neben dir stehenden Glas aufnehmen.

Das sollte alle Eventualitäten abdecken. Also gut ... wie ging dieser lächerliche Begriff noch gleich?
Lebenzlangarschicksalschatz.


Die Hand des Untoten ruckte mechanisch über das gelbe Papier. Buchstaben folgten, wie mit dem Lineal abgemessen.

Chattras
Sohn des Serrasthes
Haus Melanes
Eingeweihter in die somatischen Mysterien
Reisegefährte der Oshead
Schüler der Taja Afarit
Schüler der Ayela Zhalam
O Kosh not Un

grüßt

Vhenan
Tochter des Joriel
Haus Lorashosha
Schülerin des Regir
Gefechtsalkoholkonsumentin und glücksunabhängige Glücksspielerin
Gandrachalgar ân Oshead



Das sollte ihr gefallen.

... sowie natürlich auch Raûl, Malen, Jael, Arden, Asdan, Marcia, Neome, Schranz, Vamai, Revan und alle anderen, die mir gerade entfallen sein sollten.

Mit Vergnügen und Erstaunen habe ich über die Begebenheiten in Shäekara und der Hohld gelesen und den diesbezüglichen Erzählungen gelauscht. Vor allem Deine beiden Nachrichten waren mir recht willkommen, aber wie Du ja implizit weißt, hatte mir auch unsere Delegation Einiges zu berichten.

Obgleich es mir noch immer schwer fällt, dies im Ganzen für glaubwürdig zu halten, scheint sich doch eure kleine Siedlung nicht unvorteilhaft zu entwickeln - auch wenn ihr Ruhm bislang noch nicht über andere Kanäle als Deine an mein Ohr gedrungen ist. Das sollte sie ein wenig zurechtstutzen, nein schreib das nicht, du blöder Zombie, ach egal, ich kann das später wegstreichen (wenn ich es nicht vergesse).

Auch freut es mich zu hören, dass Dir die Ausbildung bei Hofe besser gelungen ist, als zu befürchten war. Wenn ich auch hier nicht weiter auf die Ereignisse unserer kurzen Begegnung in der Hauptstadt eingehen will
- Chattras krümmte sich etwas bei der Erinnerung an seine verlorene Selbstbeherrschung - so  scheint es mir doch, dass der Tenor meiner Worte sich zumindest nur in Teilen bewahrheitet hat. Oder die Hofgesellschaft ist toleranter, als ich sie in Erinnerung habe. Andererseits mag es auch sein, dass die doch fundamental positive Art deines Charakters auch dort nicht unbemerkt geblieben ist, was natürlich gewisse Eigenheiten leichter erträglich macht. Temperament ist definitiv das korrekte Wort. Ich persönlich will diese Elementarklassifizierung des Bewusstseins auch nicht zu hoch bewerten - es sei nur gesagt, dass derlei Selbsteinschätzung auch eine gute Möglichkeit sein kann, um sich nicht den eigenen Fehlern stellen zu müssen. (Hier will ich mich gar nicht ausnehmen, selbst wenn ich noch nicht in eine der fünf Schubladen abgelegt wurde.)

Was meine eventuelle Beteiligung an einer unvorteilhaften Gerüchtslage angeht, so kann ich nur auf den Schwertführer Al'Harb verweisen, der meine diesbezüglichen Fähigkeiten auf dem letzten Manöver rigoros getestet hat. Ich kann also mit Sicherheit sagen, dass ich wohl kaum dazu imstande gewesen wäre, selbst wenn ich es gewollt hätte. Und natürlich meine ich mich zu erinnern, dass Du beim Akt des Kehlenschneidens immer eher den passiven Part gespielt hast.


Noch so eine Geschichte, die er lieber vergessen hätte - andererseits inzwischen auch nurmehr eine nette Anekdote.

Was mich selbst angeht - es wird vermutlich Dich freuen zu erfahren, dass auch meine eigenen Verbindungen nach Mithraspera nicht völlig entschlafen sind. Auf dem Manöver unserer Delegation (auf dem es mir in einem weiteren erfolgreichen Ritual endlich gelungen ist, den vermaledeiten Liebesfluch zu brechen) hatten wir Repräsentanten der Bracar Keltoi (wie auch einer weiteren Gruppierung, die dir allerdings nichts sagen wird - es handelt sich um das 1. Imperiale Expeditionskorps zur höheren Ehre Xoms, kurz "Xomis") eingeladen. Besonders ihr Kriegsmeister, Ing Chu Carney hat sich sehr hervorgetan und ist nun Ehrenschwermann. Die Bracar sind nunmehr offizielle Verbündete der O Kosh not Un, was allerdings auch bedeutet, dass sich unsere diplomatischen Bemühungen eher in Richtung der Südlande bewegen werden. Immerhin bleibt ja noch meine Rolle als semi-offizieller Abgesandter zu den Oshead.

Ich hatte die erbauliche Gelegenheit, beim gemeinsamen Zubern mit dem neuen Hochkönig ein wenig zu plaudern, wie auch mein schauspielerisches Talent wohl recht gut aufgenommen wurde. Daher war es mir vergönnt, eine Einladung zum großen Blutsommerfest der Bracar zu erhalten - in gewisser Weise eine Umkehrung Deiner eigenen Situation. Auch wenn ich mich vielleicht an die Gepflogenheit einer befreundeten, aber doch andersartigen Gesellschaft mit vielleicht etwas weniger Murren als Du angepasst habe. Nun ja. Wir können nicht alle so stolz auf die eigene Inflexibilität sein wie die Naihlar.

Ein doch überraschend ereignisreiches Fest - es fand sich ein altes Grab, mehrere Wächter mussten bezwungen werden und Connorson war kurzzeitig von etwas besessen ... mal wieder. Ich war größtenteils auf die Rolle des Zuschauers reduziert, hatte aber doch Gelegenheit, meine Fähigkeiten ein oder zwei Mal unter Beweis zu stellen - auch wenn mir das am Schluss Rieks Hämorrhoiden eingebracht hat. Ja, die Rotte war ebenfalls anwesend.

Auch bin ich nun lebenslanger Gast der Jurte - nur zum geringen Preis einer abgeschlagenen Hand. Und Du sagtest, das Sezieren von Leichen hätte keinen praktischen Nutzen. Das Clanhorn konnte ich bei dieser Gelegenheit ohne Schwierigkeiten festhalten,auch wenn ich zugeben will, dass die Form für einen einzelnen Trinker unvorteilhaft ist.

Zuletzt freut es mich zu hören, dass es Gack gut geht. Ich hatte ein wenig befürchtet, dass sie den Kulturschock vielleicht nicht verkraften würde - der kleine Realitätsdurchbruch ist im Vergleich zur Gesellschaft der Naihlar völlig gefahrlos. Solltest du aber eine schnellere Möglichkeit kennen, die Post zu befördern, so zögere nicht, davon Gebrauch zu machen. Ich harre gespannt auf deine diesbezüglichen Theoreme.
Anbei auch ein wenig Silber, für die Rückpassage. Ich gehe davon aus, dass sie die Idee verworfen hat, den Transitionsprozess umzukehren. Wenn dem so ist, vertraue ich Gacks Urteil - immerhin ist sie wahrscheinlich die metaphysikalisch gebildetste Person in Shäekara.



Wenn dich diese Zeilen nun erreichen, so werde ich wohl ebenfalls kurz vor dem Aufbruch sein. Ich habe die Absicht, zum Sommerfeldzug, über Gutenbucht anzureisen - immerhin liegt es auf der richtigen Seite des Kontinents. Das wird mir die Gelegenheit geben, diesen Außenposten von Ortac selbst in Augenschein zu nehmen, mitsamt meiner sogenannten Landsleute. Es wird zweifelsohne eine Erfahrung sein.

Dank meiner eigenen ... besonderen Möglichkeiten wird die Reise wohl nicht so lange dauern wie für mundane Personen, aber den Schluss werde ich dann doch mittels der Seefahrer absolvieren müssen. Was mich wahrscheinlich direkt in euren Hafen führt. Eventuell findet sich, auf separatem Wege, auch die Delegation ein, aber ich selbst ziehe es in diesem Fall vor, mich von ihnen zu lösen.

Auf bald also, Vhenan.

Chattras


Nachtrag:
Ich gebe dir recht - diese Art der Kommunikation macht vieles einfacher. Vor allem, da deine Syntax und Orthographie sukzessiv lesbarer geworden ist.



Der Beschwörer überflog die Zeilen noch einmal, rollte den Brief zusammen und verschloss ihn sorgfältig in einer wasserdichten Lederhülle. Dann drückte er diese dem Zombie in die Hand.

Eughbert, bring diese Nachricht zum Postmeister, auf dem bekannten Weg, mit dem üblichen Auftrag.
Er lehnte sich zurück und beobachtete entspannt, wie der Untote zum Fenster trat und sich hinausfallen ließ.
Nach einer Weile ertönte ein dumpfes Klatschen.

Chattras trat an das Fenster und sah zu, wie Eughbert aus dem neu angelegten Teich zu Füßen der Felsanlage stapfte und, eine Spur aus Wasserlilien und Schlamm hinter sich herziehend, in Richtung Postannahmestelle wankte.

Es waren die kleinen Dinge im Leben, die einem besondere Freude machten.


Zuletzt von Chattras am Do Jul 21, 2016 6:13 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Do Jul 21, 2016 1:58 pm

Fellar trottete widerwillig die neue Straße zum Ortaclerviertel entlang. Einerseits mochte er es gar nicht, sich in der Mittagszeit (auch wenn es dieser Tage nicht wirklich warm war) aus dem gemütlichen Büro bewegen zu müssen. Andererseits war die kleine Herrschaft immer so laut, wenn sie erfuhr, dass sie etwas nicht gleich bekommen hatte. Verdammte, verhetzte, ungeduldige Fremdländer ...

Er streckte den Kopf in eines der Zelte hinein, in denen getrunken wurde. (Und galt das nicht eigentlich für alle?)
Vhenan? Hat einer Vhenan gesehen? Ich hab was für sie.

In der Hand hielt er eine Lederrolle, an der ein Zettel befestigt war. Ân Oshead mor Oshead, stand darauf, und in etwas kleineren Buchstaben, Vhenan.

Den Beutel mit dem Silber hielt er hingegen in seiner Gürteltasche versteckt. Zum einen waren alle Naihlar Diebe, zum anderen war er sich noch nicht sicher, ob er ihn ihr wirklich geben wollte.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Do Jul 21, 2016 6:24 pm

Entgegen Fellars Vermutung befand sich Vhenan nicht in einem der Zelte. Und sie trank auch gerade nichts. Vielmehr war sie mit einem Milizrekruten am üben und taumelte voll gerüstet ein paar Schritte zurück, nachdem ihr Gegner sich gegen ihren kleinen Schild geworfen hatte. Sie hatte vorgehabt dieses Mal auszuweichen, damit er mit Schwung auf die Nase fiel, aber irgendwie hatte das wieder nicht so funktioniert, wie sie es gerne hätte.

Bradach!“, fluchte sie deshalb weiter, schnaufte unter dem schwarz-goldenen Krakenlederhelm einmal wütend auf und attackierte den Kerl nun ihrerseits. Mit wachsam erhobenem Schild preschte sie voran und versuchte ihn mit dem Schwert seitlich zu erwischen. Voll gerüstet war die Beinarbeit viel anstrengender als sonst, aber das sollte vor dem Feldzug noch ein wenig perfektioniert werden...
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Do Jul 21, 2016 7:55 pm

Es hatte eine recht lange Zeit gedauert, bis man Fellar endlich zu dem Sandplatz geschickt hatte, auf dem die Miliz zu trainieren pflegte. Gutem naihlar'schen Brauch folgend hatte ihn diese Information auch die eine oder andere Lokalrunde gekostet. (Das Geld dafür hatte er allerdings aus dem Beutel genommen. Es erschien ihm nur fair). Daher war er nun nicht mehr so ganz sicher auf den Beinen. Immerhin, sein Schritt hatte sich ein wenig beschleunigt.

Er trat um die Ecke, zwischen den beiden Lehmpfosten vorbei, an den Rand der Kampfzone. Wie alle Gutenbuchter hatte natürlich auch Fellar sein Pflichttraining absolviert, in seinem Fall allerdings mit wenig Enthusiasmus. Wozu gab es schließlich Söldner und Rekruten? Tat er nicht schon seinen Teil für den Sieg der Elemente? Da musste man ihn doch nicht auch noch über einen (normalerweise) grässlich heißen und staubigen Flecken Einöde jagen. Immerhin, es sah recht hübsch aus. Er betrachtete das Geschehen eine Weile lang gedankenverloren, bevor er sich an seine Pflichten erinnerte.

Heda! Eua Eminenns!, rief er, ein wenig lallend. (Es hieß, sie mochte es, so genannt zu werden.) Da is was für Euch annekommn ... unn ihr habd doch so laud gesachd, dassich dann sofoad bringn soll. Stehd auch was anneres inner komischn Sprache drauf!
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Do Jul 21, 2016 8:19 pm

Ach MANN! So ein Scheißdreck.“ Wieder war eine Attacke nicht so geglückt, wie Vhenan es geplant hatte. Hier funktionierte auch gar nichts mehr! Das machte sie nur wütender, zorniger und unvorsichtiger. Die Taktik war längst vergessen, sie hatte nur versucht dem anderen eine Abreibung zu verpassen und war kläglich gescheitert, da der Milizrekrut einfach besser war. Sie war ja auch kein Soldat im klassischen Sinn. Trotzdem versuchte sie es weiter, wich dem Konter aus und rammte ihren kleinen Schild gegen den viel größeren. Fernkampf lag ihr mehr, das wusste auch diese blöde Rekrut, der schon wieder so dämlich grinste. „Lach mich nicht aus, du Holzkopf!“, murrte Vhenan angesäuert und wurde erst hellhörig, als eine bekannte Stimme erklang. Wieso lallte er? ER? Vhenan glotzte Fellar ungläubig an und sah dann zu ihrem Trainingspartner. „Ich muss da mal hin. Vielleicht muss ich jetzt arbeiten.

Nach einem kleinen Wortwechsel steckte sie das Schwert in die Rückenscheide und lief auf den Postbeamten zu.
Bist du betrunken?“, fragte sie überflüssigerweise und nahm den Helm ab. Sie war verschwitzt und ihre roten Haare standen verstrubbelt zu allen Seiten ab.

Ist es einer aus der Hauptstadt?“ Ihr Blick hellte sich sofort auf. Da hätte sie gerne noch einige Briefe her, weswegen sie Fellars Zusatz, die andere Sprache betreffend, völlig ignorierte.
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Do Jul 21, 2016 9:54 pm

Nei ... nein. Nur zuviel ... zufil Ma.
Erst war es Ma Horai, dann Ma Schaum, dann Ma Oshead, dann Ma Fellar ... er hatte viele Mas über sich ergehen lassen müssen. Wenn er nur wüsste, was das zu bedeuten hatte?

Dann erinnerte er sich - noch einmal - an seine Pflicht und hielt Vhenan den Lederzylinder samt Zettel hin. Hier ... dasisses. Mittn Geschreibsl dran. Was für dich ... du ... euer ... ich ... ihro Liebden ... Ohhh. Ignis in mein Kopp ...

Fellar, der gerade die Wirkung der dritten Runde spürte, drückte Vhenan den Zylinder in die Hand und sank langsam an der Lehmmauer nach unten. Gerade jetzt musste die Sonne natürlich wieder wie früher vom Himmel stechen.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Fr Jul 22, 2016 12:32 am

Zu viel Ma...? Vhenan verstand nicht auf Anhieb was Fellar da vor sich hinlallte und es interessierte sie auch nicht wirklich. „Du verträgst ja auch nichts“, stellte sie stumpf fest. Nicht jeder war zum Trinker geboren. Das war eine Gabe.

Hier... das ist Wasser.“ Vhenan hatte sich neben Fellar an der Mauer sinken lassen, um zu lesen. Selbst wenn der Betrunkene spionieren wollte, würde er eh nichts mehr verstehen. Sie reichte ihm die Wasserflasche, legte ihren Helm neben sich ab und begann dann zu lesen.


Ân Oshead mor Oshead? OH! Seine Eminenz!“ Nani freute sich augenscheinlich, setzte sich gemütlich in den Schneidersitz und las. Die Lederhülle warf einen halben Meter von sich. Die stank irgendwie.

Oh, er hat sein Einleitungsblabla geändert... öfter mal was Neues, hm?“, murmelte sie leise und warf einen Blick zu Fellar. „Wenn du kotzen musst, dann bitte in die andere Richtung.“ Man konnte es ja mal erwähnen...

Ihre Augen wanderten schnell über die Worte, die schon wieder so furchtbar charakterlos gleichförmig waren.
Gefechtsalkoholkonsumentin und glücksunabhängige Glücksspielerin ? EY!“, regte sie sich wie gewohnt auf. Dann dachte sie darüber nach und musste zugeben, dass das eigentlich stimmte. Sie brummte unschlüssig, weil das doch irgendwie ein Kompliment war und las dann besser weiter.

Sie las einige Zeit und begann dann zu lachen. „Du blöder Zombie! HAAAAA! Da hat Chattras wieder verkackt. Das merk ich mir.“ Vhenan freute sich und warf einen Blick zu Fellar, ob der sich nicht mit freuen wollte.

Es verging einige Zeit, in der sie las. Ab und an glitten spontane Kommentare über ihre Zunge.
Ja genau! Die fundamental positive Art meines Charakters! Natürlich!
Passiver Part! Ja, du Arsch!
Da kamen dunkle Erinnerungen hoch. Sie vergaß manchmal, dass Chattras ihr beinahe auch einmal die Kehle angeritzt hatte... wenn sie nicht schnell genug ins Messer gegriffen hätte, wäre das übel ausgegangen... blöder Sack! Das war ja ewig her...

Sie schüttelte die Gedanken ab und las weiter.
Was? NEEEEEEEEEEEEEEIN!“ jaulte Vhenan los. „Nicht der Liebesfluch! Den wollte ich doch noch erleben! Ach mann!“ Sie war aufrichtig bestürzt. Jetzt könnte sie auch einen Schnaps gebrauchen.
Er hat den Liebesfluch gebrochen“, erklärte sie Fellar zusammenhangslos und sehr anklagend, dass überhaupt keinerlei Zweifel daran entstand, dass Fellar das gefälligst auch als eine bodenlose Frechheit zu finden hatte.

Sie brummte hin und wieder. „Die Bracar haben weniger Disziplin als wir... da soll der nochmal rumtönen.
Wegen einer Sache in der Hohld war sie deswegen immer noch angefressen und schlecht auf die Bracar zu sprechen. In deren Zelt ging es ja nicht unbedingt anders zu als in einer ordentlichen Taverne. Aber über Tavernen herziehen! Da würde sie seiner Eminenz noch einen temperamentvollen Vortrag halten! Wenn sie es nicht vergaß.

Bla bla bla.... Reeks, was? IH! Er hat jetzt Reeks Hämorrhoiden. Warum schreibt der mir das?!
Das wollte sie natürlich wieder von Fellar wissen. „Ey. Schläfst du schon wieder?“ Sie boxte dem Postmann mit dem Ellbogen in die Rippen. Ach, egal. Wieder ein Schwall Bla Bla.... Dann leuchteten ihre Augen erneut.
VIL! Nanuz!“ Sie wandte sich an Fellar. „Hast du das mitgebracht?
Dann müssten sie Taktschad ja heute abend nur vorübergehend ihren Verstand stehlen.... nagut und das Silber. Aber das könnte Vhenan dann ja behalten. Das wurde ja immer besser.

Wo ist das Silber?“ Sie flüsterte dieses Mal leiser, denn das musste ja nicht jeder mitbekommen.


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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Fr Jul 22, 2016 12:02 pm

Fellar hatte natürlich nicht so richtig hingehört. Die laute Oshead brüllte immer mal wieder herum, das war eben so. Im Moment gab es drängendere Probleme, wie etwa die Frage, wie er den Kobold vertreiben konnte, der ihm mit einem Hammer auf dem Kopf herumklopfte.

Klopfbolde wohnten in Weinfässern, das war allgemein bekannt. Dieser hier war leider sehr hartnäckig. Es konnte natürlich auch an der Sonne liegen, obwohl die sich bereits wieder verzogen hatte. Verdammtes, kaltes Mistwetter. Das war nicht normal, war das. Das lag bestimmt am mangelnden Elementarglauben von den Ortacis. Die waren auch sonst so komisch ... was wollte die denn jetzt? Ach ja, genau ... Geld ... was war damit noch gleich passiert?

Grfgmpl, sagte Fellar, und rollte sich herum. Mit einer Hand hielt er sich den Schädel, mit der anderen fuhrwerkte er an seinem Gürtel herum. Beim dritten Versuch ging der Beutel ab und fiel zu Boden.

Das Leder öffnete sich. Aus dem recht großen Beutel rollten zwei kleine, silberne Münzen einsam in den Staub.
Fellar hatte das Gefühl, dass eine Erklärung angebracht war.

Ah-allesso. Das. Das. Das da Gold ... Gelth ... Geld da. Dassiswarso. Er versuchte sich verzweifelt daran zu erinnern, was eigentlich geschehen war. Er war in dieses Zelt getreten, hatte nach Vhenan gefragt, dann hatten sie ihn auf die Kissen eingeladen, und dann ... ?

Alleso! Es war so üplicht ... übelich ... üblich. Das hammse alle gesagt. Alle. In dem Zelt. Wo ich Euerminimenz gesucht happ.
Es muss Ma ... ma ... machen. Ma gemacht wern. Ma Schaum! Ma Oschath! Ma Regir! Ma Oraua! Und dann noch mehr, ganz viel Ma. Und dann muss Baladost gemacht werden. Viel Baladost. Jeder muss mal. Ich besonders. Un ich hatte nichsoviel, aber ich hatte das ... den ... den Beutel da. Und dann war da viele neue Freunde. Und hießen Gend, und Cohonns un Lumia un Takschat unso. Un der 'Honns sacht ... sacht ... dass du ... dassie ... ihr ... das Euer Vhenan sofieso zuviel Chaba hat. Unnes ruhigvertragn kann. Unnan hat die Takschat mit ... mitmein ... hatse ... rumgemacht ... anmein ...

Fellar begriff im Alkoholdunst, wenn auch nur instinktiv, dass er diesen Teil seiner Geschichte besser übergangen hätte, aber nun war es wohl zu spät.
Hattse gemacht. Unnan gabs nochmal Baladost füralle. So. Undann wars .. wars weniger.

Fellar drehte sich auf den Rücken und schloss die Augen. Wenn nur der Kobold endlich mit dem Hämmern aufhören würde ...


Zuletzt von Oshead Erzähler am Mo Jul 25, 2016 11:17 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Fr Jul 22, 2016 5:28 pm

Vhenan glotzte auf die beiden einsamen Münzen.
Das ist doch nicht sein Ernst!
Sie glotzte weiter und regte sich vorerst kein Stück.
Wollte Chattras sie verarschen?
Zwei verdammte Drecksmünzen für die Überfahrt?! Dem werd ich in den Hämmorrhoidenarsch treten! Mit Anlauf!!“, spielte sie sich sofort wütend auf und griff nach den zwei Silberlingen und dem Beutel.

Die Naihlar erkannte das ganze Ausmaß des Desasters erst, als Fellar das ominöse 'Ma' auflöste. DAS meinte er! Ja, das erklärte so einiges. Und sie musste diese spontane Unterstellung Chattras gegenüber wieder zurücknehmen. Verdammt.

Nein....“ Vhenan sah zu dem Postbeamten und wurde ungeduldiger. Sie saß nicht mehr nur so da, ihr Knie zappelte. Das Zappeln setzte sich während er redete bis in die Fußspitzen durch.

Die haben sich ALLE gegen mich verschworen! Tschad bala, Chochahka!“ Ihr Fluch war inbrünstig und ehrlich. Dann grinste sie.

Cohjons UND Taktschad waren das beide? Mit den anderen zusammen? Boah... das gibt Rache!
Gedanklich spielten sich einige grausame Szenarien in ihrem Kopf ab. Naihlaresk natürlich, nicht wirklich blutig. Trotzdem freute sich Nani irgendwie, dass sie von dieser kollektiven Verschwörung erwischt worden war und grinste erheitert. Das war ein deutliches Zeichen von Zuneigung! Und sie hätte selbst nicht anders gehandelt.

Na toll... dann muss ich mir das Silber eben wirklich so holen...“ Sie dachte schon weiter und plante genauer. „Wird schon!“, motivierte sie sich selbst und nickte entschlossen.

Der Kater geschieht dir recht, du Knackwurst!
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Mo Jul 25, 2016 11:58 pm

Fellar hatte von all dem nur begrenzt viel mitbekommen. Es reichte ihm, zu wissen, dass die kleine Herrschaft niczht auf ihn sauer war. Oder zumindest nicht primär auf ihn. Dann konnte er ja ... konnte jetzt ... konnte ... kooooo


Er kotzte dann doch über Vhenans Schuhe. Wahrscheinlich lag es einfach am Tag.
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BeitragThema: Re: Briefwechsel mit Chattras   Di Jul 26, 2016 6:44 pm

Nein!

Vhenan glotzte noch ungläubig auf ihre vollgekotzten Schuhe und trat dann aus einem Impuls heraus nach Fellar.
Du Arsch!“ Es war ein sehr unherrschaftlicher Ausruf, aber ehrlich. Dann seufzte sie, stand auf und versuchte die Sauerei ein wenig abzuschütteln. Es war größtenteils nur Alkohol, wie es aussah und roch. Und es war bei weitem nicht die erste Sauerei, die ihre Schuhe bedeckte. Trotzdem musste das doch nicht ständig passieren.

Jetzt muss ich die schon wieder sauber machen. Langsam reichts mir hier!
Erst die Belagerung, dann Gacks Reisehalunkerei, Heribas der blöde Sack, Wamais komisches Verhalten und die eigene Angst vor der Spiegelwelt. Manchmal war Vhenan überfordert und hätte Fellar gerade am Liebsten in den Boden gestampft. Aber der war schon halb mit dem kalten Boden verschmolzen.

Das besprechen wir noch, wenn du wieder nüchtern bist!“ Die Drohung würde sie wahrmachen. Vorerst aber nahm sie ihren Helm, band ihn an den Gürtel und hob Fellar dann ächzend auf die Beine.

Ich bring dich erstmal nach Hause.“ Es war beschlossene Sache und sie lief ohne auf Zustimmung zu warten los. Mit Fellar im Arm. Auf dem Boden würde er sich nur verkühlen und bald könnten sie eine Menge Post bekommen und verschicken, wenn die Truppen hier blieben, da musste er einsatzbereit sein.

Jetzt mach dich nicht so schwer! Mir wird nachgesagt die perfekte Größe für Krankentransporte zu haben“, gab sie an und lotste ihn zu seiner Hütte. Immer dieser Ärger mit den unfähigen Trinkern!


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Briefwechsel mit Chattras
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