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 Eine Höhle in einer Bucht

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Adhemar

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Anzahl der Beiträge : 38
Anmeldedatum : 12.08.15
Alter : 34

BeitragThema: Eine Höhle in einer Bucht   Di Jun 07, 2016 10:17 pm

*platsch*

"Verdammt!"

*platsch*

*seufz*

Es war kein Wunder, dass Menschen das Meer fürchteten. Es war auch kein Wunder, dass sie es hassten. Adhemar hasste es. Insbesondere hasste er den Teil des Meeres, der sich bei der letzten Flut in dieser Höhle gesammelt hatte und dann hier verweilte, während sich die Tide wieder senkte, als habe er nur auf ihn gewartet, um sich dann an seine letzte Ruhestätte zurückzuziehen, die, wie es das Schicksal wollte, sich im Innern von Adhemars Stiefeln befand.

Er hatte die Höhle nicht lange inspiziert, bevor er sich entschlossen hatte, dass dies der Ort sein sollte, an dem die unsägliche Elbenmagie bewirkt werden sollte, die seiner Seele Sicherheit und seinen Gedanken Freiheit geben sollte, wenn die elende Hexe recht behalten sollte. Ein Ort der Einsamkeit sollte es sein zurückgezogen und abgelegen von dem Trubel, den Menschen verursachten, wenn sie sich zu ihren Herden zusammenrotteten und sich gegenseitig das Gefühl zu geben versuchten, nicht gar so belanglos zu sein, wie sie es in ihrer Natur lag.

Die Höhle schien ein idealer Ort dafür zu sein, hier eine Nacht zu verbringen, über das Feuer zu wachen und seine Seele mit jenem Gegenstand zu verbinden, den die Elbin als "gut" erachtet hatte, als ob sie wüsste, von was sie spräche. Zwei Nachteile hatten sich jedoch ergeben, die vorab nicht vorauszusehen gewesen waren, zumindest von jemandem wie ihm, der nautischen und stellaren Vorgängen mit einer solchen Gleichgültigkeit begegnete, wie Adhemar es tat.

Zum Einen war ein Großteil des Holzes, das er tags zuvor in die Höhle verbracht hatte und das ihm die Nacht über Licht und Wärme spenden sollte, nass geworden, da der Wasserstand am Zenit der Flut doch höher war, als er erwartet hatte.

Zum Zweiten, was ihn im Übrigen auch davon abhielt, diese unsägliche Unternehmung auf einen Tag später zu verschieben, um dann trockenes Holz zu haben, wurde der Eingang zu seiner Kaverne bei Flut vollkommen überspült, weshalb er sie nun nicht mehr verlassen konnte, wollte er nicht Gefahr laufen, bei seinen Tauchversuchen in tiefster Dunkelheit aufs offene Meer hinausgezogen zu werden. Dann nahm er doch lieber eine Nacht der Kälte in Kauf.

Während er langsam das Holz aufschichtete, um sein kleines Feuer zu entzünden, das ihm  Gesellschaft leisten würde, sinnierte er über die Umstände nach, die ihn dazu gebracht hatten, seine Nacht alleine in einem nassen Loch zu verbringen, das Ritual im Heerlager zu vollziehen, wie es seine Begleiter getan hatten.

Es hatte Unstimmigkeiten gegeben, wann die Gruppe sich in den Wald, der das Lager umstand, zurückziehen und ihre Seelen durch einen elbischen Taschenspielertrick der Ratio entziehen sollte. Er hatte, bedingt durch die Hoffnungen, die er neben dem eigentlichen Zweck des Schutzes, in jenen Zauber setzte, darauf bestanden, dass man unverzüglich an die Arbeit ginge. Doch sie hatten abgelehnt, weil sie ihre Vergnügungssucht und Geldgier, ihren Geltungsdrang und ihre Wichtigtuerei anbeteten, wie einen Gott. Weil nichts wichtiger war, als dem Augenblick nachzugeben. Man könne es ja am Abend darauf vollziehen.

Tags darauf hatte ihn der stinkende Pestodem, der dem Land jenseits der Spiegel anhaftete, auf seinem Lager darniedergestreckt, sodass er kaum aus seinem Zelt kriechen konnte. Während er abwechselnd schweißgebadet und zähneklappernd auf seiner Pritsche lag, konnte er sie hören, wie sie gingen. Wie sie lachten und scherzten, als sie auszogen, das zu tun, was ihm verwehrt war, gleichwohl es für ihn mehr Bedeutung hatte, als für sie alle zusammen. Freunde. Begleiter. Adhemar spuckte aus.

Als die Flammen hochzüngelten, lehnte er sich zurück an einen Felsen und griff an seinen Gürtel, wo in ihrer Tasche verwahrt, seine Kugel ruhte, zusammen mit den Gegenständen, die er für das Ritual benötigte. Er holte sie heraus und breitete sie zwischen seinen verschränkten Beinen und der Feuerstelle aus.

Er sollte sie ins Feuer legen, damit die Flammen sie verbanden oder was auch immer. Adhemar wusste nicht, was genau passieren sollte oder würde. Er wusste nur, was er zu tun hatte. Nacheinander betrachtete er die Sammlung, die quasi seine Habseeligkeiten darstellte.

Die Kugel, die seine Seele aufnehmen sollte, sollte er im Kampf gegen die Ratio fallen. Ein Utensil für einen Taschenspielertrick, ein Mittel, um beschränktem Pack das Geld aus der Tasche zu ziehen und doch sollte sie nun so wichtig werden.

Die grob aus Gras und Stofffetzen gefertigte Puppe, die seine Erinnerung symbolisierte, sein ein und alles, seinen Anker in diese Welt und gleichzeitig den Grund, warum er sie am liebsten verlassen würde.

Den Fetzen Pergament, auf den er das Wort geschrieben hatte, das ihn ausmachte, das Wort, das symbolisierte, was er mit sich trug, seit er von zuhause aufgebrochen war und das ihn in all diesen Jahren nicht verlassen hatte.

Er sollte diese Gegenstände dem Feuer übereignen, hatte sie gesagt. Seine Erinnerung würde in die Kugel verbannt werden und die Verbindung zu seiner Seele herstellen, den Weg bauen, auf dem sein Wesen von seinem zerschlagenen Körper einmal, wenn es so weit käme, zurück in die Kugel gelangen würde und dann... was dann? Adhemar war es egal. Ihn interessierte nicht, ob die Ratio oder die ewige Verdammnis seine Seele dereinst bekam. Was ihn interessierte, war das Versprechen von Vergessen. Die Erinnerung, die ihn von innen zernagte, ohne ihn jemals zu verschlingen. Sie würde in dieser Kugel ruhen und nicht mehr in seinem Kopf.

Einige Stunden später legte er den letzten noch verwendbaren Scheit auf das immer schneller verglimmende Feuer. Bald würde ihn die Dunkelheit umarmen und dann war es zu spät, zu tun, weshalb er hergekommen war.

Langsam nahm er die Gegenstände vom Boden auf und hielt sie vor sich in der Hand. War das, was er tun wollte? Vergessen? Sie vergessen?

Bevor er Gefahr laufen konnte, sich anders zu entscheiden, in der sinnlosen Hoffnung, vielleicht doch Heilung zu finden, inneren Frieden und Ruhe, warf er den Inhalt seiner Faust in das verlöschende Feuer.

Während die Schatten sich zu ihm setzten und der Rauch sich langsam in Schemen verwandelte, sprach Adhemar zum letzten Mal ihren Namen.
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