Dies ist das Forum für das Reich der Rosen im Herzen Mythodeas
 
StartseiteFAQAnmeldenLogin

Austausch | 
 

 Finde die Stille im Getöse

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : 1, 2  Weiter
AutorNachricht
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Finde die Stille im Getöse   Mo Jun 13, 2016 9:28 pm

Wann: Nach dem Feldzug in die Hohld
Wer: Vhenan, offen für alle

Vhenan war mal wieder wütend. Das war an sich nichts Neues, nur dieser Grund war ein seltener. Vhenan war wütend auf sich selbst, weil sie eine Aufgabe nicht angenommen hatte. Was hatte sie geschrieben? Vielleicht sollte ich diese Aufgabe abgeben. Weil sie andere Dinge zu tun hatte. Andere Elemente zu bändigen. Jetzt ärgerte sie sich über diese unbedachte Aussage, die längst auf dem Weg und nicht mehr zurückzubringen war. Sie hatte es in diesem Moment so gemeint, weil andere Personen für solche Tröstereien vielleicht besser geeignet waren. Aber die waren nicht immer da. Im Kerker hatte sie sich auch nicht aussuchen können wem sie beigestanden hatte und wem nicht und sie hatte es gar nicht erst in Erwägung gezogen. Und jetzt? Jetzt schob sie diese Aufgabe mit einem halbherzigen 'Ich habe andere Aufgaben und kann nicht alles gleichzeitig lernen' von sich. Wann hatte sie das letzte Mal so einfach aufgegeben?  „Feigling“, knurrte sie sich selbst entgegen und kletterte weiter. Höher und höher, bis sie eine recht beachtliche Klippe an dem Küstenstreifen bezwungen hatte. Wie tief lag das dunkle Meer unter ihr? Zehn Meter? Ein bisschen weniger?

Andere Aufgaben erledigen zu müssen sollte einen nicht davon abhalten besonders wichtige anzunehmen, nur weil man selbst glaubte es nicht zu können. Vielleicht konnte sie es wirklich nicht, aber ihr war vor ein paar Stunden bewusst geworden, dass sie die Aufgabe gar nicht annehmen wollte. Sie brauchte Klarheit und Ruhe. Und versuche dann, diesen Zustand ganz wahrzunehmen, mit all deinen Sinnen.
Vhenan löste sich immer schnell von Ruhe und Stillstand. Wenn sie jedoch wirklich helfen wollte, wenn sie es musste und niemand besseres da war... musste sie sich zurücknehmen können. Einfach mal die eigene Klappe halten und jemand anderes wichtiger sein lassen. Das war wirklich ein hartes Stück Arbeit für einen Naihlar, besonders für sie, die sich immer für viel wichtiger nahm als sie war.  

Wenn sie mit eigenen klaren Aufgaben in die Kelriothar zurückkehrte, konnte sie vielleicht selbst auch besser damit umgehen. Das war ihr Plan. 'Kämpf solange du kannst, hilf anderen standhaft zu bleiben und hack nicht zu doll auf den Ruhigen herum.' Letzteres war ein Problem, was sich deutlich in der Beziehung zwischen ihr und Arden gezeigt hatte. Wenn sie sich das in der Kelriothar auch leistete, dann... dann tat sie genau das, was sie eigentlich verhindern wollte und sorgte am Ende noch selbst dafür, dass Freunde zusammenbrachen, nur weil sie ihr Ego nicht im Griff hatte.

Ihr war der Gedanke gekommen, dass es gar nicht so schlecht war ein wenig mehr Klarheit zu finden. Wenn Ignis wieder wütete und Vhenan wusste, wie sie sich selbst zügeln konnte war das nur ein Vorteil. Das, was sie eigentlich ohnehin wollte. Sie wollte ihre Flamme, ihren Zorn kontrollieren können.... ein Feuer zu löschen und neue Brandherde zu ersticken war auch ein Weg. Vielleicht einer, den sie in der verbleibenden Zeit gehen konnte. Vielleicht.


Die Kleine stand auf der Klippe und sah hinunter. Da unten lag das dunkle Nass, es war nicht sichtbar was sich unter der Oberfläche verbarg, aber sie kannte die Untiefen und felsigen Gründe mittlerweile. Es war nicht das erste Mal, dass sie hier war. Nur das erste Mal, dass sie tatsächlich etwas von sich abverlangen wollte. Sie wollte sich nach dem anstrengenden Aufstieg die Klippe hinunterstürzen und tauchen. Der beste Ort Aqua zu finden war doch eindeutig in seinem Element. Zu zeichnen hatte nichts gebracht, da war nur ein dummer Witz aufs Papier gebracht worden, der vermutlich weder Genefe, noch Miro besonders gefallen würde.... Nani musste wieder grinsen. Vielleicht antwortete sie dem Hofmagus ein weiteres Mal und schickte ihre etwas ungewöhnliche Zeichnung einfach mit.... denn mehr hatte sie nicht erreicht außer Erheiterung. Und schnitzen tat sie nur, um Pfeilnachschub herzustellen. Vhenan musste irgendwie dafür sorgen nicht mehr so schnell ablenkbar zu sein. Sich zu konzentrieren war schwer, auch weil das nichts mit der Geduld zu tun hatte, die sie ansatzweise erlernt hatte. Also wählte sie das Wasser. Dort unten war es still und egal wie sehr die See an der Oberfläche tobte - nur ein paar Meter tiefer spürte man nichts davon. Dem Meeresgrund war egal was der Wind da oben trieb. Es war eine ganz eigene Welt.

Die Naihlar trug nur das Nötigste. Eine luftige Leinenhose in schwarz, eine rote, ärmellose Tunika und einen Gürtel mit zwei Dolchen. Man wusste ja nie. Ausnahmsweise hatte sie auch auf das Kopftuch verzichtet und spürte wie der Wind ihre roten Haare in verschiedene Richungen wirbelte. Es war ein wirklich schöner Tag. Der Wind pfiff ihr um die Ohren, die Sonne brannte auf sie nieder und sie fühlte sich frei. Vhenan blickte dem Horizont entgegen und fragte sich was für Schätze dort noch lauerten. Ob sie noch einmal die Chance bekam einfach der Nase nach in den Njama zu segeln. Irgendwohin. An einen Ort, an dem sie noch nicht gewesen war. Der Heimathafen wartete ja hier auf sie. Vielleicht sollte sie doch mit Raûl mitsegeln, wenn er den Kontinent für Geschäfte umrunden würde. Falls das noch möglich war und nicht alles den Bach runterging. In wenigen Wochen schon.

Runter, hm?“, murmelte sie leise, grinste über das Wortspiel und sah in die Tiefe. Ihr Grinsen verstärkte sich, sie spürte Euphorie in sich aufsteigen und atmete einmal bewusst die frische Luft ein.
Dann trat sie mit nackten Füßen dem Rand entgegen und breitete die Arme aus. Sie wusste was sie gleich spüren würde und sie freute sich darauf. Auf den Rausch, auf das kleine Bisschen Wahnsinn. Und dann das stille Nichts, dem sie heute auf den Grund gehen wollte. Vielleicht gelang es ihr, vielleicht nicht. Ein 'Vielleicht sollte ich diese Aufgabe abgeben.' kam jedoch nicht in Frage. Wenn sie scheiterte hatte sie es wenigstens versucht! Man musste nicht alles beherrschen, aber es doch wenigstens versuchen! Was hatte sie beim Schreiben des Briefes bloß geritten?

Die Erkenntnis verpasste ihr einen mentalen Tritt. Sie rannte los, katapultierte sich mit Schwung über den Rand und stürzte sich kopfüber dem dunklen Meer entgegen.



Es dauerte einige Augenblicke, in denen sie dem Rausch des freien Falles ausgeliefert war, bevor plötzlich alle Geräusche verstummten. Ihr Körper tauchte ins Wasser, glitt tiefer und tiefer, dem Grund entgegen. Solange bis sie irgendwann keinen Antrieb mehr durch die Wucht des Falls hatte und eigenständig weiterschwamm. Ihre Augen gewöhnten sich schnell an das Wasser und sie sah sich um. Es war still, leise, ruhig. Alle Geräusche waren ausgeblendet. Von so einer Stille ließ sie sich selten lange umgeben und auch jetzt spürte Vhenan den Drang aufzusteigen, aus dem Wasser zu schwimmen und einfach noch einmal zu springen! Aber deswegen war sie nicht hier.

Sie schüttelte den Gedanken ab, ließ sich einen Moment einfach im Wasser treiben und beobachtete ein paar bunte Fische.

Bleib und nimm es auf., ging es ihr durch den Kopf, während sie langsam weiterschwamm und auf eine Erleuchtung hoffte. Es war ja ganz nett und schön, aber mehr dann auch nicht.


Sie glitt eine Zeit lang problemlos durchs Wasser, sah sich um, beobachtete einige Fische in der bunten Welt der Korallen und sog diese Ruhe und Gelassenheit in sich auf. Diese Fische hatten bestimmt gar nichts von dem Krieg da oben bemerkt. Aber auch die sollten besser verschwinden, wenn ein größerer Fisch daherkam. Oder eine Seeschlange... oder ein Hai.

Dann wurde die Luft knapp und Vhenan tauchte wieder auf. Sofort wurde sie von Geräuschen begrüßt. Dem Rauschen der Brandung, den Gesprächen der Vögel hoch über ihr. Sie hörte sogar die Luft an den Klippen vorbeirauschen. Es war wieder laut und lebendig. Das musste sie ausblenden... wie das Wasser es vermochte. Also tauchte sie erneut und schwamm dem Grund entgegen. Sie fand dort im Sand einige Steine und auch eine große, hübsche Stachelmuschel. Vhenan lächelte leicht und klemmte sie an ihren Gürtel. Selbst wenn es eine dumme Idee war, sie würde sie mitnehmen und übergeben. Symbolisch. Dann schwamm sie weiter, immerhin war geübt darin ihre Luft lange einzuteilen.

Ihre Gedanken kreisten wieder um die Kinder Aquas, die so verdammt ruhig und regungslos waren. War es so schwer hin und wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben? Einfach mal zu blinzeln oder zu antworten anstatt nur zu starren? Dass die so verdammt verständnisvoll waren ging ihr manchmal ein wenig auf den Sack. Sie verstand es nicht und versuchte sich vorzustellen wie es wohl war diesen Zustand hier... umgeben von Stille, Harmonie und Sicherheit immer zu ertragen. Für Vhenan wäre es tatsächlich eher ein Zustand des Ertragens als eine echte Befreiung. Wie machten die das? Wie konnten die einfach nichts fühlen? Oder es einfach nicht zeigen? Wie konnten sie ihren Zorn so lange im Zaum halten? Es war ihr unbegreiflich.

Was hatte er gesagt? Wir Aquakinder sind lange Zeit sehr ruhig und gefasst, dann kommen oft die Tränen. Erst wurde geschwiegen, dann wurde geheult und irgendwann begannen sie zu toben? Das Toben hatte sie nie erlebt und zweifelte es insgeheim ein wenig an. Da musste doch mal etwas kommen. Ihr eigener Zorn brauchte nur einen winzigen Funken, bevor er alles in Brand setzte.

Wie gingen Aquaanhänger damit um? Mit dem Tod? Wurden ihre Herzen und Seelen nicht von dieser dunklen Stille eingehüllt? Gab es in dieser Schwärze keine Glut, die blutig loderte. Das Verlangen nach Rache? Die warme Umarmung der Vergeltung? Den Willen etwas zu tun und sei es mit Gewalt? Konnten die Kinder Aquas wirklich auch das einfach beiseite legen und Zuflucht in ihrer Gnade finden? Es konnte doch nicht für alles Gnade geben. Diesen Aspekt verstand Vhenan nicht und spürte selbst hier in den Tiefen einen Funken Wut. Auch in der Hohld hatte sie ihn gespürt, als die Oaui so hinterlistig und feige umgebracht worden waren. Ohne es auszusprechen hasste sie die Ouai und die Edalphi. Besser gesagt ihre fehlgeleiteten Brüder und Schwestern, die hier und auch in der Kelriothar ihr Unwesen trieben. Und doch war sie vom Schicksal der Ouai nicht unberührt geblieben. Sie hatte Zorn gespürt und den Fehler im eigenen Denken erkannt. Aber das war keine Erkenntnis oder Klarheit, die sie Aqua zuschreiben wollte. Es war nichts als fehlgeleiteter Zorn.

Vhenan tauchte wieder auf, rang nach Luft und ließ sich gemütlich auf dem Rücken treiben. Sie wusste nicht einmal im Ansatz was diese Übung hier sollte. Was Larell oder auch Miro sich dabei dachten... Klarheit. Stell dir einen ruhigen See in den Bergen vor, eine Quelle die aus einem Stein entspringt.
„Eine ruhige See ist doch langweilig.“, stellte Vhenan für sie fest und schaute in den Himmel. Das hatte sie sogar Frey direkt ins Gesicht gesagt und von tobenden Fluten geschwärmt, von Herausforderungen. Was war denn, wenn sie überhaupt keine Klarheit und Ruhe in sich trug? Wenn sie so eine Zuflucht in sich selbst nie finden konnte, weil sie zu wenig Zeit hatte? Vielleicht sollte sie Miro noch einmal fragen wie genau man das machen sollte...
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Di Jun 14, 2016 9:48 am

GWEN





Und als Vhenan ihren Blick in den Himmel richtete, fiel ihr vielleicht auch das Mädchengesicht ins Auge, das sich halb und halb über die Entfernung verschwommen und mit erschrocken geöffnetem Mund über die Klippe beugte.
"WEIßT DU, DU MUSST DICH NICHT UMBRINGEN!", rief sie die vielen Klafter weit runter, laut genug, um gehört und verstanden zu werden.

Sie war außerhalb unterwegs gewesen - warum, das war aus Vhenans eingeschränktem Blickwinkel im Wasser nicht ersichtlich - und hatte dann aus der Ferne eine Naihlar erkannt. Gerade hatte sie dieselbe aufgrund ihrer eingeschränkten Größe, des rothaarigen Kopfes und ihrer Aufmachung im Allgemeinen als die erkannt, die Mallo mit Vorliebe als "Nani" betitelte, da hatte sich dieser Elende Gomba über den Rand der Klippe gestürzt. Gwen hatte sich aufschreien hören, hatte die Dinge aus ihrer Hand geworfen und ihr nachgesetzt - und jetzt trieb sie da unten im Wasser wie ein hohler Holzklotz, dem eine Axt vielleicht gar nicht schlecht getan hätte, um ihn zu erinnern, aus welch empfindlichen Material er gemacht war.
Gwen hatte allerdings begriffen, dass Vhenan nicht wirklich lebensmüde war - zumindest nicht auf die gewollte Weise. Sie streckte ihren Arm aus und deutete runterwärts, sagte irgendwas, zuerst zu leise, sodass nur das stoßartige Gestikulieren ihres Zeigefingers blieb. Aus dem war wenig Sinn zu schöpfen. "...VIELLEICHT... ROGGEL...SPITZE STEINE...TOT...OPA!" Irgendwie so in der Art klang es, obwohl manche Silbe vielleicht vom Meeresbrausen übertönt und verzerrt wurde.
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Di Jun 14, 2016 10:37 am

Eine bekannte und doch irgendwie fremde Stimme drang an Vhenans Ohren. Die Botschaft nicht sofort. Die Naihlar hob den Kopf aus dem Wasser und sah sich suchend um. Jemand war hier und es dauerte einen Rundumblick, bis sie Mallos leiseren Schatten auf der Klippe entdeckte. Was hatte sie gesagt? Erst langsam sickerte diese absurde Erkenntnis in Vhenans Bewusstsein, während sie auf der Stelle schwamm. Dann zwei weitere.

ICH SUCHE HIER NUR WAS.“, rief die Naihlar laut zu der Ghalmarin hoch, um sie zu beruhigen und begriff ihre Aufregung mal wieder nicht. Sie seufzte leise und verstand kein Wort was Gwen da oben vor sich hinflüsterte. Das Gefuchtel konnte sie nicht deuten.
COPPA?!“, erwiderte Vhenan nach Gwens letztem Wort und wurde augenblicklich hellhörig. Das klang doch schon besser.
REDE LAUTER ODER KOMM RUNTER!“, forderte sie dann und schwamm ein Stück näher an die Klippe heran. Ihre Augen funkelten plötzlich und sie grinste.
TRAUST DU DICH ZU SPRINGEN?“ Nani zweifelte irgendwie daran, dass Gwendola das verkraftete und hebelte ihr Lernkonzept im Moment der Forderung wieder eigenhändig aus ohne es zu bemerken.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Di Jun 14, 2016 2:32 pm

"NATÜRLICH TRAU ICH MICH NICHT!...Oh Mann, blöde Frage." Gwen blickte hinter sich, sah zu ihren Sachen im Staub. Dann wieder runter zu dem Kopf, der aus dem Wasser ragte. "VIELLEICHT AUCH DOCH - ABER DER BEWEIS IST ES MIR NICHT WERT, IN EINEN SPITZEN FELSEN ZU SPRINGEN."
Das hatte sie also gesagt. Sie wusste nicht, ob es wirklich scharfen Stein da unten gab. Aber nur um es herauszufinden wollte sie garantiert nicht über die Klippe gehen.
"UND WAS SUCHST DU? DEINEN VERSTAND? ICH GLAUB NICHT, DASS DU DEN DA UNTEN FINDEST!"
Obwohl sie ihren eigenen Spruch ziemlich schlecht fand, lächelte sie aus einem basalen Zufriedenheitsgefühl heraus. Gwendola mochte die Leute meist lieber, sobald sie sie freundlich verhöhnte. In den meisten Fällen war es umgedreht dann nicht genauso. Zehn Meter tief springen. Das war zu unheimlich. Das Wasser war wie ein Brett, wenn man falsch aufkam.
"ICH KÖNNTE SCHON SPRINGEN." Sie sah sich um, ob die Ebene sie abwärts führte, damit sie auf anderem Wege näher zum Wasser kam. "ABER REGIR HASST MICH. ICH WILL ES IHM NICHT GANZ SO LEICHT MACHEN, VERSTEHST DU!"

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Di Jun 14, 2016 6:29 pm

Im Wasser schüttelte Vhenan nur vage den Kopf. Noch so ein Feigling. Aber ein lustiger.
Die Naihlar lachte leise auf und freute sich über diese dreiste Behauptung. „DEN SUCH ICH SCHON LANGE NICHT MEHR. ES LEBT SICH AUCH LEICHTER OHNE!“, rief sie amüsiert empor und störte sich nicht an dem Seitenhieb, der auf ihre Kosten ging. Verwegener Wahnsinn war ihr deutlich lieber als falsche Bescheidenheit, die Nani hier sah. Aber sie hörte ein Zögern in Gwens Worten. Heimlich wollte die andere Frau doch springen, sie gab es nur nicht zu!

DANN HAST DU GLÜCK, DASS REGIR MICH LIEBT! ICH HABE HIER SCHON ALLES AUSGEKUNDSCHAFTET. WENN DU HIERHERSPRINGST, WO ICH BIN, DANN IST ES SICHER..... SO SICHER WIE DAS LEBEN EBEN SEIN KANN.
Vhenan hoffte ja darauf, dass Gwen sich hinreißen ließ und den Rausch wählte, der zum Greifen nah war. Sie schwamm ein wenig näher an die Klippe heran, um zu die tiefste Stelle zu markieren.

HIERHER. KOMM SCHON! VERTRAU MIR. ES IST TIEF GENUG. DU MUSST DICH NUR FALLEN LASSEN.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Mi Jun 15, 2016 11:10 am

"Vertrau mir...haha...ja klar." In der Vorstellung, oder wäre dies hier nur eine Geschichte, sie hätte den Mut gehabt und wäre gesprungen. Doch das war keine Geschichte, sie spürte den Abgrund schier leiblich unter sich, den Abgrund mit seinem Sog des Grauens, der sie in die Tiefe rief. Ekler Schwindel überkroch sie von hinten wie eine kalte Hand, wenn sie nach unten blickte. "NUR NAIHLAR KÖNNEN NAIHLAR GUTEN GEWISSENS VERTRAUEN, SOVIEL HAB ICH MITTLERWEILE GELERNT!", behauptete sie laut genug. Ihr kam der Sprung in die Tiefe vor wie ein Weg von tausend Klaftern. Es ging nicht. Ausgeschlossen. Sie würde nicht springen. Sie würde gern springen. Aber sie würde es nicht tun. Weil sie nicht konnte. Es ging nicht. "Nein. Ausgeschlossen. Geht nicht." Mittlerweile verlautbarte sie ihre Gedanken. "ICH BIN AUCH IRGENDWIE WIE EIN KIND VON TERRA, WIE MAN HIER LANDLÄUFIG BEHAUPTET." Nur fallen lassen. "AUßERDEM WÜRDE ICH MICH NIEMALS 'NUR FALLEN LASSEN'. WO SCHWIMMT MAN VON DA AUS ÜBERHAUPT HIN?"

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Mi Jun 15, 2016 12:13 pm

Das war doch ein härteres Stück Arbeit als gedacht. Aber so leicht gab Vhenan nicht auf. So ein Sprung war auch gut fürs Selbstbewusstsein und das war da oben viel zu wenig vorhanden.
MALLO VERTRAUT MIR. GLAUBST DU WIRKLICH ICH LASS DICH AUF EINEN STEIN SPRINGEN?“, rief der Hitzkopf aus dem Wasser nach oben. Vhenan schüttelte kurz den Kopf und schimpfte innerlich über Terra. Die sangen auch stundenlang mit Harfenbegleitung im Blumenbeet. Dann kam ihr eine Idee.

TERRAKINDER KÖNNEN ÜBRIGENS AUCH WILD SEIN. DENK AN DIE ROTTE!
Nani grinste breit und schwamm einmal im Kreis.

LASS ES MAL RAUS. SPRING! FLIEG! DAS MACHT DICH GRÖßER!“, versuchte sie es weiter. „ICH KANN AUCH HOCHKOMMEN UND NOCHMAL MIT DIR ZUSAMMENSPRINGEN, WENN DU DICH DANN SICHERER FÜHLST.

Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Mi Jun 15, 2016 4:33 pm

"MALLO VERTRAUT EUCH ALLEN!" Da war Wertung in Gwendolas Ausruf, zumindest insoweit, dass sie sich von dieser Einstellung, distanzierte. "ABER ICH GLAUBE NICHT, DASS DU MICH AUF EINEN STEIN SPRINGEN LÄSST. Nicht absichtlich zumindest. ES IST EINFACH ZU HOCH. ES GEHT DABEI AUCH NICHT UMS WILD SEIN. MAN KANN AUCH TROTZ HÖHENANGST WILD SEIN, WILD SEIN HEIßT NICHT UNBEDINGT, SICH VON DER ERSTBESTEN KLIPPE ZU STÜRZEN." Sie wiederholte den letzten Ruf noch einmal, vorsichtshalber, weil sie davon ausging, dass über die Distanz ein paar Informationen verloren gingen. Vhenan hatte noch das Wasserschwappen um sich. "ICH WÜRDE MICH SICHERER FÜHLEN, WENN ICH EINFACH NICHT SPRINGE." Sie fühlte sich erpresst. Entweder sie würde springen oder sie wäre der Feigling ohne Selbstbewusstsein. Aber das war eine Zwickmühle, in die sie sich nicht drängen ließ, und Gwen war zu klug, um diese unreflektierte Sichtweise als die ihre anzuerkennen. Es war in Ordnung, gewisse Dinge einfach nicht zu tun, wenn man für sich keinen Grund sah, sie zu tun und keine Motivation dazu verspürte. Oder wenn man wusste, dass man nicht bereit war. Trotzdem stand sie einen Schritt näher am Abgrund und starrte abwägend runter. Natürlich wäre sie gern das Mädchen gewesen, das ohne nachzudenken springen konnte. Aber sie hatte schon viel zu lang drüber nachgedacht. Es war zu spät, um noch dieses Mädchen zu sein. Hier war nichts mehr für sie zu holen. Irgendwann vielleicht. "ICH KANN NICHT SPRINGEN!" Sie rieb sich die Stirn, runzelte dieselbe, warf noch einen Blick über die Schulter zu ihren Sachen, die sie fallen lassen hatte. "ICH KANN NICHT SCHWIMMEN."

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Mi Jun 15, 2016 7:06 pm

DU KANNST.... WAS? DU SEGELST SEIT MONATEN MIT UNS UND KANNST NICH SCHWIMMEN?“, polterte die Naihlar aus dem Wasser heraus und verstärkte ihre Schwimmbewegungen unbewusst durch einen nach vorne strebenden Impuls. Sie kam noch näher an die Klippe heran, auch wenn sie Gwen so nie erreichen konnte.
UND HÖHENANGST AUCH NOCH?
Das war ja unfassbar! Sie hatte gedacht Gwen sei einfach nur stur, was eine Eigenschaft der Terrakinder war, wie Genefe meinte. Und dann kam sie mit gleich zwei Ängsten daher.

WARUM LERNST DU ES NICHT? AM WASSER ZU LEBEN UND NICHT SCHWIMMEN ZU KÖNNEN IST DOCH TOTAL BESCHEUERT“, rief Vhenan ungefiltert hoch. „UND GEFÄHRLICH“, hängte sie an, weil das doch der weitaus sinnigere Aspekt des Protestes war.

VORSCHLAG! DU LERNST SCHWIMMEN UND DANN ÜBERLEGST DU DIR NOCH EINMAL ZU SPRINGEN. KOMM SCHON! DIE WELT GEHT BALD VIELLEICHT UNTER. DU KÖNNTEST MORGEN SCHON STERBEN, WENNS BLÖD LÄUFT. WIR WISSEN BEIDE WIE SCHNELL DAS GEHEN KANN.“ Vhenan grinste ein wenig bitter, verlor ihr Ziel aber nicht aus den Augen.

WÜRDEST DU BEREUEN NICHT GESPRUNGEN ZU SEIN? WENN DEINE ANTWORT JA LAUTET, DANN SPRING, VERDAMMT! AUCH SPÄTER, WENNS SEIN MUSS. ABER MAN SOLLTE NICHT ZU VIELE DINGE BEREUEN, BEVOR MAN STIRBT

Leider bekamen nur sehr wenige die Chance auf Einsicht und die Möglichkeit danach zu handeln.

SOLL ICHS DIR BEIBRINGEN? SCHWIMMEN? WAS ICH HIER SUCHE, FINDE ICH VIELLEICHT NIE, DA KANN ICH MEINE ZEIT AUCH BESSER NUTZEN.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Do Jun 16, 2016 6:51 am

Es war die perfekte Lüge, sich aus der Affäre zu ziehen. Mit einem kleinen Detail. Es war keine Lüge.
"NEIN, ICH KANN ECHT NICHT SCHWIMMEN!" Gwen war von Unsicherheiten und Zweifeln über sich und die Welt übermannt - als eine Art generelle Geisteshaltung - aber sie hatte darüber auch ein positives Herz, und so stahl sich, während sie das herunterrief und beoabchtete, wie Vhenan näherkam, ein feines Grinsen auf ihre Züge. Die erste Frage war, warum sie es nicht lernte. Gwen runzelte die Stirn.
"NAJA...DAMIT ICH BEIM VERSUCH NICHT ERTRINKE? DAS IST EIN MEER. EIN ZIEMLICH UNBARMHERZIGER LEHRER. AUCH WENN EUCH DAS BESTIMMT NICHT ÜBERZEUGT, WEIL IHR NAIHLAR VERMUTLICH GLEICH NACH EURER GEBURT ERSTMAL INS WASSER SPRINGT." Was Gwen nicht wusste: Auch unter den Naihlar gab es viele, die ab vom Meer wohnten und es zum ersten Mal sahen, wenn sie ein Schiff betraten. Für viele stand fest, dass sie direkte Begegnung mit dem Wasser nur in einem Fall hätten, in dem ihnen Schwimmen auch nicht viel nutzen würde - oder jedenfalls glaubten sie das - und so machten sie sich gar nicht erst die Mühe des Lernens.
Vhenan erinnerte sie daran, dass sie schon morgen sterben könnte.
"ICH KÖNNTE AUCH SCHON HEUTE STERBEN", lachte Gwen. "WENN ICH SPRINGE ZUM BEISPIEL."
Aber sie war nicht ganz verschlossen und ging auf ihrem Posten in die Hocke, um besser zu verstehen. Das war vermutlich nur in ihrer Psyche so, aber sie hatte gleich den Eindruck, die Unterhaltung hätte an Qualität gewonnen. Vielleicht lag es auch daran, dass ein größerer Teil ihres Körpers jetzt Kontakt mit dem Erdboden hatte.
"WARUM SOLLTE ICH BEREUEN, NICHT VON EINER KLIPPE GESPRUNGEN ZU SEIN? ICH WILL IN DEN AUGENBLICKEN MUTIG SEIN, IN DENEN ES SINN ERGIBT, VHENAN. ICH WILL KEINER VON DEN MENSCHEN SEIN, DIE SICH STÄNDIG IRGENDWAS BEWEISEN MÜSSEN." Vielleicht war sie momentan noch viel zu sehr ein solcher Mensch. Sie dachte an Brego und überlegte, was seine Karten ihr noch einmal gesagt hatten. Es fiel ihr nicht ein. Piraten waren vorgekommen, die sie umgaben, die ihr zu schaffen machten - das war nicht unbeeindruckend gewesen. Sie schnalzte mit der Zunge und lachte leise über irgendeine Erinnerung.
"JA. WENN ES DIR NICHTS AUSMACHT", rief sie. "SCHWIMMEN LERNEN ERGIBT SINN. ABER ICH SPRING DA JETZT NICHT RUNTER. TREFFEN WIR UNS AN EINER FLACHEN STELLE, JA?" Sie deutete mit dem Finger in die Richtung, die sie meinte.
Was Vhenan wohl suchte? Das war keine Frage, die sie ihr über eine Distanz von fünfeinhalb Klafter zuschreien wollte. Sie raffte ihre Röcke und machte sich bereit, ihre Sachen aufzuheben und loszulaufen, sobald sie das Einverständnis der kleinen Naihlar hatte.
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Do Jun 16, 2016 12:32 pm

SCHWIMMEN LERNT MAN AUCH NICHT IN EINER PFÜTZE“, unterbrach Vhenan Gwen dreist mitten im Satz. Das war überhaupt kein Argument.

Vhenan schwamm unter der Klippe umher, angestachelt von dem Gedanken, dass bald etwas geschah. Aber das würde in absehbarer Zeit wohl nicht geschehen. Schade.
Dass sie heute sterben konnten... stimmte in Nanis Sichtweise auch nicht recht. „DU VIELLEICHT, ICH NICHT.... DIE KARTEN HABEN GESAGT ES DAUERT NOCH, BIS ICH ES MIR VERDIENT HABE UND BIS DAHIN KANN ICH SO WAHNSINNIG SEIN, WIE ICH WILL.“ Jetzt lachte auch Vhenan erheitert, denn das war mal eine hervorragende Voraussetzung, um zu handeln. Wer sich vor dem Tod fürchtete war gehemmt, jemand der wahnsinnig genug war ihn zu begrüßen war doppelt so effektiv. Bis es ihm irgendwann den Kopf kostete.

IN DER HOHLD HÄTTE ICH AUCH AN EINEM ZEITPUNKT OHNE WIDERSTAND STERBEN KÖNNEN... ICH GLAUBE FAST ENDRACH HASST MICH.... ALSO HALT DICH AN MICH UND DEINE CHANCEN ZU ÜBERLEBEN STEIGEN ENORM“, sinnierte die Naihlar belustigt im Wasser und entfernte sich von der Klippe.

DAHINTEN IST ES SEICHT. KOMM DAHIN“, forderte sie und schwamm selbst in Richtung flaches Wasser. Erst jetzt stellte sich die Frage wie sie das am besten anstellen sollte. Schwimmen zu lehren. Aber da würde ihr schon etwas einfallen.

Sie watete aus dem Wasser und legte die Muschel zum Trocknen auf einen Stein. Die durfte sie nicht vergessen. Dann wartete die Naihlar tropfend am sandigen Grund.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Do Jun 16, 2016 1:26 pm

"VERDIENT IN WESSEN AUGEN?", brüllte sie noch, aber dann wandte sie sich schon ab und holte ihre Tasche und den Stecken. Beides versteckte sie ein Stück abseits im Gras. Sie lachte, als sie sah wie der Stoff von Vhenans Leib hing wie überschüssige Haut, aus der das Fett heraustroff.
"Ich hab mir vor ein paar Wochen auch die Karten legen lassen", erzählte sie. "Von Brego. Er hat zuerst gesagt, ich muss auf den Tisch hauen, damit man mich ernst nimmt, öfter mal schreien. Dann fiel ihm auf, dass er mir das falsche Legemuster gedeutet hatte und die Karte genau das Gegenteil bedeutet. Ich soll bloß nicht schreien - niemand würde mich ernst nehmen."
Sie hob ihre Brauen und lächelte selbstironisch.

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Do Jun 16, 2016 1:37 pm

Das war eine gute Frage, der Vhenan eine Antwort schuldig blieb. Sie wartete und empfand es als völlig normal wie ein verunstalteter nasser Sack auszusehen.

Dann hast du dir aber einen Anfänger als Kartenleger ausgesucht“, urteilte Vhenan und legte ihre Stirn in Falten. Der Name sagte ihr nichts.

Man kann auch leise auf den Tisch hauen und ernst genommen werden. Das hat mich auch ein wenig verwundert, aber es geht. Man muss es nur beherrschen.
Vielleicht war Gwen auch so ein jemand, der es konnte. Wenn sie es versuchte, daran scheiterte es ja hin und wieder schon.
Und die Worte müssen es wert sein gehört zu werden. Was hast du da oben denn getrieben?

Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Fr Jun 17, 2016 6:48 am

"Ich finde, man muss gar nicht derjenige sein, der auf den Tisch haut."
Sie lachte hämisch, als sie zu Vhenan kam und sie endlich aus der Nähe sah. Es steckte aber viel Gutes in diesem Lachen. Häme konnte schädlich sein und boshaft, oder, wie bei Gwen, aus einer freundlichen und ansteckenden Richtung kommen.
"Es reicht, wenn man jemanden mit einer großen Faust dazu überzeugen kann, es zu tun. Dann muss man sich auch nicht mit der ganzen Aufmerksamkeit rumschlagen. Und ob Brego ein Anfänger ist oder einfach nur mehr Worte in seinem Kopf hat als reinpassen und deshalb manchmal wahllos ein paar loswerden muss, das hab ich noch nicht rausgefunden. Aber er ist ein guter Dichter. Er sollte dir mal was dichten. Du würdest ihn auslachen." Die Art, wie Gwen es unverfänglich erzähle gab Aufschluss darüber, dass sie gern Zeuge einer solchen Situation gewesen wäre.

"Ach, ich kam nur zufällig vorbei. Ich war" Sie winkte mit ihrer Hand ein paar Mal lasch hinter sich "eigentlich woanders. Und du? Was hast du gesucht? Du hast garantiert nichts verloren da unten, denn du....weißt doch...das du es in diesem Fall nicht wiederfändest...oder?"
Leichte Skepsis hatte sich eingeschlichen. In ihre Worte. Zuletzt auch in Gwens Gesicht.
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Fr Jun 17, 2016 11:11 am

Jaja, lach nur. Gleich siehst du auch so aus.“, murrte Vhenan halb beleidigt halb belustigt. Sie lauschte lieber Gwens seltsamer Argumentation. Die ergab überhaupt keinen Sinn.

Hmm... das wär nichts für mich.... nein, ich regel das lieber selbst. Aufträge zu erteilen kostet einen immer nur etwas und wer lehnt schon freiwillig Aufmerksamkeit ab?
Ein anklagender Blick lastete auf der Ghalmarin, die Dinge völlig anders anging.
Wenn du schon nicht auf den Tisch hauen kannst, wie willst du dich dann bei diesen angeheuerten Fäusten durchsetzen? Die wenigstens sind ehrenvoll und wenn sie merken, dass du schnell wankst, dann richtet sich die Faust schneller gegen dich selbst, als du nach deinem Brego rufen kannst.

Die Idee war Vhenan suspekt. Genau wie die plötzliche Geheimniskrämerei. Ihr Blick suchte hinter Gwen auf Hinweise was sie denn getrieben hatte, während die Naihlar antwortete.

Ah, das ist schwer zu erklären. Ich suche....“ Nani dachte tatsächlich einen längeren Moment unschlüssig über die Formulierung nach und musterte Gwen zum Ende hin etwas hilflos.
Ich suche einen Ort in mir, den ich bisher nicht gefunden habe. Stille und Klarheit. Das Auge des Sturms... Eine... Unterwasserblase, die alles Schlechte und alle tobenden Gefühle ausblendet und... mir Ruhe gibt, wenn sie gebraucht wird. Bisher habe ich soetwas nicht gefunden. Und ich zweifle irgendwie an, dass ich so einen Ort in mir trage. Ich bin ihm nie begegnet... nie. Aber es wäre gut wenn ich ihn finden könnte... deswegen bin ich getaucht. Ich muss Dinge fühlen, um sie zu verstehen und zu beherrschen. Wenn ich diese Ruhe nicht finde und nicht spüre, kann ich mich nicht an sie erinnern und sie nicht selbst erzeugen... ich weiß nicht... ergibt das Sinn für dich?
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Fr Jun 17, 2016 11:30 am

"Du verstehst das total falsch - ich rede doch nicht von angeheuerten Leuten! Schau mal, es gibt die, die handeln und die, die Handlungen beeinflussen. Ich wanke nicht, aber meine Stärke liegt nicht in meiner Faust. Ich muss nicht auf den Tisch hauen. Ich muss mit meinen Worten einem andern ins Gehirn hauen. Und der haut dann aus eigener Überzeugung auf den Tisch. Jetzt klarer?"

Sie hockte sich auf den Boden und zerrte an ihrem Stiefel. Ab und zu schaute sie Vhenan ins Gesicht.
"Klar ergibt das Sinn für mich, ich bin ja nicht blöd." Dann lachte sie wieder. "Lustig, dass du eine Unterwasserblase wirklich unter Wasser suchst." Ihr Stiefel rutschte unvermittelt über ihre Ferse und flog ein Stück. "Heißt das, du warst nie ruhig?"
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Fr Jun 17, 2016 11:54 am

Vhenans Stirn lag in tiefen Falten. „Nein...“, gab sie zu. „Du benutzt und manipulierst lieber andere Leute, als dir selbst die Hände schmutzig zu machen?
Es war bisher nur eine Frage, die noch keinerlei Wertung in sich trug. Die Naihlar ließ der Ghalmarin ein wenig mehr Spielraum als sonst, weil sie offensichtlich wieder völlig aneinander vorbei redeten.

Genau deswegen war Vhenan auch skeptisch, ob Gwen ihr Vorhaben nachvollziehen konnte. Sie fuhr sich mit einer Hand durch das angetrocknete Haar und wischte sich ein paar verirrte Wassertropfen aus den Augen.

Wo soll ich sie sonst suchen?“, fragte Nani verständnislos. „Das war schon metaphorisch gemeint... aber hier an Land ist es zu laut... und es gibt zu viele Dinge, die mich ablenken.... ich kann schon ruhig sein, oder es zumindest so wirken lassen, aber innerlich bin ich es nicht... je stiller es um mich herum ist, desto unruhiger werde ich... du siehst das Problem?
Vhenan grinste leicht und sah auf Gwen hinunter, die langsam auszog.

In Holzbrück gab es diesen einen See.... Frey hat uns dorthin mitgenommen, als wir Aquas Segen für den Gründungsstein von Loravinde erbeten haben. Der Ort war... auf eine Weise magisch. Wir mussten eine Ewigkeit durch einen Wald laufen, ich habe einen Ast gegen den Kopf bekommen, der Stein hat Tonnen gewogen und konnte nur von einem der Oshead getragen werden, weil wir Terras Segen schon bekommen hatten und es war... Wald eben. Nervig. Und dann ist Frey auch noch einen elendig hohen Hügel hinaufgerannt, den wir auch erklimmen mussten. Innerlich habe ich schon wieder fast gekocht und als ich oben auf dem Hügel stand, da hat mich eine dieser Blasen gepackt. Vor uns lag ein wunderschöner See und es war auf einmal schlagartig still. Ich weiß nicht wie das funktioniert hat, aber ich war plötzlich vollkommen ruhig...“ Vhenan drehte sich um und sah auf das lebendige Wasser. So ein Ort war das hier nicht.

Aber ich war dort nicht allein... und fand keine Ruhe wie die anderen, denke ich. Ich habe versucht mich auf den Ort zu konzentrieren, aber innerlich habe ich mich erst kurz über Arden aufgeregt und als Frey uns mit dem Stein und uns selbst allein gelassen hat, musste ich mich dazu durchringen jemandem zu vergeben. Das war eine Aufgabe, die Frey uns gab... Aquas Gnade wischt alles hinfort... er wollte, dass wir hier in der Stadt Frieden finden und vergeben können, denke ich... aber das war für mich schwerer als ich dachte... ich kann nicht einfach so jemandem vergeben, wenn ich ihm vorher nicht die Meinung gesagt habe... es war schwierig. Vielleicht bin ich an der Aufgabe gescheitert... und habe nur halb vergeben... es zwischenzeitlich wieder aufgehoben, fürchte ich... ich würde gerne ruhiger sein können, um besser zu werden. Um besser mit euch Ruhigen umgehen zu können.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Sa Jun 18, 2016 12:51 pm

„Jetzt klingt das als wäre ich eine Puppenspielerin“, sagte Gwendola abgetan und schüttelte den Kopf. „Manipulieren ist falsch. Manipulieren klingt danach, jemanden glauben zu lassen, etwas Falsches wäre richtig. Mir geht es darum, die richtigen Leute davon zu überzeugen, dass das Richtige richtig ist. Irgendwie nicht ganz das Gleiche. Manche kämpfen mit dem Bogen, manche mit dem Schwert, manche mit Magie. Manche mit Worten. Manche auch mit ihren Brüsten, aber sowas kann ich nicht.“
Sie kroch los, um ihren Stiefel zurückzuholen, roch daran und warf ihn wieder hinter sich.
„Ich brauche Schuhe für dieses warme Wetter.“


„Also du wirst unruhiger je stiller es ist und trotzdem ist es an Land zu laut?“
Sie hörte eine Weile lang zu. Anstatt ins Wasser zu gehen, zog sie die Beine an und schaute auf die schäumenden Strandwellen.
„War das Teil der Aufgabe, zu vergeben, ohne sich vorher damit auseinandersetzen zu dürfen?“ Gwens Brauen zogen sich zusammen. „Ging es um Arden? Was hat er denn gemacht? Er ist doch eigentlich keiner, der Streit sucht.“
Dass sie scheinbar zu den Ruhigeren gezählt wurde, überging Gwen für den Augenblick, auch wenn sie sich wunderte, wie Vhenan darauf kam.

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Sa Jun 18, 2016 1:32 pm

Wie nennst du es dann? Motivieren ist auch eine Art von Manipulation. Solange du jemanden dazu bringst sein eigenes Handeln dem deinen zu unterwerfen, spielst du tatsächlich mit ihnen. Ich weiß das, das mache ich auch gerne. Und ob die Gründe gut oder schlecht sind, kommt auf den Blickwinkel an, nicht auf den, der die Entscheidung trifft. Das was gestern für dich noch richtig war, kann heute schon wieder falsch sein.“, philosophierte die Naihlar ernster als gewollt und musterte Gwen. Worten konnten viel bewegen und leider viel zu oft in falsche Richtungen. Sie sinnierte noch einen Moment darüber nach, unter anderem auch über die Manipulation durch weibliche Reize, bevor Vhenan ihren Blick wieder auf Gwen fallen ließ.

Wenn es um Schuhe geht frag Arden.
Vhenan ließ das diesen Kommentar einen Moment lang stehen und grinste dann. „Er hat hier eine geheime Quelle aufgetan, einen fähigen Schuster hier in Gutenbucht. Der hat seine Kampfstiefel hergestellt und Arden schwebte über die Schlachtfelder. Mehr hat er allerdings nicht gemacht“, folgte es mit einem bitteren Unterton. „Ich werde den Schuster auch bald mal aufsuchen, mein Schuh ist durchgelaufen. Vielleicht hat er auch leichte Schuhe. Geflochtene Sandalen vielleicht... oder du gehst barfuß, aber das habe ich vorhin bereut... spitze Steine gibt es hier auch an Land.

Erst dann konzentrierte sie sich wieder darauf leise zu sein. Vhenan redete schon wieder munter drauf los und hatte ihr eigenentliches Ziel fast vergessen.
Bis Gwen es zusammenfasste. Es klang in der Tat seltsam und auch Vhenan trug für einen Moment einen verwirrten Ausdruck im Gesicht. „Ähm.... ja. Das klingt wirklich ein wenig komisch. Aber ich sehe noch keinen anderen Weg.

Vhenan tat es Gwen gleich und sah auf das Wasser.
Wir sollten jemandem vergeben. Frey hat uns nicht gesagt wem, nur irgendjemandem, dem wir zürnen. Und dann hat er uns mit unseren Gedanken allein gelassen. Ich fühlte mich tatsächlich bedrängt. Wenn ich jemandem vergeben will, dann muss es doch von mir kommen und nicht einfach so, weil jemand es mir... befiehlt. Deswegen hat es auch nicht funktioniert, denke ich. Ich kann ihm noch nicht vergeben ohne mit ihm gesprochen zu haben. Und nein, es ging nicht um Arden.... in Holzbrück sind wir zwar auch ständig im Streit gewesen, aber... da hatte es keine Auswirkungen. Wir waren nicht in der Schlacht. Es hat erst in der Hohld richtig geknallt... ich habe ihn mehr oder weniger als Kommandanten abgesetzt. Arden sucht keinen Streit. Arden sucht gar nichts. Und er macht auch rein gar nichts. Er kann kämpfen, ja, aber mehr auch nicht. Er will nicht kämpfen. So schlecht wie er uns angeführt hat, hätte er mich auch direkt im Lager umbringen können.“ Ein düsterer Schatten legte sich auf Vhenans Züge und ihre Augen strahlten neuen Zorn aus.

Ich glaube es war die richtige Entscheidung ihn aus dem Amt zu nehmen. Aber... ich denke ich habe es auf dem falschen Weg getan. Ich hätte es anders und besser machen können... deswegen bin ich hier. Ich wollte ein Motivator sein und bin ein richtig mieser Manipulateur geworden, wenn du so willst.“ Vhenan breitete kurz ihre Arme aus, um sich einem Urteil zu stellen, das mit Sicherheit in Gwens Kopf lauerte.

Man ist ein schlechter Motivator oder gar Anführer, wenn man nur die Hälfte seiner Leute antreiben kann.“ Vhenan lächelte matt. „Als Anführer haben wir dort alle versagt. Arden... auch Raul. Asdan nicht, der wollte nicht und ich denke nicht, dass es ihm liegt. Ich selbst hätte vielleicht eingreifen können und müssen, aber... ich hab mich nicht getraut“, gab sie zähneknirschend zu. "Und jetzt bereue ich es."
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Sa Jun 18, 2016 5:39 pm

Halb und halb war Gwen überrascht und subtil erfreut, dass Vhenan so offen mit ihr redete. Sie merkte sich, was die kleine Naihlar zu Anfang gesagt hatte, um später, wenn es sich ergab, darauf zurückzukommen.

"Dieser Weg des Vergebens funktioniert vielleicht für die Aqualeute gut", räumte sie ein, doch der Weg, den ihre Worte einschlugen, gab Ausblick auf mehr Reichweite. "Aber nicht alles, was für sie richtig ist, muss auch für dich richtig sein. Es ist oke, auch mal eine Sache, die vernünftig und gut scheint, auszulassen. Weil sie für einen selbst vielleicht einfach nicht wirkt. Es gibt keine generalisierte Lösung für alle, auch wenn die ganz Gläubigen sich das gern einreden."
Sie umschlag ihre Beine, wankte seicht zurück und wieder vor. Und legte die Wange auf ihren Knien ab.
"Arden ist das alles nicht gewohnt. Er spürt, dass die Leute nicht an ihn glauben. Und er glaubt ja auch selbst nicht an sich. Er kann sich doch gar nicht vorstellen, dass ihm ernsthaft jemand folgt, ich glaube, das war nur so eine Wunschvorstellung von ihm. Aber darfst du ihn überhaupt absetzen?" Sie lächelte auf. "Dass Raûl dann kam wundert mich gar nicht! Klar. Wer sonst."
Wer sonst? Vhenan. Aber sie sagte, sie hätte sich nicht getraut.

"Das liegt daran, dass du auch gar nicht so laut bist, wie du denkst. Du bist mir vielleicht ähnlicher als du glaubst, was das angeht. Laut irgendwelchen Blödsinn rufen kann ich auch. Das schwierige ist, die Worte dann laut zu sagen, wenn sie für einen selbst Gewicht haben. Wenn man meint, man könnte versagen. Richtig mieser Manipulateur nennst du dich. Vielleicht solltest du zuerst da anfangen, die richtigen Worte zu benutzen - glaub mir, Worte sind meine Spezialität und ich merke sofort, dass die deinen eine Tendenz dazu haben, sehr hart zu sein und zu streng mit dir und den anderen. Wie du eine Sache siehst und empfindest ist oft auch eine Frage davon, wie deine Gedanken sie formulieren."

Gwen streckte ein Bein und hackte mit der Ferse leicht gegen den Grund. Sie hatte etwas ganz Unbefangenes an sich, als spräche sie nur Gedanken.
"Vorhin sagtest du, es sei Manipulation wenn du jemanden dazu bringst sein Handeln deinem zu unterwerfen. Unterwerfen. Manipulation. Unterwerfung. Das sind finstere Worte, Vhenan. Formulier es doch mal anders. Du unterwirfst niemandes Handeln, sondern du beflügelst es, du gibst ihm Kraft, nimmst seinen Flügeln mit dem was du sagst die Stutzen ab, damit er davonfliegen und etwas bewirken kann, weil er ohne dich vielleicht nicht darauf gekommen wäre, wie es geht. Das hat mit Unterwerfung wenig zu tun. Vielleicht."
Sie zog ihren Fuß zu sich zurück.
"Vielleicht warst du auch einfach die einzige, die schonungslos ehrlich zu Arden war. Sodass er sich der Wahrheit stellen konnte. Die wenigsten sind zum Anführer geschaffen. Vielleicht hast du viele Leben gerettet. Auch ohne Ardens Stelle eingenommen zu haben. Ich weiß ja nicht, eine Gelehrte bin ich nicht unbedingt, aber ich glaub irgendwie, du wirst diese friedliche Stille nicht finden, solange deine Gedanken eine so finstere Tendenz haben oder was meinst du?"
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Sa Jun 18, 2016 6:43 pm

Ja... niemand kann führen ohne Vertrauen.“ Die Naihlar nickte langsam und musterte Gwen. Das war vielleicht das erste Mal, dass sie sich richtig unterhielten, obwohl sie die gewohnten Schwierigkeiten hatten. Reden half Vhenan zu reflektieren, wenn sie durch Gwen eine zweite Meinung bekam, war die Situation in ihren Augen um einiges verbessert. Dann grinste sie. „Nein. Eigentlich kann ich Arden nicht absetzen... aber er hat es zugelassen. Also kann ich es doch.“ Sie zuckte schmunzelnd mit den Schultern. Wenn ein Naihlar nicht aufgehalten wurde, musste man eben damit leben überrannt zu werden.

Nani lauschte Gwen gespannt und versuchte ihre Gedanken nachzuvollziehen. Ein fragender, nicht verstehender Zug lastete auf ihrem Gesicht.

Es ist nicht gerade angenehm... aber ja, vielleicht... Asdan war meiner Meinung, aber er hat mir immer nur leise zugestimmt und sich nie gegen Arden erhoben. Ich habe abgewartet, aber irgendwann war es zu viel... ich glaube ich habe irgendwo meine Hemmungen verloren Dinge anzusprechen. Ich tues einfach und schlage mit Worten um mich. Überraschenderweise wird es aber häufig gehört und in den meisten Fällen auch geschätzt. Deswegen behalte ich es bei. Hin und wieder unterschätze ich aber offenbar die Heftigkeit meiner Worte...

Sie dachte an einen Brief, der sich noch auf dem Weg befand und auch mehrere verbale Ohrfeigen enthielt. Die kleine Naihlar konnte nur hoffen, dass sie in diesem Fall keine Grenze überschritt. Andererseits hoffte sie auf... Klarheit und Vernunft. Bisher war sie immer auf Gehör gestoßen, hoffentlich auch jetzt. Nichts tun und schweigen waren einfach keine Freunde mehr. Manchmal musste man einfach Grenzen überschreiten, um besser zu werden und andere besser werden zu lassen. Es tat nur weh, dass vielleicht eine zaghafte Freundschaft darunter litt.

Wie bei Arden.

Ich habe versucht ihn anzutreiben besser zu sein als er war... wie ich es immer mache. Ich war noch nett... in Holzbrück hatten wir ein langes, ruhiges und vielversprechendes Gespräch. Ich hatte Hoffnung, dass er verstanden hat was er leisten muss und ich habe ruhig zugehört und nicht nur herumgehackt. Das Ergebnis in der Hohld war unteririsch. Also habe ich mich lauter wiederholt. Und dabei habe ich Arden so verunsichtert, dass er kein Kommandant mehr sein wollte. Ich hätte ihn vielleicht eher aufbauen sollen, als niederzumachen, aber... ich habe Ansprüche an einen Kommandanten und wer denen nicht nachkommt, der kann gehen. Wir haben keine Zeit für Fehler, besonders nicht mitten auf dem Schlachtfeld.... Ich war wütend und habe versucht mit ihm zu reden, aber immer wenn ich es versucht habe, ist er schmollend gegangen. Arden redet nicht. Ein Kommandant muss reden! Er muss anführen. Arden lief immer hinter uns, er hat IMMER die Nachhut gebildet. Er hätte jemanden von uns dazu abkommandieren können, aber er wollte es selbst tun. Und Befehle gab es keine. Das war das erste Mal, dass ich wirklich in der Schlacht war... ich habe erwartet, dass er Befehle brüllte, mir sagt wo ich hin muss, um den meisten Schaden anzurichten. Er hat nur geschwiegen. Und hin und wieder ein 'Oshead! Sammeln!' gerufen.“ Es war deutlicher Hohn aus ihren Worten zu hören. „WIR waren versammelt! Nur Arden war immer woanders!

Vhenan spürte deutlichen Zorn in sich aufsteigen und ihre Körperhaltung wurde angespannter. Sie schüttelte energisch den Kopf.

Am ersten Tag sind wir richtig in den Arsch getreten worden... ich konnte kaum noch laufen, hatte einen Pfeil in der Schulter stecken und bin dem Heerzug einfach hinterhergewankt. Asdan war immer an meiner Seite. Raul hat sich an die Kommandanten der Rosen gehalten und wo Arden war weiß ich nicht. Er behauptet immer, dass er die Gruppe zusammenhalten will, aber er tut es nicht. Er ist immer irgendwohin verschwunden ohne einen Ton zu sagen und da wundert er sich, dass mir der Kragen platzt. Stell dir mal vor was los wäre, wenn auf dem Schiff keiner Befehle brüllt! Wenn ein Pakata einfach nur schweigt! Das geht nicht!

Vhenan lief ein paar Schritte im Sand und atmete lautstark aus. Die Stille konnte sie wohl wirklich vergeblich suchen.

Ich will motivieren, ich will irgendwie helfen, dass wir den kommenden Feldzug überstehen. Deswegen suche ich diese Stille. Damit ich sie als Schutz und vielleicht auch als Waffe nutzen kann. Ich habe den ganzen Mist in der Kelriothar nicht überlebt, nur damit jetzt irgendeine beschissene Prophezeiung auf mir herumtrampelt! Auf uns allen! Wie soll ich da keine düsteren Gedanken bekommen? Und wie soll ich jemanden wie Arden beflügeln? Indem ich seine Hand halte? Das geht vielleicht hier, aber nicht auf dem Schlachtfeld. Schwäche bringt dich dort nur um, Zweifel gibt es viel zu viele... Wir kämpfen hier für unsere Zukunft. Wieso kann er es sich überhaupt leisten zu zögern? Grade er muss doch wissen was passieren kann, wenn wir versagen. Man kann nicht immer nur weglaufen.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   So Jun 19, 2016 8:20 pm

Gwen hörte zu. Manchmal lächelte sie, wie zur Zustimmung oder zum Zeichen des Bedauerns, ein wenig auf, bevor es sich wieder verlor und ihre Augen sich von Vhenans aufkeimendem Ärger fangen ließen.

Arden tat ihr leid, das war sichtlich. Sie hatte Verständnis für ihn, vielleicht hätte sie ihm gern Kraft zugesprochen. Vielleicht sagte sie auch deshalb jetzt nichts gegen ihn, obwohl sie wusste, dass die Schlacht kein Platz war, um das anführen zu lernen, wenn man vorhin nicht darin ausgebildet worden war. Ihm fehlte die Ausbildung. Er konnte sich selbst nichts herleiten, was ihm aller Wahrscheinlichkeit nach nicht beigebracht worden war. Vielleicht war es besser, wenn er nicht gleich die ganz großen Schritte machen wollte.

Dann lächelte Gwendola wieder auf, und diesmal strich sie ihren Rock über die Knie, sprang auf und schlüpfte in die Stiefel.
"Ich weiß, warum du die Stille nicht findest", sagte sie dabei erfreut, auf des Rätsels Lösung gestoßen. Schon im nächsten Moment schnappte sie nach Vhenans Handgelenk und zog daran.
"Komm mit."
Sie holte die Sachen, aus ihrem Versteck hinter Felsen und läppischem Dünengrün, einen Bogen und einen Köcher mit gerade mal vier Pfeilen und wollte dann aufwärts laufen, die Klippe wieder hoch, von der Vhenan vorhin gesprungen war.
"Und lauf. Streng dich an. Lauf so schnell du kannst. Bis nach da oben. Wenn die Lungen dir wehtun oder die Beine, bleib auf keinen Fall stehen. Nur wenn du verletzt bist, darfst du langsamer werden." Sie versuchte, Vhenan mitzureißen, und wenn die kleine Bazhima wirklich losrennen würde, ließ sie sich sogar von ihr überholen.

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   So Jun 19, 2016 9:05 pm

Warum ziehst du dich jetzt wieder an?
Vhenan war sichtlich irritiert, auch von dem plötzlichen Ruck, den die Ghalmarin provozierte. Das kam unerwartet. „Moment.“ Die Naihlar ließ sich trotz allem nicht beirren, befreite sich für einen Augenblick aus dem Griff und holte die Muschel, die sie nicht vergessen wollte. Die war wichtig! Diese steckte sie in eine Hosentasche und lief Gwen dann interessiert hinterher. Was sie wohl vorhatte?

Ich dachte du willst schwimmen lernen.“ Nanis Augen fielen auf den aus dem Versteck geholten Bogen und ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen. Das war ihre Lieblingswaffe neben Dolchen. „Hast du geübt?“ Es klang ein wenig spöttisch, aber nicht allzu negativ. „Das gefällt mir.“ Jetzt schwang ein großer Lob in den wenigen Worten  mit und Vhenan nickte bestätigen

Dann sah sie, auf der Stelle stehend, die Klippe empor. „Wenn ich verletzt bin? Auch dann darf man nicht einfach langsamer werden, Jaspa“, korrigierte sie Gwen streng und kam dann der Aufgabe nach.
Sie schmunzelte innerlich, weil Miro dieses Wettrennen, die Herausforderung auch angesprochen hatte. Tanzen, Lieben, Rennen... eine gute Prügelei... das war ja schön und gut, aber der Zustand der richtigen Erschöpfung lag soweit weg.

Ich kann nicht immer völlig zerstört sein, bevor ich diesen Ort in der Ferne erahne. Wie soll ich ihn so nutzen? Wie soll ich die Antworten danach umsetzen?“, fragte sie wenig begeistert und bewegte sich noch nicht.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 395
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Mo Jun 20, 2016 8:53 am

"BEWEG DICH!" Gwenn klatschte in die Hände. Auf die Frage, ob sie geübt hatte, warf sie nur einen vielsagenden Blick zurück. Natürlich schleppte sie den Bogen einfach nur so mit sich herum!
"Es geht nicht, darum, völlig zerstört zu sein. Die Aqualeute haben vielleicht leicht reden, die plätschern so vor sich hin. Ob die verstehen, was ein Sturm ist?"

Gwen seuftze und kam einen Schritt zurück.
"Die können sagen, was sie wollen. Fakt ist, dass die Ruhe vor dem Sturm und die danach nicht dieselbe sein KÖNNEN. Du suchst die Ruhe nach dem Sturm davor. Ich hab dich doch reden hören. Es gibt da ein Gedicht."

Das Gedicht, als sie es rezitierte, kam Vers für Vers. Scheinbar kam es nur sehr langsam in ihre Erinnerung und sie musste sich ziemlich konzentrieren.

"Wenn der Vulkan jetzt schweigt.
Er trägt sein Magma noch in seinen Adern.
Warum kann er dann still und friedlich sein?
Was in dir aufwärts steigt
Die Bitterkeit, die Wut, dein Hadern
Zerlassen dir dein Kerngestein.

Die Ruhe kommt bestimmt
Selbst wenn in dir stets Feuer glühen
Wenn‘s nur nicht zu viel Feuer ist.
Wenn deine Seele glimmt
Wirst du im Innern weiter brühen
Bis du mal ausgebrochen bist.

Oke, ehrlich gesagt gibt es das Gedicht nicht, ich habs mir grad ausgedacht, aber es ändert nichts dran, dass es wahr ist. Du läufst rum wie ein gespannter Bogen. Da oben musst du hin."
Sie deutete auf die Klippe.
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 796
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   Mo Jun 20, 2016 11:22 am

Ja, sie plätschern.“ Dieser Satz entlockte Vhenan ein schadenfrohes Grinsen. „Angeblich können sie auch wüten, aber bevor ich es nicht selbst erlebt habe, glaube ich das nicht.
Da konnte man ihr versichern so viel man wollte, bisher waren es alles nur leere Behauptungen.

Vhenan wurde aus diesen Vorstellungen gerissen, als Gwen plötzlich begann zu dichten. Nani hob skeptisch eine Augenbraue und hörte genauso angestrengt zu, wie Gwen es aus sich herauspresste.

Hä?“, entfleuchte es ihr spontan und wenigstens optisch wirkte Vhenan wie die (ihr bekannten) Aquaanhänger. Sie stand regungslos da und glotzte. Dann blinzelte sie irritiert.

Du hast....
Sie hatte es sich ausgedacht. Vhenan glotzte einen Moment länger und lachte dann erheitert.
Ab jetzt gibt es dieses Gedicht schon... du Bolchan.“ Sie lachte weiter und schüttelte den Kopf.

Ich versteh das aber nicht ganz... mein Vulkan spuckt doch längst Lava. Den kann man nicht einfach wieder abkühlen oder einen Korken reinstecken.... das ist ja mein Problem“, meckerte die Naihlar weiter. „Oder besser gesagt ich will das gar nicht, aber.... ach, verdammt, kein aber... ich rede schon wieder zu viel. Darf ich wieder springen, wenn wir oben sind? Du kannst dir ja überlegen, ob du mitspringst... ich schlepp dich auch an Land, wenns sein muss. Und jetzt komm du Dichtergenie.... wenn du genauso schnell rennst, wie du dichtest, hab ich ja leichtes Spiel.

Dann rannte sie los. Barfuß und flink und legte ein hohes Tempo vor.
Nach oben Nach unten
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Finde die Stille im Getöse   

Nach oben Nach unten
 
Finde die Stille im Getöse
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 2Gehe zu Seite : 1, 2  Weiter
 Ähnliche Themen
-
» Warum finde ich keine Fossilien mehr?
» Wo bitte finde ich den "Heiligen Stein" aus dem gleichnamigen Quest?!? Danke euch!
» Wo finde ich Weißgold??
» Wo finde ich Öl bzw. Tiefpumpen
» Nat Typ Mw2

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Reich der Rosen :: Entlang der Küste-
Gehe zu: