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 Auf den Straßen

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Mallo
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BeitragThema: Auf den Straßen   Sa Jul 02, 2016 9:53 pm

Kommend von: Das Kapitänshaus

Das Siedlungsleben bremste seine Schritte rapide ab. Fischer waren längst bei der Arbeit, Gutenbuchter Händler zogen ihre Karren durch die Straßen. Und hier und da leuchtete Gold und Rot der Naihlar, die sich in Grüppchen an den Ecken unterhielten oder aus den Türen der Hütten spähten, die Vhenan und er zusammen mit Raûl und den Gutenbuchtern vor vielen Wochen aus dem Boden gehoben hatten. Wettergegerbte Gesichter, die er nicht kannte, die ihm aber so vertraut geworden waren in den letzten Jahren. Und da waren Chirya. Wie schon an Tagen zuvor trugen sie Mienen gräserner Beständigkeit und den Duft von Reise und Blumen mit sich herum. Tapfere Männer mit milden Zügen; Frauen mit dicken Bündeln von Filzzöpfen, die tanzten, wenn sie gingen. Kinder. Während die Ghalmaren mit ihrer bürgerlichen Stattlichkeit sich noch am wenigsten von den Gutenbuchtern unterschieden, glaubte er, hier und da einen Naeviten zu erkennen, sei es an einem verzierten Stab oder einem sauberen, würdevollen Pelz um die Schultern... Pelz im Sommer? Nur im Hinterkopf wunderte Mallo sich darüber, denn sein Herz war erschlagen von Wiedersehensfreude, Aufregung und Stolz. Sie hatten es geschafft. Sie hatten ihre Völker gerettet.

Forsetzung: Der Marktplatz
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Mallo
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BeitragThema: Re: Auf den Straßen   Do Apr 20, 2017 12:21 am

Als das Kind, das die neuste Ausgabe des Mitrasperanischen Herolds verkaufend an ihr vorbeilief, an ihr vorbeilief, riss sie ihm das Papier aus der Hand und marschierte mit urplötzlich neuem Ziel ein paar Schritte weiter, augenblicklich lesend. Erst da fiel ihr auf, dass sie vergessen hatte, zu bezahlen; Sie hielt inne, kehrte zurück, drückte dem Mädchen zwei Kupfer in die Hand und setzte ihren Weg fort, der keiner war. Ungleich wie die letzten Male verschlang sie jede Zeile, jeder Absatz sagte ihr inzwischen etwas, fast mit jedem Namen brachte sie irgendwas in Verbindung und doch machte ihr Herz jedes Mal einen Sprung, wenn dieser Name zwischen den Buchstabenreihen auftauchte, was häufig geschah.

Dieser unsägliche Name.
Esthaer de vo Canar.
Jeder sprach über sie.
Jeder schrieb über sie.
Diese unsägliche Figur.

Sie umrundete gefühlt das ganze Hafenzentrum, ohne es zu merken, sprach dieselben täglichen Sätze mit denselben Leuten, ohne auf ihren Inhalt zu achten. Sie nahm die Zeitung mit nach Hause, grüßte dort niemanden und hörte auch nicht, wie die Tür ihrer Kammer hinter ihr etwas lauter als gewohnt zufiel. Es war spät, sie las an ihrem Tisch im Kerzenschein.

Als sie den Regionalteil Rosen erreichte, musste sie aufstehen und Harz rauchen. Als würde sie sich dieses besondere Kapitel aufheben und aufschieben, wie einen ersehnten Nachtisch. Sie drehte drei unruhige Runden in ihrem Zimmer und setzte sich wieder hin. Sobald es wieder um die Freyenmark ging, ergab sie sich und schlief auf dem Tisch ein.

Am nächsten Morgen sprang sie auf und als hätte der Elan des Vorabends nur so darauf gewartet, sprintete sie den Kapitänshügel hinab zum Postamt. Es musste Neuigkeiten geben. Es ging gar nicht anders. Es war über die Maßen höchste Zeit. Zusammen mit Fellar ging sie alles durch, was die Oshead annähernd betraf; Manches, das sie selbst in Auftrag gegeben hatte, sackte sie ein. Viel war es nicht; Aber an diesem Morgen pflanzte sie sich einfach zu Fellar ins Büro und verließ es nicht, bis sie alle Antworten und alles, was sie sonst noch weitergeben wollte, verfasst hatte. Heute war der Tag dafür. Die Briefe mussten Shäekara noch heute verlassen.

Als Fellar alle Botschaften angenommen hatte, musste er ihr versprechen, sofort zum Hafen zu gehen, um drei Briefe auf eine weitere Reise zu schicken. Außerdem bestach sie ihn mit Silber, dass er ihr bis zum Nachmittag Abschriften des Aufrufs anfertigen liess.

Sie vermisste Vhenan.

Danach brach sie zu Clodrig auf. Sie setzte diesmal gleich vier Ringelblumen aus, die ihrer Meinung nach die Knospenköpfe zu tief gesenkt hatten.

„Ihr seid undankbar“, sagte sie, „Schaut, wie viel Mühe sich die Sonne mit euch gibt. Sie schmeichelt euch und lässt euch zum Mittag in Ruhe, und ihr blast trotzdem Trübsal. Das ist respektlos.“

Als sie weiter unten, bei ihren Angehörigen, verpflanzt worden waren, kniete sie sich zum Morgenkelch. Er sah sie an wie immer, mit zart gehobenen Blättern und einer dicht geschlossenen Knospe. Wie mit geschlossenen Augen, die er aus Sturheit geschlossen hielt.

„Mein Liebling“, sagte sie, „Auch du stellst dich mächtig an. Schau doch nur, wie schön die Welt ist. Du verpasst eine Menge, wenn du so schaust.“ Sie tröpfelte etwas Brand auf die Erde um ihn. Dann schnitt sie sich in den Finger und bedachte ihn mit einer symbolischen Menge Blut. Schwachsinn, rann ihr durch die Gedanken, übertriebener, weit hergeholter Märchenwahnsinn, aber sie sprach es nicht aus. „Wenn ich wiederkomme, will ich, dass du dir die Sonne angeschaut hast. Hier in deinem Winkelchen ist sie sanft. Und wenn du blühst, pflanze ich dich vor dem Fenster.“ Vor dem Fenster dieses Zimmers, das sie inzwischen behandelte, wie ihre eigenen vier Wände, für das sie all ihre Liebe aufgewendet hatte, die letzten Wochen. In dem die Arbeit vieler Hände steckte – und das niemals ihr gehören würde. Sie fasste nach dem Schlüssel, den sie um den Hals trug. Sie musste ihn bei Gwen lassen. Sie durfte ihn nicht verlieren. Und an Erinnerungen würde sie genügend mitnehmen. Bevor sie ging, stellte sie sicher, dass Clodrig sich mit dem Nachbarsjungen unterhielt, der ihm Mist aus dem Tal besorgte. Dann senkte sie einen Kuss herab auf den Blumenkopf, berührte ihn dabei kaum. „Zum Sommer sehen wir uns wieder“, sagte sie zum Morgenkelch und als sie sich von Clodrig verabschiedete, war sie wieder die, die Andere von ihr erwarteten.

Unten in der Stadt hatten ein paar Angeheuerte schon mit dem Verteilen der Aushänge begonnen. Mallo sah sich das Treiben und die Ergebnisse eine Weile lang an. Dann ging sie den Jungs zur Hand und hängte den Rest auf. „Meldet Euch bei Malen Ellorell im Kapitänshaus.“ Danach, ja, wenn sie wiederkehrte, zum Sommer hin, dann würde sie endlich umziehen.

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