Dies ist das Forum für das Reich der Rosen im Herzen Mythodeas
 
StartseiteFAQAnmeldenLogin
Austausch | 
 

 Ein Ort inmitten von Stille und Schatten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Jael

avatar

Anzahl der Beiträge : 31
Anmeldedatum : 23.07.15

BeitragThema: Ein Ort inmitten von Stille und Schatten   Do Aug 25, 2016 11:20 pm

"Du bist ein Idiot", begrüßte der Mann, dessen große, massige Silhouette fast gänzlich im Schatten lag Jael bei dessen Eintreten in das enge, unbeleuchtete Lagerhaus und ließ keinen Zweifel daran was er von der jüngsten (Helden)tat des anderen Chirya hielt.
Sie waren alle gekommen; saßen da im Halbkreis beisammen, zwischen Tonkrügen und Weidenkörben, auf kleinen Schemeln oder an Stoffballen gelehnt und hatten die Köpfe eng zusammen gesteckt, als wollten sie etwas aushecken und wahrscheinlich taten sie das auch. Erst als Jael, als fehlender Letzter das enge Lehmhäuschen betrat und so die Gruppe komplettierte, und als ihre herumruckenden Augen gesehen hatten, dass es weder Feind noch Ärgernis war, das da zu ihnen stieß, sondern ein Freund, ihr 'Waffenbruger', standen sie auf um ihn zu umarmen, ihm Glück zu wünschen und um ihm Platz zu machen in ihrer Mitte. Alle, bis auf jener, der gesprochen hatte und noch immer saß.
"Ein verdammter Idiot, Jael. Ich hoffe du weißt das", wiederholte er sich und als sich sein und Jaels Blick kreuzten, waren einen ganzen Augenblick lang oder zwei nicht klar, was sie beide, im Halbdunkel stehend dachten. Der Moment strich vorüber, wie er gekommen war, als klammer Schauer und fast gleichzeitig hoben beide Männer die Mundwinkel und lagen sich schon im nächsten Moment lachend in den Armen.
"Kelwan Pradesh, der Schrecken der Steppe, in Fleisch und Blut", hörte man Jael sagen, die Stimme zu einem Murmeln gedämpft vom schweren Umhang des Anderen. "Idioten sind nur die, die das Risiko nicht kennen."
"Dann lass mich dich einen Narren nennen, ... Bruder." Der Größere entließ den Kleineren aus der Umklammerung seiner Arme, zwischen denen Jael, obwohl nicht winzig von Statur nicht mehr war als ein halbstarker Bengel. Immerhin ein Bengel der nicht auf den Mund gefallen war.
"Und du verzeih mir, dass ich dich nicht gleich erkannte! Ich dachte du wärst tot, von den Speeren der Naeviten durchbohrt, ... Bruder."
"Hahaha, stünde ich dann hier? Glaub nicht alles was du hörst, Totzinga. Kelwan Pradesh stirbt nicht durch die Speere irgendwelcher namenloser Soldaten."
"Siehst du, und Totzinga weiß wohl mit den Mächtigen zu tanzen... zumindest, so lange es bloß bildlich gemeint ist."
Alle lachten, wussten sie doch um Jaels fragwürdige Tanzkünste, auch Kelwan, der aber schon nach kurzer Zeit kopfschüttelnd aufseufzte.
"Mit diesem kindischen Namen wollte ich dich foppen, mein Bester. Ich wusste nicht, dass du ihn noch immer voller Inbrunst aussprichst."
"Es ist der Einzige, der mir etwas bedeutet. Keinen Anderen hab' ich je verdient, keinen Anderen könnt' ich je wollen,... Pradesh."
Jael lächelte und deutete die Bescheidenste aller ironiegeschwängerten Verbeugungen an.
"Heh. Ich sehe, diese Spiegelwelt hat dich nicht deines Geistes beraubt und auch nicht deines Hangs auf Messers Schneide zu tanzen." Kelwan musterte sein Gegenüber einen Moment lang, nahm Maß und fuhr dann fort. "Also setz dich, trink und sei willkommen inmitten deiner Brüder und Schwestern. Wir waren gerade dabei uns zu beraten, aber das kann warten. Erzähle uns von deinen Heldentaten, oh... 'Steppenprinz'?"
"Siehst du, dieser bedeutet mir nichts!" Antwortete Jael während sich alle setzten, er aber stehend verharrte. Mit leicht geschrägtem Kopf, ganz so als wollte er den namens gebenden Vogel nachahmen, musterte er sein massiges Gegenüber. In die Stille sich auf ihn legender, fragender Blicke hinein schnalzte er mit der Zunge, als wäre ihm just etwas eingefallen:
"Achso, bevor ich euch belustige... ich habe dich da vorhin wohl überhört. Warum, sagtest du, bist du hier, Kelwan?"
"Ich sagte es nicht, Jael."
"Ah, na dann. Mein Fehler. Also, was wollt ihr hören, wie ich einen Gott beleidigt habe? Oder wie ich seine Aufgaben löste?"
"Lieber von dieser Galmarin in deren Hütte du ab und an verschwindest", feixte zischelnd Orin, einer der beiden Zwillinge, der seinem ruhigen Bruder Erin an Zotigkeit weit voraus war. "Siehst du, deswegen mochte ich deinen Bruder schon immer lieber! Aber der Gott war auch wirklich nicht ohne! Jetzt gebt mir endlich etwas um meine Kehle zu befeuchten, dann lasst mich Platz nehmen und die richtigen Worte finden. Also, es begab sich... ."
Jael lächelte, als er Platz nahm inmitten seiner Brüder und Schwestern, inmitten Chiryas verlorener Töchter und Söhne.
Hier fühlte er sich wohl, hier gehörte er hin. Und doch...
obwohl er nicht explizit in Kelwans Richtung schaute, wusste er doch, dass dieser ihn beobachtete.
Und gab sich nicht der Illusion hin, dass diesem entgehen könnte, dass Jael ihn seinerseits im Auge behielt.
...
Nach oben Nach unten
 
Ein Ort inmitten von Stille und Schatten
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Ein Fürst der Schatten - Tholle
» Riemenfisch
» Napoleonfisch
» GW2 - Der Schatten des Verrückten Königs
» Suche Hilfe bei Schattenschwinge

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Reich der Rosen :: Gutenbucht - Takbal-
Gehe zu: