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 [Beendet] Ein lange fälliger Besuch

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Corbain Al Kyz

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BeitragThema: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Aug 30, 2016 9:17 pm

Wo: Irgendwo in Gutenbucht
Wann: Auf dem Rückweg vom Turnier von Feuer und Phönix
Wer: Corbain, Neome und wer sich angesprochen fühlt

Die Eindrücke vom Turnier und den letzten Tagen waren noch recht frisch, als das Schiff welches Corbain und die Baronin von Zweimühlen aus dem Ostreich in die Gutenbucht brachte. Schaukelnd legten sie am Kai an und erlaubte währenddessen den Passagieren einen Blick über den Hafen und die Stadt. Auch wenn die beiden bereits auf dem Hinweg diese Route über diese Hafenstadt an der Ostküste genommen hatten, war da nicht genug Zeit sich um solche Eindrücke zu kümmern, wollten sie nicht zu spät an ihrem Ziel eintreffen. Umso neugieriger lies er nun seine Blicke schweifen und genoß die Details die ihm zuvor entgangen waren.

Es herrschte ein geschäftiges Treiben, wie es in einer Hafenstadt zu erwarten war. Wie es der Name bereits erahnen lies, hatte man sich entschieden eine natürliche Bucht zu nutzen und die Stadt in Terrassen empor der Klippe zu errichten. Während man die meisten Häuser um den Hafen herum errichtet hatte, konnte man weiter oben in den Terrassen etwas Grün erblicken... wohl Felder, Gärten oder Obstplantagen.
Als man das Schiff vertäut und die Planke auf den Kai geschoben hatte, konnten die Passagiere endlich von Bord gehen. Normalerweise nutze er Seereisen um seine Unterlagen zu studieren oder Notizen zu seinen Forschungen zu machen. Doch verzichtete er dieses mal darauf, um der Baroness ein besserer Gastgeber zu sein. Auch wenn ihre Entscheidung das Turnier zu besuchen nicht von ihm kam, lag es in seiner Pflicht ihr die Langeweile zu vertreiben... so erwartete man es von jemandem in seiner Position.

Auch wenn er nicht wußte wo er die Lehensnehmerin in dieser Stadt finden würde, hatte er sie über seine Ankunft bereits auf ihrer Hinreise informiert. Somit hoffte er im Kapitänshaus oder beim Hafenmeister eine Möglichkeit zu finden, nach ihr schicken oder sich zu ihr bringen zu lassen. Auf ihrem Weg durch den Hafen eilten geschäftige Arbeiter und Einwohner zu beiden Seiten an ihnen vorbei. Wie bei den Naihlar üblich, hatte der Großteil der Einwohner deutlich dunklere Haut als die Besucher. Zudem dominierten bei ihrer Kleidung rottöne oder schlichtes Schwarz und vielerlei Schmuck zierte fast alle Einwohner. Die meisten hielten die Zierde eher schlicht, um wohl den besseren Schmuck bei der alltäglichen Arbeit nicht zu beschädigen oder zu verlieren. So konnte man vor allem Zähne, Knochen oder Holz - kunstvoll durch Schnitzerein bearbeitet - erkennen, welche Hals, Hand- oder Fußgelenke, gelegentlich auch das Gesicht schmückte. Ein exotischer Anblick, durchbrochen von wenigen nicht Einheimischen, welche wohl der Handel oder einfach die Durchreise nach Gutenbucht führte.

Während Corbain das Haus des Hafenmeisters betrat, um Neome mitzuteilen das er in der Stadt war, begab sich die Baroness auf die Suche nach einer angemessenen Bleibe für einige Tage, da er noch nicht wußte wie viel Wert die Herrin des Lehens auf unbekannte Gesichter legte. So konnte er erst einmal allein mit ihr sprechen und alles weitere würde sich dann ergeben. Die Tür stand offen, da ohnehin viele Hafenarbeiter hier ein und ausgingen oder jemand ein neues Schiff anmelden und Ware verzollen wollte. Corbain trat ein und machte keinen Hel um seine Anwesenheit.

"Seid gegrüßt, mein Name ist Corbain Al Kyz und ich möchte mit der Vogtin sprechen... sie erwartet mich."


Zuletzt von Corbain Al Kyz am Mi Nov 02, 2016 5:38 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Aug 30, 2016 10:34 pm

Der Mann, der dort im Haus des Hafenmeisters inmitten einer Gruppe von Menschen stand, die sich über Papiere gebeugt berieten, und der aufsah sowie fremde Schritte sich an der Schwelle ankündigten, war allerdings nicht etwa der Hafenmeister in Person. Es war ein junger Mann, sichtlich aus dem Volke der Naihlar stammend, ein gerade gewachsener Schöner mit eindrücklichen Augen, die mit schwarzer Umrahmung noch ein Vielfaches an Strahlkraft gewannen. Seine Zöpfe waren üppig und reichten ihm bis lang über den Rücken, waren mit Bändern und Ringen verflochten, während er das Haar an den Seiten gekürzt hatte. Es war viel besser geworden mit der Winterkälte, deshalb hatte er auch seine Kleider dem milderen Wetter angepasst, sodass an mancher Stelle freie Haut zu sehen war, und darauf trug er Bilder.
Er lächelte ein wenig, als er dem Gast ins Gesicht schaute und ihn als Fremden erkannte, und ein wenig breiter, da der Fremde sich vorstellte. Gerade aber, als er den Mund aufsperren wollte um zu sprechen, meldete sich hinter ihm ein gebückter Alter mit grimmiger Fratze zu Wort.
"Sie erwartet ihn. Warum ist sie denn dann nicht da, frage ich mich."
Zwei Herzschläge lang stand der Naihlar unbewegt, den Mund noch geöffnet, in der Bewegung verharrt. Dann wurde sein Lächeln umso gewinnender, und ehe er sich zu Corbain aufmachte, schlug seine Hand versehentlich noch dem Alten salopp auf den Hinterkopf.

"Ein Gast! Ein Freund? Willkommen!"
Der Naihlar musste Ende der Zwanzig sein, vielleicht Anfang der Dreißig. Als er sich verbeugte, ohne seine Augen von dem ungewöhnlichen Anblick des Mannes mit der Augenklappe zu reißen, machte seine Demut einen spielerischen Eindruck. Er trug viele Ketten um seinen Hals, Ringe an seinen Armen, den Fingern, und einen dünnen aus Bein in einem seiner Nasenflügel.
"Ich bin Lahmi, ein Freund der Pakata. Ich bin mir sehr sicher, dass es sie ist, die du mit Vogtin meinst." Seine Ansprache war, wie der Rest von ihm, leger, mitnichten beleidigend dabei, wenn man nicht allzu empfindlich war was das eigene Gemüt betraf. "Sie ist nicht hier, bedauerlicherweise."
Im Hintergrund ein verhärmtes Brummen.
"Allerdings", fuhr Lahmi fort, ohne auf den Hafenarbeiter einzugehen, "kann ich dich hinbringen. Oder sie holen." Seine Augen wanderten in die Winkel, als wolle er hinter sich linsen. "Vielleicht gehen wir besser hin", lächelte er dann.
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Corbain Al Kyz

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Do Sep 01, 2016 6:40 pm

Corbain ignorierte den Alten, schien er doch über die Anwesenheit des Fremden eher ungehalten zu sein. Oder vielleicht war dies einfach seine Art und er ging mit allen so schroff um.

"Habt dank für eure Hilfe. Und ja, ich meine die von euch genannte. Ich bin leider mit eurer Sprache nicht so vertraut und nannte den naheliegensten Titel welcher meines erachtens korrekt wäre." Corbain folgte Lahmi, froh nicht den Griesgrämigen als Führer zu haben. "Ich hatte ihr auf dem Hinweg über diesen schönen Hafen eine Nachricht zukommen lassen, das ich bei ihr auf dem Rückweg vorstellig werden würde. Da ich jedoch nicht genau wußte wann ich den Rückweg antreten und somit hier sein könnte, weis sie nur das ich komme, jedoch nicht genau wann."

Corbain kam sich wie ein Fremdkörper vor, gehörte er doch eher zu der Minderzahl der Andersartigen. Fast schmucklos empfang er seine eigene Reisekleidung und den wenigen Schmuck den er trug. Fast schon bereute er es nicht bereits früher einige Tage hier bracht zu haben, mochte er doch diese Vielfalt aus Kultur und Leben welche die beiden Männer auf ihrem Weg umgaben. "Damit ich nicht direkt bei meinem ersten Besuch in dieser schönen Stadt in Schwierigkeiten gerate oder die Einheimischen ausversehen beleidige, habt ihr für einen unwissenden Reisenden ein paar Ratschläge was ich tunlichst unterlassen sollte oder was hier zum guten Ton gehört? Ich füge mich gern den Sitten der Einheimischen und dies möglichst noch bevor ich ein Fettnäpfchen erwische, in welches ich hinein trete."
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Fr Sep 02, 2016 9:01 pm

Lahmi sprang aus dem Haus und ein paar Schritte voran, ehe er anhielt und sich nach dem Gast unwandte. Es war kaum einen Klafter zwischen ihnen, aber er wartete auf den Gast und deutete mit einer Geste an, dass Dank in seine Richtung überhaupt nicht nötig war. Wenn man ihn ansah, konnte man fast zu dem Eindruck gelangen, dass es sich umgekehrt verhielt, und der Naihlar froh war, aus dem Hafenmeisterhaus und von den Männern wegzukommen.
"Ich glaube Euer Titel trifft es besser als meiner", sagte er, indem er ein Stück weit die Promenade entlang ging, bis ihr Weg einen leichten Anstieg nahm. Er wechselte, vielleicht ohne es zu merken, auf die Anrede, die der andere ihm gegenüber gewählt hatte. "Pakata bedeutet eigentlich nur Kapitän."
Zu ihrer Linken ließen sie die Hafengebäude und Lagerhallen von Takbal hinter sich zurück, Takbal, so nannten die Naihlar Gutenbucht; rechts hingegen taten sich Häuser auf, vor denen sich Menschen tummelten, die, soviel ließ sich ihnen absehen, nicht zu dem eigenbrödlerichen Seefahrervolk gehörten, die sich rund um den Hafen peitschende Sätze in fremder Zunge zuriefen.
"Sie wäre garantiert gekommen, wenn sie gewusst hätte, wann Ihr anlegt", sagte Lahmi, der den Hügel, zu dem ihr Anstieg jetzt geworden war, hinaufsprang wie ein Tänzer, der sich immer wieder ins Gedächtnis rufen musste, dass er einen Reisenden dabei hatte, dessen Beine möglicherweise erschöpft waren. "Sie ist sehr volksnah. Aber genau das ist gerade das Problem. Es sind viele Flüchtlinge aus dem Norden gekommen, die versorgt werden wollen. Der Platz wird weniger und die Siedler haben viele Sorgen und Fragen." Lahmi hingegen lächelte wie einer, der von Sorgenmacherei nicht allzu viel hielt. "Wundert Euch also nicht, sollte es im Kapitänshaus oben etwas turbulenter zugehen als gewöhnlich."

Sie standen letztlich auf einem Hügel im unteren Teil der Bucht. Von hier aus blickte man nördlich auf das Hafenviertel und östlich aufs Meer. Hinter dem Kapitänshaus wuchs das Land in Terrassen in die Höhe. Es thronte mehrstöckig hier oben, ein Haus aus Lehm und Holz, dessen doppelte Türen geöffnet standen und auf ein schattiges Inneres blicken ließen. Doch Lahmi trat nicht ein, ehe er des Mannes Frage sorgfältig beantwortet hatte.

"Wenn jemand hier beleidigt ist und Ihr nicht wisst, weshalb, dann liegt es meist daran, dass Euer Gegenüber ein bisschen empfindlich ist", behauptete er nonchalant. "Ich kann Euch nur den Rat geben, auf Eure Menschenkenntnis zu vertrauen und zu hoffen, dass Ihr welche besitzt. Neome und die Oshead, die Anderen, haben Angehörige vier verschiedener Völker von unserem alten Heimatkontinent nach Mitraspera gebracht, jedes Volk mit seiner eigenen Kultur, seinen eigenen Ansichten und Borniertheiten." Etwas an Lahmi nahm sich ganz und gar ermutigend aus, vielleicht die Tatsache, dass sein Lächeln breiter wurde. "Ich glaube die meisten von ihnen werden Euch allein deshalb lieber mögen, weil Ihr nicht ausseht wie ich." Kein Naihlar war. Das musste er meinen. Und es mochte nicht wunderlich sein, dass manche diesen schmuckbehangenen Gestalten misstrauisch gegenüber stand, denn sie trugen ihre Reichtümer sehr offen und selbstbewusst am Körper. "Was Neome selbst betrifft. Behandelt sie nicht anders, weil sie eine Frau ist." Das schien alles zu sein. Dann aber fiel ihm doch noch eine Sache ein.
"Kommt mal her."
Lahmi stellte sich neben Corbain und zeigte ihm seine Hand. Sie sah nicht aus wie eine Hand, die viel körperlich schwerer Arbeit nachging.

"Ich zeige Euch den Handgruß der Naihlar. Ihr schindet Eindruck, wenn Ihr ihn könnt. Die Grundlage ist einfach. Ihr nehmt eure flache Hand. Für einen freundschaftlich gemeinten Gruß - und derjenige der beginnt, tut dies meist aus wohlmeinenden Motiven - dreht ihr eure Handfläche nach oben." Lahmi tat es vor. "Die Reaktion Eures Gegenübers wird Euch daraufhin viel über seine Einstellung zu Euch verraten. Es gibt diese Erwiderung." War Corbain seiner Anweisung gefolgt, machte Lahmi seiner Geste über seinem offenen Handteller. Er legte seine eigene Hand über die des Besuchers und hatte ebenfalls die Handinnenseite nach oben gehoben, sodass der Rücken über Corbains Fingern schwebte.
"Handrücken über Handfläche bedeutet, dass Euer Gegenüber sich über Eure Motive noch nicht im Klaren ist, dass Ihr ihm unvertraut seid, er Euch anzeweifelt oder Euch schlicht und ergreifend nicht mag. Freundlicher ist" Lahmi drehte seine Hand, sodass nun Fläche über Fläche schwebte "diese Variante. Euer Gegenüber ist Euch gegenüber optimistisch eingestellt. Wenn er oder sie die Handfläche auf Eure legt, sodass sie einander berühren, ist dies ein Zeichen guter Freundschaft und naher Vertrautheit." Dies allerdings führte Lahmi nicht vor.
Er wippte von den Hacken auf die Sohlen und betrachtete Corbain mit unverhohlenem Interesse. Unter anderem wollte er sichergehen, ob er alles verstanden hatte.

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Corbain Al Kyz

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   So Sep 04, 2016 1:21 am

Corbain genoss das Wirrwarr aus Formen und Farben, welches ihn und seinen Führer auf dem Weg zu dem zu einem kleinen Hügel oberhalb des Hafens umgaben. Er hatte auf seinen Reisen bereits viele Kulturen und Völker gesehen, doch stachen einige immer wieder aus diesem Sammelsurium an Erinnerungen und Eindrücken heraus. Die Naihlar, wie Lahmi sein Volk nannte, trugen ihren Besitz in Form von Schmuck offen bei sich, weshalb jeder einzelne dieses Volkes ein einzigartiges Kunstwerk darstellte. Das einige der Einwohner dies nicht gut heißen konnten wollte ihm zwar nicht in den Sinn, aber jeder hatte eben so seine Eigenheiten.

Viel interessanter fand er dagegen die Besonderheit der Begrüßung, welche der junge Mann ihm gerade mit einer Geduld beibrachte, welche er bei Fremden selten erlebte. Corbain versuchte sich die Feinheiten zu behalten und ging das gezeigte mehrmals im Kopf durch, bevor er seinem Gegenüber dankend zunickte. "Ich danke euch für diese Erläuterung... es ist immer gut solche Feinheiten zu kennen, um sich auf bevorstehende Gespräche vorzubereiten." Er blickte durch die offene Tür in das Gebäude und versuchte darin Details zu erkennen. Doch stand die Sonne hoch am Himmel und machte es schwierig etwas verwertbares von hier draußen zu erahnen. "Ich denke ich bin soweit. Begleitet ihr mich hinein damit ich darin nicht zu verloren wirke? Auch wenn ich weiß das die Vogtin - oder Pakata wie ihr sie nennt - mich erwartet, gehe ich doch davon aus das ich nicht umhin kommen werde, noch mit anderen zu sprechen. Und auch wenn ich keine Kontakte und Gespräche scheue, würde ich doch gern erst das eine erledigen, bevor ich mich anderem witme."

Er machte Anstalten den Weg ins Innere fortzusetzen, konnte aber nicht umhin noch eine letzte Frage zu stellen, solange sie sich noch in Ruhe unterhalten konnte. "Was ist sonst im Alltag eigentlich eure Aufgabe? Ich nehme nicht an das ihr jeden Tag Neuankömmlinge oder Besucher durch die Stadt führt... ihr wirkt eher wie jemand der Vielschichtig interessiert und wenig kontaktscheu ist..."
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mo Sep 05, 2016 11:03 am

"Natürlich! Ich komme mit. Ich überbrücke die Seltsamkeit des Anfangs für Euch!" Und federleicht machte sich Lahmi auf den Weg. Er lachte über die Beschreibung vielschichtig interessiert und wenig kontaktscheu, vielleicht, weil sie sehr direkt, aber auch sehr treffend war. Seine baren Füße trugen ihn über die Schwelle ins Haus, und als die Sonne direkt auf seine vielen Zöpfe traf, schimmerte in manchen davon Perlmutt.
"Im Grunde genommen springe ich da ein, wo Neome mich braucht. Ich war mit ihrem Vater auf See und habe das Glück, dass sie mir nicht vollkommen misstraut." Sein Lächeln bedeutete eine rhetorische Untertreibung. "Und gerade braucht es diese Leute, die nicht kontaktscheu sind und das lösen, was sich an Konflikten so zu bilden droht. Es prallen ja doch" Seine Hand fuhr in die Luft und machte willkürliche Drehungen "einige unterschiedliche Ansichten aufeinander, und jeder ist natürlich vollstens überzeugt davon, dass seine Ansicht die richtige ist. Manche sind sogar so überzeugt, dass sie gar nicht mehr wissen, wovon. Dann bin da ich und vermittle ein bisschen. Davon ab helfe ich am Hafen. Ich bin kein geborener Handwerker, aber ich habe kein schlechtes Auge für Konstruktionen."

Der erste Raum, wenn man ins Kapitänshaus trat, war ein großer, schattenspendender Saal. Rechts standen Sitzgelegenheiten verschiedener Art, Teppiche lagen aus, es gab eine Feuerstelle und ein paar Schränke und Regale, links stand ein Tisch mit einigen richtigen Stühlen. Hier und da war ein sporadisches Lager aufgeschlagen, Menschen saßen beieinander und blickten still auf, als Lahmi seinen Gast hereinführte.
"Und Ihr seid ein Botschafter?"
Lahmi scheute nicht den Blick direkt ins Gesicht des Fremdländers, selbst wenn vor allem dessen Augen für ihn möglicherweise interessante Fragen aufwarfen, die er nicht stellte.
Von hier unten gingen weiter hinten zwei Zimmer ab und es gab eine Treppe, die in ein oberes Stockwerk führte. Lahmi warf einen Blick zu den Stufen, anstelle sie zu nehmen, sprach er aber einen runzligen Alten an, der auf der unteren Treppenkante kauerte und sich an einem Stück Räucherfisch die Zähne ausbiss, die er gar nicht mehr hatte.
"Pakata badenn morâniador?" Lahmi sprach eine schwungvolle Sprache mit scharfen r-Lauten. "O badenn mne deneszi osheath?"
Der Alte hob seinen Kopf. Sein Haar war schmierig, wie eingeölt, dunkel mit grauen Flecken. Er machte eine Handbewegung, die wie ein Abwinken aussah. Seine Finger glänzten fettig. Die Triefaugen nahmen Corbain für drei Sekunden in die Musterung, bis er lieblos erwiderte (aber dies schien sein Wesen zu sein und nichts mit dem Gast zu tun zu haben):
"Namaqued aen lora. Bala tam dith ân namaqued aen lora. Nij ne thim omno mi milda."
Was auch immer er sagte, es klang wie eine Beschwerde, und er winkte mit seinem Fisch. Dann zeigte er in Richtung eines der anliegenden Zimmer.
Lahmi zischte lachend, schüttelte sein schmuckes Haupt und bedeutete Corbain, ihm zu folgen.
"Der Mann will nur in Frieden essen", erklärte er. "Aber ich glaube, wir müssen dort entlang."

Er bog nach links in den kleineren Raum, in dem es Kisten und Truhen gab, Karten, Bücher und ein massiges Pult mit einem Sextanten. Dahinter saß Neome, und auf einer Kiste schräg gegenüber zwei heller gekleidete Leute, die aus einem anderen Volk stammen mussten. Sie sah sofort auf, als jemand eintrat, und selbst wenn sie und Corbain bisher nicht miteinander gesprochen hatten, schien sie ihn doch zu erkennen, denn nur ein Satz der Entschuldigung zu ihren Gästen schob sich zwischen  ihren Blick in seine Richtung und das Zurückrucken ihres Stuhls.
"Na bitte", sagte Lahmi zufrieden, weil er nicht, wie er vielleicht im Stillen befürchtet hatte, durch eine Warteschlange beschwerdevoller Einwohner dringen musste. "Sie kommt. Soll ich Euch vorstellen, oder wollt Ihr gleich selbst das Wort ergreifen?"

OOC Chollodann Übersetzung::
 
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Corbain Al Kyz

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mo Sep 05, 2016 12:58 pm

"Da lag ich mit meiner Vermutung gar nicht einmal falsch. Es sollte mehr Personen geben wie euch, deren Begabung vielschichtig und deren Tatendrang ungehemmt ist. Momentan versinken zu viele in Verlusttrauer und Litargie, welche der vielen Herausforderungen geschuldet ist, denen wir momentan gegenüber stehen."

Während Lahmi ihn in das Gebäude führte, war es unübersehbar das die Räumlichkeiten aktuell deutlich mehr Personen beherbergten als gewöhnlich. Man hatte Corbain vorgewarnt das es momentan aufgrund der Flüchtlingssituation so sein würde, doch wurde ihm hier einmal mehr schmerzlich bewußt, wie schlimm die Situation aktuell war. Dies war einer weitere Vorteil an der Lage von Goldhafen... zu weit ab vom Schuß um von Flüchtlingen derart überrannt zu werden. Auch wenn Goldhafen eine Hafenstadt war, bot dieser keinen Zugang zu Schiffen aus dem Norden. Somit konnte man sich darauf beschränken Hilfsgüter zu senden und den anderen Lehen im Süden auszuhelfen, welche aufgrund der geografischen Lage eher mit Flüchtlingswellen zu kämpfen hatten.

Halb in Gedanken versunken dauerte es einen Moment bevor Corbain bewußt wurde, das Lahmi ihm eine Frage gestellt hatte. "So stelle ich mich meistens vor ja. Ich bin Stellvertreter des Vogtes zu Münzquell und für ihn als Botschafter und für Handelsgeschäfte unterwegs. Zudem bin ich seit neuestem Akademieleiter und versuchte einige siegelübergreifende Projekte in Gang zu bringen. Ob ich also wirklich ein Botschafter bin sei dahin gestellt... sagen wir ich nutze mein Verhandlungsgeschick und meine Menschenkenntnis so gut es geht und wo es benötigt wird."

Während sie auf eine Treppe zuschritten welche wohl in das Obergeschoss führte, lies Corbain den Blick schweifen und machte eine gedankliche Bestandsaufnahme der Räumlichkeiten und aller Anwesenden. Neome konnte er nicht erblicken, hatte er aber auch nicht erwartet sie direkt im Eingangsbereich anzutreffen. Jedoch lag eine ungewöhnliche Stimmung in der Luft, welche geschwängert war von alltäglichen Anliegen und Sorgen welche darüber hinaus gingen. Die Zeit in der Lahmi sich mit einem alten Mann unterhielt, der über die Störung wenig erfreut zu sein schien, nutze Corbain um kaum hörbar einige Worte zu zitieren, welche ihn deutlich empfänglicher für die vorherrschende Gemütslage aller Anwesenden machen würde: Creo Magica An Mentem Lapido Vazis wobei er das Amulett um seinen Hals berührte.

Sofort traten seine anderen Sinne in den Hintergrund und ein Gespür für die ihn umgebenden Gefühle erwachte. Auch wenn es deutlich schwieriger war bei dieser Anzahl an Menschen Details heraus zu filtern, ergaben sich doch interessante Strömungen. Generell war die Stimmung deutlich besser als manch anderorts... was vielleicht an der Lebensweise und der Zuversicht spenden Art der Einwohner lag.
Doch auch Verbitterung schlug ihm entgegen...
Vielleicht Verachtung oder Ablehnung aufgrund der Störung, seitens des Alten der die Treppe blockierte...
Neugier und Vorsicht waren zu erkennen, vor allem von denen die das Treiben im Raum im Auge behielten und den Neuankömmling nicht einordnen konnten...
Irgendwo am Rande der Wahrnehmung flammte verhaltener Optimismus auf, vielleicht weil sich Chancen ergaben, welche aus der momentan Situation geboren wurden...
Und irgendwo weit im Hintergrund, kaum spürbar da gut verborgen in dem Gewirr aus Emotionen und verschleiert durch gespieltes Verhalten, stach einem Messer gleich Verachtung und Feindseeligkeit hervor...
Corbain konnte nicht ausmachen wer dieses bittere Gefühl ausströmte und es traf ihn so unerwartet das seine Konzentration abbrach und seine normalen Sinne wieder die Oberhand gewannen. Doch er konnte sich nicht getäuscht haben... allein der bittere Nachgeschmack welcher sich in seinem Mund ausbreitete bestätigte dies.

Lahmi hatte wohl alle Informationen die er haben wollte und sagte etwas über den Alten auf der Treppe. Corbain hörte zwar nicht auf die Worte, verstand aber den Wink ihm zu folgen. Er führte ihn in einen kleinen Raum, welchen er im ersten Moment für ein Lager gehalten hätte. Doch neben all den Kisten und Truhen befanden sich drei Personen in dem Raum, wovon eine Neome war.

"Danke für das Angebot, aber wir kennen uns bereits, wenn auch nur flüchtig. Ich denke ab hier komme ich allein klar." Corbain wollte es fast dabei belassen, doch wandte er sich nochmal an Lahmi und sprach leise zu ihm "Ich würde jedoch hier in diesem Gebäude die Augen offen halten... jemand hier verströmt eine Aura der Feindseeligkeit, welche auf finstere Absichten schließen lässt. Ich weis nicht wer, aber falls es Wachen gibt, warnt diese vielleicht."

Dann wandte er sich Neome zu und verbeugte sich angemessen vor ihr, versuchte jedoch ihren Blick zu verstehen, ob er sie gerade in einem wichtigen Gespräch störte oder sie etwas Zeit für ihn aufbringen konnte.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mo Sep 05, 2016 1:21 pm

Lahmis Augen engten sich, als er die letzten Worte des Besuchers hörte. Er hatte den Blick zuerst noch auf Neome gerichtet, wechselte aber zu Corbain und schließlich nach draußen in den großen Raum, wo viele saßen, auf die eine Aura der Feindseligkeit zutreffen könnte.
Naeviten, die von den anderen freien Völkern ihrer Heimat viel Misstrauen und Verachtung erfuhren, oder Gutenbuchter, die sich mit der Vielzahl an Ortac-Flüchtlingen und jetzt noch hinzukommenden Schar aus dem Norden nicht arrangieren konnten. Zuletzt diese verfluchten Speichellecker dieser Nyame, wer immer sie sein mochte - aber von denen war seines Wissens nach keine im Kapitänshaus anwesend.

Lahmi war an den Geschmack latenter Feindseligkeit bereits so gewöhnt, dass seine Rezeptoren abgestumpft waren. Er nickte also, nahm sich die Freiheit heraus, seine beringten Finger für die Dauer eines Herzschlages auf Corbains Schulter abzulegen und ließ ihn nach diesem stummen Dank allein, wie er es gewünscht hatte.

Den Raum, in dem er jetzt stand, konnte man im Grunde nur beim Eintreten für ein Lager halten. Er war länglich geschnitten und das Pult hinten vor der Wand verlieh ihm etwas Offizielles. Die Kisten waren keine einfachen Holzschachteln, sondern meistenteils dunkle Truhen, in denen wer-weiß-was aufgehoben wurde. In der Mitte lag ein schöner Teppich, der rotgemustert und wahrscheinlich eine komplexe Arbeit der Naihlar war.

Die zwei blassen Menschen, die bei Neome gesessen und vertröstet worden waren (ein Mann und eine Frau in hellblau schimmernden Tuniken und flachsblondem Haar, in das sie Filz gebunden hatten), verstanden, dass ihre Anwesenheit unpassend geworden war und erhoben sich, um mit einem stillen Kopfnicken aus dem Raum zu gehen. Sie berieten sich tuschelnd miteinander. Von ihnen ging die Destruktivität nicht aus, doch sie waren über irgendetwas sehr besorgt.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mo Sep 05, 2016 1:33 pm

Was auch immer Neome zu ihren vorigen Besuchern gesagt hatte - sie zogen sich zurück und ließen Corbain mit ihr allein im Raum.
Auch Neomes Blick schmälerte sich wie wenig zuvor Lahmis. In ihrem allerdings wohnte die sanfte Prüfung eines erkennenden Geistes, als sie den Mann ihr gegenüber kurz studierte. Es war ein freundlicher Blick, ein Blick der Umsicht, gleichzeitig einer, dem eine gewisse Verbindlichkeit nicht fernlag. Weil ihre Augen hell, fast grell waren, erschien Neome vielen Menschen als bedrohlich oder sehr ernst, doch unabhängig davon, dass er solche Anblicke gewohnt sein musste, entschärfte sie diesen Eindruck mit einem Lächeln.
"Ich habe Euch schon gesehen", sagte sie, als sie näherkam, Corbain aber noch nicht erreicht hatte. Sie sprach zurückhaltend, aber durch unbestimmte Umstände tendierte sie mehr zur Wärme denn zu kühler Distanz. "Auf dem Feldzug. Wir kamen nicht zum Reden."
Als sie vor Corbain stand, um ihn richtig zu begrüßen, lächelte sie eine Spur deutlicher.
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Corbain Al Kyz

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mo Sep 05, 2016 3:01 pm

Er ließ ihr alle Zeit die sie brauchte, um ihn richtig einzuschätzen. Er kannte die Gewichtung der ersten Begegnung... soviel konnte man mit einem richtigen Lächeln, einem falschen Kopfnicken oder einem nervösen Seitenblick falsch oder richtig machen. So nahm er eine möglichst entspannte Haltung ein nachdem er sich verbeugt hatte und übergab ihr so die Initiative und die Möglichkeit die Situation zu dominieren.

Als sie vor ihm stand, versuchte er sich an das zu erinnern was Lahmi ihm zuvor beigebracht hatte und hiel ihr seine Hand entgegen, mit der Handfläche nach oben und wartete wie sie reagieren würde. Auch wenn sie vielleicht keinen Wert auf solcherlei Feinheiten bei der Begrüßung legte, versuchte er zumindest auf diese Art Interesse an ihrer Kultur zu zeigen. Leider blieben für solcherlei angenehme Beschäftigungen selten Zeit... so blieb nur zu hoffen im Alltag etwas aufzuschnappen, was man zur richtigen Zeit gewinnbringend verwenden konnte.

"Ich hatte euch eine Nachricht hinterlassen auf unserem Weg in den Osten, das ich gern das Gespräch suchen möchte wenn wir auf dem Rückweg sind. Eben weil wir auf dem Feldzug keine Gelegenheit dazu hatten, möchte ich dieses gern nachholen. Mein Name ist Corbain Al Kyz, wobei ich einfach nur Corbain bevorzuge. Ich bin der Stellvertreter von Vogt Cho’wa el Abar Raine."
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mo Sep 05, 2016 7:17 pm

Vielleicht hätte sie etwas gesagt, hätte nicht seine Geste ihre Aufmerksamkeit ab und ihren Blick nach unten auf seine Handfläche gelenkt. Direkt im Anschluss sprang jener Blick weiter, nur den Hauch einer Sekunde lang, sprang über Corbains Schulter und hinaus, wo gerade außerhalb ihres Sichtfeldes Lahmi durch die Reihen schlich und die Leute in Augenschein nahm.
Eine Ahnung blitzte in Neomes Zügen auf. Und einen Moment lang bewegte sie ihre eigene Hand nicht.
Dann aber, und ganz flüssig, ging sie ihren Weg über die des Gastes und drehte Fläche zu Fläche.
"Besuch aus Münzquell ist hier immer gern gesehen", sagte sie und neigte ihren Kopf, an dem kleine Münzen oder Schellenplätchen vom Saum eines Tuchs hingen. In der Mitte und auf Höhe ihrer Stirn befand sich eine kurze Kette, an der ein kleines Auge befestigt war, nicht blau, wie ihre eigenen, sondern grün. "Ich bin Neome. Es ist schön, dass wir beiden sprechen können, obwohl gerade soviel passiert, was einem Aufmerksamkeit abverlangt." Ihre nächste Handbewegung lud ihn ein, ihr weiter in den Raum zu folgen. Ihre Kleidung, mit allen Gürteln, Veschlüssen, Tüchern, Ringen, Bändern und Reifen war kompliziert. Das schien im ersten Augenblick aber nicht zwingend ihrem Wesen zu entsprechen. Wenn er nur ein wenig offen dafür war, merkte er leicht, dass Neome nicht log, dass er willkommen war und sie ihm nicht mit dem Grimm begegnete, den mancher rüde Siedler draußen ausgestrahlt hatte.

"Ich habe schon viele Münzqueller getroffen", sagte sie und lüftete mit ihrem nächsten Satz eine Nuance des Enigmas um ihr Lächeln. "Und ich glaube der Name meiner Freundin Vhenan ist wiederum kein fremder Begriff hier im Raum?"

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 06, 2016 11:25 am

Corbain kam nicht umhin dieses Kunstwerk, welches Neome als Kleidung trug, zu bewundern. Er selbst bevorzugte einfachte Kleidung, welche man schnell anziehen und wechseln konnte... vor allem bei der man keine Hilfe benötigte um sie anzulegen. Umso weniger passte es ihm das er mit zunehmender Gewichtung seiner Aufgaben auch seine Garderobe überarbeiten und verfeinern mußte. Doch diese Frau die gerade vor ihm stand wußte sich zu kleiden, wußte es Stoff, Farben und schmückendes Beiwerk perfekt zu kombinieren und dabei noch ein Auge dafür zu haben, was ihre Erscheinung schmeichlerisch zur Geltung brachte.

"Es freut mich das Münzquell einen so guten Eindruck hinterlassen hat..." wobei er absichtlich einen freundlich angehauchten amüsierten Unterton der Aussage beimischte. "Der Name sagt mir was, wobei ich gerade kein Gesicht zuordnen kann. Zu meiner Schande habe ich ein furchtbares Namensgedächtnis... wenn ihr sie mir zeigt, werde ich eurer Aussage sicherlich sofort beipflichten." Man konnte ihm ansehen das es ihm sichtlich peinlich war, das dieser Name ihm nicht direkt das Gesicht einer Person in Erinnerung rief.

Während sie weiter in den Raum herein traten, sah sich Corbain neugierig um. Egal wo man hinsah, wenn man den oberflächlichen ersten Eindruck hinter sich gelassen hatte, konnte man Kunstfertigkeit und guten Geschmack erkennen. Er nahm sich vor mehr Zeit in diesem Lehen zu verbringen, sobald die Pflichten es zuliesen. "Ihr habt ganz recht das es wichtige Dinge zu erledigen und Probleme zu bewältigen gibt. Aber wie lange könnten wir uns auf den Beinen halten und die ganze Last stämmen, wenn wir nicht auch einige Moment zum verschnaufen und besinnen nutzen würden? Ich bevorzuge ein gutes Maß aus beiden... Aber wenn ihr es schon erwähnt, was ist es denn was euch momentan besonders umtreibt?"
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 06, 2016 11:48 am

"Vhenan? Ich glaube, ihr beiden wart zusammen in einem Schreibkurs oder so etwas." Ihre legere Handbewegung machte deutlich, dass es auch etwas anderes hätte sein können, etwas ähnliches aber. "Urkunden vielleicht?"

Die beiden blonden Menschen, die bei ihr gesessen hatten, als Corbain gekommen war, hatten es sich auf einer Truhe bequem gemacht, bevor sie gegangen waren. Es gab aber auch wenige Stühle und zwei gepolsterte Rundhocker aus Leder. Neome bot ihm an, sich zu setzen, wo immer er wollte.
"Bitte - es ist nicht nötig, 'Ihr' zu mir zu sagen - es sei denn es soll unbedingt so sein."
Sie lächelte noch einmal, mehr mit den Augen diesmal als mit dem Mund.
Auch sie nahm Platz, nicht hinter dem großen Pult, sondern davor, sodass dieser Tisch mit seinem Sextanten und seinen Karten (solche, mit deren Hilfe man das Land überblickt und solche, aus denen man die Zukunft liest) und allem darauf nicht zwischen ihnen stand. Es schien eine Eigenart der Naihlar - oder mancher von ihnen - zu sein, die Menschen mit direkter, persönlicher Anrede zu konfrontieren, und so erlaubten sie es auch bei sich selbst.
"Ich habe an Münzquell geschrieben, nachdem wir vom Feldzug zurückgekehrt sind", sagte sie. "Und vorgeschlagen, dass unsere Lehen mit Oron gemeinsam unsere Hilfeleistungen bündeln, damit nicht zuviel durch Streuung verloren geht. Münzquell, Oron, Shäekara...wir hatten Glück, wenn man es im Verhältnis sieht. Und das was an Flüchtlingen herströmt ist nur die Spitze des..." Sie seufzte und lächelte trocken "des Eisberges. Jedenfalls finde ich, solange wir noch etwas zu Geben haben, sollten wir es nach Norden schicken, und das sollten wir gemeinsam tun. Jeder gibt ein bisschen. Dann ist allen geholfen." Sie hatte ihren Kopf ein wenig geneigt und ihr Gegenüber während des Sprechens beobachtet. Es musste so sein, dass sie sich nicht nur für das was er sagte und tat interessierte, sondern auch für das, was er nicht sagte und täte. "Wie steht es eigentlich mit Rum?", fragte sie dann plötzlich. "Oder etwas zu essen?" Und dies war nicht, was sie für die Flüchtlinge haben wollte, sondern was sie ihm anbot.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 06, 2016 9:08 pm

"Ja, es ging darum die Kunst zu erlernen für die jeweiligen Lehensnehmer reichskonforme Schriftstücke aufzusetzen. Meines Erachtens zuviel Aufhebens, aber wenn es dazu dient das in Zukunft das Amtsweg ein wenig kürzer und die Akzeptenz ein wenig höher liegt, so sei es drum."

Corbain nahm die Einladung Platz zu nehmen gern an. Die kommende Monate würde er fast ausschließlich auf Reisen verbringen und so nutzte er jede Gelegenheit die Füße auszuruhen. Ihre Geste ihn nicht als Bittsteller sondern als Verbündeten zu betrachten unterstrich sie zum einen durch ihre Platzwahl... auf seiner Seite des Tisches, was dem ganzen die Förmlichkeit nahm. Er konnte sich jedoch ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie ihn bat die förmliche Anrede im Gespräch nicht zu wählen, was seiner Neigung dies ebenfalls zu tun nur zu gute kam.

"Ich werde der letzte sein, der sich über eine freundschaftlichere Anrede beschwert. Ich selbst muß mich in gehobeneren Kreisen regelmäßig daran erinnern das manche Damen und Herren viel wert darauf legen und sich vielleicht brüskiert fühlen, wenn man sie zu vertraut anspricht. Aber wir können gern bei unseren Vornahme oder dem zwanglosen Du bleiben." Die Erleichterung ob ihres Angebotes verhehlte er auf keinen Fall, war ihm doch fiel daran gelegen das sie mitbekam das er selbst einen freundschaftlichen Umgang bevorzugte.

Jedoch trübte sich die Stimmung ein wenig, als sie auf die Hilfslieferungen zu sprechen kamen. Unwillkürlich ließ er einen Seufzen vernehmen und wurde sich dessen erst danach bewußt. Die 5. Jahreszeit und alles was sie mit sich brachte bereitete ihm Kopfschmerzen und er versuchte so selten es ging daran zu denken. "Ich habe deinen Brief ebenfalls gelesen und stimme dem ganzen völlig zu. Leider ist der Straßenbau ins Stocken geraten und noch nicht weit voran geschritten, sodass der Transport wohl nicht so schnell gehen wird wie es nötig wäre. Aber ich habe beim Turnier von Feuer und Phönix mit einigen von Stand gesprochen und dort auch Importe veranlasst, sodass demnächst über Gutenbucht oder Goldhafen Lebensmittel und Saatgut geliefert wird. Wer dieses bezahlt müssen wir noch klären, aber hauptsache die Vorräte sind erst einmal da. Sollten also Schiffe hier anlegen, weist du jetzt bescheid."

Corbain versuchte sich normal zu benehmen, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit allen etwas vorzuspielen. Es war ihm mittlerweile so sehr in Fleisch und Blut übergegangen durch eine gewisse Körperhaltung gepaart mit einem Spiel aus Gestik und Mimik seinen Gesprächspartnern ein von ihm geplantes Bild zu zeigen, das es ihm schwer fiel ganz normal und entspannt zu sein. Hier jedoch - so hatte er zumindest für den Moment das Gefühl - war dies nicht nötig. Umso mehr freute ihn das folgende Angebot von Rum und etwas zu essen, hatte er am heutigen Tag noch nichts zu sich genommen, entgegen seiner Begleiterin die wohl mittlerweile ein Zimmer in einer Herberge und ein warmes Essen organisiert hatte.

"Sehr gern... zu einem Rum sage ich sicherlich nicht nein, vor allem in solchen Zeiten wenn man den einen oder anderen Becher gefahrlos zu sich nehmen kann."
Sein Blick versuchte erneut Details an Neome zu erhaschen, welche ihm vielleicht bis zu diesem Moment verborgen geblieben waren. Die Frau war ihm bis jetzt ein angenehmes Rätsel, doch war er es nicht gewohnt in Menschen nicht lesen zu können, als wären sie ein aufgeschlagenes Buch. Dies sorgte bei ihm für eine angenehme Mischung aus Neugier und Skepsis, welche sich für seinen Geschmack viel zu selten einstellte.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 06, 2016 11:40 pm

"Gut." Neome lächelte, oder jedenfalls hatte es den Anschein. Irgendwo in ihrer Miene verbarg es sich, aber versuchte man, mit Augen danach zu greifen, waren die Anzeichen für sich allein genommen alle nicht aussagekräftig genug. "Am Hof waren die Leute schon einmal schockiert über meine Art des Umgangs. Ich will ihnen sicher keinen Anlass geben, beleidigt zu sein, aber eine Ansprache auf Augenhöhe ist in meinen Kreisen der respektvollste Umgang. Alles andere eine aufgesetzte Form der Höflichkeit."

Neome war nicht sicher gewesen, wie er ihr Angebot aufnahm. Es zeigte sich daran, dass seine willkommene Aufnahme des 'Du' sie um eine Nuance befreiter erscheinen ließ. Auch, als sie über das Thema des Winters zu sprechen begannen, setzte sie keine vorgefertigte Leidensmiene auf, schloss sich seiner Ernsthaftigkeit gleichsam sang- und klanglos an.
"Weißt du, welche Art von Güter Münzquell beisteuern könnte? Die wenigsten haben Baumaterial zu geben, aber auch Lebensmittel müssen im Norden knapp sein. Ihre Ernten werden meistenteils vernichtet sein. Wir haben zum Beispiel - noch - einen Überfluss an Fisch und Meeresgetier, einige Felle, etwas Ziegenfleisch. Wir müssen entscheiden, welche Routen die Vorräte nehmen sollen. Die Banditen sind jetzt eine größere Gefahr als sonst. Oron hat Patrouillen losgeschickt, um irrende Geflohene sicher durch die Wüste zu bringen." Ihre Hand hob sich zu einer malerischen Geste. Es gab viele Aufgaben. "Wegen der Schiffe -" Ihre Hand noch in der Luft, senkte sie die Stirn zu einem angedeuteten Nicken "-wenn ihre Fracht tatsächlich dem Wiederaufbau des Landes hilft, werde ich den Statthalter von Gutenbucht schon beruhigen können."

Ehe sie weitersprachen wollte sie der Gastfreundschaft den hohen Posten einräumen, den sie bei den Naihlar hatte. Den Rum musste sie nicht lange suchen. Eine Flasche davon stand auf dem Tisch. Es war Loragrin, einer der Tropfen aus der Bucht, ein würziger Rum von einer jedoch eher milden Rauchigkeit.
"Im Moment haben wir kein breites Angebot an Speisen. Aber wenn du Fisch magst, wird es hier immer genug für dich geben." Sie lächelte schräg auf. Eine Spur kritischen Humors, der sich gegen die Lage und nicht gegen ihn richtete, verbarg sich darin. Die ganze Zeit musste er sich ihrer Beobachtung sicher sein, selbst wenn sie ihn nicht ansah, schien sie doch aus hintergründigen Augenwinkeln einen Blick in seine Richtung zu werfen oder es war nur jenes dritte Auge, das kleine Schmuckstück an ihrer Stirn, das diesen Eindruck wachrief. "Wir haben auch Nüsse und Früchte und natürlich Brot." Zuerst aber reichte sie ihm einen irdenen Becher mit Rum und behielt einen zweiten für sich.

Corbain mochte Neome selbst ein Rätsel sein. Es war schwer, es anhand ihres Ausdrucks zu erkennen. Die Naihlar umgaben sich mit einer Aura vieler ungeteilter Geheimnisse und dem wähnungsvollen Lächeln unbestimmter Gewissheiten. Sie lasen aus Händen und Karten und vielen Dingen, aber darüber, ob sie es tatsächlich beherrschten, schieden sich die Geister. Aber Neomes Augen beunruhigten viele Gemüter, sogar die solcher, die ihr nahe standen, denn ihr helles Blau stellte viele Fragen, gab aber wenig Auskünfte. Fast mochte man das sie umgebende Fluidum sachter Kraft als die Herausforderung deuten, Fragen zu stellen, und nicht Antworten vorauszusetzen anhand dessen, was man zu sehen glaubte.
"Dann trinken wir zuerst auf deinen Besuch und darauf, dass er unter -" Sie stockte, als überlege sie nach einer Formulierung, die sie kannte, die unter den Ihren aber nicht gängig war "einem guten Stern stehe."
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mi Sep 07, 2016 9:37 pm

Zustimmend nickte Corbain bei ihren Worten. Die gespielte Höflichkeit und das pikierte Verhalten wenn man sich nicht an die Etikette hielt, waren ihm schon immer ein Dorn im Auge, wenn auch leider ein notwendiges Übel in solchen Kreisen. "Ich werde unsere Gespräche umso mehr genießen, allein schon wegen des Faktes das es nicht notwendig ist etwas zu spielen..."

Was jedoch ihre Frage zu den Gütern betraf, war er sich nicht sicher ob er diese korrekt beantworten konnte und sollte. Er kannte zwar grob die Bestandslisten der Kontore und Lagerhäuser, jedoch oblag es Cho'wa zu entscheiden was davon für Münzquell als Vorrat zurück gehalten wurde und was in Richtung Norden abgegeben werden sollte.

"Im Detail kann ich es nicht sagen, da ich mich selbst nicht um die Lieferungen gekümmert habe. Ich weiß das wir sicherlich Steine liefern könnten, wobei ich da das Problem mit dem Transport sehe. Zudem haben wir kurz vor der Krise im großen Stil Felle importiert, welche sich jetzt als sehr nützlich erweisen. An Lebensmitteln haben wir leider nicht so viel Überschuß, was aber auch dem sonstigen Klima geschuldet ist... genug zur Selbstversorgung - gerade durch die Kanäle vom Mutterstorm - aber nicht genug um zu exportieren ohne selbst Hunger zu leiden. Und damit ist dann auch niemandem gedient." Corbain überlegte einen Moment, als zähle er in Gedanken etwas. "Vielleicht können wir von unseren Holzimporten etwas abgeben, sicherlich auch Öl zum Heizen und eben die Waren die wir aus der Baronie Zweimühlen und von den Bretonen geliefert bekommen. Aber auch da kenne ich noch keine Mengen, aber das wollte ich in den nächsten Wochen angehen."

Er sank erschöpft in sich zusammen, als ihm wieder einmal bewußt wurde das die Zeit bis zum Münzfest ausschließlich aus Reisen bestehen würde. Nicht nur das er unbedingt den Vertrag mit den Bretonen vertiefen mußte, damit die Lieferungen rechtzeitig ankamen. Auch hatte er Moreen und Morok versprochen ihnen bei ihrer Familienfede zu helfen, ebenso wartete in wenigen Wochen seine Meisterprüfung auf ihn. Erschöpfung ergriff seine Glieder und ihm war einfach nur danach hier zu bleiben und angenehme Gespräche zu führen sowie die örtliche Kultur kennen zulernen.

Dankend nahm er den dargebotenen Becher entgegen und erhob ihn dankend in einer zuprostenden Geste, wie es vielerorts üblich war. "Auch meinen Besuch und eine wundervolle Gastgeberin wie ich sie sonst selten erleben darf." wobei er Neome ein anerkennendes Lächeln schenkte. "Solange es kein getrockneter Fisch ist - der letzte den ich probierte bekam mir nicht - esse ich sehr gern Fisch. Auch mit Nüssen und Früchten kann man mich locken, empfinde ich sie doch meistens als angenehme Wegzehrung."

Während er den ersten Schluck nahm und das Gefühl genoss, als die Flüssigkeit angenehm kräftig den Hals herunter rann, kam er nicht umhin Neome erneut zu mustern. Nicht nur das ihre Augen alles und jeden zu durchbohren schienen - als blickten sie direkt in die Seele und darüber hinaus - so schien bewußt oder unbewußt jede Geste und jede Bewegung etwas zu sagen oder zu verbergen. Selten war ihm jemand unter gekommen der in diesem Maße mit seinem ganzen Körper zu sprechen schien, wie es diese Frau tat. An einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit mochte er vielleicht die Herausforderung annehmen jede Nuance ihrer Bewegung zu ergründen und herauszufinden, was sie über das gesprochene Wort hinaus mitteilen wollte. Doch im Moment war ihm nach einer zwanglosen Konversation und dem Gefühl sich von ihrem Zauber so beeinflussen zu lassen, wie es wohl gedacht war.

"Abgesehen von deinem Besuch zur Feier unseres Bestehens, was sind deine Reisepläne oder Vorhaben für die nächsten Wochen? Wo wird es dich hinverschlagen oder was wird dich in Beschlag nehmen?"
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mi Sep 07, 2016 11:38 pm

„Natürlich kannst du es jetzt nicht aufzählen“, sprach sie mild und winkte ab. Ihre Gesten waren frei, leicht, und ein wenig belustigt. „Deine ungefähre Einschätzung war mehr als gut genug. Was ihr entbehren könnt, ist garantiert willkommen. Auch beim Transportieren sorgen wir am besten für einen gemeinsamen Weg. Wir haben ein paar gute, ausgebildete Leute, die die Güter eskortieren können. Die Ghalmaren, das ist eines der Völker unseres alten Kontinents, besitzen große Kasernen, in denen sie“ Ihre Hand drehte sich durch die Luft, sie war ganz offensichtlich keine Ghalmarin „Kriegshandwerk und so lernen.“

Neome betrachtete Corbains Zusammensinken aus einer interessiert zurückgelehnten Haltung, die aufrecht genug blieb, nicht hintenüber zu fallen. Eigentümlich an ihm war die Partie seiner Augen. Es wäre nicht wunderlich, wenn auch ihn manch einer während seines Aufenthaltes hier mit langen, heimlichen Blicken bedächte, mit Blicken jener Art, die ihm Zauberwerk und Unheil unterstellten, manche vielleicht voller Faszination, andere voller Engstirnigkeit.

Sie hob, wie er, den Becher in die Luft, doch als sie seine lobenden Worte hörte, zischte sie amüsiert. „Du bist gerade erst fünf Minuten hier. Sei lieber nicht zu vorschnell mit dem Lob, solange du das Essen nicht versucht hast. Vielleicht ist es ja getrockneter Fisch.“ Doch jene Weise, auf die sich ihre Mundwinkel schon selbst verrieten, gab den Witz preis. Sie hob den Finger – er sollte sich nicht sitzen gelassen fühlen – und stand noch einmal flink auf. Gürtel und Ketten raschelten bei jeder Bewegung. Sie hatte derer viele, vor allem Ketten. Ketten aus Muscheln, goldene Ketten aus Metall, eine hölzerne, die aussah wie eine Reihe winziger Totenköpfe, ein rotes und verstörend schlichtes Lederband, dessen Anhänger unsichtbar unter der Last der anderen vergraben lag und vielleicht sogar hinter dem Saum ihrer Kleider verschwand. Würde man den Tand, den die Naihlar am Körper trugen, wiegen, man wäre wahrscheinlich erstaunt, dass sie nicht ihre Fähigkeit einbüßten, gerade zu gehen.
Neome huschte zum Ausgang des Zimmers – dies hatte das Zeichen bedeutet, das sie ihm gegeben hatte - und rief gedeckt hinaus.
„Lahmi? Lahmi!“ Es dauerte wohl eine Weile, bis sie ihn fand. „Dadnethir en omnoa.“ Was sie ihm sagte, verstand man nicht, doch hörbar waren es, der Einfachheit halber, Worte in ihrer eigenen Sprache. „Etwas Fisch und vielleicht fragst du Kharaboudian, ob er noch was von den guten Sachen übrig hat.“
Lahmi erwiderte etwas Leises, lächelte ein Lächeln, das Feinde zu Verbündeten hätte machen können und zog sich zurück. Neome kam an ihren alten Platz und setzte sich wieder.
„Ich habe einen Freund geschickt, von dem ich weiß, dass er schnell und gewissenhaft ist“, sagte sie.

Jetzt wo seine Verpflegung in Auftrag gegeben war, richtete sich Neome Corbain zu. Sie antwortete ihm offen und ausführlich.
„Ehrlich gesagt war ich früher viel mehr auf Reisen als heute. Ich komme nur noch wesentlich seltener weg, seitdem die Schiffe auf Ortac hier ankamen. Ortac, das ist der Kontinent, von dem die meisten der Siedler kommen, alle die, die nicht vorher schon in Gutenbucht waren. Und in ihrer Heimat haben sie in getrennten Reichen gelebt. Jetzt leben sie alle durcheinander und aufeinander und müssen miteinander zurecht kommen. Der eine fühlt sich vom anderen betrogen und der dritte schreit, weil ein Flüchtling aus dem Norden bei ihm unterkommen soll. Ich war der erste Mensch Ortacs, der je einen Fuß auf Mitraspera gesetzt hat. Und ich war auch die, in die sie ihre Hoffnungen gesetzt haben. Auch die, die sie zur Verantwortung ziehen wollten, als sie hier ankamen und erfuhren, dass hier kein Frieden herrscht.“
Neome lächelte resignativ.
„Du musst dir das so vorstellen. Die meisten haben ihr Land verlassen, weil sie dort keinen Frieden hatten. Sie hatten hohe Vorstellungen von Takbal – von Gutenbucht. Dann kommen sie an und Mellesans Truppen fallen hier ein – und danach der Winter. Natürlich wollen sie jemanden, der Schuld ist, der mit ihnen spricht und sie beruhigt. Die meiste Zeit übernehme ich das selbst. Ich will dich nicht langweilen und mich nicht beschweren – ich wollte nur darstellen, wo diese Zeit hingeht, die ich andernfalls auf Reisen verbringen würde.“
Vielleicht war ein wenig Neid in ihrem Blick, auf diese Reisen, deren Aussicht Corbain gerade innerlich erschöpfte. Eine Spur erahnbarer Fernsucht, die jenen Blick dann auf einen unbestimmten Punkt lenkte, ehe sie die Hände ausbreitete und sich von der pragmatischen Seite zeigte.
"Meistens glaubt man, von einer Sache zuviel oder zu wenig zu haben. Zufriedenheit ist vielleicht den Weisen vorbehalten." Sie schnalzte neckisch mit der Zunge. Es war nicht ganz ernst gemeint. "Wie steht es mit dir?"
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Fr Sep 09, 2016 12:13 am

"Das mit dem gemeinsamen Transport erspart jedem Lehen zumindest selbst für den Schutz zu sorgen... so sparen wir im einzelnen Resourcen und können gemeinsam sicher mehr transportieren. Ich würde vorschlagen das die Lieferungen über die Karawanenroute nach Norden über Schönweile geht. Dort sitz aktuell soweit ich weis noch der Hofstaat. Dann kann der Archon selbst entscheiden wohin welche Güter gehen sollen."

Ihm entgingen Neomes Blicke nicht, beließt er es jedoch dabei, da er selbst zuvor ihrer Selbst intensiv studiert hatte. Für einen Außenstehenden mochte es so wirken als würden sie sich anpirschen, den anderen antesten, um zu schauen wo seine Stärken und Schwächen lagen. Aber war es doch eher ein freundschaftliches Necken, wo beide versuchten auf höfliche Art und Weise mehr über den anderen zu erfahren, ohne zu neugierig zu wirken.

Umso interessierter betrachtete er ihr aufspringen, als sie wohl über Lahmi etwas zu Essen für Corbain holen ließ. Es faszinierte ihn jedes mal aufs neue wie man es schaffte sich mit soviel Tand am Körper - wenn auch zugegebener Maßen sehr hübscher Tand - so geschmeidig und flink zu bewegen. Mit seinen Blickte verfolgte er ihre Bewegungen und das Spiel aus Formen und Farben, bis sie wieder ihm gegenüber platz nahm "Auch wenn ich Heute noch nichts wirklich zu essen hatte, werde ich nicht von einem Moment zum anderen Tod von diesem Hocker fallen. Aber trotzdem vielen Dank ob dieser Führsorge... und ich denke hier würde mir sogar getrockneter Fisch schmecken!" wobei er Neome ein Zwinkern zuwarf, als Antwort auf das zuvor von ihr abgewehrte Kompliment.

Doch sorgten ihre Worte bei ihm für ein gewisses Maß an bedauern. Er kannte das Gefühl nur zu gut, irgendwo festzusitzen und nicht dem nachgehen zu können wonach einem der Sinn stand. "Auch wenn man den Unmut eurer Leute verstehen kann und jeder froh ist wenn man einen Sündenbock hat dem man für alles die Schuld geben kann, sollte ihnen doch klar sein das du am llerwenigsten dafür kannst. Es wäre in etwa so als wolle man den Ritter dafür verurteilen weil sein König kriegt führt oder einem Magier weil ein Untotenfürst mit Magie das Land tyranisiert. Gewisse Dinge liegen nun einmal nicht in deiner Verantwortung und wer das nicht sieht, ist dumm oder engstirnig oder beides..."
Man konnte den Unmut in seinen Worten unverschönt heraus hören... fast als seien ihm solche Probleme nicht fremd. Corbain hasste Menschen welche ihren Unmut über Mißstände irgendwem zuschoben, ob dieser jemand etwas dafür konnte oder nicht. Wenn man eine Besserung der Dinge wollte, mußte man dies selbst in die Hände nehmen oder in den Sauren Apfel beißen und es ertragen bis jemand anderes sich der Sache annimmt. Aber er besann sich seiner Reaktion und dem Unterton welcher Unmut erahnen ließ und atmete tief durch.
"Entschuldige... du hast meine Laune darüber nicht verdient und bist eigentlich die Leidtragende in der Angelegenheit. Ich hoffe einfach für uns alle - die denen Leid wiederfährt und die welche den Unmut über sich ergehen lassen müssen - das sich die Mißstände bald erledigen und wieder Ruhe in unser Leben einkehrt und wir solange genug Kraft haben alles zu ertragen."
Darauf hob Corbain erneut den Becher und nahm einen kräftigen Schluck.

"Aber ich habe dir deine Frage noch nicht beantwortet. Auch wenn meine Aufgaben geografisch ein wenig großflächiger gestreut sind als deine, sind sie doch nicht weniger. Nach meinem Besuch in deinem schönen Lehen, werde ich nach Goldhafen zurück kehren und helfen die letzten Vorbereitungen in der Akademie und für das Münzfest zu treffen. Leider muß ich gegen Ende diesen Monats nochmal Mistraspera verlassen, da ich bei Freunden noch ein Versprechen einlösen möchte und meine Meisterprüfung steht kurz darauf bevor... ich hoffe ich bestehe sie!"
Er überlegte einen Moment, als müsse er sich weiterer Termine besinnen.
"Je nachdem wieviel Zeit dies in Anspruch nimmt werde ich meinen Rückweg über Bretonien wählen, um mich dort um die Güterlieferung zu kümmern. Sollte ich es zeitlich nicht mehr schaffen, ist es das erste was ich nach dem Münzfest tun werde. Zum Winterbeginn erwarten wir hohen Besuch vom Rosenhof... Larell und Miro - der Hofmagus - möchten Goldhafen und unsere neue Akademie besuchen. Mit ihnen werde ich dann wohl auch wie jedes Jahr Kalottas Einladung folgen und zum Jahresende mit ihr und anderen hohen Gästen Gespräche führen. Im Neuen Jahr erwartet mich dann das östliche Siegel. Ich habe auf dem Turnier einigen Einwohnern versprochen sie zu besuchen und ich möchte meine Verbindungen dahin vertiefen, um neue Verbündete zu gewinnen. Zudem kann ich in deren Hauptstadt jetzt über ein Haus verfügen, auch wenn es nur zur Verfügung gestellt wird von einem befreundeten Baron."

Corbain holte tief Luft, als er merkte welchen Redeschwall er gerade von sich gegeben hatte. Er blickte Neome in die Augen um zu ergründen was sie dachte und wartete auf eine Reaktion, neugierig an seinem Rum nippend.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 13, 2016 2:19 pm

"Ich bin nicht die Leidtragende, sie sind die Leidtragende. Sie versuchen nur, mich ein wenig in Mitleidenschaft zu ziehen." Man sah daran, wie Neome lächelte, dass sie dennoch verstand, wie Corbain es gemeint hatte, und dass er gewissermaßen natürlich Recht hatte. "Aber gerade deshalb muss ich zur Stelle sein und ihnen auf die Sprünge helfen. Ich kann mich ihren Klagen versperren, weil sie mich zu Unrecht treffen und sie zum Schweigen bringen. Aber das macht sie nicht glücklicher und mich auch nicht. Ich hör mir an, was sie zu sagen haben, und wenn sie sich dann ihre Last von der Seele geredet haben, sind sie empfänglicher für klügere Gedanken. Dann kommen sie von allein darauf, dass ich es gut mit ihnen meine."

Auch sie hob ihren Becher und hörte zunächst einmal nur zu.
Einmal flackerte ein kleines Licht in ihren Augen, aber sie unterbrach Corbain nicht, auch nicht, als er pausierte. Erst am Ende dann hob sie ihr Kinn, ließ, was sie erfahren hatte, Revue passieren und bewegte den Kopf abwägend hin und her.
"Das ist viel. Ziemlich viel. Ein bewegtes Leben. Aber Bewegung muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Es kommt vielleicht darauf an, wie sesshaft die eigenen Knochen sind. Was ist das für eine Meisterprüfung? Worum geht es da?" Das war die Stelle gewesen, an der ihre Augen geblitzt hatten. Letztendlich fragte sie doch nach.

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 13, 2016 5:47 pm

"Selten bin ich jemandem begegnet der diese Probleme so entspannt angeht wie du. Ich gebe dir recht das ein kühler Kopf und manchmal ein dickes Fell die meisten Wogen glättet. Aber auch das benötigt Erfahrung und Selbstbeherrschung." Corbain ließ seinen Blick einen Moment auf Neome ruhen, als überlege er ob er weitersprechen sollte. "Normalerweise erlangt man eine solche Lebenerfahrung nur indem man viel Verantwortung aufgebürdet bekommt oder schlechte Erfahrungen hinter sich hat... was davon war es bei dir?"

Er leerte seinen Becher und genoß das warme Gefühl welche seine Kehle hinab wanderte. Auch wenn er vor seiner Zeit in Münzquell den schöngeistigen Getränken nur bedingt gefröhnt hatte, verstand er doch mittlerweile warum sich so viele Personen in höheren Positionen diese Angewohnheit zu eigen gemacht hatten. Es benebelte angenehm den Geist und verhalf dabei den Kopf zwischendurch ein wenig zu betäuben... der gelegentliche Kater am Morgen war ein leidlicher Nebeneffekt davon. Doch gegen einen Becher unter Freunden so wie er ihn gerade mit Neome genoss, war nichts einzuwenden.

Er konnte sich ein Schmunzeln ob ihrer Feststellung nicht verkneifen. Dieses Gespräch hatte er bereits mit einer anderen Freundin geführt und sie waren auf ein ähnliches Ergebnis gekommen. "Ich habe mir diesen Weg selbst ausgesucht. Ich hatte wirklich darüber nachgedacht alles hinter mir zu lassen, doch würde ich dann wohl der Langeweile anheim fallen und mir dann wieder etwas suchen, was dann wiederum zu dem gleichen Maß an Beschäftigung führt, welches ich jetzt habe. Und zu deiner Frage zur Meisterprüfung... ich habe vor den Meistergrad zu erlangen im Themengebiet Mentalmagie und arkane Auswirkung auf die Seele. Teil der Prüfung wird das Erstellen und füllen eines Seelensteins sein. Ich hoffe mir gelingt diese Herausforderung, vor allem damit der Akademie in Goldhafen jemand mit einem Meistergrad vorsteht. Das erspart uns in Zukunft hoffentlich die eine oder andere Diskussion."
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 13, 2016 7:48 pm

Keine deutliche Empfindung spielte über Neomes Züge, aber ein Lächeln, das in seinen Anfängen stand und dann wieder herabsank, ehe es ganz zum Erblühen kam. Ihr Blick wanderte langsam umher, aber er ging nie weit über seinen Startpunkt, Corbains Gesicht, hinaus. Seltsame Mischungen spielten in ihren Augenwinkeln, ein Gebinde aus Melancholie und Witz, aus Milde und Strenge, Herzensgüte und jener Gelassenheit, mit der man der Nostalgie ihre romantische Verklärung entzieht.
"Mein Vater war Häuptling. Er hat stets das Ansehen meiner Brüder und Schwestern genossen", sagte sie. Wahrscheinlich meinte sie, wenn sie von Brüdern und Schwestern sprach, mehr als jene, die mit ihr blutsverwandt waren. "Sein Wort hat viel gegolten. Ich war immer von einem gewissen Wichtigkeitsgefühl umgeben."
Sie schlang die Finger um ihren Becher, die Ringe klirrten leise dagegen.
"Aber ich selbst war nur ein Mädchen unter ihnen allen. Am meisten habe ich von denen gelernt, die zu mir kamen. Ich hatte ein Zelt, zu Hause in Valvas. Dort hab ich mit den Menschen gesprochen. Oder viel eher haben sie mit mir gesprochen. Und ich habe gelernt, sie zu verstehen."
Ihre Worte waren stigmaisiert durch den Blick, der wie eine Durchdringung aller Äußerlichkeit aus ihrem Gesicht stach, und wahrscheinlich war es ihm verdankt, dass ihre vagen Worte sinnverhüllt und dennoch deutsam waren.

Sie erklärte nichts dazu, wie sich ein solches Gespräch ausnahm. Es entwickelte sich anders. Corbain fuhr fort, und wo Neome zuerst noch verständig lächelte, wahrscheinlich in Gedanken seiner Mutmaßung über den Weg zustimmte, den er ginge, wenn er alles hinter sich ließe, oder ihn zumindest verstand, fror plötzlich in ihrem Gesicht etwas ein.
Er hatte etwas gesagt und ihre Züge waren jetzt wach, als ob sie mitten im Gehen das Gleichgewicht verloren hätte.
"Mentalmagie und arkane Auswirkung auf die Seele?", fragte sie.
Neome musterte Corbain, als habe sie erst gerade eben seine Haarfarbe erkannt. Draußen riefen ein paar Männer irgendetwas durcheinander; entweder sie stritten oder sie freuten sich über irgendetwas. Vielleicht war Lahmi zurück und musste jetzt darum kämpfen, dass ihm das Essen, das er bringen sollte, nicht abgenommen wurde. Neome beachtete den kurzen Lärm gar nicht. Sie überging ihn vollkommen.
"Was genau verbirgt sich hinter so einer Bezeichnung?"
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 13, 2016 10:23 pm

Auch wenn ihm der Tumult vor dem Zimmer nicht entging,war es ihm von hier aus nicht möglich den Grund zu erfahren ohne sich aus dem Gespräch zu lösen. Und gerade nach Neome's Reaktion - als hätte man einem Kind erklärt das man schuld dafür war das sein Lieblingsspielzeug kaputt war - mußte er vorsichtig sein was er als nächstes tat. Irgendetwas an seinen Worten hatte sie alarmiert und vorsichtig werden lassen.

"Auch wenn ich meist als Diplomat, Lehensvertreter und Händler unterwegs bin, ist meine ursprüngliche Ausbildung doch die eines Magiers. Mein Fachbereich ist Mentalismus... Beeinflussung und Heilung des Geistes, Beschwörung oder Verbannung von Geistern, Manipulation von Seelen. Wobei ich in den letzten Jahres meine fachliche Kompetenz bereiter gefächert habe. Die Prüfung hat als Kernkompetenz das Erschaffen eines Seelensteines... ähnlich denen die die Traganter Elben beim Feldzug fertigen. Ich arbeite dazu mit den Elben zusammen."

Er lies die Worte sacken und beobachtete ihre Reaktion, innerlich dazu bereit verbal von ihr verurteilt zu werden... diese Reaktion erlebte er nicht zum ersten mal, wenn er erwähnte welchem Bereich der Magie er sich zugewandt hatte.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Di Sep 13, 2016 11:31 pm

Draußen beruhigten sich die Rufe schnell wieder. Neome furchte die Stirn, warf einen Blick zum Türrahmen - aber es war viel zu spät; abgesehen davon, dass man nicht wirklich in das große Zimmer nebenan blicken konnte, war das Geschrei längst vorbei. Sie glaubte aber tatsächlich Lahmi reden zu hören und machte sich darauf gefasst, dass ihr Gespräch bald unterbrochen werden würde, wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit.

Dennoch, wie jemand, der ein Geheimnis erfahren will, bevor der, vor dem es geheim gehalten wird, das Zimmer betritt, stemmte sie die Handballen zwischen ihre Knie und lehnte sich nach vorn. Sie sprach schneller und leiser, ihre Augen waren geschlitzt, ihr Kopf eine Nuance gedreht. Manchmal hatte man einen besseren Blick auf die Dinge, wenn man sie aus einer schrägen Perspektive betrachtete, denn wenn sie von sich aus schräg waren, konnte man so versuchen, sie wieder gerade zu rücken.
"Seelenmanipulation, wie sieht das bei dir aus?", fragte sie neugierig, und die Spuren eines neugierigen Lächelns hoben ihren Mund. "Wie manipuliert man eine Seele - und wozu?"

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Corbain Al Kyz

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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mi Sep 14, 2016 3:28 pm

"Wenn ich es nicht besser wüßte, könnte man meinen das du dich mit dem Thema auskennst..."

Corbain liebte das Spiel mit ihrer Mimik und Gestik. Fast jeder Satz wurde von der Veränderung ihrer Körperhaltung begleitet oder einem feinen Zug in ihrem Gesicht. Einmal war es ein halb ausgeprägtes Lächeln, ein andermal ein prüfender Seitenblick voller Neugier. Sie wußte es mit dem ganzen Körper zu sprechen und es gefiel ihm.

"Es gibt drei Stufen der Manipulation. Die erste oder oberflächliche Stufe, beeinflusst das aktive Denken und Handeln... quasi den freien Willen. Die zweite oder tiefere Stufe beeinflußt die äußeren Schichten einer Seele... Erinnerungen, Kenntnisse und sowas. Und die dritte oder Kernstufe dringt in den Kern der Seele vor und manipuliert das Wesen an sich... Charaktereigenschaften und die Dinge die einen antreiben. Meine Ausbildung und aktives Wirken beschränkte sich bisher auf die ersten beiden Stufen. An die dritte Stufe habe ich mich nie heran gewagt und würde es auch nicht tun, selbst bei einem Feind. Ich beschränke mich auf einfache mentale Zauber wie den Schlaf oder Furcht, gelegentlich wenn es sein Muss auch ein Wahrheitszwang und selten sogar das Vergessen. Aber ansonsten versuche ich die Nutzung auf das notwendige zu beschränken."

Abermals lehnte er sich etwas zurück, wie zur Aufforderung etwas zu tun. Erst dieses alarmierte Aufhorchen und nun diese Neugier? Sie interessierte ihn... viel zu selten begegnete er jemandem wie ihr.
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BeitragThema: Re: [Beendet] Ein lange fälliger Besuch   Mi Sep 14, 2016 4:20 pm

Kaum hatte Corbain geendet - man könnte meinen Lahmi hätte den Moment abgewartet - kam der junge Naihlar zurück, der zum Essen holen geschickt worden war. Bei sich trug er ein Tablett und ein Lächeln, das dafür gemacht war, Frauen ins Herz zu treffen und sich dort festzuhaken.
"Entschuldigt", rief er, ohne dass ihm etwas wie Schuldbewusstsein vertraut zu sein schien. "Ich störe nicht lange. Aber bevor die Aasgeier draußen sich auf mich stürzen-"
Er beendete seinen Satz durch eine Tat.
Das Tablett, ein längliches Oval, das er auf der Hand balancierte als wöge es nichts, bekam einen Platz zwischen Corbain und Neome auf dem Tisch. Anschließend schob er es etwas deutlicher in Corbains Richtung.
"Kein Festmahl. Aber frische Ware. Wenn Ihr Ziegen abgeneigt seid, rate ich Euch, das hier auszusparen." Er zeigte auf eine Sammlung kleiner Spieße, die abwechselnd mit Fleisch und Käse bespickt waren, und hin und wieder von einer Olive unterbrochen wurden. Daneben lag, wie man ihn vorgewarnt hatte, meistenteils Fisch, gegrillt und gesäuert, geräuchert, und mehr, als ein einzelner Mann essen konnte, wenn er nicht wollte, dass es ihm danach schlecht ging. In einer Schale daneben waren verschiedene Nüsse, in einer zweiten süße getrocknete Maulbeeren. Es gab wenig Gemüse und fast kein Getreide, nur ein sämiges Muß, das etwas salzig und ein wenig nach Mais schmeckte.
"Esst soviel Ihr wollt, aber nicht mehr, als Ihr wollt", sagte Lahmi. Der Mann sollte nicht denken, dass er aus Höflichkeit aufessen musste. Er spielte den zweien eine Verbeugung vor und setzte sich selbst einen Schritt zurück.
"Übrigens", sagte er bei der Tür, "hab ich draußen nichts Außergewöhnliches entdecken können."
Seine hellen braunen Augen richteten sich vielsagend auf Corbain. "Ich halte die Augen aber weiterhin offen." Er zwinkerte, fast war dieses Zwinkern ein bisschen verwirrend. Dann machte er Anstalten, herumzuwirbeln und die Zusammenkunft nicht länger mit seiner Anwesenheit aufzurühren.
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