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 Schiffe am Horizont

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Midian
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BeitragThema: Schiffe am Horizont    So Dez 18, 2016 11:50 pm

Knapp über dem Horizont tauchen eines Morgens bunte Segel auf. Ein zufälliger Beobachter mit guten Augen könnte vier Schiffe erkennen die sich Gutenbucht nähern. Sie scheinen tief im Wasser zu liegen....
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Schiffe am Horizont    Mo Dez 19, 2016 5:31 pm

Der Gutenbuchter Leucht- und Signalturm existierte schon seit der Gründung der Stadt lediglich auf dem Papier. Trotz der guten Lage hatte der Schiffsverkehr nie die Investition in ein ansonsten fast nutzloses Gebäude gerechtfertigt.
Mit den Neuankömmlingen aus Ortac war zwar nicht unbedingt mehr Geld, aber zumindest mehr Segel nach Takbal gekommen. Und so hatte man auf der äußersten Mole, gut sichtbar, einen langes Holzgerüst samt Flaggenkiste und Reffleine montiert. Die Naihlar der Stadt nannten es liebevoll den "Takbalkorth". Leider neigte die Leinenführung dazu, im unpassendsten Moment zu verklemmen. Daher hing Urist, Hafenmeisterassistent, gerade kopfüber unter einem Querbalken und sortierte hastig Flaggen auf eine Schnur.
"Und ... und wenn es nun Entflammte sind, die die Stadt einnehmen wollen? Was sollen wir dann tun?!", rief er zu seinem Dienstherren nach unten. Joakim, Hafenmeister und derzeit damit beschäftigt, die Neuankömmlinge durch sein Fernrohr untersuchen, seufzte leise.
Er verkniff sich, darauf hinzuweisen, dass die Streitkräfte der Khal'Hattras bis jetzt nicht eben durch besonders große Flotten aufgefallen waren, und sagte stattdessen: "Dann halten wir es wie eben beim letzten Mal auch. Wir sagen brav Ignisheil und Amen zu allem, was sie wollen und überlassen's im Übrigen der Herrschaft."
Die zum größten Teil ausgeflogen war. Was nicht unbedingt schlecht sein musste - so konnten kühlere Köpfe vielleicht eine friedliche Lösung finden, sollte sich der Handelskonvoi da draußen wider Erwarten doch als besonders schlaue Kriegslist herausstellen.
"Wird das mal was mit den Signalen?!"
"Ja Herr. Ich mach, Herr. Gleich, Herr.", sagte Urist und fummelte erneut an der Umlenkrolle herum.

Wenig später waren von See her Signalflaggen mit folgender Bedeutung zu lesen:
Hose runter!
Wir heißen euch Thunfisch.
Bitte sinken.


"Hoppla!"
"Du alberner ... gib her, lass mich das machen. Pass auf, erst das Signal Hafen-an-Schiff, dann Obergruppe, dann Subgruppe, dann ... "

Es folgten einige Minuten Verwirrung, dann:
Hafen an Schiff:
Bitte entschuldigen.
Signalführer inkompetent.
Willkomen in Gutenbucht.
Beidrehen und auf Lotsen warten.


Nanuzloma, die Seelotsin, strich sich die grauen Ringellocken aus den Augen, während sich das Boot den fremden Schiffen näherte. Sie blickte zurück, auf das Wasser. Auch heute war wieder ein perfekter, sonniger, spiegelglatter Gutenbuchter Seefahrtstag. Die Bucht war nicht umsonst als Bauplatz für eine Hafenstadt ausgewählt worden. Wenn die Fremden nicht noch irgend etwas Besonderes vorhatten, würden sie binnen Hälfte einer Stunde auf Dock liegen. Sie lächelte selbstsicher und machte sich daran, an Bord zu klettern.


Auf besagtem Dock standen derzeit Hafenmeister Joakim, noch immer durch das Fernrohr spähend, und Hafenmeisterassistent Urist, eine Flasche Willkommensrum in der Hand haltend, sowie lamentierend.
" .. und warum wir überhaupt ein Signal für 'Hose runter!' haben?! Ich meine, es ist doch nicht so, als ob man das jeden Tag ...
"Kommt von den Naihlar", unterbrach ihn sein Herr, nicht unfreundlich. Es heißt, wenn sich ein Schiff ihren Häfen nähert, und es führt das Zeichen 'Durstige und einsame Matrosinnen an Bord', dann setzt der Medicus über und prüft. Dass nicht die Hügelkrätze oder die Venusfäule sich breitgemacht hat - das gibt sonst saftige Erhöhung, am Dock und im 'Stangenhaus'. Und jetzt Ruhe. Ich glaube, sie legen gleich an.
Joakim steckte das Fernrohr ein und warf sich in Positur. Es galt, Gäste willkommen zu heißen und Standards zu wahren.
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Midian
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BeitragThema: Re: Schiffe am Horizont    Fr Dez 23, 2016 10:14 pm

Auf dem Flagschiff brummte Käpten Viran belustigt als er die ersten Signale sah. Merkwürdige Sitten hatte man hier, aber einige Dinge waren verständlich. Er gab Anweisungen an die Signalgasten aus kurze Zeit später wehten die Wimpel aus.

Flagschiff an Hafen.
Wir drehen bei.
Lotse wird erwartet.
Eigene Heiler an Bord.
Danke für die Begrüßung.

Die Schiffe hissten neben dem Seebanner des Velonischen Reichs, das einen schwarzen Seelöwen auf Gold zeigte, noch den silbernen Falken auf blau des Fürstenhauses Sulija und die Flagge des Hauses Te-Lao.

Die Lotsin wurde an Bord von den Matrosen freudig begrüst wie es wohl nur Seeleute tun können die einen baldigen Landgang wittern. Die Rudergänger des Flagschiffs übergaben der Lotsin das Steuer und so landeten die vier velonischen Schiffe innerhalb kürzester Zeit im Hafen von Gutenbucht an.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Schiffe am Horizont    Sa Dez 24, 2016 12:36 am

Joakim spähte, stutzte, und nahm das Glas von den Augen. Er rieb sich diese ein paar Mal, und setzte dann das Fernrohr wieder an. Dann murmelte er, noch immer ungläubig: "Heiler an Bord? Was zum ... was soll denn das nur bedeuten?" Waren das am Ende tatsächlich Seuchenschiffe, wie Urist immer befürchtete? Das allerdings hätte deutlich beflaggt werden müssen, und der Hafenmeister konnte keine gelben Wimpel erkennen. Auch hatten die Signale ansonsten recht vernünftig gewirkt - das schloss die Theorie des betrunkenen Flaggenmeisters aus. Oder sollten sie gar die wirre Botschaft mit der Hose verstanden haben?
Eine Vorstellung, noch grauenvoller als die anderen beiden zusammen. Mehr gierige Matrosinnen konnte die Stadt nun wirklich nicht gebrauchen - zu schweigen davon, dass Bordmedici notorisch nachlässig bei Geschlechtskrankheiten waren. (Das war schließlich ein Problem der Hafenbewohner.)
Nun gut, besser kein Risiko eingehen. "Urist, gib mal in der 'Schildkröte' Bescheid, sie sollen ein paar hübsche Burschen vorbeischicken. Werden vielleicht gebraucht. Und ... ... eigentlich hatte er ja angenommen, es handelte sich um die Lieferung für Zweiwasser. Sein Blick glitt zur Flagge - das Wappen war ihm nicht bekannt. Aber das mochte nicht viel heißen, auf einem Kontinent der Siedler.
"Und sag Brokk, er soll die Schauerleute auf Trab bringen. Den Alten Bock klarmachen, Molen aufräumen, das Übliche. Wir kriegen hoffentlich bald Ware auf Pier."

Wenige Minuten später warfen sich sechs höchst unpraktisch bekleidete junge Männer am Hafen in Pose, Brokk Ramrodd, Stadtwache, Bauarbeiter und Teilzeitgehilfe der Seekomtur betrachtete sie teilnahmslos. Was Frauen nur an solchen Kerlen fanden?
Dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder den Dockarbeitern zu. Es waren zähe, hart arbeitende Männer mit chronisch schlechter Laune, die zu befehligen eines besonderen Gemüts bedurfte. Brokk besaß ein solches. Er war stur, gnadenlos und ein Meister in beiläufiger Gewalttätigkeit. Jetzt schwang er das hölzerne Ende seiner Dienstpike (210 cm, Standardausführung, abgenutzt) herum und klatschte es einem der Männer an den Hinterkopf. "Rann anne Ahbeit! Hoch mittn Asch! Taue runner vonne Mole unne Chran flottemacht, aba Zackzack!"
Schon bald bewegte sich der *Alte Bock*, der rostig quietschende Ladekran der Stadt, über eine frisch aufgeräumte Mole. Die Lagerhäuser standen offen, die Schauerleute bereit. Die Fracht konnte kommen ...

Joakim, der wusste, dass seine Supervision dort nicht vonnöten war, stand indessen am Fuß der Landebrücke des ersten Schiffes, das festgemacht hatte. Mit einem leisen Tritt brachte er Urist, der den Pokal mit dem Begrüßungsrum trug, in Position. Dann verbeugte er sich vor der am wichtigsten aussehenden Person, die nun Land betrat.
"Seid willkommen, euer Liebden, in Gut ... Takbal, im schönen Takbal. Joakim von der Graumarkt, ganz zu Diensten. Wie kann ich helfen, was ist der Begehr? Sind euer Liebden mit Fracht für Zweiwasser hier? Ist gar kein Arg, wird gleich erledigt. Männer stehen schon bereit - für alle Bedürfnisse."
Er wusste, wovon er sprach.
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