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 Clodrigs Hof

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Mallo
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BeitragThema: Clodrigs Hof   So März 19, 2017 1:11 am

"Die Saat wird dir jetzt im Frühjahr gar nichts nützen, Kind", krächzte der Bauer und kratzte sich am Hinterkopf. Er blickte in die Blumenzwiebeln in seiner Hand, schob sie gegeneinander und legte sie beiseite. "Die hättest du vor einem Monat, vor der ersten Sonne spätestens, pflanzen müssen. Was ich dir geben kann - " Er trat die Kastenreihe entlang und blieb vor einem Fleck scheinbar ebener Erde stehen - "sind Sätzlinge. Die ganz jungen."

Argwöhnisch folgte Mallos Blick dem Deut seiner Hand über den leer scheinenden Kasten.

"Die siehst du noch nicht", erklärte Clodrig, "So winzig sind die noch. Aber hier in der obersten Erdschicht werden sie in drei-vier Wochen ihre Ärmchen zeigen. Und sich dann nach der Sonne strecken."

"Und wann werden sie blühen?"

"Bald schon. Spätestens Ende nächsten Monats."

Mallo grimmte für sich. Ende nächsten Monats, das war zu spät. Es sei denn...

"Was ist mit der... Schwertlilie? Hast du sowas?"

Clodrig lachte. Seine Stimme klang wie Schmirgelpapier.

"Ja sicher. Damen unten im Dorf haben immer gern meine Iris gekauft. Wenn du hier die Jungpflanzen nimmst, sie bühen in wenigen Wochen."

Die Chirya musterte die Gewächse im gegenüberliegenden Kasten, wie ein Pferd, in das sie zu investieren überlegte. Sie neigte sich hinab, um sie zu betrachten, stützte die Unterarme auf den Rand des Erdgehäuses. Grün in Grün und Blatt in Blatt. Schon war sie geneigt, sich wieder unentschlossen abzuwenden, doch sie überredete sich selbst zu einem genaueren Blick. Und siehe da, oben am Stiel der Pflänzchen entdeckte sie winzige, dicht geschlossene Köpfe.

"In wenigen Wochen, sagst du?" Sie streckte die Hand aus, ohne eine der Iriden zu berühren.

"Gib ihnen zwei, höchstens drei. Allerhöchstens. Wenn du sie gut pflegst, und wenn wir Glück mit dem Regen haben, weniger. Aber besonders viel brauchen sie nicht."

"Hab ich gelesen." Sie nickte und wälzte die Lippen unter ernsten Brauen. "Genau sowas such ich."

"Wieviele willst du mitnehmen?"

"Wieviele hast du noch anzubieten?"

"Ich hab noch Ringelblumen, Myrte, Nelken, Lavendel..."

"Blüht irgendwas davon in absehbarer Zeit?"

"Oh, ja, wenn du ein Büschelchen Schmetterlingslavendel nimmst, da hast du spätestens zum Mittjahr deine Freude -"

"Das dauert mir zu lang." Sie war ihm ins Wort gefallen, als verschwendete er ihre Zeit, besann sich dessen und senkte den Blick. "Entschuldigung. Es ist nur - ich werde die Stadt bald verlassen und ich will so gern sehen, dass sie... aufgehen."

Clodrig lehnte sich im Stand zurück und musterte das kantige Gesicht des Mädchens mit zusammengekniffenen Augen.

"Na, wenn das alles ist", sagte er und Mallo spürte genau, dass selbst er, ein alter gutenbuchter Blumenbauer, dahinterstieg, wie schlecht sie darin war, Ungesagtes unauffällig abzuhandeln. Sie war ihm dankbar, dass er nicht weiter auf ihre Forderung einging. "Jedenfalls... braucht jede Blume etwas Geduld, wenn du etwas von ihr willst. Wir machen's doch auch nicht anders. Wir geben auch niemandem was ohne Gegenleistung. Heh. Heheheh", krächzte er wieder los und schlug der Chirya kameradschaftlich auf den Arm. "Ich sag dir, nimm ein paar Irissätzlinge. Die kleinsten. Die brauchen nicht viel. Die sind dir auch für wenig dankbar. Und setz den Schmetterlingslavendel drumrum und ganz außenrum ein paar Ringelblumen, und pflanze sie im Schatten. Dann hält dein Beet den ganzen Sommer durch und dein Garten wechselt die Farben."

Mallo ließ den Mann diesmal ausreden. Sie öffnete direkt die Lippen, um zu widersprechen. Bremste sich und tat es dann indirekt.

"Hört, Herr, mir geht es nicht um... Schönheit. Es muss.. einfach passen und..." Sie machte ein wegwerfendes Geräusch. "Ihr seht selbst, ich bin ein totaler Anfänger."

"Was glaubst du, warum ich dir sage, was ich dir sage?", fragte Clodrig ungerührt, "Geht doch an mir nicht vorbei, dass du keine Ahnung hast. Die Blumen, die ich dir genannt habe, sind anspruchslos, so gut es geht. Kriegt jeder Stallknecht hin, wenn du ihm regelmäßig gießen und richtig pflanzen beibringst. Also, was sagst du?"

Ihre Haltung fuhr auf, erbaut über die freche Direktheit des Mannes. Sie hob einen Mundwinkel.

"Na schön. Das heißt also, wenn ich... jemandem sage, wie die Blumen zu hegen sind, dann kann ich sie auch wem anders überantworten, für eine Weile?"

"Warum nicht?" In weltlockerer Manier hob Clodrig die Schultern der flachs verschränkten Arme. "Wie gesagt, die kann jeder. Solange der Ort stimmt."

Kaum erfreut, fuhr wieder ein Aufhorchen in Mallos Mimik.

"Wie meint Ihr das?"

"Wie werde ich das wohl meinen? Blumen brauchen Wasser, Erde, Luft und Licht. Jede in unterschiedlichem Maß. Die drei, die du mitnimmst, passen, was das angeht, gut zusammen. Du musst nur einen Ort finden, an dem alles vorhanden ist."

Mallo überlegte eine Weile. Sie ließ den Blick über Clodrigs Hof wandern. Sie standen in langen Reihen von Kästen und Beeten, die sich bis zum Hang der nächsten Terasse zogen, hinter einem kleinen Haus aus ungestrichenem Lehm und einem kaum erwähnenswerten Viehstall. Die Gebäude warfen ihren Schatten auf die Beete dahinter.

"Könnt Ihr einen Ort empfehlen?", fragte sie den Bauern, "Ein Beispiel geben? Ein Ort, an dem alles vorhanden ist - in Maßen? Nicht zu viel, nicht zu wenig?"

"Na, hier ist unsere Erde dankbar", antwortete er, "Aber die Südseite bringt für manches Gewächs zu viel Sonne am Tag. Wenn Hohlköpfe ihre Sachen ohne den Schatten einer Baut anpflanzen, sind sie selber schuld. Sonst ist es wunderbar. Wir kriegen Regen ab, wenn Wolken übers Meer ziehen. Einzig Düngen ist schwer. Weißt ja. Kaum Vieh im Dorf. Müssen alles hier hochschleppen."

Sie hörte zu, atmete aus, musterte den alten Mann mit der Distanz eines Menschen, der vorhergehende Generationen betrachtet und schnell damit bei der Hand ist, diese und ihre Erfahrungen zu unterschätzen. Sie besann sich dessen. Wie er Gutenbucht immer noch "das Dorf" nannte. Sie strich sich mit der Geste eines vagen Entschlusses mit der Hand übers Kinn.

"Was ist mit dem Fleckchen hinter Eurem Haus?"

"Was soll da sein? Da sitzen meine Mimosen und die Rosenbüsche."

"Aber da ist doch von allem genug, oder? Schatten, Sonne, Regen?"

"Du willst meine Blumen kaufen, um sie auf meinem Land zu pflanzen?" Clodrig sah sie mit einer Gesichtshälfte an, wie jemand, der gerade einen Räuber überführt.

"Schaut." Mallo befeuchtete sich die Lippen. "Ich sehe nur den Nutzen für beide Seiten. Wenn Ihr mir helft..., dieses Beet richtig aufzuziehen, mit Euren Blumen und... einer weiteren, aus meiner alten Heimat, nach... den Anweisungen, wie meine Vorfahren das gemacht haben... kann ich veranlassen, dass jemand Euch regelmäßig den Dünger für Eure Beete von den Bauern unten bringt." So zaghaft sie im Zwischenmenschlichen war, so ungeübt im Verhandeln, sie brauchte diese Übung und sie sprach die Idee einfach aus. Sie klang gut in ihrem Kopf. Hoffentlich fand Clodrig das auch.

"Aha. Was ist das für eine Blume?", fragte der Mann, barschen Tons, aber mit unbestrittenem Interesse eines selbsternannten Experten, der vor eine unerwartete Neuerung tritt.

Mallo seufzte. Jetzt ist es raus.

"Ein Morgenkelch. Ein zimperliches Ding. Es ist sackschwer, ihn zum Blühen zu bringen. Zählt als echte Herausforderung."

"Darum geht's dir also. Und wozu brauchst du dann meine Blumen?"

Im Schatten des Hanges erklärte sie ihm, was sie von Chattras erfahren hatte. Clodrig hörte sich alles an, ohne auch nur eine Sekunde den Eindruck zu erwecken, er verpasse ein Wort. Zuletzt starrte er in den Boden und schwieg eine Weile.

"Da stellt sich mir doch eine Frage, Kind", sagte er schließlich langsam, "Wenn du diesen Morgenkelch unbedingt blühen sehen willst. Warum gehst du dann weg? Wenn du willst, dass er so bald wie möglich blüht, bist du zu der Zeit vielleicht gar nicht hier, um es zu sehn. Ich bin Blumenbauer. Ich hab Erfahrung mit sowas. Vielleicht gelingt mir, dass er blüht. Aber wenn, dann ist das nicht deine Errungenschaft."

Seine Worte legten Mallos Stirn in senkrechte Falten.

"Ich weiß", knirschte sie, "Ich hatte nicht vor, wegzugehen. Es kam anders. Aber ich will das trotzdem schaffen. Vielleicht... vielleicht könnt Ihr ihn einfach für mich hüten. Damit er nicht stirbt. Vielleicht könnt Ihr mir mehr über ihn sagen, wenn ich wiederkomme. Aber er... darf nicht sterben."  

Clodrig bemaß sie mit einem langen, prüfenden Blick. Dann nickte er langsam.

"Ich geh den Handel ein", sagte er dann, auch wenn der Handel sich nun anders ausnahm, als beide zuvor erwartet hatten, "Bring mir mal das Blümchen. Dann reden wir nochmal über deine Notizen. Ich seh, was machbar ist. Und pflegen wirst du es selber, solang du noch da bist. Und du besorgst mir einen Mistkarren für jede Woche."

Mallos Miene leuchtete auf. Sie streckte Clodrig die Rechte hin.

"Wir verzichten auf das Schriftliche?"

Der Bauer schlug ein und verzog das Gesicht.

"Das können sich die sogenannten Herrschaften da unten im Hafen aufheben."

Sie lachte mahnend und sah davon ab, den alten Mann für seine Worte zu schelten. Sie sah keine Boshaftigkeit in seinen Absichten. Sie verabschiedeten sich knapp voneinander.

"Weißt ja, wo du mich findest. Und wenn du den Jungen von Bedrics Hof hochschickst, sag, er soll mir ein paar Tomatenranken mitbringen. Im Wasser!"

Eben wollte sie über den kleinen Graben vor dem Haus springen und es hinter sich lassen. Da verharrte sie und drehte sich zu Clodrig um. Er stand weiter oben und winkte. Sie musste die Augen gegen die untergehende Sonne abschirmen, um sein Gesicht zu erkennen. Der Meereswind wehte ihr den goldenen, alten Schal von den Schultern.

"Tomaten?"

"Ja! Bedric hat Tomaten. Aber ich hab die bessere Sonnenseite! Wetten, meine werden schöner?"

Mallo blickte lang zu dem alten Mann hinauf. Für einen seltenen Augenblick hatte ihr Herz sich mit purer Hoffnung gefüllt, Hoffnung und Vorfreude auf die Rückkehr der Oshead.

"Keine Wette!", rief sie und sprang den Hang hinab.

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Mallo
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BeitragThema: Re: Clodrigs Hof   Fr Jun 09, 2017 11:07 pm

"Ach, Liebster... "

Mallo krächzte und versenkte scheulos die bloßen Hände in der Erde.

"Jetzt schau dir an, was aus dir geworden ist. Freunde, hier ist einer, der immer noch nicht verstanden hat, worum es hier geht." Sie hob das Lavendelpaar mitsamt der Wurzeln aus dem kleinen Beet hinter Clodrigs Haus. "Da!" Sie drehte die Blümchen vorsichtig, um sie den verbliebenen Beetinsassen, vor allem dem Morgenkelch, der seinen Knospenkopf stur und hellgrün nach oben streckte, zu zeigen, wie so manche ihrer Vorgänger. "Das passiert mit einem, wenn man sich gegen Befehle und Bitten stellt. Dann sind Andere irgendwann stärker zusammen... und man selbst bleibt krank und allein. Nehmt euch ein Beispiel. Vor allem du, Liebster." Einige Augenblicke lang sah sie dem Morgenkelch nachdenklich und bedauernd ins geschlossene Gesicht. Dann stemmte sie sich krächzend auf die Füße und brachte die Lavendelstängel zurück zu ihren Brüdern, weiter unten zum kleinen Acker.

"Hey, hallo!", rief es hell von irgendwo aus der Ferne.

Mallo erkannte die Stimme. Sie hob den Kopf aus der Lavendelfront und richtete sich sofort auf, als sie Suanneigh erkannte.

"Da bist du ja." Als hätte sie nicht gerade eben noch auf Knien herumrutschend in der Erde gewühlt, schritt sie auf die jüngere Chirya zu und bewegte sie mit sich in den Schatten vor Clodrigs Haus. "Danke, dass du dich bereitgemacht hast. Mir ist auf die Schnelle niemand eingefallen, der so gut und einfach unterwegs ist, wie du."

"Keine Ursache, Mallo. Also, wonach suche ich diesmal?"

"Nach Guts."

Die Chiryamädchen wechselten einen bedeutungsvollen Blick.

"Ist ihm etwa -"

"Nein. Zumindest nicht, dass wir es wissen. Aber deine Aufgabe ist, das rauszufinden. Erinnerst du dich daran, was der Deserteur gesagt hat? Weißer Stein, zerbrochene Säulen, in der Ebene von Tinderos. Das sind die Anhaltspunkte, die Guts auch hat."

Suan blies angestrengte Luft durch die Lippen.

"Das ist beschissen wenig", übersetzte Mallo die Geste in Worte, "Ich weiß, aber wir haben keine andere Wahl. Wir müssen ihn zurückholen mit dem, was er gefunden hat, oder ihm Verstärkung schicken. Du bist die Einzige, die das schnell, lautlos und zuverlässig tun kann, gerade. Geh zu Marvin unten beim Tor. Leih dir Gleißwind, ich werde ihn bezahlen. Und dann reitest du nach Westen. Wenn du Alsahav hinter dir gelassen hast, halte Ausschau nach Guts. Ringe ihm ab, was er bisher hat und dann bring uns entweder das, oder seine Bitte, nach was auch immer er für Hilfe braucht. Hast du verstanden?"

Suan dachte nach. Sie starrte in die Luft hinter Malen. Dann nickte sie.

"Ja", sagte sie schlicht. Zug war in ihrem jungen Gesicht aufgekommen. Sie rückte die Riemen ihres Rucksacks zurecht.

"Gutes Kind." Mallo schlug ihr kameradschaftlich auf die Schulter. "Dann geh. Wir treffen uns zum Sonnenuntergang bei Marvins Hof. Lass mir im Kapitänshaus eine Liste mit allem, was du für die Reise brauchst, ich lass es dir fertigmachen."

"Mallo?"

"Ja?"

"Was ist eigentlich mit den Spesen?"

Die ältere Chirya bremste mit dem Gesicht in dieser einfachen Frage.

"Du hast Recht. Entschuldige. Du hast genug getan, vorher schon. Ich bring dir deinen Anteil heute Abend und du bringst Guts seinen mit - fürs Bisherige. Einverstanden?"

"Klar."

Sie war die richtige Wahl gewesen, wusste Mallo, als Suanneigh sich ohne Weiteres abwandte, hin zum Rückweg in die Stadt. Von Anfang an schon. Sie verfolgte das Mädchen noch mit dem Blick, bis der helle Schopf verschwunden war. Dann trat sie zurück, zu dem kleinen, ganz besonderen Beet hinterm Haus.

"Die Pflicht ruft, Liebster", sagte sie und streckte die Hand, um des Morgenkelchs Köpfchen schwerelos zu halten, "Aber ich komme wieder." Ein Tropfen Blut, ein Tropfen Brand. Wenn sie sich nicht rasch die Hände wusch, würde das noch böse enden.

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BeitragThema: Re: Clodrigs Hof   Mo Jul 31, 2017 5:07 pm

Am Morgen vor dem Aufbruch zum Feldzug 15 n.d.E.

Sie konnte nicht sagen, wie lange sie schon bei Vika saß. Das Blümchen hatte sie gestern gefüttert, wieder einen Kollegen vorgeführt und umgetopft, dafür ihrem Liebling zwei-drei neue Freunde vorgestellt. Heute war es nur noch ein Abschied. Sie war gekommen für wenige liebe Worte und einen Kuss. Und etwas frischen Wassers aus Clodrigs Brunnen. Ihr Rucksack lag neben dem hübschen Beet auf der Erde, so auch ihr Schwert, und sie kniete vor Vika und sah ihn an.

Im Osten graute es. Sie setzten heute die Segel.

Sie dachte an Dharna und Vayle und Marcia und ihre Neuigkeiten, die sie Vika schon erzählt hatte. An Guts, der sich - wieder! - dazu bereiterklärt hatte, eher dem Wunsch seiner Nyame zu entsprechen, denn mit den Anderen zu ziehen. An Asdan und Schranz, die noch mit ihrer Garderobe für den Auftritt am Hof kämpften. An den kleinen Algar, der dieses Jahr das erste Mal seinen Kopf für dieses Land riskierte und an die beiden neuen Jungs aus der Miliz. Ob sie wussten, worauf sie sich einließen? Sie dachte an Harlekin und Friedrich, deren Nachricht sie vor einigen Wochen erhalten hatte und sie dachte an Ardens Schmerz und an Raûl, mit dem sie nun mehr zu tun haben würde, als je zuvor. Vor ihrem inneren Auge trat sie an seine Seite und gemeinsam sammelten sie die Oshead und traten den Weg an; und als sie an ihr Ziel dachte, ergriff sie keine Furcht, sondern Freude, denn sie dachte an Vhenan, Jael, Karl und Neome. Alles würde gut werden, diesmal sicherer denn je. Auch diesmal war Niederlage keine Option.

Mallo wandte den Blick und betrachtete die Kais weit unterhalb der Terrassen. Der Morgennebel verzog sich langsam. Unten machte die Crew ihr Gefährt für die nächsten Tage fertig. Es war an der Zeit.

Sie schloss die Augen und atmete durch. Raûls Vorschlag, seine Zuversicht und Neomes Zustimmung hatten ein Gerüst in ihrem Inneren gebaut, das ihre Schultern straffte. Sie hatte sich viele Gedanken gemacht um das Wie - und fast gar keine um das Was, eigentlich. Vielleicht ganz gut, dass dazu keine Zeit geblieben war. Vielleicht umso besser, dass sie auf Plan und Umsetzung geschaut und dem Staunen und Zweifeln keinen Platz gelassen hatte.

Die Feuerprobe.

"Ich muss los, Kleiner", sagte sie zum Morgenkelch, küsste ihre Fingerspitzen und ließ die Geste auf sein Köpfchen tropfen, "Bleib gesund. Wir sehen uns zum Sommerende, hoffe ich." Und ehe sie Clodrigs Hof verließ, wandte sie sich ein letztes Mal nach Vika um.
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