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 Die Suche vieler Augen

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Mallo
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BeitragThema: Die Suche vieler Augen   Mo Apr 24, 2017 11:42 pm

"Wir nutzen die Nacht", hatte sie zu den drei Augenpaaren gesagt, die ihre Führung bislang nicht kannten, "Ich kann euch die Terrassen sicher hochbringen und wir nutzen das erste Morgenlicht für den Start über die Steppe. Geht nach Hause, trefft eure Vorbereitungen und kommt. Rechtzeitig."

Nun stand sie am Binnentor, das inzwischen befestigt worden war. Es führte, zwischen den Wänden der ältesten Gutenbuchter Hütten hindurch, zum Hohen Weg. Sie trug gras- und erdfarbene Reisekluft und ihren grauen Umhang. Neben ihr scharrte Gleißwind mit den Hufen und Findel schnaufte hin und wieder ungeduldig, an Grashalmen kauend, die sie ihm hinstreckte. Die Satteltaschen der Pferde waren gepackt, die Zelttaschen verschnürt.

"Ich hoffe, du bezahlst uns auch fürs Warten", raunte Achalla, der, neben ihr an den Torbogen gelehnt, süßliches Gras rauchte. Er hatte ein rotes Band um die stets gefurchte, dunkle Stirn und einzig seine Säbel, die er an beiden Seiten seiner Hüften trug, verrieten seine Bereitschaft zur Tödlichkeit, wenn es denn sein musste.

"Ich bezahle dich ab heute, egal für was", entgegnete Mallo, "Ich dachte, wir haben das besprochen." Sie warf einen Blick die Straße in die Stadt hinunter. Es fehlten nur noch Dharna und Guts. Dann würden sie aufbrechen.

Redric und Suanneigh lenkten ihren Blick ab; Der junge Bursche versuchte gerade, das Mädchen zu Schwertübungen zu animieren, aber sie hielt es für spannender, Steinweitwurf zu spielen. Sie saß da, wie ein Wölkchen, in weißem, weichen Chiryaleinen, schlug unbeirrt nach Redricks Arm, wenn er sie nervte, wie nach einer lästigen Fliege.

Mallo erschrak, als Gleißwind plötzlich aufstampfte und wieherte: Eine Gestalt schob sich eilig an der Gruppe vorbei, entschuldigte sich flüchtig und strebte zur Anschlagtafel neben dem Tor. Die Versammelten hielten inne und verfolgten die Gestalt mit dem Blick. Sie schlug etwas an die Tafel, einen Aushang, direkt neben Mallos Aufruf zu der Reise, die hier und soeben in ihren ersten Augenblicken stand.

Ein schmerhaftes Seufzen durchfuhr die Glieder der Waldläuferin. Sie widerstand dem Drang, sofort hinzueilen, um die Botschaft zu lesen - zumindest vorerst. Achalla kam ihr zuvor.

"Ey, Knecht!", ruppte er in Richtung Bote, "Neuigkeiten von der Front?"

"Lest selbst", antwortete dieser, als er, sein Werk getan, die Hände mit Hammer und Nagel herunternahm. Suanneigh war schon herangesprungen, aber die Feuer am Tor waren gedimmt, "Der Archon ruft erneut zu den Waffen. Aber die Hauptstadt ist befreit!"

Mallo seufzte noch einmal. Sie merkte, wie sie unangenehme Gänsehaut bekam. Achalla spuckte aus.

"Die Hauptstadt war besetzt?", fragte Redric mit dem belustigten Ton, ganz bewusst etwas verpasst zu haben, und kratzte sich am Hinterkopf.

"Wenn die sich nicht um richtige Boten kümmern, brauchen sie sich nicht wundern, wenn ihnen keiner hilft", brummte Achalla und wandte sich ab. Er schwieg darüber, ob er überhaupt lesen konnte.

Mallo fuhr sich über die Nasenwurzel und gewann wieder an Fassung. Sie biss die Zähne zusammen und richtete den Blick auf den Weg.

Kommt endlich. Ich will hier weg.

Wenn keiner hinschaute, würde sie lesen. Vielleicht.

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Dharna
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Di Apr 25, 2017 11:33 am

Zu sagen man solle rechtzeitig irgendwo sein, war schon immer Auslegungssache für Dharna gewesen. Wessen rechtzeitig wurde denn genommen?  Aber immerhin erkannte sie die Dringlichkeit in Mallos Worten, so das der vertraute Schemen des Weibes, recht bald  erkennbar wurde. Gemächlichkeit trieb Dharna und Esel an, letzterer dazu verdammt, das Gepäck des molligen Weibes zu tragen, dass auch heute nicht auf seine gefühlt hundert Taschen am Leibe verzichtete. Verstauraum der so gut genutzt wurde, dass sie selbst nicht mehr wusste, in welcher Tasche eigentlich was war.

"Heeeee! Elias hat mir ein Marschlied beigebracht, aber ich hab die erste Zeile schon wieder vergessen. Was reimt sich verdammt noch mal auf 'dem Marsche nach....'? Ach auch egal. War eh ein seltsames Lied. Ich bin dann also da. Bin ich zu spät? Nein? Gut. Haben schon alle gegessen?"

Noch garnicht ganz angekommen, plapperte sie schon los und begrüßte die Anwesenden mit einem herzlichen Schmunzeln, kaum das der Esel zum Stillstand gebracht wurde.

"Ich hoffe ja ich habe alles dabei. Eigentlich habe ich immer irgendwie alles dabei. Hat Gats gestern noch gesoffen? Der ist doch _nie_ nach mir da. Was ist hier los?"

Noch während die Worte gesprochen wurden, wanderte der Tatendrang in eine andere Richtung. Wenn man noch warten musste, konnte die Zeit sinnvoll genutzt werden, also begann man die Pfeife zu stopfen.
So groß war die Sorge um den einstigen Ziegenhirten also doch nicht.
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Guts
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Sa Apr 29, 2017 9:24 am

"Verdammt!" dachte sich Guts. Nicht weil er zu spät am geplanten Treffort war, sondern weil er verschlafen hatte. Er war nicht zu spät, er war da, im Schlamm liegend neben Wasserkrügen und Stroh hatte er geschlafen.

"Verdammt!" diesmal spricht er aus.

"Wieso hab ich schon wieder so viel getrunken? Vor allem vor so einem wichtigen Tag. Mallo wird mir den Kopf abreissen, schon wieder..."

Guts war nicht sehr gut darin sich Orte und Wege zu merken, um dennoch nicht zu Spät zu kommen, hatte er sich was einfallen lassen.

"Wenn ich einen Tag vorher da bin und einfach in der Nähe schlafe, kann ich nicht zu spät sein!" dachte sich Guts. Der Plan war gut, jedoch hat Guts leider kurze Zeit später, während er auf die Müdigkeit wartete eine kleine Taverne entdeckt und so nahm der rest seinen Lauf.

Also quälte er sich aus dem Schlamm, der erste Griff geht in Richtung seines Beutels.

"So viel Glück kann ich doch garnicht haben, so oft wie ich betrunken im Dreck liege und jedesmal ist alles wichtige noch da."

Er hebt seine Tasche, sie diente ihm diese Nacht, wie auch in vielen anderen Nächten als Unterlage für seinen Kopf. Viel, dass sein großer Kopf zerdrücken konnte war nicht enthalten. Im Allgemeinen war nicht viel drin, nur das Wichtigste: Alkohol, Essen und einige seiner neu erstandenen Heftchen für einsame Stunden.

Als Guts sich das Schwert auf den Rücken schnallt, sieht er die Siluetten von Mallo und Dharna in der Ferne.

"ich weiß nicht wie spät es ist, aber es ist bestimmt zu spät."

Guts Knie wurden weich, er wusste, dass diese Mission eine sehr wichtige ist und das Mallo ihre Aufgaben ernst nimmt. Er wusste auch, dass Mallo, auch wenn sie eine Frau ist, verdammt viel Kraft in der Faust hatte. Das musste er schon einige Male spüren.

"Nun gut, was solls, hilft ja nichts rum zu flennen."
Er machte sich auf den Weg. Er spürte die Blicke der Bewohner während er den Weg entlang lief, als ob er was falsch gemacht hätte. Aber es war ihm egal, es war nicht das erste mal das er schmutzig war und nach Kotze und Alkohol stank.

Nun stand er vor Ihnen, verkatert, aber mit einem Lächeln im Gesicht.

"Hallo ihr zwei, ich hoffe ich bin nicht all zu spät."
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Mallo
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   So Apr 30, 2017 9:29 pm

"Am Arsche flach!", brüllte Achalla Dharna entgegen und lachte heiser. Er stieß sich vom Tor ab, Bereitschaft zum Aufbruch signalisierend.

Noch ehe Mallo die Ghalmarin begrüßen konnte, plapperte sie lieblich daher - und dann kam Guts aus der Seitengasse angetorkelt.

Wo kommst _du_ denn her?, stand in ihrem Gesicht, als sie den Ghalmaren einmal, mit verschränkten Armen, von oben bis unten und wieder hinauf musterte. Dann zwängte sich ein Schmunzeln der unschönen Art auf ihre Lippen, als sei ihr dieser Anblick nicht unbedingt neu.

"Hallo!", sagte Suanneigh als erstes. Sie sprang zu Dharna, um zum Gruß ihre Hand zu nehmen und dann zu Guts, ohne sichtbare Scheu vor Dreck und Kotze. Das Mädchen musste um die 15 sein. Sie hatte ein klares Gesicht mit großen, grauen Augen und grüne Filzzöpfe im Haar. "Habt ihr schon gehört? Der Archon ruft wieder zu den Waffen. Irgendwas ist da draußen passiert."

Mallo schüttelte den Kopf.

"Was auch immer, wir haben andere Dinge, um die wir uns kümmern werden. Auch das ist im Sinne des Archons." Sie warf einen Augenwinkelblick zu dem noch immer scheinbar missachteten, neuen Aushang. Dann löste sie ihre Arme aus der Verschränkung.

"Hallo, Bruder, Schwester. Guts, Dharna - das sind Achalla von den Naihlar, Redric von den Ghalmaren und Suanneigh von den Chirya. Sie werden uns begleiten."

Sie gab der Gruppe einige Augenblicke, um sich gegenseitig vorzustellen. Achalla nickte beiden zu und Redric, der bei Dharnas Anblick rote Ohren zu seinem roten Haar bekam, winkte scheu. Suanneigh sagte nochmal "Hallo" und streichelte Dharnas Esel, wenn sie und er es zuließen.

"Die Drei wissen schon bescheid, also kläre ich euch nochmal auf", fuhr Mallo fort, an die Oshead gewandt, "Wir sind sechs Menschen. Wir haben drei Reittiere. Wir brauchen sie in erster Linie dazu, um unser Gepäck zu tragen und sie werden, auf bestimmten Teilen der Strecke, auch uns tragen. Wir werden unsere Kräfte aufteilen und wir teilen die Kräfte der Pferde auf - sinnvoll. Wenn wir den Großteil der Strecke zu Fuß gehen, sind wir aufmerksamer und können uns unauffälliger zerstreuen. Wenn wir oben sind, wird meine Idee für euch Sinn machen. Also dann." Sie klatschte zeremonielos in die Hände. "Wenn keiner mehr Fragen hat, steigen wir jetzt auf."

Sie hörte ihren Mitreisenden zu, signalisierte Achalla aber, die Gruppe durchs Tor zu führen. Antworten würde es während des Aufstieges geben. Sobald der Letzte Gutenbucht verlassen hatte, folgte sie - doch nicht, ohne beim Aushang Halt zu machen. Sie las eilends die Neuigkeiten, presste die Lippen zusammen, als hätte der Aushang gerade ihre Mutter beleidigt und schloss sich den Anderen an.

Der Pfad, der in Serpentinenform die Terrassen der Guten-Bucht hinaufführte, schlängelte sich steil hinauf. Hin und wieder kreuzten sie den Gutenbach, der die Klippen wild hinabstürzte um viel tiefer unten ins Meer zu münden. Er rauschte und tönte und gab der Nacht etwas sehr Lebendiges. Folgte man mit dem Blick seinem Lauf, konnte man bald bis über ganz Gutenbucht blicken. Unter ihnen lagen Bauernhöfe und kleine Felder und ganz unten das bebaute Zentrum der Stadt, mit ihren breiten, luftigen Lehm- und Holzhütten und sehr seltenen Fachwerkhäusern. Auf dem Hügel an der Küste sah man das Dach des Kapitänshauses spitzen. Vereinzelte Lichter ließen erkennen, dass die Völker noch nicht zu Bett gegangen waren. Und in der Ferne das Meer. Je höher die Gruppe stieg, umso gedämpfter wurden die Geräusche der Stadt und umso lauter die Stimmen der Natur. Hier spross das erste Gras aus dem niedrigen, feuchten Ufer. Hier und da wuchsen sogar noch Bäume, der Art, die im heißen Sommer auch ohne zu viel Feuchtigkeit auskommen und wenig Schatten spenden würden.

"Hier." Mallo wies das Wasser entlang. "Der Gutenbach versorgt unsere Stadt mit Süßwasser. Aber solange er der einzige ist, können wir keine größeren Felder bebauen. Im Grund der Ebene muss aber noch welches sein. Füllt eure Schläuche, wenn ihr wollt."

"Das hier reicht, um den Burschen zu waschen, der stinkt bis hierher!", rief Achalla und Redric lachte und klopfte Guts auf die Schulter.

"Lasst die Tiere trinken. Und von mir aus, wasch dich, Guts, aber halte uns nicht zu lang auf. Ab hier gehen wir querfeldein und Suanneigh und wer sonst noch will führt die Tiere die Straße weiter. Wir treffen uns oben auf dem Kamm. Sie ist die schnellste von uns und für die Hufer ist der Aufstieg eine Zumutung." Gesagt, hob Mallo den Blick zum Bergabsatz, dorthin, wo über ihnen die Hohe Ebene lag. Einen Moment lang fühlte sie Wamais Nähe in der Luft. Sie schloss die Augen, ließ den Augenblick verstreichen und bat die Gruppe nach sehr kurzer Rast wieder auf die Beine.

Je höher sie stiegen, umso kürzer und karger wurde das Gras an den Seiten des hohen Wegs. Zunehmend wurde die Straße steiniger. Als die Bäume immer rarer wurden und schließlich gänzlich unter ihnen geblieben waren, erstreckte sich vor ihnen das letzte Stück der Serpentine.

Als sie den Kammgipfel erreichten, veränderte der Himmel sein Nachtschwarz von Osten her. Die Sonne würde in einigen Stunden aufgehen. Suanneigh kam alsbald heran mit den Tieren - sie war, wie die Gruppe feststellen musste, tatsächlich sehr schnell zu Fuß.

Mallo gab der Gruppe aber noch keine Rasterlaubnis.

"Haltet noch ein bisschen durch. Und atmet den Wind der Hohen Ebene. Ich weiß einen Punkt, an dem wir prima rasten können. Und wenn wir den erreicht haben, haben wir ein gutes Stück geschafft." Sie freute sich über irgendwas, als sie mit breiter Geste in die Landschaft wies, die sich nun vor ihnen erstreckte: Eine trockene Einöde, die den letzten Regen wie ein Schwamm aufgesogen hatte. Der sandige Steinboden hatte ein kräftiges Rot. Hier oben auf dem Hohen Weg wehte ein frischer, in Ansätzen warmer Wind, wirbelte Staub unter den Hufen der Reittiere auf. Einzelne Gräser- und Dornenbüsche säumten ihren Weg und kein Baum behinderte die Sicht auf einen monumental breiten Sternenhimmelstreif. Selbst wenn Oron irgendwo am westlichen Horizont zu sehen sein sollte an einem hellen Sommertag, heute war es das nicht, noch hing Frühjahrsnebel in der Ferne über der Ebene. Mallo lächelte. Alles ein Jahr älter. "Haltet die Augen offen nach Bauten oder Mauerstücken aus hellem Stein, oder nach verborgenen Eingängen in den Berg oder hohlen Stellen im Boden. Wamai und ich haben letztes Jahr alles hier durchkämmt und nichts dergleichen gesehen, aber diesmal sind wir mehr Augen. Bei der Rast erkläre ich euch alles ganz genau."

Sie ließen die Wein- und Fruchthügel im Norden zu ihrer Rechten zurück und steuerten die südwestliche Grenze von Shäekara an. Wenig veränderte sich während ihres Weges, außer dass das Blau des Himmels stetig heller wurde und die Sterne nach und nach verblassten.

"Schau mal, das ist Halfagras", sprach Mallo plötzlich zu Dharna. Ihre Finger fuhren das ledrig-trockene Blatt eines Strauches hinab. "Man kann sich tierisch dran schneiden, aber wenn man es trocknet, kann man alles Mögliche damit machen. Taschen, Kleider, Seile. Viele Dächer in Gutenbucht sind aus Halfagras."

Die Ebene war gespickt von einer Handvoll kleiner, palmenbewachsener Oasen. Sie nährten sich meist von Tümpeln in deren Mitte, doch auch deren Wasser war sauber. Hier wuchsen Zedern, Datteln und Korkeichen und wilde Sonnenblumen und in den Sträuchern raschelte kleines Getier. Der kalte Wüstenwind blies dank der Bäume etwas sanfter; Sie speicherten die Wärme des Tages und gaben sie auch Nachts noch an ihre Bewohner ab.

Redric warf sein Schwert ins trockene Gras.

"Mann! Denkt doch mal an die Füße der armen Frauen! Lasst uns endlich rasten!"

"Gleich", sagte Mallo, "Gleich. Es dauert nicht mehr lang, versprochen. Wir sind gleich da." Und sie winkte die Anderen mit sich, schritt durch die Zedern und zeigte nach unten. Dort, wo die Hohe Ebene wieder abzufallen begann, zeichnete sich in einer kleinen, weiten Bergmulde das Gerüst eines Hauses ab.

Die Hütte bestand aus vier lehmbehauenen Wänden und sie sah nicht aus, als wäre sie innerhalb der letzten Jahre von irgendetwas Anderem bewohnt worden als Spinnen und Eidechsen. Durch das angefaulte Halfagrasdach ließen die letzten Sterne ihr Licht fallen. Reste grober Möbel standen hier und da, im Dunkeln erkannten die Reisenden etwas wie einen langen Tisch und ein paar Stühle.

"Lasst uns Feuer machen", sprach Mallo in die Runde und war jedem für einen Beitrag dazu sehr dankbar und helfend. "Hier rasten wir. Bis die Sonne am Himmel steht, hab ich euch alles erklärt."

Als Flammen den Raum erhellten, sah die Gruppe, wo sie eigentlich gestrandet war. Die Wände der Hütte hatten ihr sandiges Terracotta kaum eingebüßt; ja sie waren gar bemalt. Über die Ostwand zog sich eine verwitterte Dornenranke, deren Blüten in einer großen, weißen auf Kopfhöhe kulminierten. Ein Wagenrad hing wie eine Trophäe über den Köpfen der Reiter. Ein Kahn mit gelben Segeln lief über die Wellen an der Südwand, halb verdeckt von querstehenden, herabgefallenen Dachbalken; hinter dem langen Tisch, der sich im Feuerschein als heruntergekommener Tresen herausstellte. Es war mal eine Taverne gewesen.

Malen ließ die Gruppe rasten und einige Stunden Schlaf nachholen. Sie selbst schlief ebenso tief und fest, war aber fast als Erstes wieder auf den Beinen, nach Achalla, der vorgab, gar keinen Schlaf zu brauchen. Wahrscheinlich log und übertrieb er. Das Feuer war inzwischen heruntergebrannt. Mallo weckte die eigenen Sinne mit ein wenig Vilgrin-Schnaps aus dem Flachmann, biss in einen Kanten Brot und setzte sich ein wenig Abseits, in die frühe Sonne, deren Strahlen in den Eingang der Ruine fielen.

"Wer was gegessen hat, kommt zu mir und holt sich sein Wissen ab, was wir hier eigentlich tun!", rief sie munter in die Runde. Und bis die Leute sich gestärkt hatten und zu ihr kamen, um ihr vielleicht einen Blick über die Schulter zu werfen, kaute sie still und brütete über einer Karte.








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Dharna
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Mo Mai 01, 2017 4:28 pm

Schon während die Antwort auf Dharnas Reimfrage erklang, gluckste sie auf und stimmte lachend mit ein.

"Wessen Arsch ist hier flach he?! Unverschämtheit. Einfach unverschämt. Absolut charmant!"

Und damit wurde die Truppe herzlich begrüßt und für jeden die Arme geöffnet, der denn in die Arme geschlossen werden wollte. Auch Esel zeigte sich noch gesellig und ließ sich von Suanneigh betatschen, während Dharna unlängst dabei Gats zu schimpfen.

"Wir gehen raus in den Dreck, alle geputzt und sauber und DU kommst schon vorher dreckig an? Was stimmt mit dir nicht, du?! Hast du uns wenigstens was zu trinken mitgebracht? Naaaaa Gats!"

Aber auch der stinkende Mann sollte am Ende in die Arme geschlossen werden und herzlich gedrückt, bevor die Aufmerksamkeit endlich einmal zur Ruhe kam und sich auf die gesamte Gruppe legte. Also nickte sie _wieder_ grüßend- zum dritten mal seit der Ankunft- und paffte selig an der Pfeife. Ob sie Redric's rote Ohren mitbekam? Vielleicht, denn tatsächlich wurde der Gute einen Moment länger betrachtet, bevor Mallos weitere Worte erst einmal benickt wurden. Fragen gab es von ihrer Seite keine, also folgte das pummelige Weibsbild schlicht.

Die kurze Pause am Bach wurde genutzt, um die eigenen Wasserschläuche aufzufüllen, Esel zu tränken und auch Gats zum waschen zu verdonnern.

"Aber wehe du ne kleine, nicht das das ganze Dorf am Ende wegen dir verseucht wird, weil dein Suff ihnen in die Suppe treibt! Hörst du? Gut."

Den Weg hinauf, nahm Dharna dann ohne murren und knurren hin, schwieg aber konstant und schnell wurde klar, dass Aufstiege nicht gerade ihre liebsten Laufrichtungen waren. Tatsächlich stand ihr recht bald der erste Schweiß auf der Stirn- wahrscheinlich sogar als erstes- doch sie biss sich stur durch und reckte sogar noch das Kinn etwas, als müsse man hier irgendwas beweisen- allen voran der Welt selbst! Umso dankbarer zeigte sie sich für die kleinen Pausen zwischendurch und als Mallo sie dann übers Gras aufklärte, war sogar wieder entzücken zu erkennen. Die Information wurde gerne aufgenommen- doch wie lange sie halten würde, fraglich.

Als sich dann endlich die kleine Gebirsmulde zeigte mit den kleinen Hütten, hörte man das mollige Weib ganz hinten erleichtert schnaufen und seufzen. Endlich! Endlich gings wieder runter! Die Müdigkeit war dann aber bei der Ankunft auch schon vergessen, kaum das die reichen Wandbilder in ihren Blick rückten. Hier war der Moment, wo sie das erste mal ihr Notizbuch zückte und ein paar der Muster und Zeichnungen von den Wänden übertrug.

"Ich glaub, hier ziehe ich ein. So eins, zwei mal im Jahr, trau ich mich bestimmt an den Aufstieg. He die Hüttchen sind schön. Mallo wem gehörten die?" Eine Frage die gestellt wurde, während sich das Weib schon zum schlafen nieder legte und die Augen schloss.
Wahrscheinlich war Dharna auch die letzte die aufwachte, aber die erste, die andere weckte- denn sie schnarchte. Selig,leise und unbekümmert, selbst wenn jemand sie mit Hilfe von Seitenstupsern davon abbringen wollte.
So gemächlich wie es ihr Naturell vorschrieb, gestaltete sich dann auch das aufwachen des Weibes. Ein schiefes Lächeln auf den Lippen und müde Irritation im Blick, unlängst dabei die Pfeife wieder zu stopfen, wurde sich zu Mallo gesellt und über ihre Schulter gespäht, um sich die Karte zu beschauen, beim ersten zug vom Rauchwerk.
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Guts
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Di Mai 02, 2017 1:08 pm

So eine freundliche Begrüßung hatte Guts nicht erwartet.

"Wer ist überhaupt dieses junge Mädchen? Und warum ist sie so verdammt laut." dachte sich Guts.
Was Suanneigh erzählte kümmerte ihn herzlich wenig. Er half nur denen die er kannte und mochte oder wenn es dabei etwas zu Gewinnen gab, sei es Schnaps, Frauen oder Essen.

"Zu den Waffen? Ich hoffe doch die Probleme sind weit weg genug." Sagte Guts unüberlegt und spürte weiterhin einen stechenden Blick, den er aber besser nicht erwiderte. Er war lieber erstmal ruhig. Guts war nüchtern nicht sehr gesellig, er bevorzugte es still zu sein und erstmal zu beobachten.

Daher war er nicht gerade begeistert, sich die Standpauke von Dharna anhören zu müssen.
"Tut mir leid Dharna nein, ich habe leider nichts mehr für euch dabei, aber wenn wir uns nach der langen Reise in einer Taverne wieder finden, sollst du zuerst etwas von mir spendiert bekommen!"

Den restlichen Alkohol den er bei sich trug hat er verschüttet, um Platz für Wasser zu schaffen. Er wusste genau, dass so eine Reise, vorallem in etwas wärmeren Gebieten, ohne Wasser schnell tödlich enden kann.

Guts war froh, dass Mallo ihren Gefährten endlich eine Ansage machte, er wollte nicht mehr stehen und endlich los gehen. Es gab nichts schöneres für ihn als einen langen Spaziergang nach einer durchzechten Nacht.

Der Weg fiel ihm nicht schwer, ihm überbekam ein Gefühl von Heimweh. Er erinnerte sich plötzlich an die vielen jahre, in denen er mit seinen Ziegen raus auf die Wiesen musste damit sie dort grasen konnten. Dabei wurde das Gras immer kahler und es mussten immer schwierigere Wege genommen werden.

"Einfach." Dachte er sich, jetzt musste er nur auf wenige Menschen acht geben anstatt auf dutzende, störrische Ziegen.

Am Gutenbach angekommen wurden erstmal alle Trinkgefäße nachgefüllt, auch wenn es nicht der längste weg war, hatte er schon das meiste ausgetrunken. Früher hatte er sich auch noch nicht so oft betrunken.

"Ja, ist ja schon gut, ich wasch mich, wenn es euch so sehr stört. So schmutzig bin ich doch garnicht! Das meiste ist doch bloß Schlamm, glaub ich...."

Mürrisch fing er an sich sauber zu machen, zumindest den groben Schmutz. Das alte Blut und die Weinflecken würde er mit diesem Wunderwasser wohl kaum aus seiner Kleidung kriegen.

Er brauchte nicht lange, schnell ging er sich noch an dem nächsten Baum erleichtern und lief schon wieder der restlichen Gruppe hinterher.

Guts mochte die trockene Einöde.

"Der rote Boden sieht aus als wäre er mit Blut getränkt worden, oder mit Wein, schon etwas magisch." Murmelte er vor sich hin.
Aber etwas interessantes in dem für ihn magischen Boden konnte er nicht entdecken, für ihn sah dennoch alles gleich aus.

An der Hütte angekommen ging es ihm endlich besser, die körperliche Ertüchtigung hat wohl den rest Alkohol aus seinem Körper getrieben. Lange wach bleiben konnte er nicht, die nacht war kurz und der Weg war anstrengend, er schlief sofort ein.

Langsam weckten auch ihn die ersten Sonnenstrahlen, rasch konnte er zwar einschlafen, aber nie wirklich lange.

Die meisten waren schon wieder wach und munter, einen Umstand den Guts nicht verstehen konnte.

"Hm, ich sollte mich mal zu Mallo bewegen, iwas hat sie doch grad gesagt."

Auf dem weg zu ihr fällt ihm bereits die Karte in ihrer Hand auf.

"Hm, ich glaube die Orte sagen mir was, die Wege kommen mir bekannt vor." Log er, er hatte keine Ahnung wie man eine Karte liest noch konnte er überhaupt irgendetwas lesen. Aber er wollte sich in das Gespräch einbinden.

Der Rauch von Dharnas Pfeife stieg Guts ins Auge. Er ärgerte sich wieder. Er setzte sich neben Mallo und versuchte einen wissensbedürftigen Eindruck zu vermitteln.

"Hm, was machen wir denn jetzt?"
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Mallo
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Mi Mai 03, 2017 11:24 pm

"Guts hat keinen Alkohol dabei? Kann ja nicht sein. Grundnahrungsmittel!" Tapfer hatte sie ihren Gefährten die Faust zugeschmissen, tapfer hatte sie gelächelt. Sie waren aufgebrochen und als sie zurückgeblickt hatte, hatten sich ihre Mundwinkel wieder ein bisschen versteinert. "Sind sie", antwortete sie Guts mit etwas Verzögerung, als sie aus dem Tor gewesen waren, "Die Truppen ziehen in die Hohld. Und kein Mensch weiß, wo das ist... jedenfalls hoffen sie, dass unser Krieg dort zuendegebracht werden kann." Sie hatte nicht überzeugt geklungen. Aber sie hatte es ohne Wertung stehen gelassen.

Während des Aufstiegs über die Serpentine hatte Redric Dharna immer wieder ermunternde Blicke zugeworfen. Er war vielleicht ungefähr in ihrem Alter, noch bisschen grün hinter den leichten Segelohren und seine Augen erinnerten an die eines jungen Schweins, aber in seinen Brauen lag etwas auf simple Weise Gewitzes. Man fühlte sich irgendwie daheim in seiner Nähe, auch wenn er gar nichts sagte. Beim letzten Stück der Serpentine war er dann vollends aus sich rausgegangen und hatte Dharna die Hand gereicht. Sich gleichzeitig auf die Lippen gebissen. Wenn sie sie nun nicht nahm! Das wär ja noch peinlicher gewesen.

"So hatt ich das noch gar nicht gesehn", hatte Mallo wiederum Guts geantwortet, als sie auf der Hohen Ebene entlanggingen, "Blut..." Sie hatte ihren Blick über den Horizont schweifen lassen. "Ich hab mich damals gefragt, ob man aus diesem Sand rote Farbe machen kann, für die Kleider der Naihlar. - Dharna, kann man aus Sand Farbe machen?"

"Hah, na da schließ ich mich dem Burschen an", hatte Achalla von der Seite gebrummt und Guts gemeint, "Eher tränk ich meine Sachen in Blut, als in Sand."

"So siehst du auch aus!", riefen Suanneigh und Redric wie aus einem Mund, wobei Redric sich verhaspelte und beide lachten.


In der Tavernenruine angekommen, hatte Mallo sich im Lager dicht zu Dharna und Guts gekuschelt - kommentarlos und freundschaftlich allerdings, als sei da gar nichts dabei. "Haha, hier wohnt niemand mehr", antwortete sie der Schreiberin, "Lustig, dass du das sagst. Als ich das letzte Mal hier war, dieses Wrack hier... das hat mich dazu ermutigt, mit Gwen unsere Taverne unten zu eröffnen. Den Kelch." Sie seufzte kurz. "Ich hatte genau den gleichen Gedanken", gestand sie Dharna dann, "Hier zieh ich mal hin. Aber... das ist total ab vom Schuss. Keiner kommt dich hier besuchen. Und du brauchst ewig, um die Anderen zu sehn."

........................ Am nächsten Morgen .............................................


Dharnas Pfeife erinnerte Mallo an ihre eigene. Sie griff in die Tasche und zog ihren Harzkolben hervor, sah aber Guts' mürrisches Morgengesicht und zog nicht dran. Stattdessen deutete sie damit auf die Karte.

"Wir sind hier." Sie deutete auf das oberste Kreuz an der Grenze von Shäekara. Achalla, Redric und Suanneigh waren inzwischen auch langsam dazugeschlendert und hatten sich entspannt in unenger Nähe der Oshead niedergelassen, lauschend.

"Seht ihr die rote Route?", fuhr Mallo fort, "Das ist unser Weg nach Holzbrück. Rein zu Fuß sollten wir exakt zwei Monate dafür brauchen. Und wie er verläuft, decken wir das meiste des siegelfreien Gebiets ab, das zwischen dem Reich der Rosen und der Freyenmark liegt - zumindest diesseits des Mutterstroms. Alles auf der anderen Seite gehört zu Münzquell... oder zu Kal'Hatra." Sie hielt einen Moment lang inne. Ihr Blick trag Guts, dann Achalla, der wieder ausspuckte und, die platte Nase rümpfend, wieder in die Runde schaute.

"Wir sind auf der Suche nach Folgendem", fuhr Mallo fort und drehte die Karte um.
"So sieht ein Aeris-Portal aus. Es ist aus hellem Stein und hat zwei Arme, die aus der Erde in die Luft ragen. Auf den Armen trägt ein Portal Kristalle. Ganz wichtig:" Sie hob den Finger und suchte den Blick der Anderen, jeden einzelnen. "Wenn ihr so etwas seht: Sind Kristalle da? Wieviele, und welche Farbe haben sie? Merkt euch das, unter allen Umständen. Häufig werden diese Kristalle geklaut - dann funktioniert das Portal nicht. Dann müssen erst neue her."

Zuletzt deutete sie auf die Säule zwischen beiden Portalarmen.

"Das ist der Wählsockel. Hier oben drauf muss eine Wählscheibe liegen. Wenn man weiß wie, kann man in dieser Wählscheibe den Ort wählen, an den man schnellreisen möchte. Hier ganz wichtig: Wie sieht diese Scheibe aus? Ist sie vollständig? Rund oder eckig? Und welche Zeichen stehen drauf?"

Sie ließ die Gefährten die Skizze betrachten, lehnte sich zurück und ließ sich für wenige Augenblicke in eine Harzwolke sinken.

"Die weise Ouai, mit der ich darüber gesprochen hatte, sagte noch ganz viel wirres Zeug über die Portale. Sie müssten eine Schale, einen Samen und ein Horn haben. Darunter kann ich mir aber nichts vorstellen. Merkt euch das aber gut, dann wisst ihr alles, was ich weiß. Und wenn ihr sowas findet, dann merkt euch auch das."

Dann drehte sie die Karte wieder um.

"Warum erzähle ich euch das alles jetzt?" Sie zog ihren Griffel und zog neben die rote Route noch zwei andere, jeweils rechts und links von der ersten.
"Wir machen zwar einen guten Durchschnitt durch die Lande", sprach sie zeichnend, "Aber gemessen daran, wie weitläufig und leer sie bisher sind.... müssen wir viel weiter ausschwärmen. Was tun wir also?" Sie setzte den letzten Strich und legte den Stift beiseite: "Wir teilen uns auf."

Damit ließ sie die Karte vollends aus der Hand und legte sie ins Zentrum der Gruppe, frei zum Betrachten und Einprägen.

"Wir gehen jeweils zuzweit. Zwei nehmen die rote Route, zwei die linke, zwei die rechte. Wir haben drei Männer, die stark sind im Kampf." Damit zeigte Mallo nacheinander auf Guts, Achalla und Redric. "Und wir haben drei, die schnell sind, gut beobachten können oder das Land gut kennen." Damit blieben die Mädchen übrig. "Ein Kämpfer und ein Späher - Drei Paare. Jedes Paar nimmt ein Reittier und wir treffen uns hier" - Sie zeigte auf die Punkte, wo die drei Routen sich kreuzten: An der Südgrenze, auf der Nördlichen Handelsstraße auf Höhe des Mutterstrom-Bogens, dann mitten in die Steppe und zuletzt in Holzbrück - ", hier, hier und hier, zum Austauschen, was wir gesehen und gefunden haben. In der Steppe nehmen wir, Dharna, Guts und ich, die Pferde und reiten das letzte Stück nach Holzbrück, wenn die Zeit zu knapp wird."

Jetzt gestattete die Chirya sich das erste Mal durchzuatmen und zu schlucken, die Gesichter ihrer Gefährten musternd.

"Alles verstanden? Dann sucht euch eure Partner aus. Dann legen wir los."
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Dharna
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Do Mai 04, 2017 4:42 pm

Redrics Hilfe wurde natürlich dankbar angenommen und auch seine Hand. Sogar ohne zu zögern hatte sie danach gegriffen und einmal aufmunternd gedrückt, um still zu deuten, dass er alles richtig gemacht hat.

Auf Mallos Frage zum roten Sand, hatte sie sich ausgiebig Zeit gelassen und hier und da immer mal wieder etwas davon zwischen den Fingern erfühlt, nur um am Ende den Kopf zu schütteln.
"Für Kleider nicht, nein. Im richtigen Gemisch vielleicht für Wände, aber ansonsten bekommst du da auf herkömmlichen Wege, glaub ich keine Farbe raus. Aber- wir können es ja dennoch mal probieren wenn wir zurück sind! Erinnere mich mal dran, dass finden wir schon heraus!" Zuversichtlich, selbst beim verdammten Sand. Man konnte es ja wenigstens probieren!

Bei der Tavernenruine wurde Mallo im Kuscheleck zum schlafen auch prompt mit einem gehobenen Arm empfangen. Dharna machte es also scheinbar nichts aus, dass der Blondschopf sich dazu gesellte.

Nachdem man sich dann am nächsten Morgen träge und gemächlich mit zu Mallo geschleppt hatte, wurde nach dem entzünden der Pfeife erst einmal Frühstück verteilt. Es mochte nicht viel sein, dass gerecht für jeden mitgebracht wurde, aber immerhin ein Anfang! Ein frisches Brot vom Vortag, für jeden etwas abgerissen, dazu etwas Hartkäse, der bekanntlich ja gerne mit auf Reisen genommen wird. Mit dem ersten Stück Käse im Mund, dem wieder ein Zug von der Pfeife folgte, lauschte man Mallos Worten.

"zwei Monate mh? Na schauen wir mal. Was war eigentlich noch mal in Holzbrück, dass wir dann da sein müssen? N' Markt mit exotischen Köstlichkeiten?"

Das hierfür das Herz des Weibes  gleich höher schlug, verriet das Schimmern im Blick, doch alsbald hatte sie sich auch schon wieder auf die Zeichnungen und Mallos Ausführungen konzentriert.
Kaum das die Kristalle der Portale erwähnt waren, kehrte der Glanz in Dharnas Blick zurück und der Kopf wurde weiter vor gereckt. Spätestens JETZT, war das Weib Feuer und Flamme für das Unterfangen und vergaß sogar das weiter kauen.

"Wird sich gemerkt, keine Sorge! Wills ja selbst wissen. Da gibts dann unterschiedliche Kristalle? oooooh gütige, Wir _müssen_ das Portal finden, bitte, ja? Ich wills sehen! Ich wills _anfassen_. Warte- darf man die anfassen? Ach natürlich!"

Sie winkte ab und besah sich die Zeichnung noch einmal genauer, um alles am Ende abzunicken. Portal, Kristalle, Wählscheibe. DAS würde sie nun erst mal nicht mehr vergessen, dem konnte man sich sein!
Als dann die Reiseroute angesprochen wurde und die Umstände, schrägte sie schon wieder den Kopf und kratzte sich im Nacken.

"wir teilen uns auf? Oh..." Ein Umstand der sie für einige Sekunden zu betrüben schien, dann gefiel ihr die neue Idee doch und sie schmunzelte auf. "Ah das kriegen wir schon alles hin. War schon ne gute Idee aufzuteilen, damit wir mehr abdecken. Aber WEHE jemand von euch findet das Portal vor mir! WEHE!" Das sie hierzu auflachte, verriet recht schnell, dass sie es eigentlich gar nicht schlimm fände, wenn sie wieder mal als letztes irgendwas findet und somit ging ihr Blick durch die Runde. "Also freie Auswahl der Krieger, mh? Ah ich lass euch das entscheiden. Wer mich beschützen will, muss zähe Nerven mitbringen. Nich', dass ich am Ende in der Steppe ausgesetzt werde, weils demjenigen zu schlimm wurde!"

Somit würde Dharna sich einfach überraschen lassen, wer die baldige Reisebegleitung werden würde und wie überbrückte man die Wartezeit bis hier hin? Genau- mit neuem Käse im Mund!
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Guts
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Do Mai 04, 2017 5:47 pm

"Hm, komisches Portal. Wie groß sind denn diese komischen Säulen? Mannsgroß oder müssen wir eine Maus zum bedienen der Wählscheibe haben? Zumindest kann man es nicht übersehen, hoffen wir nur, dass die Kristalle dort sind. Zumindest hätte man mal davon gehört, das jemand in der Gegend einen Riesenkristall auf einer großen weißen Säule fand, hoffen wir das beste."

"Wenn die weise Quai soviel wirres Zeug redet, scheint sie wohl doch nicht so weise zu sein." dachte sich Guts.

"Samen und Horn haben wir ja schonmal haha" witzelte Guts. (Badum tss)
Und wieder mied er Mallos Blick.

Es war gut, dass sich die Gruppe aufteilen sollte. Zum einen mochte Guts nicht die Gesellschaft von fremden Menschen zum anderen hatte er sich schon gefragt, wie das Portal gefunden werden soll mit der Route die sie gingen.

"Ja, teilen wir uns auf. Spähen und Kämpfen, das kann ich beides, bloß würde ich wohl niemals in Holzbrück ankommen und in der elenden roten Hölle verrecken weil ich den Weg nicht finde."

Er wusste nicht genau, mit wem er sich auf den Weg machen wollen würde, Entscheidungen vielen im schwer. Am liebsten mit jemanden den er schon länger kennt und nicht so viel redet. Außerdem wollte er niemanden kränken, vielleicht erhoffte sich ja jemand eine Reise zu zweit mit ihm.

"Ich nehm einen ruhigen Späher der nicht viel redet."
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Mallo
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Fr Mai 05, 2017 12:30 am

Mallo verschluckte sich an der Harzwolke, als Dharna frage, was denn in Holzbrück sei. Sie wedelte die restlichen Schwaden davon und lachte heiser.

"Das Konvent der Elemente", krächzte sie, räusperte sich und nickte dankend dem Kanten Brot zu, den Dharna ihr reichte. Den Käse gab sie so selbstverständlich zurück, dass dazu schwerlich Fragen aufkommen konnten. "Das Konvent der Elemente findet da statt. Da treffen sich einmal im Jahr die ganzen wichtigen Köpfe der Siegel. Unser Archon..." Sie pausierte. "Unser Archon wird auch da sein, wenn alles in der Hohld gut gegangen ist. Er, unsere Jungs von Oshead, Arden, Asdan, Jael, Raûl... ah, die kennt ihr beiden noch gar nicht. Seit ihr bei uns seid, sind die Jungs draußen und kämpfen... für den Archon, für uns. Gegen die aktuelle Nyame." Kritisch hob sie einen Mundwinkel. Das war kein Lächeln, nicht im Geringsten. "Wenn alles gut ausgeht - alles _geht gut aus_ - fällt die Nyame und das Reich der Rosen braucht eine neue. Für den Fall hat sich unsere Pakata Neome überlegt, sich zur Wahl aufstellen zu lassen. Guts, ich glaube, mit dir hat sie darüber gesprochen?" Mallo musterte das Gesicht des Ghalmaren und nutzte den Moment, um das Brot aufzuessen.

"Jedenfalls ist Holzbrück und das Konvent der erste Ort, wo wir a. alle unsere Leute wiedersehen und b. Neome bei ihrer Entscheidung beistehen können und müssen, wenn der Krieg gewonnen ist. Und das _wird_ er sein."

Sie betonte diesen Ausgang, als gäbe es keinen Zweifel, als gäbe es keine andere Möglichkeit und doch, wenn man etwas näher hinsah, als versuchte sie, in erster Linie ihren eigenen Glauben darüber zu erhalten, weil sie sich nicht ausmalen konnte, was sonst passieren würde.

"Den Markt mit exotischen Köstlichkeiten wirds da allerdings auch geben", schmunzelte sie schließlich. Trampelte auf diesem Thema herum, trampelte es bis an den Grund ihrer Seele, sodass es sie nicht mehr behinderte, "Zumindest hört man das. Auf dem Konvent wird jedes Mal viel gefeiert. Es ist eine wichtige, aber auch eine ausgelassene Sache, sagen die Anderen. Ich war noch nie da."

Dann ging es um das Portal. Die Waldläuferin nickte.

"Ja, ich denk schon, dass wir die Teile anfassen können - aber ganz wichtig: Versucht unter _keinen Umständen_, das Ding zum Laufen zu bringen. Wir können es nur falsch machen. Uns fehlt das Wissen und die Verbindungen. Mehjanna - das ist diese Ouai - sagte, wir sollten uns alle Details und den genauen Standort einprägen und so bald es geht an die Ouaibibliothek bei der Hauptstadt mitteilen, damit sie sich drum kümmern können, dass es wieder läuft. Also:" Ihr Ton war eindringlich geworden. "Ich weiß, die Versuchung ist groß, aber _nicht dran rumschrauben_. Betrachten, einprägen, aufschreiben, merken. Aber _nicht dran rumschrauben_. Sonst landet ihr am Ende in Corpsedale und werdet von Untotem Fleisch überrannt oder Schlimmeres.

Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass es nicht mehr vollständig ist, wenn wir eins finden. Vielleicht ist es vergraben. Vielleicht in einer Höhle oder unter einem Einsturz verborgen. Es muss einen Grund geben, warum hier noch niemand ein Portal für sich beansprucht hat, wenn es eines gibt. Seid aufmerksam, zu jeder Zeit und nehmt euch lieber eine Pause, wenn ihr merkt, dass ihr es nicht mehr seid."

Sie wandte sich ersterdings an Guts, als sie weitersprach.

"Die Dinger sind nicht größer als eine kleine Hütte, von dem Platz, den sie einnehmen. Was die Höhe angeht... hmm. Höchstens Mannshoch, schätze ich. Aber vermutlich werden wir sowieso nur Teile finden. Einen Arm. Oder eine zersplitterte Wählscheibe. Stellt euch darauf ein, dass es auch kleinteiliger ausfallen kann. - Sehr gute Frage übrigens, Alter, daran hatte ich gar nicht gedacht. In der Spiegelwelt hab ich sie schonmal gesehn und dachte, ihr wisst das." Als er den Spruch mit Samen und Horn riss, erbaute sie sich und haute ihm kameradschaftlich auf den Arm und lachte, mahnend, aber sie lachte. Der Zug des Geschehens, vielleicht das Reisen, die fremde Umgebung schien die Chirya in allem lebendiger zu machen.

"Dann geh ich mit dir." Redric hatte plötzlich seine Chance ergriffen - nicht nur, um zu sprechen, sondern auch, um Dharna dieses Angebot zu machen. "Ghalmarische Mädchen können Ghalmaren gar nicht zu schlimm werden." Er wechselte seinen Sitz, um den Eindruck zu erwecken, gelassene Gestik vorherrschen zu lassen. Es gelang ihm ein bisschen, bis auf die roten Ohren.

Mallo nickte - wenn Dharna einverstanden war.

"Dann gehst du mit Suan", sagte sie zu Guts, "Sie ist schnell, zuverlässig und tut nichts überflüssiges - und redet noch weniger als ich." Sie blickte Achalla an, die sie als Letztes übrig waren. Sie nickten sich zu. Dann beugte Mallo sich wieder auf die Karte, während Suanneigh Guts' Gesicht musterte. Es konnte ihr nicht entgangen sein, dass er mürrisch ihnen gegenüber war, den Ortaclern von Gutenbucht, die er nicht kannte. Sie scheute aber nicht seinen Blick, sondern legte den Kopf schief, ihn betrachtend, und lächelte ihm kurz, nüchtern, aber aufmunternd zu.

"Achalla und ich nehmen bis zu unserem Treffpunkt an der Südgrenze die rote Route. Guts und Suan, ihr nehmt die linke. Dharna, Redric - ihr geht die rechte. Wenn Dharna eine schnelle Abschrift von dieser Karte hier machen kann, könnt ihr diese hier mitnehmen." Sie überließ ihre Karte nun vollends den Anderen, streckte sich und stemmte sich langsam auf die Beine. "Packt euch gut zusammen und vor allem: Erschöpft euch nicht mehr als nötig, esst und trinkt immer genug. Haltet euch wachsam und bei den Waffen: In der Gegend trieben sich letztes Jahr noch Räuber und Landstreicher rum. Und geht freundlich voneinander. Wir sehen uns erst in zwei Wochen wieder."

Zwei Wochen würde der Marsch bis zur Südgrenze dauern.

"Wer als erster da ist, schlägt das Lager auf. Wir rasten gemeinsam an der Südgrenze und tauschen unsere Ergebnisse aus. Wenn ihr wollt, tauschen wir dann auch Gruppen und Routen, aber denkt dran: Wir sind alle erwachsen und nicht zum Spaß hier." Sie sprach stets ernst; Aber zuletzt leuchtete ein Funken des Lächelns in ihrem Augenwinkel, das sie den Oshead widmete.

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GUTS UND SUAN
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Mallo hatte ihnen Findel mitgegeben, das gefleckte der beiden Pferde. Wenn Guts nicht wollte, führte Suanneigh es und es trug all ihr Gepäck: Ein Zelt, Taschen mit Proviant, Wasserschläuche und ihre Waffen, wenn sie wollten. Das Chiryamädchen erwies sich tatsächlich als unkomplizierter, als vielleicht vom ghalmarischen Söldner erwartet: Sie sprach meist dann, wenn es nötig war, reichte ihm, was er brauchte, spazierte ansonsten gerne mal voran und zeigte ihm ein Nest von Skorpionen und half ihm bei der Orientierung mit der Karte. Sie drängte ihm nichts auf, aber beobachtete ihn genau; hatte einen kurzen Speer bei sich, mit dem sie früher wohl jagen ging.

Die ersten Tage führten sie schnurstracks von Shäekara an Oron vorbei. Sie passierten einige Oasen, wo wilde Gewürze wuchsen. In der Ferne schimmerten die Türme von Alsahav, wenn das Wetter gut war; Allerdings wurde es am Tag ziemlich sonnig und heiß, sodass sie morgens und abends am besten vorankamen.

Die Ebene veränderte sich kaum, außer, dass sie stetig abfiel. Gegen Ende der verabredeten Tage merkten sie, dass sie sich der Südgrenze näherten, daran, dass unter ihren Füßen hier und da wieder etwas grünes Gras zu wachsen begann. Hier musste es mehr Wasser geben - das bedeutete, der Mutterstrom und die Grenze waren nicht mehr fern.

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MALLO UND ACHALLA
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... hatten Gleißwind gebeten, sie zu begleiten, da die Chirya davon ausging, dass Dharna sich schwerlich von ihrem Esel würde trennen wollen. Sie setzten sich zügig und geradewegs in Bewegung, denn ihre Route war die geradeste. Sie hatten keine Karte mitgenommen - "Meine ist hier drin", hatte Mallo gesagt und auf ihre Schläfe gedeutet.

Landschaftstechnisch teilten sie das Schicksal von Guts und Suan, nur dass die Hitze sie in diesem Landstrich noch mehr begleitete. Vielleicht hatte Mallo ganz mit Absicht diese Route gewählt: Sie wusste, dass Achalla und sie nicht so sehr unter Hitze zu leiden hatten, wie manch anderer. Ihr Umgang war ihr lieb: Auftragsorientiert und kameradschaftlich, wie sie es gern hatte, das Ziel stets vor den Wachsamen Augen.

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DHARNA UND REDRIC
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"Weißt du, ich dachte mir schon, wir gehen am besten zusammen", hatte der Junge gesagt. Er hatte Oberwasser geschöpft nach dem Blick ihrer schönen Augen, da, vor Tagen, auf der Serpentinenstraße. "Ich glaube, du findest dieses blöde Portal. Du wünschst es dir am meisten. Zumindest sieht's so aus. Und ich kann dich am besten beschützen." Er griente, in einem selbstgefällig und selbstkritisch, was zeigte, dass er gar nicht gar so grün war, wie er meistens schien, und schwang sein Schwert. "Außerdem ist der Küstenweg der schönste." Er zeigte nach Osten. "Schau mal. Ich wette, wenn die Wolken auseinandergehen, kann man da ganz weit übers Meer schauen. - Aus welchem Landstrich von Ghalm kommst du eigentlich? Lass mich raten. Novinz?"

Redric sollte Recht behalten. Es war nahezu, als würde die Meeresbrise, die sie aus Gutenbucht kannten, hier oben noch zu riechen sein. Wind erfrischte sie hin und wieder und peitschte roten Sand unter ihren Füßen auf; Wenn die Sonne prellte, war er sehr willkommen. Der junge Fechter erwies sich als gut erzogen und zuvorkommend. An steinigen Ecken ließ er Dharna den Vortritt, aber nie ohne ihr seine stützende Hand zu reichen und sorgte für ihre Passagen; Außerdem bezog er immer den Esel in die Gespräche ein, um sie bei Laune zu halten.

"Überleg mal. Gutenbucht liegt jetzt so weit hinter uns. Ich glaub ich bin im Leben nicht so weit gewandert. Und ihr zwei?"

Er gab ihr stets zuerst zu essen und zu trinken. Und wenn sie sich zum Rasten hinlegten, blieb er in höflicher Nähe und deckte sie zu, wenn sie schlief. Ja, der Junge war ein bisschen bezaubert von ihrem Charme. Und er vergaß dabei eine Sache: Augen im Rücken zu haben.

Sie erreichten die Südgrenze als erste - zumindest behauptete Redric das.

"Ich hab die Tage gezählt. Wenn wir hier das Lager aufschlagen, finden uns die Anderen. Oder was meinst du? Wir haben nach vier Tagen den Haken geschlagen, wie es hier steht. Danach sind zehn vergangen. Oder nicht?"

Wenn sie das Treffpunktlager hier aufschlügen, würden die Anderen sie gewiss finden. Aber der junge Ghalmar war nicht sichergegangen, dass niemand sonst sie fand. Und so sprachen sie in diesem Moment gewiss nicht unter vier Augen. Man war ihnen gefolgt.
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Fr Mai 05, 2017 3:17 am

Ein einfaches "Oh." folgte zuerst auf die Erklärung zu Holzbrück, dann lachte Dharna auf.
"ahjeee, dass klingt wichtig und ich hab meinen guten Rock Daheim gelassen! Hätt' ich das gewusst..." doch die Worte verloren sich schon wieder in neuen Gedanken und dem lauschen von Mallos weiteren Erklärungen, die just abgenickt wurden. Derweil wurde noch der Käse vertilgt, den Mallo nicht wollte, immerhin sollte nichts verschwendet werden und so kam auch schon bald das Portal zur Sprache. Hier wurde doch recht schnell der Mund verzogen, als Mallo so nachdrücklich betonte, dass man daran nicht herum spielen sollte und wie sollte es anders sein, wurde die Mahnung natürlich prompt an Guts weiter gereicht.

"Hast du gehört Guts? Nicht am Portal herum spielen! Da passieren schlimme Dinge und mit Untoten wollen wir nicht kuscheln. Also Vorsicht, ja? _Nicht_ am Portal herum spielen!" Sie, sie würde das natürlich NIEMALS tun. Gut, zugegeben- der Verdacht lag nahe, dass sie zumindestens einen Moment damit geliebäugelt hat, aber Mallos nachdrückliche Worte taten ihren Effekt, somit auch das abgenickt wurde.
"Nur alles notieren und festhalten und genau beschauen, habs verstanden, ja."

Die Wahl des Partners hiernach, wurde abgenickt und Redric ein aufmunterndes Schmunzeln geschenkt. Dharna zeigte sich zufrieden hiermit, zeichnete auch noch mal die Karte ab und als man sich an den Aufbruch machte, wurde jeder noch mal herzlich gedrückt- sofern sich niemand dagegen sträubte.
"einen sicheren Schritt wünsch' ich jedem von euch, ja? Kommt mir ja heile am ersten Treffpunkt an. Nicht verlaufen, nicht mit dubiosen Händlern mitgehen und nicht verschleppen lassen! Und oh- auch nicht fressen lassen!" Damit wurde sich dann auch auf den Weg gemacht, mit Esel und Redric.

Der ghalmarische Landsmann sollte schnell feststellen, dass Dharna nicht immer zum plappern aufgelegt war. Dann, wenn der Tag begann, war sie redselig und ließ sich auch von allem begeistern, was man ihr erzählte, oder den Weg mit einem kreuzte, doch wann immer sich die erste Erschöpfung zeigte, wurde sie leiser. Niemals jedoch unfreundlich im Wesen, oder ihrer Art. Einfach sparsamer, um sich die Energie gut einzuteilen, die der Esel dafür im doppelten hatte.

"Novinz, ja. Recht offensichtlich, oder? Das werde ich wahrscheinlich niemals los. Und du? Aus welcher Ecke kommst du? Bestimmt weiter nördlich, oder?"
Die Hilfe Redrics wurde stets dankbar angenommen, wann immer sie wirklich nötig schien. Ausnutzen lag ihr fern, unnötiger Stolz aber auch. Im Gegenzug erklärte sie ihm jedesmal den Grund, warum sie etwas einsammelte. Angefangen von hübschen Steinchen die ihr ins Auge sprangen, einzelnen Blättern, oder gar ganzen Pflänzchen die sie fand- von denen aber stets nur schon ausgetrocknete Wuchse entnommen wurden. Was immer ihr interessant schien, wurde eingesteckt, oder während der Rast im Notizbuch festgehalten.
"Is' gut zu wissen, wo man welche Gesteinsarten findet, oder Kräuter- sobald man weiss, welche Wirkung sie entfalten, ja? Irgendjemand in Gutenbucht kanns bestimmt gebrauchen."

Die Wanderfrage wurde benickt, denn auch wenn man es dem molligen Weibe nicht ansah- die Wanderlust hatte sie doch schon immer früh gepackt und davon erzählte sie auch gerne. Auch mit dem ehrlichen Eingeständnis, dass sie eine Wandertrödlerin war, die zwar nicht viele Meilen schaffte, aber dafür in den Ecken die sie war, jeden Hasenbau gefunden hatte! Allerdings riet sie im selben Zuge auch davon ab, Hasenbauten als Orientierungspunkte zu nutzen, als wäre sie hier schon mal auf die Tierchen rein gefallen- was sie natürlich nicht noch mal betonte, man aber sicherlich erahnen konnte.

Wo Dharna sich dann aber stur und unnachgiebig zeigte, war bei der Essensverteilung. Da bestand sie drauf, dass Redric als erstes aß und das auch reichlich, genauso wie Esel. Auch während der Märsche wurde beiden immer wieder mal was zugesteckt, als habe sie Sorge, die armen Männer würden bald vom Fleisch fallen und elendig verhungern. Neben all der Plapperigkeit, blieb sie aber durchaus wachsam und fokussiert auf das Ziel. Es wurde Ausschau gehalten nach allem, was auch nur im entferntesten mit einem Teil des Portals asoziiert werden konnte.

An potenzielle Verfolger mit bösen Absichten, dachte sie nicht einen Moment.

"ja, ja hier müsste passen, glaube ich. Ach, ganz gewiss! Ich lache ja, wenn die anderen jetzt auch irgendwo ihr Lager aufschlagen und wir uns bis zum Konvent alle die Ärsche platt sitzen, weil wir auf die anderen warten hehe." Natürlich war das nicht Sinn der Sache, wahrscheinlich auch ärgerlich- aber wenigstens im Moment konnte Dharna noch darüber lachen und fing dann auch schon an, den Esel endlich seiner Last zu berauben, damit man das Lager aufschlagen konnte, um auf die anderen zu warten- und erst einmal zu rasten.
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Fr Mai 05, 2017 7:25 pm

Guts war froh, dass Dharna fragte, er wusste genau so wenig was dort ist. Er hatte nur mitbekommen, dass auch die anderen da sind, dass Neome da ist.

"Ja, wichtige Männer treffen sich, die treffen sich doch überall zu jeder Zeit. Aber ich freu mich Neome wieder zu sehen."

Guts nickte Mallo zu.

"Ja, ich sprach mit ihr, über diese gaaaaanze wichtige Sache. Ich hab nicht alles verstanden, mag auch daran liegen, dass ich besoffen war, aber sie schien besorgt und ich habe ihr natürlich meine Hilfe zugesichert."

Guts schaute zu Dharna als er seinen Namen hörte und er war sich sicher, dass es sich wieder um irgendwelche Gemeinheiten handeln würde.

"Nein Dharna, ich werde nichts anfassen, nein Dharna ich werde nichts mitnehmen ich werde nur mit meinen Augen schauen wenn ich darf. Von magischen Objekten, Göttern, Flüchen und diesem ganzen Wirrwar hab ich mehr als genug. Ich fass nichts mehr ohne Bedacht an!"

Die Erinnerungen an den Fluch des Sommerkönigs bescherte Guts immer noch eine Gänsehaut. Er war ihn zwar scheinbar los, jedoch fürchtete er den Zorn der Gottheit, die er um eine Seele betrogen hatte.

Immerhin wussten sie nun wonach sie suchen müssten.
Er lächelte, er wusste ganz genau, dass Mallo über seinen schlechten Witz lachen würde. Das konnte sie vertragen, sie war zu angespannt.  

Die Gruppen wurden eingeteilt, Guts war zufrieden. Er wusste, dass es einsam werden konnte und eine Frau bei sich zu haben, hatte schon immer Vorteile.

"Suan? Mach dir bitte eine grobe Skizze der Karte, du musst damit zurecht kommen. Ich danke dir."

Suan nickt. Er merkt, dass es zwischen ihnen wohl keine Probleme geben wird.


Das Mädchen aus Chirya war tatsächlich sehr schnell zu Fuß. Manchmal passierte es, dass er sie für einen kurzen Augenblick aus den Augen verlor, aber nur für einen flüchtigen Augenblick. In diesem Augenblick machte Guts sich Sorgen, nicht dass ihr was passiert ist? Nicht das er sich noch verläuft so alleine! Aber kaum blinzelte er einmal, schon tauchte sie wieder auf.

"Die warme Luft spielt mir wahrscheinlich Streiche." dachte er sich.

Ihr Pferd Findel machte ihnen zum Glück ebenfalls keine Probleme, sie wechselten sich ab mit dem führen des Pferdes, dann übernahm auch mal Guts die Spähaufgaben des Chiryamädchen, damit sie sich ausruhen konnte.

"Soll ich dir mal was zeigen? Du siehst gelangweilt aus." fragte sie Guts.

Guts bekam kurz einen roten Kopf, unzüchtige Gedanken haben ihn für eine Sekunde übermannt.

"Ähhhm, ja was denn? Warum nicht!"

Sie führte ihn zu einem Nest, das sie entdeckt hatte, darin befanden sich Skorpione. Viele, kleine schwarze Skorpione, es sah aus als wären sie erst vor wenigen Tagen aus ihren Eier geschlüpft.
Sie beobachteten für einen kurzen Moment die Skorpione. Guts wollte mit einem Stock in das scheinbar tote Muttertier pieken. Suan hielt seinen Arm Fest.

"Sei nicht so albern" sagte sie zu ihm. Guts nickte und sie gingen wieder weiter.

Wenig später entdeckten sie einen schattigen Felsvorsprung.

"Lass uns hier rasten. Die Sonne steht fast am Zenit und wir müssen unser Wasser rationieren." Sie hatte recht. Es wurde sehr heiss am Tag und sie versuchten in der Dunkelheit soviel Strecke wie möglich hinter sich zu bringen.

Obwohl keine Menschenseele zu sehen war, waren sie dennoch nicht allein. Überall gab es etwas zusehen. Viele kleine Oasen, an denen sie rasteten. Tier die sich ebenfalls hier ausruhten. In der Ferne sah mal manchmal Türme, jedoch kannte Guts weder die Stadt noch die Türme, er traute sich aber nicht zu fragen.

Die Anwesenheit von Suan wurde sehr geschätzt. Manchmal entwickelten sich aus kurzen Dialogen, lange Gespräche, gefolgt von stundenlanger Stille. Aber Stille die von beiden Seiten genossen wurde.

"Wir müssten bald da sein, der Boden wird immer grüner. Vielleicht sehen wir bald den Rest." sagte sie zu Guts. Viele Tage waren vergangen und es sah so aus, als wären sie an ihrem Ziel.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Sa Mai 06, 2017 1:44 am

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GUTS UND SUAN
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Das Mädchen war seinerseits anscheinend auch ziemlich zufrieden mit Guts' grimmiger Gesellschaft. Sie war stets munter und still, ihre Augen blickten wach. Als er sich davon abhalten lassen hatte, die Skorpione einfach so zu töten, zeigte sie ihm, wie man mit einem Blasebalg einen Vogel schoss. Der arme Fink, der über ihren Köpfen gekreist hatte, hatte sein Leben mit einem spitzen Steinchen in der Brust schnell beendet - aber dafür hatten sie bei einer Oasenrast ein wenig gegrilltes Geflügel zu ihrem Wegbrot und dem eingelegten Gemüse. Es musste sich anfühlen, als seien Jahre vergangen, seit sie das letzte Mal warmes Fleisch gegessen hatten.

"Es besteht ein Unterschied", erklärte Suanneigh, als sie am Feuer saßen, "ob man Tiere tötet, weil man nichts Besseres zu tun hat, oder um zu essen. Wir brauchen ein wenig Kraft und wir nehmen nicht mehr als nötig. Mallo macht das gar nicht. Lieber verhungert sie, als auch nur etwas von einem Tier zu essen. Das finde ich übertrieben." Sie zuckte mit den Schultern, beließ aber jedem seine Entscheidung.

Tage vergingen und neigten sich dem Ende des Routenstücks.

"Wir müssten bald da sein, der Boden wird immer grüner. Vielleicht sehen wir bald den Rest", sprach sie, und tatsächlich: sie konnten ungehindert sicherlich eine Meile über die Ebene blicken und weit vor ihnen im Osten schimmerte eine weiße Baut, die sehr nach einem Zelt aussah... und ein schwarzer Punkt, der sich ihnen unaufhaltsam zu nähern schien.

Suan streckte vorsichtig die Hand aus und ließ die Augen nicht von dem Punkt - bis sie erkannte, worum es sich handelte.

"Oh Mist. Hier stimmt irgendwas nicht."

Es war ein Tier; Es war Dharnas Esel. Unbemannt und um die Hälfte seines Gepäcks leichter. Er trabte auf sie zu und als sie ihm die Hände entgegenstreckte, blieb er stehen, stampfte und schnaubte.

Suan wandte den Blick besorgt zu Guts, plötzliche Sorge in den Augen. Irgendwas musste dort hinten beim Zelt passiert sein... sie fasste fester um ihren Speer.

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MALLO UND ACHALLA
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Es schien, als verfolgte sie den perfiden Gedanken, jeden Zentimeter der Landschaft besehen zu wollen. Während Achalla sich strikt weigerte, Gleißwind zum Reiten zu benutzen und sogar lieber selber ab und zu Teile des Gepäcks trug ("Sonst verkümmern einem die Arme!"), nutze Mallo diese Gelegenheit und drehte berittene Kreise um den Naihlar. Sie fielen mal kleiner, mal größer aus, immer mit der Absicht, _noch_ mehr zu sehen, _noch_ sorgfältiger zu suchen. Aber immer behielt sie Achallas dunkle Gestalt im Auge. Und sie dachte nach.

Sie hatte Dharnas Umarmung erwidert, auf ihre Weise, ruppig und darin irgendwie herzlich. Sie musste es sich eingestehen - niemals würde sie es den anderen Zwei gegenüber genauso aussprechen, aber sie liebte sie bereits, wie den Rest von Oshead. Sie gehörten einfach schon dazu, hatten es geschafft. Sie dachte an Holzbrück, daran, wie Dharna und Guts sich einfügen würden, wusste, dass Marcia sich über Dharnas Essen freuen und Raûl irre über Guts' Witze lachen würde und musste lächeln. In Gleißwinds Galopp saugte sie die warme Luft in die Lungen und plusterte sich auf. Sie würden diesen Krieg gewinnen. Bestimmt hatten sie schon gewonnen und waren auf dem Heimweg - vollzählig und unversehrt. Und wenn sie sich alle in Holzbrück wiedersahen, würden sie sich so schnell nicht wieder trennen, sondern Neome - ach, der schönen! - einen Boden bilden und mit ihr bis an den Rand der Spiegelwelt gehen.

Sie dachte an Jael... als Gleißwind abrupt stehenblieb. Alle Gedanken waren fortgewischt, als ihr, erst ganz zaghaft, dann unverkennbar, Brandgeruch in die Nase stach. Der Ostwind brachte ihn mit. Irgendwo brannten Stoff und Fleisch.

"Achalla!", rief sie und wandte sich um, während Gleißwind sich angestachelt aufbäumte, "Achalla! Mach schnell!" Sie gab dem Tier so sanft und so eindeutig sie konnte die Sporen und setzte ein Stück zurück, um zum Naihlar aufzuschließen, "Riechst du das?"

"Stinkt wie meine Großmutter bei ihrer Bestattung."

"Alter... steig mit auf. Wir müssen nachsehen." Noch ehe Malen ausgesprochen hatte, hatte Achalla dem eigenen flapsigen Spruch entgegengesetzt, ihre angebotene Hand ergriffen und sich hinter sie geschwungen. Hoffentlich würde es nicht schade um jemanden werden, sollten sie zu spät kommen.

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DHARNA UND REDRIC
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Wenn sie müde wurde, ging er nicht darauf ein, sondern vertuschte taktvoll, dass es ihm auffiel, indem er sie selbst mit eigenen Geschichten zu amüsieren versuchte.

"Mein Großvater hat am Tag der Vergebung immer gesagt: 'Hoffentlich entlassen sie heute einen richtigen Schurken. Der kommt dann und wäscht dir richtig den Kopf!' Ich hatte seitdem immer Angst vor dem Feiertag. Und dann dachte ich wieder: Aber ein richtiger Schurke kann mir bestimmt eine Menge Dinge beibringen. Wusstest du, dass es in Novinz angeblich eine Diebesbande gab? Das sagte man so bei uns. In Fulbing. Hast völlig Recht." Er schenkte ihr ein breites Grinsen. "Ich sag doch, du erkennst Dinge, die sonst keiner so einfach erkennt. Nördlich ist richtig."

Sie stritten sich also darum, wer zuerst essen sollte und Redric konnte damit leben, dass der Esel stets die allererste Portion bekam. Dann stritt er sich nochmal und gab ihr schließlich nach, schmunzelnd wie ein Lausbub. Er erwischte sich oft dabei, wie er Dharna etwas erzählte und dann feststellte, dass sie sich gerade nach einem Stein bückte oder etwas pflückte - und nahm es ihr nicht übel.

"Wozu brauchst du den ganzen Kram? Und _wo um alles in der Welt willst du das aufheben_?", fragte er schließlich und war angetan von ihrer Erklärung. Dharna sollte überwiegend wilde Kräuter finden: Kümmel und Pfeffer, hier und da wuchsen auch Sesamsprosse. Nachdem sie in einer Oase gerastet hatten und wieder auf dem Weg waren, schenkte er ihr einen Setzling - den er ihr wie einen Blumenstrauß mitsamt der Wurzel präsentierte. An grünen Stengelchen unterhalb der Blätterästchen hingen auf Wurzelhöhe kleine, doppelbauchige Kerne.

"Das werden bestimmt mal Erdnüsse", erklärte er stolz, "Vielleicht kannst du die ja oben in Gutenbucht einpflanzen und dann hast du immer deine eigenen. Und der Esel freut sich auch."

Nachdem sie sich geeinigt hatten, an der Grenze zu rasten, entrollte Redric das Zelt und stellte die Stangen auf.

"Du haust die Heringe ein! Das schaffst du. Einfach rundherum. Und ich halte das.... Moment." Er kroch wieder unter dem Leinendach hervor und drückte Dharna die Zeltstange in de Hand. "_Du_ hälst", korrigierte er seinen Vorschlag mit bescheidenem, aber entschlossenen Lächeln, war doch die Aufgabe, die Zeltstange zu halten, die wesentlich weniger nervige.

Als das Dach stand, konnten sie Feuer machen. Diesmal teilte Redric sein Proviant mit den Anderen: Bier (das bekam nur Dharna), Dörrfleischstreifen, die eine eigenartig würzige Kruste hatten und dazu buk er Kartoffeln in der Glut und zerstampfte ein paar Tomaten mit Salz in seinem Helm (natürlich ausgewaschen). Es würde bald Abend werden, die Sonne würde sie noch ein wenig beehren, aber das Licht hatte sich bereits verändert.

"In der Not wird man erfinderisch!", lachte Redric. Er schälte einen grünen Apfel, halbierte ihn, fand irgendwo im Rucksack einen Honigtopf und füllte etwas von dem Gold in die Kernmulde. Dann gab er zwei Walnüsse hinein und reichte Dharna den behelfsmäßigen Nachtisch.

Plötzlich steckte ein Pfeil in der Apfelhälfte.

Zwei Augenblicke lang geschah gar nichts.

"Sauber gezielt, Hunnar!", erklang plötzlich eine fremde, rauhe Stimme von hinter einem Findling; Und binnen weniger Herzschläge sahen die Ghalmaren sich umringt von einer Gruppe von Menschen. Männer mit abgewetzter, farbloser Leinenkleidung, mit Tüchern im Gesicht und schmutzigen Klingen.

Redric zuckte, ließ den Apfel in die Glut fallen; Noch ehe er nachgedacht hatte, hatte sein Reflex ihn auf den Sohlen stehen und sein Schwert gezogen haben lassen.

"Was wollt ihr? Geht zurück, von wo ihr hergekommen seid! Wir haben euch nichts getan und euch nichts zu bieten!", rief er, alle Glieder in Anspannung bewegte er sich vorsichtig, um alle Männer mit dem Blick zu erfassen und keinen unklugen Schritt zu tun. Es waren vier, zumindest vier konnte er sehen.

"Ach ja?", krächzte ein anderer, "Ihr seht besser aus als wir. Das heißt, du lügst dreist, Junge."

Während Redric eine destruktive Erwiderung schluckte, fuhr der dritte Räuber fort.

"Zelt, Taschen und das Mädchen, und du kannst gehn."

Redrics Gesicht entgleiste. Er mahlte mit den Kiefern, und während er eine Reaktion so viele Augenblicke wie möglich und nötig hinauszögerte, versuchte er, seine Gefährtin zu decken.

"Dharna, pass auf. Pass auf", murmelte er so leise er konnte und so laut, dass sie ihn hoffentlich verstand. Dann ließ er mit einem Seufzen demonstrativ sein Schwert sinken.

"Na gut", sprach er laut zu den Räubern, "Ich seh schon. Ihr seid zu viert, ich bin allein. Du musst jetzt stark sein, Liebling. - UND RENNEN!" Damit gab er dem Esel einen klatschenden Schlag aufs Gesäß.

So gleichmütig, wie das Tier die Neuankömmlinge angeschaut hatte, so plötzlich erschrak es, schrie auf und brach in Verwirrung durch den Kreis der Räuber, einem den Säbel aus der Hand schlagend. Redric atmete aus. Es hatte geklappt. Nur einen, diesen wertvollen, kurzen Moment der Ablenkung hatte er und musste ihn nutzen. Er hob sein Schwert und entwaffnete den Mann, der ihm am nächsten stand, trat ihn aus dem Kreis und parierte den Schlag des nächsten. Und wieder sein Fehler: Zu spät wandte er sich um. Während der dritte Räuber sich auf ihn stürzte, trat der vierte auf Dharna zu.

Für einen fatalen Augenblick war der junge Mann zu perplex: und sein Gegner schlug ihm mit einem mächtigen Sprung das Schwert aus der Hand. Redric taumelte und fand sich unter dem Räuber begraben, der versuchte, ihm einen Dolch ins Gesicht zu rammen.

"DHARNA RENN!", schrie Redric. Vielleicht war sie bereits weg, hatte es geschafft, hatte ihren Angreifer verwirrt, und entschwunden. "Hoffentlich bist du gerannt", murmelte er, griff blindlings ins Feuer und schob einen Scheit zwischen sich und den Räuber.

Die trockene Kleidung des Mannes fing schnell Feuer.

Schreie und schwarzer Rauch erfüllte die Luft. Vielleicht verschaffte ihnen das noch eine Chance.... .
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Dharna
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Sa Mai 06, 2017 1:50 pm

"Von den Schurken kann man am meisten lernen, dass ist richtig!" stimmte Dharna eifrig zu und beschmunzelte zufrieden ihre richtige Annahme. Natürlich hatte sie recht gehabt, HA! Den weiteren Worten lauschte sie stets interessiert, selbst dann, wenn ihr Blick schon wieder woanders weilte und den Leib mit sich zog, um irgendwas zu kontrollieren. Sie konnte also durchaus aufmerksam sein und diese Aufmerksamkeit auch aufteilen, denn meistens antwortete sie sogar passend und hielt mit ihm so das Gespräch am Leben. Von ihrer Familie in Novinz erzählte sie ihm, dem Leben in der Backstube und den steten Diebstählen, frisch gebackener Hefekringelchen, an denen sich immer alle Geschwister beteiligt hatten, zum Verdruss der Mutter. Wahrscheinlich gab es keine Kinderschar in der Stadt, die mehr Abdrücke vom Teppichklopfer auf den Ärschen trug, wie die Kinder Gruber! Ob das aber ihr ernst war, schien schwer zu deuten, denn am Ende hiervon lachte sie heiter und stritt sich dann lieber mit ihm um die Essensverteilung.

Für das Geschenk des Sprösslings, wurde der Fechter gleich wieder herzlich in die Arme gezogen und sich eifrig bedankt. Überschwenglich sogar, nachdem man das fragile Pflänzchen in die kleine Ledertasche verfrachtet hatte, dessen Material robust genug war, das kleine Ding nicht einzudrücken und zu schützen. Sie ging sogar soweit, den Spross _in_ der Tasche einmal zu gießen und damit das Leder wahrscheinlich auf alle Zeit zu versauen. Dharna schien das allerdings weniger zu bekümmert, wie das Wohl der Pflanze.

Am Lager angekommen, nahm sie die Aufgabe an, die Redric ihr zusprach, ohne Murren und Knurren. Schon mit dem ersten Hering in der Hand, schmunzelte sie auf, als ihr noch leichtere Arbeit zugeteil wurde. Sollte ihr recht sein! Also hielt man brav die Zeltstange und drehte sich immer mit dem Manne mit, wann immer er sich weiter bewegte zum befestigen der Plane."Ich halte sie, als hinge mein Leben hiervon ab!" Wahrscheinlich bereute sie die Aussage später schon, beim Abendbrot...

Da steckte ein Pfeil in _IHREM_ Apfelstück.

Dharna glotzte. Lange, zähe Sekunden, schlicht erstarrt in ihrer Fassungslosigkeit. Eine Sekunde von diesen vielen, überlegte sie sogar, ob das ihr Werk gewesen sein könnte, dann fiel ihr ein, dass sie garkeine Pfeile dabei hatten und dann dämmerte es ihr. Den Blick gehoben, polterte sie sodenn auch gleich los, noch bevor die Anzahl der Diebe erkannt wurde. "Welcher Trottel schießt in Essen?! IN ESSEN?! Haben euch die Weltenlenker in die Köpfe geschissen und vergessen ihn in die Latrine zu...oh." JETZT hatte sie die Überzahl erkannt und glotzte neuerlich, mit ihrem Bier in der Hand.

Tja. Keine gute Ausgangslage.

Nervös trat sie von einem Bein aufs andere und atmete tief ein, einen kritischen Blick zu Redric schickend. Auf die Forderung schnaubte sie und öffnete schon den Mund, doch da war ihr Begleiter schneller. Wahrscheinlich viel zu schnell für sie! Sie sah noch Esel ausbrechen, plötzlich lag da ein Menschenknäuel. Grob durchgezählt, ruckte der Blick auch schon zum vierten Mann, der auf sie zusteuerte. Sie sollte fort laufen? Ging nicht! Selbst wenn sie  gewollt hätte, die Füße waren bleiern in diesem Moment und so tat sie, was die Situation vorgab- reagieren.
Mit Schwung wurde dem Vierten das Bier entgegen geschüttet und hiernach mit dem nunmehr leeren Horn noch mal ausgeholt, ums dem Kerl über den Schädel zu ziehen. Hierbei verließ sie sich aber nicht auf ihr Glück und schlug gleich noch mal zu. Vielleicht sogar drei mal? Diesen einen würde sie schon klein kriegen, irgendwie! Man hatte drei verdammte Brüder, da würde man auch _einen_ Strauchdieb packen und ihn nieder prügeln können, bis er sich weinend das Gemächt hielt, weil man dort auch nich mal hinein trat, damit er für Redric keine Bedrohung mehr sein konnte!
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Guts
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Di Mai 09, 2017 4:31 am

"Sieh da, Rauch." sagte Guts leise zu Suan. Sie wollten keinen Lärm veranstalten und die Aufmerksamkeit unnötig auf sich ziehen.

Sie pirschten sich schnellen Schrittes zu der Feuerquelle.

Guts nahm seinen Bogen und einen Pfeil aus seinem Köcher. Jetzt sah er mehr, dennoch weit genug vom Zelt entfernt.

Jetzt sah man eine Person, es schien als würde sie in Flammen stehen. "Das ist also die Quelle des pechschwarzen Rauchs." Die schmerzvollen Schreie des Mannes, hallten durch die gesamte Ebene.

"Schau! Redric und Dharna! Sie werden angegriffen!"
Guts wurde und heiß. Er war jetzt voller Adrenalin und seine Sinne schärften sich.

Redric schien auf dem Boden zu liegen. Dharna schlug einen dieser Räuber nieder.

Jetzt musste es schnell gehen. Zwei Personen schienen sich noch in der Nähe der beiden aufzuhalten, bewaffnet.

"Gut, den hab ich im Blick." sagte Guts, als er seinen Bogen hob und die Sehne spannte.

Der Pfeil flog gezielt einem der Angreifer mitten in den Rücken. Sie hatten nur leichte Kleidung an, sodass der Pfeil tief in den Körper eindrang. Früher dachte Guts es sei feige jemanden hinterrücks zu töten. Ein Ehrenvoller Mann schaut seinem in die Augen und spaltet danach den Kopf seines Feindes, das sagte zumindest sein Vater, aber "von Ehre kann man sich nichts kaufen und das Loch in deinem Körper wird dadurch auch nicht kleiner wenn du ihm unterliegst." sagte jedoch sein Bruder Griffith zu ihm. Da hatte er recht.

Der Räuber sichtlich geschockt, als er den Pfeil bemerkte der plötzlich durch seine Brust ragte, sackte langsam zu Boden.

Es schien nur noch eine Person übrig zu sein, die zumindest noch auf den Beinen war. Es war eine Frau, sie realisierte langsam, das ihre Kameraden entweder schwer verwundet oder tot waren, dass ihre Opfer anscheinend doch nicht alleine waren. Sie fing an zu rennen.

"Warte, dich kriege ich auch noch." Guts nahm sich den nächsten Pfeil und spannte seinen Bogen. Diesmal verfehlt er, sie war zu weit weg. "Verdammt, die Sonne hat mich geblendet."

Suan war inzwischen auf das Pferd gestiegen und bewegte sich Richtung Zelt und Räuberin, es war wohl nicht klug sie flüchten zu lassen.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Fr Mai 12, 2017 6:57 pm

Platsch! Da schwappte das Bier dem Mann ins Gesicht. Wahrlich, mit dieser Art der Gegenwehr hatte er nicht gerechnet. Er versuchte noch, mit seinem Säbel auszuholen, da versenkte Dharna ihr Horn in seinem Gesicht. Der Schlag blieb aus, die Klinge schweifte nach der Ghalmarin, als der Räuber zu Boden ging, verfehlte aber ihr Ziel.

"Du Stück!", rief er, da hatte sie ihm nachgesetzt und das Ding das zweite Mal auf ihn niedersausen lassen. Er rollte sich weg - wenigstens der dritte Schlag traf daneben - aber der Bogen auf seinem Rücken krachte unter der Bewegung und brach. Naja. Wenigstens hatte er für die Sekunde sein Gemächt in Sicherheit gebracht.

Der aus der Sicht, trat aus dem Hintergrund der Räuber auf Dharna zu, den ihr Esel im ersten Moment des Schreckens umgerannt hatte. Er hatte sich aufgerappelt, seine Klinge wiedergefunden.

"Roll dich!!", hatte er seinem brennenden Kameraden zugeschrien, dessen Kleider soeben Feuer gefangen hatten - und vielleicht hatte er eher im Sinn, seine Leute zu schützen, als die Reisenden zu bekämpfen. Er erreichte Dharna mit zwei Sprüngen, bremste rapide - und starrte auf die Pfeilspitze, die ihm aus dem Bauch ragte. "Woher...?", stammelte er noch, sah sich fahrig um und seine Knie gaben nach. Das verschaffte der Archivarin Augenblicke, um Distanz zu gewinnen.

Der brennende Kerl schrie und wand sich und versuchte mit aller Gewalt, sich vom Leinen zu befreien, bevor sein Haar Feuer fing. Redric keuchte, sprang dann auf - das Leder seiner Rüstung hatte der kurzen Hitze nicht nachgegeben, sondern den Großteil der Flammen erstickt. Zu seinem Glück war die Kleidung des Räubers leicht und trocken gewesen. Er wollte den Brennenden in den Sand stoßen, doch dieser grabschte nach einem seiner Gefährten, dem schlankesten, der die drohende Niederlage schnell erkannte, das Mundtuch abwarf und versuchte, sich aus dem Staub zu machen. Es war eine Frau.

Wieder zischte ein Pfeil durch die Luft und verging ins Nirgendwo. Hufgeklapper näherte sich.

Also sah der Brennende sich verlassen in seiner Verzweiflung und beschloss, sich selbst vom Sand helfen zu lassen - und ehe er zu Boden ging, holte er nach Dharna aus, um sie mit sich zu reißen... und sein Schwung verdoppelte sich, als ein mächtiger Naihlarkörper gegen ihn krachte. Achalla hatte sich wie ein ungebremster Dickhäuter von Gleißwinds Rücken geworfen und den brennenden Räuber gerammt. Die Flammen züngelten und einige erstickten unter dem Gewicht des Säbelschwingers, der ausholte, um das Gesicht des Räubers in Brei zu verwandeln.

"HUNNAR!", rief die fliehende Frau nach dem Schützen, dessen Bogen unter Dharnas Angriff gelitten hatte, als ein Pferd ihr den Weg abschnitt und sie einer Speerspitze ins Gesicht starrte. Suanneigh nahm den Blick nicht von der Frau und als diese einen Satz zurück machen wollte, schnitt Mallo auf Gleißwind ihr auch diesen Weg ab.

"Hunnar wird dir nicht helfen", sagte die Waldläuferin. Ihr Schwert lag scheinbar lose in ihrer Rechten, nah an der Kehle der Frau.

"Genau", pflichtete Suan Mallo bei, "Du nimmst jetzt die Beine in die Hand und rennst. Und vergisst, wen und was du hier gesehen hast."

"Ihr seid Mörder!" Die Stimme der Räuberin zitterte. "Ihr werdet zur Rechenschaft gezogen."

Die Chiryamädchen wechselten einen Blick.

"Wer noch lebt, wird dir folgen", sagte Mallo dann, "Wer nicht, hat es darauf angelegt." Sie überließ die Räuberin Suans Achtung und blickte sich um. "Achalla! Lass ab von ihm." Sie gab dem Naihlar ein Zeichen. "Lass ihn gehn. Sie kommen nicht wieder! Ist doch so?", richtete sie zuletzt schneidend an die Räuberin, die mit Erleichterung feststellte, dass nicht nur Hunnar, sondern auch der Kamerad, der gebrannt hatte, wohl noch am Leben war.

"Wir kommen nicht wieder!" Vielleicht log die Frau, aber in diesem Moment hatten sie keine Wahl.

Achallas Faust hielt in der Luft inne und senkte sich. Grummend hievte der Naihlar sich in die Höhe und riss an seinem Opfer, um es auf die Beine zu bringen. Mallo sah zu Dharna und Hunnar. Die Ghalmarin würde mit dem Schützen tun können, was sie wollte. Neben ihnen lag ein Toter, ein Pfeil ragte ihm aus dem Rücken.

Guts. Den Weltenlenkern sei Dank.

Mallo hob den Blick in die Ferne, sich fragend, ob sie den Gefährten irgendwo ausmachen konnte.


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Nachdem sie entschieden hatten, was mit den Räubern geschah, war die Nacht hereingebrochen. Wieder hatte Achalla angeboten, die Nachtwache zu übernehmen - Mallo hatte ihn in den vergangenen Nächten geschont, wenn er schon das Gepäck trug. Es wurde wieder kalt und nachdem Redric Guts um Hilfe gebeten hatte, die Spuren des Kampfes zu beseitigen, kümmerte er sich ums Feuer. Sie hatten eine Nacht Zeit, sich auszutauschen und auszuruhen.

Am nächsten Morgen sollten ihre Wege sich wieder trennen. Mallo studierte wieder die Karte und teilte ihre Bedenken mit der Gruppe.

"Gerade tu ich mich schwer. Unser nächstes Stück bringt uns zur Handelsstraße. Wenn wir Glück haben, treffen wir Händler auf dem Weg oder vielleicht steht irgendwo ein Rastplatz oder eine Taverne. Die linke Route führt ein Stück durch das moorige Gebiet nah des Mutterstroms. Die rote trifft von Steppenseite darauf... und die rechte schließt gar nicht auf." Sie fuhr sich durchs Haar und zog die Brauen zusammen. "Was hab ich mir dabei eigentlich gedacht?", fragte sie trocken und bat Guts, allen die erste Karte zu zeigen.

Es stimmte: Zwei Gruppen würden sich in zwei Wochen an der Handelsstraße treffen; Die dritte würde ihre Rast im Niemandsland machen. Gruppe 1 träfe demnach in zwei Wochen auf Gruppe zwei an der Straße; Gruppe 3 wäre allerdings schon auf dem Weg nach Holzbrück, bevor Gruppe 2 sie in der Steppe erreichte.

"Der Vorteil ist, dass wir tatsächlich das Meiste des Gebiets abdecken, wenn wir das so machen. Der Nachteil ist, dass wir uns vor Holzbrück nicht mehr alle zusammen sehen. Es sei denn..." Malen klemmte ihr Kinn zwischen die Finger: "... die Gruppe der roten Route reitet nach der Handelstraße steppewärts. Dann kann sie sich sowohl mit der linken als auch mit der rechten Gruppe austauschen, bevor wir in Holzbrück ankommen."

Sie zog am Harzkolben und richtete Blick und Stimme an alle.

"Wer möchte wohin? Und mit wem? Wer ist wie bereit wofür? Die linke Route führt gefährlich nah an der Höhe des Landes von Khal'Hatra auf der anderen Seite des Mutterstroms vorbei. Die rote ist die schnellste und leichteste, wird aber reiten müssen, wenn wir uns nochmal treffen wollen. Die rechte ist die längste, führt aber übers dankbarste Land und bringt vielleicht die meisten Erkenntnisse. ... Sagt mir, was ihr tun wollt und mit wem. Ich entscheide das gern für euch. Aber ich weiß nicht, wie fit ihr wofür seid."
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Sa Mai 13, 2017 1:44 pm

Ein Moment der Euphorie zeigte sich in Dharnas Zügen, als der dämliche Plan des Getränks im Gesicht seinen Zweck erfüllte und der Schütze einsehen musste, dass sie durchaus sture Beute war. Als er dann auch noch zu Boden ging, sollte sie sich damit zufrieden geben, immerhin sprang irgendwas in ihr Sichtfeld. Den Blick noch hastig nach rechts geschickt, riss sie die Augen auf. Sie sah die Klinge des Angreifers schon im eigenen Leibe stecken und stolperte ungeschickt rückwärts, da sackte er, vom Pfeil durchbohrt, auch schon in die Knie.
Dharna schaffte es es gerade so, nicht über den Saum des  eigenen Rockes zu stolpern.

Vielleicht wäre es besser gewesen, aus dem eigenen Ungeschick heraus auf dem Arsch zu landen, denn bei der nächsten Wendung um die eigene Achse, um die Irritation zu vertreiben und sich Überblick zu verschaffen, wurde sie auch schon umgerissen.
Der Schwung, mit dem die Männer sie nieder gemäht hatten und mit dem sie auf dem Rücken landete, presste ihr hörbar die Luft aus den Lungen. Sie ächzte schmerzlich auf, ohne überhaupt wirklich zu merken WER da auf ihr lag und vorerst sollte sie die nächsten Sekunden regunglos liegen bleiben, dank der kurzen Schwärze vor den Augen, die der Aufprall von Hinterkopf auf harten Grund gebracht hatte.

Irgendwo zwischen Geplänkel und Schmerzlauten hörte sie Mallo und kniff die Augen noch mal zusammen, ehe sie langsam geöffnet wurden. Anchalla hatte seinen Faustschlag jäh gestoppt und packte gerade nach dem Kragen seines Räubers, als seine verwaschenen Konturen endlich schärfer wurden für den Blick der Archivarin. Ein schmerzlich Stöhnen später, rollte sich Dharna erst auf die Seite, dann auf alle viere und zuletzt  erhob sie sich wankend. Es sah nicht galant, noch geschmeidig aus, doch sie stand vorerst und glotzte umher.
"Was? Ja....ja hau ab. Aber n' Pfeil lässt du hier Bursche! Für den Apfel und den Ärger." Den Worten folgte eine scheuchende Geste gen Schützen, in der Art von jemanden,  der eine lästige Fliege vertreiben wollte, dann rieb sie sich nur noch den Hinterkopf und begrüßte die anderen mit einer 1 Arm- Umarmung.

Nachdem auch Guts hinzu gestoßen war, zog man auch ihn in die Arme. Vor einem Überfluss an Gerede, blieb der Mann dieses mal verschont, dafür lag Dankbarkeit im Blick Dharnas, die sich alsbald des Toten mit annahm, nachdem man Esel wieder eingefangen hatte. Zwar sah sie ein, dass ein Grab ausheben zuviel Zeit kosten würde und verbrennen zur Nacht zuviel Aufmerksamkeit lockte, doch Respekt wurde dem Räuber dennoch erwiesen und drei der Samen in seine Hand gelegt, die man zur Faust schloss und auf seiner Brust ablegte, bevor sie zurück zu den anderen trat.

Sie blieb leiser als sonst.

Erst bei Mallos Selbsttadel trat sie näher an den Blondschopf und klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. "Mach dir keinen Kopf, war und ist, nach wie vor eine gute Idee, wenn wir viel abdecken wollen. Sind ja alle freiwillig hier, ja?" Sie nickte kurzerhand für alle und bereute es just, als der Kopfschmerz noch mal extra biss.

"Ich würd die rechte nehmen wollen. Auf den Pferden sollten die leichtesten von uns sitzen, um sie nicht unnötig zu belasten - dazu gehöre ich nicht. Redric was sagst du?" Man ließ ihm die Wahl, doch die Art wie sie ihn ansah, versprach noch ein ernstes Gespräch unter vier Augen, dasa wahrscheinlich nicht das angenehmste für den Mann werden würde- doch immerhin privat.
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Mi Mai 17, 2017 2:20 pm

Es schien alles vorbei zu sein. Das die letzte dieser Diebesbande ungeschoren davon kam gefiel Guts nicht. Er machte sich zu dem Rest der Gruppe.

"Wenn man mit der Absicht zu stehlen und Morden unterwegs ist, sollte mit dem Gedanken zurecht kommen, dass man selbst bei dieser Reise stirbt." sagte er zu Mallo. Es gefiel ihm nicht, dass sie davon kam. Sie hätten keine Gnade gezeigt und womöglich gab es mehr von ihnen.

Dharna wurde von Guts herzlich umarmt, es war froh, dass ihr nicht geschehen ist. Es hätte auch anders ablaufen können, wenn er nur wenige Augenblicke Später dazugestoßen wäre.

"Ich glaube jetzt schuldest du mir ein Bier haha." sagte Guts und lächelte ihr dabei zu.

Redric kümmerte sich um die Feuerstelle, die sich nach dem Kampf nicht mehr im besten Zustand befand. Guts hatte einen Toten um den er sich kümmern musste.

Dharna machte Guts darauf aufmerksam, dass er ihn dennoch mit Respekt behandeln soll, auch wenn die Zeit ein Grab auszuheben nicht ausreicht. Guts nickte ihr zu.

Egal wars ihm aber trotzdem. Er empfand so etwas wie Respekt gegenüber Räubern nicht. Dafür hat er zu viele schlechte Erfahrungen auf den Reisen mit Griffith gemacht und Iydell wäre warscheinlich auch nciht erfreut.

Er nahm sich Findel und griff sich ein Seil.

"Ich bin gleich wieder zurück." sagte er zu der Gruppe.

Er befestigte das Seil an das Bein des toten, das Seil wiederrum an Findel.

Er ritt in einige Minuten in Richtung Sonnenuntergang. Dabei bereitete er sich sein Rauchkraut vor, das er dann genüsslich rauchte. Beim letzten Zug machte er halt. Nun war er weit genug. Das tote Fleisch sollte keine Tiere anlocken, die uns in der Nacht angreifen könnten.

Er macht den Körper los und trat ihn einen Hügel runter.

Guts stieg auf Findel und ritt wieder in wenigen Augenblicken zur Gruppe.

Jetzt musste es mit der Suche weiter gehen.


"Hm Handelsstraße, Taverne? das klingt doch sehr gut!". Guts hatte nämlich seit Ewigkeiten nichts mehr getrunken.

Guts zeigt die Karte vor, wie Mallo ihn darum bat. Er hörte ihr weiterhin zu.

"Ich nehm die linke Route wenn es in Ordnung ist, wir sind schnell zu Fuß und vorallem leise."
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Di Mai 23, 2017 2:28 am

"Du hast vollkommen Recht", erwiderte Mallo, als Guts seinen Unmut kundtat darüber, die Räuber laufen zu lassen, "Aber willst du als Mensch über andere Menschen richten? Ich nicht. Nur zu." Wie sie es bei Dharna getan hatte, überließ sie ihm die Entscheidung, wie er mit den Verbrechern umgehen sollte, wollte aber nichts mit weiterem Tod zu tun haben. Das schien ihr wichtig zu sein. Sie beobachtete kritisch, wie Guts mit dem Toten schließlich verfuhr, wertete aber nicht und machte niemandem einen Vorwurf aus ihrer oder seiner Entscheidung. Für sie war wichtig gewesen, dass sie die Überhand behalten und diesen Konflikt gelöst hatten. Den Rest überließ sie ihren Gefährten und somit war die Geschichte für die Waldläuferin scheinbar gegessen.

Suanneigh musterte Dharna aufmerksam, als diese zu der Runde stieß und man sich begrüßte.

"Bist du verletzt? Soll ich dich mal anschauen?"

"Suan ist keine Heilerin", erklärte Redric indes, "Aber sie weiß, wie man überlebt."
Seine Laune trübte sich rasch, als Dharna ihm diesen Blick schenkte. Sie wollte mit ihm gehen, das war gut - aber irgendwas war da unausgesprochen. Bei den Weltenlenkern, hoffentlich war all seine Mühe nicht umsonst gewesen.

Malen zeigte sich wortlos überrascht darüber, dass ihre Gefährten die Konstellationen nicht verändern wollten; gleichsam nahm sie diese Entscheidung schnell an, nickte sie ab und freute sich innerlich, dass ihre erste Wahl anscheinend nicht ganz falsch gewesen war. Und so teilten sie sich abermals auf, um die Südgrenze aus drei verschiedenen Richtungen zu passieren und zu sehen, was jeweils dahinter lag.

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GUTS UND SUAN
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"Schau mal, da ist doch einer."
Suanneigh legte die Hand abschirmend an die Augen. Sie waren einige Tage unterwegs gewesen ohne weitere Vorkommnisse, was zumindest das Chiryamädchen erfreut hatte. Sie war munterer als sonst, aber nicht anstrengender und anscheinend ganz froh, an Guts' Seite geblieben zu sein. Vielleicht freute sie sich auf die Aussicht, die Mallo ihnen geschildert hatte; nämlich die Nähe des Reiches von Kal'Hatra zu passieren, das Land des Feindes, der innerhalb des letzten halben Jahres Krieg über das Land gebracht hatte. Vielleicht klang das für sie nach einem Abenteuer - oder, wenn sie erwachsener tickte als sie aussah, schlicht nach Neuigkeiten von der Front, mit denen Shäekara seit Beginn des Jadekrieges absolut nicht gesegnet worden war.

Gerade jetzt war sie besonders aufmerksam, als sich ihnen eine Gestalt näherte. Ein einzelner Mann, der in seltsamen Linien ging. Sicher war er in irgendeiner Form verwirrt; Als sie näherkamen, erkannten sie, dass sein Alter schwer abzuschätzen war, so zerfurcht war sein Gesicht und sein Haar an manchen Stellen grau geworden. Er trug Lumpen, die nach einer zerfetzten Uniform aussahen.

"Wenn der nicht von der Front kommt, fress ich 'nen Besen", raunte Suan Guts zu; doch wider ihres Erwartens hatte der Mann sie gehört.

Er wirbelte herum und starrte die Beiden aus fahrigen Augen an: Dann fiel er vor ihnen auf die Knie.

"Bitte, nicht, nein, nicht mehr! Schickt mich nie wieder dorthin!"

Suanneighs Augen weiteten sich vor Überraschung und sie starrte Guts an.

"Hee, guter Mann, steht wieder auf." Behutsam machte sie einen Schritt auf den Verwirrten zu. "Was ist denn Euch widerfahren? Wir schicken Euch nirgendwo hin."

So wie er von einem Schlag auf den anderen endgültig zu einem Häufchen Elend verkommen war, grabschte er im nächsten Moment nach Guts.

"Wanderer... Wasser. Habt ihr einen Schluck Wasser, bitte, sagt, Ihr habt einen Schluck Wasser und einen Kanten Brot, ich sterbe... bei den Elementen, helft mir, ich will nicht sterben.." Tränen rannen über seine zusammengefallenen Wangen, wenn er auch nicht wirklich zu weinen schien. Aber eins war sicher: Dieser Mann war halb verhungert und er hatte entsetzliche Angst.

Suanneigh stimmte sich wortlos mit Guts ab; und egal was er für richtig hielt, diesmal wollte sie sich durchsetzen und gab dem abgehalfterten Soldaten etwas von ihrem Brot und Wasser, nachdem sie ihm von der Straße geholfen hatte. Erst nach einiger Zeit begann er zu reden.

"Im Berg.. Sie war im Berg. Sie, die Dornige. Oh, das wünsche ich keinem. Keinem, das zu sehen. Zu erleben ihre Macht. Nein, das kann sich keiner vorstellen. Dann ging sie. Ging und nahm seinen Stab, hahahah! Und war weg! Die Widerwärtige..." Zwischen Bissen vom Brot verlor er sich in Gemurmel.

"Die Dornige...", wiederholte Suan und sah Guts an, "Wahrscheinlich meint er die Nyame, Esthaer, die Alte -"

"NENNT IHREN NAMEN NICHT!", schrie der Soldat plötzlich, "Sie hat ihre Leute überall. Die Kal'Hatrani-Truppen sind überall. Sie sind viel zu viele. Wir können es nicht schaffen."

Das Chiryamädchen musterte den augenscheinlichen Deserteur mit einer Mischung aus Mitgefühl und Sorge.

"Können wir nicht? Guter Mann, sagt uns, heißt das, unser Archon Karl Weber hat Esthaer nicht schlagen können?"

Der Soldat lachte.

"Nimmer. Verschwunden ist sie und hat seinen Stab mitgenommen. Damit ist er verloren. Karl Weber... hahah. Es war ein netter Versuch. Aber ich geh da nicht mehr hin. Und wenn ich dafür aufs Schafott muss."

"Deswegen folgt er ihr jetzt in die Hohld..... Ihr habt die Front verlassen", stellte Suan fest, "Wohin wollt Ihr denn nun gehn?"

"Gute Frage, ja, gute Frage, mögen die Elemente mir gnädig sein und mir altem Flüchtling verzeihen..." Er schüttelte den Kopf und starrte einige Augenblicke ins Leere. "Wisst ihr beiden, wo Goldhafen liegt?", fragte er schließlich, plötzlich zusammenhängend und fast völlig klar.

"Goldhafen? Das ist die Hauptstadt von Münzquell", sprach Suan und wandte den Blick Guts zu. Wusste er, in welcher Richtung Münzquell lag? "Was sucht Ihr denn in Goldhafen?"

"Deckung. Frauen. Schnaps. Alles, was ablenkt und... Deckung gibt. Aber ihr zwei, ihr seid doch nicht von den Truppen des Archons, oder?" Zum ersten Mal musterte er die beiden Reisenden ganz genau und zog sich zusammen wie ein Bettler, dem man die letzte Decke wegforderte.

"Sind wir nicht", antwortete Suan sanft, "Wir sind Wanderer, auf der Suche nach..." Wieder wechselte sie einen Blick mit Guts. "... was Bestimmtem. Sagt, habt Ihr auf Eurem Weg durch die Steppe Bauwerke gesehen? Oder Ruinen? Aus weißem Stein?"

Der Mann senkte den fahrigen Blick und überlegte. Er kam nicht dazu, zu antworten. Hufgetrappel näherte sich.

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MALLO UND ACHALLA
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"Das macht überhaupt keinen Sinn. Ich will nicht, dass Guts und Suan den Kal'Hatrani in die Arme laufen und Dharna und Red in die Wüste ziehen. Das ist völlig dämlich."

"Traust du den beiden nichts zu?"

"Sie waren bisher noch nie Oshead. Verstehst du? Sie waren noch nie mit uns unterwegs. Sie kennen das Land nicht. Es war dumm -"

"Sie haben sich doch dafür entschieden. Hat die Sammlerin doch selbst gesagt."

"Ja, das stimmt. Hat sie. Trotzdem." Mallo schob die Brauen zusammen und starrte nach vorn, als Achalla ihr einen Schubser gab.

"Konzentrier dich lieber auf deine Aufgabe, wie die Anderen es auch tun. Denen wirds schon gut gehn. Ganz blöd sind sie auch nicht."

"Wie redest du über die jüngsten Oshead?"

"Oho! Regnet's jetzt Konsequenzen?"

Manchmal wollte sie ihn erschlagen.

"Du kannst froh sein, dass ich bei Neome ein gutes Wort für dich einlege, wenn das hier gut rumgeht", knurrte sie.

"Und du kannst froh sein, dass die Gefährten, die du dir ausgesucht hast, nicht auf den Kopf gefallen sind, Mädchen. Die kommen schon klar. Sei mal zuversichtlicher. Die könnten das sonst als Beleidigung auffassen."

"Die wissen genau, wie ich das meine."

"Ganz genau?"

Sie schwieg sich aus. Zäh flossen die Augenblicke, bis eine Erwiderung überflüssig und dann erzwungen wirken würde. Umso erleichterter war Malen, als sich am Horizont etwas tat.

"Da", zeigte sie und ihnen war klar: Sie hatten Guts und Suan gefunden. Sie halfen sich gegenseitig auf Gleißwinds Rücken.

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WEST UND ROT (Guts/Suan/Mallo/Achalla)
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"TRUPPEN DES ARCHONS!", schrie der Deserteur. Er sprang auf und es war an dem Ghalmaren oder dem Chiryamädchen, ihn daran zu hindern, "TRUPPEN DES ARCHONS! LASST MICH! LASST MICH, ICH MUSS WEG!"

"Beruhig Euch, das sind nicht die Truppen des Archons", sprach Suan beschwichtigend auf ihn ein, "Das sind unsere Gefährten. Herr. Herr, bitte." Sie war mit ihm aufgestanden. "Hier ist niemand aus Karl Webers Armee. Und niemand will euch was Böses. Ich bin Suanneigh aus Chirya und das ist mein Gefährte aus Ghalm." Sie verschwieg Guts' Namen. Nicht jeder war freigiebig damit und das respektierte sie. "Und das sind weitere Reisende, auf derselben Suche, wie wir."

Sie sprach, und da drehte Gleißwind eine Runde um die kleine Gruppe. Achalla wuchtete sich hinunter, der Deserteur sah sich umringt und zog sich wieder zusammen.

"Wen habt ihr denn da aufgegabelt?", pöbelte der Naihlar.

"Psst, sei freundlich!", mahnte ihn Suanneigh, "Dieser Mann soll sich vor uns nicht fürchten. Er bringt Neues von der Front."

Mit einem Sprung stand Malen in ihrem Kreis.

"Wie sieht's aus?"

"Nicht gut. Er sagt, die Nyame hätte Karl seine Waffe abgenommen und sei verschwunden. Die Kal'Hattrani seien zu viele."

Das Gesicht der älteren Chirya verdüsterte sich.

"Er trägt die Farben von Shan Meng Feyn", murmelte sie den Anderen zu. Dann reckte sie das Kinn und sprach zu dem Mann: "Wieviele standen noch, als Ihr gegangen seid?"

"Alle lagen. Ich hab's euren Freunden schon gesagt, keiner will die Macht der Dornigen spüren. Nein. Warum zwingt ihr mich dazu? Warum zwingt ihr mich dazu, wieder daran zu denken?"

"Er will nach Goldhafen, um dort -", began Suan, aber Mallo schmetterte ihren Einwand ab und machte einen Schritt auf den Soldaten zu.

"Alle lagen?", hakte sie mit Schwere nach.

"Alle hat's hingelegt. Es verging, aber es war genug. Genug für mich. Und jetzt lasst mich endlich gehen."

"Sind Menschen gefallen?" Sie machte es deutlicher und entließ ihn nicht aus der Mangel.

"Ein paar, ich - ja, hallo, Mädchen, wir sind hier im Krieg! Was erwartest du? Menschen fallen! Menschen sterben! Überall! Ich will das auch nicht mehr!"

Mallo schnaubte. Sie verzog unleidlich den Mund und trat aus der Runde.

"Goldhafen liegt nördlich von hier", sagte sie harsch. Wahrscheinlich bestätigte sie damit Guts' Einschätzung.

"Wartet." Bevor der Mann fliehen konnte, hakte Suan ein. "Bevor die Anderen kamen, hatte ich euch eine Frage gestellt. Erinnert ihr euch? Nach weißen Bauten in der Steppe."

"Ruinen. Ruinen und Bruchstücke. Alles geht kaputt. Alles ist im Eimer."

"Weiße Ruinen also. Wie genau sahen die aus?"

"Steine eben! Bögen, die auf der Erde liegen. Kein Dach. Säulenreste."

"Guts! Zeig ihm die Karte!", hisste Suan ihrem Gefähren zu, während Achalla ihn mit skeptisch verschränkten Armen im Auge behielt. Suan machte die Geste, dass Guts die Karte herumdrehen sollte - sie wollte dem Soldaten die Skizze des Portals zeigen.

"Sahen diese Ruinen so ähnlich aus?"

Er schenkte der Skizze einen müden Blick.

"Ja, genau. Sag ich doch, Steine ohne Dach."

"Wo war das?"

"Ihr stellt so viele Fragen!"

"Bitte, das kann uns unheimlich weiterhelfen. Sagt uns, wo Ihr diese Bauten gesehen habt und Ihr bekommt Proviant mit für Euren Weg."

Mallo hatte aufgehorcht und war herumgefahren. Sie musterte die Gruppe aus geringem Abstand. Der Soldat zog ein gequältes Gesicht und seufzte.

"Ich... war an Tinderos vorbei. Glaube ich. Es lag hinter mir. Ich hatte in einer Senke geschlafen. Ich dachte, da war mal ein Haus gestanden. In der Ebene von Tinderos."

"Danke", sagte Suan triumphierend und machte sich daran, dem Mann den Weg zu öffnen und in ihrem Rucksack zu kramen, um ihr Versprechen einzulösen.

"Wisst ihr, wo Tinderos liegt?", fragte Malen indes. Sie musterte die Anderen mit einer Anspannung und in Resignation gespanntem Kiefer. Dann sah sie Guts folgeträchtig an. "Weit im Norden von hier. Zwischen Oron und Münzquell und noch nördlicher. Wenn er recht hat.... suchen wir völlig am falschen Ort."

Nachdem klar geworden war, dass der Soldat ihnen nicht mehr helfen konnte, trennten sich ihre Wege. Die Reisenden würden in einer heruntergekommenen Schenke Rast suchen, die unweit der Südgrenze an der Handelsstraße stand. Während ihr Weg sie noch die letzten Meter zusammen führte, wandte Malen sich an Guts.

"Was der Mann gesagt hat... es ist der einzige Hinweis, den wir bisher haben. Wenn das stimmt und ein Portal in der Ebene von Tinderos liegt, müssen wir dem Hinweis nachgehn. Aber wir haben nicht genug Zeit, es gemeinsam zu tun." Sie musterte das Profil ihres Freundes; Er wusste sicher, worauf sie hinauswollte. "Tust du das für uns? Ich weiß, es ist viel verlangt. Aber ich frage dich, Guts. Reitest du für uns nach Tinderos?"

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DHARNA UND REDRIC
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Er war still gewesen am Anfang ihres Weges und eigentlich unverändert in seinem Gehabe; Und doch schien irgendwas, ein Thema, zwischen ihnen zu stehen und Redric nur so darauf zu warten, dass es angesprochen wurde und sich nicht zu helfen zu wissen, es als Erster zu tun. Seine Witze waren ein bisschen verkniffener, sein Lächeln ein wenig weniger entspannt; Aber er war einfach zu lesen und immer noch der einfache, hilfsbereite und töricht mutige Kerl, der nur Augen für die Eine hatte. Und wenn sie sprach, gab er sich Mühe, aufmerksam und einsichtig zu sein, wobei er nie etwas von seiner Grundehrlichkeit verlor. Immerhin waren sie nun wieder auf sich allein gestellt und sie mussten zusammenhalten.

Sie waren gerade mal einen Tag unterwegs gewesen, als der Horizont - selbst in der Nacht - düsterer wurde.

"Da hinten braut sich wohl ein Unwetter zusammen", sprach der Ghalmar, "Mir gefällt das nicht."

Mehrere Tage lag der Schleier weit vor ihnen, aber nichts geschah. Nur die Sonne wurde mit dem Voranschreiten der Tage immer gnadenloser und die Nächte immer schwüler. Tagsüber drückte die Hitze den beiden Ghalmaren richtig auf die Köpfe und forderte den Großteil ihres Wassers, als sei die Wüste endlich auf sie aufmerksam geworden und hätte nicht mehr vor, sie aus ihrem Griff zu entlassen.

Redric ließ Sparsam- und Enthaltsamkeit bei allen Vorräten walten, aber sah selbst ein, dass es keinen Sinn machte, wenn Einer sich zu Gunsten des Anderen opferte. Er wollte hier genausowenig eingehen wie seine Gefährtin, also benahm er sich möglichst sachlich und hilfreich. Eigentlich sollten sie bald in Sichtweite der Küste gelangen. Wenn nur nicht der Schleier am Horizont wäre....

.... Und dann kam der Sturm. Nicht, wie sie ihn aus Gewitternächten aus Ortac kannten, nein: Der Wind kam und mit ihm der Sand. Wilde Böen rissen die Wüste in die Höhe, ließen ihre Partikel herumwirbeln und in alle Ritzen und Löcher schießen und was das Fatalste war: Der fliegende Sand färbte alles trüb. Sie würden sich verlieren, wie in Nebelschwaden, wenn sie nicht aneinander festhielten.

"Hier, nimm das!", rief Redric Dharna zu und reichte ihr eines seiner Hemden, "Bind es dir um. Ich weiß, riecht nicht grade toll, aber Sand zu atmen macht bestimmt keinen Spaß!" Er selbst zerschnitt eine seiner Hosen und wickelte sich das lose Bein um Mund und Nase. "Wir müssen Deckung finden und abwarten. Oder? Wenn wir weitergehen, verlieren wir jede Orientierung!"

Wieder hatte sich der Horizont verändert; Und es war, als schimmerte in der Ferne das Grün von hohen Bäumen, saftiges, wasserreiches Grün. Oder spielte ihr Durst, ihre Müdigkeit, das Wetter ihnen einen Streich? Wenn sie die Richtung anstrebten, würde der Weg beschwerlich werden, aber vielleicht fänden sie eine weitere, rettende Oase, Wasser, Früchte, endlich etwas Lebendiges in der Einöde. Vorausgesetzt, es handelte sich nicht um ein Trugbild der Wüste. Es zu riskieren war ein wenig lebensmüde. Schutz hier, hinter einem Felsen oder in einem Graben zu suchen und abzuwarten schien das Vernünftigste, aber wie lange würden ihre Vorräte noch halten? Und wie sicher waren sie gegen das Aufbäumen Terras, das ihnen gnadenlos und undurchsichtig entgegenpeitschte?
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Dharna
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Di Mai 23, 2017 4:19 am

Suans Hilfe wurde dankbar angenommen und anfangs schüttelte Dharna noch den Kopf, bevor sie doch einlenkte. "Nichts wildes. Ne Beule am Kopf und die Schulter schmerzt etwas. Vielleicht geprellt? Nein. Nein keine Prellung. Ich glaub irgendwas eingeklemmt?" Also letztendlich nichts, was nicht in ein paar Tagen wieder weg wäre, wenn auch ärgerlich für den Moment- sah man von der leicht angesenkten Bluse ab, die ein Andenken vom brennenden Räuber behielt.

Später auf der Reise dann, begnügte die Archivarin sich den ersten halben Tag mit Schweigen, bevor sie sich Redric doch zur Brust nahm.

"Mach sowas nicht wieder, ja? Das war...mutig, aber auch dumm. Wir sind nicht hier raus gegangen, um uns sinnlos zu opfern, hörst du? Vor allem du nicht. Bei sowas muss man klug vorgehen. Die hatten wahrscheinlich nur Hunger, vielleicht hätte man eine friedliche Lösung finden können, oder aber, ich wäre mit ihnen mit gegangen und dann hättet einfach ihr sie überfallen, sobald die anderen zu dir gestoßen wären. Dann wären wir in der Überzahl gewesen. Ich hätte euch ne Spur legen können und die vier behindern. Ich gehe gerne langsam, hehe."

Hatten die Worte auch ernst begonnen, lachte sie am Ende doch schon wieder und knuffte dem Kämpfer in die Seite. "keine sinnlosen Heldentode, wenn man erst mal das Köpfchen benutzen kann, ja? Das versprichst du mir jetzt. Ich will den anderen nicht erklären müssen, warum ich deine toten Überreste hinter mir her ziehe. Das ist ziemlich unschick. Ausserdem bist du zu schwer und die Wüste zu groß." Ein gutes Stichwort, denn die Umgebung forderte bald mehr Schweigen von der Archivarin, die schon am zweiten Tag die gewählte Route bereute.

"Das war, glaube ich, die dümmste Entscheidung, die ich in den letzten Jahren getroffen habe. Gleich nach dem Kauf einer zu kurzen Bluse. Ja wirklich, diese Route war eine der dümmsten Entscheidungen." Doch sie blieb verbissen und kämpfte sich mit ihrem Kameraden durch die verdammte Wüste und sparte an den Rationen, so gut es eben ging. Redric und auch Esel, wurde immer wieder gut zugesprochen, wenn vielleicht auch unnötigerweise und bald schon einigte man sich, die Reisezeiten etwas zu ändern, damit man nicht in der prallen Mittagssonne marschierte, sondern zu angenehmeren Zeiten, wo die Temperaturen einen nicht so quälten.

Als sich dann der Sturm ankündigte, nahm sie Redrics Angebot nur zu gerne an und schnaubte nur, als er den Geruch erwähnte. "Als würde ich gerade nach gräfischen Rosenwasser riechen! Sowas nennt man den Duft des Abenteuers!" Wahrscheinlich hätte sie auch eine drei Wochen durchschwitzte Socke im Mund akzeptiert, hätte es irgendwie geholfen.

"das wäre das klügste, ja, ja, das wäre das klügste." aber die Art wie sie es betonte- und die Art für die sie bekannt war- ließen schnell erahnen, dass sie nicht gerne zu den klügsten Optionen griff. Tatsächlich suchte das Weib nunmehr Rat beim Esel, der nicht minder erschöpft war, wie seine zweibeinigen Gefährten. "Hoch das Näschen Dickerchen. Riechst du was gutes? Ausser uns? Na hopp." Doch selbst wenn er sie verstand, fiel die Reaktion des Tieres recht trist aus und somit blieb es beim Schutz vor dem Sturm suchen.

"nehmen wir den Felsen, der ist gut. Und die Zeltplane. Flach spannen, damit wir Schutz vor dem Wind und dem Sand haben. Wir setzen uns auf die Enden, oder so hehe. Und wenn der Sturm vorbei ist, dann schauen wir ob die Oase noch da ist!" Dharna blieb zuversichtlich, selbst jetzt noch- aber wahrscheinlich war es auch das letzte, was sie gerade noch hatte, als man den Esel in den Schatten des Felsen lotzte und zur Rast zwang. Somit sollte zu mindestens der gröbste Sturm erst mal ausgesessen werden in der Hoffnung, er würde nicht länger anhalten, als noch Kräfte vorhanden waren...~
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Guts
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BeitragThema: Re: Die Suche vieler Augen   Mi Mai 31, 2017 12:02 am

"Wenn sie an keine Götter glauben, die sie richten könnten, dann müssen es eben Menschen tun, aber nun gut, lass sie laufen, sie werden uns nicht finden und einholen er recht nicht, vielleicht war ihnen das eine lehre."


Suan machte Guts auf die Silhouette einer Person aufmerksam.

"Noch mehr Feinde? Habend diese Räuber denn nicht genug?"

Bei näherem betrachten konnte man nun sehen das dem nicht so war. Ein mann von der front? alte zerissene uniformteile bedeckten seinen körper.

"er muss einiges durchgemacht haben." dachte sich guts.

nun schaute er zurück zu suan. sie sagte etwas, aber guts war noch in gedanken vertieft, verwirrt von dem anblick des mannes.

plötzlich fällt er auf die knie.
"los steh auf, wir tun dir nichts, was ist denn los mit dir?

er erzählte den beiden was geschehen war, nachdem er von suan brot und wasser bekam.

"die dornige, stab? karl weber? täusch ich mich oder redet er vom archon und dieser verrückten nyame?"

er dachte nicht schlecht von ihm, wieso eine schlacht schlagen die man nicht gewinnen kann, leichtfertig sein leben wegwerfen wenn man noch so viele interessante dingen tun kann.

guts lachte als der soldat über seine pläne in goldhafen erzählte, er hätte es wohl nicht anders gemacht.

pferde näherten sich, der mann krümmte sich vor angst, jedoch waren es freunde, keine feinde.

"sei ruhig alter knochen, das sind unsere freunde, die tun dir nichts."

Mallo und Achalla, beide waren verwirrt, verwirrte als guts und suan.

"ist wohl ein soldat aus der front, er hat neuigkeiten und informationen, du wirst wohl dami mehr anfangen können mallo."

mallo war sichtlich gestresst von den dingen die er erzählte, jedoch vergaß sie nciht warum sie da waren.

als der soldat von den ruinen erzählte wurden mallos augen größer und sie schienen zu glänzen.

"alter hurenbock! also war unser proviant doch nciht verschwendet, der mann hat nützliche informationen!" ein lächeln machte sich bret auf guts gesicht, die ganze arbeit schien doch nicht umsonst gewesen zu sein.

er redete nun nicht mehr viel, der abschied war dennoch von dankbarkeit in seinen augen gezeichnet. er hatte überlebt und wir wichtige informationen, ein fairer tausch.

mallo wandte sich an guts.
"ich weiß schon was du willst mallo"
sie trug ihr anliegen vor. er seufzte

"ja natürlich mach ich es, wir haben ja auch keine große wahl, wenn ich wirklich nur gen norden reiten muss, werde ich schon dieses dumme tinderos finden. ich werde meine tasche sortieren, schnappe mir findel und reite gleich los."






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