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 Kelch und Rose

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Nepheruna Banokborn

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Anzahl der Beiträge : 25

BeitragThema: Re: Kelch und Rose   So Mai 06, 2018 4:12 pm

​Die Taverne hatte Nef schon bei ihrer Ankunft gefallen. Selbst wenn sie nur behaupten konnte, das Schild beiläufig in Augenschein genommen zu haben.
Der Name war verheißungsvoll und edel - vermutlich weil er sie an die schöne Göttin erinnerte. Was war Rahja in der Symbolik näher als ein Weinkelch und passend dazugehörige Rosen? Und trotzdem deuteten die Hafenlage und das rustikale, aber sehr geräumige Gebäude darauf hin, dass die Kundschaft von Seefahrenden strotzen würde.

​Sie selbst hatte kaum Erfahrung mit der Seefahrt - zumindest nicht als Matrose oder sonstige helfende Hand an Bord. Zwar wurde sie nicht seekrank, außer eines dezenten Schwindelgefühls, aber sie war immer eher die typische Städterin gewesen. Und nicht einmal Hafenstädterin. Bis jetzt nicht.

Aber trotz dem sich ihre Schiffserfahrung auf das schlichte Passagierdasein beschränkte, gefiel ihr der heiter-raue Umgang der Seefahrenden. Zumeist. Wenn irgendwann zuviel Alkohol geflossen war und Leichtigkeit zu Leichtsinnigkeit wurde, schränkte das ihren Wohlfühlgrad doch einen Deut ein. Bölkende Saufnasen zu ertragen, die sich für die Herren über die Zwölfe hielten - noch mehr als sonst - gehörte zumindest nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen.
Phexdan und sie suchten sich einen Tisch. Die Taverne war brechend voll. Irgendwo wurde gesungen, aber die Frau in den roten Gewändern konnte die Quelle nicht ausmachen, obwohl sie mit einem hohen Wuchs gesegnet war.
Sie nahm die weite rote Kapuze vom Kopf und offenbarte zahlreiche geflochtene Zöpfe, die mit Ringen und Perlen aus silberfarbenem Metall geschmückt waren. Und rote Holzperlen.
Sie hatte es sich nicht nehmen lassen können, selbst ihr Haar mit etwas Rotem zu garnieren.
Ein Tisch war völlig frei. Mit leichter Skepsis musterte Nepheru diesen ungewöhnlichen Umstand. Rappelvolle Taverne - gähnend leerer Tisch. Das sah nicht nach einem guten Platz aus.
Ihr schwarz umrahmter Blick fand die Treppe. Notfalls sollten es vorerst auch Stufen tun.
Sie schob sich so kollisionsarm wie es ihr möglich war durch die feiernden Leiber - als es schräg hinter ihr lauter wurde. Keine Lautstärke, die mit Gesang und Applaus zu tun hatte. Eher die Geräusche einer gewaltbereiten Auseinandersetzung..
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Feqzjian

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   So Mai 06, 2018 4:20 pm

Kelch und Rose., dachte er bei sich und betrachtete das Schild, das außen an dem Hafengebäude befestig war. Eine Mischung die er sich nur bei Menschen der gehobenen Schicht vorstellen konnte, die der Schwermut verfallen waren.
Seht Mutter. Ich stach mich an der Liebe, die diese Rose verkörpert. Und dann war da dieser Kelch. Mir ist schwer ums Herz, Mutter!, spann er sein Garn weiter und begann leise zu lachen, ehe er zu Nef hinübersah. Sie hatten sich für einen Ausflug in die Taverne entschieden, die seine Gefährtin schon bei ihrer Ankunft ins Auge gefallen war und die er bei einem ersten Besuch für annehmbar befunden hatte.
Er strich sich durch die dunklen, zerzausten Haare und besah sich die Leute, die die Taverne gerade verließen. Immerhin keine Milchtrinker wie es aussah. Und vermutlich würden sie dort nicht einmal auffallen. Neferunas Rot fand sich in den bunt zusammengewürfelten Kleidungsstücken vieler Besucher wider und er selbst trug mit seinem blauen Hemd auch nicht gerade auf. Optisch offensiver waren dagegen seine farbenfrohe Weste und die hell bedruckte, dunkelblaue Hose. Aber man ging ja schließlich auch in eine Taverne, um Anschluss zu finden und Menschen kennenzulernen. Außerdem war es der beste Ort um Neuigkeiten aufzuschnappen und Gerüchte zu erfahren, die möglicherweise mehr andeuteten als es schien.

Mit einem Schulterzucken folgte er der Roten über die Türschwelle und hob eine Braue, als sein Blick auf den gänzlich leeren Tisch fiel. Einen Augenblick war er versucht ihn zu beschlagnahmen, aber normalerweise gab es einen Grund für einen derart hervorstechenden Ort. Entweder der Abort lag direkt daneben und es stank nach Pisse oder aber irgendein Bandenanführer verprügelte jeden, der sich seinem ach so wertvollen Stück Holz näherte. Er war – heute – auf beides nicht unbedingt scharf.

Während er sich noch nach einem anderen Sitzplatz umsah und die unbequemen Treppenstupfen dabei geflissentlich ignorierte, krachte zu seiner Linken etwas und Rufe wurden laut. Das war ein Geräusch, das er kannte.
Als er sich herumdrehte konnte er die Quelle des Lärms ausmachen. Eine rothaarige Frau machte sich gerade bereit ihre Stellung gegen einen deutlich größeren Seemann zu halten. Ein schmales Grinsen erblühte auf seinen Lippen. Offenbar hatte sich da jemand an den falschen Tisch gesetzt…
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Gwen

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   So Mai 06, 2018 6:02 pm

Zwei Schiffe hatten neu angelegt - entsprechend voll war es in der Taverne. Entsprechend voll waren auch die Gäste. Gwen hatte sich von Frombak, einem Wirt in einer Taverne, in der sie während ihrer Reise nach Westfurth ausgeholfen hatte, abgeschaut, einen Meinungsverstärker hinter dem Tresen zu positionieren. Nur für den Fall. Frombak hatte der Meinungsverstärker leider nicht geholfen. Er hatte sich mit den falschen Leuten angelegt. Sie hatte nicht vor, seinen Fehler nachzuahmen. Deshalb beobachtete sie erst eine Weile, als an einem der Tische eine Art von Unruhe laut wurde, die ihr ganz und gar nicht gefiel. Es war die Art von Unruhe, die mit Scherben und Aufräumarbeit und an mir bleibt es wieder hängen in Verbindung stand, die Art, für die einen niemand extra bezahlte - und wer hätte es auch tun sollen, es war immerhin ihre Taverne.

Eine Sekunde war sie abgelenkt von den Gestalten, die sich in den Raum schoben. Neue Gesichter. Aber...irgendwie bekannt.
Dann krachte es.
"Oh nein. OTI!"
Ihre Klage hatte sich nur halb über die aufbrausende Begeisterung - war es überhaupt Begeisterung? - erhoben, da rannte sie bereits stramm zu der Tür in der Nähe des Ausschanks, riss sie auf und rief ins Atrium hinaus. Das war keine Sache für einen Knüppel. Zumindest nicht von ihrer Hand geführt.
"Oti! Yawade!" Gwendola war keine Naihlar, aber sie wusste, dass derjenige, den es an dieser Stelle brauchte, besser hörte, wenn man ihn auf seiner eigenen Sprache aufforderte. Es war nützlich, ein paar Brocken Chollodann zu verstehen. Schon, um zu wissen, wann man von einem dreckigen Gomba beleidigt wurde oder wann sie planten, einem hinterrücks um seine Habe zu bringen.
Es stand zu hoffen, dass Oti sie gehört hatte. Doch falls nicht...Gwen raffte den Rock - eine unsinnige Übersprungshandlung, da sie nicht vorhatte, irgendwo hinzugehen - ließ ihn wieder fallen und griff beherzt nach einer Pfanne.
"Es reicht! Schluss! Geht ins Kartenhaus, wenn ihr euch prügeln wollt!"
Innerlich musste sie sich eingestehen, dass eine Prügelei hin und wieder zum guten Ton eines solchen Etablissements gehörte. Genauso aber, sie zu unterbinden.


Zuletzt von Gwen am So Mai 06, 2018 6:19 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   So Mai 06, 2018 6:15 pm

Yawade. Schnell. Das musste man Oti nicht zweimal sagen. Es hätte auch nichts genutzt, denn er hatte nur eine einzige Art von Geschwindigkeit. Wer seine Bewegungen sah, war geneigt, sie als behäbig zu empfinden, dabei waren sie so zielstrebig, dass es vor ihnen kaum ein Entkommen gab. Möglicherweise lag es an der Reichweite seiner Arme, denn der Mann, der durch die Tür kam, durch die hindurch das Wirtsmädchen ihn gerufen hatte, war noch einen halben Kopf größer als sehr groß. Er mochte 35 sein. Oder 55.

Als er den Aufruhr sah, verzog er keine Miene. Er blieb neben dem Tresen stehen, verschaffte sich einen Überblick und erkannte sehr schnell, von wo der Funken übersprang. Und dorthin ging er.
Eine Frau und ein Mann, gerade dabei sich an die Gurgel zu gehen. Was ihm bis dahin im Weg stand, schob er auf die Seite. Diejenigen aber, die öfter hier zu Gast waren, wichen von selbst zurück, um sich dann hinter ihm zu einem Kreis aus Gaffern oder Gehilfen zusammenzuschließen. Vor allem die wettergegerbten Seeleute mit roten und schwarzen Kopftüchern, mit Muscheln behangen und goldenen Ringen im Haar und einer Sprache, die wie Peitschenhiebe durch den Schankraum knallte, waren begeistert, sich ihm anzuschließen und seine Arbeit zu verfolgen. Irgendwo wurden schnelle Wetten gemacht. Ein anderer wollte sich am Kampf beteiligen und wurde von seinem Kumpanen zu Boden gerungen, ehe er überhaupt eine ernsthafte Anstalt machen konnte.

Oti achtete ihrer nicht. Er hatte den Ursprung des Ärgers im Blick. Der Hüne war einer der Naihlar, der Seefahrer, von denen es in der Hafengegend nur so wimmelte, offenkundig erkennbar an seiner Bronzehaut und den Goldringen im dicken Zopf, der ihm aus dem hinteren Teil seines sonst kahlen Kopfes wuchs. Allerdings robuster als jeder, den man an Docks herumlaufen sah. Er trug kein Hemd, dafür Ketten aus Holz, Perlen und Zähnen.
Mit einer Pranke, deren Griff als Schraubstock zu beschreiben schmeichelhaft wäre, packte er in das Klüngel aus Frau und Mann. Er wollte lieber den Kerl am Schlaffitchen packen als die Frau, aber wenn es notwendig war, etwa durch ihre Position oder ihr Verhalten, schnappte er auch nach ihrem Kragen.


Zuletzt von Oshead Erzähler am So Mai 06, 2018 10:40 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Eilynn o'Mara

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   So Mai 06, 2018 10:11 pm

Nachdem sie sich auf den Hünen gestürzt hatte, war die Welt um sie herum endgültig in ein Chaos übergegangen, das den Schlachten von vor einigen Monden, als sie noch um die Freiheit Mythodeas gekämpft hatten, um nichts nachstand. Das Blut rauschte in ihren Ohren, blendete jede andere Geräuschkulisse zu einem dumpfen, monotonen Pochen aus. Was zählte war der Hüne, auf dessen hölzerner Brust sie gelandet war und der Probleme zu haben schien, ihre unkontrollierten Bewegungen abzufangen. Er mochte vielleicht schwerer und stärker sein als sie, doch war er weitaus behebiger und nicht weniger waren seine Sinne durch Gesöff benebelt wie die ihren.
"NUR. EINEN. VERFLUCHTEN. MET. DU. BASTARD." Jedes ihrer Worte wurde von einem Schlag in die ungefähre Richtung seines Gesichtes begleitet und wann immer ihn einer traf, grunzte er unzufrieden auf und setzte eine Faust in ihre Magengegend nach, die sie zusammenzucken, aber nicht langsamer werden ließ. Eher schürte es die Glut der Rage nur noch mehr, in die er sie überhaupt erst gebracht hatte.
"NICHT EINMAL DAS WIRD MIR GEGÖNNT? HAST DU WENIGSTENS WILLIAM GESEHEN?" Er bekam eine ihrer fuchtelnden Arme zu packen und seine Finger schlossen sich schraubstockartig. Ein leiser Schmerzenslaut entwich ihrer Kehle, gefolgt von einem überraschten Japsen als er mit einem Mal seine Behändigkeit wiederfand und sie einfach mit einem Ruck von sich runterwarf und sich aufrappelte, ihr Handgelenk immer noch fest umschlossen.
"WEISS EURE MUTTER WAS IHR HIER-" Der Rest des Satzes ging in einem Gurgeln unter, als er sie zu sich heranzog. Sein heißer Atem schlug ihr entgegen und das letzte Bisschen nüchternem Verstand, der noch irgendwo in ihr schlummerte, erwachte mit einem erschrockenen Laut aus seinem vernebelten Schlaf der Gerechten. Der Blick, der sie traf, trug pure Mordeslust in sich. Instinktiv versuchte sie von ihm wegzukommen, was jedoch nur in einem stechenden Schmerz resultierte, der durch ihr Handgelenk zuckte. Sie wollte gerade wieder zu einer weiteren, dieses Mal eher defensiven Tirade ansetzen, als scheinbar aus dem Nichts zwei Hände in ihre diffuse Blase des Kampfes eindrangen und nicht nur den Hünen ihr gegenüber, sondern auch sie am Kragen packten. Ihre Hand wurde mit einem Mal losgelassen und ließ sie, des Haltes plötzlich beraubt, ein paar Schritte zurückstolpern. Ihr orangenes Hemd spannte sich unter dem festen Griff des Mannes, der die Realität mit Bestimmtheit zurück in ihrer beider Welten gebracht hatte. Blinzelnd, wie aus einem Traum erwacht, richtete sich ihre Aufmerksamkeit nun auf den Neuankömmling, Blut hochschniefend und langsam in die Wirklichkeit der resultierenden Schmerzen eintauchend.
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Nepheruna Banokborn

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mo Mai 07, 2018 9:12 am

"Großartig! Da sind wir ja gerade zum richtigen Zeitpunkt gekommen - es scheint gleich ein Platz frei zu werden." erklang Nepherunas dunkel-samtige Stimme in nüchternem Scherz - sie war sich nicht sicher, ob Phexdan es zwischen dem Getöse überhaupt hören konnte.
Auch wenn sie als Kind in einer schmuddeligen Kaschemme in Gareth-Eschenrod gelebt hatte, war sie kein Freund von Schlägereien. Es konnte einfach viel zu schnell ausufern. Und am Ende gab es Tränen. Oder Schlimmeres. Und irgendwer durfte alles und jeden aufsammeln und flicken. Und irgendwer anders bereute für den Rest seines Lebens, an diesem Abend die Kontrolle verloren zu haben.
Allerdings hatte sie gar nichts gegen Menschenmassen - im Gegenteil. Sie fühlte sich äußerst wohl in mitten der wogenden Masse. Es gab ihr das Gefühl eingebettet und sicher zu sein.
Sie begann sich den Kämpfenden vorsichtig und langsam zu nähern. Irgendetwas musste doch getan werden.

Nepheruna atmete heftig und scharf ein, als einer der Schläge die Rothaarige traf. Kurz hatte sie zwischen all den Leuten ihr Gesicht sehen können. Es tat der Rotgewandeten weh, wenn sie den Moment des Schmerzes in den Gesichtern anderer sah.
Unbewusst griff sie ohne genaues Ziel in den Wust aus Halsketten und Amuletten, die ihren Hals schmückten. Glücksbringer und Erinnerungen, allesamt.

Stimmen wurden laut, Begeisterung brandete urplötzlich auf.
Einige andere hoben schützend ihre Hand auf das Getränk und trollten sich - sie wollten wohl nicht verschüttet sehen, wofür sie Taler gelassen hatten.
Nef sah sich um und weitete die großzügig mit schwarzer Farbe umrahmten Augen.

Sie war mittlerweile auf halber Strecke am Tisch der Streithähne angelangt, als sich ein Koloss von Zweibeiner durch die Menschen schob, wie ein Pflug durch die Erde.
Was für ein Kerl!
Sie musste mit Anerkennung zugeben, dass sie in Aventurien noch nie einen solch prachtvollen Riesen gesehen hatte.
Auch da liefen große Typen herum, aber ihr war noch nie ein so eindrucksvoller Hüne begegnet - nicht zuletzt wegen seines Modegeschmacks. Dieses Exemplar hatte ihrem Empfinden nach in seiner Exotik etwas Schönes an sich. Wie so vieles in Gutenbucht.

Nef hörte die rothaarige Seefahrerin - zumindest vermutete sie, dass sie eine Matrosin war  - rufen.
William? Sie suchte einen William?
Sicher, mahnte sie ein Gedanke, es gab hunderte von Williams, keine voreiligen Schlüsse.
Aber auch Williams, die im Dunstkreis eines aventurischen Flüchtlingslagers von einer rothaarigen Abenteurerin gesucht wurden..?
Die Wochen bevor sich der William während der Kämpfe in Neu-Zackenberg mit der Bauerstochter nach Irgendwo in Sicherheit gebracht hatte - war es eine Bauerstochter gewesen? Ein Müllermädchen? Unwichtig - hatte er zumindest den ein oder anderen Wink aus seiner Vergangenheit erzählt..

Nef wich Oti aus, nur um sich dem Schweif von Leuten anzuschließen, die ihm folgten, um in erster Reihe zu stehen, während er sein kraftvolles Werk verrichtete.

Früher hätte sie in einer Situation wie dieser weit emotionaler und vor allem kühner reagiert.
Sie hätte sofort versucht einzugreifen, wäre dem anderen Frauenzimmer solidarisch zur Seite geeilt, um dem ungehobelten Klotz Einhalt zu gebieten- vorrangig mit schlichtenden Worten.
Notfalls mit der ganzen Kraft ihres keineswegs kampfgeschulten Körpers.  
Es mangelte ihr nicht an Kampfesmut - eher an Können.
Vielleicht hätte man den aggressiven Kerl - und für Nef stand außer Frage, dass der Mann Schuld hatte an der ganzen Sache - mit einem Lachen über ihre mangelnde Schlagkraft aus dem Konzept bringen können...
Sie war gewandt, sie konnte ausweichen.. hatte aber gerade im Raufen ihre Defizite.
Heute ging sie nüchterner und durchdachter vor.
Der Bronzekoloss würde das Kind schon schaukeln und sie selbst...
Ein kurzer Blick auf ihre rechte Hand vergewisstere sie, dass sie das Richtige aus der Tasche gezogen hatte: Einen aufgerollten Verband.
Sie musste aktiv werden und etwas tun. Scherben aufsammeln.

Man hatte sich anpassen müssen. Selbst wenn sie nie ein großes Talent in der Heilkunst gewesen war, hatte sie die letzten Monate aus der Notwendigkeit heraus im Lazarett ausgeholfen. Ihr Leben hatte sich sehr gewandelt.
Und endlich wandelte sich auch der Zweikampf: Mit der Emsigkeit eines Zweispänners von Ferrara hatte der Hüne alles beiläufig aus dem Weg geputzt - oder es hatte sich freiwillig schnellstens entfernt - und langte nach der Rothaarigen und ihrem Kontrahenten.
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Feqzjian

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mo Mai 07, 2018 1:11 pm

"Hoffentlich müssen wir den Tisch nicht selbst wieder aufrecht hinstellen.", erklang über den Lärm des ausbrechenden Kampfes hinweg eine gespielt empörte Antwort.
Interessiert suchte der grüne Blick des Freischärlers die Gesichter in der Menge nach Anzeichen von Emotionen ab. Er fand Begeisterung, Angst, Aufregung und Gleichgültigkeit - Ärger allerdings ließ sich nirgendwo entdecken.
Er selbst fühlte sich wohl. Das Gedränge in dem Schankraum erinnerte ihn an die verstopften Gassen seiner Heimat. Es war laut, es wurde gesungen und nachdem die Schlägerei erst einmal ihren Anfang genommen hatte, kam auch Bewegung in die Leiber rund um ihn herum. Und immerhin - er hatte ja noch keinen teuer bezahlten Krug, dessen Inhalt sich der anhaltenden Furore wegen auf dem Boden hätte verteilen können.

So folgte er Nef durch das Getümmel, um einen besseren Blick auf das Geschehen zu bekommen. Sein erster Eindruck war, dass die beiden Gegner verhältnismäßig ungleich waren. Die Frau am Tisch schimpfte vor sich hin wie ein Rohrspatz, während ihr ungleich breiterer und größerer Gegner sich tapfer dabei hielt der Welt zu beweisen, dass sie deutlich einfacher zu treffen war als der tatsächliche Vogel. Sie steckte einige sehr unschöne Treffer ein und rief dann einen Namen - vielleicht ein Begleiter, der ihr zur Hilfe kommen sollte.
Alles in allem sah die Auseinandersetzung beiderseitig eher unkoordiniert aus. Weder war einer der beiden sehr auf seine Abwehr bedacht, noch suchten die Schläge gezielt Körperstellen, die die Kampfunfähigkeit herbeiführen würden. Eine richtige Kneipenschlägerei eben.

In diesem Augenblick erfasste ihn die menschliche Bugwelle eines Hünen, der sich unbarmherzig einen Weg durch die aufbrechenden Menschenmenge bahnte. Er wich ihm mit den intuitiven Bewegungen aus, die eine Einzelperson dazu verleiten, sich mit den Leuten um sie herum im Gleichklang zu bewegen und geriet so in die Traube der Schaulustigen hinter ihm, wo er gegen Nefs Seite gedrückt wurde, an der er ohnehin zu bleiben gedachte.
Wenn die Schlägerei sich nicht wie ein Lauffeuer ausbreitete, dann sah er keinen Anlass sich einzumischen. Weder kannte er einen der beiden Kontrahenten, noch war hier wirklich um das Leben eines der Beteiligten zu fürchten - was ihn bei einem völlig Fremden ebenfalls nicht unbedingt um seinen hypothetischen Schlaf gebracht hätte. Davon abgesehen erging sich der menschliche Berg, um dessen Rücken er spähen musste, um Details zu erhaschen ohnehin gerade in der Gewalt einer abgehenden Lawine und schien vor zu haben die beiden Streithähne von seinem Hang zu fegen.

Aber immerhin - ein Tisch würde frei und dann...
Er sah zu Nefs Hand hinab, die gerade einen Verband aus ihrer Tasche zum Vorschein gebracht hatte. Den Tisch konnte er also vermutlich vergessen. In anbetracht der bisherigen Verletzungen zielte die Vorbereitung seiner Begleiterin auf den weiblichen Teil des gewalttätigen Arrangements ab.
Beiläufig tastete er nach den Klingen seiner Messer, um sich ihrer Anwesenheit zu versichern.
Zwar würde er sie hier drinnen nicht brauchen, aber seiner Erfahrung nach gerieten nach solchen Gewaltausbrüchen auch gerne die Helfer einer der Parteien in das Visier der jeweils anderen. Es war also in keinem Fall unklug sich darauf vorzubereiten etwaige Angriffe auf seine Gefährtin schnell und effektiv zu unterbinden.
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Gwen

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mo Mai 07, 2018 10:28 pm

"Ach kommt schon! Wirklich?" Die Bratpfanne in der Hand wie einen Redestab, lehnte Gwen in der Sicherheit hinter dem Tresen und beschränkte sich darauf, unheilbringend zu schauen. Sie war ein wenig unschlüssig dabei, doch es fiel nicht auf, da niemand sie beachtete.

Oti kümmerte sich ums Grobe. Dafür war er da. Seine Verantwortung ging mittlerweile darüber hinaus und manchmal, wenn sie ehrlich war gar nicht so selten, übertrieb Gwen etwas mit den neuen Rollen und Aufgaben, die sie ihm zuteilte; aber es war immer noch das, was er am besten konnte. Er sorgte für Ruhe, schnell, kurz und schmerzlos. Zumindest in vielen Fällen.

Mittlerweile hatte auch Gwen erkannt, dass der Streit zwischen einer Frau und einem Mann entbrannt war. Die Frau schien aggressiver zu sein als der Mann - zumindest für die Ohren. Trotzdem setzte sich der Eindruck durch, dass sie nicht diejenige gewesen war, die den Stein ins Rollen gebracht hatte.
Ein Name fiel. William. Zumindest bei Gwendola klingelte ein Glöckchen, irgendwo im diffusen Raum zwischen Überforderung der Gegenwart und Erinnerung. Langes Haar, ein Kopftuch. Oder? Jedenfalls wusste sie plötzlich wieder, woher sie die anderen beiden kannte, die gerade in die Taverne gekommen waren...zumindest mit dem Burschen hatte sie gesprochen. Sie hatte ihm und seinen Leuten gesagt, sie sollten mal in den Kelch kommen. Innerlich runzelte sie die Stirn. Da hatten sie sich einen guten Augenblick ausgesucht...

Jetzt war nicht die Zeit, die beiden zu begrüßen. Entscheidungen mussten getroffen werden.
"Oti...warte.."
Gwen legte die Bratpfanne weg, ehe sie sich unter die Menschen mischte. Sie machte sich ein Bild von beiden Streitenden, von der Frau mit dem roten Haar und dem Kerl, mit dem sie sich angelegt hatte. Sie machte sich dieses Bild aus der zweiten Reihe und wollte gar nicht in die erste.
"Wirf ihn raus", beschloss sie. Es klang nach einer willkürlichen Auswahl. Auf der anderen Seite war ihr Ausdruck fest genug, auf irgendetwas zu gründen.

Gäste stöhnten enttäuscht auf, applaudierten oder fanden viel zu schnell zurück in ihre alltäglichen Gespräche. Einer Pfiff den Ausgang der Prügelei aus. Die Frau an Feqzjians Seite holte einen Verband heraus. Es kam recht gelegen, noch besser wäre es gewesen, hätte sie auch einen Besen in der Tasche gehabt. Aber dies blieb, so schien es, am Personal hängen.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mo Mai 07, 2018 10:44 pm

"Jetzt ist Ruhe", rügte Oti die beiden Kämpfenden wie zwei Katzen, die man im Nackenspeck packte und auseinanderhob. Den Mann rüttelte er dabei vorsichtshalber ein bisschen. Die Frau ließ er wieder los, sobald er seinen Körper wie einen Berg, der sich in einen Pass schob, zwischen Eilynn und den Pöbler gebracht hatte.

Ein stummer, fragender Blick.
"Wirf ihn raus."
Damit war die Entscheidung getroffen. Ohne sie zu hinterfragen, geleitete Oti den ungewünschten Gast auf seine freundliche, doch unmissverständliche Art zur Tür und darüber hinaus. Er war dabei nicht grob, außer die Situation verlangte es von ihm. Die vergnügten Rufe seiner Landsleute verfolgten Oti und sicherten ihm gleichsam Beistand zu, sollte er ihn je brauchen.
"Felszlach, elda!"
"Nadul lilk, tsha!"
"Nadûl unah taktshad, hah aid dzharr tshad tak!"
Es waren Spottrufe und sie galten nicht ihm, sondern dem armen Vogel, der sein Glück bei der falschen Frau versucht hatte, und wahrscheinlich verstand er deren Inhalt nicht einmal, sehr wohl aber das schadenfrohe Gelächter, das ihn herausdeligierte. Nur, wenn er sich wehrte, war es ein tatsächlicher Rauswurf. Andernfalls wurde er nur ein wenig nachdrücklich geschoben.
Oti besaß außerdem die Güte, dem Kerl das Wesentliche nochmal zusammenfassen, bevor er ihn kompromisslos aus dem Etablissement auschloss.
"Wenn du eine Frau willst, geh ins lange Rohr."
Damit hatte er den längsten Satz seit drei Tagen gesprochen. Und damit haute er die Tavernentür zu. "Wenn du eine Frau willst, geh ins lange Rohr", sagte er nochmals ausdruckslos.
Anschließend drehte er sich um und blickte grimmig auf das Chaos und die rothaarige Frau.
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Eilynn o'Mara

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Di Mai 08, 2018 10:22 pm

Allmählich begann sich der Schleier des Chaos zu lichten und führte in eine Ruhe über, in der das Rauschen des Blutes in ihren Ohren das einzige war, was sie für den Moment wahrnahm. Das und ihr gallopierendes Herz, welches noch nicht bereit zu sein schien, sich kampflos geschlagen zu geben und ungehalten gegen ihre Brust hämmerte und Gerechtigkeit verlangte.
Der Griff um ihr Hemd war plötzlich verschwunden, hatte sie ein ums andere Mal ihres Haltes beraubt, jedoch nicht mehr straucheln lassen. Die Herrschaft über ihre physischen wie auch mentalen Körperfunktionen kehrte schleppend zurück und nach und nach klärte sich auch ihr Blick. Die namen- und gesichtslosen Schemen um sie herum begannen sich zu einem konkreteren Konstrukt zusammenzubauen, mit Augen und Mündern, die in verschiedene Emotionslagen verzerrt worden waren und sich langsam entspannten; Körper, die sich aufrichteten, weggingen, einen Schluck aus ihrem Krug nahmen, sich erneut anspannten und wieder in Enttäuschung erschlafften. Eine Frau, in das Rot der brennenden Morgenröte gekleidet, die etwas Weißes in ihren Handflächen hervorzauberte, das Eilynn nur entfernt als Bandagen wahrnahm, während ihr Geist noch in alle Himmelsrichtungen verstreut war. Sie blickte sie an. Kennen wir uns?
Ihre blauen Augen huschten in die Richtung, in die jener Hüne verschwunden war, der den anderen Hünen ungleich überragender in seine Schranken gewiesen und gleichzeitig des Etablissements verwiesen hatte. Oti, schwirrte in ihrem Kopf herum, zusammenhangslos.
Nach und nach begann auch der Raum wieder Formen und Farben anzunehmen, die sie in ihrer Rage einfach ausgeblendet hatte. Die Schankmaid hatte Putztuch und Krüge gegen einen Besen ausgetauscht und blickte ebenfalls zu ihr hinüber, wie noch einige andere, die vermutlich immer noch hofften, dass der Funke doch noch überspringen und sich richtig entfalten würde. Einige ihrer Crewmitglieder waren darunter, andere hatten sich längst wieder zu ihrem Humpen Met und anderem Weibsvolk getrollt.
Als die Tavernentüre zuflog, zuckte Eilynn leicht zusammen und schaffte es sogar, einen verzeihenden Blick auf ihr Gesicht zu zaubern, die Lippen langsam zu einem unschuldigen Lächeln gen Oti verzerrend, bevor sich ihr Körper wieder daran zu erinnern schien, dass er gerade in eine Tavernenschlägerei verwickelt gewesen war. Eine Welle überraschender Schmerzen überrollte die Aventurierin, die taumelnd ein paar Schritte zurück machte und sich auf eine der Holzbänke in der Nähe sinken ließ, die Augen zusammenkneifend und tief durchatmend.
"Autsch?" Murmelte sie nur leise, während um sie herum der Lärmpegel wieder den heiteren Stand einer abendlich gefüllten Taverne erreichte, in der man seine Sorgen und Betrübnisse zumindest für kurze Zeit vergessen konnte.
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Nepheruna Banokborn

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Anzahl der Beiträge : 25

BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mi Mai 09, 2018 10:26 am

Für einen Wimpernschlag wechselte Nepherunas Aufmerksamkeit zu der Schankmaid.
Sie hatte mit ihrem Urteil dafür gesorgt, dass der Bronzehüne prompt aus der Taverne katapultiert worden war und nicht das wahrscheinlich angetrunkene Mädchen.
Die Entscheidungsgewalt hatte einzig bei der Dunkelhaarigen gelegen; sie schien mehr zu sein, als eine schlichte Aushilfe im Getränke verteilen.

Das typische Gemurmel und Gelächter – die normale Akustik einer Taverne begann als friedliches Rauschen im Hintergrund, als Nef gänzlich zu der lädierten Rothaarigen aufschloss.
Blut war ihr über Kinn und Kiefer geschmiert, als hätte jemand halbherzig versucht es abzuwischen; die Unterlippe hatte es wohl zwischendrin erwischt.
Sie wollte helfen, denn irgendwie hatte die Fremde etwas Verlorenes an sich und Nef hatte eine Schwäche für verlorene Dinge. Aber es war nicht nur das.
Sie war neugierig – liebte Rätsel, Fragen, Unklarheiten.
Sie wollte wissen, ob es ein Zufall war oder nicht, dass eine Frau mit flammendem Haar in einer Seefahrertaverne nach einem William fragte.
Nef hatte während der Monate mit der Allianz von einem Mädchen gehört – rothaarig, William zugehörig, der wiederum Seefahrer war. Ihr Name war ihr entfallen, sie wusste nur noch, dass er albernisch geklungen hatte.

Dafür lohnte es sich, noch ein weiteres Mal die Lazarettschwester zu sein. Sie fühlte sich beim Versorgen der Wunden und dem Betreuen der Kranken im Heilerzelt nötig – aber nicht wohl. Eigentlich hatte sie wenig Ahnung vom Heilen, wusste ein paar Mittelchen gegen Kinderkrankheiten, erkannte eine annehmbare Zahl Kräuter und ihre Wirkungen. Sie hatte die Pflanzen in Gareth erstanden, nie gepflückt.
Sie tat im Lazarett das, was ihr intuitiv vernünftig erschien.
Gute Improvisation war da die halbe Miete, dachte sie sich immer.

Nepheru ging langsam neben Eilynn, die mittlerweile auf die Bank gesunken war, in die Hocke. Sie drückte sachte die Lippen aufeinander, als sie den Schmerz der Verprügelten geradezu nachfühlte.
Der Verband ruhte in ihrer Linken. Er war zwar genutzt –hatte die rosa Flecken herausgewaschenen Blutes – aber sauber.
„Immerhin“ ihre mitteltiefe Altstimme klang fast sanft, aber der Taverne entsprechend in einer Lautstärke, dass die andere sie verstehen konnte, „Phex sei Dank habt Ihr diese Bärenfaust nicht aufs Auge bekommen.“ Sie schmunzelte aufmunternd.

Es war ein kurzer erster Test: Würde die Seefahrerin den Listenreichen kennen?
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Feqzjian

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mi Mai 09, 2018 2:32 pm

Bei der offenbar spontan getroffenen Entscheidung der weiblichen Stimme, hoben sich seine Brauen. Gut – offensichtlich war es wahrscheinlicher, dass eine Wirtin einen Mann rauswarf, als ein Wirt, aber dennoch – er konnte keine klare Grundlage für diese Entscheidung finden.
Aber diese Suche war ohnehin müßig. Ob er nun verstand, wer warum rausgeworfen war, war für die Situation an sich höchstgradig irrelevant. Klar war, dass der Ruf Fakten geschaffen hatte und offenbar genau so wirkte, wie angedacht: Der Kampf war beendet, die vergnügungssüchtigen Besucher der Taverne schickten sich an wieder in dem gleichförmigen Sumpf der entspannten Atmosphäre eines Schankraumes zu versinken – und es war ein Tisch mehr frei!

Einer allerdings, den sie sich jetzt nicht unter den Nagel reißen konnten. Die unglückselige Rothaarige war nach der Auseinandersetzung unbedachter Weise in die falsche Richtung getaumelt und hatte einen Platz auf einer der Holzbänke gefunden, auf denen sicher oft betrunkene Schläfer ein Lager fanden. Folgerichtig befand Nef sich bereits auf dem Weg dort hinüber, um mit ihren Verbänden und Worten zugleich Trost und Linderung zu schenken.

Er selbst wartete damit noch einen Augenblick. Selbst jetzt, wo die Situation sich vorgeblich wieder beruhigt hatte, wusste man nie. Erst nachdem die Stimmung in dem Raum sich auch zwei weitere Minuten später nicht wieder geändert hatte, zog er die Hand wieder von dem Griff seines Messers fort und schob sich einige dunkle Strähnen aus der Stirn, die sich dorthin verirrt hatten.
Dann suchte sein Blick kurz nach der Schankmagd, die den Kampf so effektiv beendet hatte. Als sie in seinen Fokus geriert, legte er den Kopf einen Deut zur Seite. Kelch und Rose schoss es ihm durch den Kopf. Der Name war ihm gleich bekannt vorgekommen. Und dort stand Gwen mit dem Besen in der Hand und hinterließ den Eindruck von der Extraarbeit kein bißchen begeistert zu sein.
Für einige Sekunden versuchte er ihren Blick aufzufangen, um ihr wenigstens ein grüßendes Nicken gepaart mit einem aufmunternden Nicken zukommen zu lassen und wandte sich dann wieder Nef und ihrer neuen Patientin zu. Er würde Nef später vorstellen, wenn die Blutungen gestillt waren.

Schwungvoll ließ er sich neben der Verletzten auf die Bank fallen und schenkte ihr ein strahlendes Grinsen. „Preise die Schönheit, Bruderschwester.“, grüßte er ehe er seinen Blick zu Nef zurück finden ließ. „Was kann ich tun, Schönheit? Ich gehe doch davon aus, dass du ihr Hilfe anbieten möchtest?“
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Eilynn o'Mara

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Do Mai 10, 2018 11:26 pm

„Phex sei Dank“ murmelte Eilynn die Worte leise nach, bevor sie ihre Lider langsam anhob und der jungen Frau ihr gegenüber zum ersten Mal direkt in die Augen sah, ihre Anwesenheit aufnehmend als würde sie diese dunklen Augen und das markante Gesicht erstmalig wirklich wahrnehmen. Hinter ihrer von einem Schweißfilm benetzten Stirn schien es angestrengt zu arbeiten. Dann hoben sich ihre Mundwinkel zu einem erfreuten Lächeln an.
„Ihr seid eine Aventurierin!“ Platzte es aus ihr heraus, ihre Lebensgeister schlagartig und mit wehenden Fahnen zurückkehrend, die Schmerzen verblasst wie nie dagewesene Geister.
„Ich bin Eilynn. Eilynn O'Mara. Aus Albernia. Allerdings...ist das lange her und ich spreche nicht so gerne darüber, schwierige Vergangenheit und -“ Sie unterbrach sich selbst, aufblickend, als sich eine weitere Gestalt zu ihnen gesellte. Ein Mann, ebenfalls markantes Gesicht, dunkle Augen in denen sich sicherlich bereits viele Weibsbilder verloren hatten und dazu passende, dunkle Haare, die kess und widerspenstig sein Haupt bevölkerten. Bevor sie noch etwas sagen konnte, hatte er sich bereits charmant – zumindest indirekt – vorgestellt und seine Nähe zur anderen Frau offensichtlich gemacht.
„Soll ich nun die Schönheit preisen, die ihr herbei gezaubert habt, die eurer liebreizenden Begleiterin oder gar die Schönheit an sich?“ Ihr Lächeln gewann an Intensität, nur um einige Herzschläge später ein ums andere Mal in eine schmerzverzerrte Maske zu zerbröckeln.
„Verdammich“. Sie hob erneut eine Hand an und tastete vorsichtig über ihre Wange. „Ah, das Auge wäre gleich gewesen, nur hätte er mir die Nase gebrochen hätte ich ihm das Potenzielle an einer Nachkommenschaft geraubt, das sei euch versichert.“ Ihr Blick glitt erneut hinüber zu dem Türsteher, dessen Identität ihr mittlerweile gesammelter Geist mit dem gerufenen Namen Oti verbunden hatte und musterte ihn interessiert. Vor allem sein dicker, geflochtener Zopf und die unzähligen Ringe darin rief ihre Aufmerksamkeit auf den Plan, ganz nebensächlich seines stattlichen Auftretens.
„Seid ihr auch aus dem Lager? Habt ihr dort von einem Seefahrer namens William gehört? Ich suche nach ihm. Also...eigentlich tue ich das permanent und ab und an finde ich ihn auch, bevor er wieder unter dem Rock eines Weibsbildes verschwindet. Aber es wäre erfreulich, sein hübsches Gesicht wieder einmal erblicken zu können.“ Ihre Hand löste sich von ihrer Wange, die darunter langsam Farbe anzunehmen schien, und bettete diese in ihren Schoß, die blauen Augen hoffnungsvoll auf die beiden Aventurier gerichtet.
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Nepheruna Banokborn

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Fr Mai 11, 2018 10:05 am

Als sich ihre Blicke trafen, zogen sich Nepherunas lächelnde Mundwinkel noch ein wenig mehr nach oben.
Ihre dunkelgrünen Augen waren nach Art der Tulamiden großzügig schwarz mit Kohol umrahmt.
Als sich die fremde Seefahrerin überschwänglich vorstellte, hielt Nepheru es für an der Zeit, sich aus der hockenden Position, die sie eingenommen hatte, zu erheben.
Die zahlreichen Ketten, die um ihren Hals gebunden waren, schwangen durcheinander und klirrten ungehört ob der Lautstärke gegen ihre halskettschen Brüder und Schwestern.
Nef hatte sich absichtlich nicht sogleich aufdringlich neben Eilynn auf die Bank werfen wollen, wie Phexdan es gerade getan hatte. Sie hatte sich gedacht, dass es wohl am ehesten Vertrauen schürte, wenn sie erstmal etwas körperlich-respektvollen Freiraum ließ.

Aber jetzt schien die erste Brücke zu der Albernierin geschlagen. Sie kannte ihren Namen und ihre Herkunft. Das sollte vorerst genügen. Sie setzte sich zu den anderen beiden auf die Bank, gerade da auf die Kante, wo noch etwas Platz übrig war.
„Es freut mich in dieser Ferne zu unserer Heimat Eure Bekanntschaft zu machen, Eilynn. Ich bin Nepheruna Banokborn. Nennt mich ‚Nef‘, wenn Ihr mögt. Aus Gareth.“

Ihre Aufmerksamkeit glitt zu Phexdan.
„Etwas Alkohol könnte wohl nicht schaden.“ warf sie dem Zauskopf entgegen. Sie hob dabei bestätigend einen Mundwinkel und richtete ihr Augenmerk wieder auf die Albernierin.
„Und Doppeltphexseidank habe ich die letzten Monate im aventurischen Lazarett – in eben dem aventurischen Lager - ausgeholfen und die hier deshalb bei mir!“ Sie zupfte den Verband aus der linken Faust und hielt ihn einen Augenblick demonstrativ in die Höhe. Nef verzog schmerzvoll das Gesicht, als Eilynns Körper Eilynn an ihre Malträtierung erinnerte.
„Lasst mich etwas gegen das Blut in Eurem Gesicht tun und die kleine Verletzung an eurer Lippe reinigen. Es scheint die einzige offene Platzwunde zu sein.“ bot sie gleichmütig an und tippte sich dabei an die eigene Unterlippe, um gegen den Geräuschpegel anders als mit Worten untermalen zu wollen, wovon sie sprach.
„Und anschließend.. berichte ich Euch alles, was ich über William weiß.“
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Feqzjian

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Fr Mai 11, 2018 1:03 pm

Er legte den Knöchel des rechten Beines auf das Knie des Linken und legte dann beide Hände auf seinen Unterschenkel, ehe er sich vorlehnte. Einen Augenblick betrachtete er das nahe Gesicht Eilynns, ließ seine Augen über die blutige Unterlippe gleiten und suchte nach anderen Anzeichen für die Angewohnheit die Faust eines Angreifers gekonnt mit dem eigenen Antlitz zu stoppen.

Als sich ihre Stimme erhob, um seinem Gruß etwas mehr Genauigkeit abzunötigen, erblühte eine beinahe diebisch zu nennende Freude auf seinem Gesicht und seine Augenbrauen zuckten Aufmerksamkeit heischend nach oben. „Ja.“, ließ er sie dann wissen, ehe er selbst halb lachend hinzufügte: „Ich bin Feqzjian von Tuzak. Das kann sich allerdings nur in den seltensten Fällen jemand merken, obwohl ich es um den Hals trage.“
Mit diesen Worten griff er in den offenen Kragen seines Hemdes und zog drei ineinander verdrehte Ketten hervor. Eine davon zeigte eine stilisierte, silberne Schneeflocke, eine andere zierte ein Holzamulett, auf dem ein Fuchs und ein Halbmond zu sehen waren. Die aber, die schließlich nach vorne gezogen wurde, um sie der Öffentlichkeit in Form von Fräulein O’Mara zu präsentieren bestand aus mehreren kleinen Stückchen Holz, die auf einem Lederband aufgefädelt waren. Zusammen genommen präsentierten sie das Wort „Feqzjian“.

„Garethjas können mit ‚Phexdan‘ mehr anfangen. Im Zweifelsfall reicht es aber auch sich ‚Phexi‘ zu merken. Ich bin Maraskaner – Abkürzungen und Spitznamen gehören zum Alltag, wenn ich mit Leuten aus dem Mittelreich rede.“, unterstrich er das Kettengefummel. „War eine schöne Schlägerei. Mir persönlich hat der völlige Kontrollverlust gefallen.“ Fügte er dann lachend hinzu, ehe er seinen Blick in Nefs Richtung hinüberspringen ließ.

„Sicher, ich frage Gwen, was sie da hat. Bin gleich zurück die Damen!“, damit erhob er sich gleichsam schwungvoll wie energiegeladen von dem Stück Holz auf dem er gerade erst Platz genommen hatte, um den Schankraum zu durchqueren und seinen Blick suchend schweifen zu lassen. Als er die Schankfrau schließlich gefunden hatte, hielt er direkt auf sie zu. „Gwen! Preise die Schönheit! Eine nicht unbeeindruckende Art den Zwist zu beenden. Und das noch, ehe der Dame mit den roten Haaren die Nase gebrochen werden konnte. Allerdings ist ihre Lippe leider aufgeplatzt – kann ich dir etwas abkaufen, womit man das reinigen kann? Am besten etwas, das brennt.“
Nach einigen, kurzen Sekunden des Schweigens fügte er hinzu. „Warum ist der Kerl rausgeflogen und nicht sie?“
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Eilynn o'Mara

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Sa Mai 12, 2018 3:29 pm

Ihre blauen Augen huschten interessiert über die Anhänger, die Phexdan präsentierte. Sie selbst hatte ebenfalls einige ihren Hals zierend, die sie in diesem Moment unbewusst zwischen den Fingern befühlte. Zwei davon stachen besonders ins Auge. An das eine Lederband war ein mittlerweile mumifiziertes Orkohr geknüpft worden; an ein anderes wiederum ein Stein in der Farbe der aufgehenden Sonne, eingefasst in eine schwarze, harzähnliche Substanz. Sie schienen eine Besonderheit auszustrahlen, welche sie von dem anderen Schmuck, den die Frau sonst noch zierte, abhoben.
"Nun. Phexdan sollte ich mir merken." Garantierte sie mit einem breiten Lächeln und unterzog ihr Gegenüber ein weiteres Mal einer genauen, unverhohlenen Musterung.
"Eilynn. Eilynn o'Mara." Wiederholte sie, sofern Phexdan ihre Vorstellung für Nef verpasst hatte - sie konnte sich bei den Zwölfen nicht mehr daran erinnern, wann er dazu gestoßen war. Der Alkohol und die sich mittlerweile einstellenden, brummenden Kopfschmerzen leisteten immer noch ganze Arbeit, ganz davon abgesehen, dass ihre Welt noch nicht vollständig aus der turbulenten Kreiselfahrt ausgestiegen war, die so manch ein Jahrmarkt zu bieten hatte.
"Ach!" Sie winkte mit einer beiläufigen Bewegung seine Worte in die Unbedeutung.
"Die Schlägerei war nichts. Habe schon Schlimmeres erlebt. Gefangenschaft beim Untoten Fleisch beispielsweise. Ein anderes Mal einen Streithammer gegen den Oberschenkel bekommen. Folter durch Orks." Sie zuckte kurz die Schultern und strahlte ihm dann wieder mit allen Farben des Kampfes, die ihr Gesicht zu bieten hatte, entgegen.
"Kontrollverlust würde ich es daher nicht betiteln. Eher..." Für einen Moment glitten ihre Augen vorbei an ihm und zur Decke, als wären dort ihre gesuchten Worte zwischen den Querbalken des Daches verborgen. "Ach. Fragt mich des Morgens noch einmal, wenn mein Kopf klarer ist, dann kann ich euch darauf die schneidige Antwort garantieren, die ihr sicherlich verdient habt!" Als er aufstand und zur Schankmaid verschwand, bohrte sich ihr Blick noch einige Momente in seinen Rücken. Er erinnerte sie entfernt an William. Anders. Besser gebaut. Aber dennoch - sie konnte nur nicht festmachen, woran. Vermutlich hatte sie William nur zu lange nicht mehr gesehen und ihr Geist versuchte in allem ihren verlorenen Seefahrer festzumachen.
"Nef. Ein schöner Name. Passend zu seiner Trägerin! Habt Dank für eure Hilfe" Schmunzelnd wandte sie ihre ungeteilte Aufmerksamkeit nun der in überwiegend rot gewandeten Frau ihr gegenüber zu.
"Peraine sei Dank, dass er euch in die Kunst des Heilens in diesen Tagen eingeführt hat. Ich denke aber, dass alles in Ordnung ist. Etwas Wasser, langer Schlaf und ich bin wieder ganz die Alte! Aber Alkohol schadet nie! Und meine Nase hat immerhin auch schon aufgehört zu bluten und alles andere..." Sie schniefte wieder für einen Moment und versuchte Nef ein überzeugendes Lächeln zu schenken. "Alles andere ist nebensächlich - sagt habt ihr einen Mann namens Khaid in der Heilerstatt getroffen? Ein kleiner Hüne von etwa...dieser Statur-" Umständlich versuchte sie Nef ein Bild von dem gesuchten Mann zu verschaffen, ohne ihre sitzende Position aufgeben zu müssen, denn das wäre mit der Sicherheit des Schicksals nicht gut ausgegangen.
"- meistens freundlich, sehr oft aber auch grumpelig wirkend. Ein sehr guter Heiler!"
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Gwen

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Di Mai 15, 2018 8:11 am

Gwen gab der Gruppe Zeit. Sie wusste nicht, ob die drei zusammengehörten, von da, wo sie jetzt stand, war es auch schwer zu sagen, vor allem, weil sie das Gespräch gerade nicht belauschte. Sie fegte halbherzig zusammen und wusste, dass Oti es noch einmal anständig machen würde, wenn sie sich mit der Mühe ein bisschen zurückhielt.
Ein Mann in heller Robe, der an einem der Tische gesessen und die ganze Szene skeptisch beobachtet hatte, berührte Gwen im Vorbeigehen am Arm und fragte sie etwas. Dem Gesichtsausdruck nach, mit dem sie antwortete, erzählte sie von großem Unrecht, das ihr widerfahren war, aber ihre Worte waren leise, und als sie schließlich ging und den Besen aufräumte, lachte der helle Mann.

Sie stand nicht lange hinter dem Tresen, als Feqzjian auf sie zukam. Obwohl sie aufblickte, gewährte sie ihm kein Lächeln. Scheinbar hatte er sich in ihren Augen in der Sekunde, die er bei der Rothaarigen gestanden hatte, mit ihrer Schuld angesteckt. Als er jedoch zu reden begann, munter, aufgeschlossen, erweichte die falsche Konsequenz in Gwens Zügen.
"Etwas das brennt? Wie wäre es mit einer schallenden Ohrfeige?", schlug sie vor, halb und halb beleidigt und geschmeidig. Dabei war sie schon in Bewegung, um ihm einen hochprozentigen Fusel vorzusetzen. Sie stellte außerdem vier Becher wie kleine Soldaten vor sich auf, in die sie aus einer anderen Flasche eingoss. Diese Flasche war robust, mit braunem Inhalt einem Relief in Form eines Totenschädels im Glas, aus dessen Hinterkopf eine Rose wuchs.
"Das ist zum Reinigen", warnte sie den jungen Mann, als sie ihm den ersten Becher zuschob. Drei der vier Becher stellte sie danach an die Tresenkante. "Das ist zum Trinken."
Sie sagte noch etwas anderes, irgendetwas von Wiedererkennen und einer unterschwelligen Belustigung darüber, dass er tatsächlich aufgetaucht war und dann gerade in so einer Situation. Aber sie sagte es nicht laut ausgesprochen, sondern mittels ihres Mienenspiels.
"Warum ich ihn rausgeworfen hab und nicht sie? Ihre Zähne sind besser."
Gwen schnalzte mit der Zunge. Ihre Lüge war plump genug, um die Wahrheit sein zu können.
"Außerdem saß sie zuerst da." Über Eilynns hochfahrende Reaktion kein Wort. "Außerdem", setzte sie noch klarer hinzu, als zähle sie eine Liste von Regeln auf, die sie gerade frei erfand, dabei griff sie sich den vierten Becher und kam um den Tresen, den Blick in Richtung der Rothaarigen und der Rotgewandeten gerichtet, "gibt es im Kelch Mädchen, die sich um die Männer kümmern. Wenn er sich sie nicht leisten kann und es stattdessen bei meinen Gästen versucht, fliegt er raus. Einfache Rechnung. Ist sie in Ordnung?"
Trotz allem, was sie sagte, glänzte Misstrauen in ihren Augen. Es war ziemlich offensichtlich eine intuitive Wahl gewesen, für die sie die Gründe erst im Nachhinein erörterte.

((Sorry fürs Warten, ich war auf Con))
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Nepheruna Banokborn

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Di Mai 15, 2018 11:24 am

Nef schlug die Beine übereinander.
Nebenbei, noch während Phexdan sprach, machten ihre Augen einen Ausflug zu dem vertrockneten Orkohr, das da um Eilynns Hals baumelte.
Sie nahm an, dass es sich um ein selbst erlegtes Exemplar von Ork handelte – eine Art Trophäe, die die Albernierin mit Stolz präsentierte.
Wortlos legte Nepheruna die Hände ums Knie und schob die Finger verschränkend ineinander. Sie saß aufrecht.
Eilynns Aufzählungen über ihre unterschiedlichen Arten der Gewöhnungen an Pein, ließen Nefs Brauen einen Deut nach oben gen Stirn springen. Sie presste die Lippen aufeinander. Armes Mädchen.
Sie hatte zumindest einiges erlebt, das sie abgehärtet hatte, soviel stand fest. Die damit verbundene, vorgebliche Gleichgültigkeit konnte eigentlich nur bedeuten, dass sie ihrer vergangenen Verletzlichkeit trotzig die Stirn bot.
Von Nef aus folgte ein sachtes Nicken auf nichts offensichtlich Bestimmtes.

Sie beobachtete Eilynn beim Sprechen musternd, vielleicht einschätzend. Irgendwie erinnerte sie die rothaarige Albernierin an William selbst. Eben den, nach dem gefragt worden war.

Als die andere Aventurierin sich ihr zuwandte, stahl sich erneut ein sanft-verschmitztes Lächeln auf die Züge der Garetherin. Ihr kurzes Lachen war tief, ein bisschen heiser.
Anscheinend wollte Eilynn Blut und Verwundung ebenso stolz nach außen tragen wie das Orkohr – von dem Nepheruna annahm, es hatte ihrem Peiniger gehört. Orkfolter. Innerlich schüttelte sie sich in Grauen. Mit Gleichmut faltete Nef den Verband und schob ihn in ihre mit einer roten, aufgestickten Stoffblume verzierte Umhängetasche. Wenn die andere das blutige Gesicht tragen wollte, dann sollte sie.

„Ihr erinnert mich an William. Seid Ihr seine Freundin aus Kindertagen?“ Sie fragte sehr direkt, hielt Augenkontakt. Ein wenig neigte sie sich in Eilynns Richtung, um sie über das typische Tavernengeräusch hinweg besser zu verstehen.
„Und ja – tatsächlich war es Khaid höchstselbst, der mich vor etwa einem halben Jahr zu seiner Helferin im Lazarett machte.“ Die Antwort kam prompt.
„Wenn Ihr wissen wollt, wo sich beide Männer befinden – Khaid ist im Lager, vermutlich schläft er, die halbe Nacht lang hat er sich um ein Mädchen gekümmert, die eine schwere Kopfverletzung hat. William hingegen.. hat schon vor mehreren Monaten die Gegend verlassen. Zu Khaid hingegen kann ich Euch bringen, wenn Ihr mögt.“
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Di Mai 15, 2018 1:20 pm

Der Streit war beendet. Und damit schien es für Oti gut zu sein. Zwar erwiderte er keinerlei Freundlichkeit, es genügte ihm aber, zu sehen, dass die verbliebene Kontrahentin in dieser unangenehmen Sache nicht darauf aus war, den Ärger gleich fortzuführen.

Der arme Lump, der geflogen war, hatte wenig Hoffnung gehabt, sich dem Naihlar aus dem Kelch und Rose zu widersetzen; nicht nur, weil Oti riesengroß war. Er war auch anerkannt durch seine Gevolksleute, derer viele unter den Gästen waren. Man erkannte sie an den Klamotten. Pluderhosen und Westen in Rot und Schwarz, einige einfach, einige demonstrativ pompös. Kein Volk in Gutenbucht trug Gold und Schmuck so offen und überbordend am Körper wie die Naihlar. Dabei war nicht mal aller Schmuck schön. Es passte auch nicht alles zusammen. Viele hingen sich in solchen Fällen eine derartige Menge verschiedenen Geschmeides oder Tuches um, dass es in der Summe wieder ein stimmiges Gesamtbild gab. Sie liebten Gold und Tabak aus langen Pfeifen, Getränke, Lärm, die Seefahrt, Geheimnisse und Geschichten. Sie waren ein gastliches Volk, das von den anderen Gruppierungen in Gutenbucht oft schief angesehen wurde.
Jetzt aber war es Oti, der schief schaute. Und als sich dann um das rothaarige Mädchen gekümmert wurde, schien er die Sache fallen zu lassen. Einmal zeigte sein Finger noch in die Richtung, aus der das entschuldigende Lächeln ihn getroffen hatte.
„Keine Prügeleien mehr!“ Die Warnung galt gleichermaßen dem Mädchen mit dem Verband.
So ging es also ans Ordnung schaffen. Gwen hatte gekehrt. Sie hatte sich dabei keine Mühe gegeben.
Aber Oti machte es nicht weg. Stattdessen sprach er zu einem Jungen mit schief sitzendem Kopftuch, der an der Wand lehnte, seine Zunge immer wieder durch eine große Zahnlücke in der Vorderreihe seines Gebisses steckte und die Frauen beobachtete.
„Orell. Nadul. Ehja mweze hinanath le.“
Der Junge stieß sich von der Wand ab und befolgte die Anweisung. Er schnappte den Besen, den vorher noch die Wirtin gehabt hatte, und machte klar Schiff. Nicht, ohne immer wieder mal zu den Frauen zu schielen.
Was Oti betraf: Er nahm den Posten hinter dem Tresen ein, ein Mahnmal, eine ausdruckslose Statue. Die Taverne behielt er im Blick.
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Feqzjian

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Do Mai 17, 2018 10:50 am

Einen Augenblick sah er auf die drei Becher hinab. Dann zu dem Reinigungsmittel in Alkoholform. Dann ruckte sein Blick wieder zu Gwen. „Die letzte Begrüßung war irgendwie herzlicher.“, stellte er dann mit schlecht gespielten Bedauern fest. „Und so sehr ich dir auch zustimme, dass eine kräftig ausgeführte Ohrfeige brennt wie die Niederhöllen, so ist sie bei der Wundreinigung unglücklicherweise nur bedingt sinnvoll.“, ein belustigtes Grinsen schauerte über sein Gesicht während sie aufmerksam beobachtete. Erst dann griff er sich zwei der drei Trinkbecher und – unvernünftiger Weise – auch noch das zur Reinigung gedachte Teufelszeug, um ihr damit zu folgen

Während er sich an ihrer Seite durch den Schankraum schob – offenbar gesegnet mit dem Mindestmaß an Geschick, um sich nicht gänzliche Becher aus dem Arm fegen zu lassen – sprach er weiter. „Ihre Zähne? Sie saß zuerst und er soll gefälligst seinen Druck bei euren Frauen ablassen?“, er gluckste leise. „Gib’s zu – du hast ihn rausgeworfen, weil es dir gefallen hat.“, während er das sagte schwang in seiner Stimme weder ein Triumph über eine  - möglicherweise – entdeckte Lüge mit, noch eine ungerechtfertigte Rüge über den wahllosen Rauswurf eines Gastes. Im Gegenteil beinahe schien es als gefiele ihm wahlloser Rauswurf.
„Wenn du wissen willst, wie schwer sie verletzt ist, dann kann ich dich beruhigen. Eine aufgeplatzte Lippe, ein wenig Nasenbluten vielleicht. Kaum mehr. Sie musste zwar einiges einstecken, aber offenbar ist sie darin geübt.“, er ließ die Schultern nach oben zucken, was dazu führte, dass er rasch seinen Griff um die Getränke korrigieren musste.
„Wenn du allerdings meinst, ob sie als Mensch charakterlich in Ordnung ist, dann kann ich nur raten. Ich habe sie heute das erste Mal gesehen. Aber sie stammt aus meiner Heimat Aventurien und Nef kennt offenbar jemanden, den sie auch kennt. Ich bin also bereit mich um sie zu kümmern.“

Wieder musterte er sie aufmerksam, als wolle er abschätzen, in welche Richtung sich die Laune der Schankmagd bewegte. Dann erreichten sie die Bank. „Nef? Eilynn? Darf ich vorstellen? Gwen. Wir haben uns während eines Tavernenbesuchs kennengelernt.“, begann er die Vorstellung, ehe er die Getränke verteile und einen der Becher zu Nef hob, einen zu Eilynn. Erst dann stellte er den letzten Becher auf der Bank ab. „Sie ist wie immer bester Laune und war bereit uns etwas zur Reinigung und etwas zum Trinken zu geben.“
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Gwen

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Do Mai 17, 2018 3:49 pm

Gwen erwiderte die Beobachtung des jungen Mannes aus verengten Augen, mit angelegten Nasenflügeln und geschürzten Lippen, deretwegen sie zwar misstrauisch, aber bei weitem nicht so unbeirrbar aussah, wie sie es wahrscheinlich gern gehabt hätte. Es war jene Art von Blick, die Menschen einordnete und drohte, von jetzt auf gleich zu einer harschen Wertung umzukippen. Aber schließlich lachte sie.
"Ich gebe überhaupt nichts zu! Außerdem hat Oti ihn rausgeworfen und nicht ich! Ich habe nur einen Vorschlag gemacht."
Sie schoben sich mit insgesamt vier Bechern mit Rum und einem mit Fusel, der wie Wundalkohol schmeckte -also warum sollte er nicht auch als solcher eingesetzt werden? - zu Nepheruna und ihrer Patientin.

"Ich meinte ihre Verletzungen." Die anderen Informationen nahm Gwen unkommentiert auf. Sie hatte den Namen William fallen gehört. Und sie wusste, dass damals, in der Taverne, ein William dabei gewesen war. Wieder so ein Gomba.

Was Gwens Laune betraf, so war es manchmal, wie einem Kind beim Schaukeln zuzusehen. Ihre Stimmung entschied sich so intuitiv wie der Rauswurf zuvor. Ein wenig Feingefühl allerdings, und man konnte sich schnell herleiten, dass der Ruch des gekränkten Stolzes, den sie sich so gern selbst anhaftete, auch nur Zierde war; wie eine Feder, die man sich an die Hutkrempe steckte, bis man sie aus Unachtsamkeit verlor.
"Ich bin wie immer bester Laune." Die Worte plauderte sie Feqzijan, bei den anderen angekommen, munter nach, stellte sie gleichzeitig in Frage und beantwortete sie, indem sie das Gesicht zu einem grimassierenden Ausdruck verzog, zu dem wirklich böse Menschen gar nicht fähig waren. "Was war das überhaupt? Warum werft ihr Becher in meiner Taverne herum? Macht ihr das bei euch zu Hause auch?"
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Eilynn o'Mara

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   So Mai 27, 2018 11:23 am

Die Erwähnung Williams aus dem Mund der Garetherin ließ Eilynns Augenbrauen hoffnungsvoll nach oben wandern, bevor sie wieder, getroffen durch den nachfolgenden Satz, entkräftet wirkend in sich zusammensanken.
„Ich verstehe.“ Meine sie leise, während ihre Augen für einen Herzschlag lang etwas verloren über den dunklen Holzboden wanderten. Das nächste Einatmen brachte die Schultern zurück in eine aufrechte Position, das Kinn anhebend, die Lippen trotzig geschürzt wie schon zuvor, als sei sie bereit, auch diesen Schicksalsschlag hinzunehmen wie all die anderen zuvor. Ändere, was du kannst, Lynn, und den Rest kannst du auch schön trinken, hallte seine fließende Stimme torkelnd durch ihren Geist. Sie versuchte sich an einem Lächeln und scheiterte erneut, nicht zuletzt, weil ihre Augen von einer ganz anderen Geschichte berichteten.
Seine Freundin??“ Wiederholte sie halb glucksend, halb hustend, als käme diese Frage selbst für ihren scheinbar hartgesottenen Geist etwas zu überraschend. „Nun, das kann man...vermutlich, denke ich, durchaus so betiteln. Also wir waren Freunde aus Kindheitstagen und...nun. Hätten sicherlich mehr werden können, hätte er nicht seinen widerspenstigen Hintern aufs nächste Schiff gepackt um mit einem Versprechen – das er übrigens gebrochen hat – und seinen hübschen Augen in die weite Welt zu reisen. Seine Kunst, mir durch die Finger zu gleiten, ist weltberühmt! Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Der Herold des Zorns hat mich etwas von ihm abgelenkt, aber daraus wurde bedauerlicherweise auch nichts.“ Die Schultern zuckend, schenkte sie Nef ein im wahrsten Sinne schiefes Lächeln, bevor sie entschlossen durchatmete.
„Immer nach vorn blicken, was? Ja. Zumindest ist Khaid, der alte Haderlump, noch vor Ort. Das ist schonmal etwas – und ihr beide-“ sie nickte an Nef vorbei zu Feqzijan, der gerade dabei war, die Schankmaid durch ihre eigene Taverne hindurch zu ihnen zurück zu verfolgen. „- ihr seid mir zwei sympathische, angenehme Gesellen. Mit euch in Begleitung, wird der Verlust des flüchtigen Freibeuters sicherlich einfacher zu ertragen. Das, und ein wenig guter Fusel. Oder viel davon. Eher viel.“ Sie nickte bestätigend, mehr zu sich selbst als zu einem der mittlerweile drei anwesenden Personen. Als Gwen und Phex bei ihnen ankamen, hob sie blinzelnd die Lider an um zu den beiden hochzublicken, Gwen abschätzender als den Mann mit den strubbeligen, dunklen Haaren und dunklen Augen neben ihr. Bei ihren Worten, schien die Aventuriern etwas mehr in sich zusammensinken. Keine Folter durch Orks und kein Schlachtfeld konnten auf direkte Fragen von Frauen in jeglicher Emotionslage vorbereiten.
„Ich...“ Sie blinzelte kurz, ihre Gedanken schienen sich durch die Wirren der gerade erlebten Eindrücke zu arbeiten und sich dabei mehrmals zu verheddern. „Hm. Er hat ihn mit seiner Pranke zur Seite geschleudert. Wirkte wohl nicht so, da mein Rücken davor saß – aber ich schwöre-“ Und dabei hob sie ihre Hände in fast feierlicher Gestik an, um die Worte mit ganz eigener Dramatik zu unterstreichen, „- ich würde niemals gut gefüllte Krüge, die mir nicht gehören, mit noch besser gefülltem Inhalt durch irgendwelche Behausungen werfen.Vermutlich wollte er was davon haben, aber eine Wurstfinger waren zu ungeschickt um den Becher zu greifen und er warf ihn daher einfach weg? Oder er wollte einfach Dominanz beweisen, so genau habe ich mir das ehrlich nicht überlegt. Um ehrlich zu sein, waren meine Gedanken auch schon etwas getrübt, denn euer Gesöff hier ist wahrlich unter dem besten, dass meinen Gaumen je benetzen durfte! Mein Kompliment an die Küche und den Brauer!“ Sprudelte es nur so munter-protektiv aus ihr heraus, die Hände immer noch in gestikulierenden Posen gefangen, die ihre Worte unterstreichen und die Schankmaid simultan besänftigen sollten.
„Was ich damit sagen wollte-“ schloss sie nach einigen, gefühlt längeren, Herzschlägen, als ihr Fluss an Worten langsam verebbte, „-war, dass ich mich für jeglichen entstandenen Schaden hoch und heilig, bei allen Göttern die mir bekannt sind, entschuldigen möchte und selbstredend finanziell oder anderwertig dafür aufkommen werde! Euch soll kein...physischer Schaden daraus entstehen. Einen mentalen, durch Tonscherben entstandenen, kann ich bedauerlicherweise nicht heilen – das habe ich noch nicht herausgefunden. Met hilft manchmal oder Kräuter. Oder ein Kampf, aber auch nur vorübergehend und-“ sie unterbrach sich selbst, als sie merkte, dass bereits wieder zu viele Worte dabei waren, aus ihr herauszufallen, atmete tief durch und blickte wieder in entschuldigendster Manier zu Gwen auf.
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Nepheruna Banokborn

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mo Mai 28, 2018 1:54 pm

Das Blut in Eilynns Gesicht war mittlerweile getrocknet. Nepheruna hegte noch immer den Wunsch, das Gleichgewicht wieder herzustellen und die dunkelrote Schmierspur zwischen Nase und Mund zu entfernen.
Eine Gewohnheit der letzten Monate: Altes Blut entfernen, Wunden säubern, einem verletzten Körper zu helfen, sich selbst wiederherzustellen.

Die dunkelhaarige Garetherin spielte unwillkürlich an einem der Zöpfe, die mit silbrigen Perlen geschmückt zu einem halben Dutzend im langen Haar prangten.
Sie betrachtete Eilynns vielseitiges Mienenspiel mit geneigtem Kinn, dazu einem festen, analysierenden Blick und verzichtete darauf, ihr nähere Details zu Williams Fortgang zu berichten – solange sie nicht danach fragte, erschien es nicht notwendig, die rothaarige Seefahrerin unnötig zu verletzen.
Die unglücklichen blauen Augen der Albernierin hielten sie gefangen. Wann immer Nef ernstes Unglück in anderen Menschen sah, zog in ihr das Bedürfnis – die Herausforderung -, es zu lindern.
Und wann immer es den Betroffenen wieder gut ging, war sie zur Stelle, die vorausgestreckte Fürsorge gegen einen Gefallen einzutauschen.
In ihr trafen sich stets Mitgefühl und Berechnung und gaben sich die Hand.

Nachdenklich und mit einem kleinem Lächeln auf den Lippen, schrägte Nef den Kopf an. Ihr war, als betrachte sie einen emsigen Schauspieler im Garether Theater ‚Fuchsbau‘. Nur war das hier echt.
Eilynn O‘Mara erschien ihr einerseits als eine leidgeprüfte, abgehärtete Frau, die sich durchsetzen konnte – oder es zumindest mit trotzigem Stolz versuchte - und andererseits entdeckte sie zwischendurch immer wieder dieses Mädchen, das fast schamhaft und kindlich hervorzulugen schien – gerade wenn es um William ging. Ob sie ihn immer noch liebte? Oder ob sie die Erinnerung an ihn liebte?

Die offensichtliche Freundin der Farbe Rot – denn sie trug fast ausschließlich Rot in unterschiedlichen Nuancen und Schattierungen.
„Wenn er Euch entgleitet, verschwindet, seine Versprechen bricht und Ihr immer zurückbleibt und ihn nur von hinten seht – warum haltet Ihr so lange an ihm fest? Habt Ihr nicht auch jemanden verdient, der neben Euch steht, Eure Hand hält, seinen Schatten mit Eurem vereint und Euch teilhaben lässt an seinem Leben, anstatt meilenweit vor Euch herzulaufen ohne zurückzusehen, wo Ihr abgeblieben seid?“
Etwas rührte sich in ihr. Unangenehme Erinnerungen – alte Ängste, die in Träumen zurückkamen und nächtlich piesackten. Zurückzubleiben tat so weh. Und da war der Zorn, der in ihr aufwallte, den ihre Selbstbeherrschung die meiste Zeit ohne große Verausgabung in Schach halten konnte.

Nef entschied sich um – wie so oft. Eilynn musste die Details kennen.
„William hat eine Frau in Sicherheit gebracht, hinter der er – wie ich gehört habe – schon einige Wochen her war. Ein Mädchen aus der Region – Bauerstochter, glaube ich. Da er nicht zurückgekommen ist, nehme ich an, dass er bereits fast ein halbes Jahr bei ihr ist. Ernster als sonst, denke ich – wenn ich recht in Kenntnis bin, war er wohl sehr glücklich darüber, endlich ‚die Andere‘ zu finden, nachdem er in so vielen Frauen ‚die Eine‘ zu erkennen geglaubt hatte.“
Sie atmete durch – die Worte ihrer sanftmütig-dunklen Stimme hatten Fahrt aufgenommen.

Männer… William war in der Vergangenheit ein Musterbeispiel davon gewesen, dass zu viele des angeblich starken Geschlechts einfach nicht wussten, was sie überhaupt wollten.
Sie faltete die Finger auf ihrer Umhängetasche und wechselte das überschlagene Bein.

„Nach vorn blicken. Das klingt besser. Khaid wird sich sicher freuen, ein bekanntes Gesicht aus Neu-Zackenberg zu sehen. Und was Phexdan und mich angeht – wir hätten noch einen Platz bei unserem Lager für Euch. Und zumindest ich trinke ausgesprochen selten und wenn, dann nicht viel. Ich behalte gerne einen klaren Kopf. Das bedeutet für Euch, dass Ihr auch noch meinen Anteil trinken könnt, wenn Ihr mögt!“

Nef lachte herzlich auf.

Dann kamen Phexdan und Gwen.
Eilynns Gesicht hatte immer noch etwas von einer Menschenfressermaske. Und Nef hatte keinen Verband mehr in der Hand, dafür lag jetzt ihre Umhängetasche auf dem Schoß.
Irgendetwas war bei der Behandlung der Blessur wohl schief gelaufen.

Ihre dunkel umrahmten Augen suchten Kontakt zu Phexdans. Sie hob dezent einen Mundwinkel – als hätte ihr jemand einen leisen, halbguten Witz ins Ohr geraunt.
Dann glitt ihre Aufmerksamkeit zu der Wirtin.
„Freut mich, Gwen! Nepheruna Banokborn. Und danke.“

Sie schob ihren Becher beiläufig zu Eilynn –stand zu ihrer kürzlich vorgenommenen Ankündigung – und griff stattdessen zu dem Fusel auf der Bank, während sie sich der Albernierin zuwandte.
„Ihr seid nach wie vor der festen Meinung, dass das geronnene Blut eine willkommene Ergänzung Eures Gesichts ausmacht? Falls nicht, bin ich nachwievor bereit, es Euch zu entfernen. Jetzt haben wir sogar Zeug zur Wundreinigung. Wär das nicht was?“ Das Lächeln wurde zu einem heiter-neckenden Grinsen.
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Feqzjian

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BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Mo Mai 28, 2018 3:10 pm

Mit einigem Schwung warf der Maraskaner sich neben Nef auf die Bank, die dabei eine nicht unerhebliche Erschütterung erfuhr. Mit der Hand schnippste er vorsichtig gegen eine ihrer eingeflochtenen Haarperlen und sah dann zu Eilynn zurück.
„Ich kann die Wundversorgung nur empfehlen. Nicht nur, dass Nefs Hände meistens angenehm kühl und wohltuend sind, dazu kommt, dass es draußen warm ist. Und wo immer es warm ist – besonders in Küstennähe – gibt es auch immer Insekten, seien es nun Käfer oder Wespen oder so etwas, die nur nach einer offenen Wunde suchen, in die sie ihre Larven und Eier legen können!“, bot er der Rothaarigen weisen Lebensrat an.
„Das Blut lockt sie an – jedenfalls in meiner Heimat. Am Anfang ist das natürlich noch nicht schlimm.“, setzte er mit beruhigendem Tonfall hinzu, nur um sein Trostgebilde gleich wieder zu zerreißen. „Aber wenn die Biester schließlich schlüpfen und sich aus der – vermutlich entzündeten und schlecht zugewachsenen -  Wunde wieder herausgraben, dann wird es wirklich unangenehm. Ich hatte so etwas mal im Bein. Es ist schon unschön sich das auch nur anzusehen.“

Nach seiner unheilschwangeren Litanei stahl sich ein halbes Lächeln auf seine Züge, ehe er seine Augen zu der Garetherin neben sich zurück gleiten ließ. „All das kann Nef verhindern, wenn Ihr sie nur lasst. Insbesondere würde ich das in Anspruch nehmen, sollte es hier Biester geben, die vom Blut angelockt und gerne noch eigene Wunden schaffen!“, ein kurzes Zwinkern blitzte zu Nef rüber, ehe er seine Beine ausstreckte und begann sein Getränk zu leeren.
„Und wenn ihr wieder auf den Beinen seid…“, fügte er zwischen zwei Schlucken an, ohne auch nur Bezug darauf zu nehmen, dass Eilynn offenbar fähig war zu gehen, „…dann können wir Euch zeigen, wo wir lagern. Ich gehe doch jetzt einmal davon aus, dass wir sie mitnehmen, Neferujida?“, damit zuckte ein weiterer Blick zu der Heilergehilfin neben ihm, als erwarte er von dort eine Bestätigung.

Erst danach besah er sich die Havenerin noch einmal genauer. Er war gespannt, ob sie tatsächlich derart abgehärtet gegen die Einflüsse der Außenwelt war, wie sie vorgab. Aber das würde sicher die Zukunft zeigen. Für den Anfang war er jedenfalls froh sie zu sehen – so froh wie über jeden, der zumindest schon einmal aus Aventurien kam. Es war sicher ein Fehler seines Charakters, dessen war er sich bewusst – aber mit jedem Spruch, den er zu hören bekam, jedem Teil fremder Kultur oder Gewohnheiten sehnte er sich mehr danach sich mit Leuten zu umgeben, die ihn verstanden, wenn er über al’anfanische Ausbeuter und Garethjas sprach und fluchte.
Sicher, es schadete nie auch fremde Völker kennen zu lernen, aber diese Welt bot schon so viel Neues, dass er eine gewisse Einigkeit innerhalb der Reihen derer mit denen er sich umgab durchaus zu schätzen wusste.

Von der Notwendigkeit befreit noch weitere Anekdoten und Ratschläge auszugraben verlagerte er sein Körpergewicht ein wenig, um Kontakt mit der Frau in Rot aufzunehmen. Das war einfach gemütlicher.
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Gwen

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Anzahl der Beiträge : 106

BeitragThema: Re: Kelch und Rose   Di Jun 05, 2018 4:29 pm

Die Antwort auf Gwens Frage fiel viel umfangreicher aus als erwartet. Während die Frau sprach, engten sich Gwens Augen skeptisch. Irgendwann begann sie, auf etwas herumzukauen, was sie gar nicht im Mund hatte.
"Hm."
Ihrem Ausdruck nach hätte sie so ein Geflecht von Worten und übereilten Komplimenten eher von einem frechen Burschen erwartet - so, aber nun war es ein freches Mädchen, und im Endeffekt machte es keinen Unterschied. Es war offenkundig, dass Gwen allem Schmeichel misstraute, dass er sie aber dennoch erreichte.
"Ja. Ja, na gut", beschloss sie. "Ich hab es auch gesehen."
Und damit schien die Sache fürs erste aus der Welt.
"Bist du auch eine Freundin von Antonius?" Ihre Frage richtete sich wieder an die Rothaarige und kam unabhängig von ihrer Entscheidung, sich das Gesicht säubern zu lassen oder nicht - denn aus dieser Angelegenheit hielt sich Gwen heraus. Sie ließ dabei die anderen beiden nie lange aus dem Blick. Nepheruna hatte sie ein flüchtiges Lächeln geschenkt, als jene sich vorgestellt hatte und zu überspielen versucht, dass sie diesen Namen kaum auf den ersten Ansatz im Gedächtnis behalten würde. Anders als sie es damals bei Feqzijan getan hatte, verzichtete die Wirtin bei der Heilerin - wenn sie eine war - darauf, ihr zu sagen, dass sie aussah wie ein Gomba.
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Kelch und Rose
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