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 Die freyen Gestrandeten

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Raûl
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BeitragThema: Die freyen Gestrandeten   Mo Dez 11, 2017 4:14 pm

( auf hoher See, zwei Tage vor Ankunft in Shäekara, aus dem Evakuierungsthread der aventurischen Allianz)

Raûl stand an Bord der Rumbullion, dem Flaggschiff der Flotte aus Shäekara, und sah zu Dorian Fuxfell hinüber, dem Gesandten aus Neu-Zackenberg. Er bewunderte die Standhaftigkeit dieses Mannes, der nun den Niedergang all dessen ertragen musste, was er sich über viele Jahre mühselig aufgebaut hatte. Nach außen hin schien er unerschütterlich, den Blick Richtung Norden, Richtung Zukunft, Richtung Reich der Rosen gewandt, aber ab und an, wenn er sich unbeobachtet wähnte, konnte man etwas von dem Leid durchschimmern sehen, was er durchstand. Früher hätte Raûl es nicht nachvollziehen können, Jahrzehntelang war an Bord zahlreicher Schiffe gestanden, ein Nomade der Meere, Njamath im Herzen, dem stetigen Ruf zu neuen Ufern. Inzwischen war er angekommen, in Shäekara, im Reich, in Mythodea, bereit, sich dieses Land mit dem Messer zwischen den Zähnen zu erkämpfen, jeden Fußbreit Land bis auf das Blut zu verteidigen. Dorian war noch einen Schritt weiter. Er hatte eine Niederlage einstecken und das hart erkämpfte Land wieder aufgeben müssen. Vollständig und unwiederbringlich verloren an die Macht des schwarzen Eises, die verfluchte Essenz. Ihr Weltenlenker, war Dorian tapfer.

Über dessen Schulter konnte man die zahlreichen Masten der Schiffe sehen, die unter ihrer Flagge fuhren, dem goldenen Kraken auf schwarzen Grund, das Wappen von Shäekara, sowie die goldene Rose auf blauen Grund. In jedem der Schiffe saßen Flüchtlinge aus der Freyenmark, aus der Scholle Neu-Zackenberg, viele Hundert von Ihnen, Kinder, Alte, Verwundete. Aber auch Material, Nahrungsmittel, Ressourcen, alles was nicht Niet- und Nagelfest gewesen war und sich mitzunehmen gelohnt hatte, war mit an Bord. Nur die Wehrhaften waren zurückgeblieben, um die letzten Linien zu verteidigen und Raûl hoffte, dass noch etwas von ihnen übrig war, wenn er ein zweites Mal die Küste nach Süden hinunterfuhr, um auch noch den letzten tapferen Rest aus den Trümmern zu bergen, die einst ein stolzes, freies Lehen gewesen waren.

Aber das musste jetzt warten. Es galt nun erst einmal die logistische Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung in Shäekara durchzudenken. Es gab viele Risiken und Probleme, manche offensichtlich, manche verborgen, wie ein besonders tückisches Gewässer, durch das man vom Wind getrieben hindurchmanövrieren musste, ohne sich den Rumpf leckzuschlagen. Er lauschte auf die Geräusche von unter Deck. Ein leises Kinderweinen hier, ein leidvolles Stöhnen da und ab und an ein Husten. Ja, der Husten. Kein Wunder bei dem Wetter und dem Seegang. Bei ihnen im Norden war es deutlich wärmer, wenn auch windiger. Aber in der Freyenmark war alles kühl und Feucht vom hohen Seegang und die Zahl der Decken begrenzt.

Raûl hatte einen gehörigen Bammel vor einer weiteren Grippe-Epidemie, wie Sie durch die Flüchtlinge des Wintersommers im letzten Jahr eingeschleppt worden war. Darüber hinaus hatte er Gerüchte vernommen, angefeuert durch den mitrasperianischen Herold, ein besseres Käseblatt aus den Druckerpressen Mythodeas, dass eine seltsame Krankheit in der Freyenmark aufgetreten war. Angeblich waren Leute befallen, die sich in der Nähe des Schwarzen Eises aufgehalten hatten und überhaupt war das ja wahrscheinlich eh nur ein Gerücht Blablabla. Aber er stand nun da und musste über die Sicherheit von 3000 Menschen in Gutenbucht entscheiden und dachte darüber nach, ob er es sich leisten konnte, so einen Bericht zu ignorieren. Außerdem war Gutenbucht völlig überfüllt. Aus 500 Einwohnern des ursprünglichen Reichshafens waren 2000 geworden, als die Ortac-Flüchtlinge, unter Ihnen die Oshead, das Lehen übernommen hatten. Und dann war da noch die Wintersommerkatastrophe vor über einem Jahr gewesen, von deren zahlreichen Flüchtlinge einige immer noch in Gutenbucht hängengeblieben worden waren. Und dann noch Flüchtlinge aus dem Jadekrieg. Das waren inzwischen geschätzt 3000 Menschen. Da es der Dreh- und Angelpunkt des größten Teils des Handelsstromes zwischen dem Reich und den anderen Siegeln war, konnte das täglich schwanken. Und jetzt wieder Flüchtlinge. 300 jetzt, nochmal 200, wenn er den Rest aus Neu-Zackenberg retten konnte. Unten in der Bucht war nicht genug Platz für alle. Die Neuankömmlinge mussten die Serpentine rauf in die Hochebene, separiert vom Rest der Stadt. Die Kultur der Naihlar und die Geschichte der Chirya waren der Schlüssel, dieses Problem zu lösen. Die Naihlar, die nicht zur See fuhren, lebten traditionell ohnehin zu großen Teilen Nomadisch in wandernden Zeltstädten. Die Chirya hingegen waren ein Volk von Bürgerkriegsvertriebenen, die sich vor nicht mal einer Generation in ihrem eigenen Exodus erstaunliche Fähigkeiten angeeignet hatten, in den weiten Ebenen Ortacs zu überleben. Beide Volksgruppen machten über die Hälfte der ursprünglichen Population Gutenbuchts aus und waren Imstande, die Überwinterung im milden Klima von Shäekara sicherzustellen.

Aber es gab auch noch ein Problem. Das war die Natur des Menschen selbst. Die ersten Siedler, Ur-Gutenbuchtler, vom Archon Karl selbst hierhergebracht, hatte geschimpft gegen die „Eindringlinge“ aus Ortac. Obwohl selbst keine 3 Jahre vorher noch völlig fremd. Ein Jahr später hatten Alle Gutenbuchtler gegen die Flüchtlinge gehetzt, die der Wintersommer angespült hatte. Und nun würden wieder alle, die bisher mehr oder weniger „vorher dagewesen waren“ nun gegen die Neu-Zackenberger wettern. Solange es genug zu Essen und zu Trinken und einen guten Schluck Rum für alle gab, blieb es wahrscheinlich bei mündlichen Auseinandersetzungen. Was ein Glück, dass die Scholle Ressourcen zur Evakuierung beigetragen hatte. Aber wehe dem, es kam zu irgendeinem Präzedenzfall. Raûl mochte sich die Folgen gar nicht ausdenken. Sie saßen alle auf einem großen Pulverfass und er durfte zusammen mit den anderen Anführern der Fraktionen mit brennenden Fackeln jonglieren.

Er atmete tief durch, ging zu Dorian und klopfte ihm auf die Schulter. Er lächelte ihm aufmunternd zu:“Wir sollten durchsprechen, wie die Unterbringung vor Ort gestaltet wird. Ich weiß nicht genau, wie es um die Gesundheit der anderen Einwohner geht, aber ich würde gerne unsere Bevölkerungsgruppen die ersten Wochen räumlich voneinander zu trennen. Wir haben ohnehin nicht genug Häuser, um alle in festen Gebäuden aufzunehmen, aber wir können in der Ebene über der Stadt, direkt bei der Garnison am Handelsweg, eine Zeltstadt einrichten, wo ihr überwintern könnt. Dort werden die Gardisten wie auch die Heilerschaft sicherstellen, dass ihr euch sicher einlebt. Es ist zwar windig, aber mild. Abgesehen von Wintersommer hatten wir noch nie Temperaturen, dass man dicke Pelze bräuchte, auch nicht in der Nacht. Wenn sich alle etwas eingelebt haben, können wir dann die Menschen behutsam aneinander gewöhnen.“
Raûl hatte seinen Tonfall bewusst offen gewählt, damit Dorian wusste, dass hier Spielraum für eine Diskussion war.

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Zuletzt von Raûl am Mo Dez 11, 2017 9:16 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Dorian Fuxfell
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Mo Dez 11, 2017 8:31 pm

Dorian war, ehe er auf Deck des Schiffes stand, lange in eigene Notizen vertieft gewesen. Er hatte die meisten dieser Leute persönlich aus ihrer alten Heimat nach Mythodea begleitet und war nun wieder der, der ihnen bei dem nächsten Umzug half. Er wollte einen Eintrag in sein Vademecum schreiben, doch scheiterte es bereits am Datum. Er wusste nicht mehr einfach nur, welchen Tag sie heute hatten, sondern auch in welcher Zeitrechnung er diesen Beitrag verfassen solle. Die, aus seiner Heimat oder die vom verstorbenen Principal eingeführte Zeitrechnung?
Er entschied sich das Buch zur Seite zu legen und zunächst an Bord des Schiffes zu gehen.
Er seufzte als er aufs Meer hinaus sah. Die nächste große Veränderung. Er war zwar nie wirklich sesshaft gewesen... aber all die Einwohner Neu-Zackenbergs...all die Waisen die sich mit ihm an Bord der Schiffe befanden. Es war traurig mit anzusehen, zu was sie alle gezwungen wurden.
Gedankenversunken erinnerte er sich an den optimistischen Spruch, den er vor einigen Jahren gehört hatte: "Alles schlechte, egal wie schlecht es ist, wird sich irgendwann für dich zum Guten wenden."
Er hatte diesen Satz leise wiederholt, fast wie ein Mantra.

Er hatte Raûls Schritte auf diesem Schiff nicht einmal gehört und ihn erst wahrgenommen, als er ihm die Hand auf die Schulter legte. Ein leichtes Erschrecken ging mit Dorians nächsten Gedanken einher: 'Verdammt, bin ich zu abgelenkt, das Schiff so laut oder er so verdammt leise...'

"Der edle Herr..."

Er ließ die drei Wörter scherzhaft mit einem leichten, vorgespielten Lächeln im Raum stehen, ehe er sich anhörte, was Raûl zu sagen hatte.

Raûl... ein Mann ein Wort. Er mochte ihn, auch wenn er ihn noch nicht ewig kannte. So engagiert wie er und Mallo beim Konvent der Rosen waren, so engagiert wäre er des Öfteren auch gerne. Sie beiden waren die, die diese Reise hier gerade ermöglichten. Eine Reise in Sicherheit... in eine warme Sicherheit.

Nachdem Raûl zu Ende gesprochen hatte, nickte Dorian zuerst nur schlicht ehe er kurz danach langsam und bedacht, anders als man ihn sonst kennt, zu sprechen beginnt.
"Bevor Stordan nach Zackenberg in unserer Heimat kam, war diese Stadt von einem finsteren Magier 'belagert'. Er terrorisierte die Einwohner und entführte Kinder und Frauen der Stadt. Stordan und ein paar seiner Begleiter stellten diesen Magier und sorgten für Frieden dort. Der örtliche Baron, der nun Witwer und Vater von verstorbenen Kindern war, nahm sich ebenfalls das Leben. Später wurde Stordan die Baronie anvertraut für seine Dienste am Kaiserhaus.
Warum erzähle ich dir das? Weil die meisten dieser Leute hier Schlimmes gewohnt waren. Sie sind mitgereist, weil viele von ihnen mit der Vergangenheit abschließen wollten. In der Freyenmark hatten wir einen sicheren Hafen gefunden, vorerst. Ehe politische Fehlentscheidungen zum Tod der Freyenmark führten, wie wir sie bis dahin kannten.
Eure Gastfreundschaft lässt diese Leute hoffen. Hoffnung, auf ein besseres und zukunftorientiertes Leben. Sie hoffen, dass die Reise ins Reich der Rosen die letzte Reise ist, ehe sie dort eine neue Heimat und eine neue Familie aufbauen können.
Diese Leute werden ohne zu murren in der Zeltstadt wohnen und sich dort wohlfühlen, sie werden arbeiten wo sie können ohne dafür etwas zu verlangen und sie werden sich dennoch für all das hier bedanken.
Das, was ihr uns getan habt, sollt ihr 100-fach zurückbekommen. Zackenberg schuldet dem Reich der Rosen und insbesondere euch sehr viel. Und wir sind gewillt, diese Schuld in angemessener Weise zurückzuzahlen. Darauf, mein edler Herr, gebe ich euch MEIN Wort."


Dorian lächelte leicht. Dieses Mal ernst. Er schlug sein Vademecum auf und Schrieb auf eine leere Seite nur wenige Buchstaben.

"Tag 1"
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Di Dez 12, 2017 8:08 pm

Raûl lächelte und nickte. "Mögt ihr Recht behalten, bei den Elementen. Ich danke Euch für euer Vertrauen, ich hoffe, dass ich es verdiene."
"Und ich hoffe, dass die Menschen eurer Lehen besser sind als unsere. So viel Dankbarkeit kenne ich vom allgemeinen Mob in der Regel nicht." fügte er noch in Gedanken zu.
Raûl fummelte sich einen Rauchkrautstengel aus seinem Tabaksbeutel und zuppelte mit seinem Feuermacher herum, bis blauer Rauch aus dem Stengel und seinen Nüstern aufstieg.
"Dann werden wir einen Moment vor dem Hafen liegen, bevor alle von Bord gehen dürfen. Die Stadtgarde soll den Weg durch die Straßen bis zur Serpentine in den Hochweg sichern, außerdem soll die Heilerschaft unter Asdan und Marcia vorbereitet sein, was uns konkret erwartet. Habt ihr eine Liste derer, die unmittelbar versorgt werden müssen und die Schwere ihrer Verletzungen oder Erkrankungen? Ich will das nach Möglichkeit alle schriftlich niederlegen und vorbereitet sehen, bevor eure Leute von Bord gehen."
Er sah Dorian an.

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Dorian Fuxfell
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Fr Dez 15, 2017 1:47 pm

Dorian schüttelte leicht den Kopf, als er nach einer Liste gefragt wurde.
"Ich habe bis kurz vor der Abreise geholfen, eine Liste der Verletzten habe ich nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Habt ihr Möglichkeiten, mit den anderen Schiffen zu kommunizieren? Ich werde mich nichtsdestotrotz jetzt gleich daran machen, diese Liste für dieses Schiff aufzunehmen. Verflucht, auf so etwas hätte ich auch selber schon kommen können."

Dorian seufzte kurz und schaute Raûl dann direkt an.
"Darf ich auch eine?"
Dabei deutete er auf den Krautstengel.

"Was müssen wir beachten. Welche Sitten und Bräuche sollten wir kennen und vor allem, was dürfen wir beim besten Willen NICHT machen, außer nun mal das übliche, was man so kennt. Ich habe hier auch noch eine Ausgabe unserer Gesetzesfassung. Vielleicht wollt ihr da noch einmal rüber lesen. Wenn wir uns daran halten, sollte eigentlich wenig schiefgehen, auch bei euch, oder? Die Stellen bzgl. Baronie, Praiostagsdienst, etc. kann man natürlich außen vorlassen."


Dabei hält er ihm ein Buch hin.

"Interessant wird es erst ab Imperial Drittens - §14. Alles davor ist allgemeiner Teil und hinfällig."
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Mo Dez 18, 2017 5:48 pm

Raûl hielt Dorian kommentarlos die flache, silberne Schatulle hin, in der er seine Kräuterstengel aufbewahrte und nahm mit einem Nicken das Buch entgegen.
"In Anlehnung der praiosgefälligen Gesetze des Kaiserreiches..." las er die Unterschrift unter dem Titel. Er lächelte über die Waage im Wappen, war sein eigenes, von ihm gewähltes Wappen die Waage, wenn auch mit einem Schwert als Griff.

"Ich werde mich damit beschäftigen. Ich habe noch einen Tag, bis wir anlanden. Da die Neu-Zackenberger ohnehin zuerst einmal separiert werden, erachte ich während der Quarantäne alle Belange innerhalb eurer Gruppe als euer Problem, solange niemand aus Gutenbucht davon betroffen ist. Bis dahin habe ich auch eine präsentable Abschrift unserer Reichsgesetze und der Sondergesetze von Gutenbucht bei Euch in Umlauf gebracht, sodass sich jeder drauf einstellen kann. Solange eure Gesetze mit halbwegs gutem Menschenverstand ersonnen wurden, werden sie sicher genauso dienlich sein wie die unseren, die öffentliche Ordnung aufrechtzuhalten."

Raûl paffte einen Moment still vor sich hin, dann sah er wieder zu Dorian hinüber, mit schief gelegtem Kopf:"Ich habe einige von euren ... Götternamen gehört - Praios, Phex, Kor.... Rahja? Ich weiß, dass ihr auf euren Pantheon großen Wert legt und ich weiß, dass Neome andere Glaubensarten toleriert, sofern diese sich in irgendeiner Weise in den Aspekten der Elemente wiederfinden und..." er suchte einen Moment nach der richtigen Formulierung, bevor er fortfuhr "... die Köpfe nicht der verfemten Seite öffnen. Denkt ihr dass das funktionieren wird?"
Er wusste, dass war vermintes Gelände, Menschen mit Glauben konnten stur, sogar gefährlich fanatisch sein.

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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Di Dez 19, 2017 2:53 pm

Nachdem Dorian sich ebenfalls einen Krautstengel angezündet hatte, hörte er Raûls Worten aufmerksam zu.

"Wo fange ich nur an? Die Sache ist komplizierter zu erklären, als sie eigentlich ist. Das Zwölfgöttliche Pantheon, zu denen auch die Halbgötter zählen, vertreten gemeinschaftlich die Göttliche Ordnung. Ordnung ist hierbei das Zauberwort. Unseren Götter ist Chaos ein Dorn im Auge. Sie alle, jeder unserer Götter, verkörpert ebenfalls Aspekte oder legt auf diese Aspekte großen Wert. So ist Praios der Herr der Gerechtigkeit während Rahja die Herrin der schönen Künste ist. Hesinde vertritt das Wissen und die Weitergabe dessen und Travia ist die Herdmutter, die das Heim und die Heimat schützt. Phex hingegen, nun, einer muss sich nun mal die Hände schmutzig machen."

Dorian ließ den letzten Satz im Raum stehen und zog ein paar Mal an dem Krautstengel.

"Die Verfemten... vertreten, ungewöhnlicherweise, zwei Aspekte unserer Pantheons. Das Untote Fleisch hat eine Adels- und Lehensstruktur, welches der Herr Praios gut heißen würde. Dennoch sind es Untote... und gegen die haben alle etwas.
Das Schwarze Eis hält den ehrenwerten Zweikampf hoch, was wiederrum die Herrin Rondra als ihr oberstes Gut betrachtet. Doch mehr als diesen Zweikampf haben sie auch nicht gemein.
Keiner unserer Götter und Halbgötter würde die Verfemten gutheißen und ein jeder unserer Männer und Frauen ist götterfürchtig, zumindest die, die aus unserer Heimat stammen.
In der Tat habe ich ein ähnliches Gespräch, gerade zu den Aspekten der Elemente und den Aspekten unserer Götter mit ihrer Herrlichkeit geführt. Nach dem Konvent in Holzbrück.
Es wird keine Probleme und vor allem, keine Paktiererei mit den Verfemten von unserer her geben, darauf gebe ich Brief und Siegel."


Dorian wollte sich schon zurücklehnen als ihm offensichtlich noch etwas einfiel.

"Ach, und wo ihr es schon so sagt. Wir verzichten zukünftig auf das 'Neu' in Neu-Zackenberg. Wir gehen zurück zu den Wurzeln. Wenn wir wieder siedeln und ein Dorf errichten sollten, wird dies wieder Zackenberg heißen. Und... die Gesetze, an denen das Neu-Zackenberger Landrecht angelehnt ist, funktionierten die letzten Jahrhunderte im Kaiserreich unserer Heimat, mit sehr viel mehr Bevölkerung. Sie sind also durchaus anwendbar."

Nach dem letzten Wort zwinkerte er ihm kurz zu.
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Mi Dez 20, 2017 11:46 am

Raûl nickte. So ähnlich war es ihm anfänglich auch mit den Weltenlenkern und deren Aspekten aus seiner Heimat gegangen.
"Es hilft mir, die Eigenschaften, die unsere Weltenlenker verkörpern, auf die Aspekte der Elemente zu übertragen, dann finde ich mich auch spirituell in Mythodea wieder. Auch wenn kein Mensch auf Ortac, zumindest keinen den ich kenne, einmal das Eingreifen oder Wirken eines unserer Weltenlenker wirklich gesehen hätte. Aber manche Dinge sind in ihrer Größe und Unbeirrbarkeit nun einmal anbetungswürdig. Das Meer, der Sturm, die Berge, die Flammen. Und schon hat man die vier Elemente zusammen. Nun ja. Wichtig ist nur, dass man sich aufgrund Aspekt-Ähnlichkeiten zwischen den Verfemten und den eigenen Werten sich nicht zu sehr auf die andere Seite einlässt, ihnen vielleicht Mitgefühl oder insgeheim Respekt oder Gnade gewährt. Die zweite Schöpfung muss vernichtet werden, vollumfänglich, ausnahmslos und ohne Zögern." Er starrte finster in die Richtung, wo die Scholle Neu-Zackenberg lag.
"Aber das brauche ich Euch bestimmt nicht extra sagen."
Dann schnippte er den aufgerauchten Krautstengelrest über die Reeling und lächelte Dorian an.

"Dann werden wir gemeinsam einen neuen Anfang wagen. Shäe-Kara heißt übersetzt Neu-Anfang. Wenn es Euch bei uns gefällt und ihr bleiben wollt, werden wir sicher einen Weg finden, sodass ihr den Raum bekommt, den ihr benötigt. Sofern Neome und Karl dem zustimmen. Aber davon gehe ich aus, wenn auch sie vielleicht noch etwas Einsatz sehen wollen. Das kann man nie wissen. Außerdem flüstern ihnen vielleicht die Quin-Assil noch etwas ein, mit dem keiner rechnet."
Raûl zuckte die Schultern.

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Zuletzt von Raûl am Do Dez 21, 2017 8:58 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Dorian Fuxfell
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Mi Dez 20, 2017 6:51 pm

"Der Name passt gut Raûl. Neuanfang.. Ja, nicht nur ich, sondern auch alle anderen Einwohner Zackenbergs haben die Hoffnung auf einen Neuanfang. ch habe ihre Herrlichkeit und seine Exzellenz zwar erst seit Kurzem kennen gelernt, bin aber der Meinung, hier das richtige Herrscherpaar gefunden zu haben."

Dorian schaute einmal zurück zu einigen der Zackenberger, die ebenfalls auf diesem Schiff waren und sich auf Deck aufhielten.

"Wir sind ursprünglich mit dem Ziel auf diesen Kontinent gekommen, die Finsternis hier auszumerzen. Ein jeder von uns weiß das und ist freiwillig hier. In unserer Heimat hatten wir Frieden und ein gutes Leben, zumindest in den letzten Jahren.
Zackenberg will sich einbringen, so viel wie es kann und vielleicht sogar ein bisschen darüber hinaus. Wenn ihre Herrlichkeit und seine Exzellenz Zackenberg unter Stordan ein Lehen zuspricht, oder vorerst Ländereien auf denen wir wirtschaften können, werden wir auch genau dies unter Beweis stellen. Tüchtige Holzfäller und -arbeiter warten darauf, ihre Äxte zu schwingen, die Sägewerke zu betreiben und das Schreinerwerkzeug zu wetzen. Parallel hatte Stordan bereits den größten Teil unserer Pferde dem Reich der Rosen als Dank zugesprochen. Lediglich der Zuchtbestand verbleibt bei uns, auf dass wir auch weitere Generationen Pferde FÜR das Land züchten können."


Dorian sah Raûl entschlossen an.

"Wir werden diesen Einsatz zeigen."
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Raûl
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Do Dez 21, 2017 8:01 pm

Raûl lächelte und nickte.
"Das freut mich. Egal, wo ihr landen werdet, ihr bringt die richtige Einstellung mit.
Er neigte den Kopf Richtung Kapitänskajüte.
"Dann werde ich jetzt ein paar schriftliche Anweisungen vorbereiten, damit die Landung Übermorgen reibungslos über die Bühne geht. Ich stelle Euch noch einen Melder zur Seite, der über Flaggensignale mit den anderen Schiffen kommunizieren kann. So bekommen wir auch noch heraus, wie viele Menschen wir noch Not zu versorgen haben, bis wir den Hafen von Gutenbucht erreichen."
Er gab Dorian noch Gelegenheit, etwas zu ergänzen, bevor er sich zum Gehen wandte.

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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Fr Dez 22, 2017 7:59 pm

Dorian nickte ihm nur verstehend zu.

"Meine Meldung habt ihr, bevor die Schiffe anlanden. Ich werde mich nun sputen. Ich danke euch vielmals für das Gespräch Raûl. Auf eine gute Zusammenarbeit!"
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Antonius
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Do Dez 28, 2017 12:55 am

20 Tage später an Bord der Rumbullion

Die Flotte aus Shäkara war zum zweiten mal in Neu-Zackenberg gewesen. Wie versprochen, hatte sie die restlichen Bewohner und Krieger der vom schwarzen Eis belagerten Scholle in der Freyenmark evakuiert. Doch waren es keine 200, so wie angekündigt. 
Die Kämpfe während der Wartezeit hatten einen schrecklichen Blutzoll unter den aventurischen Kriegern in Neu-Zackenberg gefordert. Einige der Evakuierungs-Schiffe waren fast leer auf der Rücktour, denn es konnten gerade noch 120 Seelen gerettet werden und viele von ihnen waren sehr schwer Verwundet und Khaid, der Verantwortliche Heiler, schätzte das nicht alle Verwundeten die Überfahrt überleben würden. 
Doch hatte man den Platz nicht verschwendet, so wie es Malo und Antonius abgesprochen hatten, hatte man auch in Neu-Zackenberg alle Fässer gesammelt und mit Trinkwasser gefüllt, zusammen mit denen die die Flotte mitgebracht hatte war eine Stattliche Zahl an Fässern mit Trinkwasser zusammen gekommen. Auch hatte man Setzlinge der Bäume aus der Baronie verladen, dutzende der verschiedenen Baumarten aus Neu-Zackenberg. Man hatte quasi jeden jungen Baum, oder Setzling eingetopft deren man innerhalb der Belagerten Stadt habhaft werden konnte und das waren nicht gerade wenige.
Doch nun waren sie auf Hoher See, die Küste der Freyenmark hatten sie bereits einen Tag hinter sich gelassen und Antonius stand an der Reling auf dem Achterdeck und schaute versonnen in die Ferne. Er sah zu dem Schiff der Söldner Truppe unter ihrem Hauptmann  Göhjnthir, die bis zum Schluss an Land geblieben waren und mit ihm zusammen die Evakuierung gedeckt hatten. Nicht weit davon, etwas weiter hinten, sah er die Ottar der Skjulvarg-Ottajasko, auf ihr all die tapferen Kämpfer der aventurischen Allianz, die eben Falls kaum vom Kampfgeschehen Fern zu halten gewesen waren. Er lächelte bei der Erinnerung, wie er mit Garion Seite an Seite an der Verteidigung zum Hafen gestritten hatte und dabei so manch einen Kahlef und Sepa zurück in die Essenz geschickt hatte.
Weitere Bilder der letzten Stunden zogen an seinem geistigen Auge vorbei. Er sah wie der Weibel Björn Torbensson zusammen mit seiner arg dezimierten Kompanie, den Veteranen der südlichen Verteidigungslinie in Rosdale, wo sie die Freyenmark versucht hatten zu verteidigen und blutig geschlagen wurden, voller gerechtem Zorn ganze Fäuste der Rahks in den Gassen der Stadt nieder gemacht hatten. Er sah wie Stordan zusammen mit Grendelon und Bran, seinem 1. Ritter, die Bauernspeermiliz in den Kampf führte, um den Hafen vor einem anrückenden Schwarm zu schützen, der während der Evakuierung den Wall durchbrochen hatte. Die Erinnerung an seinen Novizen war besonders süß und ließ Antonius ein besonderes grinsen über seine Mundwinkel huschen, wie Baltharas vor dem Kor Schrein stand und Reihenweise Rahks mit seinem Richtschwert niederstreckte und dabei lauthals das letzte Opfer auf diesem Boden an Kor anpries ... lang waren die letzten 6 Stunden gewesen, viel Blut war zum Schluss noch geflossen, aber auch Essenz und alles wurde untermalt von den Lärm den die Geschütze der Flotte machten, die ohne Unterlass feuerten und reiche Ernte hielten....bumm...bumm...Antonius schloss seine Augen und hörte nur noch den wiederhall dieser Geschütze...bumm...bumm...vor seinem geistigen Auge verschwammen die Bilder der Erinnerung und es blieb nur noch ein Gefühl zurück...eines das er gut kannte, eines das ihn schon seit Jahren antrieb, doch welches nun noch um ein vielfaches gestärkt war und durch ein neues noch ergänzt wurde....es war der Hass auf alles unheilige, auf alles was wider der Schöpfung war und nun kam noch der Wunsch nach Rache hinzu....Er öffnete wieder seine Augen und sah weiter in die Ferne, doch waren seine Augen wild, wie von einem inneren Feuer gespeist, dass nicht aufhören wollte zu brennen....
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Raûl
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Do Dez 28, 2017 6:16 pm

Es war für seine Crew und die Schiffe glimpflicher abgelaufen, als befürchtet, aber die Neu-Zackenberger hatten einen hohen Blutzoll an des schwarze Eis entrichten müssen. Nur ein Teil der  Soldaten hatte es an Bord geschafft, kaum einer unverletzt und einige von Ihnen würden die Überfahrt wahrscheinlich nicht überleben. Raûl hatte alles an Reserven, Verbände und Salben, auch seine eigenen Notvorräte freigegeben, damit es so wenige Opfer wie möglich geben würde. Wieder einmal hatte er und die Seinen Glück gehabt, wie im Jadekrieg. Damals schon hatten sie mit am wenigsten Verluste eingefahren, während die Nachbarlehen es teilweise übel erwischt hatte. Manchmal waren es die richtigen strategischen Entscheidungen gewesen, aber meistens nur reiner Zufall, pures Glück. "Hoffentlich geht mir das Glück nicht mal im entscheidenden Moment aus..." ging ihm durch den Kopf und ihm fröstelte. Hoffentlich musste er nicht irgendwann doppelt und dreifach dafür büßen.

Er stand am Oberdeck der Rumbullion, hinter dem Rudermann und beobachtete Antonius. Er konnte fast die Hitze und Gewaltbereitschaft des Mannes spüren, Ignis Inbrunst, die in ihm loderte. So ein Mann war zu allem fähig, im Guten wie im Schlechten. Es würde nicht leicht sein, ihn dazu zu bewegen, diesen Impuls sorgfältig zu verpacken und erst dann wieder hervorzuholen, wenn es gegen die Verfemten ging. Raûl selbst kannte zwar den kurzen, brennenden Impuls Ignis, war aber zu sehr Aqua und eine Prise Aeris, um sich diesem Brennen zu lange auszusetzen. Er formte lieber einen eiskalten, wenn auch nicht minder gewalttätigen Plan, und wartete geduldig auf den richtigen Moment, um zuzuschlagen. Er hoffte, dass er Antonius etwas ausgleichen konnte, damit dieser ruhig und besonnen an die Neuorganisation von Zackenberg heranging.

Also ging er die halbe Treppe hinunter auf das Hauptdeck zu Antonius hinüber und stellte sich neben ihn, den Blick ebenfalls zum Horizont gewandt. Wortlos nahm er einen Schluck aus seinem Flachmann und reichte ihn dann zu seinem Nebenmann.

Wie hätte seine Mutter das ausgedrückt?"Wenn man gar nicht weiterweiß - Rum hilft immer. Beim Nachdenken oder beim vergessen."
So oder so ähnlich hatte es Rauls Vorfahren schon immer gehalten. Und er kam nicht umhin, dieser Binsenwahrheit hin und wieder Folge zu leisten...


Einige Tage zuvor, bei der Landung der ersten Flüchtlingswelle in Gutenbucht, Erzähler spricht

„Na da schau, was das für welche sind. Flüchtlinge, Ausgestoßene, Feiglinge!“ keifte Loretta, die alte Wäscherin aus der Knüppelgasse, als sie Gestalten an Deck der zahlreichen Schiffe entdeckte. diese standen dicht an dicht an die Reling gedrängt. Ein kleines Beiboot hatte vom Flaggschiff Rumbullion abgesetzt, während die großen Hochseeschiffe einige hundert Meter Abstand vom Pier hielten. “Die werden uns unsere Kultur und unsere Traditionen wegnehmen!“ keifte die Alte wieder, zu allen und gleichzeitig zu niemand bestimmten.

“Was hast Du schon für ne Kultur auf die Du dich berufen willst, Du alte Schabracke?“ höhnte es aus der Masse zurück, gefolgt von allgemeiner Erheiterung. Das Beiboot kam zügig hinübergerudert. An Bord waren einige Seeleute, die sich tüchtig in die Riemen legten und vorne saßen zwei Personen in schwarz, mit rotem Kopftüchern.
„Aber wir waren zuerst da, nichtsnutziger Ortacfußpilz!  Es ist schon schlimm genug, Euch ertragen zu müssen, da brauchen wir nicht auch noch so ein paar Freyenmärker Zeckenberger, die mir mein Brot wegfressen!“ giftete sie zurück. Loretta kam richtig in Fahrt. “Zeckenberg! Das kommt von diesen ekligen, blutsaugenden, kleinen Spinnen von denen man krank wird. Genau das, bei den Elementen!“ Speichel tropfte ihr aus dem rissigen Mundwinkel.

“Es heißt Zackenberg, nicht Zeckenberg.“ meinte jemand aus der zweiten Reihe, einige nickten dazu, andere zuckten die Schultern.
“Oh Mann, nachher machen die uns krank!“ krächzte der Zahnlose Nick. Sein Name war nicht zwar nicht schmeichelhaft, erklärte aber alles, was es zu dieser Person zu sagen gab: “Ich hatte mal sowas eingefangen, das ging rum wie die Seuche, das sag ich Dir.“ ein Blick in die entsetzt dreinblickenden Gesichter um ihn herum ließ ihn noch schnell anfügen “Das ist ne Ewigkeit her, Du meine Güte. Ein Glück bin ich schon längst wieder gesund, haha. Was ich sagen wollte, das war kein Spaß, sag ich Dir, haha…
Eine massige Gestalt schob sich durch die Leute und zwischen den Zahnlosen Nick und die alte Loretta:“Vielleicht solltet ihr einfach euer dummes Maul halten.“
Rudger war einer der Pfahlrammer, einige Finger größer als zwei Schritt, mit Oberarmen wie andere Leute Oberschenkel. Er überragte die Gestalten um sich herum um mindestens eine Kopflänge. Alleine seine Anwesenheit hatte etwas Beruhigendes, ob man wollte oder nicht.

“Hmpf!“ machte Loretta beleidigt, hielt aber ihren Schnabel und beobachtete wie der Rest der interessierten Zusammengelaufenen. Es schien eine kurze Beratung stattzufinden, einige der Oshead hatten sich eingefunden. “Der Asdan gehört jetzt zu den Reichsheilern. Der wird schon wissen, wie er damit umgehen muss, wenn jemand von denen was mitgebracht hat.“ meinte Rudger zu den Umstehenden, was mit unterschiedlichen Lauten quittiert wurde, einige zustimmend, andere skeptisch.
Die Beratungen gingen sehr kurz, man sah vereintes Nicken.


Einer der roten Kopftücher, es schien der Statthalter zu sein, gab dem Kommandant der Stadtwache einige Anweisungen und zwei Schriftstücke, worauf dieser zackig salutierte und davon stratzte. Dann suchte Raûl sich ein großes Fass, stieg hinauf und sprach zu der lauschenden Menge:
“Ihr guten Menschen von Gutenbucht!“ Irgendwo meckerte eine Ziege. “Wie ihr sicher schon wisst, hat das Schwarze Eis die im Süden liegende Freyenmark überfallen. Während einige Schollen noch erbitterten Widerstand leisten, sind andere bereits von einer überwältigenden Übermacht überrannt worden. Wir sind von Archon und Nyame beauftragt worden, die vom Landweg abgeschnittenen Siedler in Sicherheit zu bringen und dies ist uns auch gelungen. Unsere Freunde aus der Freyenmark sind bis auf weiteres unsere Gäste und als solche sind sie zu behandeln.  Sie werden ihre Winterunterkunft am Hochweg haben, auf dem Übungsplatz der Rekruten. Wir werden sie von unten aus mit allem versorgen, aber sie bleiben während des Winters dort und werden die Geschäfte von Gutenbucht nicht behelligen.
Einiges unwilliges Gemurmel in den Reihen der Einwohner. Das Gastrecht war recht hoch gesetzt und es schien einigen nicht zu schmecken, dass Raûl die Zackenberger offiziell als Gäste titulierte.

Aber wir haben aus den Erfahrungen des Wintersommers gelernt. “ nahm er den Faden wieder auf und brachte wieder Ruhe in die Umstehenden.  “Daher ist es niemanden gestattet, binnen den nächsten drei Wochen Kontakt mit den Neuankömmlingen aufzunehmen. Die Freyenmärker stehen unter Quarantäne, bis ausgeschlossen ist, dass sie Krankheiten mit zu uns gebracht haben.“
Gemurmel aus der Bevölkerung, welche diese Maßnahme gleich diskutieren musste. Der Statthalter gab ihnen drei Atemzüge, bevor er wieder fortfuhr.

“Unsere Gäste bringen aber auch Nützliches aus der Freyenmark mit. Ausrüstung, Werkzeuge und Rohstoffe, damit sie weniger auf uns angewiesen sind. Ihr Stolz gebietet ihnen, dass sie, sobald die Quarantäne vorüber ist, sich nach besten Wissen und Gewissen in unserem Lehen einbringen und sich auch sonst nichts zu Schulden kommen lassen. So wie es sich für gute Gäste gehört.
Die Elemente mit uns allen!“


Wieder Gemurmel, diesmal wohlwollender.
In der Zwischenzeit kam auch die Stadtwache aufmarschiert und bildete ein breites Spalier durch Gutenbucht bis zum Aufstieg in die Serpentine, welche die „Hohe Straße“ genannt wurde.


Dann endlich, nach langer anstrengender Reise, hatten die Freyenmärker endlich wieder festen Boden unter den Füßen.

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Zuletzt von Raûl am Mi Jan 03, 2018 6:26 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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Dorian Fuxfell
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Fr Dez 29, 2017 12:01 am

Erste Evakuierungswelle
Eine Woche nach der Anlandung in Gutenbucht


Die Zelte standen, wenigstens etwas. Dorian sah die Ungewissheit in vielen Gesichtern seiner Freunde und der Familien aus der Heimat. Mit Anweisungen von Federica und Stordan hatte er hier die Leute untergebracht sowie schon einige Zelte für die hoffentlich bald ankommenden Kämpfer aufstellen lassen.
Das Essen war hier auf das Nötigste rationiert worden. Die Quarantäne hatte ein Gutes: Niemand musste sich groß anstrengen und war deshalb auf keine kräftigen Portionen angewiesen. Generell waren viele durchaus überrascht, dass der einbrechende Winter hier nicht seine langen Finger ausstreckte. Es war... mild.

Das provisorische "Rathaus" war ebenfalls fertig. Ein großes Zelt mit ein paar Verstärkungen hatte es an die zentralste Stelle des Zeltlagers geschafft und würde bald die Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme werden. Wenn es dann noch jemanden gibt, der diese Arbeiten übernehmen würde.

Dorian hatte seine Tochter Freya mit einem Tuch vor seine Brust gebunden. Er war so unbeholfen dabei, dass ihm die Frauen des Dorfes immer damit helfen mussten. So geschickt er mit seinen Händen war, diese Knoterei und Binderei war ein Graus, saß das Tuch aber erstmal, war alles kein Problem mehr. Freya schlief nach der Fütterungszeit durch eine Amme tief und fest. Boronaya war durch den Evakuierungsplan noch in Neu-Zackenberg geblieben und hatte dort geholfen. Es gefiel ihm nicht, aber er sah ein, dass dieser Plan so am besten funktionieren würde.

Kurz vor dem Sonnenuntergang hatte Dorian noch einmal alle Bürger Zackenbergs zusammenrufen lassen. Jetzt standen sie auf dem kleinen Platz vor dem "Rathaus". Er hatte bewusst diesen Ort und diese Zeit gewählt, da der Blick auf Gutenbucht von dem erhöhten Plateau wunderschön war. Generell ließen die Änderungen hier vieles anders wirken.

"Meine Freunde! Wie lange kennen wir uns jetzt schon und wieviele Gräuel mussten wir schon mit ansehen?"

Ein kurzes Getuschel ging durch die Menge.

"Zu viele sage ich! Aber! Wir dürfen nicht vergessen, weshalb wir überhaupt nach Mythodea gegangen sind. Uns alles war klar, dass das hier nicht wie in der Heimat wird. Das wir nicht herkommen, unsere Äcker bestellen und die Tiere züchten. Wir sind hier, um gegen die Finsternis zu kämpfen. Ihr alle, seid Teil eines Plans. Ihr seid der Grundpfeiler unserer Krieger, die sich für uns alle in den Kampf stürzen, ihr Leben lassen und Witwen, Witwer und Waisen zurücklassen. Ihr baut ihre Häuser, sorgt für ihr Essen, pflegt ihre Wunden und steht ihnen trotzdem zur Seite.
Wenn unsere Krieger in den kommenden Tagen zu uns stoßen, werden sie all das mehr brauchen als alles andere!
Seht hinunter auf die Stadt, seht die Praiosscheibe, wie sie ihr Licht über alles scheinen lässt. In den nächsten Tagen laufen unsere Freunde und unsere Familie mit den Schiffen der Flotte ein. Und wir werden wieder mit ihnen vereint sein!
Die Finsternis mag den Kampf um Neu-Zackenberg und die Freyenmark gewonnen haben. Aber was war schon diese kleine Baronie dort? Ich sage: Das schaffen wir nochmal, und besser! Damit unsere Kinder eines Tages aufstehen und die Finsternis nicht mehr im Kopf haben müssen. Damit wir alle in Frieden leben können, ohne Kampf, ohne Krieg. Damit das Siechenhaus wieder dich Alrik nach einer Kneipenschlägerei zusammenflicken kann, ohne Verwundete von der Schlacht im Haus zu haben!"


Ein Gelächter ging durch die Reihen, selbst Alrik schien herzhaft zu lachen.

"Wir werden vielleicht noch mehr Kämpfe verlieren. Aber wir werden niemals aufgeben, nicht heute, nicht morgen und auch nicht in den kommenden Götterläufen. WIR stehen zusammen und WIR sorgen dafür, dass wir in diesem wunderschönen Reich einen Platz finden werden, an dem wir für uns sorgen können, aber auch damit wir dieses Reich stärken können! Zusammen sind wir stark! Seid ihr dabei?!"

Ein Jubeln ging durch die Menge, gefolgt von einem Schrei. Es war Freya, in seinem Tuch. Aufgeweckt durch den Lärm.
Mit entschuldigenden Geesten deutete Dorian auf sein Kind und die Menge jubelte leise weiter. Sie waren dabei, jeder.

Nur seine Gedanken waren düster. Seine Frau und all seine Freunde kämpften etliche hundert Meilen entfernt. Hoffentlich gehörte er nicht zu den Witwern und Freya nicht zu den Halbwaisen...
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Antonius
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Fr Dez 29, 2017 3:37 am

An Bord der Rumbullion
Antonius bemerkte Raul im ersten Moment gar nicht, erst als dieser ihn leicht gegen den Arm stieß und ihm von seinem Flachmann anbot, bemerkte er Raul. Er sah ihn an und sein Blick War im ersten Moment noch immer von Ignis Leidenschaft erfüllt, doch legte sich das im nächsten Augenblick und er nahm Raul lächelnd den Fachmann aus der Hand, prostate ihn zu und nahm dann dankbar einen Schluck. Während ihm der Inhalt des Fachmanns brennend die Kehle runter glitt, Schloß Antonius wieder die Augen, doch man sah ihm an, dass er das Gefühl genoss. Einen Augenblick nachdem er Raul den Flachmann wieder gegeben hatte, sagte er zu ihm mit einem schrägen lächeln "Vielen Dank mein Freund, dass habe ich gebraucht. Ich konnte einige Flaschen meines Phönixfeuers retten und die nächste Runde geht auf mich."
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Dorian Fuxfell
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Mi Jan 03, 2018 1:03 pm

Die ersten Wochen der Quarantäne waren vorüber, ebenso wie der Hesindezyklus, welchen sie mit dem Erleuchtungsfest im kleinen Kreis gefeiert hatten.
Hier waren sie nun also... Shäekara, Reich der Rosen.
Sie hatten nicht viel, außer sich selbst, doch es fühlte sich gut an.

Die Dämokratie, welche sie in der Freyenmark erlebt hatten, war zu dem geworden, was sie erwartet hatten. Chaos. Dämokratie war dazu verdammt, ins Chaos zu driften. Das Kaiserlich Garethische Reich war nicht umsonst so konstant geblieben, es hatte einen Führer, eine praiosgefällige Ordnung!

Dorian atmete tief die frische Seeluft ein. Sie war warm, zumindest wärmer als unten in der Freyenmark. Er ließ seinen Blick nun über all die Zelte und Leute streifen, die nun hier waren. Verluste waren bei der Evakuierung nicht ausgeblieben, doch wenigstens hatten es die allermeisten geschafft. Mehr als von ihm erhofft.
Dennoch... Shäekara war der Anfang, passend zum Namen. Sie würden für immer diesen einen Gefallen bei ihm gut haben, der ihn einiges kosten würde. Das war in Ordnung. Jetzt ging es aber zunächst erst einmal um die weitere Planung. Alle Zackenberger waren hier zwar sicher, aber... "unbenutzt". Sie würden in naher Zukunft dringend etwas zu tun brauchen. Dazu die Pferde. Die Zucht stand auch hier komplett still, zu wenig Wasser und Weide.

Zeit für einen Brief an den Hof...
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Raûl
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Do Jan 04, 2018 4:29 pm

Zu den Tagen, als endlich die Quarantäne aufgehoben wurde, wurde es noch betriebsamer am Hafen als sonst. Besorgte Freyenmarker sammelten sich in der Nähe der Anleger und des Kais in kleinen Gruppen und starrten nervös auf die Bucht hinaus. Auch der kleine Ausguck auf der Klippe im Süden hatte Zuwachs bekommen, anstelle zweier Angestellte der Hafenaufsicht saßen nun immerzu sechs oder sieben Leute und ein Mann von der Stadtwache auf oder in dem kleinen, quadratischen Gebäude aus geweißelten Steinen, von dem man auch beinahe die gesamte Küstenlinie des Reiches im Blick hatte, so weit die Sicht dies gestattete, was in dieser Jahreszeit normalerweise aber nur ein Dutzend Meilen waren.

Überhaupt war die Stadtwache immerzu präsent, blieben aber im Hintergrund. Sie schienen angewiesen zu sein, den Alltagsablauf und die ersten Kontakte zwischen Gutenbucht und Zackenbergern nicht zu stören. Nicht, dass es des Eingreifens bedurfte, außer einmal, aber da war ein Naihlar-Junge in der Quarantänezone der Gäste entdeckt worden. Offensichtlich hatte er sich in eine junge Magd verschaut, die mit der ersten Welle der Flüchtlinge angelandet worden war. Man hörte, er hätte erst von den Wachen und dann vom Oheim der Magd eine ordentliche Tracht Prügel bekommen, musste aber dann natürlich in der Quarantänezone bleiben. Was soll man sagen, sowas passierte halt bei jungen Leuten.

Die Zusammenführung ging recht geräuschlos vonstatten. Die Aventurier unterschieden sich in Erscheinung und Lebensansichten kaum vom Rest des bunten Völkerdurcheinanders in Shäekara, das durch die zahlreichen Schiffsmannschaften der Handelsrouten abwechslungsreiches Volk ohnehin gewöhnt waren. Und so ging das Leben der Menschen weiter, zumindest das der Gutenbuchter. Die Zackenberger hingegen warteten, je nach Gemüt und Wesen laut oder leise, jammernd oder voll Zuversicht, aber alle warteten.

Und dann kam der Ruf vom Felsen herunter, vielstimmig, heißer, freudig und ängstlich zugleich: “Sie kommen! Die Flotte kommt!“ kein halbes Stundenglas später, lange hatte es nicht gebraucht, die Nachricht bis ins letzte Eck der Stadt zu tragen, standen hunderte Freyenmärker im Hafen gedrängt und hunderte Gutenbuchter kamen dazu, weil große Menschenmassen nun mal noch größere Menschenmassen anziehen.

Als die Schiffe in die Bucht einliefen, wurden schon die wildesten Spekulationen geteilt. Auf den ersten Blick und schnell gezählt waren die Schiffe vollständig und wiesen keine größeren Beschädigungen auf. Wie bei der ersten Evakuierung bildete sich wieder eine Gasse, von Stadtwachen gesäumt, die diesmal aber auch eine zweite Gasse zu einem der naheliegenden Lagerhäusern. Gerüchte gingen, dass es unter der Anweisung von Asdan und Marcia in den letzten Wochen geräumt und zu einem Lazarett umfunktioniert worden war. Aber nicht nur dort, auch oben auf der Hochebene in der provisorischen Stadt waren Unterkünfte eingerichtet worden, welche Verwundete versorgen konnten.

Diesmal landete die Rumbullion direkt an, Raûl ging als Erster von Bord, dicht gefolgt von Baron Stordan und Antonius, der den Baron stützen musste. Jubel brandete auf. Raûl suchte sich wieder eine höhere Kiste und half Stordan hinauf, stieg dann zu ihm und sah sich in der Masse nach Dorian um. Derweilen verließen die letzten Verteidiger der gefallenen Scholle Neu-Zackenberg das Schiff. Kaum einer war ohne eine Verletzung davongekommen, einige mussten getragen werden und wurden von Asdan vor Ort kurz begutachtet, bevor sie Richtung Serpentine aufbrechen konnten. Einige waren so schwer verletzt, dass sie sofort ins Lazarett verbracht wurden.

Das Jubeln legte sich. Vereinzelte freudige Ausrufe, wenn jemand einen Verwandten oder Freund unter den leichter Verletzten entdeckte und der Anspannung nachgeben konnte, aber auch entsetztes Luftschnappen bei Angehörigen von schwer Verletzten. Und dann kamen die Bahren, eine nach der anderen. Ein halbes Dutzend von ihnen. Sofort wurden wild Namen durcheinandergerufen, manch einer bekam die letzte Hoffnung zerschlagen und traurige Gewissheit, andere hingegen mussten weiter ausharren, sorgenvoll und nervös.

Das zweite Schiff legte an, auch hier halfen Leichtverletzte den Schwerverletzten, wurden von ihren Angehörigen in Empfang genommen, von den Heilern begutachtet und dann Richtung Hochebene oder zu den Nicht-Transportfähigen ins Lagerhaus gewiesen. Dann wieder Bahren, ein weiteres halbes Dutzend. Und ein zweites Mal begann die Tortur von Neuem, die Gewissheit des Todes für manche, die nicht minder quälende Ungewissheit der Übrigen. Raûls Mine versteinerte zunehmend.

Dann kam das dritte Schiff und von Bord kam nur noch ein Dutzend leichtverletzter Soldaten von Neu-Zackenberg und sonst… niemand mehr. Stille legte sich um diejenigen, die noch standen und suchten, viele Schaulustige gingen leise davon, wussten doch alle was jetzt kam. “Auf den anderen Schiffen sind nur noch die Schiffsmannschaften von Shäekara und der Rest der Vorräte, die wir auf die Schnelle aufladen konnten. Mehr konnten wir nicht tun.“

Dann brach das große Wehklagen los.
An Tagen wie diesen hasste Raûl seinen Job…

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Antonius
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Do Jan 04, 2018 5:14 pm

Antonius, der zusammen mit Stordan auf die Kiste gestiegen war, ließ sein Blick über die wartenden Aventurier schweifen, ernst war sein Blick als er anfing zu sprechen übertönte er das gemurmel und man konnte ihn bis in die hinterste Ecke des Hafens hören.
"Zackenberger, ihr meine tapferen Aventurier, ich möchte Euch berichten, dass wir zäh die letzten Wochen ausgehalten haben und dem schwarzen Eis einen harten Kampf geliefert haben" schnell hörten während der ersten Worte alle Gespräche auf und man sah gefasst zu Antonius auf "Leider schaften es nicht alle von uns und wir ließen einen hohen Blutzoll, so sind von den 200 nur 120 der Schlacht entkommen und weitere 13 erlagen während der Schiffsfahrt ihren Verwundungen" Ein aufschrei ging durch die Menge und einige vielen ihren Nebenmann in die arme und vergruben weinend ihre Häupter. Während dessen löste sich Dorian von seiner Frau und seinem Kind und ging nach vorne zu Stordan und Antonius "Doch verzagt nicht, uns allen war Bewusst das es dazu kommen würde und so laßt uns für ihre Seelen beten und nach vorne sehen." bei den nächsten Worten nahm Antonius Dorian war und er schenkte ihm ein schiefes grinsen "Den hier nun sind wir bei Freunden und das schwarze Eis ist fern. doch schwöre ich bei Ignis und Kor, dass ich das was uns das schwarze Eis angetan hat ihnen doppelt zurck geben werde!" Jubel brandete auf, auch von den Soldaten die bei ihrer Ausschiffung an ihm Vorbeizogen "An Euch, Volk von Shäkara, richtet sich mein Dank und um das zu unterstreichen habe ich als Gastgeschenk dutzende Setzlinge und junge Bäume aus der Scholle Neu-Zackenberg mit gebracht, aber um Euch auch nicht auf der Tasche zu liegen, bringen wir auch Dutzende Fässer voll Süßwasser mit!" Nun jubelten auch die Einheimischen und so endete Antonius seine Rede.
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Stordan von Zackenberg
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Sa Jan 06, 2018 4:31 pm

Stordan hatte mit zusammengebissenen Zähnen den Worten der Beiden gelauscht. Offensichtlich hatte er noch starke Beschwerden. Nachdem Antonius geendet hatte, hob er die Hand und wartete, bis die Leute ruhiger wurden:

Bürger Shaekaras und Zackenbergs, dunkel waren die letzten Tage und Wochen. Jetzt und hier ist nicht der richtige Ort um alles aufzuarbeiten, vielmehr wollen wir die Zeit erstmal sinnvoll nutzen, auf dass es keine weiteren Opfer zu beklagen gilt und unsere tapferen aber glücklosen Toten anständig beerdigt werden. Ich rufe hiermit für alle Zackenberger eine zwölftägige Zeit der Besinnung aus, in der ihr den Toten gedenken könnt, die Götter und ihre Prinzipien verehren sollt und Freundschaften und Bindungen, seinen es alte Zackenberger und noch mehr neue zwischen Zackenbergern und den Bürgern von Shaekara, pflegen müsst. Lasst uns diese Zeit sinnvoll zur Erinnerung und Vertiefeung dessen nutzen, warum wir hier sind und was unsere Ziele sind. Dann, nach den 12 Tagen, werden wir uns neu an die Arbeit machen, um unsere Ziele umzusetzen.

Stordan hatte die letzten Worte kaum ausgesprochen, als eine neue Schmerzwelle ihn durchfuhr. Fast wäre er vom Podest gefallen, wären Raúl und Antonius nicht so umsichtig gewesen und hatten ihn abgefangen und gestützt. Mühsam richtete er sich wieder auf.

Wir lassen uns nicht Brechen, die Zwölfe mit euch allen! Das waren seine letzten Worte an die Menge, bevor er langsam und mühselig vom Podest herabkletterte und sich in Richtung seines wartenden Pferdes begab, gestützt von einer Frau, die die meisten nicht kannten.

Nach ein paar Schritt, die Raúl an seiner Seite verbracht hatte, blickte er diesen fest an und lud ihn in sein Zelt ein, zu jeder Stunde, die diesem passen würde. Deutlich konnte Raùl jedoch erkennen, dass dieser Mann erstmal Ruhe und Heiler benötigte, jedoch keine langen Besprechungen oder Feiern.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Sa Jan 06, 2018 11:06 pm

Raûl klopfte Stordan auf die Schulter, bezog Antonius und Dorian in seine Worte mit ein: "Jetzt kommt zur Ruhe. Ihr seid in Sicherheit. Wenn wir wieder zu Kräften gekommen sind, dann Reden wir über das was war und das was sein könnte. Herzlich Willkommen in Shäekara. Die Elemente mit Euch."

Dann machte er sich auf, Dinge zu organisieren.

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Mallo
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BeitragThema: Re: Die freyen Gestrandeten   Fr Jan 12, 2018 11:44 pm

Sie hatte im Windschatten von Clodrigs Hofhütte gelegen, mit ausgestreckten, übereinandergeschlagenen Beinen, und hatte den Horizont durch die Schwaden ihrer Isanpfeife beobachtet. Der Winter hatte Mythodea erreicht. Glücklicherweise merkte man in Shäekara wenig davon, nur, dass die Winde stärker und beißender wurden und der Himmel trüber und dass es viele Tage regnete. Für die Bauern war diese Zeit eine glückliche; Ja dieser Winter würde für alle ein glücklicher werden, hätte die neue Regentschaft nicht beschlossen, das Lehen wieder aus allen Nähten platzen zu lassen.

Sie hasste die mürrischen Mienen der Gutenbuchter in diesen Fällen und genauso stark verstand sie sie und fühlte mit ihnen. Und genauso stark fühlte sie mit denen, die gekommen waren, und mit denen, die nun jeden Moment kommen würden. Grenzen waren Grenzen, und Menschen waren Menschen. Sie wusste, dass Umstände, die die angereisten Zackenberger verursachen würden, zu einem nicht geringen Teil ihr Verdienst waren; und sie bereute keinen vorwurfsvollen Blick, keine gespiene Beleidigung, kein Murren, keine Diskussion, keinen ausgezehrten Nerv und keine schlaflose Nacht. Das alles war es wert gewesen, dass sie hier waren und dass sie mehr werden würden. Je mehr sie würden, so dachte sie, umso mehr hätte Shäekara gerettet. Umso mehr hätten sie, alle gemeinsam, den Verfemten den Mittelfinger gezeigt. Wenn auch ein rabiater und plötzlicher, war es doch ein Weg zur Einigkeit der Völker und der Siegel - diesmal sogar über die Grenzen des Reiches der Rosen hinaus.

Mallo setzte sich auf und streckte sich erstarrt nach vorn, als die ersten Punkte am Horizont auftauchten; und sie verbannte alle Gedanken und Empfindungen für die weiteren - waren es Stunden? -, bis die Rumbullion und danach der Rest der Flotte angelegt, die Menschen sich am Hafen versammelt hatten - sie erkannte von hier oben das schwarze und rote Tuch der Naihlar, die wirren Schöpfe der Chirya und das irdene Gemisch aus Ghalmaren, Naeviten, Gutenbuchtern und den ersten der Zackenberger, die sich zusammengetan hatten, um den Rest der Geretteten in Empfang zu nehmen; sie erkannte auch die Gasse, die die Stadtwache gebildet hatte; wie auch beim ersten Mal würde sie von hier aus sehen, wenn die ersten von ihnen die Serpentine nach oben ins Quarantänelager nahmen - bis vereinzelt und gedämpft Jubelrufe und Wehklagen zu ihr drangen. Es waren Überbleibsel, winzige Spuren des zu erahnenden Geschehens, auf die Terrassen hochgetragen durch die Brandung und den Wind, doch sie konnte sich vorstellen, was geschah - sie hatte es beim ersten Mal gesehen. Als sie die Menschen hörte, atmete sie, das erste mal seit langem bewusst, tief aus. Das war's. Kein Zweifel, das war es wert gewesen. Und sie würden damit leben. Und sie würden es überleben, alle zusammen.

"Du bist ein zähes Biest", sagte sie zu Vika, der am offenen Fenster auf der Fensterbank stand, eingetopft für den Winter. Er würdigte das Geschehen der letzten Wochen und ihre fast täglichen Besuche keines Blickes, aber Mallo hatte auch nichts anderes mehr von ihm erwartet. Sie war erleichtert gewesen, sein Grün gesund und saftig zu sehen, hatte ihn vor den Winden in Sicherheit gebracht und so würden sie verbleiben, wahrscheinlich - bis sie oder Vhenan aus der Hauptstadt zurückkehrten. Nun galt es aber, sich wieder den Menschen zu widmen - den alten mehr, als den neuen. Diese waren in den besten Händen, die sie hätten bekommen können hier im Land. Asdan und Marcia hatten sich hoffentlich mit Khaid zusammengetan und alles wieder auf die Beine gebracht, was noch zu retten war. Und jetzt würden die Bürger von Shäekara wieder Platz machen müssen, wieder ihre Häuser teilen für die Neuen aus der ersten Rettung, während die Neuen aus der zweiten die Zeltstadt bezogen. Zurück an die Arbeit. "Ich muss mir mal ein Beispiel an dir nehmen", sagte sie wieder zu Vika, während sie aufstand und die kühlen Glieder streckte, "Um dich herum geht die Welt steil und du bleibst trotzdem du. Grün und gesund. Und bei dem, was auch immer deine Aussage ist."

Sie neigte sich ins Fenster, gab dem Blütenkopf einen vorsichtigen Kuss und schloss das Fenster, ihn im Warmen lassend. Dann stieg sie herunter von der Terrasse, um sich zu Raûl zu gesellen - Dinge organisieren.
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