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 Wenn Welten aufeinanderprallen....

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Vhenan
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BeitragThema: Wenn Welten aufeinanderprallen....   So März 18, 2018 11:10 pm

Wann: Einige Tage nach der Anreise des Hofes, nach der Sitzung mit den Zackenbergern
Wo: Das lange Rohr
Wer: Vhenan, Heinrich und der Oshead Erzähler


"Ich habe dich nicht angekündigt. Wie du es wolltest, damit sie keinen Aufstand machen und sich verbiegen. Das würden sie eh nicht tun, aber ich denke das hätte trotzdem irgendwelche seltsamen Auswirkungen gehabt. Bei meinen Freunden weiß man nie. Genau das mag ich aber an ihnen. Ich bin gespannt wie es sich verändert hat. Einmal ging ich für ein Jahr lang weg, wollte später in die Taverne zurück und zack - da war es eine Freudentaverne mit.. hmm..."  Wie beschrieb sie die Käfigtänze jetzt am besten, ohne, dass Heinrich direkt wieder weglief? "Naja, du wirst es sehen. Ich weiß selbst nicht was sich während des Feldzuges getan hat. Naihlar sind immer geschäftstüchtig, Stillstand bedeutet finanzielle Einbußen und das mögen wir nicht. Das wirst du bei Raûl bestimmt schon gemerkt haben."

Vhenan lotste den Edlen Herren des Reiches, einen Adeligen gerade zielsicher in den Teil des Hafens, der von den meisten anständigen Gästen gemieden wurde. Es lag am Ambiente und auch daran, dass die Naihlar eigentlich unter sich sein wollten. Willkommen war natürlich dennoch jeder und sogar der Erzkanzler des ehemaligen Kelemthals Lazantin Gredorn hatte sich schon einmal hierher verirrt, was nachträglich für Werbezwecke genutzt worden war. Was würde erst passieren, wenn der Hof dagewesen war?

Auf dem Weg über die Bretter plapperte die Schreiberin munter drauf los, voller Vorfreude und mit einem Hauch Angst im Gepäck. Vielleicht war es auch ein Fehler. Genefe würde sie ungern hierhin schleppen, ihr hatte sie das 'Kartenhaus' empfohlen. Sogar noch vor dem 'Kelch und Rose', weil sie wusste, dass Fräulein Güldenbach Ruhe liebte und nach der Überfahrt, die ihr nicht sonderlich gut bekommen war, diese umso mehr mit Kind schätzen würde. Und den Hofmarschall schleppte sie hierher.... Kurz kam ihr der Gedanke, dass es doch wieder so eine vhenansche Schnapsidee gewesen war, immerhin war Wein im Spiel gewesen, aber dennoch freute sie sich darauf. Ein Kulturschock konnte nie schaden, da kam man in jedem Fall in Bewegung. In irgendeine Richtung.

Vhenan hatte immer noch die gebrochene rechte Hand dick verbunden und in der linken ein kleines Heftchen. Ein Geschenk für ihre Freundin. Sonst war sie wie gewohnt in weiß und gold gekleidet, trug ihren Kramgürtel mit allerlei Gebamsel und zwei Dolchen als Gepäck.

"Ich hoffe nur sie ist nicht beleidigt, weil ich mich erst jetzt blicken lasse. Dass ich neuerdings so viel arbeiten muss, dürfte auch für meine Freunde ein Schock sein." Vhenan grinste leicht. Das war auch ein Kulturschock gewesen.
"Wenn dir darin irgendetwas unangenehm ist, dann sag es direkt. Ansonsten: lass dich überraschen und genieß die... exotische Andersartigkeit. Ich pass schon auf dich auf." Sie warf Heinrich ein verschmitztes Grinsen zu und zog dann den Vorhang beiseite, um das 'Lange Rohr' vor dem Hofmarschall zu betreten. Sie hatte keinen Schimmer wie die Etikette das wieder regeln würde, aber es war sicherer, wenn sie vorging.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo März 19, 2018 1:19 pm

Von außen

Die Menschenmassen, die sich nach Takbal drängten, hatten auch vor dem "roten" Teil des Hafens nicht halt gemacht. (Der Name rührte zum einen von den allgegenwärtig erscheinenden roten Kopftüchern, zum anderen natürlich von der Farbe der Beleuchtung). Obwohl das Volk der Naihlar also noch immer den Hauptanteil des Stadtbildes ausmachte, war doch auch hier die Raumknappheit deutlich spürbar: Zelte reihten sich an Zelte, und häufig hatte man die anmutige, aber verschwenderische Rundform durch eine hässliche, aber effiziente Kastenbauweise ersetzt. Wo Häuser standen, aus ungebrannten oder gebrannten Lehmziegeln, nicht immer übermalt, da waren notdürftig gezimmerte Bretterverschläge angebaut und weitere Zelte darauf oder daneben gesetzt worden. Egal, wo man hintrat, irgendwo schlief immer jemand, schrie ein Kind, kochte ein Topf über dem Feuer oder saß ein Grüppchen zusammen. Ein beklemmendes Gefühl von Enge, von erzwungener Nähe, lag in der Luft.

Aber die Naihlar wären nicht die Naihlar, wenn sie nicht auch hier noch versuchen würden, daraus Profit zu schlagen. Es gab Buden und Büdchen, Stehtische, umgeklappte Fensterläden und anderen improvisierte kommerzielle Einrichtungen, an denen Speisen verkauft wurden, Gebranntes und Gebrautes und manchmal sogar nichtalkoholische Getränke. Dann aber wieder auch Mittelchen dubioserer Art, Kräuterbündel, dampfende Rauchgläser, verschiedenfarbige Pülverchen von zweifelhafter Wirkung und exotischere Arten, sich den Verstand zu vernebeln. Hinzu kamen Scharlatane und Quacksalber, die Wundermittel gegen alle vorstellbaren Beschwerden anboten, tausenderlei Möglichkeiten, die Gunst einer anderen Person zu erringen, und verdächtig machtvoll erscheinende magische Gegenstände (von denen der "goldne Edalffihstain" noch eine der harmloseren Varianten war). Die Notsituation der Neuankömmlinge hatte auch hässlichere Geschäfte hervorgebracht; man sah erschöpfte und ausgezehrte Gestalten ihre wertvolle Habe zu Schleuderpreisen verkaufen, daneben dann die Läden, in denen sie gleich wieder teurer (aber immer noch unter Wert) verkauft wurden, Bündel von ärmlichen Stofffetzen, Decken, einfachem Geschirr und dergleichen Notwendigkeiten mehr, für die wiederum deutlich mehr verlangt wurde, als sie eigentlich wert waren. Dazwischen die allgegenwärtig wirkenden roten Laternen, und die Männer und Frauen, die unter ihnen das Einzige verkauften, was sie noch hatten.

Die Dichte an solchen Angeboten wurde größer, je mehr man sich dem "Langen Rohr" näherte, und auch sonst machte das Handelsgewerbe der Unterhaltungsbranche Platz: Tische mit Würfeln, Karten oder Spielsteinchen, auf Sand oder Holzbohlen gezeichnete Ringe und Linien, Wurfpfeile, Stangen und Stemmeisen, an denen man seine Kraft beweisen konnte. Aus Zelten und Häusern sowie an den Feuern erklang Musik, von variierender Lautstärke und Qualität.

Es war nicht die einzige, wohl aber inzwischen die größte Einrichtung dieser Art. Ein komplexes Konstrukt aus Zeltstangen, Stoffbahnen und Seilen war zuerst an die umliegenden Häuserwände herangewachsen und hatte diese dann schlicht inkorporiert. Taktshad war es, auf die eine oder andere Weise, gelungen, ihre Nachbarn zu überreden, ihr den kostbaren Wohnplatz abzutreten, und so erstreckte sich ihr Etablissement nun über zwei Stockwerke und eine halbe Straße. Der Vorhang, den Vhenan beiseite zog, war nun nur noch ein Eingang unter vielen. Darüber baumelte noch immer die alte Bambuskanone; allerdings waren einige krude, anatomische Details hinzugekommen, die wenig subtil auf die besondere Natur des Hauses hinwiesen


Von innen

Das Erste, was man beim Eintritt bemerkte, war der Geruch. Durch die Wände einigermaßen nach außen abgeschirmt, bemerkte man ihn erst jenseits der Türschwelle. Es war eine eigenartige, nicht unbedingt unangenehme, aber zweifelsohne sehr intensive Mischung; eine Melange aus Schweiß, Parfüm(s), Rauch, duftenden Kräutern, alten und neuen Speisen, dampfendem Tee, Alkohol und Öl, welches hier nicht nur zum Kochen verwendet wurde.
Das Zweite, was man nach dem Eintritt bemerkte, war das Licht. Es war nicht etwa dunkel im "Langen Rohr", eher im Gegenteil. Obwohl es keine richtigen Fenster gab, und die Zeltwände sowohl tagsüber (gegen die Hitze) als auch nachts (gegen die Kälte) meistens geschlossen blieben, waren die Räume erhellt von Kerzenschein, Öllampen und strategisch angebrachten Spiegeln, die durch buntes Glas schienen und so den Raum in eine verwirrende, optische Kakaphonie aus hunderten von Farben tauchten. (Hie und da schien ein Licht sogar einfach so im Raum zu schweben.) Man konnte es für geschmacklos halten, wenn man denn wollte.
Das Dritte aber, was man  bemerkte, wenn man sich an das Licht gewöhnt hatte, waren die Männer. Es gab sie in den verschiedensten Formen und Farben, an den Tischen herumlungernd, in Käfigen stehend oder tanzend, auf Kissen räkelnd oder durch den Raum stolzierend. Sie hatten zwei Dinge gemeinsam: Sie waren zumeist recht hübsch anzuschauen, und sie waren eher spärlich bekleidet. Die Szenerie wirkte wie eine Lobeshymne auf die männliche Schönheit - es gab breit gebaute Hünen mit schwellenden Muskeln, schlangenhaft geschmeidige Tänzer und zarte, knabenhaft wirkende Jünglinge mit großen Augen. Öl glänzte auf viel Haut, und unter eng anliegenden Hosen und weit geöffneten Hemden (wenn überhaupt) wurde die Ware überdeutlich angepriesen.

Dazwischen befand sich die Kundschaft: Derbe Matrosinnen mit windgegerbten Gesichtern, die laut gackernd die Vorzüge bestimmter Herren besprachen, wilde Soldatenweiber, noch mit Rüstzeug und Seitenwaffe, die einem Tänzer im Käfig zugröhlten (man ahnte, wozu das Gitter gut war) und Gruppen von Marktfrauen, die sich gegenseitig zum Anfassen anstachelten. Im Hintergrund konnte man Tische erahnen, von denen das Klackern von Würfeln und die Freudenrufe der Gewinner (sowie die Klagelaute der Verlierer) drangen, sowie mit Tüchern abgetrennte Separees, für verschiedentliche Zwecke. Inmitten des ganzen Trubels, auf einem kleinen Podest hinter der kreisrunden Bar, stand Taktshad. Sie hatte inzwischen ein paar Karat hinzugewonnen, die in haar und Gesicht glänzten; die Menge an Stoff war allerdings dieselbe geblieben. An ihrer Seite stand ein besonders prachtvolles Exemplar des Typs Hüne, der seiner Aufgabe, gut auszusehen und nichts zu sagen, eifrig nachkam. Als sie erkannte, wer da durch den Eingang kam, breitete sie die Arme aus und setzte ein zufriedenes Grinsen auf.
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Heinrich von Buntfeste
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo März 19, 2018 8:53 pm

Während der Hofmarschall Vhenan folgte, blieb er eher ruhig und beobachtete seine Umgebung genau. Ab und zu nickte er und gab kurze Antworten von sich wie "Mhm", "Verstehe" etc.
Heinrich war sehr interessiert, wirkte aber auch besorgt über den engen Lebensraum hier.....und vielleicht sogar vor dem was ihn erwartete.

Drinnen angekommen hielt Heinrich sofort eine Hand über Nase und Mund.
Es war mehr als offensichtlich, dass der intensive Geruchsmix zu viel für ihn war und wohl Kopfschmerzen bereiten könnte. Nach wenigen Augenblicken jedoch schien der Hofmarschall den Schock überwunden zu haben...zumindest traute sich seine Nase langsam wieder heraus. Das Gefühl benebelt zu werden blieb aber.
Kurz darauf fand er aber schon eine ganz andere "Katastrophe".
Männer...in Käfigen...spärlich gekleidet....glänzende Haut. Heinrichs Augen waren weit aufgerissen und auch sein Mund klappte geschockt auf.
Wie war das möglich? Wie konnte es sowas geben? Wie konnte nur solch eine Idee....solch ein Gedanke soetwas zu machen geboren werden?

Der Edle Herr fühlte sich völlig fehl am Platz und schaute Vhenan hilflos an.
"Ich hoffe wirklich du passt auf mich auf. Ich will nicht in einen Käfig reingezogen werden. Warum werden hier überhaupt Gefangene gemacht und zur Schau gestellt? Und ich möchte...dieses Öl....bitte bitte nicht auf meine Gewandung."

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Hofmarschall am Hof von Rosen und Dornen

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo März 19, 2018 9:25 pm

Vhenan staunte ebenso. „Woooow. Das wird ja immer besser!“ Ihr Blick flog beeindruckt durch das lange Rohr. Sie saugte die neuen Eindrücke auf und war begeistert. „Meine Güte, sie war fleißig. Ohhhh, die Bar ist rund, das gefällt mir!“, bemerkte die Schreiberin euphorisch und erspähte ihre Freundin dann auch auf einem Podest. Sie schien nicht beleidigt zu sein.

Vhenan strahlte zurück und klopfte sich zweimal in Herzgegend gegen die Brust, um über die Entfernung ihr Wohlwollen zu kommunizieren. Taktschad hatte sich nicht lumpen lassen und in der wenigen Zeit offenbar sehr viel Profit rausgeschlagen.

Dann riss sie sich aus dem eigenen Staunen heraus und betrachtete Heinrich amüsiert.
Nicht auf der Gewandung?“ Sie grinste dämlich. „Das solltest du hier anders formulieren. Sonst wird dir ganz schnell geraten dich auszuziehen, damit genau das gar nicht erst geschehen kann. Das ist aber vermutlich nicht das, was du im Sinn hattest.“ Sie lachte erheitert.

Entspann dich. Ich denke du brauchst erstmal einen Schnaps, um das zu verarbeiten. Der erste geht auf mich.“, beschloss sie spontan, schnappte sich Heinrichs Arm und lotste ihn zur Theke, damit er nicht verloren ging oder davonflatterte. Auf dem Weg war sie kurz von einem knapp bekleideten Herrn abgelenkt. "Halloooo." Sie schaute ihm ungeniert auf den nackten Po und fühlte sich pudelwohl.

Das sind übrigens keine Gefangenen. Das ist.... Kunst. Und manchmal sogar sicherer für die Tänzer, wenn sie da drin sind. Diese.... schrägen Vögel können jederzeit da raus.... Aber wirklich! Es hat sich deutlich vergrößert, seit ich das letzte Mal hier war.“ Sie vermutete, dass Versprechen, Bestechung, Scarena und Messer involviert gewesen waren, sprach den Gedanken aber wohlwissend nicht aus.

Jetzt hast du eine Ahnung wie diese komischen Damenrunden am Hof für mich sind.“ Es war ein dezenter Hinweis, dem ein Lächeln folgte, dann erreichten sie die Bar.

EY! Taktschad! Ich hab dir was mitgebracht!“ Vhenan rief einmal quer durch den Raum und strahlte dann. Ob sie das Heft meinte oder den Hofmarschall war nicht klar erkennbar, schloss sich aber auch nicht gegenseitig aus.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo März 19, 2018 10:31 pm

Inzwischen hatte die Gesellschaft im Saal Zeit gehabt, die Neuankömmlinge zu bemerken, und mehr als ein neugieriges Paar Augen drehte sich in ihre Richtung. Während sie in Richtung Bar ging, wurde Vhenan aus verschiedenen Ecken im Raum freundlich zugewunken, und hier und da erklang ein fröhliches "Nanuz je" oder "Atata, Na ... Nenani." (Wenn auch vielleicht weniger oft, als sie es sich gewünscht hätte. Ein Jahr war eine lange Zeit in Gutenbucht.)
Heinrich hingegen war ... Gegenstand anderer Arten von Aufmerksamkeit. Die Reaktionen rangierten von "vorsichtiger Neugier" über "verhaltene Verblüffung" bis hin zu "offenem, unverschämten Glotzen", und man konnte es tuscheln hören.

"... macht denn so ein feiner ... "
"... aber mal angezogen wie ein ..."
"... hier her gekommen?"
"... mit der Bazhima? Vielleicht vom Hof?" "Sei nicht albern. Was würde bitte so ein
litochan hier wollen? "Na, wahrscheinlich wegen der Wurstware, weißt, was ich ..."
"... aber ein schön angezogener Kerl. Was anderes." "Na, ich weiß nicht, der sieht doch aus wie ein
korthmaouha, mit dem ..."
"... könnte mir mal auch die Schildkröte ..."
"... hat sich wohl vom 'Kartenhaus' hierher ..."


Andere Aufmerksamkeit war hingegen sogar noch unverblümter, und aus ein oder zwei Käfigen wurden dem Hofmarschall sehr eindeutige Angebote gemacht ... oder entgegengestreckt. Das Personal schien davon auszugehen, dass jeder Besucher auch ein interessierter Kunde war.

Dann war Vhenan an der Bar, und Taktshad glitt von ihrem Podest nach unten. Sie war noch immer dieselbe klassische Naihlarschönheit, mit einer wilden Mähne schwarzer Löckchen, in das Haar geflochtene und überall am Körper befestigten, flatternden Tüchern und dem mehr als nur ein wenig freizügigen Kleiderschnitt, doch war inzwischen ein deutlicher Schuss Erfolg hinzugekommen. Das Tuch war von besserer Machart, der Schmuck eher Gold als vergoldet, und sie schritt mit einer Selbstverständlichkeit einher, die nur jemand ausstrahlen konnte, dem tatsächlich alles in Sichtweite gehörte. "Nenani! Nim neya Nenani. Aî nah tak fo ... taktak", sagte sie, ergriff Vhenan an Kopf und Hüfte, und zog sie in einen mehr als nur freundschaftlichen Begrüßungskuss. Für eine Weile.

"Hmm. Es ist zu lang her", sagte sie, als sie die Schreiberin wieder freigegeben hatte. Dann fiel ihr Blick auf Heinrich, und das Lächeln gewann etwas Raubtierhaftes hinzu. "Oh, was ist denn das? Für mich? Aber das wäre doch nicht nötig gewesen", sagte sie, und trat mit Schwung direkt in seine persönliche Komfortzone. "Das ist aber mal ein edles Stück ... der sieht ja reinrassig aus. Wo hast du den denn aufgetrieben?" Sie zwinkerte Vhenan über die Schulter zu.
"Wenn das Spielzeug so hübsch ist wie die Verpackung ... ich muss einfach nachsehen." Sprach's, und streckte die Hände in höchst unziemlicher Absicht nach des Marschalls Hosenbund aus ...
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Heinrich von Buntfeste
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Di März 20, 2018 11:07 pm

Heinrich schien noch alles verarbeiten zu wollen.
Er konzentrierte sich eher darauf schnell zu reagieren, als lange Sätze zu formulieren.
"Ich will mich tatsächlich nicht ausziehen. Schnapps ist in Ordnung. Was soll daran Kunst sein? Ich kenne schräge Vögel, das sind aber Menschen. Die Damenrunden sind wenigstens zivilisiert. Und bei all nötigem Respekt, ich muss ablehnen!", antwortete er empört, als aus den Käfigen die Angebote kamen.

Der Hofmarschall war so schockiert, dass er viel zu spät Taktshad bemerkte und was sie vorhatte.
Mit einem kurzen Aufschrei sprang er einen Satz nach hinten und hielt seine Hände schützend vor den Hosenbund.
"Meine Dame, ich muss doch bitten. Wir kennen uns doch überhaupt nicht. Ich verbitte mir ausgepackt zu werden. Außerdem bin ich nicht reinrassig. Und überhaupt bin ich kein Spielzeug, werte Dame."
Wieder war Heinrichs Empörung zu spüren und er schaute Vhenan auffordernd an ihn zu beschützen.

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Hofmarschall am Hof von Rosen und Dornen

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Di März 20, 2018 11:48 pm

Eigentlich hatte Vhenan noch vorgehabt sich über das Paradoxon 'neya und nenani' auszulassen. Eigentlich. Die stürmische Begrüßung war dazwischen gekommen und wer sagte da schon nein? Sie konzentrierte sich voll uns ganz auf die Hausherrin, erwiderte Kuss und Berührungen und ließ Heinrich für die Momente kurz links liegen. Es gab ja genug andere Sachen, die er sich begeistert anschauen könnte. 'Freunde' mussten angemessen begrüßt werden, besonders wenn man sich so lange nicht gesehen hatte.

Die Schreiberin waberte innerlich noch eine Weile vor sich hin und grinste dabei blöd, während sich Taktschad dem Hofmarschall zuwandte. Oha. Das tat ja schon beim Zusehen weh, aber sie griff nicht sofort ein. Wegen einer Bemerkung, die er hatte fallen lassen und weil sie sehen wollte wie hilflos er denn wirklich war. ... Sehr.... Innerlich seufzte sie.

Das wäre ein günstiger Moment gewesen deine Fingerpeitsche zu präsentieren.
Diesen Wink brockte sie ihm noch ein, dann griff sie nach der anderen Frau und zog sie sanft, aber bestimmt ein wenig zurück, um sich selbst mit ihr zu beschäftigen. Vhenan legte ihre Arme von hinten um Taktschad und hielt ihr mit links das dünne Heftchen vor die Nase.

Er ist nicht das Geschenk, sondern das hier. Märchen der Gebrüder Groll. Die Erstausgabe habe ich während des Feldzuges ergattert, aber ich kam erst jetzt dazu sie zu lesen... anzügliche Lektüre... nicht so gut wie unsere Sachen, aber für zwischendurch ganz brauchbar. Vielleicht kannst du dem ja ein bisschen was abgewinnen... Es sind nur Erzählungen und recht obszöne Bilder, die das ganze untermalen. Blondpunzel und ein geiler Prinz. Dornmöschen. Das etwas andere Schneiderlein. Rotkleidchen. Und – Der wunde Spielmann. Die Titel versprechen mehr, als die Geschichten reißen, aber naja... was besseres habe ich nicht gefunden. Hier.“ Damit überreichte sie das Geschenk und kam dann erst zum formellen Teil. Sie löste sich von Taktschad und stellte sich zwischen die beiden, um sie miteinander bekannt zu machen.

Darf ich vorstellen? Der edle Herr des Reichs Heinrich von Buntfeste. Hofmarschall am Hof von Rosen und Dornen. Meister der Etikette. Und sie...“ Jetzt sah sie Heinrich an, und deutete auf die Naihlar. „Ist Taktschad, die Königin dieses Etablissements. Diejenige, die aus einer kleinen Bitte eine Goldgrube gezaubert hat.“ Sie warf ihrer Freundin einen anerkennenden Blick zu. „Meinen Respekt hast du längst. An dem, den du dir wünschst, arbeiten wir jetzt. Hättest du ein gemütliches Eck hier im Hauptraum für uns? Und wir brauchen Schnaps.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mi März 21, 2018 11:43 pm

Die Aufmerksamkeit, die dem Hofmarschall galt, war durch seine lautstarken Proteste nur angestiegen. Noch hielten sich die anwesenden Gäste (und das Personal) aber zurück, insbesondere, als Taktshad ihn in den Fokus nahm.

Deren Gesichtsausdruck, als er vor ihr zurücksprang, schwankte zwischen Staunen, Verwirrung und Entzücken. "Fingerpeitsche .... interessant. Aber hast du etwa Angst vor mir?" Sie trat noch einen Schritt vor und wollte sich gerade daran machen, diesen seltsamen Mann ein wenig durch die Gegend zu scheuchen, als Vhenan sich einmischte und sie ablenkte.
"Hmmmm ... das ist ja hübsch. Hier - guck mal, wie sie ihn anstarrt .... und hier ... aber das geht nicht ... nein, das kann man so nicht machen. Man braucht was Festes untendrunter, sonst hält es nicht", sagte sie mit professioneller Ernsthaftigkeit. Dann kicherte sie wieder. "Das ist süß von dir. Manchmal bringen sie jetzt aus diesen neuen Städten im Norden sowas ähnliches mit - die machen da so Boten auf Papier - aber das ist meistens langweilig, nur Buchstaben, keine Bilder. Hier, guck, das ist doch gar nicht so schlimm.", sagte sie, und hielt Heinrich das Heft unter die Nase, wobei sie sehr eindeutig mit den Wimpern klimperte. Als Vhenan ihn dann aber vorgestellt hatte, lachte sie ungläubig.
"Was, Meister? Etikett? Flaschen? Der sieht aber nicht aus, als ob er was vertragen könnte. Und Hof? Das hier ist mein Hof", wandte sie sich wieder direkt an den Marschall "hier bin ich Königin." Sie warf sich in Pose, breitete die Arme nach oben und ließ den Schmuck funkeln. (Ihr noch immer namenloser Begleiter trat mit geübter Schnelligkeit hinter sie, um das Bild zu vervollständigen.) Sie beugte sich betont langsam nach vorne und zog eine Schnute. "Und an meinem Hof müssen alle spielen. Würfel, Karte, Stange, Kissen - wir haben bestimmt was Hübsches für dich. Oder wen."
Dann bemerkte sie Vhenans Gesichtsausdruck.

"Moment - das war ernst? Der ist wirklich beim jazha?!" Sie starrte die Schreiberin einen Moment ungläubig an. "Und den bringst du hierher?! Nein, dann komm besser mal mit, bevor jemand was versucht ... ich hab da was" Sie stolzierte voran, an der Bar vorbei, in den hinteren Teil der Räume. Ihr Blick ging dabei immer wieder über die Schulter auf Heinrich, nun taxierender, weniger verspielt. "Hmmmm ... für ialor horchemya hab ich bestimmt auch was ... hätt ich mir denken können, dass einer, der sich so anzieht, keine fiffa mag. Aber wie haben auch hübsche Jungs hier. Nur nicht schüchtern sein ... ich weiß doch, dass ihr wichtiges Volk gern mal mit den starken Bauern spielt." Und zwinkerte ihm zu.
Im nächsten Moment war sie aber auch schon wieder woanders, denn ihr Begleiter hatte soeben den Vorhand eines abgetrennten Raumes, am Ende des Zeltes beiseitegehoben. Dahinter befand sich eine große, sehr einladend eingerichtete Kammer, mit breiten Kissen auf dem Boden, einem niedrigen Tisch und allerlei Zierrat und Gebamsel, der an den Wänden oder von der Decke hing. Was den Raum aber vor allem ausfüllte, war ein sehr großes, sehr buntes und zumindest grundlegend kunstvolles Bild, welches an der rückwärtigen Wand hing. Es zeigte Seine Exzellenz (oder zumindest konnte man erahnen, dass es wohl Karl sein sollte), im Ringkampf mit einem sehr muskulösen und nur knapp bekleideten Khal'hatra. Auch der Archon trug recht wenig Stoff am Leib, und bei dessen Proportionen hatte der Künstler sich einige Freiheiten erlaubt. Es war nur in einem sehr weiten Sinne ein Schlachtengemälde.
Taktshad streckte stolz die Hände aus. "Ta-taa! Das Archontenzimmer Genau das richtige für hohe Herrschaften und wichtiges Gerede." Jetzt war es an Vhenan, angezwinkert zu werden. "Oder andere schöne Sachen."
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Do März 22, 2018 9:29 pm

"Meine Fingerpeitsche ist nicht dazu da bei jeder Gelegenheit jemanden auf die Finger zu hauen, Vhenan. Besonders nicht bei Gastgebern.", antwortete Heinrich empört und schockiert zugleich.
Als Taktschad vorgestellt wurde, versucht er immerhin höflich zu sein und verbeugte sich kurz...doch seine Augen verengten sich. Anscheinend hatte er wohl das Gefühl gehabt auf feindlichem Boden zu sein.....worauf er jederzeit angegriffen werden konnte.

"Und ich habe eine Geschenkidee für mich....ein Wörterbuch eurer Sprache.", merkte der Hofmarschall an, als er folgte, "Und starke Bauern?? Wenn ich das höre erhöht das nur meine Besorgnis....."
Auch im Zimmer wirkte er nicht viel entspannter. Heinrich starrte nur das Bild des Archons an und sprach lautlos etwas aus. Wer Lippen lesen konnte, hätte soetwas wie "Bei den Elementen....." interpretieren können.
Zumindest schien es hier in dem Zimmer sicher zu sein...immerhin darüber konnte man aufatmen.
"Danke, Taktschad. Ich glaube hier halte ich es ein bisschen länger aus. Ich möchte nicht unhöflich klingen...aber das da draußen war ein kleiner Kulturschock."

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Do März 22, 2018 9:58 pm

Vhenan glotzte Taktschad mittlerweile doch unsicherer entgegen. Wenn sie die Anwesenheit des Hofmarschalls schon als seltsam empfand, war ihn herzubringen vielleicht doch eine saudumme Idee gewesen. Nenani zweifelte kurz, fing sich aber wieder einigermaßen, als die Hausherrin sie in einen anderen Raum eskortierte.

Niemand bekommt hier ein Wörterbuch. Chollodan ist die Sprache der Naihlar. Lern durch Zuhören wie es auch bei den Elementarvölkern Brauch ist. Floskeln teilen wir gerne, denn mein Volk ist sehr redefreudig, aber es ist unsere Sprache und Zugang muss man sich verdienen“, bemerkte sie noch an Heinrich gewandt.

Im Zimmer entfleuchte ihr ein lautes „Va tschad!“ und sie lies Heinrich reden, betrachtete dabei angetan das Bild. Es war sehr einnehmend. Nun staunte auch die Schreiberin ganz offen, trat näher heran und nahm die Details auf. „Wer hat das denn gemalt? Es ist... überraschend leicht zu erkennen wer das ist. Ihr wisst wie der Archon aussieht UND ihr erkennt einen Darothsohn, das ist.... eine deutliche Steigerung. Sehr gut getroffen.“ Sie analysierte vorerst nur nüchtern die Szenerie. „Karl hat wirklich so ein breites Kreuz, das überrascht mich jedes Mal wieder.“ Sie bewunderte diese einfallsreiche Darstellung einige längere Momente, ehe sie Taktschad prüfend ansah. „Mir graut es vor der Antwort, aber.... gibt es auch ein Nyamenzimmer? Kämpft Neome darin mit Peitschen bewaffnet gegen eine Feuertänzerin? Jetzt habe ich Bilder im Kopf.“ Sie schüttelte selbigen kurzerhand und versuchte sie von sich zu schieben. „Wo sind überhaupt die ganzen Tänzerinnen hin, hast du vollständig auf Männer umgesattelt? Das reduziert das Angebot doch um die Hälfte.“ Ihr Fokus war tatsächlich sehr profitorientiert. 50 Prozent warf man nicht einfach so über Bord. Dieser Erkenntnis musste sogar ihr Anliegen kurz weichen.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   So März 25, 2018 11:56 pm

Taktshad sagte zuerst nichts, als Heinrich ihr dankte, und kicherte nur. Dann lächelte sie Vhenan an. "Der ist ja richtig niedlich, dein horchemya. Den kannst du glatt da lassen." Sie drehte sich zu ihm zurück, und hauchte ihm zu: "Keine Angst, großer Hofmeister. Hier bei uns passiert nichts, was dir nicht gefallen wird. Versprochen." Und machte einen mehr oder weniger ironischen Kussmund. Dann winkte sie ihren Begleiter nach draußen und ließ sie sich auf eines der breiten Kissen fallen. In munterem Plauderton fuhr sie fort.

"Na, jetzt sind es halt doch schon ein paar Jahre, und einige waren bei der Ardengarde - das ist hier die Miliz, die Krieger, halt die, die kämpfen", sagte sie in Richtung Heinrich " - mit im Krieg dabei. Haben mit ihm gekämpft - sagen sie. Oder Geschichten gehört. Soll man gar nicht glauben, das alles - unser Archon hier und Seine Exzellenz da, und die bösen Feuerleute hat er besiegt, und die böse alte Nyame obendrein, und sieben Fuß ist er groß, und sein Bart spuckt Feuer auf alle felrachn jonid, und sein apei ist so knackig wie eine grüne Dattel ... na, das Übliche eben. Hab ich ihnen gesagt, dann zeigt mir doch mal euren tollen jazha - haben sie's wirklich gemacht. In einer Woche gemalt. Na, denen aus Shan Meng-Feyn gefällt's. Also, die, die hierher kommen", sagte sie, und zwinkerte Heinrich einmal mehr zu. Dann, zu Vhenan: "'N Zimmer? Mehr als das - da waren immer wieder Fremde da, die haben den Frauen, also den Naihlarfrauen, so hinterhergeguckt, und gefragt, ob die Pakata, also, ich mein, die Nyame, ob die auch, weil sie ja so aussieht wie wir, ob die mal hier, oder ob wir vielleicht ... die wussten gar nicht, was sie damit gesagt haben." Sie lachte hell auf und ließ sich tiefer in das Kissen sinken. "Und da hab ich mir dann gedacht, da muss sich doch was rausholen lassen, und hab eine in Schleier und Tuch gesteckt, und sie nix sagen lassen, und hab's flüstern lassen, dass das eine ganz Hohe ist, eine mächtige, geheimnisvolle, die nur hier ist, weil's ihr Spaß macht, und dass sie manchmal einen nimmt, aber nie ihr Gesicht zeigt, weil Skandal und so, und es kostet natürlich doppelextra, aber dafür, da könnte man eben, Zwinker, Zwinker, also vielleicht und natürlich ganz unter der Hand, und sie würde es nie zugeben - na, und da haben mir wirklich ein paar Silber, sogar Gold gegeben, dass sie mal für eine Stunde die Nyame schütteln dürfen. Oder zumindest glauben, sie hätten's getan."
Sie grinste, ein wenig selbstzufrieden. Dann zuckte sie mit den Schultern. "Hat aber auch nicht gehalten. Ich meine, du weißt ja, wie die Männer sind, nenani", sagte sie mit bedeutungsvollem Seufzen zu Vhenan. "Immer voller Romantik und mit großen Gefühlen. Die wollen nie einfach mal nur einen tak ... tshad" (sie schien das tatsächlich immer noch komisch zu finden) "sondern gleich was Festes und gucken bissig, wenn man nur mal'n andern apei anschaut. Die sind da nicht so wie wir.

Und wenn's einen doch mal kitzelt, dann muss er nur in eine Taverne gehen, und hat gleich drei nelda am Arm, die für Wochen auf See waren, und hungrig sind. Da gibt kaum einer auch noch Silber weg, selbst für eine, die weiß, wie man sich hübsch macht, und den Doppelten Münzqueller kann, den mit beiden Beinen an der Decke."
Sie warf die Arme in die Luft, in dramatischer Geste. "Soll ich da noch Zimmer freihalten und Essen warm, dass mir die Mädels hier nur hocken bleiben? Also machen sie jetzt bei mir die Tische und mixen den rum - wenn dann doch mal was passiert, sind die Kissen ja gleich nebenan. Hat gut geklappt, und wenn das "Rohr" jetzt voll ist mit strammen teyorell - ich find's nicht schade."
In diesem Moment betrat eine junge Frau mit einem Tablett im Raum, auf dem neben Flasche und Bechern auch mehrere dampfende Tassen standen. Als sie Heinrich sah, senkte sie den Blick und versuchte sich etwas unbeholfen an einem Knicks.
"Kenjeniell. Mach doch nicht so rum - stell's einfach ab. Das ist einer vom Hof, kein jonid". Sie rollte mit den Augen und sagte zu Vhenan: "Die Kleine. Seit sie's mit den Elementen hat, ist sie komisch geworden. 'N bißchen so wie du, nenani." (Und in der Tat trug die Chirya ein Aeriszeichen auf dem Kleid.) "Aber Tee kann sie jetzt. Nehmt, nehmt" - das war an alle gerichtet. "Akgrul. Und Jasmin gegen den Sand im Mund. Der rechts hat was extra ... für dich."
Und zwinkerte Vhenan zu.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo März 26, 2018 12:03 pm

Auch Vhenan zog es vor zu sitzen und machte es sich in dem Kissenmeer gemütlich. Während Taktschad erzählte, legte sich ein positiv überraschter Blick in Vhenans Augen. Und als die List und die Nyamenschüttler zur Sprache kamen, wurde ihr Grinsen mit jedem Satz breiter. Am Ende lachte sie auch. „Ein großartiger Plan! Ich bin stolz auf dich!“ Dann wandte sie sich an Heinrich. „Und bevor du das skandalös findest: Sie stellt nur ein Angebot für eine Nachfrage. Beschwer dich bei den Männern.

Als die anhängliche Kundschaft mit 'Gefühlen' erwähnt wurde, lächelte sie nur schief. „Tja.... wenn das Herz mehr will als die Hose, wird es kompliziert.“ Sie machte sich nicht lustig, sie klang vielleicht sogar ein wenig traurig und sah für einen Moment abwesend auf ein Kissen.

Erst als Kenjeniell die Getränke brachte, kehrte ihre Aufmerksamkeit zurück.
Heeey!“ Sie freute sich offenbar die andere Frau zu sehen und strahlte ihr entgegen. Bis der kleine Dämpfer kam. Vhenan warf Taktschad einen langen Blick zu. „Komisch, hm?“ Sie setzte sich auf und nahm die angepriesene Tasse in die gesunde Hand, damit Heinrich gar nicht erst das 'Extra' erwischen konnte.

Du hast ein Bild von Archon und Khal'Hatra hier, du liest Schmierblätter aus dem Norden... draußen machen sie Geschäfte mit Sephor'Assilwasser und Edalphisteinen. Ihr schlagt Profit raus wo ihr könnt... aber das könnt ihr nur, wenn ihr euch mit dem Land beschäftigt, wenn ihr wisst was der Kunde will oder wollen könnte. Die Kleine hier trägt das Zeichen der Kristallfürsten auf dem Kleid und niemand regt sich deswegen auf. Vor einiger Zeit wäre sie deshalb wüst beschimpft worden. Manch einer würde heute vielleicht auch über dich sagen, dass du... anders geworden bist.“ Vhenan schmunzelte ihrer Freunden entgegen.

Ihr Blick fiel auf Heinrich. „Und genau deswegen bist DU hier. Ihre Herrlichkeit sagt doch gerne, dass Dinge ambivalent sind. Ich möchte dir hier etwas zeigen, das du nicht kennst oder nicht siehst. Hier geschieht seit einiger Zeit das, was den neuen Bewohnern von Kelemthal noch bevorsteht. Mein Volk hatte auch große Probleme damit. Hier können sie sein wer sie sind und langsam zu den Elementen finden. Übrigens - Wenn sie dich mit 'Du' anspricht, ist das vielleicht eine Missachtung der Etikette, aber nicht respektlos. Für uns gibt es eigentlich nur das 'Du'. Trotz Hierarchie ist man auf Augenhöhe. Niemand ist mehr Mensch oder mehr Wesen als der Gegenüber. Die einen haben nur bessere Kleidung. Und wegen des Respekts habe ich dich hergeschleppt. Was ist zivilisiert? Was ist Kunst? Es gibt nicht nur deine Sicht und deine Werte. Ich dürfte mich genauso wenig über die Damenrunden beschweren, aber ich fühle mich da auch nicht ernst genommen... Vielleicht haben wir deswegen ein Problem mit diesen besorgten Bürgern. Sie respektieren uns nicht und wir respektieren die höheren Herrschaften noch nicht... also, verrat uns doch einmal: Was siehst du hier, Heinrich? Aus deiner Sicht als Magicamensch, das interessiert mich jetzt wirklich. Was ist das hier für dich? Und sei ehrlich., wir können das ab.“ Sie grinste Taktschad erheitert entgegen, prostete ihr mit der Tasse zu und wartete gespannt auf die Antwort.
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Heinrich von Buntfeste
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo März 26, 2018 11:14 pm

Tatsächlich hob Heinrich entrüstet den Finger, ließ ihn aber direkt sinken als Vhenan ihn auf die 'Nyame' ansprach. Stattdessen grummelte er noch ein wenig, so wie er es zuvor beim Thema Wörterbuch tat. Wobei....leuchteten seine Augen bei dem Thema kurz? Ein Zuhörer war er...dafür war er bekannt...war das eine nette Herausforderung für ihn?

Auch das kurze Erscheinen von Kenjeniell schien den Hofmarschall gefreut zu haben. Er bedankte sich zumindest für den Versuch einen Knicks zu machen und nickte achtungsvoll.

Schließlich nahm er dankend den Tee und beäugte kurz das Getränk. Sie würden schon nichts heimlich reintun, immerhin war die Gastgeberin auch ehrlich mit dem 'extra'. Also nahm Heinrich einen Schluck und ließ das Getränk seine Wirkung entfalten.

Auf Vhenans Fragen hin kniff er nur leicht die Augen zusammen.
"Als Magicamensch, hm? Die Kinder des goldenen Traums lasse ich mal außen vor. Ich spreche hier einfach knall hart meine Gedanken aus. Ich möchte betonen, dass auch bei mir eher das Herz zählt als das....was auch immer in meiner Hose vorgehen sollte. Eine Partnerschaft sollte gut überlegt und ein Leben lang halten. Das habe ich von meiner Mutter, denn in ihrem Stamm war sowas wohl sehr wichtig. Die wichtigste Frage ist wohl, was zivilisiert sei. Jemand ist zivilisiert, wenn er oder sie imstande ist sich einer Kultur anzupassen. So sehe ich es momentan zumindest. Man muss ide andere Kultur nicht mögen...man kann auch verneinen sich damit auseinander zu setzen. Aber niemals sollte man die eigene Kultur in eine andere reinzwingen.....es sei denn es ist wirklich nötig einige Elemente einfließen zu lassen.", fügte er schnell hinzu, bevor Vhenan seine Aussage für das Thema Hofstaat verwenden konnte.

"Nun, was ist das für mich?", murmelt er und schaut sich den Raum nochmal an.
"Nun, das Bild da ist nicht mein Geschmack. Die Atmosphäre draußen ist nicht mein Geschmack. Und die Herren.....", fügte er hinzu und schüttelte sich, "sind absolut nicht mein Geschmack und ich empfinde deren Angebote als nicht einladend."
Diese Worte sprach er völlig neutral aus. Als ob er eine Bewertung abgeben wollte, ohne angewiedert zu klingen oder die andere Welt herabzustufen.
"Es ist eine andere Welt...eine Welt die ich momentan schwierig finde zu akzeptieren bzw. mich reinzufinden. Es mag eure Welt sein und wenn das Duzen hier zum Beispiel nicht respektlos gemeint ist, dann akzeptiere ich das. Das alles hier fühlt sich für mich gerade schwer erreichbar. Wie ein Schloss, dass sich nur sehr mühselig öffnen lässt. Auch dies hier ist ein Teil des Ganzen...aber es ist ein Bereich, den ich noch nie zuvor erblickt hatte. Auch ein besorgter Bürger sieht nicht alles von unserer Welt. Viel eher sieht solch einer nur seine eigenen Probleme und vergleicht sie mit den schönen Dingen, die er von uns sieht. Deswegen...noch fehlt mir das größere Bild von eurer Welt. Deswegen bin ich hier."

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Do März 29, 2018 2:14 am

Taktshad winkte Vhenans Bemerkung nachlässig ab. "Ach ja, das - neya dika. Natürlich lernen sie was über das Land, die Leute, die Götter. Und wenn man weiß, wem man was geben muss, umso besser, egal ob pakata, Archon oder jonid ... Element, mein ich", setzte sie, in Heinrichs Richtung, nach. "Solange man was dafür bekommt, natürlich." Sie kicherte, dann trübte sich ihr Tonfall.
"Aber man muss ja nicht so furchtbar ... eifrig dabei sein."

Kenjeniell, die bis eben schweigend Flaschen und Tassen arrangiert hatte, verzog bei der bemerkung kurz das Gesicht, dann zwang sie sich zu einem Lächeln und sagte: "Meister Kahakc sagt, das Potential des Selbst verwirklicht sich im Augenblick der Ewigkeit." Ihre selbsternannte Königin rollte noch einmal mit den Augen. "Genau, das. Sicher, die Weltenlenker sind gut, und die Elemente auch, na, manche halt, aber deswegen mach' ich doch kein so großes Gewese darum."
"Meister Kahakc meint, die Weisheit der Erfahrung liegt im Erfahren von Weisheit." Kenjeniell schien entschlossen, ihre neu gefundene Überzeugung zu verteidigen. Dabei sah sie immer wieder scheu in Richtung des Hofmarschalls, als ob sie von ihm Bestätigung erwartete.

Taktshad hingegen hatte sichtlich keine Lust, sich hier noch auf weiteren Streit einzulassen. Sie griff statt dessen Vhenans Bemerkung wieder auf, "Aber, ja, Nenani, es ist schon vieles anders. Jetzt, wo diese andern weg sind, und bei uns alle durchkommen - für Arbeit oder für Spaß - (dabei ließ sie es sich nehmen, das letzte Wort bedeutungsvoll mit ihrem Ausschnitt zu untermalen) müssen wir mitmachen. Solang' uns niemand was aufzwingen will, und wir uns nicht dabei vergessen."
Die letzten Worte waren auch an Heinrich gerichtet, aber jeder Argwohn in ihrer Stimme verflog, als der dann seine eigene Einschätzung abgegeben hatte.
"Ohhhh. Ich hab ja gehört, dass sie bein jazha alles Ritter sein sollen - das ist ja zu niedlich. Ich weiß, bestimmt hast du einen stattlichen Recken, der dir Lieder singt und die starken Weiber beim Turnier aus dem Sattel holt, für dich.  Aber keine Sorge", und dabei lachte sie, und klatschte in die Hände "wir haben bestimmt was, dass dir gefällt. Jeder muss mal Spaß haben - sonst vertrocknet einem das Gemüt." Sie drappierte sich auf ihrem Kissen nach vorne, stützte den Kopf in die Hände und fing an, den Hofmarschall auf seine versteckten Leidenschaften abzuklopfen.
"Hmmm ... wir haben hier Blütenwasser, da siehst du stundenlang deine schönsten Farbträume, und Sonnentau, davon kann man die ganze Nacht tanzen. Mit Musik, wie rauschendes Wogen und tanzendes Feuer, da wirst du den Mond unter- und die Sonne aufgehen lassen, darüber. Oder willst du lieber einen Tanz sehen? Wir haben nicht nur Muskeln im Gitter, auch süße Jungs, gerade erwachsen, die können sich drehen und winden wie Zitterfische. Und an den Tischen, da kann einer zeigen, was er kann, mit Karte oder Würfel, und dann vielleicht ein Haus gewinnen, ein Schiff sogar, wenn er nur ein bißchen Glück hat. Und wir haben Lieder und Geschichten und Lachen und guten Rum - vertrau mir nur ein bißchen, und ich zeig dir unser großes Bild. Das willst du immer wieder sehen - versprochen."
"Oder ... ich mein, wenn er nicht will ... im Versammlungshaus ist heute Abend Einkehr, da tragen sie die Verse vor, und anschließend üben sie die stille Sammlung."
Taktshad verzog das Gesicht. "Oder sowas. Wenn man denn unbedingt möchte."
"Meister Kahakc sagt, nur wer sich selbst findet, kann die Welt finden."
"Natürlich tut er das."
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Do März 29, 2018 11:14 am

Vhenan hatte tatsächlich schon Luft geholt, um Heinrich das Wort im Mund herum umzudrehen. Als er das selbst mit einem schnellen Nachtrag verhinderte, sah die Schreiberin ihn einen langen Moment mit einer Mischung aus Erheiterung und Überraschung entgegen. Sie nickte nur und ließ ihn reden. Dann wog sie ab, trank einen großen Schluck Tee und folgte dem merkwürdigen Gespräch der Frauen.

Das Rittertum hier im Reich gefällt mir überraschend gut, muss ich sagen. Das könnte dir auch zusagen.“ Sie musterte Taktschad mit dem Hauch eines Lächelns. „Man muss sich hier alles erarbeiten, geschenkt wir einem nichts. Und nur ein Ritter kann einen anderen zum Ritter schlagen, das war mir neu. Kein Fürst, der nicht selbst Ritter ist, kann das tun und ein Ritter muss von der Reichsritterschaft anerkannt werden. Ich glaube wir haben tatsächlich nur eine knappe Handvoll Ritter im Reich... wir hatten mal einen mehr, aber der hat sich danebenbenommen und wurde rausgeworfen, habe ich gehört. Felszlach! Ein Ritter ist ein Vorbild, nicht nur ein Krieger. Und wenn die einmal in die Szlach greifen, dann müssen auch sie Konsequenzen tragen. Das hab ich nicht erwartet. Frauen können auch Ritter werden. Hier werden Taten und Können belohnt.“ Sie sah zu Heinrich. „Das ist bei uns schon immer so gewesen. Neome war Pakata. Der oder die Pakata ist der Kapitän. Auf See zählt auch nur Können und Leistung. Wenn du das nicht bringst und zu schwach bist, wirst du aussortiert... Egal ob Frau oder Mann. In dieser Hinsicht sind unsere verschiedenen Ansichten sehr gut zu vereinbaren. Ich gebe zu, dass ich vorher einen anderen Eindruck von euch hatte, aber das hat sich gelegt. Ein paar von euren Schlössern haben wir schon geknackt. Wenn andere das auch bei uns versuchen, sind wir auf einem guten Weg, denke ich.

Dann sah sie zu Kenjeniell, die auch einen Weg gefunden hatte. Vhenan trank noch einen Schluck, grinste dann blöd und richtete ihr Wort an die Chirya. Sie hatte sich mittlerweile entschieden es nicht so stehen lassen zu können. „Vier Dinge kommen nicht zurück. Das gesprochene Wort, der abgeschossene Pfeil, das vergangene Leben und die versäumte Gelegenheit.“ Sie ließ es sacken.
Diese Weisheit steckte für mich in einem Gebäckstück.... mir scheint dieser Kahakc hat auch ein paar davon gegessen.“ Vhenan war plötzlich wirklich ein wenig gereizt, trank noch einen Schluck und stellte den Becher wieder weg.

Wer ist dieser... Meister?“ Ihr Tonfall war eine Spur abfällig. „Ein guter Lehrmeister fördert das Denken seiner Schüler und benebelt ihren Geist nicht mit Floskeln, die seinen eigenen Namen enthalten. Sonst kommt er der Verantwortung nicht nach, die er hat.“ Ganz offensichtlich hatte sie eine mehr als klare Meinung zu diesem Thema. „Kein Meister ist allwissend, auch wenn sie das gerne behaupten. Und die wirklich guten können das frei heraus zugeben.

Vhenan wippte unruhiger mit einem Fuß neben den Kissen.
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Heinrich von Buntfeste
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   So Apr 08, 2018 11:03 pm

Heinrich schaute Kenjeniell interessiert an.
Nicht immer nickte er, aber wirkte neugierig und interessiert. Diese 'Lehren' schien er nicht auf Anhieb zu verstehen, aber sie klangen zumindest sinnvoll.

"Wer regieren will, muss vorher gelernt haben zu dienen und das man niemals aufhört zu dienen.", bestätigt der Hofmarschall Vhenans Worte. "Belohnt werden sollen die, die sich durch ihre Taten verdient gemacht haben.....leider werden gute Taten jedoch nicht immer belohnt. Es ist also keine Garantie damit verbunden."

Taktshads Liste bekam Heinrich gar nicht so recht mit. Schon am Anfang schienen seine Augen kurz zu leuchten.
"Farbträume?", murmelte er neugierig, "Was für Farben denn?"

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo Apr 09, 2018 11:04 pm

"Bei uns trinkt die Pakata aber auch mit den Gombas", sagte Taktshad, halb zu Vhenan, halb zu Heinrich. "Wer gute Männer haben will, muss sich unter sie ... mischen." Sie räkelte sich in Pose und bereitete sich darauf vor, das Leiden des Publikums zu genießen, als Kenjeniell ihr mit einer tiefempfundenen Verteidigung ihres Meisters hineinfuhr.
"Oh. Du solltest nicht so grummelig sein - Meister Kahakc ist wirklich sehr weise. Er ist der Gebieter des Schicksals und Herr aller Elemente. Also, ich meine, er kennt ihre Geheimnisse", sagte sie, mit einem entschuldigenden Augenaufschlag zu Heinrich.
"Und er ist auch gar nicht hier. Also, hier bei uns, meine ich. Er, äh, er kam in Salz und Wind, und ging in Salz und Wind, und ließ uns nur seine Worte, auf dass wir von ihrer Wahrheit zehren." Es klang, als ob sie etwas rezitieren würde - Taktshad ächzte in ihrer Ecke. Die Schankmaid ließ sich aber nicht abschrecken. "Bei der Einkehr, da lauschen wir den Worten und meditieren über den Sinn. Und es gbt auch Gebäckstücke. Wenn du mitkommst - ich bin sicher, du wirst es auch verstehen. Meister Kahakc sagt, wer mit dem Herzen hört, der wird verstehen. Und wer Gutestut, dem wird Gutes getan." Sie lächelte Vhenan tapfer an, unterbrochen nur von ein paar scheuen Seitenblicken zu Heinrich.

Taktshad nahm diese Gelegenheit wahr, um das Gespräch wieder auf interessante Themen zu lenken. "Na, wenn man Spaß daran hat, den ganzen Abend lang herumzuhocken und sich irgendein albernes Geschreibsel zu beglotzen - nichts für mich, danke. Wir Naihlar wissen, wie man feiert" - sie grinste Vhenan zu - "und aus dem Rohr ist noch niemand unglücklich wieder rausgekommen. Du magst Farben horchemya?" Sie schnippte mit den Fingern, und, als Kenjeniell nicht reagierte, hob sie etwas verstimmt den Arm und winkte aus der Zeltwand des Zimmers hinaus. (Aufmerksame Naihlar mochten in den Bewegungen ihrer Hand eine Bedeutung zu erkennen). "Wir haben sie alle. Gold und Silber und Himmelszeltblau und Meerwassergrün, und andere, die du bestimmt noch nie gesehen hast. Eine Reise zu den Geheimnissen der Sterne, und du musst keinem langweiligen litochan dafür beim Faseln zuhören." Schritte näherten sich, und ein ähnlich gekleideter und gebauter Mann wie ihr erster Begleiter (oder war es doch derselbe?) kam herein, ein gut verschlossenes Kästchen in der Hand. Taktshad fischte einen Schlüssel aus ihrem Brusttuch, öffnete es und zog mit theatralischer Geste einige bunt schillernde Steinchen hervor.
"Oronische Traumsteine, was ganz Besonderes. Immer noch schwer zu kriegen - aber für Nanis Freunde tu ich doch alles." Sie beugte sich nach vorne und ließ einen zwischen zwei Fingern über Heinrichs Teetasse schweben. "Na? Willst du mal sehen, wie die Naihlar das Fliegen lernen?"
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo Apr 09, 2018 11:40 pm

Vhenans Augen schmälerten sich lauernd bei Kenjeniells Worten. Sie witterte etwas, tauschte einen Blick mit der Hausherrin und überlegte.

"Va Tschad! Da ist man nur mal ein paar Monate weg und gleich wieder sowas.“ Sie ächzte auch und schnappte sich ihren Tee mit Extra wieder und nahm einen kräftigen Schluck. Ihre Aufmerksamkeit lastete plötzlich voll und ganz auf Heinrich. „Farben sprechen dich an? Das ist ja interessant.“ Angetan begutachtete sie den sonst so verstockten Hofmarschall. „Na dann...“ Sie gluckste und teilte einen diebischen Blick mit Taktschad, die die Traumsteine schon ins Zimmer fliegen ließ. Wenn der Fisch einmal am Haken war, musste man schnell sein.

Dennoch vergaß sie Kenjeniell natürlich nicht, das war mittlerweile unmöglich.
Dein unsichtbarer Windflüsterer... sind die Worte geschrieben? Verlangt er.... hmm... sagen wir... irgendeine Art von... Vergütung? Spendet ihr dem Salz und dem Wind etwas? Um euch... loszusagen von materiellen Dingen und somit weiser zu werden und freier? In der stillen Sammlung.... Sammelt ihr euch da oder sammelt jemand etwas von euch ein?

Das schrie doch danach, dass die Chirya einem Naihlar auf den Leim gegangen war. Die Frage war nur: wem? Wem müsste Vhenan gratulieren und auf die Schulter klopfen?

Ich bin ja fast geneigt mir diese Verse heute abend einmal anzuhören. Vorher gönn ich mir dann aber auch noch was aus deinem Sortiment.“ Jetzt sah sie zu Taktschad. Das war sonst sicher nur schwer ertragbar.
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Do Apr 12, 2018 10:57 pm

Heinrich wirkte verwundert über die Reaktionen von Taktshad und Vhenan und legte verständnislos den Kopf zur Seite.

"Dieser Meister Kahakc und seine Verse hören sich wirklich interessant an. Ich gehe gerne zu dieser Einkehr.", antwortete er und lächelte Kenjeniell nickend an, "Komm doch bitte auch mit, Vhenan. Ich bin mir sicher, dass wir dort vieles lernen können."

Die Steinchen betrachtete der Hofmarschall mit Begeisterung.
Jedoch wirkte er dabei auch etwas skeptisch: "Oron sagt Ihr? Ist das sicher? Muss ich mich auf etwas gefasst machen?"
Die Fragen klangen keineswegs herablassend, stattdessen sehr vorsichtig.


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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Sa Apr 14, 2018 11:30 am

Kenjeniell bekam große Augen. "Aber nein", sagte sie zu Vhenan. "Sowas würden sie niemals machen." Sie überlegte kurz. "Also, ich mein, wir helfen natürlich alle, dass die Miete bezahlt wird, und immer Gebäck dabei ist, und gewischt muss ja auch werden. Aber die Weisheiten werden doch nicht verscherbelt, wie auf dem Markt", sagte sie, und schüttelte den Kopf. "Meister Kahakc sagt, dass nur, wer die Freiheit beweist, die Weisheit befreien kann."
Taktshad stöhnte über der Tasse. "Siehst du? All die Mühe, und dann hat noch nicht mal einer was davon. Es ist zum Heulen."
"Da geht es um wichtigere Sachen, als dass irgendwer sich den Beutel füllt. Meister Kahakc sagt, dass wahrer Reichtum die reiche Wahrheit ist. Und die Vollkommenheit des Glücks erfüllt sich in der Einheit der Vielfalt." Sie lächelte aufmunternd. "Da sind auch viele Naihlar, und denen geht es jetzt viel besser. Es ist heute Abend, gar nicht weit, am dritten Pier. Wir haben Banner aufgehängt, und Herr Rjinswann lässt immer einen Vogel fliegen. Und ... " - sie senkte die Stimme, klang dabei aber noch aufgeregter, als ob sie ein bedeutungsvolles und ein wenig verruchtes Geheimnis verraten würde - "Vielleicht sehen wir heut Abend sogar eine Wirkung".

Das Gesicht von Taktshad hatte sich immer mehr verzogen. "Würfel und Gold verloren, bei der. Ich versuch's schon seit Monaten. Aber geh, geh ruhig - geht beide." Sie warf die Arme in die Luft, ihre Niederlage untermalend (achtete aber darauf, den Traumstein festzuhalten). "Da seht ihr zumindest, was für ein langweiliger Unsinn das ist. Aber vorher ..." - sie drehte sich zu Heinrich und schenkte ihm ihr verführerischstes Lächeln - "tu ich dir nochwas Gutes. Das ist ganz sicher, keine Angst. Und Vhenan und ich sind ja hier, und passen auf dich auf. Aber auf was gefasst machen, das musst du dich - das wird dir die Augen öffnen, mein unschuldiger Prinz." Mit einem plitsch fiel der Stein in die Teetasse, und Taktshad schob sie sachte unter Heinrichs Nase. Ein seltsamer Duft entstieg nun daraus, hinter Jasmin und Zucker. Es roch nach Wüstenhitze, Rosenbüschen, Meerwasser und Rauch. Irgendwo darin mochte sich auch ein Hauch von Blut verbergen ...

"Meister Kahakc sagt, nur wer sich der Welt öffnet, kann seine Augen für die Welt öffnen."
"Klappe, Kenji."


Zuletzt von Oshead Erzähler am Sa Apr 14, 2018 3:56 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Sa Apr 14, 2018 2:19 pm

Was?“ Vhenan musterte Heinrich befremdet und warf Taktschad einen leidenden Blick zu. Alles in schrie laut 'NEIN!' und man mochte es an ihrer Haltung erkennen. Sie war neugierig und wollte mehr wissen, aber je mehr 'Weisheiten' den Mund der Chirya verließen, desto größer wurde der Drang einfach Reißaus zu nehmen.

Der innere Konflikt war noch nicht eindeutig für eine Seite entschieden. Sie trank lieber noch einen Schluck und ließ das Extra auf sich wirken. Die Dosis war für so viel Unsinn viel zu gering.

Vielleicht... ist das Ziel noch nicht erreicht und der Profit braucht mehr Anlauf“, mutmaßte sie nachdenklich und ignorierte Kenjeniells Versuche sie zu überzeugen. Da musste einfach etwas faul dran sein, alles andere wäre... erschütternd.

Es war wirklich ungewöhnlich und Vhenan deutlich irritiert, was man gut an ihrem Gesicht ablesen konnte. Sie verstand es nicht. Ein Grund mehr hinzugehen – oder es zu lassen. Hin und hergerissen sah sie wieder zu Heinrich. War das seine Form von Rache sie dahinzuschleppen? Das würde voraussetzen, dass er diesen Geschäftszweig verstand und das... schien nicht der Fall zu sein. Ehrliches Interesse traf es vermutlich eher. Vhenan wurde unruhiger und zappelte wieder mit den Füßen.

Nagut, lass uns dieses Theater ansehen. Ich bin gespannt was dort gewirkt wird. Und was der verrückte Rjinwann damit zu tun hat. .. Aber vorher... trink ruhig. Der Traum ist eine Erfahrung wert. Und ich passe auf, dass hier niemand“ Sie sah aus einer klitzekleinen Ahnung heraus zu Taktschad. „Unsinn macht...“ Danach lächelte Vhenan Heinrich aufmunternd entgegen.

Dann konnte sie es sich nicht verkneifen und stichelte noch einmal in Richtung Kenjeniell. "Wenn du nach einem Retter suchst, musst du in den Spiegel schauen." Die Naihlar grinste provozierend. "Hast du dank Kahakc auch schon eigene Weisheiten für dich gefunden? Oder nur das, was er dir sagt?"
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Mo Apr 16, 2018 11:26 pm

Heinrich lies den Duft weiter auf sich einwirken und wirkte deutlich entspannter.
"Ich nenne es einen fairen Handel, Vhenan. Ich trinke das jetzt und danach schauen wir uns das Spektakel an."
Der Hofmarschall schien bewusst versucht zu haben Vhenans Bezeichnung zu kontern.

Anschließend nahm er einen kräftigen Schluck und lies das Unbekannte auf sich zukommen.

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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Di Apr 17, 2018 12:13 pm

"Meister Kahakc sagt, wer die Harmonie der Schöpfung zu hören lernt, wird den Einklang des Inneren Selbst erfahren., sagte Kenjeniell zu Vhenan. Es mochte eine Antwort sein. Dann, etwas vorwurfsvoller: "Du solltest den lieben Herrn Rjinswann nicht so nennen. Er ist alt, aber er hilft noch immer gern mit. Und er hat ohne Argwohn gleich zugehört, als sie die Weisheiten zum ersten Mal verkündet haben. Obwohl er doch hier der Priester war."
"Der alte Elementezausel hat eben gleich gesehen, dass ihm die Felle davonschwimmen. Lieber mitziehen, als untergehen", warf Taktshad hämisch von der Seite ein. Und zu Vhenan, mit Schmollmund:
"Wie, ich? Was denkst du von mir, Nenani - der horchemya ist dein Spielzeug. Außerdem ... gleich wird's lustig. Da muss ich gar nichts mehr dazutun." Sprach's, und legte sich auf den Bauch, den Kopf samt amüsiertem Lächeln in die Hände gestützt.

Im Lande Oron auf Aventurien, geweiht der Einen und Einzigen, wurden Traumsteine einst verfertigt, um der Göttin und Ihren Prinzipien noch näher zu kommen. Diese ist als Belkelel bekannt, die Herrin der Schwarzfaulen Lust und die Patronin von Gier, Selbstsucht und Sadismus. Die Steine gibt es in zwei Varianten: Die ursprüngliche Version enthemmt den Geist des Träumenden von allen Fesseln und Begrenzungen, und lässt ihn seine geheimsten Sehnsüchte und verborgensten Wünsche erleben. Zu ihrer Enttäuschung mussten die Oroni aber feststellen, dass die unwilligen Opfer, an welchen man die Droge zuerst testete, nicht etwa (nur) Visionen von Lust, Schmerz und Unterwerfung erlebten, sondern vielmehr auch sehr moralisch hochstehende, fast heroische Fantasien hatten. Die Oronier, die davon ausgingen, dass insgeheim jeder so dachte wie sie und nur zu feige war, es zuzugeben, sahen sich gezwungen, eine "verbesserte" Version der Traumsteine zu entwickeln, die nun ausschließlich solche Erlebnisse vermittelten, die ihre Erschaffer für "authentisch" und "befreiend" hielten; zumeist langweilige Abfolgen von irgendwelchen bizarren Folterritualen.
Zu Heinrichs Glück benutzt Taktshad ausschließlich die erste Variante - die ist zwar teurer, aber nicht so eklig. Und natürlich ist der Einfluss der Erzdämonin Belkelel auf Mythodea eher begrenzt.
Allerdings hatte die Naihlar festgestellt, dass auch verborgene Sehnsüchte bisweilen eine gewisse ... "Inspiration" brauchen, um ordentlich in Schwung zu kommen. Daher sind die Traumsteine in Heinrichs Tee mit einem Derivat des Mutterkorns veredelt worden, einer traditionellen Droge der Naihlar. In der alten Sprache nennt man es auch
Lysergsäurediethylamid.
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BeitragThema: Re: Wenn Welten aufeinanderprallen....   Di Apr 17, 2018 7:10 pm

HA!“ Vhenan lachte erheitert. „Ein fairer Handel wäre das nur, wenn ich bei dieser Einkehr genau so viel Spaß hätte wie du jetzt mit deinem Tee.... Du ziehst mich hier gerade über den Tisch, Freundchen.“ Das ließ sie nicht auf sich sitzen, grinste aber weiterhin wohlwollend. Sie hatte zugesagt und würde mitkommen, aber nörgeln würde sie dafür umso lauter.

Sie hielt es ähnlich wie Taktschad. Vhenan ließ sich gemütlich in die Kissen sinken und beobachtete nur. Sie wartete einige Herzschläge. Leiser flüsterte sie zu ihrer Freundin: "Ich hoffe sein innigster Wunsch ist nicht doch mich zu verprügeln... sonst geht's hier gleich rund." Sie flüsterte laut genug, dass Heinrich es hören konnte und grinste dreist weiter. Jetzt würde es interessant werden.
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