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 Am Hafen [offene Szene]

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Neome
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BeitragThema: Am Hafen [offene Szene]   Mi Apr 04, 2018 3:42 pm

Du sollst deine Stadt über dem Meer bekommen, hatte der Archon zu ihr gesagt. Zuerst hatte er gewollt, dass sie Takbal nähme.
"Nein", hatte sie gesagt...

Neome hatte sich davon geschlichen. Sie hatte den fürsorglichen Nachfragen und greifenden Händen, den fragenden Blicken und Lobeshymnen der Gutenbuchter den Rücken gekehrt. Unvorstellbar, dass dieses Unterfangen überhaupt gelingen hatte können. Es hatte einer List und zweier alter Freunde bedurft.
Die Anweisung der Nyame war gewesen, sie eine Weile ungestört im Kapitänshaus, ihrer alten Bleibe, zu lassen, damit sie sich ausruhen könne. Allein, hatte sie gesagt.
Sie hatte gerade so lange gewartet, bis ihre Delegation sich entfernt hatte und das Klopfen an den hinteren Fenstern ihr reine Luft versichert hatte. Dann hatte sie schnell das Kapitänshaus durchquert.
Ihre beiden Volksbrüder und Freunde, Lahmi und Amani, hatten hinten darauf gewartet, Neome auf günstigen Wegen zum Wasser zu bringen. Einer war dabei immer vorausgegangen, einer stets bei ihr geblieben.

Es war gar nicht so weit gewesen, den Hang hinab zu kommen gar nicht so schwer, wenn man wusste, wo man entlang gehen musste. Erst am Hafen selbst war es ihnen nicht mehr möglich gewesen, allen Blicken auszuweichen, doch hier waren die Menschen in ihre Arbeit vertieft.
Sie hatte das geschäftige Surren des Ankerplatzes vermisst. Männer, die über Gebühren stritten, Kapitäne und Quartiermeister, die ihrer Mannschaft befohlen, den Klüverbaum einzufahren, damit er bei der Länge über Alles nicht mitvermessen wurde und die Anliegekosten schrumpften. Die salzstarren Haare all derer, die ihre Köpfe nicht schützten, der Geruch von Labsal und das Geschrei alter Bekannter, die Segel einholten, um die Taue zu entlasten. Nichts sagte so sehr Heimat und Aufbruch in einem Atemzug wie das Klingeln und Scheppern und Hämmern eines Hafens.

Neome ging bis zum Wasser. Dort blieb sie stehen, offen sichtbar, aber flankiert von ihren zwei Naihlarfreunden. Beide waren hochgewachsen und schlank. Amani, der links von ihr stand, trug schwarzen Stoff und keinen Schmuck, ein rotes Kopftuch und einen Gürtel voller Messer. Er blickte ernst auf das umliegende Treiben.
Lahmi, der sich rechts von Neome hielt, ließ seine Augen über die Gegend springen. Er war farbenfroher gekleidet, mischte rot, blau und gold, überworfen mit Ketten und Gürteln. An seinem Ohr trug er einen Ring aus Knochen, einen weiteren, dünneren in seinem linken Nasenflügel. Mit seinen langen, schwarzen Zöpfen hätte man ihn beinahe für Neomes Bruder halten können. Sie hörte ihm zu. Er machte viele Witze, mit denen er sie zum Lachen oder wenigstens zum Lächeln brachte. In einer Hand schwang er eine Flasche Ahkgrul, ein hiesiger Rum.

Neome selbst sprach nicht viel. Sie war zufrieden damit, zu beobachten. Früher oder später würde jemand zu ihr kommen und eine Unterredung suchen. Aber solange dies nicht passierte, genoss sie die Besonderheit dessen, was vor einer Zeit, die sich wie ein Jahrtausend anfühlte, ihre Normalität gewesen war.

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Zuletzt von Neome am Do Apr 05, 2018 2:24 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Ben al Habib

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Mi Apr 04, 2018 9:54 pm

Der schlanke Zweimaster wiegte sanft in der Dünung vor der Bucht. Der Frühling ließ sich in den milden Wintern in Gutenbucht nicht lang bitten, sondern trieb mit Macht an der Küste die Vegetation voran. Dieser Frühlingstag war schon etwas fortgeschritten und auch die Möwen schienen die nachmittägliche Sonne lieber auf der Rahen zu genießen, als sich auf die Suche nach unvorsichtigen Krebsen am Strand zu machen.
Vier Doppelschläge schlug der Maat die Glocke auf dem Achterdeck und begann zu rufen. „Acht Glasen und alles ist ruhig. Wachwechsel!“
Die niedrige Tür auf dem Achterdeck zwischen den beiden Aufgängen ging auf und Ben kam in Begleitung des Kapitäns heraus.
„Bisher gibt es keine Zusage, dass die Nahrungsmittel in Porto Lenois schnell benötigt werden. Das Schreiben sagt, dass wir uns mit einem noch zu benennenden Vertreter treffen sollen. Daher macht euch keine Sorgen um die Verladung. Bis dahin bekommen wir sich einen Liegeplatz im Hafen. Da ist es auch einfacher mit den Känen.“
Der Kapitän hob an etwas zu erwidern, als Ben ihn unterbrach. „Nicht jetzt, ich habe immer noch Kopfschmerzen von der Medizin. Macht das Dingi bereit. Ich werde wieder an Land gehen.“
Kurze Zeit später legt das Dingi mit Ben, vier Ruderern und dem grünen Banner der Al Habibs im Heck ab. Es steuerte direkt auf die Anlegestelle am Pier zu. Hier bewegte es sich langsam und eher im Zickzack, um dem geschäftigen Treiben Rechnung zu tragen. Doch kam eins der Rumverkäuferboote durch die Unachtsamkeit des Mannes an der Pinne immer näher. Offenbar hatte er vom eigenen Produkt zu viel genossen und so fiel sein Kopf immer wieder nach vorn. Es fehlte nicht viel und sein Schnarchen hätte den Lärm des Hafens übertönt.
„Ruder hoch“ befahl Ben, schnappte sich eine Pütz, sprang behände auf das Rumboot. Dort staunten die Männer an den Riemen als er die Pütz mit einem Schwung durch die Bilge füllte und über dem Kopf des Trunkenboldes ausleerte.
Der schrie auf, grunzte und schlug mit den Armen nach dem Übeltäter. Ben jedoch hatte sich balancierend auf der schmalen Reling längst zurückgezogen. Mit einem schelmischen Grinsen saß er nun wieder im eigenen Dingi. „Und rudert!“
Am Steg angekommen zögerte er nicht und sprang erneut vom Boot. „Männer! Es ist eure Freiwache. Treibt es nicht zu wild. Wir bleiben noch ein paar Tage. Viel Spaß!“
Die Luft einsaugend, als wollte er alle Gerüche gleichsam in sich vereinen und konservieren schaute Ben den Steg entlang.
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Do Apr 05, 2018 3:04 am

Amanis Gesicht wurde ernster, im selben Augenblick jedoch begann Lahmi herzhaft zu Lachen. Er besaß eines der schönsten Gesichter aus Neomes alter Heimat und wusste um seine Wirkung, lachte stets so, als wolle er auch diejenigen becircen, die gar nicht da waren.
Neome hätte den Spaß, über den er sich derart erheiterte, fast verpasst, denn ihr Blick galt für einen Moment kritisch den gekürzten Seiten seines Haares unterhalb der dicken Zöpfe. Die Fragen, die sie sich stellte, während sie ihn von links her betrachtete, hatten wahrscheinlich wenig mit seinem Haar zu tun.

Gerade rechtzeitig, um das Schauspiel noch mitzuerleben, bei dem ein armer Trunkenbold von einem anderen sein Lehrgeld erhielt, ließ die Nyame von ihrem Gefolgsmann ab.
"Szi badenn njen?", fragte sie streng. Längst folgte sie mit hellen Augen dem Weg des Beibootes bis ans Ufer.
Es war Amani, der sie in zwei Sätzen darüber aufklärte, dass es sich um einen Menschen namens Al Habib handelte, der seines Wissens nach guter Geschäfte wegen nach Takbal gekommen sei, und dass Raûl bereits mit dem Anführer jener Gäste gesprochen hatte.
Neome hob das Kinn um eine Nuance, als ändere sich dadurch maßgeblich die Perspektive, die sie auf den Fremden hatte. Er glich den Naihlar nicht vollkommen, aber ein Unwissender hätte Ben vielleicht nicht von dem seefahrenden Nomadenvolk unterscheiden können, das vor allem im Hafenbereich in lauten Scharen vertreten war. Wettergegerbte Menschen mit Bronzehaut, die sich Goldringe in die Haare flochten, in alles kleideten, was ihrer Ästhetik entsprach, vornehmlich aber rotes und schwarzes Tuch trugen und sich mit Holzschmuck, Muscheln und Zähnen ausschmückten; umso mehr, je besser ihre Arbeit es zuließ. Sie trugen auch Goldschmuck und nicht wenig davon, obwohl in vielen Fällen die Echtheit oder Qualität des Edelmetalls anzweifelbar war. Hier am Hafen hatten die meisten nur einzelne Ketten um den Hals oder Westen mit angenähten Perlen. Viele trugen kaum mehr als ihre pludrigen Hosen und schlichtes Leinen. Darunter strahlte die güldene Aufmachung der Nyame, die ihren Stil der vielen Schichten und Ketten nicht verleugnete, aber anders als die Ihren nicht mehr in Schwarz und Rot ging, sondern Weiß und Gold zu ihren Farben gemacht hatte. Auf ihrem Kopf saß der Reif der Macht. Eine Dornenkette umspannte die Krone, an deren Vorderseite die rote Rose Neome als diejenige auszeichnete, die sie war.

Sie starrte dem Mann mit mildem Interesse entgegen, der so leichten Fußes von Boot zu Boot gesprungen war, und wartete, wie lange es dauerte, bis er bemerkte, dass die Nyame ihn beobachtete.

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Ben al Habib

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Do Apr 05, 2018 1:16 pm

Die Luft schmeckte nach Hanf, Salz, Teer, Fisch und den tausend anderen Dingen, die den Hafen ausmachten. Die nachmittägliche Luft war bereits warm und Ben erfreute sich an den Vorboten des Sommers. Beim Gedanken an die vergangenen Ereignisse und der schneebedeckten Wälder von Westfurth schauderte Ben innerlich. Warum hatte er sich von seinem Bruder Yassaf nur zu dieser Jahreszeit dort hinlocken lassen? Die wenigen Kupfer, die mit Waffen und Kriegsgerät dort zu holen waren, konnten kaum die Risiken und Entbehrungen aufwiegen. Andererseits war es gut als Souverän von Amaris und Vertreter des Sultans aus Almutschun auch in dem entfernen Landstrich Präsens zu zeigen. Leider war von der ursprünglichen Laiginer Bevölkerung nach den Kriegen nur wenig übrig.
Der Eindruck des Abstecher in die Vierlande mit dem Besuch im verschneiten und umkämpften Westfurth verblasste vor der Kulisse von Gutenbucht.
Ben hatte die Kleidung der Reise und dem Klima der Region angepasst. So trug er seine typischen blau silbernen Farben. Ein einfacher blauer Turban mit einem dunklen Hemd, silberfarbener Schärpe und heller Hose ließen ihn wenig auffällig erscheinen. Auf den zweiten Blick jedoch sah man einen breiten Silberreif am Arm, silberne Ketten am Hals, verschiedene Ringe an den Händen und auch die Schärpe zeigte erst bei genauerem Hinsehen ein feines silberdurchwebtes Brokatmuster. Am Gürtel waren verschiedene Taschen und ein kleiner Krummdolch festgemacht. Auffällig war jedoch ein gelber Gürtelwimpel mit Logo, welches einen Baum, in dessen Wurzeln das Terrasymbol eingewoben war vor einer Festung zeigte.
Ben schaute kurz den Seeleuten, die laut schwatzend in Richtung der nächsten Taverne unterwegs waren hinterher. Sein Blick fiel dabei auf eine etwas entfernt stehende Gruppe von drei Personen, von denen die Dame in weiß und Gold ihn ganz ungeniert anstarrte. Eine steile Falte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen. Einen kurzen Augenblick später erinnerte er sich, dass, selbst wenn so viele hier aussahen wie in seiner Heimatstadt Al Marsa, die Gebräuche doch andere waren. Oder hatte Dahab auch hier bereits Einfluss gewonnen?
Da die Neugier nun geweckt war, ging er lockeren Schrittes in Richtung der Gruppe. Mit jedem Schritt den er näher kam zeigten sich weitere Details der drei Personen. Als Ben schließlich die Krone mit der Rose identifizierte, war es zu spät umzudrehen. „Verdammt!“ dachte er sich „Wo ist der vermaledeite Sayid, der sich aufführt wie ein Haushofmeister, wenn man ihn mal braucht.“ Die letzten Schritte zu der Gruppen waren schnell überbrückt.
Ben beugte leicht den Kopf und begann mit der traditionellen Begrüßung indem er Kopf und Herz berührte sowie einen ausholende Handbewegung mit der rechten Hand vollführte.
„As-salāmu ’alaykum eure Herrlichkeit. Ich freue mich euch hier bei guter Gesundheit und in angenehmer, wenn auch ungewöhnlicher Umgebung anzutreffen. Wenn ich mich in Ermangelung des Hofstaates selbst vorstellen darf. Mein Name ist Ben ibn Amir ibn Omar al Habib, zugehörig zum Handelshaus Al Habib aus Al Marsa in den ewigen Sanden. Zu meinen Aufgaben und Rollen gibt es sicherlich verschiedene Beschreibungen, die ein Haushofmeister hervorragend aufsagen kann. Das versuche ich gar nicht erst und lasse es mit eurer Einwilligung weg? Um zum hier und jetzt zurückzukommen: in Gutenbucht bin ich zum einen mit Raul, eurem Kämmerer in Gesprächen und zum anderen als Quartiermeister und Offizier der Feste der Vielfalt in Vorbereitung kommender Feldzüge beschäftigt.“
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Do Apr 05, 2018 2:50 pm

Der Mann trug Blau und Silber, deshalb hätte jeder Naihlar ihn als Sonderling oder Fremden erkannt, doch mancher Gutenbuchter sah Ben al Habib hinterher und murmelten etwas von Gomba in ihre Bärte.

Dafür hatte er die volle Aufmerksamkeit der Männer an Neomes Seite. Als der Fremde näher kam, wechselten sie Worte miteinander.
"Nyo dad mir", sagte derjenige mit dem roten Kopftuch und dem kürzeren Haar.
Der andere, Lahmi, trug immer noch Reste eines Lächelns auf dem Gesicht.
"Tel nyon dad. Ne dzhahar nyo badenn wardath. Ar nij shaun stä."

Ben durfte sich des Interesses beider Männer gewiss sein, wenngleich der eine verbohrt und misstrauisch aussah und der andere sich edel und überheblich dem Ohr der Nyame entgegenlehnte und ihr ein paar letzte Worte zuraunte, ehe Ben die Gruppe erreichte.
Der Mann mit dem silbernen Geschmeide stellte sich vor und beantwortete unaufgefordert einige der Fragen, die bestimmt zu stellen gewesen wären. Lahmis Mund öffnete sich bei der Länge des genannten Namens, wohl witterte er eine Bedeutung hinter der wiederkehrenden Silbe ibn und in irgendeiner Weise schien er Gefallen daran zu finden. Aber diesmal hielt er sich zurück und riss das Wort nicht an sich, obgleich er aussah wie einer, dem selbiges nur allzu leicht fiel.
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Do Apr 05, 2018 3:27 pm

Tatsächlich konnte Ben al Habib, wenn er es wollte, ohne aufzufallen, durch die Gassen von Takbal gehen. Ghalmaren, Chirya, Gutenbuchter, Naeviten - all die Völker würden ihn vielleicht verwechseln. Doch die Naihlar, denen er in fremden Augen so ähnlich zu sein schien, erkannten, dass er, wenn auch vertraut in Aspekten seines Geschmackes, kein Mann ihres Blutes war; so wie auch für Ben zu erkennen war, dass die vermeintliche große Ähnlichkeit zwischen ihm und den Naihlar von der großen Unterschiedlichkeit zu allen anderen herrührte. Nichtsdestotrotz, für einen Fremden schien er nicht ganz unverwandt. Deshalb wunderte es Neome nicht, dass Lahmi die herannahende Erscheinung mit großer Neugier musterte.

As-salāmu ’alaykum, sagte er, unschwer als Gruß zu erkennen. Neome hatte diese Phrase in mitrasperanischen Teehäusern und auf den Wegen zwischen Marktständen gehört. Seine Geste spiegelte sie nicht, sondern stand gerade aufgerichtet, den Kopf ein wenig geschrägt, um ihre Aufmerksamkeit zu signalisieren. Je weiter er sprach, umso mehr enstand der Eindruck, dass sich ein unterschwelliges Lächeln in ihr Mienenspiel wirkte, eines jener Sorte, das wahrnehmbar war, sich aber nicht an einem bestimmten Ort aufspüren ließ.
"Dann heiße ich Euch willkommen im Reich der Rosen." Ihre Hand beschrieb einen winzigen Kreis, sowie Gutenbucht nur einen winzigen Teil des Siegels ausmachte. "Und in Takbal - das ist, wie die Brüder und Schwestern aus meiner alten Heimat Gutenbucht zu nennen begonnen haben, und wie es seither viele nennen. Die Bedeutung ist die gleiche."
Ihr Haupt deutete ein Nicken an. Ihre Augen blieben auf das Gesicht des Mannes gerichtet.
"Al Habib, sagt Ihr..."
Es stellte sich heraus, dass Gwen nicht gelogen hatte, als sie an jenem Tag in Westfurth behauptet hatte, dass die Nyame Muscheln trug, um sich ihrer Vergangenheit zu erinnern. Das Gold und Weiß ihrer langen Gewänder erinnerte wenig an das Geschlecht aus Seefahrern und Piraten, aus dem zu kommen man ihr nachsagte, obwohl der Schnitt ihrer Kleider vielfältiger und weniger hochgestochen war als die braven Roben des Hofstaates. Aber ihr Schmuck, die vielen Ketten aus Holz, Molluskenschale und Metall, die steinbesetzten Armreifen und etlichen Ringe, waren wie eine Ode an den Stolz und die eitle Selbstachtung ihres Volkes. Unter den Armreifen gab es einen, der aus vielen dünnen goldenen Bögen bestand, die an beiden Enden zusammengehalten wurden. Er saß vorn am Handgelenk der Nyame und hinderte andere daran, zu weit über ihre Knöchel zu rutschen. Vor einiger Zeit hatte er noch mit anderem Schmuck und Klimbim in einer Holzkiste unter dem Dach eines Teehauses gelegen.
"Ihr habt mir gerade einen sehr langen Namen genannt - nennt man Euch auch Ben al Habib? Oder handelt es sich dabei um jemand anderen?"

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Do Apr 05, 2018 8:00 pm

Die steile Falte auf der Stirn war längst verschwunden. Doch musterte Ben fast unbewusst die beiden Begleiter der Nyame. Der mit dem roten Kopftuch schien etwas reservierter, was für Leibwächter oder sonstige Beschützer - denn dafür hielt Ben sie - nicht verwunderlich war. Die Geschichten über Neome und ihre Art die Herrschaft auszuüben hatten längst auch das Handelshaus Al Habib erreicht. So kam das Bild der entspannten Herrscherin, die mit wenigen Wachen sich ungezwungen unter das Volk mischt, dem nahe, was an den Lagerfeuern der Karawanen erzählt wurde.
Das freundliche, leicht amüsierte Lächeln, ihre stolze Haltung zusammen mit der Aufmerksamkeit ihrer Augen führten bei Ben dazu, dass auch er sich gerade aufrichtete und freundlich, aber nicht unterwürfig antwortete.
„Ben al Habib. Ja, so nennt man mich in einigen Landstrichen, die nicht recht vertraut sind mit den Namen meiner Vorväter. In den meisten Fällen reicht auch einfach Ben.“
Ein freundliches schmunzeln in das sich ein wenig Stolz mische, umspielte die Mundwinkel und verschwand dann unter dem dunklen Bart.
So wie der Wüstensohn die Muscheln und Verzierungen an und unter der Kleidung schnell identifizierte, so schätze er mit ebenso geübtem Blick die Schmuckstücke seines Gegenübers. Der goldene Armreif war ihm sofort ins Auge gefallen, kannte er ihn doch zu gut.
„Wie ich sehe hat Gwen das Wort gehalten, das sie mir in Westfurth gab und euch die guten Schmuckstücke zukommen lassen. Sie wollte es einer eurer Hofdamen geben. Auch sie traf ich in Westfurth bei einer eher ungewöhnlichen Beschäftigung für eine Dame vom Hof. Ihr Name will mir tatsächlich nicht mehr einfallen.
Wie dem auch sei, es scheint als hätte Gwen euren Stil sehr gut gekannt und damit eine gute Auswahl getroffen. Ich hoffe auch ihr seid mit dem Geschmeide zufrieden?“
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Fr Apr 06, 2018 2:11 am

Amusement, Verwunderung, eine ungestellte Frage, sogar Spott vermengten sich in Neomes Blick.
"Meine Hofdame", wiederholte sie regelrecht keck, wäre nicht eben dieser Blick nach nur einer Sekunde wieder ernst gewesen. "Meint Ihr vielleicht Mallo, meine Repräsentantin? Sie ist bestimmt vieles, aber keine Dame."
Wenn Ben Neome oder ihre Gesandte beleidigt hatte, so ließ die Nyame es sich nicht anmerken.
"Ich habe gehört, dass sie sich hinreißen lassen hat, in einem Gasthaus zu bewirten. Sie wird ihre Gründe dafür gehabt haben. Mein Volk schätzt die Gastfreundschaft sehr, ich habe nichts dagegen, wenn sie diese Werte teilt." Es konnte ein Scherz sein, ein gesunder Umgang mit Mallos ungewöhnlicher Beschäftigung in Westfurth, wie Ben es zu Recht nannte. Wenn es so war, handelte es sich um einen der Scherze, die zu einem Teil wahr waren.
"Mallo ist meine Vechin Jûn", erklärte sie gelinde. "Meine Bewahrerin des Sinnes, die nach meinen Absichten Angelegenheiten regelt, derer ich mich nicht annehmen kann. Sie war nicht in meinem Auftrag unterwegs." Während Neome sprach, verhielten sich die Männer an ihrer Seite still. Amani mit seinem Messergurt war bestimmt als Leibwächter an ihrer Seite. Lahmi hingegen war zu schön gekleidet, nicht praktisch genug für plötzliche Auseinandersetzungen. Seine eigentliche Aufgabe musste irgendetwas anderes sein. Gerade bestand sie darin, das Gespräch mit glimmenden Augen zu beobachten wie einer, der immer vorgab, etwas mehr Hintergrundwissen zu haben als im Gespräch fiel.

"Allerdings hat Mallo - vielleicht hat sie sich Euch als Malen vorgestellt - mir tatsächlich eure Grüße überbracht", fuhr Neome fort. Sie behandelte die zwei Männer wie eine Selbstverständlichkeit und trat schließlich einen Schritt vor aus ihrer Mitte. Sie rückten nicht mit auf. "Demnach wisst Ihr auch, dass ich Neome bin." Ein schwaches Lächeln rundete die Offensichtlichkeit ab. "Die Ketten verwahre ich noch, sie werden Teil von etwas Neuem sein." Es waren also andere Muschelketten, die sie trug. Den Armreif jedoch präsentierte sie durch ein kurzes Heben ihres Handgelenkes. Viele andere Reifen, die meisten schlicht, klimperten leise um ihren Arm. "Wie komme ich zu der Ehre Eures Geschenkes?"

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Praiodan von Fuchshag
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Fr Apr 06, 2018 5:51 pm

Es waren lange Gespräche gewesen. Anstrengende Gespräche die Praiodan mit einem abendlichen Spaziergang verdauen musste. Das Klima war warm für diese Zeit. Er hatte es in der Heimat nicht einmal geschafft, in Richtung Khunchom zu reisen. Vielleicht wäre es ihm dann hier anders vorgekommen. Jetzt war alles neu für ihn.
Am beeindruckensten war für ihn aber das Meer. Er war nie wirklich am Meer gewesen. In seinen Gedanken zählte er die Tage, die er auf Bord eines Schiffes zu diesem Kontinent verbracht hatte, doch es waren zu viele.
Doch hier und heute konnte er das Meer auch wirklich genießen. Er hatte sich zum Steg begeben und ließ seinen Blick über das schier endlose schweifen. Nicht mehr lange und auch dieses Meer wäre wieder Geschichte für ihn.
Er sog die Meeresluft ein und schaute sich um. Er war nicht alleine, doch das sah er jetzt erst. Da war sie, die Nyame. Ihr Blick war nicht der einer einfachen Frau, soviel stand nach den vielen Stunden im Zelt fest.
Sie schien sich zu unterhalten und so wollte Praiodan erst einmal nicht stören.
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Ben al Habib

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Fr Apr 06, 2018 8:48 pm

Ben strich sich fast ein wenig nachdenklich mit der rechten Hand durch den zehntage Bart. „Ahh, eine vielschichtige Frau. Das macht es oder besser sie interessant“ dachte er sich. Laut formulierte er „Na‘am , nun wo fange ich an. Mallo denke ich. Ja so stellte mir Gwen sie vor. Ich hoffe wir meinen beide dieselbe Person.“ Er zeigte mit der Hand die Größe. „Etwa einen Kopf kleiner als ich. Die Farbe ihrer Haare war wie die der großen Sanddünen von al Waha, jedoch nicht so hell wie die der Salzwüsten . Ihre Augen waren flink und nahmen vieles in der Umgebung auf, so dass sie Sorge tragen konnte, dass alle Bedürfnisse befriedigt werden konnten. In ihren Handlungen war eine Beständigkeit und Ruhe, so dass ich ihren Terraaspekt höher als ihren Aqua- oder Ignisaspekt einschätzen würde. Das machte sie mir sympathisch.“
Mit diesen Worten strich er fast unsichtbar leicht über den gelben Gürtelwimpel. Eine weitere Geste mit der Hand deutete entlang des Steges.
„Mögt ihr vielleicht ein paar Schritte gehen? Einer meiner alten Lehrer sagte mir einmal, dass der Geist und die Seele sich besser entfalten wenn man sich bewegt. Und, das gebe ich ehrlich zu, ich mich über Wirkung und Auswirkungen des Geschmeides, das euch so vortrefflich steht, erst klar werden muss.“
Der Redefluss von Ben kommt etwas ins straucheln. „Na‘am . Was kann ich sagen. Solch ein schönes Stück einer schönen Frau zu geben, um ihrem Selbst noch etwas mehr Ausdruck zu verleihen? Es fehlen mir ein wenig die Worte, auch weil das Handelshaus nicht so häufig die unverhoffe Gelegenheit bekommt solch offene Worte mit einem Herrscherhaus zu wechseln.
So seid euch doch vergewissert, dass die Ehre ganz auf unserer Seite ist, dies Stück euch tragen zu sehen. Und vielleicht ist dies ein guter Beginn von etwas, dass ich hier und jetzt noch nicht beschreiben kann.“
Und da war es wieder dieses schelmische Grinsen, fast nicht zu sehen aber doch zu fühlen. Gerade so als wäre Ben erneut über die schmale Reling balanciert.
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Sa Apr 07, 2018 1:23 pm

"Das ist Mallo", bestätigte Neome. Ihre Augen lasen eine Sekunde das Symbol auf dem Wimpel, den Ben am Gürtel trug. Ob der Reisende Neomes Belustigung erkannte, hing sehr davon ab, wie gut er sich darauf verstand, eines Menschen Suggestivkraft zu erfühlen. Vielleicht konnte er erraten oder anhand winziger Nuancen wenigstens erahnen, dass es etwas Erheiterndes hatte, dass er sich an Gwens Namen erinnert hatte, an Mallos jedoch nicht. Dass sie daraus Schlüsse erwog, über die zu sprechen es noch lange nicht an der Zeit war, da nicht einmal gesagt war, über wen der Betroffenen diese Fügung letztendlich etwas auszusagen hatte. Sie hatte aber wohl ein Bruchstück Information aus diesem Geschehen gezogen und wenigstens das war ihr halb anzusehen.

Auf die Einladung, ein Stück zu gehen, wandte sich Neome an Amani und Lahmi.
"Adeth thim nadul, 'nme. Nij dzharr dith dene tomid gak nyon ndelio. Walê, neya zingad!"
Gerade die letzten Worte ließen die Männer abgetan lächeln.
"Hist?", fragte der Schönling mit der Krone aus schwarzen Zöpfen.
"Jykot nanuz. Nadul tscha."
Ihr sanfter Befehl wurde gehört. Die Männer entrichteten Ben noch einen Blick - und Lahmi noch ein ausschweifendes Lächeln - und wandten sich dann ab. Sie waren schon ein paar Schritte gegangen, als Neome noch etwas einfiel. "Ah - Lahmi?"
Der Naihlar drehte sich noch einmal um, fasste Neome und Ben in den Blick.
"Geh rüber zu Yarras Dschunke. Sag ihr, ich will sie heute Nacht sprechen. Sie soll Rindenwurz mitbringen."
Lahmi winkte und setzte seinen Weg fort.
Man hätte meinen können, Neome wäre eine Händlerin, vielleicht eine Kastellanin. Sie hatte lebhafte Ausbrüche, die mancher Meinung nach für eine Nyame, eine spirituelle Macht und Größe, unpassend erscheinen mochten, die sich nicht vertrugen mit dem Bild, das in einzelnen Köpfen festgefahren war. Jetzt, wo sie allein waren, wandte sie sich ganz Ben zu. Beinahe. Vorher striff ihr Blick den Magier, der unweit des Weges kam.

"Ich gehe gern einige Schritt mit Euch", antwortete sie Ben. Seine Komplimente hatten sie nicht eingefangen, denn sie ging darüber hinweg, als wären sie nie gesprochen worden, doch sein Angebot, sich zu bewegen, fand Anklang. "Mir gefällt Eure Tracht. Ich bin sicher, Ihr werdet während Eures Aufenthaltes öfter mit meinem Volk oder den Oroni verglichen werden. Bitte seid nicht beleidigt deshalb. Die meisten Siedler hier kennen wenig völkische Vielfalt."
Neome trat ohne weitere Umschweife an die Seite des Mannes. Kein ganzer Mensch hätte mehr zwischen sie gepasst, aber sie war ihm nicht so nah, dass sie beim Gehen gegen ihn stieß. Distanz ging von ihr aus. Aber nicht Unfreundlichkeit. Noch hatten sie den Magier nicht passiert. Ihr Blick flog aber nochmal in dessen Richtung und ihre Stimme senkte sich, nahezu keck, nahezu verschwörerisch.
"Ich bin mir sicher, er, wenn er seinen Hut trägt, erweckt sogar noch mehr Gerede..."

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Ben al Habib

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Sa Apr 07, 2018 3:13 pm

Ben war erleichtert, dass Neome sein Angebot sich zu bewegen angenommen hatte. Konnte er so seine Gedanken, die wie ein wirrer Strudel in seinem Kopf kreisten etwas ordnen. Und diese Zeit brauchte er wirklich.
So wahrhaftig wie er über Dinge berichtete und terragefällig wie der Fels in der Brandung zu sein schien, hatte er auch von seinem Bruder gelernt nicht alles sofort und direkt zu sagen. Ben Gedanken waren bei seiner eigenen Erwähnung seines alten Lehrers aus dem Kurs gelaufen. Denn es war mitnichten ein alter graubärtiger Mann vor seinem Schüler gewesen. Es war die Kapitänin des Falken des Morgens, zu der Zeit noch ohne die Seide und dafür mit mehr Fortune gewesen. Und sie hatte bestimmt nicht den Geist eines Menschen gemeint, sondern nur die Geschwindigkeit des Falken bis zu seiner nächsten Beute gemeint. Das was Ben aber schon seit Jahren im tiefsten Inneren verborgen hatte, war das Ende dieser Zeit auf dem Falken. Der Duft des Hafens, die fast vertrauten Gestalten im Hafen, die Anspannung mit der Nyame zu sprechen, die Reste des Phönixfeuers vom Vorabend? Was es auch war, Ben war froh ein paar Schritte zu gehen und sich zu ordnen. So überhörte er die Bemerkungen in fremder Sprache, bemerkte weder den Magier noch das abgetane Lächeln. Erst als die Tracht zur Sprache kam, nahm er den Faden wieder auf.
„Wir sind auf vielen Kontinenten unterwegs und somit mit vielen Kulturen in Verhandlungen. Bis wir beleidigt sind müsste man schon wissen wie und wo wir zu treffen sind. Und die Kleidung fällt ganz sicher nicht darunter.“
Die Nähe von Neome, die nicht ganz so nah war, kam Ben gerade recht. Er folgt nun dem Blick zum Magier und sah ihn genauer an. Seine rechte Augenbraue hob sich und die steile Falte war wieder zu sehen. „Magier!“ Ben macht ein undefinierbares Geräusch „Hmmpf, unsicheres Geschäft mit Leuten, deren Absichten niemals wirklich klar sind. In meiner Heimat tuschelt man nur hinter vorgehaltener Hand über diese siebte Kunst.“ Die Falte verschwand wieder und leise fügte er hinzu „Allerdings ist so ein Hut sicherlich Aufsehen erregend hier im Hafen. Vielleicht gibt es ja hier einen Fleck von dem man ungestört beobachten kann, wie die Hafenbewohner ihn willkommen heißen?
Wobei eine Frage habe ich vorher doch noch. Dieses Wort „Gomba“ oder so ähnlich, hörte ich verschiedentlich im Vorbeigehen. Was bedeutet es in der Sprache der hiesigen?“
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Praiodan von Fuchshag
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   So Apr 08, 2018 9:51 pm

Das Rauschen der Wellen wirkte beruhigend auf Praiodan. Lange zurück lag die Zeit, als sie kurz in Salza waren. Wie konnte ihm das entgangen sein? War das alles schon so lange her? Von Salza war er mit Lares und den anderen nach Drôl gereist. Da war er bereits am Meer gewesen.
War das hier alles so anders? War er vergesslich oder war es einfach schon viel zu lange her.

Eine einsame Träne rann seine Wange herunter.

Er war mit Lares am Meer gewesen... sein engster Freund über soviele Jahre. Sie hatten auf dem Steg gestanden, genauso wie jetzt und hatte darüber diskutiert was wohl hinter dem Meer liegen würde. Wenn Lares das noch miterlebt hätte.

Mit dem Handrücken wischte er sich über das Gesicht und ging einige Schritte den Steg entlang, damit der Wind ihm nicht direkt ins Gesicht blies.
Als er auf etwa 10 Schritt an der Nyame und ihren Begleitern herangetreten war, verbeugte er sich anstandsgemäß mit der Absicht sie zuerst passieren zu lassen ehe er seinen Spaziergang fortführen konnte.
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Mo Apr 09, 2018 1:24 pm

Er war also nicht durch Oberflächlichkeiten zu beleidigen. Neome nahm es mit Zufriedenheit auf.

Dann wiederum, schienen ihn Oberflächlichkeiten durchaus zu einem Urteil bewegen zu können, denn Bens Reaktion auf den Magier kündete von einem gewissen Argwohn. Keine unvertraute Situation.
"Wo ich herkomme, gibt es wenige solche Männer", erzählte sie. Ihr ruhiger Blick lag noch auf dem Mann mit Spitzhut. "Diejenigen, die nicht eingesperrt sind, leben verborgen. Um ihres eigenen Friedens Willen und für den Frieden aller anderen." Der Bericht war so neutral, dass es Unterstellung gewesen wäre, zu glauben, die Nyame hieße es gut oder schlecht. Plötzlich aber ermunterte sich ihr Wesen.
"Euch ist aber doch bewusst, dass Ihr hier mit einer Nyame geht? Dem Inbegriff der Magie?"
Hätte er nicht eine andere Frage gestellt, ihre Belustigung hätte sich vielleicht vertieft. So aber gab sie ihm Antwort.
"Gomba. Das ist eine Abwandlung des Wortes gomben, was auf Chollodann, meiner Heimatsprache, Wucher bedeutet. Zuerst wurde Gomba benutzt, um Naihlar - das ist mein Volk - zu beleidigen. Wucherer, Piraten, betrügerische Umherziehende. Etwas in der Art. Die Leute nennen meist diejenigen Gomba, die ihnen fremd und exotisch erscheinen, und von denen sie fürchten, übers Ohr gehauen zu werden." Ein sanftes Lächeln zeichnete ihre Miene. "Mittlerweile nennen sich viele, die ich kenne, stolz selbst Gomba. Damit haben die Gombas ihren selbsternannten Gegnern sogar diese Beleidigung gestohlen."

Bei all den negativen Ausführungen ließ sich erahnen, dass auch für Neome das Wort kein Fluch zu sein schien. Vielleicht im Gegenteil.
Sie kamen dem Magier näher.
"Ich glaube, er kam mit den Freyenmarklern", erklärte sie still.
Als sie auf seiner Höhe waren und er aus dem Weg trat, ließ sie dem Magier den Anflug eines Lächelns zukommen, vielleicht ein Gruß oder eine Würdigung seiner Aufmerksamkeit.

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Ben al Habib

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   So Apr 15, 2018 11:44 pm

Als sie den Magier passierten legt Ben seine rechte Hand auf die linke Brust und beugte leicht das Haupt zum wortlosen Gruß. Das verschaffte ihm erneut etwas Zeit sich zu sammeln. Die Ausführungen über den einheimischen Begriff verwunderten ihn nicht, sondern entsprachen schon seinen Erwartungen. Die Ausführungen zu den Personen, deren Fähigkeiten im Beteich der Magie liegen, ließen ihn aufhören. Verfolgte aufgrund der Magie. Ob die Nyame selbst vielleicht? Nein, unvorstellbar. Aber doch war da etwas von Betroffenheit in ihren Worten. Oder Mitgefühl? Wo sie doch selbst von sich sagte sie sei der Inbegriff der Magie. All diese Gedankem rasten Ben durch den Kopf, als er stumm an dem Magier vorbei schritt.
„Nun den -Gomba- nehme ich gern an, bin ich doch ein Fremder hier in Gutenbucht.“ Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Bin ich doch an anderen Ort schon sehr viel weniger offenherzig aufgenommen worden.“
Noch drei Schritte weiter lenkte er das Gespräch wieder in Richtung der Magie. „Natürlich ist mir das Wesen der Magie nicht unbekannt, sofern man als Nicht- Magier davon sprechen kann. Eure Magie allerdings vermag ich auch nicht in Ansätzen zu begreifen. So stelle ich sie mir vor wie die Elementkräfte, die alle zugleich euch innewohnen. Daher erhoffe ich von euch vielmehr Kräfte den Elementen gleich und nicht wie bei einem beliebigen Adepten der siebten Kunst.
Nun bin ich bekanntermaßen ein Mann des Stahls einerseits und des Handels andererseits. Mit letzterem hoffe ich euch auch weiter erfreuen zu dürfen. Insbesondere wenn es um Transporte über Land bedarf, würde mir ein Brief mit Siegel eurerseits Tore wie von magischer Hand öffnen oder Fragen der jeweiligen Garnisonslommandanten schnell beantworten.
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Praiodan von Fuchshag
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Mo Apr 16, 2018 11:52 am

Nach der kurzen Begrüßung und als die beiden Praiodan passiert hatten, ging auch dieser weiter auf dem Steg spazieren. Schon bald war sein Bericht an Saldor fällig, doch nicht heute Abend, nicht bei diesem Ausblick.
Er nahm sich vor in der Heimat einmal Khunchom zu besuchen. Diese eine Kiste auf dem Steg kam ihm gerade Recht. Er nahm kurz Platz und fing an seine Pfeife zu stopfen. Nur wenige Augenblicke später rauchte es süß um ihn herum. Sein Stab stand angelehnt neben ihm und er genoss weiter den Blick auf das offene Meer.
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Di Apr 17, 2018 3:48 pm

Neome hatte kurz gezögert. Sie wollte dem Magier die Gelegenheit geben, sollte er es wünschen, das Wort an sie zu richten. Doch die Situation war für ihn vielleicht nicht allzu einladend.
So zogen sie weiter und er blieb zurück. Während sie Ben zuhörte, warf sie einen beiläufigen Blick über die Schulter zurück. Da stand er und schaute aufs Meer.
„Meine Magie ist tatsächlich anders als das, was man üblicherweise versteht. Sie ist gleichzeitig anders als das, was mein Volk tut, wenn man ihnen Zauberwirkerei vorwirft.“ Der Betonung nach handelte es sich auch dabei nicht um die übliche Zauberei. Sie gedachte nicht, viel über Nyamenmagie zu reden. Und auch Ben wechselte zu einem Thema, das seinen Alltag mutmaßlich sehr viel mehr bestimmte. Handel. Seine Worte brachten sie dazu, herzhaft aufzulachen.
„Ihr habt euch doch bestimmt gut mit Raûl verstanden!“, mutmaßte sie. Die dem zugrunde liegende Botschaft war gleichzeitig warm und kritisch. Aber sie schmetterte seine Idee nicht ab.
„Dann erzählt mir doch ein bisschen von Euch und Eurem Handel. Handel ist gut für das Land. Und verschiedene Orte brauchen verschiedene Dinge. Was einer nicht gut heißt, ist des anderen Kraft und Antrieb. Also sprecht ruhig offen. Wir sind unter uns.“ Neome sah um sich, als müsse sie prüfen, ob ihre Aussage stimmte. Ob nicht doch jemand bereits von irgendwoher angeschlichen kam oder ihnen nachging. Der Magier weiter hinten fing noch einmal ihre Aufmerksamkeit, einen Herzschlag lang, aber sie schon die Gedanken, die sie sich zu den Aventuriern machte, beiseite.

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Zuletzt von Neome am So Apr 22, 2018 5:05 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Ben al Habib

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Do Apr 19, 2018 10:36 pm

Die Wärme in der Stimme von Neome als sie über den Handel sprach überraschte Ben fast ein wenig. Er hatte allerdings auch die Härte und eher ausweichende Antwort zu dem offensichtlich nicht so passenden Thema Magie gehört. So fühlte er erst eine Distanz, die sich zwischen den beiden einträchtig einher Schreitenden aufbaute. Sie die Mächtige mit dem Herrscherwissen des Landes und der Aura und Magie einer Nyame. Er der unkundige Bittsteller, dessen Unfähigkeit Magie auch nur zu verstehen ihn in eine ganz andere Welt versetzte. So waren sie wie durch eine Mauer aus Eis getrennt, die erst mit dem warmen Lachen dahinschmolz, wie Wasservorräte auf dem Weg durch die ewigen Sande.
Die Kritik in der Stimme war Ben gewohnt, ging es beim Handel doch um sehr sensible Dinge wie Wertschätzung oder Vertrauen. Daher konnte er mit gewohnter Leichtigkeit in der Stimme erklären: „Ihr ehrt mich mit eurem Interesse. Meine Familiengeschichte, wie sie in den ewigen Sanden erzählt wird, würde den Rahmen hier sprengen. Die Geschichte über die Tränen der Al Habibs ist inzwischen vielleicht sogar darüber hinaus bekannt. Nur soviel: die Al Habibs sind eine recht alte Handelsfamilie und ich habe das Glück in diesen Jahren des Nachweises meinen Wert für die Familie darlegen zu dürfen.“ Ben räusperte sich kurz.
„Na‘am der Handel mit unterschiedlichen Gütern beschäftigt mich tatsächlich und gerade auch hier. Mit Raûl, dem alten Halsabsch.... Verzeihung, mit eurem Kämmerer habe ich in der Tat gesprochen und bei einem anregenden Gespräch sind wir auch hinsichtlich einiger Optionen auf Waren einig geworden.
Es freut euch sicherlich, dass das Reich ausreichend Nahrung auch am Ende des Winters noch vorrätig hat, so dass es diese verkaufen kann.
Darüber hinaus sind wir noch in Gesprächen mit eurem neuen Lehensnehmer von Kelmtal. Dort ist sicherlich enormer Bedarf an Baustoffen und allem was die Siedler zum Neuanfang brauchen. Dort helfen wir gern und liefern.
Eine Gedankenpause und ein kurzer Blick hinüber, um sich der Aufmerksamkeit von Neome zu vergewissern, dann fuhr er fort.
„Und gerade für diese Transporte von Waren über Land, die in diesen unsicheren Zeiten natürlich nicht ohne Eskorte vonstatten gehen dürfen, könnte eine Bescheinigung viele Verzögerungen beseitigen.“
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   So Apr 22, 2018 6:03 pm

"Hhhhm", war die Antwort der Naihlar, ein Mädchen aus einem Nomaden- und Seefahrervolk, das es bis zur Nyame geschafft hatte, und die nun auf eine ganz und gar nicht wortgewaltige Weise klarzumachen beschloss, dass sie kaum mehr über Ben Al Habib und die Art seines Handels wusste als zuvor. Als der Ernst in ihre Züge zurückkehrte, vertrieb er nicht die Harmonie daraus.
"Als Raûl zu mir und den Meinen stieß, war er ein Söldner, der anderen für zwei Kupfer pro Tag Kisten hinterher trug und sich für keinen Schunddienst zu schade war. Man könnte ihn einen Halsabschneider nennen oder zielstrebig und enthusiastisch." Sie blickte schmunzelnd über das Meer. "Man könnte ähnliches über viele meines Volkes sagen", fügte sie an.
Ihre Augen richteten sich wieder auf Ben aus.
"Ich weiß Eure Direktheit zu schätzen. Ich will es mit gleicher Münze vergelten."
Ein Windzug blies über den Hafen, trug Gerüche von den Schiffen und ihrer Ladung und eine Spur Halfagras von der hohen Ebene.
"Mein Interesse gilt dem Land. Die Leute sind Teil des Landes. Die Leute haben unterschiedlichste Bedürfnisse. Meine profitable Gunst gebührt jenen, die fähig sind, diese Bedürfnisse lohnend zu erfüllen. Ich bin der Zusammenarbeit mit Euch zugetan, aus Gründen, die ihr entweder intuitiv versteht oder vielleicht niemals verstehen werdet. Trotzdem interessiert mich, was Euer Handelshaus von anderen unterscheidet. Natürlich könnte ich Euch Schrieb und Siegel übergeben lassen. Damit könntet Ihr Eure Waren, wie Ihr sagtet, leichter ins ehemalige Kelemthal liefern. Aber das ist nicht, worauf sich der Schrieb beschränken soll, richtig?"

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Di Apr 24, 2018 3:21 pm

Ben folgte den Ausführungen aufmerksam, den Blick nach vorn gerichtet, hin und wieder ein Blick zu Neome. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Die Erwähnung von Rauls Vergangenheit zauberte ein Lächeln rund um die Mundwinkel.
„Bevor ihr denkt, dass Raûl sich uns gegenüber nicht ehrenhaft verhalten hat. Dem ist nicht so, im Gegenteil. Wir hatten die Freude uns einen Abend lang entspannt zu unterhalten. Welche Geschäfte dann daraus entstehen? Das wird die Zeit zeigen.“
Ein paar Schritte war Ruhe eingekehrt und nur die Hafengeräusche bildeten die vielfältige Geräuschkulisse. Bens Blick wanderte über die Schiffe im Hafen bis zum Zweimaster, der vor der Bucht lag.
„Ja, ich muss zugeben eure Frage ist gut. Denn was das Handelshaus Al Habib gerade hier in diesen Landen von anderen unterscheidet ist nicht einfach zu beantworten. So kann ich euch Dinge über uns erzählen. Ob das für euch, oder die euch so am Herzen liegenden Bewohner dieser Landstriche besonders klingt werden wir sehen. Andere Handelshäuser will ich gar nicht beurteilen, da sie auch immer wieder wichtige Geschäftspartner für uns darstellen.
Wie erwähnt stammt unser Haus aus Al Marsa in den ewigen Sanden. Dort sind wir seit mehr als zehn Generationen eingetragen und mit dem Hauptsitz ansässig. Ihr versteht, dass die Familie und die Zweige über die Zeit durchaus gewachsen sind. Daher gibt es inzwischen ein weit verzweigtest Netz von Niederlassungen in den ewigen Sanden und darüber hinaus.
Das was uns auf verschiedenen Kontinenten in den letzten Jahren ausgezeichnet hat sind wohl die Aktivitäten von meinem Bruder Yassaf und mir. Wir waren in der Lage verschiedene lohnende Geschäfte und Niederlassungen in Bogenwald, Amaris in den Vierlanden und Holzbrück zu tätigen beziehungsweise zu gründen. Dort sind wir sowohl Händler, Innungsleiter oder in Amaris bin ich gar der offizielle Vertteter des Sultans und Souverän. Anders als Familien wie die Grolls oder andere bekannte Namen, sind wir Händler und zunächst an diesem Geschäft interessiert. Mit Mythodea verbindet uns zusätzlich noch der Kampf gegen die Verfehmten. Die besondere Kombination hier ist die Quartiermeisterei in der Feste der Vielfalt, die ich verantworte, wie auch das Handelskontor in Holzbrück.
So sind unsere Interessen vielfältig. Ich muss zunächst die Truppen der Feste versorgen. Dazu braucht es Waffenschmiede, Rüstungsbauer aber auch all die Versorgungsmaterialen für große militärische Vorhaben. Mein Bruder und ich versuchen Handel und Truppenversorgung sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Und das ist in der aktuellen Situation sicherlich eine der Besonderheiten, da wir militärische Güter aber auch Handelswaren durch das Reich transportieren.“
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Di Apr 24, 2018 3:39 pm

„Die Grolls? Sind das nicht die Brüder mit den Schmierheftchen?“
Von allen Dingen, die er gesagt hatte, all die Informationen, die Erklärungen, fiel der Blick der Nyame zuerst auf dieses Detail. „Es ist interessant“, befand sie dann, „welche Namen ihr nennt. Es sind niemals die, die ich erwartet hätte. Gwen anstelle von Mallo. Die Grolls anstelle der Castellanis.“
Ihre Miene wechselte abermals, diesmal von überraschter Genugtuung zu Nachdenklichkeit.
„Ich kenne Al Marsa und die ewigen Sande nicht. Es klingt, natürlich, eine gewisse Bildhaftigkeit mit.“ Sie drehte sich Ben mit einem direkten Ruck zu. Mit einem Mal musterte sie sein Gesicht so offen, dass es fast bedrängend war.
„Warum die Verfemten?“, fragte sie. „Wenn Ihr überall handeln könnt und gut situiert seid. Was bringt euch dazu, gegen die Verfemten zu kämpfen.“ Diesmal fiel kein Blick auf seinen Terra-Wimpel. Sie ließ nicht von seinem Gesicht ab. „Eine mögliche Antwort wäre, dass wenig so einträglich ist wie ein Krieg. In dem Fall verbände euch mit Mythodea tatsächlich der Kampf gegen die Verfemten. Auch wenn es nicht Euer Kampf wäre. Sondern Euer Geschäft.“
Neomes blaue Augen forschten. Sie urteilten nicht. Sie suchten.
„Kämpft Ihr selbst? Oder verdient Ihr nur am Kampf?“
Dass es beides sein konnte, schloss sie nicht aus. Sie schaffte für diese Möglichkeit gleichsam keine Waagschale.
„Ich kann mit beiden Antworten leben“, warnte sie Ben. „Nur nicht mit der unehrlichen. Nur, wer ehrlich zu mir ist, nützt mir.“

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Di Apr 24, 2018 4:05 pm

Ben Augenbrauen zuckten fast etwas überrascht. „Manchmal sagen die fehlenden Namen ja mehr als die genannten“ orakelte der Wüstensohn. „Aber wie versprochen antworte ich offen und ehrlich. Ob nun die Groll, die Castellani oder die de la Roca. Wir haben mit allen Verbindungen und Geschäfte. Das bringt der Handel so mit sich. Wir wissen aber diese, sagen wir mal Gruppierungen, gemäß ihrem Auftreten und Vorgehen einzuordnen.
Was die Verfehmten angeht, so muss ich zugeben, dass ich unser Haus in diesen Kampf gezogen habe. Zunächst aufgrund einiger Erfahrungen, die ich mit Untoten und Nekromanten machen musste. Später dann aus Überzeugung, da ich hier sah was für Verheerungen dieser Krieg anstellt. So findet ihr mich häufiger mit meinem gelben Kampfbanner auf dem Schlachtfeld, als meine Familie das sehen will.
Fragt da gern den Hauptmann Antonius. Denn selbst wenn er Teil des Truppenkontingent der Freyenmark war, so kämpften wir gemeinsam vor den Toren der Festung. Ärgerlicherweise zerschmetterte einer der Steine des Gegners sein Bein, so dass ich ihn zu den Heilern tragen musste. Aber wie ihr sicherlich wisst, geht es ihm wieder gut. Jedenfalls trinkt er wieder seinen Phönixtrunk und bietet ihn auch allen anderen an.

Und: Aber ja, natürlich verdienen wir auch im Krieg. Auf dem Sommerfeldzug sicherlich auch. Das ist allerdings mehr das Aufgabenfeld von Yassaf. Dabei hält mein Bruder mir seit letztem Jahr immer noch die verlorene Kriegskasse vor. Ihr erinnert euch vielleicht an den Überfall auf Truppen der Feste während des Sommerfeldzugs im Tross? Der sogenannte Geiervorfall, da diese Gruppierung als einzige nachweislich beteiligt waren.
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Fr Mai 04, 2018 3:09 pm

Neome hob Kinn und Wangen und starrte besonnen aufs Wasser, während Ben berichtete. An einer Stelle hatte sie still gelacht. Dies war, als Ben Antonius und sein Phönixgetränk erwähnt hatte.

"Es gab eine Zeit, da habe ich Tage und Nächte im Tross verbracht", erzählte sie mit dem verschleierten Lächeln melancholischer Erinnerungen. "Aber diese Zeiten sind vorbei. Und vieles, was dort passiert, entgeht mir. Ich muss die Bande dorthin erst wieder stärken. Was genau ist bei diesem Vorfall passiert?"

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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   So Mai 06, 2018 11:36 pm

„Nun ich möchte euch nicht mit Räubergeschichte langweilen.“ begann Ben vorsichtig. „So sehr viel gibt es da auch kaum zu erzählen. Na‘am, in aller Kürze: Die Feste der Vielfalt hatte in den vergangenen Jahren einen Vertrag mit den Zwergen der Hammaburg. Dieser sicherte die Verfügbarkeit von neuen Waffen und Schilden der Streitmacht und darüber hinaus die Ersatzwaffen für den Sommerfeldzug. Zahlbar in Silber und spätestens zum Sommerfeldzug. So weit so gut. Im letzten Jahr wollten wir nun vereinbarungsgemäß die Summe von 1000 Silber übergeben. Um das auch zu tun, wurde die Kiste mit dem Geld auf den Wagen verladen. 20 Wachen waren abgestellt um alles ordnungsgemäß abzuliefern. Auf dem Weg allerdings durch den Tross wurden wir wiederholt aufgehalten. Dabei waren die sogenannten Geier auffällig, da sie sich in den Weg warfen, Krankheiten simulierten oder sich einfach an den Karren hängen wollten. Bis schließlich vor dem Kasino der finale Angriff kam. Mit bestimmt 30 Halunken und den Geiern gelang es den Angreifern die Kriegskasse zu entwenden. Dabei kamen viele der Wachen zu Schaden. Einer der Zeugen des Angriffs war der Bannerführer des Banners der Einheit Vorn. Der erkannte diese Geier sofort, da sie ja in seinem Banner lagerten. Seiner Umsicht und Versprechen die Tat aufzuklären ist es zu verdanken, dass die erbosten Wachen und ihre Freunde nicht das Kriegsrecht brachen und sofortige Vergeltung übten.
Die Nachforschungen verliefen allerdings im Sande und erst als wir unsere guten Beziehungen in der Stadt spielen ließen , tauchte in etwa die Hälfte des Geldes wieder auf.“ Ben räusperte sich. „ Ich hoffe ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt. Die Zeit ist fortgeschritten und ihr habt möglicherweise noch Verpflichtungen so wie auch ich sie habe, bevor wir wieder Anker lichten müssen, um den Geschäften nachzugehen. Natürlich nur mit eurer Zustimmung und viel lieber mit eurem dokumentiertem Wohlwollen.“
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Neome
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BeitragThema: Re: Am Hafen [offene Szene]   Mo Mai 07, 2018 7:53 am

"Ihr habt mich nicht gelangweilt. Ich habe Ähnliches schon das ein oder andere Mal in der Stadt beobachtet." Bens Konversation wechselte dennoch den Kurs. Neome ließ es geschehen, und bald war auch das nebulöse Vergnügen verblasst, das kurzzeitig um ihren Mund gespielt hatte.
"Wie sieht es mit Marmor aus?", fragte sie plötzlich und blieb stehen. Sie drehte sich landeinwärts, dahin, wo die Erde anstieg und wo Klippen sich über das Meer erhoben. "Ich plane den Bau einer neuen Stadt. Loravinde. Die Stadt über dem Meer. Es wird mehr dafür brauchen als ein bisschen Stampflehm und Kalk. Ihr habt vorhin von Baustoffen und verschiedenen Gütern gesprochen."

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