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 Quinas Anreise

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Quina



Anzahl der Beiträge : 23

BeitragThema: Quinas Anreise   So Mai 27, 2018 10:05 am

„Geld ist geprägte Freiheit“ – Diese Unternehmensphilosophie beeinflusst die Lebenswirklichkeit der Familie Semmelweis schon seit Generationen. Die mittelständische Kaufmannsfamilie war vollends vom Geist des Kapitalismus durchdrungen. In der straff organisierten Praxis wurde das materialistisch-hedonistische Leitbild sehr zweckrational und mit maximaler Effizienz umgesetzt. Wer die konventionelle Teeplantage mit Werksverkauf in der alten Heimat besuchte konnte sicher sein, dass er um einiges ärmer aber um neue Konsumgüter und Markenartikel reicher war – Familie Semmelweis wollte stets nur das Beste der Leute.

Quina war anders und hatte nie die Ohren für bloße Geschäftemacherei. Als drittem Sohn stand ihm zwar ein Pflichtanteil des Familienerbes zu, doch er gehörte mehr zur angestellten Arbeiterschaft, als zum gehobenen Management. Der Kommerzialisierung von Genussmitteln stand er schon immer skeptisch gegenüber. Für ihn stand stets die nachhaltige Ganzheitlichkeit im Zentrum seines Handelns. Naturheilkunde war sein Steckenpferd und so war er mehr an der Wirkung und Anwendung der natürlichen Gaben interessiert, die Mutter Erde all ihren Kindern ganz selbstverständlich zum Geschenk machte. Er wollte Helfen, Heilen und Bewahren, war mehr am Wohlergehen der Menschen interessiert und weniger an ihrem Geldbeutel – ein Umstand den seine Familie als Zeitverschwendung und Gutmenschentum abtat.

Doch Quina ließ sich durch die negativen Reaktionen seiner Familie nicht von seinen Forschungen abbringen. Aufzeichnungen aus dem Nachlass eines Onkels mütterlicherseits, der sich einst als Heiler versucht hatte und dann doch nur auf dem Scheiterhaufen endete, bestärkten sein Verlangen, sein Leben mehr in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen. Durch die umfangreichen Handelsbeziehungen seiner Familie hörte er von einem neuen Kontinent, der Abenteurer aller Herren Länder anzog. Er war voller magischer und natürlicher Ressourcen, die genutzt und erforscht werden konnten. Vor allem aber war er reich an Chancen und Möglichkeiten. War dies vielleicht die Chance für Quina, sich und seiner Familie zu beweisen, dass Fürsorglichkeit zum Wohle der Allgemeinheit auch einen gewissen Wert haben konnte? War es denn so verwerflich für seine Mitmenschen da zu sein, sie zu unterstützen und an ihrem Wohlergehen interssiert zu sein?

In der Heimat bekam er jedenfalls keinen Fuß in die Tür. Wie auch, denn die renommierten Heilakademien des Landes nahmen tendentiell nur Rekruten aus dem eigenen Zirkel auf oder expandierten nach oben. Als Sohn einer Kaufmannsfamilie und einfacher Arbeiter blieb er stets Teil seines Standes und seine Familie war ihm auch keine große Hilfe, predigten sie ihm doch immer wieder, dass jeder seinen Platz kennen müsse. Quina kannte die Richtung und wusste, dass der Weg das Ziel war. So begann seine Reise.


Zuletzt von Quina am So Mai 27, 2018 11:00 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Quina



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BeitragThema: Re: Quinas Anreise   So Mai 27, 2018 10:33 am

„Ahoi! Land in Sicht!“, tönte es vom Ausguck der Kogge, als die raue Landmasse des Kontinents Mythodea am wolkenbedeckten Horizont auftauchte.

Das Handelsschiff brachte vorrangig dringend benötigte Vorräte und neue Handelsgüter nach Gutenbucht. Doch hin und wieder waren auch Passagiere an Bord. Angeheizt durch die eskalierende politische Situation trugen die Rekrutierungsmaßnahmen zahlreicher Orden vielversprechende Früchte und lockten immer wieder wagemutige Abenteurer und starke Krieger an, harte Kerle oder Frauen also, die ein Abenteuer suchten und dem Untod kaltlächelnd ins düstere Antlitz blicken wollten. Sie alle trotzten dem Chaos oder gingen mit Pauken und Trompeten unter, nicht ohne einen Großteil ihrer Feinde mit in den Abgrund gerissen zu haben, so dass anschließend Heldenlieder über sie gesungen wurden. Daneben gab es aber auch unermüdliche Streiter, die Wissen der Waffe vorzogen und sich dem Schutz des Lebens verpflichtet fühlten. Letztere waren froh, dass die robusten Kanonen auf der ereignislosen Überfahrt schwiegen und die Musen ungehindert sprechen konnten.

„Mutter Erde sei Dank!“, brachte Quina freudig hervor und warf den abgenutzten Kartoffelschäler zur Seite.

Der angehende Heiler und Medicus in spe hatte sich während der Reise als Aushilfe in der Kombüse verdingt und brauchte so die teure Überfahrt vom Heimathafen nach Mythodea nicht zu bezahlen. Viele Kartoffeln waren seit dem durch seine Hände gegangen. Er hatte sein Tagewerk zwar ohne Murren verrichtet, doch die Langeweile zehrte an seinen Nerven. Um nicht völlig abzustumpfen hatte Quina seine karge Freizeit damit verbracht, vom Vortage übrig gebliebene Vorräte auf heilkundliche Verwendung zu erforschen. Experimente mit Knoblauchtinktur und Kartoffelsaft zeigten erstaunlich gute Resultate, die er sich gewissenhaft in sein Notizbuch schrieb.

Als die Kogge ihren Kurs anpasste und den Hafen von Gutenbucht ansteuerte, schulterte Quina seine grüne Umhängetasche und eilte durch die schiefliegenden Gänge an Deck. Auf dem Weg stieß er jedoch direkt mit dem ersten nautischen Wachoffizier zusammen.

„Beim Klabautermann!“, schalt dieser und musterte den Störenfried von Kopf bis Fuß, „Durch die Gänge wird nicht gerannt!“

„Verzeiht, Oheim!“, kam artig von Quina zurück, „Ich habe mich hinreißen lassen.“

„Schon gut!“, winkte der Stellvertreter des Kapitäns ab, „Kannst es wohl nicht abwarten deinem sinnlosen Hobby zu frönen. Reine Zeitverschwendung, wenn du mich fragst. Du findest hier nur den Tod. Das Leben auf Mythodea ist nichts für Weicheier.“

"Die Kunst zu Heilen ist eine Berufung und kein Hobby.“, korrigierte Quina den zänkischen Offizier ruhig und fügte dann sachlich hinzu: „Jeder dient dem natürlichen Gleichgewicht auf seine Weise. Mutter Erde führt mich in ihrer unermesslichen Weisheit auf meinen eigenen Pfad, so wie die Prinzipien des Handelns Euch in eine andere Richtung führen. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“

"Geld ist geprägte Freiheit, mein Junge! Vergiss das nicht!", erwiderte der Offizier und zog es dann ebenfalls vor zu schweigen. Dieser naive Grünschnabel würde schon sehen, wie weit ihn sein blauäugies Gutmenschentum führte.

Quina nutzte die stille Gesprächspause für eine rasche Verabschiedung und gelangte genau in dem Moment an Deck, als die Kogge in den Hafendocks vor Anker ging. Das mehrmalige Läuten der Schiffsglocke beendete das routinierte Anlegemanöver. Während Hafenarbeiter heraneilten und sich um Löschung und Ladung kümmerten, überquerte Quina den schwankenden Steg. Als er endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, dankte er insgeheim Mutter Erde dafür, dass sie ihn mit der Seekrankheit verschont und für eine sichere Überfahrt gesorgt hatte.

Die Hafenmeile war an diesem Tag fast ebenso belebt, wie die Marktstraßen in seiner Heimat. Doch für Stöbern und Gucken blieb keine Zeit. Auch dem Klönschnack der kernigen Fischer schenkte er keine Beachtung. Quina wollte sich umgehend bei einem der vielen Orden oder Dorfgemeinschaften melden und mit seiner heilkundlichen Arbeit beginnen.

Angetrieben durch den aufkommenden Rückenwind und vereinzelten Regentropfen, die seine Kopfbedeckung leicht benetzten, eilte er zu den Beschilderungen und Informationstafeln. Sie sollten ihm Aufschluss geben, wie er möglichst schnell zum Zentrum gelangte. Mit einem Ärmel wischte Quina zwei aufdringliche Tropfen beiseite, die es sich auf seiner Brille gemütlich gemacht hatten. Dann las er aufmerksam die Wegtafeln durch. So viele Orte, so viele Möglichkeiten und so viele Richtungen. Quina war überwältigt. So überwältigt, dass er einen Moment inne halten und einen Schwur sprechen wollte:


Ich schwöre, Mutter Erde als Zeugin anrufend, dass ich nach meinem Vermögen und Urteil, diesen Eid und diese Verpflichtung erfüllen werde:

Oh, Mutter Erde, als dein erwähltes Kind möchte ich mein Leben in den Dienst der Allgemeinheit stellen und die natürlichen Gaben studieren und anwenden.
Die Gesundheit und das Wohlergehen aller Menschen sind dabei meine erste Absicht.

Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patienten respektieren und dem Leben den höchsten Respekt gewähren. Meine Verordnungen werde ich treffen zum Nutzen der Gesunden und Kranken, denn ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.

Ich werde dem Urbösen trotzen und nicht zulassen, dass die Versuchungen von Chaos und Untod mich in meiner Pflicht gegenüber meiner Patienten beeinflussen.
Gewissenhaft und verschwiegen will ich vorgehen und das medizinische Wissen niemals missbrauchen. Ich werde niemandem, auch nicht auf seine Bitte hin, ein tödliches Gift verabreichen oder auch nur dazu raten. Heilig und rein werde ich mein Leben und meine Kunst bewahren.

Und ich werde nicht eher ruhen, bis sich mir alle Wunder der Natur offenbart haben und für jede Krankheit und jeden Schmerz das passende Kraut oder Mittel gefunden wurde.

So wahr mir helfe, was gut und rein sowie von edler Gesinnung ist!

[wird fortgesetzt]
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