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 Ankunft in Shäekara

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Raûl
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BeitragThema: Ankunft in Shäekara   Mo Aug 24, 2015 2:39 pm

"Geht graben, haben sie gesagt. Auf der anderen Seite vom Fluss haben sie gesagt. Die neuen Herren sind sie haben sie gesagt. Und ein Pergament haben sie gezeigt und ein Siegel und viel geschaut und gefragt und Zeichen gemalt. Und viel gesagt. Und dann sind sie wieder weg, in den Krieg haben sie gesagt. Und dann kamen die Steine unter dem Staub und dann haben wir mit Spitzhacken drauf rumgehauen und jetzt sind es nur noch Steine und mit den Spitzhacken wird das nichts. Vielleicht kommen sie ja garnicht aus dem Krieg heim. Vielleicht ist das ja garnicht so schlecht, wir haben ja nicht viel, aber genug zum Überleben und unsere Ruhe haben wir gehabt. Wäre vielleicht wirklich nicht schlecht, wenn sie nicht wiederkommen."


---


"Râul Mazhak aen Oshead, Statthalter von Gutenbucht..."  murmelte er leise vor sich hin. Auf See hatte er den Kopf frei bekommen von Kelriotar und hatte darüber nachgedacht. Er hatte zugegriffen, als die Möglichkeit dazu bestanden hatte und jetzt hatte er den Posten. Führen, Recht sprechen, Befehlen... zumindest für seinen Einflussbereich. "Gelegenheit!" hatte eine Stimme gerufen. Die seiner Mutter? Die seiner Frau? Die seiner eigenen Gier? Egal. Die Segel waren gesetzt und jetzt gab es nur NJAMA - Vorwärts, Richtung Norden.

"Gutenbucht in Siiiicht" plärrte es aus dem Krähennest des kleinen Küstenseglers, der die Oshead in Porto Habanna aufgenommen hatte. Die Neugierigen unter den Seinen kamen zu ihm an den Bug und sahen die kleine Küstenstadt auftauchen. Stadt. Haha. Die drei Dutzend Hütten und die Handvoll Anleger als Stadt zu bezeichnen war in ungefähr so zutreffend wie den Koch der Armenspeisung im Tross als Hohen Herrn.

Die Küste war an vielen Stellen schroff bis steil gewesen, an einigen Passagen sogar mit Klippen, die einige Dutzend Meter aus dem Wasser ragten. Ein Ausläufer davon ging bis hier und begrenzte den Südlichen Teil der Bucht, die sich Richtung Westen zum Festland hin öffnete. Ein kleiner Fluss kam aus dem Hochland, schängelte und stürzte sich über mehrere Ebenen Richtung der See, um sich endlich mit ihr zu vereinigen. Einige Meilen landeinwärts Richtung Westen, so wusste Râul, schraubte sich der Hochweg in Serpentinen zur Steppe hinauf. Das war die Straße, die ihre Nachbarn vom Lehen Oron durch die Wüste und dies Steppe gebaut hatten, hierher. An dem steilen Aufstieg und den kleinen Bergen dahinter sammelten sich die Wolken und hingen daher eigentlich immer über dem kleinen Hafen, versorgten das Tal und die Bucht stetig mit Frischwasser. Sonst hätte man hier auch niemals siedeln können. Gutenbucht lag auf der Nordseite des Flusslaufes. Da gab es nicht viel Platz, konnte aber seine Anleger direkt am Meer setzen. Auf der Südseite des Flusses war mehr Platz, man musste aber einige Meter hinauf über die Felsen und das war den Siedlern bei Gründung wohl zu anstrengend gewesen.

Râul zeigte auf die Hüttensammlung:"Da leben die Siedler der Stadt. Vielleicht 150 Seelen. Eine Handvoll Handweker, eine Handvoll Soldaten, die meißten aber einfache Fischer und Tagelöhner."


Das kleine Schiff kam um die Klippe herum und Râul hatte den Arm schon ausgestreckt zum anderen Ufer, ließ ihn aber wieder sinken. "Bradach!"
Er sah zu ein paar Dreckhaufen und einem Holzgestell. Kein Mensch weit und breit auf dieser Flusseite. "Ich habe diesen Chochaka gesagt, dass sie da drüben an der Werft arbeiten sollen." Offensichtlich nicht nachdrücklich genug. Er hob die Arme, um diese kleine Siedlung und die Flussmündung einzurahmen und zuckte dann mit den Schultern. "Mehr gibt's nicht zu sehen. Das Hinterland ist Steppe und Wüste, habe ich aber noch nicht bereist. Weiter nach Norden ist es wie hier, meist Klippen - habe ich mir sagen lassen. Das ist bisher eine der wenigen Punkte, an denen man mit größeren Schiffen anlegen kann, wenn wir es einmal ausgebaut haben."


Râul war gespannt, was die anderen sagen würden. Oder ob sie ihn über Bord warfen...

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mo Aug 24, 2015 6:44 pm

"Gutenbucht in Siiiicht"
Vhenan schreckte auf dem Mast auf, auf dem sie saß, sah aus einem Impuls nach oben zu dem Späher im Krähennest und dann erst dem Horizont entgegen.

„Das ist Takbal?“, fragte sie sich leise selbst und erhob sich routiniert ohne ihr Gleichgewicht zu verlieren. Eine Hand griff in die Tagelage, die andere schirmte ihre Augen von der Sonne ab, um eine bessere Sicht auf ihre neue Heimat werfen zu können. Sie hatte die Überfahrt in den ersten Tagen träge in einer Koje verbracht und sich erst in die Taue gewagt, als sie sich wirklich stark genug gefühlt hatte. Von da an war es ihr fester Platz gewesen. Hier fühlte sie sich zu Hause, frei und leicht. Sie hatte nachdenken können.

„Hm.“ Vhenan war wenig beeindruckt. Porto Habanna war viel imposanter gewesen, sie hatte... mehr erwartet? Ihre Augen verengten sich missfallend, bevor sie sich in Bewegung setzte und flink, wie elegant die Taue hinunterkletterte und sich zu den anderen gesellte.

„Da hast du dir ja wieder was andrehen lassen.“, sagte sie grinsend zu Raul. „Ich hab's mir größer vorgestellt.“
Vhenan mochte große Städte, Veränderung, Wandel und Tumult. Takbal hatte davon auf den ersten Blick noch nicht sehr viel zu bieten. Dann konnten sie es immerhin selbst in die Hand nehmen. Wer bekam schon die Möglichkeit seine eigene Stadt nach eigenen Wünschen zu errichten. Es war eine Herausforderung, die ihnen allen sehr entgegen kam.

„Ich hoffe doch es gibt wenigstens eine ordentliche Taverne.“

Es legte sich jetzt doch ein zufriedenes Lächeln auf ihre Lippen und sie sah mit leuchtenden Augen zur Seite, um die Reaktionen ihrer Freunde einzufangen. Vielleicht waren sie endlich angekommen. Zuhause. Das hier war kein Hafen, den sie ziellos ansteuerten wie in der Vergangenheit. Es war nicht die Urheimat, aber es war ein verdientes Stück Land. Ihr gemeinsames Stück Land, in dem viele neue Abenteuer und Herausforderungen auf sie warteten.

Ihre Wunden waren in dieser Atmosphäre besser verheilt, sie hatte sich leichter gefühlt, immer mehr Energien gespürt, selbst wenn die Reise sehr kräftezehrend gewesen war. Es ging ihr besser. Ein wenig.
Vhenan war innerlich noch lange nicht mit sich im Reinen. Sie war froh darüber ihre Freunde wiedersehen zu dürfen. Sie waren gekommen, um sie zu suchen, selbst die Wahrscheinlichkeit gegen Null ging sie in dieser Welt, die nicht sein darf, zu finden. Und Oshead hatte sie nicht gefunden. Es war ein fremder Spähtrupp gewesen, der durch Zufall durch einen Weltenriss gestolpert war. Vhenan war durch pures Glück befreit worden. Durch Glück, nicht durch große Taten. Darüber sollte sie sich nicht beschweren, denn genau das war ja irgendwo ihre Lebenseinstellung. Vertraue auf dein Glück. Ihr Vertrauen war belohnt worden.

Während der Überfahrt hatte sie die Gesellschaft ihrer Freunde manchmal gesucht, manchmal gemieden. Es war seltsam nach so langer Zeit wieder normale Gespräche zu führen, unbeschwerte Witze machen zu können. Nani hatte sich gefreut, als die Seemänner sich wegen irgendeiner Kleinigkeit geprügelt hatten. Das war normal. Sie hatte es vermisst.

Gleichzeitig konnte sie nicht mit dem wiedergewonnenen Alltag umgehen. Ihr Kopf war noch widerspenstig und ihr Herz nicht bereit sich zu öffnen.

Das Geschehene nagte an ihr und eine richtige, ehrlich gemeinte Freude wollte sich nicht in ihr ausbreiten. Besonders weil sie wütend war. Wütend darauf, dass so wenige überlebt hatten, wütend darauf, dass sie überhaupt erst gefangen genommen worden war. Und gerade jetzt war sie immer noch  wütend auf die Pakata, die gar nichts für ihren emotionalen Einbruch konnte. Neome war von den Zweifeln niedergerungen worden, Vhenan konnte es nur zu gut verstehen. Sie selbst war auch eingebrochen. Mehr als einmal. Aber... so schnell? Vhenan wusste, dass es nicht richtig war, dass ihre Gedanken falsch waren und gemein, aber sie konnte sich ihrer nicht erwehren. Sie hatte in diesem Moment einen kleinen Teil des Respekts gegenüber Neome verloren, den sie immer für selbstverständlich gehalten hatte. Sie hätte der Pakata in der Spiegelwelt schon gerne die Meinung gesagt, aber die kurzgeratene Frau hatte sich zurückgehalten, weil sie sich selbst nicht über den Weg getraut hatte. Und weil sie sonst hätte Dinge zugeben und offenlegen müssen, die sie am liebsten aus ihrer Erinnerung vernichten würde.

Aber hier? Die Gedanken waren nicht verschwunden. Vhenan fühlte sich selbst auf Mitraspera in der Mitte ihrer Freunde nicht mehr sicher. Die Risse zwischen den Welten konnten überall aufgehen. Niemand war mehr sicher. Was, wenn die Zweifler noch einmal angriffen? Noch einmal würde die kleine Naihlar das nicht überstehen. Selbst wenn ihr die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung dieses Schicksals gegen Null ging. Wenn eine Pechsträhne erst einmal begann, dann konnte man sich vor Misserfolgen kaum retten.

Was war, wenn es jemand anderen traf? Einen ihrer Freunde? Nanis Blick glitt wieder zur Neome.
Wie konnte die den letzten Monaten mit den wenigen kläglichen Peitschenhieben der Inquisition vergleichen? Wie hatte sie so schnell zweifeln können? Nach nur vier Tagen?
Natürlich konnte die Pakata nur erahnen war Vhenan widerfahren war, denn diese schwieg sich beharrlich aus, hatte nur in einem Bericht an den Hof der Dornen Details erwähnt. Raul war der einzige, der es gehört hatte und er würde schweigen, wie Nani glaubte.

Vhenan war wütend auf alles und jeden. Und gleichzeitig wollte sie einen Rat, den ihr niemand geben konnte. Es nervte sie und ließ ihre Laune von Zeit zu Zeit immer in düstere Tiefen sinken.

Nani hatte lange Zeit über alles nachdenken können... über ihren Bericht in der Feldkanzlei. Er war nicht... vollständig gewesen. Raul hätte sie sicherlich beschützt, aber umringt von Löwengardisten hatte sie ein sehr heikles Detail mit absoluter Berechnung verschwiegen. Es war für den Feldzug auch nicht wichtig gewesen. Das war es noch immer nicht, aber es war... möglicherweise wichtig für Personen, die noch lebten. Durfte sie diese Information verschweigen, weil sie Angst hatte? Sollte sie es ignorieren, weil sie es nichts mehr ging? War das richtig? Was geschah, wenn sie es preisgab? Sie hatte es in ihrem Teerausch einer Person gegenüber kurz erwähnt, aber das ganze Ausmaß war nicht durchgedrungen. Es ärgerte sie, dass sie so eine Entscheidung treffen musste. Vielleicht wusste der Hof es längst? Was hatte Rashid alles gebeichtet? Sie hätte einen Blick in seinen verdammten Bericht riskieren sollen! Sie hätte ihn fragen können... all das war nicht geschehen und jetzt stand sie da. Felszlach! Und sie wusste dank der Behandlung der knochenbrechenden Heiler und des Tees gar nicht mehr genau was sie gesagt hatte. Sie sollte es vielleicht wiederholen... dieses Mal vollständig und ohne... selbst gewählte Lücken.

Dabei hatte Nani innerlich längst eine Entscheidung getroffen und einige Zeilen geschrieben. In der Hoffnung Worte und Sätze zu finden, die etwas Schreckliches gut klingen ließen. War das möglich? Chattras konnte solange reden, bis Nani aus Langeweile nicht mehr zuhörte und Informationen überging. Das funktionierte in dieser Situation nicht.

Sie musste diesen Brief zuendeschreiben. In Takbal gab es Boten, die ihn an den Hof tragen konnten. Dort kannte sie außer Rashid niemanden, aber trotzdem gab es eine Person, die sie anschreiben wollte. Nani mochte diese Frau nicht einmal, respektierte aber ihre Arbeit und hoffte auf eine gewisse Integrität. Die junge Schreiberin auf dem Feldzug hatte die nicht gehabt. Sie hatte gesammelt und es offen liegen gelassen. Wenn ein Gardist die Worte gelesen hätte, wäre Vhenan vielleicht noch einen Kopf kürzer gewesen. Das Risiko war es ihr nicht wert gewesen. In Takbal war sie Tage von der Hauptstadt entfernt, weit genug weg, um der möglichen Gefahr zu entgehen. Nani war gut darin zu verschwinden. Dafür könnte es Rashid treffen, was ihr wiederum Sorgen bereitete und ihr neue Zweifel in den Kopf setzten. Genau deshalb hatte sie vor eine nervige Person ins Vertrauen zu ziehen. Wenn jemand Informationen filtern konnte, dann diejenige, die auch das Leben des Archon niederschrieb. Wenn jemand Karls Eskapaden verschwinden lassen konnte... was war dann schon so ein Brief? Vhenan musste hoffen, dass Scriptoria den Brief nicht ignorierte und an irgendeinen Schreiber in Ausbildung übergab, der keine Ahnung was er da vor sich hatte. Sie würde den Brief so schnell wie es ging abschicken.


„Eigentlich ist es schade, dass der Seeweg nur so kurz war.“, bemerkte die kleine Naihlar mit einem amüsierten Blick in Ardens Richtung, der sicherlich nicht viel von diesem Kommentar hielt.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mo Aug 24, 2015 11:53 pm

Wie es sich immer verhielt, sobald er wieder die Bretter eines Decks betrat, brauchte es immer eine gewisse Weile der Gewöhnung auf diesem wackeligen Pflaster, bis sich das eigene Gleichgewicht an das Schwanken und Schweben des launischen Untergrunds angepasst hatte. So sehr Malen die See gefürchtet hatte und gehasst, wie sein Landsmann Arden, so sehr war seine ungestüme Hingabe innerhalb des letzten Jahres gewesen, diese Furcht zu überwinden. Hatte er sich zu Beginn, als er mit Jael und Asdan von Ortac aufgebrochen war, stets in die Kajüten zurückgezogen und sich am liebsten an einen Pfosten geklammert, um Halt zu finden und nicht die Sinne zu verlieren, wagte er sich nun immer mehr an Deck, traute sich Arbeiten an der Luft zu; Und zum Sommer hin war er sogar so weit gegangen, viele der Befehle von der Pakata Vater ohne diesen drückenden Widerstand der Überwindung in der Brust auszuführen.

Doch das war nun vorbei. Das kleine Schiff der Seehandelsgilde, das sie nach Gutenbucht bringen sollte unter Raûls Führung, hatte seine eigene Manier, ihn wieder mit der gewohnten, anfänglichen Furcht zu konfrontieren; Doch dieses festgefahrene Muster des grimmigen Matrosenlehrlings fiel immer knapper aus. Es brauchte nicht mal mehr einen Tag, um ihn wieder nach draußen unter den Himmel zu ziehen.

So hatte er den einfachen Schiffsarbeitern ohne viele Worte geholfen; Deren derb angesetzte Sprüche hatte er mit zusammengebissenen Zähnen überhört oder mit resoluter Geste, die eine Aufgabe schneller erfüllte, zunichte gemacht; Mit Wamai den Nachtimmel studiert, wie Ceres die Jahre zuvor, das hatte sie ihm erzählt; Und wie gewohnt hatte er nicht viel gesprochen. Nicht mehr als er glaubte, dass es für sie gut war, mit der Pakata, um ihre Sinne nicht zu belasten; Mehr noch mit Gwen und Nani. Am meisten vielleicht mit Arden, der seine ursprüngliche Einstellung in vielen alltäglichen Dingen teilte; Kaum mit Jael.

Diesen hatte er aber in solch aufmerksamem Blick wie Vhenan, was das Persönliche anging. Wenn er glaubte, dass sie es nicht wahrnahmen, studierte er ihre Blicke, ihre Stimmen. Übte sich darin, ihr Befinden einzuschätzen und ließ sich nie, nie zu einem Urteil hinreißen - zumindest nicht zu einem gesprochenen. Je näher sie ihrer neuen Heimat kamen, umso weniger fühlte er sich dazu in der Position, mit seiner Wissbegierde in Jael zu dringen; geschweige denn in Vhenan. Und er fand sich ab mit der Annahme, dass das, was sie erlebt hatte, mit Grund Schweigen über sich breitet, und ihre Freundschaft ihnen dann eine Hilfe sein würde, wenn sie, und nur Nani allein, es für richtig halten würde, mehr zu erzählen.

Der Ausguck schrie Worte, die dumpf zu Malen durchdrangen, der gerade unten in der Küche den Wein von der Mittagstafel für den Kellerraum verkorkte. Er sah auf, wechselte einen Blick mit dem Schiffskoch, der ungehalten zu sein schien, denn dieser erübrigte dem Burschen nur einen müden Kopfwink.

"Nun geh schon."

Malen lächelte. Er tat es selten. Jetzt aber nahm er zwei Stufen aus der Küche auf einmal, um an den Kajüten vorüber an Jaels Tür zu klopfen, indem er vorbeirauschte, nur hinauf aufs Deck.

Als die Brise ihn oben grüßte und seine weißen und grünen und graugewordenen Zöpfe durcheinanderwarf, schloss der junge Chirya die Augen und stellte sich dem Wind mit einem Lächeln. Er war kalt, wie er es auf See nunmal war; Aber er roch nach Salz, und mehr noch: Nach Stein und Erde. Einer Erde, die, wenn er sie beträte, sein wäre. Zumindest zum Teil. Genug sein, um sie seine neue Heimat nennen zu können.

Die Hoffnung in seiner schmächtigen Brust war euphorisch und wie sich heranwagend an etwas, das er lange ersehnt und womit er nie gerechnet hätte, öffnete Malen die Augen.

Raûl fluchte bereits wieder, doch das ging an dem Chirya vorbei. Er sah auf die sporadisch angefangene und stehengelassene Werft, die Anlegeplätze hinter der mächtigen Klippe zu ihrer Linken, dem stürmischen Flusslauf, vor allem aber diesen entlang zum Horizont, dorthin, wo das Land Gras verlor und trockener wurde, und eine Weite eröffnete sich ihm, die er sich nicht ausgemalt hatte. Eine brachliegende Freiheit, die sein Herz und seine Gedanken beflügelte, ihn inspirierte und ihm Kraft gab dafür, seine Hände für eine Idee, die die Großen der Oshead noch schöpfen würden, mit voller Intensität einzusetzen.

Er hörte Vhenan auf eine Taverne hoffen und lächelte wieder auf. Die grauen Augen funkelten mit kämpferischem Frieden.

"Sieht nicht so aus!", kommentierte er diesen Wunsch und klang dabei wertungsfrei, "Egal - wir bauen eine. Wir brauchen eine! Das muss das erste sein, das wir tun. Pakata!" Er sah sich um. "Wenn Gutenbucht keine Taverne hat, dann bauen wir eine, oder?"
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Neome
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Di Aug 25, 2015 3:41 pm

"Mi âla aen felkunga ajdû badenn lomath sosnad ân naihl - orella aen gwina ân ortac, szithid aen zcarth. Nîht ajdû shaun badenn felrrak."
"In Freiheit....Freiheit?"
"Ja."
"In Freiheit und Gefangenschaft sind wir die stolzen Kinder des Windes, Brüder und Schwestern von Erde, Wasser und Feuer. Niemals werden wir gebrochen sein."
"Sehr gut."
"Gutenbucht in Siiiicht"
Neome entzog ihren Blick dem Gesicht Gwendolas, diesem unsicheren Oval sich selbst beklemmender Gefühle, und richtete ihn über die Schulter. In einer Bewegung, die mit dem Rascheln von Muschelketten und Goldringen ihr Kommen ankündigte, erhob sie sich und ging dann fließend auf Deck hinter den Rücken ihrer Gefährten vorbei.
Von der Schiffsbrüstung aus sah man es, das kleine Land, hinter dem, hörte man auf Raul, eine Wildnis lag, öder als das Ödland von Flatos. Die Mannschaft, von der manche nur notgedrungen ein Teil waren, da sie mit der Schiffahrt nichts verband außer ein leichtfertig gefasstes Misstrauen, blickte auf die Hütten und Neome blickte auf die Mannschaft.

Sie war nicht blind, nicht mehr. Sie hatte den Zorn in Vhenan wahrgenommen wie einzelne Worte einer Buchseite, die es zuließen, einen Kontext zu erraten, ohne dass man je sicher sein konnte, ob er auch stimmte. Was sie immerhin wusste war, dass die zunehmende Kälte des Mädchens, die Verschlossenheit und Distanz mit der Angelegenheit in Kelriothar zusammenhängen musste, mit ihrem Zusammenbruch, dessen Geschehen sie selbst aus ihren Gedanken lieber verdrängt hätte, wenn sie es nur könnte. Sie musste ihn aber als einen Teil akzeptieren, als Teil eines Ganzen und von sich selbst. Und auch hatte Vhenans Rückzug in sich womöglich etwas mit der schnellen Heilung zu tun, die Neome zuteil geworden war, der Verbindung zu der Herrin der Elfen - Neome hatte Vhenans Hand gegriffen, doch noch während sie die Finger nach ihr ausgestreckt hatte, hatte sie gewusst, dass es nicht genug war. Sie konnte ihrer kleinen Freundin nicht erklären, dass die Qual, die sie in den Klauen gehabt hatte, eine andere war als die, die von der Folter kam, noch hätte Vhenan es je verstehen können. Der Zweifel war nicht in dem Gewand gekommen, in dem die anderen es vermuteten. Kelriothar war nur die Bühne gewesen, an dem ein Damm gebrochen war, hinter dem älteres dräuendes Übel aufgequollen war und sichtbar wurde. Kelriothar war nicht der Grund. Doch um diese Angelegenheiten wob Neome den Mantel des Geheimnisses und nahm den kleinen Stich der Entfremdung hin, denn es war nicht an der Zeit und würde nicht an der Zeit sein, Vhenan Dinge zu erklären. Sie musste, wie alle, die Erkenntnis selbst finden, wenn sie Bestand haben sollte.

"Ihr redet jetzt wirklich von Tavernen?", drang Gwens Stimme, die sich meist ein wenig kindlich ausnahm, aus dem Hintergrund, wo niederrangige Seemänner schon übers Rahsegel bergen und die Aufgabenverteilung nach der Ankunft sprachen und sie beinahe übertönten.
Neome blieb kurz neben Mallo stehen, dann zog sie weiter zu Raul.
"Es wird für alles einen Ort geben", sagte sie.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Do Aug 27, 2015 10:47 am

Râul war überrascht, dass es nicht mehr ablehnende Bemerkungen von der Crew gab und nahm mit einem Lächeln zu Kenntnis, dass die Meisten nach einer Taverne fragten. Gwens quaken überhörend öffnete er seine Haltung zu Vhenan und Mallo, ohne Takbal aus den Augen zu lassen und zeigte auf die Ansammlung der größeren Gebäude direkt am kleinen Hafenbecken: "Das zweite von Links der Hütten, die nicht ganz so klein sind ist eine Art... Versammlungshalle. Dort treffen sich die Bewohner für Besprechungen, Diskussionen oder einfach um den Tag ausklingen zu lassen. Da gibt es tatsächlich auch was zu Essen und zu Trinken für die, die selbst keine Familie haben oder deren Familie nichts auf den Tisch bekommt. Da gehen eigentlich alle hin nach Sonnenuntergang. Es gibt auch Alkohol dort. Einen gebrauten Maische-Pansch, der eher nach Brackwasser schmeckt und einen Schnaps, gebrannt aus... keine Ahnung was. Der macht blind. Naja."
Er wandte sich der Pakata zu und sprach sie direkt an: "Für uns und unsere Ankunft heute Abend habe ich ein Fässchen Rum organisiert und ein Fass Wein für den Rest der Bevölkerung. Für einen Rausch wird es reichen. Als Begrüßungsgeschenk der Neuen Freiherrin an ihr Volk."
Er zwinkerte Neome mit seinem gesunden Auge zu.

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Do Aug 27, 2015 12:31 pm

"Ihr redet jetzt wirklich von Tavernen?"
War das so abwegig? Vhenans Blick landete fragend auf Gwen. „Ja warum denn nicht?“, fragte sie ernst und verstand keinen Augenblick lang weshalb überhaupt so eine Frage gestellt wurde. Sie konnte es im Gegensatz zu Raul aber nicht einfach übergehen. Dann lachte Nani trocken auf und boxte Mallo mit ihrem Ellbogen in die Seite. „Vielleicht kannst du Harriett überzeugen rüberzukommen.“, scherzte sie, wandte sich aber wieder an Gwen.
„Jede Stadt braucht eine Taverne. Und zwar eine Gute. Dort wird gespielt, trunken, gelebt, gelacht. Eine Taverne ist das Herz einer Stadt. Oder wenigstens die Leber.“

Die Kleine war von einem Schwung Euphorie mitgerissen worden, als Raul ihnen die Küste erklärt hatte. Es war ein Anfang. Sie hatten einen StadtHAFEN! Konnte es etwas besseres geben? Noch gab es zwar nicht einmal eine Werft, aber das würde werden. Sie hatten Ideen und Kraft. Würde schon werden!

Nani konzentrierte sich wieder auf Rauls Erklärung und tatsächlich gab es wenigstens einen Versammlungsort. „Nanuz! Genau sowas meinte ich. Es muss nicht so heißen, um eine zu sein. Hey, dann können wir uns den Namen selbst ausdenken!“
Auf ihren Wanderschaften durch die Welt waren sie alle in etlichen Tavernen gewesen und die Namen hatten Vhenan immer besonders erheitert. 'Zum betrunkenen Seemann.' 'Der glückliche Eber'. 'Die goldene Krabbe'. 'Drei Segel im Wind'. Die Kleine mochte schräge Namen. Selbst die Schilder in Stadt und Tross der Feldzüge hatte sie gelesen. Anfangs noch angestrengt, weil ihr diese Buchstaben fremd waren, aber mittlerweile kam sie gut mit der fremden Sprache zurecht.

Brackwasser? Vhenan sah zu Raul und verzog das Gesicht. „Bah... kann aber nicht schlimmer sein als der Mist, den uns der Löwe angedreht hat.“ Oder die Rattenpisse, die sie im Kerker hatte trinken müssen. Vielleicht war Nani innerlich gerade ein wenig zu aufgedreht, aber sie war niemand, der Gefühle und Gedanken besonders gut filterte. Normalerweise sagte sie was sie dachte und bekam bei Bedarf ein Echo, das sie vertragen konnte.

Für einen Rausch wird es reichen. Als Begrüßungsgeschenk der Neuen Freiherrin an ihr Volk."
Ihr Blick glitt zu Neome, als Raul sie erwähnte. Freiherrin. Das war immer noch seltsam, aber nichts was die Pakata nicht verdient hätte. Vhenan mochte zornig sein, aber sie war nicht vollkommen verblendet. Ohne Neome wären sie alle nicht hier. Ohne Neome hätte Vhenan Valvas nie verlassen... sie wäre nicht nach Mitraspera gekommen, nicht nach Kelriothar. Sie hätte all das nicht erlebt. Gutes wie Schlechtes. Momentan fragte sich die Kleine, ob es tatsächlich gut gewesen war abzureisen, aber tief in ihrem inneren wusste sie, dass sie trotz aller schmerzhaften Umstände hier sein wollte. Bei Neome.

„Sag mir nochmal, dass ich geizig mit meinem Rum bin.“, murmelte sie gut gelaunt, versuchte ihre stürmischen Gefühle zu ordnen. Seltsame Witze waren immer ein Weg für sie gewesen, um heikle Situationen zu umschiffen. Das hatte ihr auch in Gefangenschaft geholfen und ihre Mitgefangenen furchtbar genervt.

„Wie sind die denn so? Die Menschen?“
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Mallo
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Do Aug 27, 2015 4:47 pm

"Freiherrin", hatte er gesagt. Gemeinsam mit Vhenan machte Mallo große Augen, als er die Pakata musterte. Das würde also ihr Titel sein? Freiherrin Neome. Es klang paradox für sein einfaches Ohr; denn die Pakata hatte sich ihm nie als standesdünkelnd gezeigt. Aber vielleicht war genau das das Zeichen eines guten Herrschers: Dass man gar nicht gleich erwartete, dass er einer war.

Er legte ihr eine Hand auf den Rücken, bevor sie zu Raûl weiterzog. Dann erspähte er Gwen in Neomes Schlepptau und winkte sie zu sich her, aufs Geländer.

"Komm her, schau dir das an", sagte er leise, "Das ist jetzt unseres." Dann traf ihn Vhenans Ellbogen in die Seite und er schmunzelte schief und fasste an das blumenumrankte Kreuzchen, das an seiner Kette hing, das, was er im Jeffrey's Inn der kleinen Piratin Blind Spot abgeknöpft hatte. Nein, Harryette würde eine Erinnerung bleiben. Das sagte sein kritischer Ausdruck.

"Wäh", sagte er stattdessen lauter, "Aber solange es Rum gibt..." Er sah sich um, nach Arden, nach der Treppe zum Lager. Was sie wohl noch an Vorräten bei sich hatten, und wie lange würde es reichen, bis sie sich mit dem, was das neue Land Karges zu bieten hatte, arrangieren mussten? Keine Stadt, die größer war, war in Sicht. Sie würden Wagen brauchen, Transportmittel. Pferde.
Mallo lächelte wieder und sein Blick folgte dem von Vhenan, als sie nach den Menschen fragte, die das Land bewohnten.

"Ja. Was wissen sie schon von uns?"
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Neome
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Fr Aug 28, 2015 3:43 pm

"Ja ja, sicher doch. Es braucht eine Taverne, das kann ich vollkommen verstehen. Aber das ist das Erste, woran ihr denkt?"
Gwen blickte nun vor allem in die Gesichter der anderen, jener, die nicht gesprochen hatten, als wolle sie herausfinden, ob auch diese so dachten und ob sie vielleicht wirklich, obwohl sie zu Hause immer gedacht hatte, zu den unvernünftigen und abenteuerlustigen zu gehören, eine Langweilerin war.  Dabei war sie vielleicht zu streng zu sich, hatte einen Hang dazu, sich selbst Dinge negativ auszulegen, bemerkte es, reflektierte darüber, erkannte es als falsch und war abermals streng zu sich. Soviel hatte die Mannschaft wahrscheinlich von ihr mitbekommen; sie war kein böses Mädchen, sondern gutherzig, aber Hemmungen, Misstrauen, Scheu und Scham waren in ihr zu einem Gemisch verschmolzen, das ihr, ohne dass sie es wollte, das Leben oft schwerer machte, als es sein musste. Sie kam zu Mallo, aber sie schwieg. Es war fraglich, ob sie dieses Land als ihres betrachtete. Gwendola betrachtete nicht einmal die eigenen Kleider am Leib als tatsächlich die ihren, denn sie hatte sie notdüftig zusammengetragen und teilweise auch 'gefunden'.

Neome hatte ebenfalls geschwiegen, und zwar, weil es für sie nichts zu sagen gegeben hatte, bis Raul sie direkt ansprach. Jetzt war er es, auf den ihr Blick sich legte, und in den marginalen Veränderungen ihrer Züge, die um die hellen Augen geschahen, kam ein Ausdruck zum Vorschein, der sich stolz, ernst und auch humorvoll ausnahm. Sie hob das Gesicht und lächelte abgeklärt mit geschlossenem Mund, damit all jene, die sie ansahen, einen Blick darauf hatten. Dann lehnte sie sich Raul unauffällig entgegen und sprach mit leiser Stimme durch die Zähne, ohne ihren Blick vom Land zu nehmen.
"Was bedeutet das genau? Was tut die Freiherrin?"
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Raûl
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Fr Aug 28, 2015 11:41 pm

Raûl verzog keine Mine, als Neome sich zu ihm beugte und ihn das fragte. Es mochte albern wirken, wie er "unauffällig" aus einem Mundwinkel sprach, tat es aber so leise, dass tatsächlich nur sie ihn hören konnte: "Das gleiche wie Pakata. Nur eben ein ganzes Lehen, nicht nur ein Schiff." 
Dann lehnte er sich zurück und sprach so laut wie immer. Ein bisschen lauter sogar, damit ihn auch alle hören konnten: "Man hat mich zu Statthalter von Gutenbucht ernannt. Diese... Stadt ist direkt dem Archon Karl Weber unterstellt. Ich verwalte sie für ihn. Alles andere Land drumherum, das zum Lehen gehört, Shäekara, untersteht den Oshead. Und der Anführer eines solchen Lehens nennt sich Freiherr. Freiherrin in unserem Fall. Sozusagen. Ich glaube, es gibt noch so eine Ernennungszeremonie. Freiherrin ist ein Adelstitel. Das Reich der Rosen liebt solche Dinge. Damit man immer weiß, wer zuerst aufstehen und wer zuerst Trinken und wer zuerst Furzen darf."
Er wandte sich wieder den Hütten zu und lehnte sich wieder zu Neome, um ihr leise zu ergänzen:"Alles, was kommen wird ist Dein!"

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Sa Aug 29, 2015 12:32 am

„Hätte ich sonst danach gefragt?“, kam es plötzlich unfreundlicher aus Vhenans Mund und ihr Blick wurde Gwen gegenüber feindseliger. Sie war leicht reizbar und viel schneller wütend und ungehalten als gewohnt. Normalerweise antwortete Nani als Frohnatur höchstens mit einem sarkastischen Witz und war nie richtig wütend auf jemanden, bis sie es demjenigen deutlich an den Kopf knallte. Selbst das dauerte schon seine Zeit. Jetzt hingegen nahm sie alles viel persönlicher und emotionaler auf. Sie presste ihre Kiefer aufeinander, atmete bewusst ein und versuchte sich zu beruhigen. Sie wollte nicht so sein.

Aber es wurde nicht besser. Neoms erhabenes Schmunzeln sah und ignorierte die Kleine. Ja, Neome hatte es verdient, aber noch war sie bereit es durch Worte offiziell anzuerkennen. Sie nahm es durch Schweigen billigend hin. Bis sie es ändern konnte.

Raul antwortete ihr gar nicht erst, überging auch Mallos Frage, was Vhenan zu einem ungeduldigen Wackeln ihres Fußes veranlasste. Ihre Sohle tippte leise auf das Deck. Untätigkeit hatte sie vor einiger Zeit noch geschätzt, jetzt aber ging es ihr auf die Nerven. Sie wirkte rastlos und unzufrieden. Dabei ging es hier um nichts. Sie hatte keine Fragen, die sie später nicht selbst durch Gespräche mit den Einwohnern beantworten könnte. Bevor sie nicht angedockt hatten und gelandet waren konnten sie ohnehin nichts tun und dennoch drehte ihre gute Laune gerade bei und schipperte davon.

„Kommt er hierher und kontrolliert uns? Durch.... Abgesandte? Oder musst du rüberwandern?“, fragte Nani dann doch. Der Archon kam sicherlich nicht selbst, das konnte sie sich nicht vorstellen. Die Kleine lief ein paar Schritte, entfernte sich von der Gruppe und lehnte sich gegen die Reling, um von dort aus zu beobachten und mitzuhören.
Ihr Hafen wirkte tatsächlich wie ein kleines Fischerdorf. An sich war das gut, aber kleine Dörfer neigten doch immer dazu Fremde zwar willkommen zu heißen, aber sich nicht unbedingt bevormunden zu lassen. Die hatten doch längst eine Hierarchie.

„Die lassen sich einfach was von uns sagen? An deren Stelle würde das doch keiner von uns machen.“
Warum sollten die das tun? Warum sollten sie freundlich sein? Warum sollten die Oshead als neue Verwalter akzeptieren. Und was musste getan werden, wenn genau das nicht geschah? Nani war noch geprägt von den Konsequenzen des eigenen Widerstandes an einem anderen Ort, dass sie solche Entscheidungen nicht treffen wollte. Ihr Blick glitt wieder zur Neome und Raul, die tuschelten und diejenigen waren, die plötzlich vor solche Entscheidungen gestellt wurden. Sie hatte die beiden als Freunde erlebt und Neome als Pakata. Nicht als Herrscher. Würde sich hier etwas ändern?
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Sa Aug 29, 2015 11:41 am

Raûl schaute etwas verwirrt drein und blickte von einem zur anderen. Mallo und Nani stellten beide gleichzeitig ihre Fragen. Er drohte den Faden zu verlieren und versuchte, die Umstehenden mit einer freundlichen Geste zu beschwichtigen. "Wir haben alle Zeit der Welt und können in Ruhe über alles sprechen." Er sah hinüber zum Ufer und dachte kurz nach: "Die Menschen hier sind..." Er grübelte, ob er nicht ein passenderes Wort fand, aber ihm fiel keines ein: "... einfach. Sie sind es gewohnt, dass ihnen einer sagt, was sie tun sollen. Ihnen genügt ein Siegel auf einem Dokument und ein offizieller Titel, und sie fügen sich." Er sah hinüber zur verlassenen Baustelle. "Mehr oder weniger. Von mir jedenfalls haben sie noch nicht viel mitbekommen, außer dass ich ihr neuer Statthalter bin und offiziell ernannt wurde. Ich habe versucht rauszufinden, was sie bisher getrieben haben und was für Fähigkeiten bei ihnen vorhanden sind, auf die man aufbauen kann. Größtenteils Fischer und Handlanger, ein paar Handwerker und eine Handvoll unter Waffen, wie schon gesagt." Raûl dachte nach und zeigte dann auf die Ladeuke des kleinen Schiffes. "Von uns allen wissen sie noch garnichts. Daher der Wein. Unser erster Eindruck soll ihnen gefallen."
Er überlegte, ob er dazu noch was sagen sollte, ließ es dann aber sein. Er wandte sich an Nani:"Sie fügen sich, weil sie es nicht anders kennen. Wenn wir sie gut behandeln, werden sie es mit mehr Nachdruck tun, als wenn wir sie schlecht behandeln. Aber letztenendes sind sie uns ausgeliefert, so wie eine Mannschaft auf hoher See Pakata ausgeliefert ist. Wenn wir es aber übertreiben, kann sein, dass sie uns shratt - Kielholen lassen."
Über die Unterscheidung zwischen den Befugnissen zwischen Statthalter und Freiherrin und deren Machtbereiche über Land und Leute wollte er sich jetzt nicht auslassen. Nani hätte dies sicher nicht verstehen können oder wollen. Das musste er bei Gelegenheit mit Neome unter 4 Augen bereden.

Er machte eine offene Geste, Hände nach vorne, Handflächen nach oben, Richtung der Oshead. "Noch Fragen?" sollte sie bedeuten.

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   So Aug 30, 2015 9:25 pm

"Du kennst uns doch. Kannst du dir vorstellen, dass die Gruppe ihre Ankunft nicht erstmal begießen will?", richtete Malen mit einem schmalspurigen Lächeln an Gwen, ziemlich bald, um sie von Nanis bitterem Unterton abzulenken.

Raûl erklärte und alles was Malen tat, war zuzuhören und sich diesen Horizont zu besehen. Diesen ihren Horizont. Er lehnte die Arme aufs Geländer, verlagerte seinen Stand und sah hinaus.

"Wo sollen wir lagern?", fragte er dann schlicht, als Raûl sich ihnen stellte, "Sollen wir wie gewohnt Zelte aufschlagen? Es wird ja kaum freie Häuser für uns alle geben... oder?"
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Di Sep 01, 2015 6:33 pm

"Ha." machte Raûl  auf Mallos Frage. "Eines oder zwei der Häuser werden wir schon für uns..." er wollte "beschlagnahmen" sagen, dachte dann aber an seine Weggefährten und meinte: "erwerben können. Aber wir werden sehr bald sehr viel mehr Platz brauchen. Angesichts der geringen Zahl der richtigen Arbeitskräften habe ich schon vor dem Auszug nach Kelriothar einen Navigator der Handelsgilde angeheuert, eine Route für Ortac-Flüchtlinge einzurichten. Ein... Geschäftspartner von mir stellt das Schiff dazu. Ein zuverlässiger Naihlar. Er sollte auch darauf achten, dass ein paar Schiffbauer und einige Fähige Walfänger mit an Bord kommen. Damit wir uns schnell über das Meer selbst versorgen können. Wenn wir die Werft irgendwann mal fertig wird, brauchen wir schließlich Leute, die Schiffe bauen und auch segeln können. Mit den kleinen Nussschalen der Fischer hier kommen wir nicht weit."

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Di Sep 01, 2015 7:22 pm

„Man sollte sich nicht zu viel gefallen lassen.“, murmelte Nani mehr zu sich selbst, als zu den anderen. Man sah lediglich, dass sie etwas grummelte und strafte Raûl mit einem Seitenblick ab. Ihr gefiel nicht, wie er das alles anging. Vielleicht hatte sie sich genau deshalb noch nie für so einen Posten angeboten. Sie traf ungern Entscheidungen für andere. Vhenan hatte sich immer hinter jemandes Rücken versteckt. Jemand anderen führen lassen, Entscheidungen abgesegnet, nicht selbst getroffen. Das alles war im vergangenen Mond nicht möglich gewesen. Niemand war dagewesen. Nur sie selbst.

„Auf einem Schiff heuerst du aus freiem Willen an. Jedenfalls unter normalen Umständen. Du bist keine Pakata für diese Leute hier. Du bist was anderes.“ Jeder Naihlar hier konnte sich denken was Raûl tatsächlich hatte sagen wollen. Erwerben! Als ob er die wirklich bezahlen würde! Rauls Haltung strahlte aus, dass er hier von Bord ging, ein paar Befehle erteilte, Häuser räumen ließ, weil es ihm passte, das Fässchen Wein als Willkommensbestechung anstach und sich ins gemachte Nest setzte.

„Wir können auch unsere Zelte aufschlagen. Ich hab noch nie in einem Haus gewohnt.“, gab die Kleine von sich und baute ersten Widerstand auf. Sie hätte selbst nicht gedacht, dass sie es falsch finden würde, dass sie plötzlich ein wenig mehr Empathie und Moral zeigte. Aber das hier war etwas anderes als ehrenhaft beim Glücksspiel zu betrügen. Wenn man damit durchkam und seinen Kupferbeutel füllte, hatte man sich das Coppa ehrlich verdient. So ehrenhaft wie Naihlar eben waren. Aber das hier?

„Iä badenn zadanloma, Raûl", knurrte sie schlecht gelaunt weiter. Durfe man so einfach über jemanden herrschen, nur weil ein anderer Mensch etwas unterschrieben hatte? Vielleicht war sie einfach noch zu jung, um das alles zu begreifen. Und nicht abgehärtet genug. Konnte gut sein, Raûl hatte einige Jahre und Erfahrung mehr auf dem Buckel.

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Adhemar

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Di Sep 01, 2015 9:48 pm

Als ob die Spiegelwelt nicht genug gewesen wäre. Als ob die staubigen Straßen und eintönige Langeweile nicht gereicht hätten. Nein, ein Schiff musste es sein. Letztlich nicht überraschend, wenn man zu einem Ort namens "Gutenbucht" unterwegs war, das musste Adhemar eingestehen. Gerade erst die Verletzungen und Nachwirkungen des Feldzugs überstanden, den leisen Schauer abgeschüttelt, der ihn die letzten Tage überfallen hatte, wann immer er ein Seil nicht ordentlich aufgerollt gesehen hatte, eine Takelage nicht festgezurrt, oder das Deck nicht ordentlich geschrubbt und nun begann dieses Geplapper in jener merkwürdigen Sprache wieder, von der Adhemar sich nur die rudimentärsten Brocken anzueignen überhaupt bereit war, wenn die Zeit es denn hergeben sollte.

Nun gut, es schien, als sei die Zeit des Nichtstuns erst einmal vorbei, man schien sich dem Zielort zu nähern. Von seinem Platz unter Deck vernahm Adhemar die Stimmen derer, die sich oben austauschten, organisiert, ernsthaftig und herzlich, wie stets. Er konnte nicht alle Worte verstehen, doch es ging wieder einmal um Alkohol, dem knurrigen Tonfall Vhenans zufolge schien wieder irgend etwas nicht zu passen und irgend jemand, der seines gesunden Menschenverstands offenkundig überdrüssig war, hatte gar einen Adelstitel vergeben. An diese Bande von Streunern, Vagabunden, Halsabschneidern, Habe- und Taugenichtsen und anderer Attribute, die ihm wohl nur einfallen würden, wenn er in der Stadt, der sie sich gerade näherten, einen Blick auf die Insassen des örtlichen Schuldturms werfen würde. Wer wusste, wie lange dieser nun noch Bestand haben würde, wo doch die Wahrscheinlichkeit groß war, dass entweder die frisch gekürte Freiherrin, oder ihr persönliches Gefolge binnen kürzester Zeit dort einsitzen würden müssen, wenn nicht gar Schlimmeres.

Adhemar schüttelte den Kopf, sowohl wegen der Unmöglichkeit der Situation, als auch, um seine eigenen Gedanken abzutun. Er tat Neome in der Tat Unrecht. Sie hatte ihn wieder in ihre Reihen aufgenommen, nach so langer Zeit, ohne lange Erklärungen zu verlangen. Sie hatte auch den anderen nichts erklärt, noch von ihm verlangt, es selbst zu tun. Sie hatte einfach von ihnen verlangt, ihn zu akzeptieren, was in diesen Zeiten schon mehr Vertrauen war, als man von Manchem erwarten konnte.

Und die meisten der anderen waren auch aus ganz gutem Holz geschnitzt. Arden, Asdan und Wamai waren fähige Männer, wenngleich sie, wie die meisten hier, nicht weiter planten, als bis zum nächsten Krug und der nächsten Geldbörse. Chattras hatte das beste getan, was er hatte tun können, indem er sich davon gemacht hatte. Mallo... nun, was genau Mallo darstellen sollte, oder wollte, das war Adhemar noch nicht so ganz klar, jedenfalls schien Mallo einen Narren an Jael gefressen zu haben, ob zurecht, oder nicht, das musste sich noch zeigen. Der Kerl war zwar beredt, aber durchsichtig wie ein Eichenbrett und er wich Fragen so geschickt aus, wie ein einarmiger Hufschmied. Auf ihn galt es, ein Auge zu haben. Auf ihn und auf Râul...

Râul, auf ihn sollte man eigentlich nicht nur ein Auge haben, sondern gleich eine Schandgeige und ein Turmzimmer mit einer feinen Gittertür, wenn nicht gar eine scharfe Axt. Männer wie ihn gebar der Krieg und er nährte sie, wie sie ihn nährten. Opportunisten, denen treu, die ihnen nutzten, bis sie ihren Nutzen verbraucht hatten und dann hing das Schicksal der einstigen Dienstherren an einem seidenen Faden, oder derselbige an einem Hanfstrick. Und dieser Mann sollte eine Hafenstadt verwalten. Dabei war er, wie Adhemar aus dem Gespräch herauszuhören glaubte, nicht einmal der Pakata verpflichtet, sondern dem Archon, wer auch immer der nun wieder zu sein glaubte. Und er hatte bereits in die Wege geleitet, eine Flotte zu bauen und fähige Seeleute anheuern zu lassen. Für ein Seefahrervolk hieß dies nichts anderes, als dass dieser Mann eine Armee aufbaute.

Adhemar beschloss, sich künftig nicht mehr allzu weit von Neome zu entfernen, ein Messer in der dunklen Gasse eines Hafenviertels war nichts, was selten gewesen wäre, zumal wenn der neue Stadthalter es bestellte. Nach allem, was er auf dem Feldzug erlebt hatte, hatte er keinen Grund, diesem Râul weiter zu trauen, als die verdammte Grube durchmaß, in der er ihn hatte buddeln sehen, während er eigentlich seine Leute hätte retten sollen.

Nun war es jedoch erst einmal Zeit, sich an Deck zu begeben und sich anzuhören, wie die Commoditäten der nächsten Tage geregelt werden sollten, denn auf lange, einsame Nächte in einem Zelt hatte Adhemar nach den Strapazen der Reise wenig Lust. Er begab sich nach oben, um den anderen weiter zu lauschen.
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mi Sep 02, 2015 6:21 pm

Raûl nickte Vhenan zu, als sie ihm sagte, dass er kein Pakata, kein Kapitän für die Siedler hier war.
"Das stimmt. Karl Weber ist ihr Pakata. Und er hat mich zum Mahzhak der Stadt gemacht. Ich organisiere alles für den Archon, damit diese Stadt wächst und gedeiht. Diese Siedler sind vor über einem Jahr hierher gekommen und haben ein paar Hütten hingestellt und ansonsten nichts vorangetrieben. Die kann man beim Laufen besohlen. Ich habe den Auftrag, den Hafen auszubauen. Ich habe die Pflicht in Gutenbucht Recht zu sprechen, wenn es nötig ist. Wenn hier etwas schief läuft, wird man mich dafür am Hof der Dornen auch zur Verantwortung ziehen. Wenn alles Gut geht und die Siedler mitarbeiten, kann ich aus Gutenbucht eine richtige Stadt machen. Das bedeutet, dass jeder, der bisher hier lebt die Aussicht auf ein besseres Leben bekommt. Das soll ihr Antrieb sein, nicht die Angst davor, dass ich sie ins Loch stecke, wenn sie nicht spuren." Das glaubte Raûl auch tatsächlich. Was er nicht aussprach war, dass es trotzdem dazu kommen konnte, dass er manch einen ins Loch stecken musste. Spaß würde es ihm nicht machen, aber er würde es sicher tun, ohne einen Moment zu zögern, wenn es nötig war. Er war Mahzhak und das war nun mal seine Aufgabe. Er blickte in die Runde der anwesenden Oshead und musterte jeden für einen Herzschlag: "Hier ist für jeden von uns ein Platz, aber jeder von uns wird hart arbeiten müssen. Dasselbe gilt für alle Siedler, die hier leben wie auch für die, die noch kommen werden. Ohne Euch wird es nicht gehen. Ohne Néome wird es nicht gehen, denn sie eint uns alle. Wenn wir nicht zusammen in dieser lagda arbeiten, haben wir naihlgrul und kommen keinen Fuß weit njama."
Raûl hielt inne und stutzte. Er merkte jetzt, dass er zunehmend beherzt in Chollodann verfallen war und dass wahrscheinlich nur die Naihlar ganz verstanden hatten, was er meinte. Also fügte er noch ergänzend hinzu: "Zusammen können wir hier was Großes schaffen."

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mi Sep 02, 2015 11:54 pm

Also tatsächlich Häuser. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal in befestigten Wänden mit einer verschließbaren Tür geschlafen hatte. Und er erinnerte sich umso wehmütiger und lieber an die weißen Häuser unter Emebeth in Palvar, die seine Landsleute bauten. Die sein Vater gebaut hatte. Hier, in Gutenbucht, einem Hafenplatz, der eine Handelsstadt werden sollte, war für sowas kein Platz. Weiter draußen aber vielleicht sogar schon.

Malen trat langsam die letzte Stufe hoch und ließ eine Hand am Geländer, als er sich Raûl und Neome näherte.

"Und was ist mit den Ländereien weiter innen? Wie groß soll Gutenbucht werden? Gibt es schon einen Plan, was mit..." Er machte eine fortführende Geste. "...dem weiter Hinten passieren soll?"
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Do Sep 03, 2015 5:08 pm

Raûl sah vom südlichen Horizont, vorbei am Festland in ihrem Westen, hinauf njama - in den Norden.
Er lächelte:"Mythodea ist... riesig. Und die Zahl der Siedler ist lächerlich klein. Von hier aus bis zur Hauptstadt Shan Meng-Feyn sind es 1000 km Luftlinie, wenn man den Wegen folgt fast 2000 km. Die nächste Zivilisation, unsere direkten Nachbarn, liegt 200km in diese Richtung." er deutete zur Hochstraße hin, die sich im Westen über die Terassen, welche in ein paar Kilometern das Tal um Gutenbucht herum eingrenzten, zum Hochland hinauf schlängelte. Er schüttelte den Kopf. "Dieses Land ist so obszön groß, dass wir so viel Land haben, dass wir uns darin verlaufen können. Wir haben so viel, dass wir es kaum irgendwie bewirtschaften können."

Rauls Blick verschwand in einem imaginären irgendwo, er erinnerte sich an den Konvent und sein Gespräch mit Sir Ulrich, als sie das Lehen ausgehandelt hatten. Er brachte sich diese seltsame Diskussion wieder ins Gedächtnis zurück und versuchte, die Eckpunkte korrekt wiederzugeben:"Ich habe die Zusage, dass wir die einzigen sind, die an der Küste siedeln. Das bedeutet, dass wir gut 200 Kilometer Küste auf eine Tiefe von 50 Kilometern als unser Lehen betrachten können. Das sind 10.000 Quadratkilometer Land." Er machte eine Pause und wartete, damit diese unwirklich große Zahl in die Köpfe der Umstehenden einsickern konnte. Er selbst hatte Wochen gebraucht bis er wirklich verstand, wie riesig das war. "Wir werden Jahre brauchen, um unser Lehen überhaupt erst vollständig zu erkunden. Alles, was wir dort finden gehört uns. Alles was wir auf dem Lehen erwirtschaften gehört uns. Wir zahlen dafür unsere Abgaben. Wie hoch die ausfallen, werden wir noch verhandeln müssen. Man hat mir die Wahl gelassen, ob wir als Entlohnung für die Statthalterschaft entweder niedrigere Abgaben zahlen müssen oder aber einige Anturi aus dem Gewinn behalten dürfen. Prozent heißt das hier. Das mache ich natürlich davon abhängig, ob wir uns lieber gemeinsam darum kümmern wollen, den Hafen aufzubauen, oder aber ob wir uns eher um das Lehen, also das weite Land bemühen. Sollten wir auf wertvolle Ressourcen stoßen, dann kann das durchaus interessanter sein, unsere Abgaben zu senken, als Prozente aus den Erträgen der Stadt zu bekommen. Es liegt letztendlich an Euch."
Dann schüttelte Raûl sich, als wolle er diese Themen hinter sich lassen und zeigte wieder zu den Fässern "Aber das ist mir heute auch erst mal scheißegal! Wir trinken heute und alle trinken mit uns. Und morgen geht's an die Arbeit. MA SHÄEKARA!" brüllte er und seine Augen leuchteten.

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Do Sep 03, 2015 5:45 pm

Nun wurde es doch interessant. Land, mögliche Rohstoffe, unermessliche Weiten, offenkundig kein grünendes Weideland, aber dennoch geeignet, einiges widerstandsfähigeres Vieh zu züchten. Und Râul schien sich, entgegen erster Vermutungen, doch nicht ausschließlich auf das konzentriert zu haben, was ihm direkt unterstellt war. Fast war Adhemar geneigt, das rührselige "Zusammen", von dem der Kerl immer wieder schwadronierte, zu glauben. In seiner Brust verspürte er einen seltsamen, selten gewordenen Druck. Aufregung! Die Vorfreude, den ersten Schritt zu etwas Großem zu tun.

Natürlich war das, womit er arbeiten konnte, auf den ersten Blick nichts Berauschendes. Wenn die Siedler so waren, wie sie beschrieben wurden, dann musste einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit sie Pflüge, Sägen und Spitzhacken in die Hand nahmen und dieses Land in das verwandelten, was es sein konnte: Eine Heimat, kein bloßer Aufenthaltsort. Dazu musste koordiniert werden, landwirtschaftliche Erträge mussten abgeschätzt, eingetrieben und verteilt werden und zwar so, dass diejenigen, die sie erzielten, sich nicht übervorteilt fühlten und dennoch genug übrig blieb, dass er selbst... er korrigierte sich, dass sie alle genug vom Kuchen abbekamen. Und dann war ja da noch die Kleinigkeit der Flotte, die dem Herrn Stadthalter vorschwebte.

Das wiederum brachte Adhemar auf die Frage der Entlohnung für die Statthalterdienste zurück. Es schien unsinnig, statt geringerer Abgaben für das Lehen einen Anteil an den Gewinnen der Stadt zu verlangen. Wer schließlich war es, der die Gewinne letztlich erzielte und Buch darüber führte? Bücher waren so leicht zu führen und zu verführen noch mehr. Geringere Abgaben stellten einen Vorteil gegenüber anderen Lehen dar, eine Erleichterung für die Siedler obendrein. Den Anteil an dem, was in der Stadt umgeschlagen wurde, würden sie obendrauf bekommen, man musste ja nicht aus jedem Stück Bronze eine große Glocke gießen. Eventuell sollte er sich doch mit Râul gutstellen, fürs Erste. Durchtrieben oder nicht, seine Tatkraft war unbestreitbar. Außerdem würde er Unterstützung brauchen, wenn er in diesem Unternehmen eine Rolle spielen und vermeiden wollte, dass der Aufbau des Landes und damit die Kontrolle über dessen Ressourcen in inkompetente Hände gelegt wurden. Und das, so dachte er mit einem Blick über die Versammelten, waren alle, die nicht die seinen waren, so fähig sie auch sonst sein mochten. Die Verwaltung eines Landes erforderte Umsicht, Erfahrung und Durchhaltevermögen, nicht mit dem Schwert, dem Bogen oder dem Würfelbecher, sondern mit Kerzenschein, langen Nächten und langweiligen Zahlenkolonnen. Und diese waren ihm von klein auf eingetrichtert worden. Er wollte, nein, er musste sich an dieser Unternehmung beteiligen, schon alleine, um der frischen Freiherrin die Schuld abzuzahlen, in der er bei ihr stand.

Doch Râul hatte Recht. Dies war ein Kampf für einen anderen Tag, heute sollte das Erreichte zelebriert werden. Mit glitzernden Augen und linguistischem Unvermögen stimmte Adhemar in den Ruf des Statthalters ein.
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Fr Sep 04, 2015 12:16 pm

Nach allem was sie hörte, dem Wissen, das hinter den Worten hervorkam und sich in ihren Gedanken ausbreitete, hatte Neome doch nur eines zu erwidern.
"Unser."
Sie sprach es leise und hatte es an Raul gerichtet, dessen Schulter ihre Hand daraufhin leicht berührte, für Sekunden brüderlich drückte und sich dann entzog, als Neome sich abwandte, in den Hintergrund trat und leise Worte mit Gwendola wechselte, die von Vhenans Antwort getroffener schien als sie zu zeigen beabsichtigte, ganz gleich, was Mallo hinterher sagte.

Sie sprach nicht lang mit dem Dichtermädchen. Gleich hörte sie schon wieder den Ausführungen des neuen Stadthalters zu. Er erwähnte einen Adelstitel, sie wusste, was das war, kannte die seidenen Ketten, die eine Adelung bedeuten konnte. Es ging hier um sie selbst, nicht wahr? Der Weg gewann eine Steilung, und sie kam ihr erheblich schärfer vor, da er zuvor so lange flach auf dem Grund verlaufen war, beinahe ohne Relief. Sie ging ihn sich und horchte.

Es waren abermals Rauls Worte, die Neome das Gesicht heben ließen. Sie hatte die Wangen gespannt und auch die feinen Muskeln unter den Augen zusammengezogen, sodass sich ein skeptischer Eindruck in ihr Mienenspiel sponn.

"Angesichts der geringen Zahl der richtigen Arbeitskräften habe ich schon vor dem Auszug nach Kelriothar einen Navigator der Handelsgilde angeheuert, eine Route für Ortac-Flüchtlinge einzurichten. Ein... Geschäftspartner von mir stellt das Schiff dazu. Ein zuverlässiger Naihlar."

Sie regte sich. Ihre Schultern waren versteift vom Gefühl eines plötzlichen Schreckens.
"Verstehe ich richtig?", fragte sie. "Der Navigator aus der Handelsgilde ist ein Fremder? Du hast einem Fremden den Weg nach Ortac gewiesen?"
Es stimmte sie traurig, wenn es so war, denn der Mann würde sterben müssen. "Das darf nicht geschehen. Wir dürfen nicht die Heimat, die wir verlassen haben, verraten. Nur die Naihlar können eine Route erstellen. Nur die Naihlar entscheiden, wer den Weg kennt und wer auf ihre Schiffe treten darf. Kein einzelner darf mit den Geheimnissen eines gesamten Volkes spielen. Bitte sag, dass du es anders gelöst hast."
Ihre Hand hatte sich, während sie sprach, auf ihren Bauch gelegt und gegen das dünne Leder gedrückt, das sie umschloss. Sie kam nicht einmal mehr dazu, auf Vhenans Worte einzugehen.
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Fr Sep 04, 2015 5:51 pm

Raûls Herz machte einen Hüpfer, als Neome "Unser" sagte und ihm damit bestätigte, was er sich erhofft hatte: Dass sie ihn auch als ihren Mahzhak anerkannte. Nur dann konnte die ganze Unternehmung gelingen. Sie hatten eine Verbindung zueinander. Sie schien nichts gegen seine bisherigen Gedankengänge bezüglich des Lehens und des Hafens zu haben. Zumindest nicht öffentlich. Das war ein solides Fundament, darauf konnten sie aufbauen.
Dann aber kam die Sprache auf die erste "Amtshandlung" und er brauchte einen Moment zu verstehen, was sie beunruhigte. Er wandte sich Neome zu: "Den Navigator brauchen wir, um zu den Mittellanden zu kommen und zurück nach Mythodea. Außer der Seehandelsgilde hat es noch niemand geschafft, eine zuverlässige Route hierher zu finden. Sie wären hier vielleicht nie wieder angekommen. Es ist mir ein Rätsel, woran das liegt. Meinem Geschäftspartner habe ich außerdem angewiesen, den Navigator am Hafen der Mittellande abzusetzen und ihn oder einen Anderen der Seehandelsgilde auf dem Rückweg wieder aufzunehmen. Es gibt keinen Außenstehenden, der den Weg nach Ortac kennt, zumindest keinen, der von mir beauftragt wurde. Was nicht heißt, dass irgendjemand diese Passage nicht irgendwann doch entdeckt." Raûl zuckte mit den Schultern. Ortac war zwar als Land viel kleiner als Mythodea, aber die Bevölkerungsdichte war so deutlich größer, dass es ihm unrealistisch schien, dass daher eine Bedrohung kommen konnte. Aber wenn es die Pakata verunsicherte, durfte er es nicht auf die leichte Schulter nehmen:"Der Fremde wird die Route nicht erfahren."

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mo Sep 07, 2015 2:23 pm

"Gut." Und wie erleichtert sie war, hörte man vielleicht nicht, doch wer ihr nahe stand, spürte den Abfall jener Energie, in die Alarmbereitschaft einen versetzt. Sie lächelte dann.
"Dann ist es umso besser. Gehen wir an Land."
Sie klopfte Raul noch zweimal auf die Schulter und ging dann fort, damit er, wenn er wollte, wie es seine Art war, Kommandos rufen und sich derer erfreuen konnte. Der Mannschaft war zu vertrauen, dass sie es ohne Neomes Anwesenheit auf Deck schaffte, das Schiff sicher in den Hafen einlaufen zu lassen.

Ehe sie nämlich an Land gingen, nahm sie noch einmal Adhemar zur Seite.
"Vayle?" Es gab nicht so viele Orte auf dem Boot, an denen er sein konnte. Und als sie ihn fand, reichte sie ihm einen kleinen Gegenstand aus Stroh. "Hier. Du hast es im Lager gelassen. Ich habe das für dich mitgenommen." Es war eine Frau, aus Halmen geflochten.

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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mo Sep 07, 2015 7:35 pm

Für einen Moment hoffte ein opportunistischer Zug in Adhemar, Råul möge diesen Fehler gemacht haben, den jeder, der nicht erst seit zehn Minuten von zuhause weg war, zu vermeiden gewusst hätte. Dies hätte bedeutet, dass er seinen Stand schon geschwächt hätte, noch bevor er überhaupt mit seiner Pakata einen Fuß in deren neue Heimat gesetzt hatte.

Letztlich musste er aber doch widerwillig anerkennen, dass der Mann umsichtiger war, als man zuweilen vermuten mochte. Und schließlich war Adhemar sogar froh darum, denn gleich, welche Gefühle oder Pläne er auch haben mochte, sie konnten nicht über der Sicherheit der Lande derer stehen, zu denen er nun gehörte, oder doch zumindest für jetzt zu gehören wünschte.

Als Neome ihn ansprach, brauchte Adhemar den Bruchteil eines Moments, auf den fremden Namen zu reagieren. Diesbezüglich galt es ohnehin, bald eine Entscheidung zu treffen. Wenn er hier eine wichtige Position einnehmen wollte, dann konnte diese nicht auf seinem alter ego basieren, da dies seine Position sofort untergraben würde, sollte er seine Autorität gegenüber jemand anderem jemals auf bedingungslose Offenheit und Ehrlichkeit stützen müssen. Er konnte sich in dieser Gruppe nicht profilieren, wenn die Anführerin wusste, dass er jedem anderen etwas vorlog. Zumal da ja auch noch Vhenan zu bedenken war, die zwar aufgrund der jüngeren Ereignisse genug mit sich selbst zu tun hatte, sich aber seiner durchaus erinnern mochte, wenn die Zet ihre Wunden heilte.

Adhemar blickte erst in Neomes Gesicht und dann auf ihre ausgestreckte Hand, die ihm einen Gegenstand reichte. Ein Stich durchfuhr ihn, als er die krude gefertigte Gestalt erkannte, die sie ihm hinhielt. Seine Linke zuckte zu der Tasche an seinem Gürtel, in der seine Kugel ruhte. Jene Kugel, die er den anderen gegenüber als etwas belangloses abgetan hatte, als ein Mittel, um jenen das Geld aus der Tasche zu ziehen, denen das Schicksal die Bürde höheren Denkens erspart hatte. Er hatte gedacht, er habe die Figur zu der Kugel gesteckt, wo sie letztlich auch hingehörte, bis er dieses verdammte Ritual vollzogen hatte und diese unseelige Angelegenheit hinter ihm lag.

Etwas steif und blass nahm Adhemar Neome die kleine Gestalt aus der Hand und warf einen langen Blick darauf. Dann blickte er Neome in die Augen und sagte: "Ich danke dir!", bevor er sich abwandte, um die Planke hinab zu gehen. In seinen Augen glitzerten Tränen.
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mo Sep 07, 2015 10:37 pm

„Hm.“ Vhenan brummte nach Rauls Worten einmal mehr, sah auf das Fischerdorf, das ihr als 'Hafenstadt' verkauft worden war und nickte irgendwann nachgiebig. Ohne Arbeit, ohne Investitionen würde es ein Dorf bleiben. Wenn sie mehr wollten, mussten sie etwas dafür tun. Wie auf dem Schiff. Wenn man die Arbeit schleifen ließ und tatsächlich nur an Rumfässer dachte, ging alles vor die Hunde und man zerschellte irgendwann an der eigenen Dummheit. Ein oder eine Pakata musste durchgreifen und ihre Mannschaft im Griff haben. Wenn das nicht geschah, war man auf hoher See verloren, war man überall verloren. Vielleicht brauchten diese Menschen hier tatsächlich jemanden, der ihnen die Richtung wies, Kommandos gab und Entscheidungen traf. Vielleicht war Nani einfach nur ein wenig empfindlich, sie selbst war auch kein Anführer, hörte lieber auf andere und führte Kommandos aus anstatt sie auszusprechen. Solange Raul den Leuten nicht tatsächlich einfach so ihre Häuser wegnahm, würde sie abwarten und beobachten. Vermisste er die Jurten gar nicht? Was fanden so viele Menschen an Häusern? Vhenan hielt sich aus dem Schlachtruf heraus, in den sogar Vayle eingestimmt hatte. Oder es versuchte.

„Glaub bloß, dass wir alles machen was du willst, du Holzkopf.“, sagte sie versöhnlicher und grinste Raul halbherzig in dem Versuch entgegen wieder in bessere Stimmung zu kommen. Sie sollte es abwarten und nicht in jedem Schatten ein Monster vermuten. Das übernahm Neome im nächsten Moment. Aus gutem Grund. Auch Nanis Körper wurde von einem alarmierenden Ruck erfasst und sie starrte den Mahzhak durchdringend an. War das sein Ernst? Falls Raul wirklich die Route in die alte Heimat preisgegeben hatte spielte er gerade mit einem fremden Leben und seinem eigenen Rang. Alle Blicke schienen auf ihm zu liegen, aber so schnell die unangenehme Spannung auch entstanden war, so schnell verflog sie wieder. Es war ein Missverständnis. Dennoch starrte Nani weiter, sah aber in Wirklichkeit durch Raul hindurch. Wieso kam es so oft vor, dass andere Leben durch eigene dumme und naive Entscheidungen so schnell vernichtet werden konnten? Sie fühlte sich noch immer schuldig, ganz egal was die Tochter der Tugend ihr gesagt hatte. Ganz egal was jeder ihr sagte. Herz und Verstand hatten ihren ganz eigenen Willen. Die Tochter der Tugend hatte nicht einmal die ganze Wahrheit gehört. Wie sollte sie den anderen das sagen? Neome hatte wütend reagiert, als Nani ihr berichtete, dass Tyskke sie alle zum Freitod hatte überreden wollen. Mit der Gewissheit, dass sie alle ihre Seelen verloren. Damals hatte sich auch Vhenan dagegen ausgesprochen. Nur wusste Neome nicht, dass sie tatsächlich ernsthaft darüber nachgedacht hatte es doch zu tun... dass sie...

Ein weiterer Ruck durchfuhr die Kleine und sie lief ein paar Schritte. Nein, daran wollte sie nicht mehr denken. Nicht jetzt. Nicht schon wieder. Ihr Blick suchte Ablenkung und fand die Mannschaft, die das Schiff für die Landung vorbereitete. Hand in Hand. Ihr Blick fiel auf Neome und Vayle, die abseits etwas beredeten. Was passierte, wenn sie es Neome sagte? Was würden die anderen dann denken. Nani hatte etwas viel schlimmeres getan, als Tyskke gefordert hatte.

Ihre blauen Augen flogen rastlos weiter auf Vayle. Sie musterte den Griesgram von der Seite, schüttelte kaum merklich den Kopf und wunderte sich einmal mehr darüber wie man den ganzen Tag so mies gelaunt sein konnte. Die Antwort würde sie in jedem Spiegel finde. Diese Erkenntnis knallte ihr gerade wie die Brandung gegen den Bug und sie seufzte von sich selbst genervt. Bradach! Sie sah zu Gwen, die Nanis Zorn gar nicht verdient hatte. „Kowa!“ schalt sie sich leise selbst und setzte sich in Bewegung. „Gwen?“ Wie sie es hasste sich zu entschuldigen. Nani schien eine natürliche Ignoranz gegen solche Worte aufgebaut zu haben. Und dennoch...
„Wegen eben... war nicht so gemeint. Tut mir leid.“, rang sich die Kleine angestrengt ab.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Ankunft in Shäekara   Mo Sep 14, 2015 5:39 pm

"Und dann waren sie da. Einfach so. Einer von diesem..." er sah sich verstohlen um und flüsterte dann: "…von diesem PACK ist abgereist und dann ist ein ganzes Schiff von denen wieder zurückgekommen. Schwarz und Rot und haufenweise alte Muscheln und Diebesgut umgehängt und ins Haar geflochten. Und die anderen waren auch nicht besser. Ganz blass in ihre hellen, feinen Tücher eingewickelt, die Nase sonst wo in den Sternen. Wie sie auf unser schönes Gutenbucht herabgeschaut haben, mit Abscheu in einem und mit Gier im anderen Auge, diese Haderlumpen. Aber was will man machen. Der Weber hat Ihnen das Siegel gegeben, außerdem sind se bewaffnet bis an die Zähne. Was will man da schon machen?“

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Raûl überwachte die Entladung der Fracht aus dem Unterdeckdeck des bauchigen Seglers, 20 Tonnen Baumaterial, Werkzeuge, Nahrungs- und Genussmittel und Waffen, ein Dutzend Arbeiter, alles Holzfäller, und 2 Dutzend der Anderen - der Oshead. Aber es würden mehr kommen, viel mehr - und das sehr bald, wenn er die Reisezeit richtig berechnet hatte und es auch sonst keine unvorhergesehenen Ereignisse gab, die einen Strich durch seine Rechnungen machten. Einen Augenblick lang dachte er darüber nach, ob es nicht ein Fehler gewesen war, seinen Geschäftspartner mit dieser Anzahlung loszuschicken. Aber ohne Investitionen gab es keinen Gewinn, nicht wahr?

Einige der Einwohner - sie Einheimische zu nennen wäre falsch gewesen, hausten sie selbst vielleicht mal gerade ein Jahr hier an der Küste - standen auf der niedrigen Kaimauer und glotzten. Von denjenigen, die vor einigen Wochen von sich behauptet hatte, dass sie das Sagen hätten, war weit und breit niemand zu sehen. Der Mahzhak, oder Quartiermeister, wie ihn ein Mitglied der Seehandelsgilde bezeichnen würde, wies die helfenden Hände ein, wo welche Frachtgüter hinkamen und packte dann selbst immer wieder mit an, um Bewegung  in die Umstehenden zu bekommen. Ein größerer Haufen Holz und Baumaterial einige hundert Schritt den Flusslauf hinauf, den Rest in die kleine Lagerhalle direkt am Kai.

Raûl sah sich nach ein paar Gängen vom Schiff zur Halle kurz um als suchte er jemand, entdeckte dann Neome und ging zu ihr hinüber. “Pakata, wenn Du einen Moment Zeit für mich hättest?“ Ungezügelte Arbeitswut stand in seinem Blick, wie immer.

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IT:  Raûl Mazhahk ân Oshead
Zweitchar: Heribas Veneficus
OT: Felix
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Ankunft in Shäekara
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