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 Von güldenen Briefen

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Von güldenen Briefen   Fr Nov 06, 2015 9:07 pm

Drei Wochen war seit der Ankunft der neuen Lehensherren in Gutenbucht vergangen. Mit zunehmendem Elan wuchs zuerst eine Behelfsbrücke über den Gutenbach - in der Namensfindung hatten die Anwohner der kleinen Hafenstadt keinen besonderen Einfallsreichtum bewiesen - dann entstanden Hütte für Hütte auf der Südseite. Auch an der Werft wurde gearbeitet, wenn auch der Statthalter Raûl eher wert auf die Behausungen legte. Bald waren zwei Dutzend davon fertig gestellt, wenngleich die Bewohner von Gutenbucht nicht verstanden, was das alles sollte. Davon, dass hier bald hunderte neue Siedler ankommen würden wussten die Menschen noch nichts.

In dieser betriebsamen Atmosphäre kam denn ein Bote in einer grünen Gewandung in die Stadt und erkundigte sich höflich, aber bestimmt nach dem Statthalter Raûl.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   So Nov 08, 2015 2:34 pm

Raûl stand auf der Baustelle, wie eigentlich jeden Tag, und delegierte die Arbeiten und packte hier und da auch selbst mit an, denn er wusste, dass die Leute schneller arbeiteten, wenn er selbst mithalf. Entsprechend entspannt liefen die Diskussionen mit den Arbeitern und so wurde jeden Tag eine Hütte fertig. Trotzdem würde die Zeit knapp werden und kaum genug Platz für alle Siedler da sein, wenn tatsächlich so viele kamen wie er geplant hatte.

Dann erschien Matz, ein großer, stämmiger Mann, der sich seit Anbeginn als Gardist in Gutenbucht verdient gemacht hatte, und brachte eine weitere Person  mit sich, der in seinem grünen, feinen  Tuch so garnicht in die Szenerie passte. Der Mahzhak wischte sich den Schweiß von der Stirn und sah erwartungsvoll zu Matz, der den Besuch mit pompöser Geste ankündigte:"Herr, ein Bote aus der Hauptstadt Shin Meng-Fey. Er sucht nach Euch."

Der Bote maß Raûl von Kopf bis Fuß mit einem Blick. Verschwitzt, eingesaut, schmutzig und mit einer kleineren Verletzung an der Stirn, wo er sich an einem Balken gestoßen hatte, sah er nicht grad wie ein durchlauchtigst Statthalter aus. Doch dann machte Bote eine Verbeugung, genau so wie Raûl es am Hof der Dornen gesehen hatte. Ob die wohl auch eine Etikette hatten, um den Stuhlgang zu regeln?

"Eine Botschaft vom Hof an Euch, Hoher Herr. Zu Euren treuen Händen ohne Verzögerung ausgeliefert. Ich bin angewiesen, sofort zurückzukehren, ich soll Euch aber von Iro Gnaden Larell Ar'dhar ausrichten lassen, dass es mit der Antwort keine Eiligkeit hat." Damit zauberte er einen goldenen Umschlag hervor und überreichte ihn mit einer Geste, die irgendwie... höfisch aussah.

"Die Hohepriesterin Larell?" Raûl nahm den Umschlag mit zwei spitzen Fingern entgegen, dann reichte er dem Boten zwei Kupfer. Einen Moment lang sah dieser fast Beleidigt drein, nahm die Münzen dann aber doch entgegen. Mit einer tiefen Verbeugung machte er kehrt und schickte sich an zu verschwinden. Raûl blieb zurück und glotzte verwundert auf die kunstvollen Buchstaben auf dem Umschlag, der so völlig fehl in seiner zerkratzen Hand aussah.

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   So Nov 08, 2015 4:35 pm

Gutenbucht vergrößerte sich zusehends, es ging zügig voran, auch wenn der Zeitplan knapp bemessen war. Bald kämen die ersten Schiffe, neue Menschen und die müssten irgendwie untergebracht werden. Wenn sie zu langsam waren mussten eben Zelte herhalten, Nani sah es pragmatisch. Hauptsache man hatte ein warmes Dach über dem Kopf. Selbst wenn es aus Stoff war.

Sie hatte Gefallen daran gefunden beim Häuserbau mitzuhelfen. Nach den Wochen voller Zerstörung tat es gut etwas zu erschaffen, etwas aufzubauen. Etwas Sinnvolles zu tun. Es machte Spaß. Aber es gab auch andere Aufgaben. Vhenan war gerade eifrig dabei Holz für den Abend zu hacken. Für ein gemütliches Gemeinschaftsfeuer und auch für Heribas, damit er die Kessel zum Glühen bringen konnte. Diese Arbeit stärkte ihren Körper, gab ihr neue Kraft, die sie für das neuentdeckte Waffentraining brauchte und sie konnte ein wenig von der Wut loswerden, die sie noch immer mit sich herumtrug. Es war die bessere Alternative zu Prügeleien mit Seeleuten. Sie wollte niemanden verletzen, aber sie hatte hin und wieder Schwierigkeiten diesen Drang zu unterdrücken. Wamais Meditationsvorschläge waren alle an ihr abgeprallt. Sie war kein Mensch für untätiges Herumstitzen und... meditieren. Fehlte nur noch, dass er anfing Harfe zu spielen! Es beruhigte sie nicht, es machte sie nur aggressiv.

Auch wenn sich für Nani mittlerweile alles wieder normalisierte und zum Guten wandelte, blieben die Erinnerungen. Sie erinnerte sich mit erschreckender Klarheit an vieles. An Details, verstörende Momente, Schreie, Opfer, Tod und Qual. Sie hatte sich in einigen Momenten einigen ihrer Freunde geöffnet. Dann hatte sie sich aber schnell wieder verschlossen. Sie glaubte nicht daran, dass Worte irgendetwas ändern konnten. Wozu reden? Was sollte es nutzen? Wie konnten Worte die Bilder vernichten, die auftauchten, sobald sie abends die Augen schloss und einschlief? Bilder toter Augen, die anklagend zurückstarrten. Abbilder fremder und vertrauter Gesichter, verzerrt von Angst und Schmerz. Eberhart, Hans... die die Gondra zu Tode gefoltert hatten … Mira, die sie selbst umgebracht hatte... In ihren Träumen saß Nani allein auf der Anklagebank und fühlte sich schuldig, weil sie eine der wenigen war, die dieses Massaker überlebt hatte. Sie fühlte sich schuldig, daran konnte niemand etwas ändern. Ihr Kopf wusste, dass es nicht ihre Schuld war, aber dieses Wissen hatte ihr Herz noch nicht erreicht. Noch war sie nicht bereit es einzusehen. Sie war nicht frei.

Und sie verlor hin und wieder die Kontrolle, musste wieder auf den Boden zurückgebracht werden und es funktionierte nicht immer. Dann ging sie und wollte allein sein. Vhenan dachte nach, betrank sich wie gewohnt, bereute es neuerdings aber häufiger überraschenderweise, weil ihre Wachsamkeit, ihre Sinne dadurch beeinträchtigt wurden. Sie hatte Angst, dass sich wieder irgendwo ein Weltenriss auftat und die Drachkaod ihr Versprechen wahr machten. Dass sie sie fanden und zurückholten.
Erst gestern hatte sie sich eine blutige Nase geholt, weil sie mit einem Arbeiter aneinander geraten war. Sie war genervt gewesen, er hatte sie durch irgendetwas verärgert und schon hatten sie sich auf dem Boden gewälzt. Sie kannte den Kerl gar nicht... Ihre Nase schmerzte immer noch.

Der Mahzhak hatte ein Machtwort gesprochen und sie hatten sich beide fluchend gefügt. Es war nicht in Ordnung. Vhenan wusste das. Aber was sollte sie tun? Sie hatte in den letzten Monden so oft zugeschlagen... es hatte in Kelriothar kaum einen Effekt erzielt, die Soldaten hatte es nicht interessiert. Aber sie hatte Tyskke geschlagen. Einen Freund. Hier schlug sie Fremde... Was passierte hier mit ihr? Sie war nicht mehr sie selbst. Nani legte sich normalerweise nicht einfach mit irgendwem an, verteilte keine Faustschläge, weil irgendjemand etwas Falsches gesagt hatte... Sie teilte verbal aus und es steckte häufig nur sehr wenig dahinter. Was passierte hier?

Die Axt schwang, die Klinge traf ihr Ziel und der nächste Holzblock zerbarst in zwei Teile.
Auch die wurden zerteilt, bevor sich die kleine Naihlar sich das Holz auf die Arme lud und zur Feuerstelle trug. Auch Nani war verschwitzt, ihre Kleidung dreckig von der Arbeit, hier und da trug sie ein paar Kratzer, die harte Arbeit einfach mit sich brachten. Jemand, der nach einem Arbeitstag sauber war, hatte rein gar nichts geleistet.

"Machst du schon wieder eine Pause? Schönes Vorbild bist du.", nervte Vhenan Raûl von der Seite und grinste blöd vor sich hin. Sie hatte den Boten nicht gesehen und hätte ihn auch nicht als solchen erkannt. „Glotz nicht, mach!“, rief sie ihm zu und ließ das Feuerholz krachend neben der Feuerstelle auf den Boden fallen, wo sie es anschließend geordneter stapelte.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   So Nov 08, 2015 6:00 pm

"Hey!" machte Raûl zu Nani und zeigte auf den sich entfernenden Boten. "Ein bisschen mehr Respekt, ja?" und grinste dabei von Ohr zu Ohr. Dann fiel sein Blick wieder auf den Umschlag und schaute an sich herunter. Einen Moment lang überlegte er, wo er den güldenen Umschlag verstauen konnte, ohne dass er schmutzig wurde - ein sinnloses Unterfangen."Ach verdammte Axt!" fluchte er vor sich hin und stopfte den Umschlag unter sein Hemd.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   So Nov 08, 2015 6:10 pm

Hey, was? Nanis Augen folgten Raûls ausgestrecktem Arm und sahen dem Fremden hinterher. Er trug grüne Kleidung, aber sie sah nur noch seinen Rücken. Ihr Blick fiel fragend auf den Mahzhak zurück. Was hatte der denn jetzt wieder? Sie verstand nicht was er wollte.

Vhenan klopfte sich den Staub und einzelne Holzsplitter von der Kleidung und lief zu Raûl hinüber.
„Wieso? Wer war das?“ , fragte sie neugierig.
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   So Nov 08, 2015 11:36 pm

"Irgendso ein Hofknecht aus der Hauptstadt. Schicken die ihre Botschaften doch ernsthaft in goldenen Umschlägen? Also wenn sie es SO zuviel haben, können sie uns ruhig was abgeben." Raûl lachte herzlich und machte sich wieder an die Arbeit. Dieser Umschlag würde bestimmt bis zum Abendessen warten können. Hatte der Bote ja selbst gesagt...

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mo Nov 09, 2015 12:01 am

"Was?" Vhenan war perplex und gefror regelrecht in ihrer Bewegung. Sie tat für einen Moment lang gar nichts, hatte sogar kurzzeitig aufgehört zu atmen, und glotzte dem Boten nur dümmlich hinterher. „Aus der Hauptstadt?!“ Ihre Augen wuchsen deutlich sichtbar und es lag ein neuer Ausdruck darin. Furcht? „Oh.“, hauchte sie flüsternd und wirkte auf einmal noch kleiner als sie ohnehin schon war. Scheiße. Natürlich hatte sie auf eine Antwort gewartet und war ungeduldig gewesen. Die Kleine hatte hin und wieder unglücklich gewirkt, nervös, wütend, manchmal genervt, dann wieder entspannt. Vermutlich hatte es jeder auf die allgemeinen Umstände geschoben und nicht auf ein schlechtes Gewissen. Sie hatte noch keinem der Anderen etwas von ihrer geheimen Botschaft gesagt. Getan war getan, sie hatte keinerlei Einfluss mehr darauf. Sie wusste was sie getan hatte und auch sehr genau warum.

Ähm...“ Vhenan wirkte auf einmal furchtbar nervös, als sie Raûl musterte, und wusste nicht wohin mit ihren Händen. Sie war sehr selten nervös. Wirkte sie schuldbewusst? Wie jemand, der etwas verbockt hatte und sich vor einer Strafe drücken wollte. Aber der Mahzak schien sich gar nicht für den Umschlag zu interessieren.

Ja... UND?!“, keifte sie ihm regelrecht entgegen und lief hinterher. „Ist der Umschlag für dich? Oder....?“ Sie ließ den Satz unvollständig. Aber ihre Stimme verriet, dass sie etwas Spezielles erwartete. Sie war ein guter Kartenspieler, konnte bluffen und andere in die Irre führen, aber ihr Anliegen am Hof war viel zu groß, um es tatsächlich einfach verbergen zu können. Hier ging es um das Leben eines Freundes, ihre eigene Deckung war ihr egal.

War der Bote tatsächlich nicht der, den sie erwartete? Es war ganz offensichtlich nicht Tonar. Der trug kein grün und er wäre auch niemals einfach wortlos verschwunden. Er sollte ihr noch von der Hauptstadt berichten!! Wo steckte dieser Schwätzer überhaupt? Felszlach Bradach!

Hat er noch was gesagt? Ist der Brief von Scriptoria? Vielleicht...? Willst du ihn jetzt nicht lesen?“ Wie konnte Raûl bei einem goldenen Umschlag so ruhig bleiben?!
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mo Nov 09, 2015 12:45 pm

Raûl dachte sich im ersten Moment nichts bei, aber als Nani immer nervöser wurde, runzelte er die Stirn und musterte sie eindringlich. Die Junge Frau hatte viel durchgemacht und in den Wochen auf Kelriothars Folterbänken zwar durchgehalten, aber ihre Seele hatte Schiffbruch erlitten. Neome hatte Raûl beauftragt, sie im Auge zu behalten und das hatte er getan. Nani war vor einer guten Woche zu ihm gekommen, um im Kampf trainiert zu werden. Diese Gelegenheit hatte er gern genutzt, um ihrer Rastlosigkeit einen Fokus zu geben. So bekam sie langsam wieder etwas Deck unter die Füße, aber es war eine zerbrechliche Nussschale und mehr als einmal war sie in sinnlose Prügeleien verwickelt worden. Es war zwar noch niemand ernsthaft zu Schaden gekommen, aber das war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Sie musste dringend ihren inneren Kompass finden, bevor das alles ganz fürchterlich in die Hose ging.
Aber dass sie so nervös auf diese Nachricht reagierte war trotzdem ungewöhnlich.
"Laut Bote ist der Brief von der Hohepriesterin Larell und ist direkt an mich gerichtet. Erwartest Du eine Nachricht? Du siehst aus, als hättest Du ein Gespenst gesehen."
Raûl legte seine Hand auf die Stelle, wo der Umschlag unter seinem Hemd verschwunden war, machte aber keine Anstalten, ihn herauszuholen.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mo Nov 09, 2015 1:23 pm

Von Larell?“, wiederholte Vhenan leise, beinahe ehrfürchtig. Oh. Nani erinnerte sich noch daran, wie sie die Hohepriesterin ignorant angeschwiegen hatte, als die mit Rashid Händchen gehalten hatte. Das war eine der schlimmsten Gesten, die Vhenan aufbringen konnte. Mochte sie andere, dann ging sie ihnen auf die Nerven. Mochte sie die anderen nicht, ging sie ihnen noch mehr auf die Nerven. Ignoranz war pure Verachtung, aber leider für viele nicht offensichtlich, wenn man die Naihlar nicht kannte. Warum schrieb denn Larell jetzt? Hatte das nichts zu bedeuten? Konnte das ein Zufall sein? Vielleicht ging es um das Lehen, irgendetwas furchtbar Formelles, was man unter normalen Umständen in zwei Sätzen hätte regeln können. Aber was hatte Larell denn mit diesem Stück Land zu tun? Bradach! Was stand da drin? Sie wusste es nicht und genau das machte die kleine Naihlar so nervös. Vielleicht schrieb Scriptoria nicht direkt zurück, sondern hatte es irgendwie aus verschiedenen Gründen an den Goldenen Wagen weitergeleitet und jetzt kam eine Antwort über Umwege zurück. Bradach.

Vhenans Blick glitt schuldbewusst zu Raûl, dem sie jetzt wohl einiges erklären musste. Oder doch noch nicht? Vielleicht war der Brief harmlos. Aber was wenn nicht? Sie lief ein paar winzige Schritte auf und ab. Es hatte irgendwann so kommen müssen. Trotzdem wurde ihr gerade tatsächlich ein wenig flau im Magen.

Ich ähm.... ja, ich erwarte etwas....“, erklärte sie leise. „Vom Hof.... vielleicht ist das die Antwort.... vielleicht nicht.“ Sie hob zweifelnd ihre Schultern und ließ sie wieder sinken. „Ich würde es wissen, wenn du das dumme Ding lesen würdest.“, knallte sie ihm plötzlich aggressiver an den Kopf und lief wieder ein paar Schritte, bevor sie stehen blieb und Raûl zögerlich musterte.

Ich glaube ich muss dir etwas erklären...,“ sagte Nani vorsichtig. Ihr war nicht wohl dabei, nein, das war untertrieben, sie war nervös, ihr war übel und sie begann zu schwitzen. Sie wollte es dem Mahzhak nicht sagen. Das war viel persönlicher als der Brief an eine Fremde. In die Ferne. Sie konnte manchmal so ein verdammter Feigling sein.

Es gab... einige Dinge, die.... naja.... ähm....“, sie stammelte unsicher drauf los und fühlte sich in die Zeit zurückversetzt, als sie Mist gebaut hatte und es ihrem Vater beichten musste. Felszlach! Dann gab sie sich einen Ruck. Sie konnte nicht mehr herumstammeln, diese Konfrontation war unvermeidbar.

Ja, ich habe Sciptoria einen Brief geschrieben. Ohne es euch zu sagen. Das tut mir leid, aber.... ich wusste nicht was ich anderes tun sollte.... ich habe in der Feldkanzlei nicht alles.... nicht alles gesagt, was dort geschehen ist. Es gibt Dinge, die du nicht weißt, Dinge, die...“ Sie schüttelte den Kopf. „Schlimme Dinge. Ich konnte die Wahrheit nicht sagen, ohne einen Freund zu gefährden... also musste ich es irgendwie anders regeln.... Ich weiß nicht wie die am Hof mit solchen Dingen umgehen.... also... ich wollte euch da nicht mit reinziehen.“, gab sie zu und trat einen Schritt auf den Mahzhak zu.
Bitte. Lies den Brief.“, bat sie ihn eindringlich.


Zuletzt von Vhenan am Do Dez 03, 2015 6:44 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Raûl
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mi Nov 11, 2015 2:16 pm

Raûl merkte natürlich, wie zerissen Nani war. Ein Blinder und Stummer Eiserner hätte das bemerkt.
Kelriothar war der Grund. Es ging um etwas, was drüben geschehen war. Natürlich. Er hatte nicht beabsichtigt, sie durch das Nicht-Lesen des Briefes zu quälen. Er nickte Ihr zu und holte den Umschlag wieder hervor, der nun Schweißflecken hatte. Nachlässig öffnete er den Brief und las. Man konnte sehen, dass sein Auge langsam über das Papier kroch, manchmal bewegten sich seine Lippen bei einem schwierigen Wort und als ihm das auffiel, zog er verärgert eine Schnute und las weiter. Immerhin konnte er inzwischen Lesen, ohne mit dem Finger auf dem Geschriebenen nachzufahren. Was musste diese dumme Gemeinsprache auch von links nach rechts und nicht von oben nach unten geschrieben werden wie Cholodan. Als er geendet hatte, packte er den Brief wieder ein und schob ihn zurück unter sein Hemd.
"Die Nyame bittet mich um Auskunft, unser magisches Potential des Lehens zu benennen und bietet uns an, bei einem neugegründeten magischen Rat bei Hofe teilzunehmen. Es hat also nichts mit Dir zu tun, es sei denn Du bist Magier?" er grinste, wurde aber schnell wieder ernst.

"Es gibt Zeiten in Krieg und Not, da muss man Dinge tun, um zu überleben. Das musst Du mir nicht erklären, nur verweichlichte Landratten denken anders. Ich würde Dich nie für etwas verurteilen, dass Du getan hast, um diese Hölle zu überleben." Einen Augenblick lang dachte er kurz daran, was er schon alles getrieben hatte und schauderte kurz. Dann fuhr er fort:"Manche Dinge begräbt man besser tief in sich, andere Dinge wiederherum verlieren ihren Schrecken, wenn man sie mit anderen teilt. Melde Dich, bevor es Dich auffrisst." Er zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder seiner Arbeit zu.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mi Nov 11, 2015 7:01 pm

ENDLICH! Vhenan beobachtete Raûl dabei, wie er sich bequemte den Brief zu lesen, und lief ungeduldig ein paar Schritte um ihn herum wie ein Jäger, der seine Beute umkreiste. Warum ließ der sich wieder so lange bitten? Während er auspackte fluchte sie einmal leise.
Bei meinem Glück steht da jetzt sowas drin wie: Herzlich Willkommen im Reich, hier sind einige Regeln, haltet euch dran und macht keinen Unsinn!“, mutmaßte sie halbherzig, konnte aber selbst nicht darüber lachen. Nani wollte nicht, dass da blöde Regeln drin standen. Deshalb blieb die Kleine nervös und hoffte auf irgendeine Antwort. Sie umkreiste Raûl aufdringlich und verfluchte ihn innerlich dafür, dass er so langsam las. Selbst SIE konnte das mittlerweile schneller. Zumindest behauptete sie das gedanklich, damit sie besser auf ihm herumhacken konnte. Scriptoria hatte sicher nicht viel von ihren Rechtschreibkünsten und ihrer Ausdrucksweise gehalten.

Aber ihre Aufregung war umsonst, der Brief war leider tatsächlich für den Mahzhak. Nicht für sie.
Vhenan entspannte sich ein wenig, als die Erkenntnis darüber in ihren Verstand sickerte. Es ging um Magie? Im Ernst? Wie nervig!
Ich bin so magisch begabt wie ein toter Fisch.“, murmelte Vhenan trocken vor sich hin und war sichtlich enttäuscht, dass es um etwas so uninteressantes wie Magie ging. Es gab doch viel wichtigere Dinge!

Sie wirkte einige Momente unentschlossen, fing sich aber wieder, als Raûl erneut das Wort ergriff. Sie sah auf und musterte ihn erstaunt. Ehrliche Überraschung lag in ihrem Blick und ihr Körper entspannte sich zusehends. Er verurteilte sie nicht? Kein Stück? Obwohl er gar nicht wusste was geschehen war? Damit hatte Vhenan nicht gerechnet. In ihr breitete sich ein seltsames Gefühl aus, das sie noch nicht einordnen konnte. War es wirklich so einfach? War das richtig?

Mit diesen Fragen blieb sie allein zurück, als der Mahzhak sich wieder an die Arbeit machte. Hatte sie übertrieben? War dort tatsächlich alles erlaubt gewesen, um irgendwie zu überleben? Sah der Hof das genauso? Möglicherweise war dann alles gar nicht so düster, wie sie dachte. Aber es störte sie. Irgendetwas braute sich in ihrem Kopf zusammen und nachdenklich begab sie sich zurück zum Holzpflock und hackte weiter.

...

Raûl!“, tönte es einige Stunden später plötzlich aus dem Nichts heraus und Vhenan stapfte aufgebracht und zielgerichtet auf den Statthalter zu. Sie sah noch verdreckter aus als vor einigen Stunden, aber nicht weniger verwirrt. Vhenan schien unentschlossen zu sein, ob sie die nächsten Worte wirklich aussprechen sollte. Oder wollte. Sie hatte sie in dem Brief an Scriptoria bereits niedergeschrieben, aber persönlich darüber zu sprechen war schwieriger. Es einem Freund zu offenbaren war schwer. Was die Hofdame dachte, war ihr im Grunde egal, sie waren sich auf den ersten Blick nicht sehr sympathisch gewesen, warum sollte sich das jetzt ändern? Der Brief konnte Nani das Genick brechen und in jede Richtung explodieren... Scriptorias Antwort war damit genauso unberechenbar wie jedes Ritual das Chattras begann...

Aber Raûls Meinung war ihr wichtig. Als Freund, als Mahzhak... sie wusste ja selbst immer noch nicht, ob das, was sie getan hatte, richtig oder falsch war. Es war beides, sehr verworren und irritierend. Und langsam platzte die Naihlar, sie musste es jemandem sagen. Um ihr Gewissen zu erleichtern... und vielleicht auch, um endlich angemessen für ihre Tat bestraft zu werden. Die Wahrheit lag irgendwo dazwischen.

Wie kannst du mich nicht verurteilen?“, fragte sie ihn zusammenhangslos. In ihrem Kopf machte es aber sehr wohl Sinn.

Du weißt gar nicht was dort passiert ist! Was die mit uns gemacht haben, was wir tun mussten, um zu überleben! Einer muss das doch verurteilen und richten!“, fuhr sie energisch fort und musste sich offenbar Luft machen. Sie hatte den ganzen Nachmittag bei der Arbeit darüber gebrütet und ihre Verwunderung über so viel Akzeptanz war irgendwann in Unverständnis und Zorn umgeschlagen.

Nimmst du das einfach hin, weil es DORT passiert ist? Die Grondra hatte keine Gesetze und Regeln, WIR aber schon! Einige von uns haben Dinge getan, die für die wir hier vielleicht den Tod verdienen. Sind wir hier einfach davon befreit, weil wir dort keine Wahl hatten?“, polterte sie weiter und lief unruhig auf und ab. „Und was wenn doch? Wenn wir eine Wahl hatten und trotzdem für uns entschieden haben zu handeln?“, fragte sie kryptisch weiter. Es war schwieriger es auszusprechen als gedacht.

Verlust und Schmerz waren Vhenan nicht fremd, sie hatte ihre Mutter verloren, Freunde, Feinde und Fremde sterben sehen. Das war der Lauf der Dinge, überall herrschte Krieg und der Tod war ein fester Bestandteil des Lebens. Ihm konnte niemand entgehen. Einige holte er schneller zu sich, andere hatten mehr Zeit. Aber am Ende starb doch jeder irgendwann... Sie war weder blind noch naiv, nur jung und kaum aktiv in all die Kriege verwickelt worden. Dieses Mal war es für sie anders gewesen...

Du weißt wie viel ich von manchen Gesetzen und Regeln halte und du weißt, dass ich sie gerne so auslege, wie es mir am besten gefällt, aber selbst ICH weiß, dass manche Dinge unentschuldbar sind. Irgendjemand muss doch darüber richten! Sonst ist jedes Opfer, das gebracht wurde völlig wertlos!

Sie sah Raûl direkt an und schüttelte nur den Kopf.

Würdest du wirklich alles entschuldigen? Der Zweck heiligt die Mittel? Genau SO denken die Grauen doch! Die Dreckssäcke tun alles was notwendig ist. Alles! Ich weiß nicht mehr, ob wir ihnen wirklich gewachsen sind... Aber ich will den Krieg nicht gewinnen und dann SO sein wie die!
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Fr Nov 13, 2015 5:26 pm

Raûl hatte sich gerade gestreckt und gereckt, um seinem alt und müde gewordenen Rücken von  dessen übellaunigen dumpfen Schmerz zu erleichtern, da kam Nani auf ihn zu. Sie sah aus, als hätte Sie einen ganzen Wald gerodet und vielleicht war das ja auch der Fall gewesen. Sie hatte tatsächlich Schiffbruch erlitten, aber offensichtlich nicht wegen der Folter, sondern wegen den Dingen, die Sie getan hatte, um diese zu überleben. Was eigentlich Teil der Folter war, Teil des Tötens, Teil des Krieges - die Selbstentfremdung und der Selbstzweifel, die Abstumpfung. Raûl war aber keiner der Sorte, der sich deshalb in sein Schneckenhaus zurückzog - er tat, was getan werden musste. Er hatte die Lunte an Nanis Pulverfass gelegt. Es war an der jungen Frau gewesen den tröstenden Zuspruch anzunehmen und die Zweifel in sich zu begraben, oder aber sich dagegen aufzubäumen und endlich damit herauszurücken, was sie bedrückte. Sie hatte sich offensichtlich für Letzteres entschieden.

Er ließ sie erst mal mit Ihren Argumenten kommen und Ihre erste Breitseite abfeuern. Dann fixierte er sie ruhig und antwortete:"Zuerst mal: Du lebst noch und bist drüben nicht gestorben. Wenn Du drüben gestorben wärst, wäre deine Seele in Kelriothar gefangen worden und Du nun vielleicht einer der grauen, willenlosen Folterknechte, die eine andere, arme Sau zu Tode foltern. ALLES ist Besser als dieses Schicksal!" Das lies er ziehen und als er merkte, dass Sie Luft holen wollte um zu widersprechen, legte er noch einen nach:"Es ist unsinnig sich einzureden, dass manche Dinge, die geschehen sind, hätten vermieden werden können. Du wolltest nicht aus Mythodea nach Kelriothar entführt werden, Du wolltest nicht, dass man deinen Körper, deine Seele, deine Essenz foltert und entzieht. Ob aus reiner Verzweiflung oder aus gründlicher Überlegung - Du hast dort vor Ort so entschieden und Du hattest Erfolg, denn DU LEBST! Es ist unsinnig, diese verschwommene Verkettung aus TUN und HABEN in ein HÄTTE, TÄTE, VIELLEICHT und WENN zu zerlegen, denn so funktioniert das nicht. Eine Kleinigkeit anders im falschen Moment und Du wärst drauf gegangen."

Er sah, dass Nani das so nicht stehen lassen wollte, ließ sie aber nicht - noch nicht - zu Wort kommen und kam zu dem relevanten Teil:"Viel wichtiger ist, wie Du Jetzt und Hier unter Menschen... unter Freunden handelst. Ich gebe Dir recht: Wenn Du jetzt so weiter machst, Dich unmenschlich verhältst, dann bist Du nicht besser als SIE. Aber Du kannst hier Mitgefühl zeigen, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Freude, all die Dinge, die Sie von Dir stehlen wollten, die sie selbst nicht besitzen. Dann hast Du sie überwunden und besiegt, in doppelter, sogar in jederlei Hinsicht!"

Er hatte sich in Feuereifer geredet, aber wurde wieder ruhig:"Und jetzt sag endlich, was Du getan hast. Ich verspreche Dir, ich werde Dich angemessen anschreien und im Waffentraining grün und blau prügeln. Im Anschluss betrinken wir uns und dann begraben wir diesen BRADACH."

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Fr Nov 13, 2015 8:48 pm

Raûl hatte keine Ahnung was er Vhenan gerade an den Kopf knallte, wie treffsicher er das Problem ansprach ohne es zu wissen. Sie erschauderte bei dem Gedanken und lief aufgebracht vor ihm auf und ab. Sie selbst war am Leben, aber.... es fühlte sich nicht richtig an. Weil es etwas gab, dass ihren 'Sieg' nur bitter und wertlos erscheinen ließ. Nani wirkte tatsächlich getroffen von dieser Breitseite, die sie herausgefordert hatte. Der Mahzhak hatte in seinem Leben als Söldner sicher einige Leben genommen.... wenn jemand wusste, wie man damit umgehen musste, dann doch er. Wen sollte sie sonst fragen? Revan? Arden? Nein. Die anderen Krieger hier waren nicht ihre erste Wahl. Sie wollte die Meinung eines anderen Naihlar, in dieser Hinsicht waren sie sehr kulturell verbunden.

Es ist nicht alle bes-!“, warf sie in Raûls Satz hinein, bevor sie abbrach und ihr vorlautes Mundwerk hielt, um ihm zuzuhören. Hin und wieder musste man bei ihr einfach den Hammer herausholen und ihr den Mund verbieten. Das war der Mahzhak ja schon gewohnt und er hatte Erfolg. Das änderte aber nichts daran, dass sie innerlich laut protestierte und man es an ihren Gesichtszügen sah!

Es geht nicht um mich!“, warf sie irgendwann wieder dreist ein und wanderte zornige kleine Schritte umher. Bradach! Es war ihre eigenes Handeln, dass die junge Frau störte. Alles was die Grauen ihnen angetan hatten, war deren Werk gewesen... sie wusste es. Auch die zweifelhafte Nahrungsaufnahme war... es war brutal, furchtbar und barbarisch gewesen und nichts woran sie jemals zuvor gedacht hätte... aber sie hatte keine Wahl gehabt... und so abgestumpft es klingen mochte: Die Opfer waren längst tot gewesen. Wenigstens das war ein Trost. Auch wenn jeder von ihnen gewusst hatte, dass er irgendwann genauso enden würde... Vielleicht war das ein Teil, den sie in sich begraben und nie wieder ansprechen sollte. Darüber konnte sie nicht reden und wollte es auch nicht. Sie würde Scriptorias Antwort abwarten und dann... irgendetwas entscheiden. Aber das konnte der Statthalter nicht wissen, weil sie tatsächlich schwieg und ihm zuhörte.

Alles was Raûl sagte war richtig. Wenn sie jetzt aufgab hatte sie rein gar nichts gewonnen. Trotzdem erschien es ihr falsch. Nani kämpfte mit sich selbst und riss andere nur in diese Gewalt mit hinein. Das Angebot sie grün und blau zu schlagen klang ziemlich verlockend...

Ich versuch's.... aber.... ich weiß nicht wie. Wir konnten unser Mitgefühl dort nur mit Gewalt zeigen.“, sagte sie leiser und ruhiger. Es klang absurd. „Dort gab es nichts außer Gewalt und Schmerz.... die haben uns vollkommen zerstört... am Anfang dachte ich auch, dass Überleben mein einziges Ziel wäre... irgendwie da rauskommen und abhauen. Ich habe gekämpft so gut es ging. Aber ich hab nur überlebt, weil die anderen mir geholfen haben. Allein hätte ich es nicht geschafft... Und als ICH jemandem helfen wollte.... war ich machtlos.... Überleben um jeden Preis?... das ist es nicht wert.“, sagte sie stur und musterte den Mahzhak ernst und kälter als gewohnt. Es lag ein neuer Ausdruck in ihren Augen, in ihrer Haltung. Ihre Leichtigkeit schien sie verloren zu haben. Vielleicht vorübergehend, vielleicht ganz. Vielleicht hatten die Grauen doch gewonnen. Nani schwankte wie drei Segel im Wind und es war nicht abzusehen welchen Kurs sie am Ende einschlagen würde. Nicht wenn sie selbst nicht wusste was sie wollte, was richtig und falsch war. Sie hatte versucht die Drachkaod zu bekämpfen und hatte verhindern wollen, dass sie ihren Kern zerstörten. Horai. Vielleicht hatte sie versagt und doch einen Teil von sich verloren. Ihr Kompass war kaputt.

Ich weiß nicht wie ich da rauskomme... ich kann nicht... ich kann jetzt nicht loslassen.... wenn ich loslasse gibt es kein Zurück mehr für mich. Wenn ich loslasse kann ich nicht mehr weiterkämpfen.“, gab sie mühevoll zu, leise und am Ende mit gebrochener Stimme. „Es ist nicht vorbei... sie haben gesagt sie kommen wieder... ich weiß, dass sie es können... und selbst wenn sie es nicht tun... gibt es - Ich muss auf die Antwort vom Hof warten. Solange das nicht geklärt ist, bin ich in diesem Reich weder frei, noch sicher. Und ihr könnt nichts tun, um das zu ändern.... Gestern... habe ich mich mit dem Kowa geprügelt, weil... weil es in Kelriothar eine gute Entscheidung gewesen wäre... es ist dumm.... ich hab.... ich hab mich nicht mehr unter Kontrolle.... “ Sie schüttelte erneut den Kopf und lief ein paar langsame Schritte. „Ich habe niemals so viel Hass gespürt wie an diesem Ort...
Er brannte noch immer in ihr wie ein offenes Feuer, das jeden verletzten konnte, der ihm zu nah kam.
Wo soll ich damit hin?... Die, die ihn verdienen sind nicht hier...“, stellte sie nüchtern fest. Sie konnte sich doch nur an den falschen Stellen entladen.

Ich wollte dort überleben, natürlich! Und ich wollte mich nicht selbst umbringen, wie ein paar andere. Ich hab kurz drüber nachgedacht, als es zu schlimm wurde, aber... es war niemals ernst gemeint. Ich wollte, dass die sich verdammt nochmal wirklich anstrengen! Ich bin denen so gut wie möglich auf den Sack gegangen. Aber... ich weiß nicht, ob ich alles getan hätte, um zu überleben... ich will nicht so sein wie die. Ich wäre lieber gestorben, wenn ich mich verloren hätte.... aber jetzt weiß ich nicht, ob das nicht doch passiert ist... Du warst nicht da... Ein Dreckssack von uns hätte jeden eiskalt geopfert, um seinen eigenen Arsch zu retten! Dieser bescheuerte Kerl wollte tatsächlich ein Geschäft abschließen! Mit DENEN! Informationen gegen seine Freiheit. Dieser Rulsack hatte es auch noch geglaubt!“ Nani schüttelte immer noch fassungslos den Kopf. Sie hatte selbst im Kerker über so viel Dummheit gestaunt, alle Warnungen waren an dem Kerl abgeprallt. Es gab unglaublich viele Holzköpfe, aber dieser Drachkao führte ihre Liste gerade unangefochten an. Sie wusste nicht einmal wie er geheißen hatte. Und er war auch kein Verlust.

Ich weiß nicht wie man so dumm sein kann! Er hat es wirklich geglaubt... Als ob die ihn hätten gehen lassen!“ Sie tippte sich gegen die Stirn. Dann lief Vhenan langsamer weiter und setzte sich am Ende auf den Boden. Ihr Körper war müde und sie war bereit zu reden.... sie musste es endlich loswerden. Und ihre Beichte war keine Angelegenheit, die sie in ein paar Worten herausbrüllen konnte.

Er hat jeden einzelnen von uns verraten und geopfert.... hätte ich das auch tun sollen? Wäre das für dich vertretbar gewesen?“, fragte sie provokant. „Ist mein Leben mehr wert als das der anderen? Das habe ich nie so gesehen! Tyskke war im Kerker selbst schon halb tot und wollte mich schützen. Der kannte mich gar nicht! Und als er mich kennengelernt hat, sind wir ständig aneinandergeraten. Ich wette er hat mir insgeheim mehrfach die Pestilenz an den Hals gewünscht!... Mit Recht.“ Jetzt musste Vhenan doch leicht grinsen. Sie wusste selbst wie sie sein konnte. Und sie hatten diese Konflikte gebraucht. Beide.

Er war ein Arsch, ich war ein Arsch und als die mich holen wollten, hat er mich trotzdem geschützt... er hat es nicht geschafft, aber er hat es versucht... Er hat es mit aller Macht versucht!
Nanis Stimme bebte bei der Erinnerung daran. „Ich glaube wir wissen beide nicht, ob wir uns mögen oder hassen... wir waren beide Idrasheashoch. Wir haben Turyia verrückt gemacht, weil sie dann schlichten musste und... wir sind auch Rashid mit unseren blöden Streitereien auf die Nerven gegangen... aber so haben wir überlebt.

Diese Dynamik hatte sie aufrecht gehalten. Sie alle. Die meisten von ihnen hatten gewusst, dass sie allein verloren waren.

Tyskke wollte seine Frau beschützen. Jeden dort! JEDEN! Ich wollte es auch... aber ich war vollkommen unfähig....“ Nani hob hilflos die Hände und wusste nicht, wie sie überhaupt überlebt hatte. Sie war bis auf den Ausbruch zu nichts zu gebrauchen gewesen. „Ich dachte ich hätte in den Tavernen ein bisschen was gelernt... ich dachte ich könnte mich allein schützen... hier kann ich es ... aber nicht dort. Nicht vor denen. Ich war... ich konnte denen gar nichts entgegensetzen... ich hab zugeschlagen, es hat sie nicht interessiert. Also hab ich härter zugeschlagen. Die haben nur kurz gezuckt und dann... das hab ich nicht erwartet...“, gab sie zu. Mit richtigen Soldaten hatte sie nie gekämpft. Nicht bis zum Tod. Sie war ein Jäger, kein Soldat. Spaß und Herausforderungen trieben sie an, nicht rohe Gewalt.

Ich hab... ich hab mich aus freiem Willen von den Drachkaod zusammenschlagen lassen, weil ich gehofft hatte, dass sie Mira dann in Ruhe lassen... das hab ich nicht geplant, es war... ich hab es einfach getan... beim dritten Schlag hab ich es bereut und mir gewünscht es nicht getan zu haben,“ offenbarte sie ehrlich. Der Mut oder Übermut hatte sie irgendwann verlassen.

Ich dachte ich könnte ihr helfen... es sah danach aus... Aber als ich in meinem eigenen Blut gelegen hab, haben sie sie trotzdem geholt und... als sie wiederkam... sie.... die haben uns völlig vernichtet.... egal was wir getan haben. Überleben... überleben allein reicht nicht.“, behauptete sie ernst und meinte es tatsächlich so. „Wir konnten uns nur gegenseitig schützen, wenn wir auf sie losgegangen sind... und jedes Mal wenn einer von uns halbtot wiederkam konnten wir ihm nur helfen, indem wir ihm wehgetan haben... Tyskke hat mir zweimal die Schulter wieder eingerenkt.... ich dachte jedes Mal er reißt mir den Arm aus... es hat genauso geschmerzt wie in dem Moment, als ich dachte dass der Graue mir den Arm gebrochen hat... DAS war die Hilfe, die wir jedem anbieten konnten... Knochen einrenken, richten, Wunden verbinden. Das war alles... Mehr gab es dort nicht.

Ihr Prügelverhalten war im Grunde nur der Versuch die Aufmerksamkeit von jemand anderem abzulenken, war in dieser Welt keinen Sinn mehr machte. Unterdrücken konnte sie diesen Impuls trotzdem nicht.

Was ich getan habe ist... ich hab....“ Nani zögerte immer noch und musste sich bewegen. Sie rutschte unruhig auf dem Boden in den Schneidersitz und fuhr sich wirsch über die Augen.

Hast du schonmal jemanden umgebracht?“, fragte Nani leiser und sah dem Mahzak aus gutem Grund nicht in sein gutes Auge. Ihre eigenen würden sie verraten. „Ich meine nicht im Kampf. Wenn ich angegriffen werde und der Feind es auf mein Leben abgesehen hat würd' ich auch jemanden umlegen... früher vielleicht nicht... ich wäre vermutlich einfach getürmt und hätte mich aus dem Staub gemacht... hätte ihm vielleicht das Bein verletzt, um ihn langsamer zu machen... irgendwie aufgehalten ohne ihn umzubringen... ich weiß nicht... jetzt seh ich das anders. Ich hätte gerne einige der Drachkaod umgelegt... ich hab's versucht, aber sie waren alle zu stark...“ Nani seufzte und sah zu Boden. Es war so verdammt leicht gewesen jeden Kan zu hassen. So verdammt einfach und jetzt wusste sie nicht wohin mit diesem ganzen Hass.

Ich meine ob du... jemanden bewusst umgebracht hast. Jemanden, der dich nicht angegriffen hat... jemanden, der nur dalag und sich nicht wehren konnte... und es auch nicht wollte...“ Ihre Stimme wurde leiser. „Nicht nur die waren Monster. Ein paar von uns sind auch welche geworden...

Sie schwieg einen Moment und sah entschlossener auf. Sie wollte, dass Raûl sie anschrie oder verprügelte. Oder beides. Weil sie es verdient hatte.
Ich habe dort jemanden umgebracht. Einen von uns. Obwohl ich genau wusste was passiert.... es war... das erste Mal, das ich getötet habe.... und dann ausgerechnet dort... ohne Seelenstein... DAS war mein Mitgefühl...“, sagte sie bitter. „Ich musste es nicht tun, um zu überleben...

Vhenan sah Raûl direkt in sein gesundes Auge. Sie wollte, dass er ihr sagte, dass es falsch gewesen war. Denn das war es.

Ich hab mich für Mira zusammenschlagen lassen und ein paar Tage später hab ich sie eigenhändig umgebracht... und ich weiß nicht... ich weiß nicht, ob es nicht doch einen Weg gegeben hätte, um ihr anders zu helfen.

Der Glanz in ihren Augen schwoll an und erste Tränen rannen über ihre vernarbte Wange. Vhenan verschränkte nur die Arme, machte sich noch kleiner und versank wieder in Gedanken. Ihr war heiß, dann wurde ihr kalt... wieder heiß... sie wusste nicht was sie fühlen sollte und wie sie sich wieder unter Kontrolle brachte.
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Do Dez 03, 2015 4:58 pm

Raûl hörte Nani zu und was sie endlich herausließ deutete an, dass es schlimmer gewesen war, als sie in der Feldkanzlei angegeben hatte. Viel schlimmer. Überleben um jeden Preis? Das war natürlich eine schwere Frage. Er wusste, dass Menschen viel taten, wenn es um das nackte Überleben ging. Er selbst hatte schon viel getan, auf dass er nicht stolz war. Aber er war in der Welt der Gewalt aufgewachsen, mit 11 an Bord eines Hochseeseglers, mit 13 zum ersten Mal auf einem Kaperer.

Nani wusste nicht wohin mit der Gewalt, welche – beschützt wie sie offensichtlich gewesen war – erst ihre Zuflucht und dann Ihr Fluch geworden war. Und die Angst vor der Hilflosigkeit und die Angst davor, dass es wieder geschehen konnte. Raûl war klar, dass diese Angst und Gewalt richtig gelenkt die Werkzeuge waren, um aus Nani eine echte Kriegerin zu formen, so wie die Glut das Eisen aufweicht und der Hammer eine Klinge formt. Aber er war sich nicht sicher, ob das der Weg war, des sie beschreiten sollte, denn es war ein harter und unbarmherziger Weg und viel des guten Lebens ging dabei verloren.

Sie sprach von Hass auf ihre Peiniger und wie wenig es Ihr geholfen hatte, weil sie so unüberwindbar schienen. Und vom Hass auf sich selbst, weil sie eine der Gefangenen getötet hatte, die sie zuvor immer zu schützen versucht hatte. Im vollen Bewusstsein, dass deren Seele ohne Seelenstein in Kelriothar gefangen war, vielleicht in alle Ewigkeit. Das war neu. Raûl versuchte seine Mimik unter Kontrolle zu halten, aber Nani weinte jetzt völlig ungehemmt und sah im Tränenschleier ohnehin nichts. Innerlich zählte er auf drei, um selbst wieder etwas ruhiger zu werden, dann fragte er sie:“Du sagtest aus Mitleid. Hatte sie Dich darum gebeten?“

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Do Dez 03, 2015 8:46 pm

Vhenan nickte stumm auf Raûls Frage. Ja. Sie brauchte einige Momente, um sich zu sammeln und atmete einmal tief ein, um ihre Stimme wieder zu finden.

„Ich wusste nicht, dass ein Körper so schlaff sein kann... ich habe das vorher nur gesehen, nie gespürt... ich hab sie gehalten, als sie...“ Nani machte eine vage Geste. „Es war anders als ob jemand in deinen Armen schläft... es war... ich hab kein Leben mehr gespürt... das kann ich nicht beschreiben. Ich hab gefühlt, dass etwas fehlt....“ erklärte Vhenan auf dem Boden sitzend und mied wieder direkten Augenkontakt mit dem Mahzhak. Vhenan war an innere Orte gelangt, an Abgründe, die sie nie zuvor wahrgenommen hatte. Sie hatte nicht gewusst, dass es in ihr so dunkel sein konnte.
Mira wusste, dass sie nicht mehr lange durchhält, sie wusste, dass sie keine Chance hat. Ich glaube sie war jünger als ich... aber sie war größer. Keine Kunst.“ Ein mildes Lächeln legte sich für einige Wimpernschläge auf ihre Lippen. Die Naihlar wusste noch genau wie die andere Frau ausgesehen hatte. Das würde sie nie vergessen. Niemals.

Sie kam irgendwo aus dem Norden...
Automatisch griff Vhenans Hand nach dem Ring aus Türkis um ihren Hals.

Sie wollte sterben... ich hab versucht es ihr auszureden, ich hab... erst hab ich sie dafür angefahren, dass sie so schnell aufgibt. Dann hab ich sie angefleht genau das nicht zu tun... ich wusste nicht wie ich sie überzeugen sollte.... ich konnte es nicht. Sie hatte keinen Seelenstein.. und es war ihr egal. Sie wollte nur sterben und nichts mehr spüren. Ich dachte immer... ich dachte immer diese Geschichten seien übertrieben, aber... sie wusste, dass sie sterben würde. Sie hatte diesen speziellen Ausdruck in den Augen. Diesen einen. Die Gewissheit, dass es keine Rettung gibt.

Nani ließ ihren Blick schweifen und sah unfokussiert in die Ferne. Sie fragte sich, ob sie ihn selbst zu einer Zeit getragen hatte.

Sie hatte längst aufgegeben. Ich konnte nichts tun, um sie zu überzeugen. Wenn doch.... habe ich den Weg nicht gefunden.... Es haben so viele aufgegeben... Tyskke wollte, dass wir uns alle umbringen... um denen nichts mehr sagen zu können... sogar Eberhart hat es versucht... ein beschissener Löwengardist! Ich dachte dort er sei ein Feigling... dass die Garde besser und stärker sein müsste... jetzt tut es mir leid... es war falsch... es war nicht seine Schuld, er hatte einfach genug... genau wie Mira... Ich musste mich entscheiden, ob ich ihr helfe, oder es lasse.... Ich weiß nicht, ob es wirklich eine Rolle gespielt hat... Sie hatte sich längst entschieden. Ich glaube sie hätte sich auch allein umgebracht... Aber sie wollte nicht allein sterben.

Konnte man ihr das verübeln? Dort allein zu sein war ein Albtraum gewesen. Und zu sterben war... ein Weg, den niemand von ihnen kannte. Der letzten Schwelle war Nani im Kollektor immer näher gekommen, als sie ihr Sekhem gestohlen hatten.. aber sie hatte diese Grenze nie überschritten. Leider? Zu ihrem Glück? Vielleicht wäre es besser gewesen dort gestorben zu sein. Ihr ging es noch immer nicht gut. Aber ihr ging es besser als manch anderem.

„Ich konnte sie verstehen... ich dachte dort ständig ich würde sterben... Im Kollektor... oder als sie mich verprügelt haben... ich dachte ich wach irgendwann einfach nicht wieder auf.... dass es irgendwann vorbei ist... Allein zu sterben ist scheiße...

Jetzt musterte sie den Mahzak für einen Moment, um zu erspähen, wie er über das Gesagte dachte. Er hatte als Soldat getötet, aus verschiedenen Gründen. Vhenan hatte es akzeptiert. Manchmal musste man töten. Das hatte selbst ihr Vater gesagt und der... war ein sehr friedlebender Mensch. Es war jetzt tatsächlich etwas anderes, weil sie es selbst getan hatte.
Vhenan suchte rastlos eine andere Sitzposition. Im Grunde rutschte sie aber nur auf dem Boden herum und saß genau wie zuvor da.

Wir waren dort oft zusammen... vielleicht weil wir beide jünger waren als die anderen... ich mochte sie... Ich hätte das niemals getan, wenn nicht... wenn es nicht so schlimm gewesen wäre... Sie hat mich gebeten bei ihr zu bleiben, ihr dabei zu helfen sich umzubringen. Sie wollte nicht mehr... und ich war... ich wusste nicht was ich tun soll... ich konnte nichts tun.... außer... ihr dabei helfen... am Ende hab ich ihr diesen Schritt ganz abgenommen... ich hab... ich hab sie umgebracht...

Es ein weiteres Mal auszusprechen machte es nicht einfacher. Vhenan sah auf ihre Hände hinab und sah dort immer noch das getrocknete Blut, das nur in ihrem Kopf da war.

Mit einem Haizahn...“, flüsterte Vhenan leise und gab im nächsten Moment einen trockenen, abfälligen Lachlaut von sich. „Mit einem verdammten Dreckszahn!... Die haben uns alle Waffen abgenommen. Wir hatten nichts mehr... erst haben sie die Dietriche in meinem Schuh nicht gefunden, nur deswegen konnten wir überhaupt fliehen. Vielleicht hätt ich die Tür auch so aufbekommen... keine Ahnung.. vielleicht... aber... es war eh umsonst. Selbst wenn wir unsere Waffen gehabt hätten... wir hätten nie eine Chance gehabt. Nie. Selbst die Krieger konnten nichts ausrichten... keiner unserer Soldaten... Wir konnten nicht einmal betrügen... das war kein Spiel mehr... Wir konnten gar nicht gewinnen...

Es war ungewohnt gewesen. Nani gewann nicht immer mit ehrlichen Mitteln, aber sie gewann. Oder ließ es wenigstens so aussehen und behauptete es großkotzig. In Kelriothar war ihr in Erinnerung gerufen worden wie es war auf der falschen Seite des Spieltisches zu sitzen.

Mira wollte...
Als sich das Bild der geschundenen Frau vor ihrem Inneren Auge auftat, fuhr sich Nani wirsch über das Gesicht. „Sie hatte so viele Wunden... ihr Bein war gebrochen... ihre Rippen, sie... konnte kaum atmen... wir haben den Knochen im Bein wieder zurückgeschoben und sie wollte irgendwann, dass ich... dass ich die Wunde wieder aufreiße, damit... damit sie verbluten kann. Dabei war ich froh, dass es endlich aufgehört hatte zu fließen.... ich hab es am Ende anders gemacht.... sie hat es kaum gespürt. Ich wollte ihr helfen, aber.... was sollte ich tun? Ich wollte sie nicht umbringen... ich hab wieder gezögert.. obwohl ich für sie hätte stark sein müssen... wenigstens einen verdammten Moment lang..... du hast sie nicht gesehen... sie war so verletzt und... sie hatte mehr Angst vor denen als vor dem Tod.... vor dem Nichts. Ich hab... ich hab einen Zahn aus meiner Kette gerissen und ... du weißt wie scharf die Dinger sind.“ Sie waren genauso gut wie jede Klinge, durchschnitten Haut als wäre es Seide.

Ich hab ihre Adern an den Armen durchtrennt. Es ging schnell. Sie hat kurz gezuckt und dann war es vorbei... sie hatte vorher schon so viel Blut verloren... sie ist... eingeschlafen... ich wollte ihr nicht wehtun... ich hab sie im Arm gehalten... ich hab versucht irgendetwas... zu tun...
Vhenan holte einmal tief Luft, um weitersprechen zu können. Weitere Tränen rannen ihre Wangen hinab.

Sie hat sich bedankt...“ Nani schüttelte einmal mehr den Kopf. „Sie hat sich dafür bedankt, dass ich sie umbringe... sie hat gelächelt... das war so falsch... so verdammt falsch...“ Sie machte eine schwammige Bewegung mit dem Arm, wusste nicht was sie eigentlich sagen wollte. Vhenan hatte sich entschieden. Sie hatte es getan.

Ich hab ihr gesagt, dass sie jetzt frei ist... keine Schmerzen mehr spürt... dass die Soldaten ihr nichts mehr tun würden. Dass sie dort... in Sicherheit sei. Ich habe ihr eine Geschichte erzählt, während sie eingeschlafen ist... ich dachte es sah bei ihr vielleicht aus wie bei uns im Nordgebirge... ich habe einfach irgendwas erzählt.... und irgendwann... hat sie nicht mehr geatmet.

Nani senkte den Blick und sah stumpft auf ihre verdreckten Schuhe.

Es war vorbei.... für sie.... ich wusste genau was da passiert... sie wusste es auch... sie hat sich geopfert. Sie war von uns allen in diesem Moment die schwächste, diejenige, die als nächstes sterben würde... sie hat sich freiwillig geopfert, um uns anderen mehr Zeit zu verschaffen... weil.... hin und wieder musste dort jemand sterben... du willst nicht wissen warum... sie hat sich geopfert. Allein dafür hätte sie von uns allen am ehesten verdient zu leben. Sie war viel besser als wir... besser als ich.

Nur Vhenan wusste, was danach alles geschehen war. Sie wusste noch viel mehr als sie Raûl sagte. Mehr wollte ihre Lippen aber nicht verlassen.

Ich hab nach.... nach ihrem Tod lange bei ihr gesessen. Sie sah nicht mehr aus wie sie selbst... ihre Hand war... sie fühlte sich falsch an... völlig fremd. Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal so lange geheult hab...

Normalerweise würde sie das nicht zugeben. Seeleute flennten nicht einfach, das war undenkbar. Sie hatten etwas ins Auge bekommen, oder ihre Augen schwitzten, die Sonne blendete... man heulte nicht herum wie ein Banishosha! Aber hier machte Vhenan eine Ausnahme. Dieser kleine Moment der Schwäche blieb zwischen ihnen.

Es ist ewig her... Ich hab es in dem Moment nicht mehr ertragen. Ich weiß nicht mehr genau was dann passiert ist... ich glaub ich bin ausgerastet, irgendwann kam ein Kan, den ich verdreschen wollte... ich hab auf ihn eingeschlagen und er stand nur da, hat wie immer kein verkacktes Wort gesagt und … und... dann hat er zugeschlagen... ich glaube ich war nach dem ersten Schlag am Boden und ohnmächtig... als ich wieder zu mir kam war Mira weg...

Nani wusste ganz genau was danach mit Miras Körper geschehen war. Aber sie sagte es Raul nicht und würde es auch nicht tun. Das war etwas anders. So unmenschlich, dass die Kleine nie einen Gedanken daran verschwendet hatte. Vielleicht würde sie nie wieder ein Wort darüber verlieren was mit den Toten geschehen war. Sie würde sich der Entscheidung des Hofes fügen. Der Kapitän entschied was die Mannschaft wissen musste und was nicht. Und sie war froh darüber diese Entscheidung abgegeben zu können.

Ich... ich bereue, dass ich sie getötet hab... dass ich ihr nicht anders helfen konnte. Und dann wieder bin ich mir sicher, dass es besser für sie war... ich weiß es nicht.
Es war verwirrend. Keine Antwort war gut genug.

„Ich wünschte sie hätte einen Seelenstein gehabt, dann hätte ich einen Teil von ihr retten können... aber wir hatten alle keinen... kaum jemand. Ein Kerl hatte einen, aber... er kam nicht mehr zurück und... wir kamen nicht an den verkackten Stein. Felszlach, hm? Ich hab Chattras damals noch blöd von der Seite angemotzt, als er einen haben wollte. Ich hab es viel zu locker gesehen... mir war meine Aufgabe als Wächter bewusst, ich bin den Vertrag nicht blind eingegangen, aber ich habe niemals damit gerechnet, dass er tatsächlich sterben könnte... oder das ICH einmal ohne Absicherung in so eine Lage komme.... wenn ich dort verreckt wäre...“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich wär verschwunden... einfach so... so wie Mira jetzt verschwunden ist.

Nani spielte wieder mit dem Ring um ihren Hals, neben dem ihr eigener, noch frischer Seelenstein hing. „Das ist ihrer.... Miras Ring. Das war so gut wie alles, das sie bei sich trug. Sie hat gesehen, dass ich Mallo mag... und sie hat ihn mir gegeben, damit... damit ich sie nicht ganz vergesse. Damit noch irgendetwas von ihr übrig bleibt... aber es ist nur ein blöder Ring... nichts, was wirklich von Bedeutung ist.
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mi Dez 09, 2015 6:15 pm

Raûl hörte wieder zu und ließ Nani reden. Und wie sie erzählte vom Tod und Mord, da tauchten auch die Geister seiner Vergangenheit wieder auf. Oh ja, er hatte auch getötet. Viel zu jung – aus Notwehr, im Kampf, aber auch aus anderen Gründen. Weil es alle so machten, aus Routine und dann einfach so, weil er sich einen Vorteil verschaffen wollte. Und da konnte er sie wieder hören, die Stimme der Toten in seinem Hinterkopf, wie sie fluchten und schrien und ihn anklagten. Aber er hatte sich von diesem Weg abgewandt, sich bewusst dagegen entschieden.

“Ja aber nicht, weil Du so ein guter Mensch bist, sondern weil du die Hosen voll hattest!“ drängte sich die kratzige Stimme von Ûdu in den Vordergrund, und er konnte dessen Gesicht vor seinem inneren Auge sehen, ein höhnische Grinsen auf seinem hässlichen Gesicht. So wie er immer in seinen Alpträumen gewesen war, in jedem Alptraum der letzten 20 Jahre. Ûdu, den Ochsen, hinterrücks niedergeschlagen und dann ab über die Reeiling, ganz ohne Spuren. Wegen eines Streites bei der Verteilung der Beute, wegen einer Nichtigkeit. Da war Raûl gerade einmal 18 gewesen. Seither meldete sich Ûdu bei ihm, bedankte sich hämisch für den Heldentod, den er ihm geschenkt hatte. Immer wenn Raûl seine innere Deckung fallenließ. Da war ihm klar geworden, dass er die Kaperei aufgeben musste.

“Ach waaaas, das war es nicht gewesen!“ gröhlte Ûdu lachend in seinem Verstand.
“Das Auge haben sie dir rausgeschlagen und deswegen hast Du gekniffen, Du feige Sau! Zu spät! Viel zu spät!“
Vor seinem inneren Auge beschwor Raûl eine massive Steinmauer, die Udû Erscheinung umschloss und wuchtete dann eine schwere Steinplatte davor, um ihn einzuschließen. Die Litanei aus Spott und Beschimpfungen riss ab, als die Platte das Loch mit der Fratze Ûdus darin mit einem schweren Knallen verschloss, eingesperrt an dem finsteren Ort, der sein Gewissen war. „Mauer sie ein, wenn sie dich nicht schlafen lassen. Sie brechen zwar immer wieder aus, aber mit der Zeit bekommst Du den Bogen schon raus.“ diesen Trick hatte ihm sein alter Ausbilder verraten.

Nani saß vor ihm, weinte und hielt den Ring in den Händen, der einst Mira gehört hatte. Er berührte sie an der Schulter und sprach heißer:“Du hast aus Gnade gehandelt. Sie hat Dich darum gebeten, weil sie selbst keine Kraft oder keinen Mut aufbrachte. Du hast Barmherzig gehandelt, weil der Tod schnell und ohne Schmerzen war. Das sind deutlich bessere Motive als die der meisten Menschen, die einen anderen Töten. Du hast so richtig gehandelt, wie man in dieser Welt handeln konnte, in der alles Handeln automatisch Falsch wird.“

Er erhob sich wieder: „Ich kann Dich von dieser Tat nicht freisprechen, das kannst nur du selbst tun. Mira jedenfalls hat dir schon längst verziehen, dessen kannst du dir sicher sein. Wenn du dich deswegen selbst hasst, dann irrst du, denn deinen Hass haben deine Folterer verdient. Die Angst, die sie in dir gesät haben ist wie eine schmutzige Klinge, die deine Wunde brandig werden lässt. Du musst dagegen ankämpfen. Ich kann Dich im Kampf unterweisen, damit Du Dich besser schützen kannst. Wir können das Lehen wehrhaft errichten, um uns gegen Eindringlinge besser verteidigen können. Wir können Allianzen schmieden mit denjenigen, die wissen, wie man den Feind besiegt. Wir sind nicht hilflos. Sie wollen nur, dass wir das glauben.

Eindringlich schaute er zu Nani hinunter.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mi Dez 09, 2015 11:41 pm

Gnade! Vhenan gab ein abfälliges Geräusch von sich. „Als ob das etwas ändert!“, spuckte sie Raûl bockig vor die Füße! Tot war tot. In Kelriothar war das Sterben ohne Seelenfänger sogar noch endgültiger als hier. Sie hatte Mira gleich doppelt getötet, ganz egal, ob sie darum gebeten worden war oder nicht. Es wollte nicht in ihren Kopf, den sie langsam schüttelte.
''So richtig gehandelt, wie man in dieser Welt handeln konnte, in der alles Handeln automatisch Falsch wird.' Der Satz klang in Vhenans Ohren weiter. Er klang gut, aber es war kein wirklicher Trost. Sie wollte nicht, dass Töten 'richtig' war. Jedenfalls nicht SO! Darüber hatte sie vorher nie intensiv nachgedacht. Ihre Geschäfte endeten höchstens mit einer Tracht Prügel für einen Kowa, der sich nicht an die Regeln hielt. Hätte die Chemya damals den nervigen kleinen Bauern in der Stadt umgelegt, wäre das wegen seiner eigenen Dummheit geschehen, nicht weil Oshead es gewollt hätte. Sie hatten selbst vor Jahren den Söldnern eingebläut, dass sie ihre 'Nachbarn' nur grün und blau schlagen sollten, aber nicht umbringen. Oshead tat was getan werden musste (und manchmal mehr, wenn es persönlich wurde), so dachte hoffentlich jedes Mitglied, aber... Mord? Vielleicht war es besser, dass Raûl seine eigenen Dämonen wieder einmauerte und nicht frei ließ. Besonders nicht jetzt, wo Vhenan ohnehin sehr empfindlich und paranoid war.

Ja, manchmal musste man wohl töten... Nenani hatte sich in Kelriothar so entschieden und glaubte noch immer, dass es so besser gewesen war. Besser, nicht richtig! Es war unglaublich schwer gewesen eine Freundin zu töten, jemanden, den sie mochte, der sie hatte helfen wollen. Selbst wenn sie sich nur ein paar Tage gekannt hatten... Vhenan knüpfte schnell Freundschaften, auch Rashid gehörte jetzt dazu, ob der nun wollte oder nicht. Vielleicht konnte sie wenigstens ihn retten, wenn sie bei Hans und Mira schon versagt hatte. Sie hoffte es.

Und vielleicht sah sie es irgendwann ein. Insgeheim wusste Nani auch, dass es nicht ihre Schuld war, dass die Umstände Mira und sie in diese Lage gebracht hatten. Trotzdem wurden die Gedanken nicht leichter.
„Bessere Mordmotive?... das ist doch bescheuert!“, murrte sie leise in seinen Satz hinein. Nani sah zweifelnd auf und ihr war wieder einmal klar weshalb sie kein Krieger und auch kein Arzt war. Ihr fehlte der Biss und die Geduld. Und offenbar auch die Fähigkeit mit dem vollbrachten Werk umzugehen. Sie hatte sich viel zu oft vor schwerwiegenden Entscheidungen gedrückt. Vielleicht war es an der Zeit damit zu brechen und endlich erwachsen zu werden... Aber hatte erst das passieren müssen, damit sie es einsah? Dieser Brief, der Versuch Rashid zu beschützen, war jedenfalls mehr als sie früher getan hätte. Sie hatte auf dem harten Weg gelernt, dass Untätigkeit manchmal genauso vernichtend war wie überstürztes Handeln. Leider neigte sie zu beidem.

Selbst als Raûl behauptete Mira hätte ihr schon verziehen, wollte es im Kopf der Naihlar nicht richtig klingen und sie schüttelte trotzig den Kopf, dass die Goldringe klingelten. Es gab da dieses eine Sprichwort: Manchmal muss man töten, um Leben zu retten. In diesen Geschichten war der Niedergestreckte aber immer ein böser, hinterhältiger Schurke, den man kaum vermisste. In Vhenans Geschichte war es ein Freund, der sein Leben freiwillig gegeben hatte, damit diejenigen, die kräftiger gewesen waren, vielleicht doch eine Chance hatten... Hatte sie das verdient? Was war wenn Miras Opfer am Ende tatsächlich der einzige Grund war, weshalb Vhenan noch lebte? Wenn die paar Tage gewonnenen Zeit ausschlaggebend gewesen waren? Da waren wieder die Dinge, die Raûl ihr austreiben wollte. Hätte, wäre, wenn. Jaja, seine Worte ertönte wieder mahnend in ihrem Kopf. Trotzdem stellte sich Nani die Frage, ob sie das selbe getan hätte. Sie hatte sich für Mira und auch für die anderen verprügeln lassen, ja... auch auf die Gefahr hin selbst im Kollektor zu landen... aber... dieses Handeln war aus reinem Trotz geboren. Aus dem Instinkt Freunde zu schützen... Hätte sie sich geopfert, wenn sie genauso kraftlos gewesen wäre? Mira hatte es getan, Tyskke hätte sich für seine Frau geopfert, um ihr mehr Zeit zu verschaffen, da war sich die Kleine ziemlich sicher. Aber sie selbst? Etwas in ihr sagte ihr, dass sie diesen letzten Schritt nicht gegangen wäre. Das kollidierte mit der eigenen Entscheidung nicht aufzugeben, den Grauen mit jedem verbleibendem Atemzug Widerstand entgegen zu brüllen. Sie wollte nicht deren Drecksarbeit machen! Und trotzdem hatte sie es getan...

Sie hockte weiter im Dreck und lausche Raûls Versuch sie aufzubauen nur halbherzig. Bis er etwas sagte, das einen Ruck durch ihren Körper jagte.

„Diejenigen, die wissen, wie man den Feind besiegt?!“ Nani sah zu Raûl auf und die Trauer wich neuem Zorn. „Willst du mich verarschen? Wer soll das denn sein?“, knurrte sie und wollte die neue Welle an Wut gar nicht erst unterdrücken. Sie ignorierte auch die Tatsache, dass sie von all der Planung und dem vorhandenen Wissen gar keine Ahnung hatte. Scheiß drauf, hier herrschte ihre Doppelmoral!

„Diejenigen, die Pläne schmieden und nicht handeln? Die, die immer zu spät kommen?“ Ihre Stimme wurde mit jedem Wort fester und entschlossener. Vhenan wischte sich mit einem Arm die Tränen von der Wange und stand auf. Der Mahzhak hatte sie doch nicht mehr alle!

„Wir wissen GAR NICHTS! Wir können vielleicht ein paar von denen umlegen und dann? Dann stehen die wieder auf! WIR sterben dort, aber DIE... die sind plötzlich einfach wieder da! Da sind viel zu viele von denen!... Ich hab einen von denen sterben sehen. Und einen Tag später stand genau der selbe beschissene Dreckssack wieder vor mir und hat mir eine reingehauen! Ich weiß nicht wie das möglich ist, aber es hat sich verdammt echt angefühlt! Die sind viel mächtiger als wir dachten! Die können ihre gefallenen Soldaten wieder auferstehen lassen, die können Dinge bauen wie den Weltenbrecher und den scheiß Kollektor! Was glaubst du was die jetzt machen, wo sie UNSER Wissen gesammelt haben? WIR haben keine Ahnung wer die sind und fahren blind von Nebelbank zu Nebelbank! Und DIE wissen jetzt viel zu viel über uns! Willst du mir wirklich erzählen jemand weiß wie man sie vernichtet? Hat dir einer in den Rum gespuckt oder was?“

Nani hatte sich erneut in Rage geredet und lief von neuem Zorn getrieben wieder ein paar Schritte. Das konnte doch nicht sein Ernst sein!

„Die rammen alles, was denen ins Kielwasser kommt und wir? Wir warten und glotzen blöd! Ich hab es selbst gesehen, Raûl! Die Zweifler handeln! Ohne Kompromisse! Wenn sie den Marschbefehl erhalten geht ein Ruck durch die Reihen und sie marschieren als ob sie immer in Bewegung gewesen wären! Und wenn sie stehen bleiben, wirken sie wie eingefroren. Die Hinterfragen nicht, sie befolgen jeden Befehl! Ziemlich bescheuert, wie ich finde, aber genau das macht sie so mächtig. Ich weiß nicht was sie antreibt... sie kennen kein Mitgefühl, keine Gnade... vielleicht auch keinen Hass, keinen Neid... sie machen UNS Angst und kennen dieses Gefühl selbst gar nicht... ich bin aus ihnen nicht schlau geworden...  keine Ahnung. Aber wenn die etwas tun, dann ohne Zögern, ohne Rast. Und wir? Wir schmieden Pläne und lassen viel zu viel Zeit verstreichen, in der die Grauen unbeirrt weitermarschieren. Wenn wir marschieren kann ich denen nebenbei Zöpfe flechten! Du hast doch auch nur blöd rumgestanden und darauf gewartet, dass die Armee kommt. Ob sie wirklich kam war reines Glücksspiel! Wenn wir nicht genauso entschlossen handeln, dann gehen wir unter!“

Nani musterte den Mahzhak herausfordernd, erwartete offenbar eine bestimmte Reaktion, ließ ihn aber aus einem anderen Impuls heraus gar nicht erst zu Wort kommen.

„Du hast in der Feldkanzlei mitgehört was dort geschehen ist. Es ist noch viel mehr passiert, noch viel schlimmeres als du dir vorstellen kannst. Was ist mit denen, die jetzt entführt werden? Glaubst du das hört auf? Ich hab kaum einen Mond überlebt und ich hätte sicher keine zwei Tage mehr durchgehalten! All die, die jetzt verschleppt werden, sind verloren!“

Die Kleine lief aufgebracht auf und ab, spürte durch die Wut neue Energien in sich aufsteigen, die sie in ungefilterten Worten einfach rausließ.

„Die Grauen können überall auftauchen! Die könnten hier mitten zwischen den Hütten einen verdammten Weltenriss öffnen und alles in Schutt und Asche legen. Glaubst du dein Schwert nützt dir da was? Wehrhafte Anlagen? Das bringt uns gar nichts! Während wir hier rätseln wie wir sie vernichten, arbeiten die viel schneller und effektiver daran UNS zu vernichten! … Die letzten beiden Feldzüge waren ein Witz für die Grauen! Ich wette mit dir um ein Goldstück, dass sie uns auslachen würden, wenn sie es könnten! Der Feldzug war kein Erfolg. Wir haben vielleicht ein paar von denen umgebracht, aber das war's dann auch. Ich hab gehört der Weltenbrecher ist angeblich beschädigt... woher wollt ihr wissen, dass es nur einen gibt? Woher wollt ihr wissen wie schnell die ihn reparieren können? Wir haben gar nichts erreicht. Weil wir gar nicht richtig gekämpft haben.“, behauptete sie stur und wanderte wieder ein paar Schritte zurück zu Raûl.

„Ich hab es vor einem Jahr auch nicht... das gebe ich zu. Ich war genauso naiv wie der Rest. Wir marschieren ein wenig, schwingen die Klingen, schauen was passiert und dann verziehen wir uns wieder. Hast DU gekämpft? Richtig gekämpft?“

Nani musterte Raûl herausfordern und provokant. Wenn sie ihn beleidigte, dann sollte es so sein. Sollte er ihr doch eine reinhauen!
„Du warst auf dem Schlachtfeld... du hast vielleicht einige von denen getötet. Aber du hast sie nur gejagt. Du wolltest dir ein paar Trophäen erbeuten und keinen Krieg gewinnen. Wenn ich falsch liege, sag es mir.

Sie streckte ihre Arme auffordernd zu beiden Seiten aus und gab ihm eine schutzlose Angriffsfläche, die ihm gleichzeitig offenen Spott entgegensandte. Das war wohl das erste Mal, dass Vhenan überhaupt über den Krieg gesprochen hatte. Vorher hatte sie genauso gejagt, ein paar Verwundete beschützt und am Ende des Tages (oder auch mal mittendrin) eine Pause in der Taverne gemacht. Sie war auch nicht im Krieg gewesen und jetzt hatte es sie in den Arsch gebissen.

„Wir haben zu Hause gegen Karg nicht gekämpft und wir haben auch hier nicht richtig gekämpft! Wenn wir so halbherzig weitermachen, werden wir versagen, verlieren und untergehen. Ihr wisst nicht was die uns antun können. Wir MÜSSEN härter kämpfen, wenn wir bestehen wollen. Wenn wir so weitermachen.... ist das unser Ende. Dann vernichten wir nicht ihre Welt, sondern sie vernichten unsere!“
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Do Dez 10, 2015 5:57 pm

Raûl warf die Stirn in Falten und hörte das trotzige Keifen von Nani, dann lachte er auf, als Sie im vorwarf, er hätte nur nach Trophäen gejagt. Er schüttelte den Kopf und seine gesundes Auge blitze auf: "Auf dem ersten Kriegszug nach Kelriothar bin ich herumgerannt und habe meine Pfeile in alles und jeden geschossen, was mir vor meinen Bogen kam. Sogar auf Firin und seine Negatoren und den Herold des Zorns, der mich deshalb über das halbe Schlachtfeld gejagt hat. Aber nachhaltig habe ich nie etwas ausgerichtet. Das war aus Unwissenheit geschehen. Auf dem Konvent in Holzbrück habe ich an Feindeskunde teilgenommen und erfahren, welche die Schwächen der jeweiligen verfemten Gegner sind. Und auf dem Zweiten Feldzug habe ich Dir, nachdem wir Dich wiedergefunden hatten versprochen, dass ich für Dich ein paar Zweifler erlegen werde. An dieses Versprechen habe ich mich gehalten, wenn es auch nur..." er lachte wieder und sah sie herausfordernd an "... nur vier von deinen angeblich so unbesiegbaren Aschegesichtern waren. Vier Stück in nur wenigen Augenblicken. Weil ich in der Feindeskunde in Holzbrück gelernt habe, worauf es ankommt! Es wären mehr geworden, aber ich habe nicht mehr von denen auf dem Schlachtfeld gefunden. Vier meiner Pfeile hatten gereicht um die Verteidigungslinie der Zweiflersoldaten aufzureißen und irgendeine Infantrie, die vor mir ihren Schildwall eine Viertelstunde unnütz hin und hergeschoben haben, hat sie daraufhin auseinandergetrieben und überrollt."

Oh, das war befriedigend gewesen, nachdem er tagelang nicht zum Zug gekommen war. Der Zweifel hatte auch nach ihm gegriffen und ihn fast in die Knie gezwungen. Aber dann waren die letzten Tage des Schlachtzugs angebrochen und das Ganze Blatt hatte sich für ihn gewendet. Man konnte Raûl ansehen, welche Freude er hatte, die Zweifler über den Haufen zu schießen.

"Wir haben darüber diskutiert, wie sich ein Schütze erfolgreich in eine Schlacht einbringen kann. Strategisch wichtige Ziele. Oh, und dann war da ein ganz besonderes, eine Untote Priesterin segnete Ihren ganzen Laird vor der Schlacht und alles auf unserer Seite stöhnte schon und da war dann dieser andere Bogenschütze und ich und wir haben Ihr gemeinsam in einem Atemzug 4 Pfeile reingeschossen, bevor Sie mit ihrem Hokuspokus fertig wurde. Umgefallen ist sie und ihre fauligen Untertanen haben überrascht geglotzt und dann brach das Gemetzel los - die Untoten waren im Handumdrehen zerschlagen und mussten den Rückzug antreten." Raûl leuchtete geradezu im Feuereifer der erfolgreichen Taten, aber dann hielt er inne und schob den Enthusiasmus wieder beiseite.

"Allerdings gebe ich Dir in einem Recht: wir wissen noch viel zu wenig. Und damit meine ich nicht die Siedler im Allgemeinen, sondern uns selbst, die Oshead an sich. Wir haben vorerst nur an der Oberfläche gekratzt und die Feindeskunde war erst der Anfang. Es gibt viel Wissen über den Feind und es soll ein Schriftstück geben, das jedes Jahr überarbeitet wird, damit möglichst vielen der Siedler dieses Wissen mitgeteilt wird."

Er überlegte kurz, dann kam ihm ein Gedanke:
"Ich habe eine Aufgabe für Dich, als Dein Mahzhak. Ich bitte Dich, über deinen Freund Rashid oder deine Kontakte zur Scriptora für die Oshead ein solches Compendium zu beschaffen. Wenn Du Auslagen dafür hast, werde ich dafür aufkommen, wobei ich aber nicht glaube, dass man Dir ein Exemplar berechnen würde, wenn ich Dich offiziell damit beauftrage. Unwissenheit ist unser Feind und Du kannst uns und auch Dich selbst mit dem Wissen ausstatten, dass wir brauchen, um den Zweiflern richtig aufs Maul zu geben. Und dann, wenn wir alles Wissen haben, was wir wissen können, dann bereiten wir uns auf den nächsten Feldzug vor. Auf den richtigen, harten Kampf - keine halben Sachen!" erneut blickte er sie eindringlich an.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Fr Dez 11, 2015 9:06 pm

Der Herold des Zorns, ja. Der Mistkerl hätte Vhenans Rettung fast vereitelt. Blöder Sack!
Ich erinner mich.“, sagte sie leise und schob die noch frischen Bilder beiseite. Davon hatte Raûl auf dem ersten Feldzug tagelang geschwärmt und sich enorm damit gebrüstet. Und sie hatte ihm später noch grölend applaudiert, als er einem einen Pfeil in den Arsch eines Graukopfs geschossen hatte. Da war es für sie noch Spiel gewesen. Eigentlich sollte es Nani auch gar nicht stören, dass Raûl gejagt hatte. Alles sollte ein Stück weit Spaß machen. Auch die Jagd. Das hatte sie vor einigen Monaten noch laut herausposaunt. Jede Jagd war eine Herausforderung, an der man wachsen konnte. Der Stolz eines Naihlar war eine ganz eigene Waffe. Vielleicht kehrte sie zu dieser Einstellung zurück, wenn sie sich beruhigt hatte. Blinde Wut machten aus einem auch keinen besseren Kämpfer. Dann lieber überheblicher Stolz! Damit konnten sie immerhin von Geburt an umgehen.

Dann wurde sie hellhörig. Feindeskunde? Sie horchte auf und konzentrierte sich mehr. Das war ihr neu. Aber auch nicht verwunderlich, Nani hatte es schließlich nie nach Gutenbucht geschafft, um Raûl erste Fragen zum Konvent zu stellen. Das hatte sie nach den Ereignissen in Kelriothar völlig vergessen und Asdan hatte auch nichts berichtet. Oder sie hatte nicht zugehört. Das Argument des Mahzhaks war deshalb leider entwaffnend. Bradach! Es passte ihrem hitzigen Gemüt gerade nicht in den Kram, es war allerdings auch beruhigend.... vielleicht wussten die doch mehr als sie glaubte. Hoffentlich!

“Vier reichen aber nicht!“, knurrte sie bockig dazwischen, ließ Raûl aber weiter reden. Es hatte sie ja gefreut, dass Oshead den Grauköpfen für sie in den Arsch getreten hatte, aber... wenn jemand anderes für einen selbst Rache nahm, war die Genugtuung nur halb so schön.

Die Niederlage der untoten Priesterin nahm Vhenan noch mehr Wind aus den Segeln. Sie stellte es sich vor und musste gemeinsam mit Raûl grinsen. Nanuz! Sie hatte von all dem Schlachtgetümmel rein gar nichts mitbekommen. Vielleicht hatte sie ihren Mund zu weit aufgerissen, denn SIE hatte auf dem Feldzug so gut wie nichts getan außer vom Tee benebelt herumzuliegen. Sie war auf dem Schlachtfeld gewesen ohne zu kämpfen. Sie hatte mit den Naldar getanzt, um diesen einen Spiegelpunkt zu weihen und dann.... war sie innerlich wieder zusammengebrochen, als sie ein einziges Wort des Goldröckchens im Atelier gehört hatte. 'Schweig!, hatte er gerufen, als der Trommler ausklingende Töne angestimmt hatte. Ein einziges Wort des Rikans und sie war völlig fertig gewesen. Nani hatte nichts mehr zustande gebracht und ihre sonstige Aufgabe in der Gruppe auch nicht erfüllt. Sie fühlte sich dazu berufen gute Stimmung zu verbreiten, die Moral aufrecht zu erhalten und dieses Mal hatte sie nur Zweifel gesät und schlechte Stimmung. Der Feldzug war ein einziger Reinfall gewesen. Abgesehen davon, dass sie überlebt hatte. Aber selbst das fühlte sich nicht wie ein Sieg an.

Immerhin sah Raûl ein, dass sie noch viel zu wenig wussten. Aber er hatte einen guten Gedanken.
„Ja.“ Vhenan nickte, als Raûl das Vademecum ansprach. Von diesem Schriftstück hatte sie gehört. Sie ging davon aus, dass Scriptoria wusste wer dafür verantwortlich war und die Informationen aus dem Brief weiterleitete. Die hatte ihre Kontakte und Nani kannte keine langweiligen Bibliothekare.

Bei dem Stichwort 'Aufgabe' spitzte die Kleine die Ohren. Kam jetzt der erste offizielle Befehl? Na?
Es war tatsächlich so.

„Du willst, dass ich dir ein Vademecum beschaffe?“, hakte sie nach. Sie wusste nicht einmal was dieses Wort bedeutete, aber... es war... keine schlechte Idee. Sie nickte langsam. „Das klingt sinnvoll....“ Sie dachte nach und schmunzelte leicht. 'Kontakte zu Scriptoria' klang seltsam. Sie hatten kein einziges Wort gewechselt, sich wenn überhaupt nur böse angesehen und jetzt... nach diesem ungestümen Brief hatte Vhenan keine Ahnung wo sie standen. Sie hätte selbst nie gedacht, dass sie irgendwann einmal etwas an den Hof senden würde. Dass sie einmal ein ehrlicher Lügner sein könnte. Aber ja, es war ein Kontakt. Ein Anfang.

„Das schaff ich!“, behauptete sie nach kurzer Überlegung überzeugt und grinste. Sie wusste noch nicht wie, aber das würde sie hinbekommen. Im Notfall würde sie solange herumnerven, bis man ihr ein Vademecum hinterherwarf, nur damit sie endlich ging! Vielleicht sollte sie doch einen Abstecher in die Hauptstadt wagen. Da tummelte sich das Wissen doch. Sie könnte Rashid besuchen, sie könnte über ihren Schatten springen und in diesen langweiligen Bibliotheken forschen. Sie müsste nur irgendwie Rum hineinschmuggeln und vorher besser lesen lernen! Wären Ceres oder Chattras hier, hätte sich das schnell erledigt, aber das waren sie nicht. Außerdem gefiel Vhenan die Aufgabe. Im Beschaffen von Dingen und Informationen war sie gut. Das sollte doch ein Kinderspiel sein!

“Auslagen sind gut... Die Grauen haben mich schon ein Vermögen gekostet! Erst der Tee und dann der Brief. Deine Freundin Rabea ist ein richtiger Gomba! Die gefällt mir!“, beklagte sie sich mit deutlich amüsiertem Unterton. Raûl wusste auch so, dass Nani sowieso ständig an Schuldscheinen kratzte und sie nur einen Abend am Spieltisch brauchte, um ihren Kupferbeutel wieder aufzufüllen. Es war viel Lärm um nichts. Die Naihlar war immer und niemals pleite.

“Ich lass mir was einfallen, um das Ding zu beschaffen...“ Sie dachte darüber nach wie sie anfangen sollte. Zuerst musste sie herausfinden wo es diese Dinger gab und was man tun musste, um eins zu bekommen. Im Notfall reichte aber auch einfach nur der Ort... man hatte ja so seine Mittel und Wege...

“Keine halben Sachen mehr. Die sollen Endrach kennenlernen!“, stimmte sie ihm entschlossen zu. Ihr Weltenlenker des Todes war noch viel zu gut für die Gondra! Oshead würden sich vorbereiten und sie würden richtig kämpfen. Alles tun, was notwendig war. Aber das bedeutete auch, dass sie wieder töten musste. Vhenans Blick legte sich erneut auf Raûl, der sich eben noch offen über ausgelassen hatte wie schön es war den Feind niederzustrecken. War es das wirklich? Nani hatte keinen Feind getötet, sie wusste nicht was sie gefühlt hätte, wäre ein Drachkao durch ihre Hand gestorben. Genugtuung? Hätte es sich gut angefühlt? Jemanden umbringen zu wollen und es zu tun... das war ein Unterschied. Sie wollte jeden einzelnen Kan tot sehen. Bis nichts mehr von denen übrig war als graue Asche und zermalmte Knochen. Sie hasste jeden von denen.

Und trotzdem fürchtete sie sich vor diesem verstörenden Gefühl, dass sie gespürt hatte, als Mira gegangen war. Sie wollte sich nie wieder so fühlen. Nani glotzte Raûl einige Momente gedankenversunken an ohne ihn wirklich anzusehen.

“Wird es.... wird es irgendwann leichter? Zu töten? Damit zu leben? Das Leben an sich?.... Du bist ja schon alt.
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   So Dez 13, 2015 10:52 pm

"Vademecum heißt das also? Dann soll es so sein. Ich werde Dir ein offizielles Schreiben mitgeben, mit viel Hoch-Salmon darin - der Heribum kann dieses offizielle Geranze bestimmt formulieren." Raûl entspannte sich zusehends. Nani schien seine Vorgaben akzeptiert zu haben und hatte nun ein Ziel. Er hoffte dass es sie davon abhielt, irgendwann durchzudrehen und ein Messer in einen der Ortsansässigen zu stecken, wenn es mal wieder etwas heißer zuging. Hoffentlich blieb es dabei.

Er hörte Nanis Frage über das Leben und das Töten und schüttelte den Kopf:"Es wird nur anders, aber einfach wird das Leben nie. Das Töten... ich habe schon vor langer Zeit damit aufgehört. Ich betrachte den Abschuss eines Untoten, eines Graugesichtes oder eines Rak vom Schwarzen Eis nicht als Töten. Einen Mensch zu töten... sollte niemals einfach sein. Manchmal ist es unvermeidlich. Manchmal heißt es "Er oder Ich". Manchmal ist Krieg. Manchmal ist es eine Gnade. Aber wenn man sich das Töten von anderen Menschen zu einfach macht, tötet man einen Teil von sich selbst."
Raûl starrte einen Moment lang durch Nani hindurch, seine Gedanken waren an einem finsteren Ort, dann zuckte er mit den Schultern und bot ihr seinen Flachmann an:
"Im Zweifelfall ist mit Rumda alles einfacher." und zwinkerte Ihr zu.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Mo Dez 14, 2015 12:13 pm

Ein offizielles Schreiben? Nani gab ein belustigtes und spöttisches „Uuuuh.“ von sich. „Ja, unsere Naeviten können das.“ Ob die in den Landen dort alle so redeten? Das wäre furchtbar anstrengend. Kein Wunder, dass Schranz geflüchtet war. Wäre sie auch! Aber Vhenan ahnte, dass so ein Floskelbrimborium ihre Aufgabe erleichterte. Sie behauptete ja immer viel und wenn der Tag lang war, vielleicht würden die ihr gar nicht glauben. „Sicher, dass du willst, dass ich das mache?... ich meine... ich?“ In diesem Moment zweifelte Vhenan wieder daran, dass sie die beste Wahl für den Auftrag war. Nicht wegen des Weges, sondern wegen des Umgangs. Besonders jetzt, wo sie ohnehin ständigen Gefühlsschwankungen erlag. Sie müsste sich benehmen. Schwierig. Sie nickte aber trotzdem und nahm sich vor wieder etwas mehr an Kontrolle zu gewinnen. Das hatte sie sich schon oft vorgenommen, und war jedes Mal gescheitert. Vielleicht brachte diese neue Aufgabe ein wenig mehr Würde zurück. Sie prügelte sich zwar hin und wieder gerne in einer Taverne wie es sich gehörte, aber das bedeutete nicht, dass sie keine Erhabenheit ausstrahlen konnte. Gerade bei geschäftlichen Verhandlungen musste man auf der Hut sein und sollte nicht wie ein unzivilisierter Plagegeist daherkommen. Man musste auch seinen Kopf benutzen... und nicht nur wie ein Hammerhai.

Ihre Aufmerksamkeit legte sich wieder auf Raûl und seinen Rat, der keine besonders schmackhaften Früchte trug. Vhenan war sogar irritiert. Er hatte das Töten aufgegeben? „He?“, fragte sie dazwischen und glotzte den Mahzhak fragend an. Er hatte vor ein paar Wochen erst einige Feinde umgelegt. Dann erklärte er was er meinte und Nani war nicht schlauer als vorher.
Was ist es denn dann?“, hakte sie leise nach. Töten, vernichten, umbringen, war das nicht alles das gleiche? Sie verstand diesen Gedanken nicht.
Ich will nie wieder töten, wenn es nicht sein muss...“, flüsterte sie leise. „Einen Menschen.“, hängte sie an, um Raûls Logik zu folgen. Die Grauen standen auf ihrer Abschussliste nach wie vor ganz weit oben. Vielleicht sollte sie es auch nicht als töten betrachten. Aber ging das so einfach? War jeder Feind einen Todesstoß wert? Sie müsste das noch für sich klären, denn außerhalb von Kelriothar herrschten andere Bedingungen. Hier gab es wenigstens Regeln. Sie wollte nicht so radikal wie ein blöder Eiserner sein.

Rum lässt deine Gedanken nur schneller tanzen.“, entgegnete sie vollkommen entgegen ihrer sonstigen Art, nahm den Flachmann aber an, um einen Schluck zu trinken. Sie trug am Gürtel ja selbst immer ein Fläschchen Loragrin, aber einen guten Tropfen lehnte man nicht ab. Sie fragte sich, ob Scriptoria das Fläschchen tatsächlich angerührt hatte. Wehe wenn nicht!
Anmei.“ Sie reichte den Flachmann zurück.

Vielleicht sollte ich nicht nur ein Waffentraining einlegen, sondern Jael fragen welche Dinge man am besten sagt, um besonders schnell ans Ziel zu kommen... der weiß ja wie man redet. Hast du die Etikette noch irgendwo hier rumfliegen? Ich hab das schon wieder alles vergessen!
Eigentlich hatte sie sich von Chattras ja nur vorlesen lassen was passierte, wenn man sich nicht daran hielt... und selbst das war aus ihrem Kopf verschwunden. Sie sollte sie noch einmal lesen. Und üben. Vhenan hatte schon geübt in der fremden Sprache zu lesen und zu schreiben. Aber formulieren... konnte sie nur unter höchster Konzentration und nur dann, wenn sie es wollte. Sobald ihr nur eine Kleinigkeit nicht passte, fiel sie schnell in eine Tirade von Beleidigungen. Wie auch jetzt. „Aber der Sack hat falsche Prioritäten. Wer dieses höfliche Gestakse vorzieht anstatt einem Freund zu helfen, verdient eine aufs Maul.“, beschwerte sie sich und war ganz offensichtlich immer noch beleidigt. Indirekt hatte Jael ihr ja geholfen, aber das indirekt war nicht genug. Ihre Naihlarfreunde hätte sie niemals so auflaufen lassen!

Jetzt wurde sie schon wieder ungehalten. Auch weil diese Aufgabe sie mit der alten Klinge im Nacken konfrontierte.
Ich versuche das Vademecum so schnell wie möglich zu beschaffen, aber... es.... es gibt da noch ein Problem... das wird sich erst mit dem Brief klären, den ich erwarte. Hoffentlich...“ Sie sah kurz zu Boden. Vielleicht verpufften ihre Kontakte wie Alchemistenhokuspokus in ihren Händen. Vielleicht war Rashid längst tot und Scriptoria kümmerte es einen Dreck. Nani glaubte das nicht, aber es war möglich. Wer wusste schon was die da oben alles so dachten. Sie dachte hier auch viel zu viel.

Ich will da jetzt nicht hin.“, erklärte sie Raûl nicht ohne Furcht in der Stimme. „Nicht jetzt.
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Do Dez 17, 2015 2:11 pm

Raûl verstand nicht, was Nani meinte. Für ihn war ein Mensch ein Mensch. Aus der Feindeskunde war ihm klar, dass die Verfemten entweder keine Menschen oder nicht lebendig waren. Und diejenigen, die zum Feind überliefen, sah er als Verräter, die aus niedrigen Beweggründen den Tod ihrer ehemaligen Menschenbrüder billigten, ja den Tod der Siedler vorantrieben. Aber er zuckte hierzu nur die Achseln.

Dass Nani keinen Menschen töten wollte, dazu nickte er zufrieden. Er hatte aber auch nichts anderes erwartet. Nani war kein Killer und er hoffte, dass sie nie einer werden würde. Killer waren für den Frieden nicht geschaffen und er wollte eine friedliche Gemeinschaft in Shäekara aufbauen. Und eine wohlhabende. Ja, das Mallo sollte nicht zu kurz kommen bei allem Streben.

Sie fragte nach der Etikette des Hofes. Er wusste, dass er eine Abschrift bekommen hatte, aber das war über ein Jahr her gewesen und ob sie sich noch in seinem Besitz befand? Er wedelte mit der Hand in Richtung der Gemeinschaftsunterkunft und legte den Kopf schief: "Irgendwo. Frag mich was. Vielleicht. Ich werde beizeiten danach suchen, wenn sich die Gelegenheit ergibt." Nani maulte wieder über die Etikette am Hof. Er selbst mochte es auch nicht, aber er wusste, dass einige Ämter dort geradezu darin badeten:"Unterschätze nicht die Macht der Griffelspitzer am Hof. Sie können die eigenen Anliegen verzögern, wenn nicht sogar ganz verhindern, wenn man sich nicht ordentlich mit ihnen stellt. Etwas Geschick im Vortrag ist da unerlässlich. Einige der Mächtigen im Reich - Weber, Carlotta, Leonora aber auch kleinere Räder wie Rashid - können unsere Art abhaben, wenn..." er hob den Zeigefinger, um den folgenden Satz zu betonen "...man sie in kleiner, informeller Runde trifft. Aber das ist selten. Es ist ein Drahtseilakt zwischen unserer eigenen Art und der Anpassung an diese höfischen Umgangsformen. Je nützlicher wir für die Gemeinschaft sind, desto eher können wir uns vor Ort erlauben, in die Szlach zu hauen."

Raûl grübelte einen Moment. Wo Jael sich rumtrieb wusste er nicht. Sonst fiel ihm nur wenige ein, die wussten, wie man einem hochwohlgesalbten Darmtrakt hinaufkroch. "Frag Heribum. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, hat er sich Jahrelang in Naevi durch die Konflikte gelobhudelt. Auch wenn einem der Gehörgang von seinem Gequatsche schmerzt, eine spitze Zunge hat er. Sonst fällt mir nur noch Vayle ein. Ob der Dir helfen will, kann ich nicht sagen. Heribum kann ich es befehlen und da er kein Rückgrat hat, wird er sich fügen. Bei Vayle liegt das ein bisschen anders."
"Außerdem traue ich ihm nicht." fügte er im Geiste hinzu.

Dann kam wieder diese komische Unruhe auf wegen irgendeiner Botschaft, die sie erwartete. Er hatte sich ihr halb zugewandt, beobachtete sie aber genau aus dem Augenwinkel:"Was ist das überhaupt für ein Brief, auf den Du wartest? Warum die Aufregung?"

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Zuletzt von Raûl am Fr Jan 15, 2016 12:11 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Do Dez 17, 2015 8:01 pm

Vhenan lauschte dem Ratschlag des Statthalters ausnahmsweise konzentriert. Er sagte wahre Dinge. „Griffelspitzer“, wiederholte sie belustigt und grinste leicht. Sie selbst wusste auch wie die Welt funktionierte, selbst wenn man häufig nicht den Eindruck hatte. Aber sie war auch keine Pakata und kein Mahzhak, sie konnte es sich leisten zu maulen. Weil sie solche Gespräche nicht führte und keine großen Entscheidungen traf. Dennoch hatte sie genau diese Griffelspitzer im Kopf gehabt, als sie abwägen musste wem sie denn diesen Bericht anvertrauen sollte. Scriptoria tauchte in Raûls Liste nicht einmal auf, aber Vhenan hatte sie in ihre eigene aufgenommen. Vielleicht war die blonde Schreiberin nicht so wichtig wie die redenden Herrschaften, aber sie hatte genau die gleichen Kontakte und noch mehr Quellen. Vhenan waren Menschen, die im Hintergrund leise die Strippen zogen, viel lieber. Das waren diejenigen, die ihr immer zuerst ins Auge sprangen. Zumindest baute sich die Kleine dieses Bild der Schreiberin aus sämtlichen Beobachtungen und mit ein paar Spekulationen zusammen.

Gut, ich frage Heribum. Vayle mag ich nicht.“, gab sie offen zu. Der wusste auch selbst woran er bei ihr war. Nani hatte Raûls Namensverdrehung einfach übernommen und nannte Heribas jetzt absichtlich Heribum. Weil er sich darüber immer furchtbar aufregte. Manchmal konnte Nani noch wie ein Kind sein, das stundenlang mit einem Stock nach jemandem piekte, bis dem irgendwann der Kragen platzte. Und dann jubelte sie hocherfreut.

Diese Freude war aber lange nicht mehr mit ganzer Kraft in ihr Herz gedrungen. Besonders nicht wenn dieses Beil über ihr schwebte und sie nicht wusste ob und wann es fiel.
Sie lehnte es ab vor dem Eintreffen des Antwortschreibens in die Hauptstadt zu wandern. Und natürlich musste sich Raûl fragen warum. Wer so offen um ein Geheimnis herumtanzte musste sich nicht wundern, wenn er Gesellschaft bekam. Raûl hakte nach und ihr Herz machte einen unangenehmen Sprung.
Warum die Aufregung?!“, motzte Vhenan ungehalten los, ohne darüber nachzudenken, dass er es ja nicht wissen konnte. Ihr eigener Kopf und ihr Herz platzten aber langsam vor Ungeduld. Sie hob beschwichtigend die Hände und deutete dem Naihlar an, dass sie es nicht so gemeint hatte. Nanis Blick lastete für einige Augenblicke unschlüssig auf seinem guten Auge, man konnte sie denken sehen.

Vielleicht sollte ich es dir sagen... du bist der Mahzhak. Du solltest wissen was vor sich geht...
Raûl war nicht nur ihr Freund, sondern manchmal eben auch ihr Boss. Bedauerlicherweise. Er konnte ihr die Leviten lesen, aber er konnte sie auch schützen. Außerdem war der Brief längst weg, was sollte sie schon ändern?

Nagut...“ Sie seufzte einmal leise und nickte. „Ich hab die Anführerin der Griffelspitzer angeschrieben und um Hilfe gebeten. Keiner von euch hätte mir bei dem Problem helfen können... es musste einer von denen sein und.... ich weiß nicht, ob sie es tut. Deswegen bin ich so nervös... ich weiß nicht was da läuft oder nicht läuft....“ Sie wanderte ein paar Schritte und griff jetzt selbst zu dem kleinen Rumfläschchen an ihrem Gürtel, um sich einen Schluck zu gönnen.

Ich habe nur vorübergehend nichts gesagt, damit ihr sicher seid! Damit ihr nicht den Kopf hinhalten müsst, weil ich falsche Entscheidungen getroffen habe. Ich weiß nicht wie die am Hof wirklich sind. Wie gerecht. Wie viel Raum sie einem lassen.“, sprach sie weiter und zuckte nur mit den Schultern. Sie wusste im Grunde nichts über die.

Vhenan schien auch nicht sonderlich entschlossen zu sein Raûl das alles auf die Nase zu binden, aber er hatte auch Kontakt zu denen am Hof. Er sollte es wissen. Neome sogar noch mehr. Aber auch dieses Verhältnis war gerade angespannt.

Ich hab in der Feldkanzlei nicht alles gesagt, das weißt du jetzt. Ich hab gelogen, um meinen eigenen Arsch zu retten. Ich hatte Angst.... ich hab sie auch jetzt noch, aber... manche Dinge sind zu wichtig, um sie zu verschweigen. Nicht aus Furcht! Ich will wieder frei sein. Und das bin ich nicht, wenn ich mich von den Grauen weiter festketten lasse. Die sollen nicht darüber bestimmen was ich fühle. Oder über was ich rede. … Ich will mich nicht wegen Dingen verstecken, die DIE mir angetan haben! Es hat länger gedauert, bis ich das eingesehen hab.... deshalb hab ich mich entschieden Sciptoria alles zu schreiben, was ich weiß. Die weiß sicher wer das Vademecum schreibt und wem sie die Informationen geben kann. Vielleicht hilft es auch dieser... Feindeskunde... keine Ahnung.
Nani schüttelte kurz den Kopf. Sie wusste jetzt viel über die Grauen, aber das hatte ihr alles nichts geholfen.

Aber diese Informationen haben ihren Preis. Sie sind gefährlich für Rashid und auch für mich. Wenn Scriptoria mir nicht hilft und irgendwas tut, kann es Rashid das Leben kosten. Wenn er an die falsche Person gerät kann die ihn umlegen... wenn ich jetzt in die Hauptstadt gehe... in offizieller Mission, dann werden sie mitbekommen wer ich bin... und wenn ich Pech hab... was in letzter Zeit ziemlich häufig der Fall ist, dann... dann können die auch mich abstechen. Ich weiß nicht wie sehr die sich an Befehle halten... wenn es denn einen gibt... keine Ahnung.... Ich wusste nicht, ob ich denen das sagen soll oder nicht, aber... die brauchen die Informationen für das Vademecum und auch für sich selbst... die müssen wissen was für Monster das sind! Und..... andere wollen die Informationen vielleicht haben, um... abzuschließen. Es ging auch um Eberhart und was mit ihm passiert ist... das ist der Löwengardist gewesen....

Vhenan senkte den Blick bei der Erinnerung an ihn. „ Ich konnte das nicht ungesagt lassen... In Valvas gab es diese eine Frau, die jahrelang den ganzen Tag in der Sonne am Stadtrand gesessen hat. Sie sah nur in die Ferne und hat darauf gewartet, dass ihr Sohn aus dem Krieg zurückkommt. Sie wusste nicht, ob er gefallen war oder lebte. Ob er vielleicht ein Gefrorener geworden ist. Keiner wusste das. Also hat sie gewartet. Sie hat nur noch gewartet und vergessen und verlernt zu leben. “ Nani sah wieder auf und musterte Raûl offen. Sie hatte ihre Gründe und stand zu ihrer Entscheidung. Es war richtig zu reden, aber das änderte nichts daran, dass sie Rashid und auch sich selbst in Gefahr gebracht hatte.

Jedes Schicksal ist besser als das. Ich hab sie irgendwann nur noch Nemorva genannt. “ Ohne Bewegung.
Irgendjemand wartet sicher auch auf Eberhart. Und auf die anderen. Vielleicht wissen die am Hof wer vermisst wurde... und sie wissen jetzt dank mir was mit den Toten geschehen ist. Ich weiß nicht, ob Rashid es denen schon gesagt hat... fünf Menschen wissen bescheid... das ist viel. Du weißt wie das ist, einer redet immer irgendwann. Und weil auch ich das weiß, hab ich beschlossen jemanden einzuweihen, der mehr Macht hat und vielleicht verhindern kann, dass die Rashid deswegen umbringen. Ich hab Scriptoria gebeten sich mit diesen Informationen herumzuschlagen. Ich kenn sie nicht. Ich mag sie eigentlich bisher gar nicht. Aber darum geht es nicht. Ich bin machtlos, ich hab hier überhaupt nichts zu sagen! Was soll ich schon tun? SIE dagegen kann etwas bewirken. Denke ich jedenfalls... sie ist... “ Nani machte eine ausladende Handbewegung. „ Wie der Rest da auch. Total verstockt und unentspannt, aber sie... sie schreibt. Sie kämpft mit Worten, nicht mit Klingen. Jeder dort mit einem Schwert in der Hand ist eine Gefahr für Rashid. Jeder von denen kann ihn umbringen, wenn er es will. Wem hätte ich schreiben sollen? Dem Hauptmann der Garde? “, fragte sie sarkastisch und schüttelte den Kopf. „ Jeder, der irgendwie auch nur einen Hauch militärisch involviert ist, der ist... eine Gefahr. “ Nani wollte nicht weiterreden und schüttelte nur den Kopf.

Scriptoria hat Kontakte... sie kann die Dinge anders regeln und sie... “ Vhenan wirkte etwas hilflos, als sie nach Worten suchte. „ Ich kann mich nur auf den Eindruck verlassen, den ich von ihr habe. Ich mag ihre Art nicht. Aber ich denke sie ist kein schlechter Mensch.

Wie Nani sie einschätzte hatten ihre Rechtschreibfehler und ihre Wortwahl der Schreiberin den letzten Nerv geraubt. Ihren Ansprüchen konnte sie aber eh nicht gerecht werden, also scheiß drauf, darum ging es auch nicht. Vielleicht hatte sie sie beleidigt und es nicht einmal gemerkt... Nani würde sehen, ob sie wieder blöd von der Seite angezischt wurde. Und selbst wenn war es ihr egal. In dem Brief ging es vorerst nicht um sie... es ging um die beschissenen Drachkaod und um Rashid. Er könnte ihr egal sein, sie könnte sagen: 'Was kümmert es mich, was mit ihm passiert?'. Aber so war sie nicht. Und jeder hier sollte das wissen. Freundschaft wog für sie sogar mehr als das Reich, in dem sie lebte. Kein Reich, keine Macht konnte ihr etwas geben, wenn sie allein war.

Und Vhenan war nicht dumm, sie hätte den Brief nicht geschrieben, wenn sie Genefe nicht eine gewisse Integrität zugestehen würde. Soetwas konnte man nicht lernen, entweder man besaß es oder eben nicht. Als schreibende Hand der Archonhälften musste sie ja irgendetwas davon besitzen. Oder nicht? Nani musste es hoffen. Aber es blieb komisch. Wenn sie damals nicht so blöd von der Seite angezischt worden wäre, hätte sie wohl ein unlösbares Problem gehabt... es war durchaus amüsant mit welchen Wegen das Schicksal sie konfrontierte. Das lachte sich bestimmt auch amüsiert ins Fäustchen.

Und ich denke, dass Scriptoria einem anderen Mitglied des Hofstaates helfen wird. Wenn sich ein Problem nicht allein lösen lässt, muss man eben die Bedingungen ändern. Das habe ich getan. Hauptsache man bekommt am Ende was man will! “, erklärte Vhenan pragmatisch. Raûl schummelte auch, da konnte er ihr erzählen was er wollte! „ Ich weiß nicht, was sie tut oder nicht tut. Ich weiß nicht einmal, ob sie und Rashid sich kennen. Ich nehm es mal an. Vielleicht sind sie befreundet, vielleicht hassen sie sich auch... das wäre für sie zwar die perfekte Gelegenheit ihn loszuwerden, aber.... ich glaube so ist sie nicht. Außerdem ist Rashid viel zu ruhig und nett, um gehasst zu werden.

Nani musterte Raûl eindringlich. „ Ich hatte keine Wahl, ich musste ein paar Dinge richtigstellen. Und ich habe meinen Einsatz selbst gewählt. Ich weiß nicht was da passiert... ich hoffe sie kann irgendetwas tun, um die Informationen zu nutzen ohne ihn umzubringen. Wenn nicht.... ist er schon der dritte, der wegen mir stirbt... “, gab sie leise von sich.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Fr Dez 18, 2015 6:04 pm

Raûl folgte Vhenans Worten, aber der entscheidende Hinweise kam nicht. Es musste wichtig sein, es ging um die Toten, die drüben geblieben waren, es ging ganz besonders um einen Eberhart, den er nicht kannte. Und es musste auch um Rashid gehen. Nani klopfte um den Busch herum, wollte es nicht aussprechen, konnte es offensichtlich nicht formulieren. Irgendwie wurde ihm ganz übel. Trotzdem musste er es jetzt wissen und daher fragte er sie direkt, damit sie endlich sagte, was sie vorher der Scriptora nur geschrieben hatte:"Was ist mit den Toten passiert? Was ist mit diesem Eberhart passiert?" Irgendwie hatte er das Bedürfnis, sie zu packen und zu schütteln.

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BeitragThema: Re: Von güldenen Briefen   Fr Dez 18, 2015 6:26 pm

"Das geht dich nen Scheißdreck an!", rutschte es Vhenan ungehalten heraus, als Raûl diese fiese Frage stellte. Sie hatte sich in Rage geredet und dieses eine Detail beinahe doch hinausposaunt, obwohl sie zuvor eisern geschwiegen hatte. Felszlach! Ihr wurde wieder schlecht und sie bläute sich selbst ein ab jetzt wieder mehr Acht auf ihre Worte zu geben. Das fiel Nenani ohnehin schwer genug, sie dachte viel zu sehr mit dem Herzen und weniger mit ihrem Kopf. Deshalb ignorierte sie Raûl bewusst und schüttelte nur ihr Haupt. Nein.

„Ich geh wieder arbeiten.“, beschloss die Kleine spontan und marschierte davon in Richtung Strand.
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