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 Weithergeholtes

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Chattras

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BeitragThema: Weithergeholtes   Do Dez 03, 2015 8:18 pm

Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort ...

Ein weiterer Windstoß aus dem Schacht ließ die Kerzenflamme erlöschen. Chattras seufzte, schicksalsergeben. Seine Hand tastete nach der Zunderbox.
Die Thanatorien waren vielleicht nicht sehr bequem, außerdem natürlich kalt und zugig, aber wenigstens hatte man hier seine Ruhe. Erstaunlich, welchen Lärm eine ganze Festung voller Leichen produzieren konnte.
Zunderbox ... Stein ... Mist.
Die tastenden Finger des Beschwörers stießen gegen das Kästchen, Eine Wolke aus feinen Holzsplittern stob auf und war mit dem nächsten Zug schon wieder verschwunden.

Also eben mit Gewalt.

Das Messer glitt in kalter Routine über seine Hand. Ein einzelner Blutstropfen rann den ausgestreckten Mittelfinger entlang und tropfte auf den Kerzendocht. Ein Zischen. Licht.

Besser. So, wo hatte er aufgehört? Ah, ja ...


Verehrte Reisegefährten, liebe Kameraden im Gefecht, durchaus tolerierter Rest,

Wer wer war, konnten sie vermutlich selbst herausfinden.

ich will gerne gestehen, das eine nicht unbeträchtliche Zeit verstrichen ist, seit wir uns separierten. Umso mehr, als vermutlich diese Nachricht noch einmal einige Wochen in Anspruch nehmen wird, bevor sie das Lehen erreicht. Leider sind die Seewege in dieser Jahreszeit nicht einfach zu befahren, und das Konzil hat mir verboten, das Konstrukt mit den rotierenden UnFlügeln in Richtung Mithraspera zu schicken.

Chattras hatte natürlich protestiert, aber letztendlich musste er eingestehen, dass es sicher nicht klug war, die Aufmerksamkeit der Knochenkönigin auf seine Person ein weiteres Mal zu riskieren. Außerdem war es teuer.

Bis ich also eine Möglichkeit finde, die Kommunikation zu beschleunigen, wird es wohl so funktionieren müssen. Ich vermute aber, dass ihr unter diesem Zustand nicht sonderlich leiden werdet.

Ich kann nur erahnen, wie es euch seit dem Feldzug ergangen ist. Immerhin, eine unerwartete Begegnung g hat mir verraten, dass ihr es wohl heil bis nach ...

Hier stoppte Chattras, nach dem Namen des Lehens suchend.

... Shaichara geschafft habt. Auf dem Herbstfeldzug unserer Delegation bin ich nämlich der Rotte begegnet, besser gesagt, einem Teil.

Wir waren eingeladen, am Spiel um die Inseln der Macht, weit im Süden der Südlande teilzunehmen.

Ein selten dämlicher Name für einen Kontinent, aber was sollte er machen? "Tellus Chattrastrophalis" war nun einmal abgelehnt worden.

Diese seltsame Veranstaltung wird von schier unermesslich machtvollen Geistern gelenkt, welche Völker aus allen Weltecken aufrufen, sich im Kampf um bisher von Nebel verhüllte Eilande zu messen, auf denen machtvolle Artefakte, Geheimnisse aus dem Morgengrauen der Zeit und kostbare Rohstoffe verborgen liegen - das Übliche eben. Während der Kämpfe sind die Seelen der Teilnehmer an diesen Ort gebunden und können so von den Totemn wiedererweckt werden. Das Ganze soll mit einem ziemlichen Brimborium an Prüfungen, geisterhafter Bürokratie und dramatischen Floskeln verbunden sein - ich bin recht froh, dass es mir erspart geblieben ist.

Entgegen der sonstigen Neigungen meiner Heimat (der freien Zuflucht im Lande Eternia, wenn ihr euch erinnert) haben wir uns dem Lager des Kriegsgeistes angeschlossen. Neben uns fochten auch noch die Bracar Keltoi und, als ihre Gäste, die Rotte. Alle waren nicht dabei, aber ich konnte ein paar Mal mit Schmonk plaudern. Er hatte allerdings viel damit zu tun, das örtliche Urvolk, "Uth" genannt, zu befreunden. Sagt ihm "As Uth" von mir, wenn ihr ihn das nächste Mal seht.

Nervenaufreibende Zeiten. Ich habe zwar nicht so viel gefochten wie in Kelriothar (was irrational erscheint), bin aber häufig als Bote, Nachtwache, Informant, Schreiber und Gehilfe missbraucht worden. Auch einige Rituale mussten gewirkt werden. (Mit Erfolg, falls jemand das in Zweifel ziehen will.) Schlussendlich errangen wir den dritten Platz. Und haben im Zelt der Bracar kräftig gefeiert, was euch vielleicht mehr interessiert. Ihren Druiden kenne ich jetzt ein wenig - ich habe mein Blut für seinen Kessel gegeben. (Nicht alles natürlich.) Ganz umgänglicher Bursche, wenn man mal über die krustenstarrende Kleidung und das riesige Opfermesser hinweg sehen kann.

Danach wurde es ruhig, und ich hatte Gelegenheit, einige Wochen in der Zuflucht Atem zu schöpfen. Aber wie ist es euch ergangen? Ist der Streit begraben? Das Lehen endgültig zur Räuberhöhle aufgestiegen? Ist Raûl schon Archon? Haben euch die Rationalisten unbehelligt gelassen? Geht es Vhenan gut? Hat Vayle schon versucht, die Elfenhohepriesterin zu schänden/ermorden?

Ich hoffe, von euch in einigen Wochen zu lesen. Die Tavernen in diesem Land sind nicht gerade trist, aber ohne euch fehlt etwas.

Chattras
Sohn des Serrasthes
Haus Melanes
Eingeweihter in das Mysterium Somai
Schüler der Taja
O Kosh not Un

... und Oshead

Er nahm das Papier und schob es in den Umschlag, den er mit etwas Kerzenwachs verschloss. Die Postmeister würden wissen, wie sie es zu versenden hatten - immerhin war Mithraspera kein kleiner Kontinent. Er trat einige Schritte ins Dunkel und schob das Kuvert in eine ausgestreckte Hand.
"Eughbert, ich will, dass du diesen Brief so schnell wie möglich zur Poststelle bringst. Du wirst diesen Brief allen Dienern geben, die zumindest den Rang eines Postmeistersgehilfen besitzen. Du wirst dem, dem du diesen Brief gibst sagen, dass er in das Lehen Gutenbucht im Reich der Rosen in Mithraspera gesandt werden soll, zu den Lehrnsherrschern. Du wirst dies tun und nur dies und darüber hinaus nur das zu diesem Dienst Unerlässliche. Du wirst es sogleich tun und du wirst alle bis auf die notwendigsten Reparaturarbeiten nach diesem Dienst tun. Ausführen, marsch!"

Chattras, der sich sicher war, dass sein sorgfältig formulierte Befehl alle Eventualitäten Künstlicher Dummheit abgedeckt hatte, beobachtete, wie sich leichenblasse Finger um das Papier schlossen. Der Zombie namens Eughbert stöhnte, trat aus dem Alkoven und schritt dann entschlossen direkt in den Müllschacht.
Nach kurzer Zeit hörte man aus der Tiefe ein dumpfes Platschen.

Chattras blickte eine Weile in die Dunkelheit.
Er überlegte zunächst, ebenfalls in den Schacht zu springen (des dramatischen Effektes wegen), zog es dann aber vor, die Treppe zu nehmen.

Zum Glück war das Papier robust.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Dez 03, 2015 8:31 pm

Der so entstandene Brief liegt nun, neben einigen anderen, in einem Postsack im Büro des Hafenmeisters von Takbal. "An Oshead" ist unübersehbar in fetten, schwarzen Lettern darauf geschrieben.

Der Umschlag ist ramponiert und abgewetzt. Salzwasserflecken prangen neben Wachstropfen, Farbresten und etwas, das vermutlich Blutspritzer sind. Offenbar war die Reise nicht ganz einfach.

Es braucht nur noch jemanden, der den Sack öffnet.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Dez 05, 2015 9:04 pm

Im Postamt, wenn man es denn tatsächlich so nennen wollte, tat sich wie es zu erwarten war... wenig. Genau genommen gar nichts. Fellar hielt gerade ein nicht verdientes Mittagsschläfchen und dachte nicht daran die Post zu sortieren. Noch nicht. Das konnte er später immer noch tun. Diese fünf Briefe würde sicher niemand vermissen... hier konnte doch kaum jemand lesen und die, die es konnten waren seiner Meinung nach recht unwillig es zu tun. Immer wenn jemand von den neuen Lehensverwaltern einen Brief bekam, begann er zu fluchen und regte sich über die weit verbreitete Sprache auf. Konnte Fellar nicht verstehen. Das war doch viel zu anstrengend. Die regten sich ohnehin immer über seltsame Dinge auf. Über die Sprache, über zu viel Arbeitseinsatz... und dann hatten die alle diese seltsame Lebensweise. Krochen immer erst mittags aus den Zelten oder Hütten, hatten Kopfschmerzen und trotzdem gute Laune... dann begannen sie den Tag langsam einzuleuten und fingen manchmal erst richtig an zu arbeiten, wenn er selbst den Tag schon völlig erschöpft ausklingen ließ. Wenn Fellar schlafen wollte, feierten die anderen laut am Feuer und gingen erst schlafen, wenn morgen der Hahn krähte. Das konnte doch nicht gesund sein! Fellar wusste nicht wie und wann all die Hütten gebaut wurden, aber es geschah tatsächlich. Immer wenn er hinschaute stand da eine neue und es war ihm jedes Mal ein Rätsel. Erstaunlicherweise arbeitete sogar der Statthalter mit. Manchmal in einem Anflug von Arbeitseinsatz schon morgens kurz nach Sonnenaufgang, wenn Fellar noch gar nicht aufstehen wollte. Die arbeiteten immer dann, wenn er Ruhe brauchte. Seit sie da waren, war es furchtbar laut.

Die neuen Herren waren seltsam, eigenwillig, laut, aber recht umgänglich, wenn man sie nicht auf dem falschen Fuß erwischte. Es gab so einige hier, deren Blut bei nur einem falschen Wort höher kochte. Aus der Kleinen mit dem vielen Schmuck wurde Fellar nicht schlau. Mal war sie nett und machte ihre Scherze und im nächsten Moment konnte sie wütend in dieser fremden Sprache fluchen, dass einem die Ohren schlackerten. Und dann dieser Koch. Wenn der einmal anfing zu schreien und zu wüten, dann sollte man sich verziehen... Der war kein Stück besser als der Statthalter, der den faulen Arbeitern bei Bedarf Beine machte. Wenn Oshead etwas konnte, dann fluchen. Aber das war für Seeleute vielleicht normal. Darüber hatte Fellar noch nie nachgedacht...

Er ließ die Tage lieber ruhig angehen. Leise und gemütlich in diesem stillen Büro, das nicht ihm, sondern dem Hafenmeister gehörte. Der trieb sich aber immer draußen irgendwo herum und war kaum hier. Also war Fellar doch der heimliche Herrscher dieses Büros... er träumte davon ein Schild mit seinem Namen anzubringen, aber diejenigen, deren Namen man kannte, mussten immer so viel arbeiten. Dann lieber doch kein Schild.

EY!
Ein aufdringlicher Ruf zerriss seine Träume und der Postmann schrak mit klopfendem Herzen auf. Was? Wer? Wo?
Ich hab nichts gemacht!“, verteidigte er sich gegen den anklagenden Ton.

Ja... das seh ich.“, antwortete Vhenan trocken und lachte laut. „Machst du eigentlich noch was anderes als schlafen? Und dann tust du immer so erschöpft... jetzt Zack Zack, haben wir neue Briefe?

Widerwillig und noch halb im Tiefschlaf gefangen deutete Fellar auf den Postsack und Nani bediente sich einfach. „Nein... nein.... nein.... hm, schade.... oh!
Sie wirkte überrascht, als sie einen Brief 'An Oshead' fand.

"He?", fragte sie irritiert. Ân Oshead? Hatten sie sich selbst einen Brief geschrieben? Sie bemerkte ihren Denkfehler und gab einen genervten Laut von sich. Sie hatte natürlich wieder in Chollodan gedacht. "Bradach!"

Wer schrieben ihnen denn Briefe? Golden war der Umschlag ja nicht. Und sie erwartete Scriptorias Antwort aus den Händen Tonars, der immer noch wortlos verschollen war. Hatte der sie verarscht? Dabei war er gar kein Gomba... und er bekam das letzte Kupferstück ohnehin erst, wenn er wieder hier auftauchte. Sie war nicht dumm und hatte wie immer nur eine Anzahlung geleistet.

Aber sie hatte beschlossen diese anstrengende Sprache besser beherrschen zu wollen. Vielleicht schrieb Rashid auch zurück. Außerdem war es schon aus geschäftlichen Gründen angemessen besser lesen und schreiben zu können. Sie lebten jetzt hier. Im Handel ihres Vaters hatte sie mitgeholfen und wusste wie wichtig es war Buch zu führen. Wenn sie mit den anderen Lehen in Kontakt traten, oder auch mit der... Chemya... dann sollten sie mehr zu Papier bringen als ein paar gestakste Floskeln in der Handschrift eines Kindes. Aber es war so verdammt mühselig... da half hin und wieder nur ein Krug Rum. Bei dem es natürlich nicht belassen werden konnte. Dann kam eins zum anderen und man war viel zu gut gelaunt (oder auch betrunken), um sich konzentrieren zu können. Es war ein Teufelskreis.

Hier... bring die weg.“ Sie legte Fellar die restlichen Briefe auf den Tisch und stolzierte mit dem ranzigen Brief nach draußen an die frische Luft. Sie konnten diesen 'Häusern' noch immer nichts abgewinnen. Jurten waren viel gemütlicher.

Draußen angekommen öffnete sie den Brief, zog ihn glatt und begann mit konzentriert zusammengekniffenen Augen zu lesen. Da hatte einer viel Text geschrieben!

Verehrte Reisegefährten, liebe Kameraden im Gefecht, durchaus tolerierter Rest,

Die Worte flogen durch ihren Kopf und sie stutzte. Was war das denn? Die Ausdrucksweise kannte sie. Wie von selbst glitten ihre Augen nach unten, wo der Name des Verfassers stehen sollte.

CHATTRAS!!“, jubilierte sie hoch erfreut und strahlte das Dokument an.

Sie las laut und euphorisch den Titel vor. „Chattras, Sohn des Serrasthes, Haus Melanes... YA, wir müssen einen trinken!!... Eingeweihter in das Mysterium Somai, Schüler der Taja, O Kosh not Un. Ach so schreibt man die!“ Das hatte sie nicht gewusst. Interessant.

HA! Wie schön!“ Ihre Augen flogen zum Anfang zurück. „Ich bin der tolerierte Rest!“, freute sie sich laut, auch wenn sie ahnte, dass sie zu einer anderen Gruppe gehörte. Sie schätzte diese freundschaftlichen Beleidigungen.

Vhenans Euphorie verflog allerdings im nächsten Moment. „Nein, jetzt stakst er wieder so.“, beschwerte sie sich leise und versuchte Schrift und Satzbau zu verstehen. Anstrengend! Aber sie machte Fortschritte.

Was? Die Seewege sind nicht befahrbar? Unfug! Ihr traut euch nur nicht!“ Pff. Was waren das denn für Ebbepiraten! Vermutlich feige Landratten, die ein wenig Abenteuerluft schnuppern wollten.

Ich vermute aber, dass ihr unter diesem Zustand nicht sonderlich leiden werdet.
Stimmt.
Sie las weiter und lachte im nächsten Moment.
Schaichara?? Ey! CHATTRAS!“, fluchte sie laut in alter Gewohneheit und lachte wieder. „Ma Bulba!

Viel interessanter war aber die Begegnung der Rotte. Irgendein Schwein traf man immer, ganz egal wo man war. … bla bla bla... Insel der Macht? Das klang nach einem Ort, an dem Chattras sich wohl fühlte.

Auch einige Rituale mussten gewirkt werden. (Mit Erfolg, falls jemand das in Zweifel ziehen will.)
HA! Als ob! Alles Gerüchte!“ Sie fühlte sich bei dieser Bemerkung sofort angesprochen und nahm sich das Recht heraus zu behaupten, dass SIE der Grund für diesen Einwurf war. Erfolgreiche Rituale waren doch genauso an den Haaren herbeigezogen wie Smiehs Heldentaten!
Nani grinste blöd vor sich hin und las langsam weiter.

Neue Kontakte waren gut. Neue Kontakte zu feierfesten Zeitgenossen waren umso bessser! Mensch, da hatte der Magier ja mal etwas richtig gemacht.

Ist der Streit begraben? Das Lehen endgültig zur Räuberhöhle aufgestiegen? Ist Raûl schon Archon? Haben euch die Rationalisten unbehelligt gelassen? Geht es Vhenan gut? Hat Vayle schon versucht, die Elfenhohepriesterin zu schänden/ermorden?
Vhenan las und konnte alle Fragen mit 'nein' beantworten. Wobei sie keinen Schimmer hatte welche Elfenhohepriesterin hier gemeint war. Die Seelensteinfrau? Die, die Nani nur an ihrem Teppich am Vorzelt erkannt hatte? Vielleicht. Hm. Hatte Vayle wieder einen Stein im Schuh gehabt? Dieses griesgrämige Gemurmel hatte die Kleine irgendwann ausgeblendet und nicht mehr zugehört. Vielleicht hatte sie doch etwas wichtiges verpasst, aber... war jetzt auch egal. Vielleicht wussten die anderen mehr. Sie las weiter.

Nach dem letzten Satz entließ sie ein ergriffenes „Ohhhhhh“ und drückte den Brief kurz an sich. „Ja Tavernen ohne uns sind nur halb so toll.“ Sie strahlte über dieses Kompliment und lief mit dem Brief in der Hand freudestrahlend ins Dorf, um die anderen zu informieren.

EY! Oshead! ATA! Chattras hat uns einen Brief geschrieben!
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Mallo
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Dez 12, 2015 6:00 pm

"Zeig her!", forderte Mallo sie rasch auf. Er war ums Eck gebogen gekommen, selbst einen Umschlag in der Hand, den Hut auf dem Kopf und steckte in einem unförmigen, schwarzen Mantel aus dickem Leinen. Hundertprozentig keine Chiryakunst, und so wirkte der schmale Kerl auch entsprechend wuchtig und schwer in dem dicken Ding.

"Wie gut! Zeig her", wiederholte er ein bisschen leise und versuchte, Nani den Schrieb aus den Fingern zu klauen. Gelang das nicht, streckte er ihr seine Hand direkt hin und wartete, bis sie ihm den Brief gab; Gelang es, las er ihn in schnellen Augenbewegungen durch.

So oder so aber fragte er die kleine Naihlar: "Willst du antworten, oder soll ich?"

Er war verkrampft in seinem Griff. Der Küstenwind, der stetig kälter wurde und eisiger ob des nahenden Winters setzte dem Chirya schwer zu. Bereits einmal hatte er sich einen Husten geholt, als er mit oder besser unter Raûl auf dem Bau geschuftet hatte - aber das tat er so gern und so tüchtig, dass er keine vier Tage das Bett gehütet hatte. Inzwischen war er wegen der verschleppten Erkältung kurzatmiger geworden und hatte an Muskeln abgebaut - hatte sogar so etwas wie eine Taille bekommen, die man selten sah. Das hatte aber nichts an seiner zunehmend enthusiastischen Geisteshaltung geändert. Die meiste Zeit in Gutenbucht verbrachte er weiterhin damit, beim Hüttenbau zu helfen. Die andere Hälfte, dann, wenn es dunkel und kälter wurde, stand er in der großen, dampfigen Küche, die zur Gemeinschaftshalle gehörte, um Oshead und Siedler, die wollten, mit was Gutem zu Essen zu versorgen. Die Aushilfsarbeit auf dem Schiff von Neomes Vater hatte Spuren hinterlassen. So ungeschickt Mallo sich in einer Lagerküche anstellte, so flink und kundig war er in einer gebauten, wo er alle Gerätschaften zur Hand hatte und Platz, auch wenn er sich den oft erst freiräumen musste. Bald kannte er jeden Winkel und jedes Fach und natürlich Heribas, wenn der denn mitmachte; Nur von den Fleischtöpfen und Kühlhallen ließ er überzeugt die Finger und ließ es die alten Köche machen. Und Abends, wenn alle versorgt waren und tranken, hockte er sich als erster zufrieden dazu.

Was vielleicht Nani, wenn sie gerade einen Nerv hatte, auf Nebensächlichkeiten zu achten, aufgefallen sein konnte, war, dass Malen in letzter Zeit und an solchen Abenden die Mädchen beobachtete; Allerdings sie und die Pakata weniger als Gwen, als erforschte er sie, denn er machte sich dazu Notizen. Oder es sah nur so aus, denn Notizen machte Mallo sich fast ständig, wenn ein wichtiges Wort fiel, und das passierte heuer häufig.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Dez 12, 2015 6:38 pm

Schon kam ihr Mallo entgegen und rupfte den Brief aus ihren Händen. Nani ließ es zu, weil sie in diesem Fall wollte, dass er den Brief las. Sonst hätte sie vielleicht anders reagiert und sich eine freundschaftliche Rangelei mit ihm geliefert. Aber nicht jetzt, Chattras war wichtiger.

….
Das klang falsch. War jetzt aber auch egal!

Nani beobachtete Mallo grinsend, weil sie, während er den Brief las, das Geschriebene selbst noch einmal gedanklich durchging. Es war schön von dem schrägen Vogel zu hören. Dieses verbale Gestakse, bei dem sie immer schnell ins Kielwasser geriet und weghörte, hatte seinen ganz eigenen Charme. Manchmal sprach sie, während eines Gesprächs mit Chattras, nebenbei noch mit anderen und dachte sich, wenn sie ihre Konzentration wieder auf den Magier lenkte: Hoi! Der redet ja immer noch!

Dem Jungen schien es ja wieder besser zu gehen. War aber auch kein Wunder, dass er krank wurde, wenn er immer nur unter Deck hockte und nicht abgehärtet war. Wenn man im Sturm mit frierenden Fingern in der Takelage arbeitete, war man ganz andere Dinge gewohnt. Nani trug deswegen auch nur einen leichten schwarzen Mantel aus Loden ohne Ärmel, den sie selbst an ihre Größe angepasst hatte. Sie hasste Stoff an ihren Unterarmen und richtete ihre Kleidung dementsprechend aus. Ihre Gürtel hielten den dunklen Stoff am Rücken körpernah, durchbrachen ihn an den Hüften und waren vorne ohne Mantelberührung über dem roten Hüfttuch fixiert. Von vorn betrachtet wirkte es so, als wäre der Mantel frei. War er aber nicht. Auf dem Schiff musste man praktisch und warm gekleidet sein, da ließ man sich einiges einfallen.

Vielleicht sollte Mallo hier und da an seinem Mantel auch ein paar Fäden einziehen, damit ein wenig mehr Eleganz in seine Erscheinung kam. Der Mantel trug den Jungen, nicht umgekehrt, wie es sein sollte... aber die Hauptsache war doch, dass er warm eingepackt war und nicht wieder im Bett herumliegen musste. Nani konnte verstehen, dass es ihn genervt hatte. In diesem Punkt waren sie sehr ähnlich.

Hmm... ich weiß nicht.“, sagte sie unentschlossen und musterte Mallo.
Jetzt guckte er schon wieder so komisch! Es legte sich ein kleines Grinsen auf ihre Lippen, das nicht in ihren Augen widergespiegelt wurde.

Vielleicht willst du ihm antworten.... und ihm sagen, wie es mir geht?“ Es war ein deutlicher Seitenhieb, denn natürlich war ihr aufgefallen, dass sie beobachtet wurde. Sie war nicht blöd. Die Anderen schienen ihr nicht mehr zu trauen, nicht so wie vorher. Auf eine Weise konnte die Kleine es verstehen, sie wusste ja selbst nicht was die dort alles mit ihr gemacht hatten. Aber sie kam sich vor wie ein Verräter, den man bisher noch nicht entlarvt hatte!

Den anderen waren vielleicht einige Dinge aufgefallen. Sie hielt sich bei jeder Mahlzeit fern von Fleisch, eine Zeit lang hatte sie sogar Fisch gemieden, den sie mittlerweile wieder akzeptierte. Sie sah sich öfter um, vermutete hinter jedem Satz eine böse Falle und antwortete selten ohne spitze Bemerkung und unterschwelliger Aggressivität. Wie auch jetzt. Sie konnte nicht anders, sie musste Mallo einfach blöd von der Seite anmachen.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Dez 16, 2015 10:12 pm

Mallo zermürbte seine Mimik über irgendwas in den Zeilen, die er las.

"Er ist ja richtig nett", schloss er ab, erst dann drang Nanis Satz zu ihm durch. Er sah ihr in die Augen. Seine zuckten ein wenig.

"Das... kann ich natürlich nicht. Dazu müsst ich's wissen."
Er ließ das so im Raum stehen. Sie konnte darauf eingehen wenn sie wollte, oder es sein lassen. Sein Blick allerdings war einer der stillen, wortlosen Anteilnahme an etwas, das er nicht kennen konnte, weil es zu schrecklich war, um es je auszusprechen.

"Was sollen wir den Schweinen sagen - 'As Uth'?" Und ohne eine Antwort abzuwarten wandte er sich der nächsten Hauswand zu und kramte von irgendwo aus den Schwaden des Mantels seinen Graphitstift hervor, um genau das auf den Umschlag zu schreiben, den er selbst in der Hand trug. Danach reichte er Nani den Brief zurück.

"Hier. Du hattest ihn zuerst."
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Dez 16, 2015 11:14 pm

Während Mallos Augen zuckten blieb Nanis Blick stur und unbeirrt auf dem Jungen ruhen. Sie zuckte nicht, sie blinzelte nicht einmal.
So? Gibt es noch keine allgemeine Meinung, die ihr euch hinter meinem Rücken gebildet habt? Kann ich ja kaum glauben.“, bockte sie streitsuchend weiter.
Tyskke hätte sie dafür wieder mit seinem irren Blick angepfiffen und sich im anschließenden Hickhack beherrschen müssen ihr keine zu knallen. Allein diese Hemmschwelle des Riesen war für sie ein Fest gewesen. Mallo dagegen sagte immer Dinge, die sie nicht angreifen konnte. Wie machte er das? Es nervte sie furchtbar. Und sie drückte es durch einen genervten Laut aus.

Es nervte sie auch, dass sie in Mallos Gegenwart im Teerausch etwas ausgeplaudert hatte. Wusste er es noch? Erinnerte er sich? Hatte er überhaupt zugehört?? Jupp und seinem Flügelmann in weiblich hatte sie es auch beiläufig eingeschenkt,, aber die waren viel zu sehr damit beschäftigt gewesen in die Kapitänskajüten fremder Schiffe zu kommen, dass es ihnen wohl egal war. Konnte Jupp sich kein anderes Schiff zum Entern suchen?! Langsam ging er Nani auf den Sack. Der sollte seinen rostigen Nagel nehmen und beidrehen! Obwohl ein Jupp vielleicht gar nicht so schlecht wäre, um sich abzulenken. Nur ein anderer Jupp. In großen Häfen gäbe es ganz andere Möglichkeiten... die Docks hier müssten unbedingt ausgebaut werden, hier lief ja gar nichts!

Aber was war mit Mallo? Nenani konnte nicht fragen, hatte nie den richtigen Moment erwischt und wurde deswegen nur noch wütender. Der sagte von sich aus ja auch nie was.
Vhenan brodelte innerlich weiter und beobachtete Mallo, wie er den bekannten Stift zückte. Sie hatte damit gerechnet, dass er auch sein Büchlein hervorkramte, aber das war nicht der Fall. Es reichte ihm ein Blatt Papier, das sie gar nicht als Umschlag wahrnahm.

Die Kleine nahm das Schreiben des Magiers wieder an sich. Musste sie Chattras jetzt tatsächlich schreiben? Bald wäre sie soetwas wie der heimliche Diplomat der Gruppe. Völlige Schnapsidee!
Und das nur weil sie ihn zuerst in den Händen gehalten hatte? Kowa! Was war denn das für ein Argument?
Na danke. Ich bin in letzter Zeit häufiger zur falschen Zeit am falschen Ort.“, murrte sie beleidigt, nahm den Brief und lief weiter. „Vielleicht solltest du dich freuen, dass ich ihn zuerst hatte...“, knallte sie Mallo schon im Marsch noch an den Kopf. Es gab noch andere, die ihn sicher lesen wollten.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Dez 17, 2015 4:56 pm

Mallo musterte Nani mit einem Anflug von Irritation.

"Wie kommst du auf die Idee?", hakte er auf ihren irrationalen Vorwurf nach, "Wenn du glaubst, dass wir lästern, liegst du falsch. Ich-" Plötzlich echauffierte gar er sich auf seine leise, scharfe Art, schüttelte rapide den ansatzweise ergrauten Kopf und zeigte sich in einer Verfassung barer Verständnislosigkeit: "Ich bin doch fast immer da, wo du bist. Ich arbeite mit dir und wenn ich das nicht mache, dann koche ich, damit du was Anständiges zu Essen hast. Und Abends sauf ich mit dir. Also wenn du glaubst, dass ich lästere, irrst du dich. Für so einen Schwachsinn hab ich keine Zeit."

Also wollte sie nicht über ihr Befinden selbst schreiben? Oder doch? Sie wusste doch noch am meisten von Allen, und am besten, wie mit dem umzugehen, was mit ihr nicht stimmte. Oder nicht? Was denn nun?

Er hatte ihr den Brief gereicht, aber die forsche Geste, mit der sie ihn wieder an sich nahm, ließ ihn die Hände auseinanderführen.

"Was hab ich falsch gemacht?", konfrontierte er sie direkt, aber da war sie schon im Davonrauschen begriffen. Mallo zuckte mit den Schultern und wandte sich ab. "Bis dann", sprach er mehr zu sich selbst, hob aber noch die freie Hand, ohne sich nach Nani umzudrehen. Sie würden sich bestimmt spätestens am Abend wiedersehen. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass sie so zu ihm war, doch Mallo machte es sich immer zur Aufgabe, die Anlässe zu analysieren, die sie wütend machten. Hier konnte er ihn nicht erkennen. Egal. Nani würde sich wieder beruhigen und einen neuen finden und der heutige wäre vergessen. Und irgendwann würde sie erzählen.

Auf dem Weg zum Postamt steckte er sich einen Glimmstengel an.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Dez 17, 2015 10:49 pm

Nichts.“, hatte Vhenan Mallo noch kaum hörbar zugeknurrt, als der sich laut fragte was er falsch gemacht habe. Vielleicht hatte es seine Ohren gar nicht erreicht. Mallo hatte nichts falsch gemacht, aber er konnte all die Gründe nicht kennen, aus denen die kleine Naihlar sich aufregte. Darüber hatte sie ihm gegenüber kein Wort verloren. Der Mahzhak war der einzige, der wusste welche Dinge hier im Hintergrund vor sich gingen. Auf Briefe reagierte Vhenan derzeit empfindlich, es erinnerte sie nur daran, dass sie nicht wusste wie es um Rashid stand. Sie machte sich Sorgen, wurde unruhig und unbeherrscht. Offen nervös. Und sie wollte Chattras sicher nicht ihr Herz ausschütten! Das ging dann doch etwas zu weit. Also was bitte sollte sie ihm schreiben? Sie wollte nicht, wurde bockig und ließ ihre Wut wie so oft an der falschen Person aus. Jetzt hatte es Mallo erwischt. Mal wieder. Dumm gelaufen.



Oh neeein.“, beklagte sich Fellar hörbar und verdrehte leidend die Augen, als er jemanden herannahen sah. Der Mann mit den dunkelbraunen Locken und Bartflaum hatte beschlossen sich eine Pause zu gönnen und frische Luft zu schnappen. Jetzt stand er in hellem Leinenhemd, grüner Hose und ausgelatschten Sandalen vor dem Büro des Hafenmeisters (seines Postamts!) und tat so als täte ihm sein Rücken vom langen Sitzen weh. Dabei hatte er ihn sich beim Mittagsschläfchen verrenkt.

Natürlich hatte er die dahingelegten Briefe nicht verteilt. Sie lagen immer noch auf dem Tisch. Aber das herannahende Unheil war kein Seefahrer in rot-schwarz, den man wegen des viel zu übertriebenen Schmucks schon heranscheppern hörte, nein, es war eine dieser hellen, ruhigen Gestalten, die ihm nicht minder suspekt waren. Wie kamen diese Leisen und Lauten überhaupt miteinander klar, es war ihm ein Rätsel. Die Welt hatte viel zu viele Geheimnisse für ihn und selten konnte er eines davon lösen. Das war ihm auch viel zu anstrengend. „Hoffentlich geht der wieder weg.“, murmelte Fellar und sah hinüber zu den Docks, wo der Hafenmeister mit irgendwem über einer Liste brütete.



"EY! MALLO!", rief Nani plötzlich aus dem Nichts heraus. Sie war umgekehrt, um dem Jungen noch etwas zu sagen. "Du kannst Chattras auch einen eigenen Brief schreiben. Warum muss nur ich das machen? Ich will nicht ständig Briefe schreiben! Langsam reicht's mir. Schreib ihm was du schreiben willst und wir schicken die Zettel alle ab." Sie stand in einiger Entfernung und es sah nicht so aus, als ob sie näher kommen wollte.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Fr Dez 18, 2015 4:14 pm

Da stand er, der leidige Beamte, dem Mallo noch keine genaue Musterung entgegengebracht hatte und tat, wie so einige Siedler es taten: Einfach dreinsehen und auch ohne Worte über den Arbeitsalltag schimpfen.

"Atata, Fellar", grüßte der Bursche mit einem groben Recken des Kinns, "Ich hab Arbeit."

Er betrat das Büro gar nicht erst, sondern musterte offen die Aufmachung des Postmanns. Dass er sich nicht den Arsch abfror! Mallo zog die Brauen zusammen. Dann aber reichte er ihm seinen Brief.

"Hier. Das geht ans Lehen der Rotte. Diese Schweinemenschen. Steht drauf. Die Boten müssen sie kennen."

Er fuhr herum, als er Nanis Stimme plötzlich wieder hinter sich hörte. Er musterte das Mädchen und zog den Glimmstengel tot, bevor er den Stummel mit dem Stiefel zerdrückte. Dann nickte er, offen der Idee gegenüber.

"In Ordnung. Jetzt gleich?" Die Frage ließ ihn den Blick auch wieder gegen Fellar wenden. Wenn er schonmal hier war - andererseits hatte sie gesagt, sie sollten die Zettel sammeln und gemeinsam schicken. Also winkte er gen des Mannes ab, dankte leis und trat wieder in Nanis Richtung, den Rückweg an. "Find ich 'ne gute Idee. Ich seh die Pakata heut Abend, ich frag sie mal, ob sie auch was beisteuern will." Er sprach ganz gewöhnlich mit Vhenan. Ihren kleinen Ausbruch maß er entweder keinen großen Wert bei, oder er nahm ihn so hin, sich nicht darauf einlassend.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Fr Dez 18, 2015 6:45 pm

“Neeeeeeeein!“, brüllte Fellars Haltung Mallo entgegen, aber der ältere Mann gab nur ein unwilliges Brummen von sich. Er nahm den Umschlag entgegen und hörte stoisch zu.

Rotte... Schweinemenschen?
Fellar musterte Mallo eindringlich und fragte sich still weshalb diese Leute, leise wie laute, ständig jemanden beleidigen mussten. Schweinemenschen! Das ging doch wohl netter! Er fragte sich auch wie die beim Archon eloquent genug gewesen waren, um dieses Stück Land zu bekommen. Auch das war ihm ein Rätsel.

Nani glotzte Mallo derweil an, hörte nicht, was Fellar wieder zu meckern hatte. „Wenn du willst mach es jetzt ... ich bleib aber nicht hier stehen und warte auf dich.“, bemerkte sie und hob eine Augenbraue. Beim Schreiben eines Briefes zuzusehen war ja noch langweiliger als selbst einen zu schreiben.

Gut, sag ihr bescheid.... ich sammel die Briefe irgendwann in den nächsten Tagen ein.
Mit Neome lag Vhenan immer noch im kleinen Zwist. Aber sie hatte darüber nachgedacht und begann langsam ihre Verteidigung einzureißen. Das war aber erst gänzlich möglich, wenn sie anderen Ballast bearbeitet hatte.

Junger Mann!“, ertönte es hinter Mallo.
Ich werde dem Boten bestimmt nicht sagen, dass er die Nachricht einem Schwein übergeben soll. Botschaften gehören mit Respekt behandelt. Du solltest höflicher werden, Bursche. Und du dahinten auch., bemerkte Fellar streng, nun doch in seiner Arbeitsehre verletzt. Er arbeitete nicht viel, aber wenn dann doch gewissenhaft. Ordnung musste sein!

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Chattras

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Fr Dez 18, 2015 9:36 pm

Weit, weit weg von diesem kleinen Drama ...

Chattras stapfte den schlammigen Pfad entlang, die Laterne hoch über die Schulter gehoben. Sein Kopf war unter der Kapuze verborgen, sein Körper in den Umhang geschlungen. Der Beschwörer schien sich unter dem prasselnden Regen wegzubiegen wie ein alter, krummer Baum.
Er erreichte die halbzerfallene hölzerne Gartentür am Ende des Weges und betrat den Garten des nicht weniger heruntergekommenen Landhauses. Schwacher Lichtschein aus den Kellerfenstern wies daraufhin, dass jemand noch wach war.
Gut.

Auf dem Weg zu dem neuen, schmucklosen Portal bemerkte Chattras die sorgfältig im Garten platzierten Reste des alten. Gesplittertes, reichverziertes Holz war in die Erde gesteckt worden, wie eine Reihe aus Grabsteinen. Der Magier knurrte, ein wenig ungehalten. Sein Compagnon war mitunter so furchtbar nachtragend.


... tut so, als ob es allein meine Schuld gewesen ist ... habe ich etwa 'Schnell eintreten' gerufen, mit Eughbert vor der Tür?

Auch aus diesem Grund war der untote Leibdiener heute in der Festung geblieben. Chattras musste die Tasche mit den Paraphernalien alleine tragen.
Er huschte die Treppe empor, drückte die neue Tür auf und ging dann den prachtvollen, aber verwahrlosten Flur hinunter zur Kellertreppe. Einige Schritt tiefer erwartete ihn ein großer Raum voll mit Licht, warmem Stallgeruch und aufgeregtem Gegacker.

Sevastopan stand inmitten der Käfige an seinem Arbeitstisch. Er war gerade mit seinem Stopfstock an einem Versuchsobjekt zugange.


"Ah, Ihre Eminenz ist endlich auch eingetroffen? Na, dann können wir ja ..."

Chattras beachtete die gewohnt ruppige Art des alten Zoomorphen nicht weiter - er hatte sich an gewisse Eigenheiten gewöhnt. Statt einer Antwort ließ er kurz die Stiefelabsätze klacken.
Sevastopan steckte das Geschöpf zurück in seinen Käfig und räumte ein wenig Platz auf dem Tisch frei. Dann sah er fragend zu Chattras.


"Nun? Habt ihr die benötigten, äh ... diese Dinge eben?"

Chattras ließ die Tasche von seiner Schulter gleiten und holte aus ihr, langsam und sorgfältig, vier in Tücher gewickelte, kaum daumengroße blaue Kugeln hervor. Sie waren halbdurchsichtig und in ihrem Inneren schien sich etwas zu bewegen.

"Hier. Ich denke, es wird ausreichend sein. Ich habe ... mal sehen:
- Das Zucken eines frisch entflammten Feuers (habe mir böse die Hand verbrannt, dabei).
- Der Drang im Leibe eines Störs, am Anfang der Laichzeit. (War glitschig, das Vieh.)
- Der Schnittpunkt zweier paralleler Geraden (dafür musste ich ziemlich weit laufen).
Und schließlich der Kitzel in den Lenden einer Jungfrau. (Bis ich hier eine gefunden hatte ... na, lassen wir das.)"

Die Objekte verschwanden der Reihe nach in der Tasche von Sevastopan, dem Zoomorphen und Privatgelehrten. Dieser drehte sich um und machte sich an einer Art Destille zu schaffen, deren Schlussrohr über einem großen Sack mit Hühnerfutter auslief. Schon nach kurzer Zeit begann es, aus dem Rohr zu tropfen.

"Eine absolut ausreichende Menge an pseudometaphorischer Substanz, denke ich. Der gewünschte Effekt ist mehr als garantiert. Aber es bleibt noch die Frage nach der Zielführung ... konntet Ihr da etwas finden?", sagte Chattras.

"Ja, ja, sicher doch. Drüben, in Fach VII b", knurrte es zurück. "Der Händler hat mir versichert, dass es aus dieser neuen Stadt in, äh, Gutenbuch kommt. Aber was weiß ich denn ... das ist Eure Sache, Fremdländer."

Chattras öffnete das genannte Fach. Im flackernden Licht der Kerzen glitzerte auf dem braunen Holz einsam ein kleiner, vertraut wirkender Goldring. Der Beschwörer nickte.

"Absolut ausreichend, Magister. Ich fange gleich mit der Peilung an. Ihr  ..."

"... kümmere mich um Hilda." Der Alte in der Ecke zeigte auf einen größeren Holzkäfig, in dem ein braunes, plumpes Geschöpf mit einem besonders großen und runden Schnabel dahindämmerte.

"Truthuhntaube. Nicht sehr aerodynamisch, aber das sollte ja keine Rolle spielen, hähähä."

Bei dem hässlichen Lachen des Zoomorphen verdrehte Chattras kurz die Augen, dann machte er sich an die Arbeit. Er rückte zuerst einige Kerzen heran und zückte dann Messer und Buch.
Rasch entstand auf dem Tisch ein verschlungenes Muster aus Blutstropfen und glänzenden Metallspänen, begleitet vom unablässigen Gemurmel des Beschwörers, sowie gelegentlichen undefinierbar tierischen Lauten aus der anderen Ecke des Kellers. Schlussendlich hielt er ein silbriges Gespinst in Händen, welches dem absonderlichen Boten erlauben würde, über eine Strecke von mehreren tausend Meilen sicher eine ganz bestimmte Stadt anzusteuern ...

Ausreichend starker Antrieb natürlich vorausgesetzt. Aber das war ja nicht sein Ressort.


Wenige Minuten später, auf einer verregneten Wiese hinter dem Haus.

Der Käfig stand offen im Gras, dessen Bewohner fest in der Hand seines Besitzers. An sein Bein war eine kleine, stabile Metallkapsel gebunden, die ein paar kurze Worte von Chattras an seine Reise- und Kampfgefährten enthielt. Besagter Beschwörer zog dem Vogel gerade vorsichtig die feinen, silbrigen Schüre um den Kopf, die sich unter seinen Händen rasch auflösten. Die Augen des Tiers färbten sich tiefschwarz, als eine unwiderstehliche Idee immer mehr von seinem Geist Besitz ergriff.

"Das ist der Antrieb und die Richtung, Magister. Jetzt seid Ihr an der Reihe", sagte Chattras zu dem alten Mann. Dieser antwortete, gewohnt ungehalten:
"Müsst Ihr mir nicht sagen, weiß ich wohl. Gebt nur gut Acht, Eminenz, hier" (und jetzt schlich sich doch so etwas wie freudige Erwartung in die Stimme) "könnt ihr ein Stück Geschichte beobachten. Aufgepasst!"

Mit großer Geste (und mit Hilfe des Stocks) stopfte er den letzten Rest des behandelten Futters in die Kehle der Truthuhntaube, dann ließ er los.

Zuerst geschah nicht viel. Vom verzweifeltem Drang getrieben, in eine ganz bestimmte Richtung zu fliegen, aber unfähig, es auch tatsächlich zu tun, hopste das Tier, wild mit den Flügeln schlagend, auf dem Gras hin und her. Dann konnte man aus dem Bauch ein dumpfes Gurgeln hören, ein Zischen und Rauschen. Der Leib des Vogels zitterte und er begann, instinktiv Luft einzusaugen.

Sevastopan beobachtete das Geschehen mit verzücktem Blick.


"Jawohl, jawohl, da kommen die Sulfide ... Salpeter ... das Karbid ... Amber ... und hier - Flatulenz! Wir haben kritische Flatulenz! Es hat funktioniert!", schrie er, als sich seine Schöpfung auf einer grünblauen Flamme gen Himmel schraubte. Begeistert tanzte der Alte auf der Wiese herum und selbst Chattras konnte nicht anders, als zufrieden zu lächeln.

Hilda die Truthuhntaube, angetrieben von Kräften, die ihr Begriffsvermögen weit überstiegen und so sehr in Panik, wie sie nur sein konnte, versuchte verzweifelt, ihre primäre Order auch unter diesen Bedingungen noch zu erfüllen:
Da entlang!

Währenddessen hielt sie den Schnabel bis zum Zerreissen offen, bemüht, den seltsamen Vorgängen in ihrem Leib so viel Luft wie nur möglich zuzuführen. Doch während sie sich immer weiter himmelwärts bewegte, kitzelte ein ganz besonderer Drang in ihrer Kehle.
Der Schluckauf kündigte sich mit jedem Moment stärker an; das dräuende Mahnen vor dem Unausweichlichen. Hilda konnte natürlich nicht ahnen, was ein Hicksen für sie bedeuten würde, aber trotzdem schwankte der kleine Restverstand im Vogelhirn - Unterdrücken oder Geschehenlassen?
Und dann, als der Druck schier nicht mehr zu ertragen war, traf Hilda eine fatale Entscheidung.
Sie hickste.

Der Knall zerriss die Luft und unterbrach erbarmungslos alle Triumphtänze. Eine grünblaue, sich rasch auflösende Rauchwolke breitete sich über dem Gelände aus. Verkohlte Vogelteile fielen aus ihr.

Eine Weile lang starrten die beiden Männer stumm auf das Resultat ihrer Arbeit. Schließlich fing Chattras als erster wieder an zu sprechen:

"Ich denke, wir werden den Prozess noch ein wenig verbessern müssen."
Sevastopan schob seinen Unterkiefer entschlossen nach vorne und wischte sich die nassen Augen ab.
"Einer eurer wenigen brauchbaren Vorschläge, Eminenz."
Dann: "Aber vorher ... was sagen wir den Nachbarn?"
Chattras zuckte mit den Schultern. "Schlechte Bohnensuppe?"
Der Alte lächelte grimmig. "Ich bin für 'lokalisierter Viúlkanausbruch'. Na, kommt, Magier ... "

Und die beiden machten sich daran, die Spuren zu beseitigen.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Di Dez 29, 2015 12:00 pm

Es war einen Tag später. Raûl kam mit nachdenklicher Miene über den Platz, bog links ab und verschwand aus dem Sichtfeld. Dann hörte man ihn fluchen und er kam wieder aus der kleinen Gasse, in die er abgebogen war, ging 15 Schritt weiter und bog dann nochmal links ab. Immer wenn er in Gedanken war lief er verkehrt. Fezlach!

Dem Mazhak wanderten hundert Dinge durch den Kopf, hundertundvierzehn um genau zu sein.
Eine davon sollte er jetzt erledigen, denn wer wusste schon, wie lange der Brief brauchen würde, bis er ankam? Wochen? Monate? Kam er überhaupt an? Egal, ein Versuch konnte nicht schaden. Also nur ein bisschen... seinen Nerven.

War es nicht verwunderlich, wie leicht man die Orientierung verlor, wenn mehr als 10 Hütten auf einem Fleck standen? An Deck eines Schiffes war alles schön übersichtlich. Naihlar waren für die Stadt nicht gemacht. “Das muss Du aber schnell lernen, wenn Du hier den Hut aufhaben willst!“ dachte er und verfluchte sich bereits zum 3. Mal an diesem Tag, dass er das Amt des Statthalters angenommen hatte.

Endlich fand er die kleine, heruntergekommene Bude, das sich Postamt schimpfte.
Den faulen kleinen Griffelspitzer Fellar hatte er bisher in Ruhe gelassen, denn er wusste, dass Männer wie er tatsächlich zum Problem werden konnten, wenn man versuchte, einen größeren Apparat zu bedienen und diese Art von Leute zu hart anpackte. Sie konnten sein wie Sand in einer dieser großen Maschinen. Wenn man sie gut behandelte, waren sie eher wie... ein rostiges Teil in der großen... gnaaaah, was für eine Scheißmetapher.

Fellar hatte die bemerkenswerte Fähigkeit, überall und in jeder Pose einzuschlafen. Im Moment saß er auf einem nach hinten gekippten Stuhl, sodass nur zwei Stuhlbeine den Boden berührten, seine Arme baumelten links und rechts herab und seine Beine lagen überkreuzt auf einem eigens dafür aufgeschüttelten Postsack. Er schnarchte hingebungsvoll. Raûl war sich nicht mal sicher, ob er diese Pose in wachem Zustand hinbekommen würde, ohne umzufallen. Er klopfte leise auf den Tisch.  Nichts geschah. Er versuchte es lauter mit einem Pochen. Keine Reaktion. Dann verlor er die Geduld und knallte  die Handfläche auf die Tischoberfläche, dass es nur so krachte. Fellar stand von der einen Sekunde auf die nächste kerzengerade vor ihm:
"ICH SCHLAFE NICHT, MUTTER!“.  Raûl hatte eigentlich damit gerechnet, dass der Mann vor Schreck zu Boden gehen würde, aber Nichts dergleichen. Nicht mal der Stuhl war umgekippt. Raûl war einen Moment verdutzt, überging dann aber die Tatsache, dass der Beamte ihn mit seiner Mutter verwechselt hatte und kam gleich zur Sache:
“Herr Postmeister, was muss ich tun, um einen Brief von hier... außerhalb zu schaffen?
"Außerhalb, Herr?"
“Naja, außerhalb... von Mythodea.

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Di Dez 29, 2015 3:09 pm

Es war so ungerecht. Nun hatte Fellar zum ersten Mal seit Wochen wieder etwas Zeit für seine liebe, tote Mutter (er glaubte an Traumerscheinungen), da kam dieser Aufseher in das Büro und direkt in Fellars Gesicht gestapft. Dessen Miene (die er gerade aus nächster Nähe betrachten konnte) war verkniffen, wie immer.
Muss an der furchtbaren Kost dieser Fremdländer liegen. Das kann einem ja nur die Heckklappe verstopfen, dachte er sich, bevor Raûl anfing, zu sprechen. Was wollte der Bursche? Briefe nach draußen? Waren die nicht die Seefahrer? Alles so schwierige Fragen ... Fellar stammelte hilflos vor sich hin
Ja ... äh - also, außerhalb? Muss ich gestehen, hab ich so noch nicht ... weil, also, meistens kommts rein, selten gehts raus ... wird nicht oft ... Fellar rollte verzweifelt mit den Augen und hoffte auf ein Wunder.

Besagtes Wunder war in diesem Moment, in Form des Hafenmeisters Joakim, unterwegs zum Büro. Es war kein besonders angenehmer Tag gewesen, aber Joakim war wie üblich bester Laune. Er glitt, erstaunlich leichtfüßig, um eine der vielen Baustellen herum und kam so in Hörweite seines (in Ermangelung eines besseren Wortes) Gehilfen. Joakim seufzte kurz und eilte hinzu, um Schadenbegrenzung zu betreiben.

Gerade, als Fellar die metasyntaktischen Variablen ausgegangen waren, kam der Hafenmeister durch die Tür geschwebt und begann sofort damit, eifrig vor Raûl zu katzbuckeln. Oh, euer Liebden mögen vergeben, bittschön, hat keine Ahnung, der Trottel, (hier stieß Joakim Feller den Arm in die Magengrube) eben ein rechter Trottel, bittschön. Wo wollen Liebden Ihro hochwohlverehrte Post hinbesorgen? Achwohl? Außerhalb? Aber bittschön, gar keine Schwierigkeit.

Joakim hatte bereits unter vielen Herren gedient (hier in Mithraspera wechselte die Herrschaft oft), und daher die Kunst der Arschkriecherei bis zur Perfektion entwickelt. Takbal war in dieser Hinsicht fast schon Talentverschwendung.

Soll's über die Ostroute gehen, Hochdero edler Mahzhak, so empfiehlt sich's Eiland Batracha - da gehen die Schiffe an die Südlande rüber. Winde sind zuverlässig, wenn nur eifrig dem Dagon geopfert wird. (Der Einfluss komparativer Religion auf das Postwesen war dieser Tage nicht zu unterschätzen.) Kann schon in drei Tagen auf See gehen, Ihro Liebden. Der Ungerer Schlimazzel ist ein furchtbarer Säufer, bittschön, aber ein guter Postfahrer. nur Rum darf man nicht verschicken, aber - und hier warf er ein Auge nach draußen, ob von den anderen Naihlar nicht etwa jemand in Hörweite wäre - das wird hier wohl kein Problem sein.

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Di Dez 29, 2015 9:20 pm

MAAAAAAAAAAN! Verdammte Axt, was TUST du denn da?!“, wütete die kleinste der anwesenden Personen am lautesten herum und war kurz davor die Beherrschung zu verlieren. Leider verlor sie etwas anderes. Nämlich den Boden unter den Füßen, als der Holzbalken ihr mit Schwung gegen den Torso krachte und sie über den Rand des Stegs hebelte. Vhenan landete mit einem abgehackten „WHA!“ und einem lauten Flatsch im Wasser und wusste im ersten Moment gar nicht wo sie war. Dann tauchte sie auf, rang nach Luft und schüttelte sich. Verdammte Scheiße war das kalt!

Der Übeltäter hatte gar nicht gemerkt was er getan hatte, drehte sich fragend um und hebelte einen anderen unglücklichen Hafenarbeiter auf der anderen Seite ebenfalls ins Wasser. Die anderen lachten blöd und trippelten außer Reichweite, um dort weiterzulachen.
NIMM DEM DEN SCHEIß STOCK WEG!“, wütete die Naihlar im Wasser weiter und schwamm auf den Steg zu, dem blöden Sack ordentlich eins zu verpassen. Es war ein Wunder, dass das Wasser um sie herum nicht zu kochen begann.

Du bist ja noch ungeschickter als Chattras mit seinem komischen Stab! LEG JETZT DAS VERSCHISSENE DING WEG, MANN!!
Ihre Hände griffen ans Stegholz und zogen sich angestrengt, aber doch irgendwie routiniert nach oben. Nein, es war nicht das erste Mal, dass ihr das passiert war.
Aber was... ich sollte den doch wegbringen...“, flüsterte der Übeltäter, ein neuer junger Arbeiter mit zwei linken Händen und Füßen, ungelenk und wusste nicht was er falsch gemacht hatte. Das war doch ein Unfall gewesen.

JA! OHNE UNS DABEI UMZUBRINGEN, DU BLÖDER HOLZKOPF!“, nörgelte Vhenan weiter und nahm dem Idioten den Holzstab grob aus der Hand. Dann schubste sie ihn leicht.
Kannst du eigentlich irgendwas richtig machen?!“, regte sie sich auf, egal ob sie recht hatte oder nicht (hatte sie nicht, war ihr aber egal). Sie war kurz davor ihn auch einfach dreist ins Wasser zu schubsen.
Jetzt hau ab hier! Frag Mallo, ob er Hilfe in der Küche gebrauchen kann! Oder Heribas! Aber wehe du stichst die aus Versehen ab, dann brat ich dir wirklich eins über!
Es war schwer sich zu beherrschen, aber Vhenan bekam sich langsam wieder in den Griff. Mehr oder weniger. Nur mit Worten herumzumotzen war besser als ihm ein Veilchen zu verpassen. Und davon war sie nicht weit entfernt.

Und ihr lacht nicht so blöd! Helft ihm raus und dann weiter. Wir müssen das hier fertig kriegen!“, befahl sie den anderen Holzköpfen und wandte sich ab, um die Stange selbst an Land zu tragen. Hin und wieder musste Material zur Baustelle gebracht werden. Dass es gleich so nass und arschkalt endete hatte sie vor wenigen Augenblicken auch nicht gedacht. Der Mahzhak musste wirklich bessere Leute finden. Die zerhackten doch hier alles und behandelten die Schiffe und die Decks nicht mit Liebe, wie man es doch einfach tat! Was die schon alles mutwillig zerkratzt hatten! Da blutete ihr Herz! Das hatten die schwimmenden Ladies nicht verdient.

Tschad aî, Rekkahk!“, regte sie sich weiter auf und lief tropfend über den Steg. Sie gab einen wütenden Laut von sich und nahm ihr Kopftuch ab, um es auszuwringen.
Ihre Ohren zuckten leicht und ihr Blick hob sich. Hatte sie gerade 'Rum' gehört? Nani sah sich suchend um, konnte aber niemanden sehen. Musste sie sich eingebildet haben. Aber ein Schluck Rum war jetzt gar nicht verkehrt.


Zuletzt von Vhenan am So Jan 03, 2016 11:17 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Raûl
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Dez 31, 2015 11:54 am

Raûl betrachtete Joakim misstraurisch. Er war sich bei ihm nie sicher, ob der nicht im allgemeinen Sermon eine kleine, dezente Beleidigung einflocht, die ihm durchging. Wie zur Hölle konnten die Leute am Hof dies den ganzen lieben langen Tag ertragen?
"Südlande. Wem geopfert werden muss interessiert mich nicht, solange die Opfer nicht den Gepflogenheiten der ortsansässigen Götter und Entitäten und Elementen und was zum Weltenlenker noch alles missfällt. Ankommen muss der Brief. In einem Land... Region... Namens Eterna. In die Zuflucht der Okosh not Uhn."
Über letzteres war er sich sehr unsicher. Er hasste es, wenn man die Leute falsch ansprach, waren manche da ausgesprochen empfindlich.
"Und Rum wird's bestimmt nicht geben, der ist Rationiert, bis wir einen guten Zuckerrohrliefranten gefunden haben."
Dies war das allerschlimmste - die kalte Jahreszeit und zu wenig vom Wichtigsten und die üblichen Winterstürme deuteten sich an.
"Außerdem noch einen Brief an Larell, die Oberste Priesterin und Chronistin der Quihen Assil am Heiligtum des goldenen Wagens." rezitierte er aus dem Gedächtnis. Den ganzen Kram würde er sich unmöglich länger als zwei Tage merken können.
"Das müsste hier im Reich sein, Shan Meng-Feyn würde ich tippen."

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Dez 31, 2015 2:46 pm

In der Hütte des Hafenmeisters

Joakim nickte eifrig, als Raûl seine Wünsche nannte. Von den neuen Herren (und es war keineswegs so, dass Joakim Probleme mit neuer Herrschaft hätte, im Gegenteil) war er eindeutig sein Favorit. Zuverlässig, entschlußfreudig, bestimmend - so hatte es der Hafenmeister gerne. Nicht zu vergessen das kühl und doch seelenvoll funkelnde Auge, die muskulösen Arme, die strammen Schenkel, der probate Posterior ...

... Joakim merkte, dass er zu starren begonnen (und Raûl mit dem Reden aufgehört) hatte. Was war das noch? Ah, ja:

Ohkosch? Muss wohl gestehen, bittschön, dass ich von diesem Volke noch nichts vernommen habe, euer Liebden. Wird wohl eines dieser umherziehenden Stämme sein, bittschön. Aber ist kein Arg: Die Batrachaner werden möglicherweise wissen, die Südländer aber bestimmt. Obgleich ... Joakim kramte in seinem Gedächtnis... hat nicht die höchstehrwürdige junge Herrin Bazhima erst jüngstens bei einer dero Herrschaft höchstselbigen Zusammenkünfte (Joakim meinte die Saufgelage) justselbst diese Bezeichnung geäußert? Hat wohl gemeint, und ich mag sie zitieren, 'mal sehen, ob ich nicht den ganzen Mist von dem Gomba zusammenbekomme'. Kattras, Okosch und noch irgendwas..
Ist das nicht eine Art böser Geist, was die Hohe Herrschaft auf dem Feldzuge plagen tut?


Joakim wartete eine Antwort von diesen edel und doch so sinnlich geschwungenen Lippen nicht ab, sondern, stets bemüht seine Diensteifrigkeit zu zeigen, ging sofort zum nächsten Thema über.

Einerlei - habt keine Furcht, euer Liebden. Wird seinen Weg bestimmt finden, bittschön. Und um die Gepflogenheiten der Postfahrer sorgt euch nicht, bittschön. Batracha und die Triarchie hat wohl mancherlei seltsame Gebräuche, bittschön, aber hier sind nur die Elemente, bittschön, müssen wir uns keinen Kopf um fremde Kulte machen.
Von den regelmäßig stattfindenden Menschenopfern auf der Insel wollte Joakim lieber nicht reden - der schöne Herr könnte es missverstehen.

Was Euer Liebden anderen höchstwohlverehrten Wunsch angeht, so ist dies kein Arg, gar kein Arg, habt nur keine Sorg, Euer Liebden. Hauptstadt ist durch Segel, Huf oder Flügelschlag gar nicht weit weg, binnen Wochenfrist zu erreichen. Gebt's nur den Brief auf, oder, so es euch gefällt - und hier sah er seinen strammen Gebieter erwartungsvoll an und öffnete das bereitstehende Tintenfaß - diktiert mir nur eifrig, gleich in die Hand. Stehe Euer Liebden, wie immer, in allen Dingen gerne zur Verfügung. Bittschön.

Fellar war im Nebenraum schon wieder eingeschlafen.

Eine Gasse, gar nicht weit entfernt

Urist war am Boden zerstört. Schon wieder hatte einer seiner unglücklichen Missgeschicke - er nannte sie gerne "dumme Hopplas" - ihn in Schwierigkeiten gebracht. Und das ausgerechnet heute, wo Großvater so sehr mit der Löhnung gerechnet hatte. Drei mithrasperanische (nicht, dass er das Wort aussprechen konnte) Kupferstücke am Tag waren nicht viel, aber für eine warme Suppe hätte es schon gereicht.

Und noch dazu an Winteranfang! Mirjas Husten war schon wieder schlimmer geworden, und Sigurd, die Baderin, verlangte jedes Mal Silber, wenn sie seine kleine Schwester in das heilsame Kräuterbad stecken sollte. Wäre es nur nicht ausgerechnet diese kleine Herrschaft gewesen. Mit den anderen konnte man manchmal, auch wenn sie nicht immer Sinn ergaben. Aber diese ... Nanni? .. war immer so leicht reizbar. Und natürlich hatte sie auch den Aufseher anschreien müssen. Das ließ er bestimmt an den anderen Dockarbeitern aus - und die wiederum an ihm. Wenn sie ihn morgen überhaupt noch in den Arbeitstrupp ließen ... oh, Elemente, was würde Großvater sagen?

Von düsteren Wolken umhüllt, machte sich Urist auf den Weg zur Herrschaftsküche, wo er sicherlich nur wieder alles verpatzen würde.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 04, 2016 11:48 pm

Tschad bala!“, hörte man irgendwann gefolgt von einem Niesen, als sich die Kleine von der Gruppe Arbeiter entfernte. Sie musste sich dringend umziehen, um sich keinen Schnupfen zu holen. Blödmann! Konnte der wirklich nichts richtig machen? Vhenan hatte den Kerl schon zum Tragen verdonnert, weil der Kowa die frisch gebauten Hütten beinahe durch sein unfassbar großes Ungeschick wieder abgerissen hatte. Und jetzt das!! Sie war genervt und wütend.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Nani wieder aus ihrem Zelt heraus und wirkte so als sei nie etwas geschehen. Was für ein Glück, dass Schmuck schnell trocknete. Sie zog sich ihren warmen, ärmellosen Mantel übel, um einer Erkältung vorzubeugen (Sie wollte nicht ewig herumliegen wie Mallo vor ein paar Tagen) und lief zurück zur Baustelle.
Während sie sich umgezogen hatte, waren ihre Gedanken um diesen Vollidioten gekreist, der nie etwas richtig machen konnte. Wie hieß der eigentlich? Uriel? Uri-irgenwas. Sie musste ihn noch einmal fragen. Und dann etwas für ihn finden, was er konnte. Er konnte doch nicht ALLES falsch machen!

Also zog sie los, um den Kerl zu suchen. Mittlerweile war sie ruhiger geworden und die Wut war verpufft. Es nervte die Kleine, dass der blöde Sack so unfähig war. Aber es musste ihn doch auch nerven. Die Situation war nicht günstig, keiner von ihnen hatte einen Vorteil davon, nur Nachteile und schlechte Laune. Also mussten sie das ändern. Da sie ihn angemotzt hatte, nahm sie es selbst in die Hand.

EY! Du da.... ich hab deinen Namen vergessen.“, begrüßte Vhenan den armen Kerl, der allein vor der 'Küche' stand. Mallo war ja auch am Arbeiten und erst später hier. Vhenans Befehl den Jungen zu suchen war vollkommen unsinnig und unerfüllbar gewesen. Und Uri-irgendwas stand jetzt trotzdem verloren hier herum. Das war ja kaum auszuhalten.

Wir müssen uns mal unterhalten.“, schlug sie pragmatisch vor, beinahe geschäftlich wirkend und baute sich vor ihm auf. Natürlich war sie viel kleiner.
Auf der Baustelle bist du nicht zu gebrauchen. Ich glaube das wissen wir mittlerweile beide. Alle. Ich will dich auch nicht ständig anraunzen, aber du kannst nicht immer alles wieder abreißen, was wir mühevoll aufbauen. Deine Hopplas machen hier alles kaputt!“, knallte die Kleine mit dem schwarz-roten Kopftuch und dem Gold im Haar ihm ruhig, aber bestimmt an den Kopf. Nicht freundlich, aber auch nicht herrisch. Es war nun einmal wie es war. Es musste doch etwas geben, dass er aufbauen konnte ohne es zu zerstören.


Also frag ich dich einfach. Was glaubst du von dir selbst. Worin bist du gut?
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Raûl
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Di Jan 05, 2016 5:55 pm

- im Postamt -
Raûl runzelte die Stirn über Joakims umständliche Art und Weisen und verstand so viel, dass Nani ... irgendwie von Chattras gesprochen hat? Hm. Naja, sie war ja fast so was wie befreundet mit ihm, insofern konnte dies durchaus sein. Er zuckte die Schultern.
"Ein böser Geist, dass kommt einem manchmal tatsächlich so vor." er holte das Schriftstück hervor, welches für Chattras bestimmt war und überlegte. Ob das so eine gute Idee war? Andererseits konnten sie es sich nicht leisten, keine Magier in der Gruppe zu haben, zumindest offiziell würden ihnen viele wichtige Türen verschlossen bleiben und wenn die Oshead im großen Spiel mitwirken wollte, war eine Verbesserung Ihrer magischen Potentiale unabdingbar. Zumindest auf dem Papier und im Feldzug. Neome hatte ebenfalls etwas überlegen müssen, dann aber genauso wie er beschlossen, dass es einen Versuch wert war, Chattras und die seinen zumindest gegenüber dem Dornenhof mit ins Spiel zu bringen. "Wenn das mal nicht nach hinten losgeht..." dachte er bei sich, schob aber dann die Zweifel beiseite. Ohne Einsatz keinen Gewinn.

"Den Brief hier befördert zu den Okosh not Uhn, zu Händen Herrn Chattras, und den hier..." er beförderte einen zweiten Brief zutage und überreichte ihn Joakim "... an Ihre Gesegnetheit Larell." sein Blick wanderte noch einmal über die akkurate Schrift von Heribum, den er mit der Schreibarbeit betraut hatte. Rauls eigenes Gekrakel wäre sicherlich nicht gut angekommen bei den ganzen hochwohlgeleckten Entitäten "von und zu". Beide Briefe waren gründlich versiegelt.

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 06, 2016 10:34 pm

Vor der improvisierten Gemeinschaftsküche

Der Tag war für Urist nicht besser geworden.

Er hatte es wirklich versucht, das konnte bestimmt niemand bestreiten. Nachdem er festgestellt hatte, das der Haupteingang verschlossen war, hatte er alle Nebeneingänge abgesucht, die Fensterläden der Reihe nach gerüttelt und sogar in den Steinen vor dem Gemüsegarten nach einem Schlüssel gesucht. Er hatte auch versucht, mit einem von den Fuhrknechten zu reden, die im Lagerhaus nebenan Fässer ausluden. Der aber hatte ihn so wütend angeblafft, dass Urist sich lieber schnell verzog. Also: Kein Mallo, kein Heribumm (oder wie auch immer der sich nannte), keine Küche. Daher: kein Geld. Und wahrscheinlich würde diese zu klein geratene Herrschaft ihn wieder ...

Vhenan hatte sich just diesen Moment ausgesucht, mal ein klares Wort  mit Urist zu wechseln. Es war nicht eben gut für seine ohnehin schon ziemlich hohn Blutdruck. Mit einem fiependen Laut von irgendwo aus der Magengegend fuhr er herum und presste sich sofgleich fester an die Ziegelwand hinter ihm. Während er entsetzt starrte, fielen ihm all die Geschichten wieder ein, die sich die Arbeiter nach der Schicht über die neue Herrschaft zu erzählen pflegten.

... glaubst du, der Einäugige wäre schlimm? Die Anführerin von denen, die mit dem Krug, die muss nur einmal nicken, und man sieht dich nie wieder ...
... haben sie Verbindungen, also ich sag jetzt nicht zu wem, oder woher ich das weiß, aber da sind schon ganz andere mitten in der Nacht gefunden worden - ohne Kopf und ohne Hände ...
... die Weiber von denen, das sind wilde Bestien. Die nehmen sich Männer, wie es ihnen gerade passt, und wenn sie da einer nicht zufrieden stellt, dann schneiden die es ihm ab und hängen es ihm um den Hals, dass es alle sehen ...
... Brandspuren auf ihrem Dolch? Das ist ein Zeichen. Einen Pakt hat sie geschlossen, mit finsteren Mächten. Da muss sie dich nur mit ritzen und dir faulen die Eingeweide schwarz, bei lebendigem Leib.


Er hörte kaum, was Vhenan zu ihm sagte. Der Schweiß rann ihm in Bächen durch das Hemd, während er vergeblich versuchte, sich tiefer in die Wand zu drücken. Schließlich merkte er, dass sie ihn erwartungsvoll anfunkelte, und er versuchte verzweifelt, sich zu erinnern, wie wohl die Frage gelautet haben mochte.

Schließlich begann er, schrill eine Antwort hervorzustammeln, während er langsam tiefer sank:
Können? Ich, ich ich, also ich hab nie nichts gekonnt, also dafür ... ich hab nur versucht ... also, ich sollte doch nur hier, aber niemand, also .... ich, ehrlich ... hab nichts ... ich wollte nur ...  
Und etwas kohärenter:
Oh, bitte bitte, es tut mir leid, bitte, macht es mir nicht schwarz und faulig!


Im Büro des Hafenmeisters

Joakim, der von Raûls mannigfaltigen politischen Problemen nicht das geringste ahnte, nahm die beiden Schriftstücke mit gewichtiger Miene entgegen und verbeugte sich tief.
Sehr wohl, Euer Liebden, wie euer Liebden befehlen. Brief nach der Hauptstadt, zu Händen Ihrer Gesegnetheit geht heute noch hinaus, bittschön. Die andere Post will ich wohl binnen Dreitagesfrist besorgt haben, je nach Wetterlage. Keine Sorg, euer Liebden, lasst nur alles vertrauensvoll in meinen Händen., sagte er, während er sich den gewaltigen Schnurrbart zwirbelte.

Und dann, mit einem fast schon vertraulich zu nennenden Lächeln nach oben zu dem prachtvollen Potentaten:
Kann ich euer Liebden noch etwas Gutes tun? Alles, was Euer Liebden wünschen, ich will es gerne tun. Wirklich alles, bittschön.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 06, 2016 11:08 pm

Nani verengte prüfend ihre Augen und hob irritiert die Augenbraue mit der neuen Narbe, als der viel größere und kräftigere Kerl plötzlich vor ihr zurückwich und sich ängstlich gegen die Hauswand presste. Sie war ja eigentlich froh darüber endlich einmal ernst genommen zu werden, aber das war dann doch etwas übertrieben. Sie hatte doch nur ein wenig geflucht, da war doch nichts dabei! Dass die hier im Reich flächendeckend so furchtbar empfindlich waren war ja grauenhaft! Und anstrengend.

Scheinbar hatten sie die Kommunikationskluft zwischen den Bewohnern und der neuen 'Herrschaft', wie sie hier alle genannt wurden, noch nicht überbrückt. Wenigstens für Vhenan war es seltsam eine 'Herrschaft' zu sein. Raûl badete ja gerne in diesem Ruhm, aber der war auch viel machthungriger als Nani. Mit Macht bekam man automatisch eine Verantwortung und die war der Kleinen nicht immer geheuer. Außerdem musste sie erst ihre inneren Dämonen bekämpfen, bevor sie neue wirre Befehle gab und es am Ende andere ausbaden mussten. Ihr war nicht klar, ob sie generell eine gute Herrschaft sein würde oder nicht, aber in diesem Moment war sie es auf keinen Fall. Selbst wenn sie gerade auf Augenhöhe mit diesem zusammengesunkenen Wrack war. Wurde der gerade ohnmächtig??

Unschlüssig darüber was sie davon halte sollte, glotzte sie dem Kerl entgegen. Ob er kreischend davon rannte, wenn sie 'Buh!' sagte? Sie war kurz versucht es herauszufinden, aber die Erinnerungen an den Kerker in Kelriothar hielten sie zurück. Es hatten einige dort genau so dagesessen wie Urist es jetzt tat. Aber wieso trug er diesen entsetzten Ausdruck in den Augen, wenn er SIE ansah? Sie war kein Kan, verdammt! Aber er schien es so zu sehen. Diese Erkenntnis war ziemlich erschreckend. Sahen die Bewohner sie hier alle so? Wenn ja, dann mussten sie dringend etwas dagegen tun.

Hey, beruhig dich. Ich weiß ja nicht was du glaubst, was hier gleich passiert, aber ich verspreche dir, dass ich nichts schwarz und.... faulig mache.
Was auch immer das heißen mochte, wovon zum Henker redete er hier?
Nani hob abwehrend die Hände, um ihm zu zeigen, dass sie keinen Dolch darin trug. Oder etwas anderes.

Ich will dir nur helfen. Im Handwerk bist du ganz offensichtlich eine Niete. Ich dachte wenn du mir sagst was du kannst, worin du gut bist, dann können wir dich da hin stecken. Dann hacken auch nicht immer alle auf dir rum.

Sie griff an ihren Gürtel und reichte ihm ihre Flasche.

Hier, trink erstmal einen Schluck. Das beruhigt deine Nerven.“ Selbst wenn der Rum rationiert war. Manchmal musste man einfach in den sauren Apfel beißen.
Also nochmal. Worin bist du gut?
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Chattras

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 07, 2016 12:00 am

Oben
Hoch über der multiformen Konsensrealität, die die Bewohner der Südlande, Mithrasperas und vieler ähnlicher Kontinente ihre Heimat nennen, erreichte ein Albatross Fluchtgeschwindigkeit.
Er war zunächst mit leichtem Westwind aus einem gewissen Bergtal heraus gestartet und hatte dann rasch, sehr rasch an Höhe gewonnen. Tatsächlich hatte es, zu seiner Verblüffung, gar nicht mehr aufhören wollen.
Und während er immer höher und höher stieg, nahm auch seine Geschwindigkeit zu. Schließlich wurden selbst die seltenen Flügelschläge, die auch ein Albatross ab und an macht, überflüssig.
Als die Atmosphäre so dünn geworden war, dass sie ihn eigentlich nicht mehr tragen konnte, fragte er sich zum ersten Mal, wie er wohl weiteratmen sollte. (Er war recht intelligent für einen Albatross.) Und während Höhe und Geschwindigkeit sich in das schier Unglaubliche steigerten, änderte sich die Frage zu: Wie zur Hölle kann ich
noch immer atmen.

Aber dann riss der Vorhang aus Dunst und Eis, und der Albatross sah, zum ersten Mal unverhüllt, die Sterne. Alle Gedanken verdunsteten wie der Morgentau. Pures, grenzenloses Staunen erfüllte das kleine Vogelhirn.
Außerhalb der Atmosphäre, auf seltsame Weise weder erfroren noch erstickt, tauchte der Albatross ein in die Weiten des Weltraums.

Unendliche Weiten ...

Die Kapsel an seinem Bein hatte er längst vergessen.



Unten
Das Leben war gut für den Gott Margmarcharum.

Hätte man ihn gefragt, hätte er sich selbst zwar wohl nicht als Gott bezeichnet. Auch den Namen, den ihm seine Verehrer gegeben hatten, hätte er nicht verwendet. Ja, sehr wahrscheinlich wären ihm solche Konzepte wie "Gott", "verehrt" oder "Riesenmutantenmaulwurf" völlig fremd gewesen, obwohl sie akkurate Beschreibungen seiner Situation darstellten.

Nein, Margmarcharum begnügte sich damit, einfach glücklich zu sein. Es war ja auch nur gerecht: Aus seinen Tunneln gerissen, mit merkwürdigen Tinkturen traktiert, gewaltsam zum Wachsen gebracht und sodann mit dem unstillbaren Verlangen erfüllt, sich durch den Erdmantel in Richtung einer ganz bestimmten Stadt auf der anderen Seite des Ozeans zu graben - das würde selbst den genügsamsten Gartenmaulwurf an der Fairness des Schicksals zweifeln lassen. Ein wenig Erholung, Anbetung und ein Büffet frischer Riesenmaden waren hier nur angemessen.

Und schließlich hatte er die Mission ja auch erfüllt, mehr oder weniger. Graben, bis die Oberfläche erreicht ist, dann Kapsel am Bein abschütteln.
Die Kaverne der Tiefbolde war vielleicht, technisch gesehen, nicht die Oberfläche, aber woher sollte ein blinder Riesenmutantenmaulwurf mit übernatürlicher Stärke davon wissen? Und die Bewohner waren über sein Erscheinen (und dass er die feuerspeienden Bohrwürmer gefressen hatte) so erfreut gewesen, dass sie ihn prompt zu ihrem Gott gemacht hatten. Das mussten diese beiden Menschen, die ihn losgeschickt hatten, doch einfach verstehen.

Margmarcharum sah das jedenfalls so. oder er hätte es so gesehen, wenn ihm die Umstände seiner Situation bewusst gewesen wären. So begnügte er sich mit der Feststellung, dass das Leben gut war.



Daheim
In Sevastopans Kamin knackte und prasselte ein gemütliches Feuer, aber den beiden Männern, die davor saßen, war nicht sehr gemütlich zumute. Chattras' Hand fuhr immer wieder über die eher schlechte Karte der verschiedenen Erdschichten der bekannten Welt (zwergisches Fabrikat).

Drei Meilen nach Norden, zwei Grad Abweichung Nordost und dann einfach nichts mehr. Weder irgendeine Bewegung des Boten noch sonstige seismische Aktivitäten. Als ob er mittendrin die Lust verloren hätte. Keine Erklärung! Es ist enervierend.

Sevastopan war in den vergangenen Wochen ein wenig aufgetaut, und so knurrte er nur kurz, bevor er sprach. Wenigstens konnten wir dank euer Eminenz Hokuspokus den Weg von diesem Viech verfolgen. Die vom Observatorium haben den Vogel inzwischen verloren - nähert sich dem Kreuz der Vega, vermutlich, aber sicher wissen sie es nicht.

Chattras seufzte tief, so wie er nur seufzte, wenn Vhenan gerade wieder etwas gesagt hatte. Er warf die Karte zur Seite und vergrub sich in seine Decke. Eine Weile herrschte Schweigen.

Aus der Küche tönte ab und zu ein schrilles Kreischen, während Eughbert vergeblich versuchte, eine schöne Tasse Katze zu kochen.

Schließlich fing der Beschwörer wieder an zu sprechen.
So kann es nicht weitergehen, Meister Sevastopan. Wir müssen uns damit abfinden - eine Bewegungsdauer, die über eine Stunde (relativ zum Flugkörper) hinausgeht, ist zu fehleranfällig.
Startenergiekapazitäten lassen sich nicht beliebig hoch regulieren, euer Eminenz. Und das bedeutet, dass die Raum-Zeit-Kurve ... , antwortete der Zoomorph, bevor Chattras ihn entschlossen unterbrach.
Dann müssen wir die Ausgangsbedingungen eben ändern! Ich habe mich entschieden: Gleich morgen stelle ich einen Antrag auf Benutzung des Spiegels.

Jetzt war es an Sevastopan, tief und schmerzerfüllt zu seufzen.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 07, 2016 11:10 pm

Vor der Küche, etwas näher am Boden

Urist hatte zuerst weglaufen wollen, aber wohin? Dann war er langsam auf dem Boden zusammengesunken, in Erwartung von mindestens noch einer weiteren Strafpredigt. Wenn Vater wieder die Beherrschung verloren hatte, hatte das auch immer geholfen. Zumindest ein bißchen.
Beinahe instinktiv hatte er die Unterarme (wo die Narben waren) vor das Gesicht gehoben. Er schien Vhenan kaum wahrzunehmen, den Blick demonstrativ abgewandt. Doch schließlich drang ein wenig Realität durch den Nebel aus Panik und Paranoia. Er sah die Flasche und erinnerte sich an den weisen Rat, den ihm sein Großvater einst gab.

"Wer dir was Rum anbietet, kann so schlecht einer nicht sein."

Zögerlich, dann ruckartig griff er nach der Flasche und nahm einen Schluck. (Nur einen kleinen. Er wollte schließlich niemandem wehtun.)

Es dauerte noch eine Weile, bis er Vhenans Frage verarbeitet hatte. Sie war ... merkwürdig. Wozu fragte ihn die Herrschaft nach so etwas? War es nicht seine Aufgabe, zu tun, was ihm gesagt wurde? Und wenn er schlecht war, dann wurde er eben bestraft, bis er es richtig machte. So war es doch richtig,

Eine andere Möglichkeit kam ihm in den Sinn, auch diese aus den geflüsterten Schauergeschichten in der Pinte, nach der Arbeit.

Wenn sie einen brauchen, der ihre Drecksarbeit macht ... wer? Na, die "besonderen Freunde". Die Verbündeten von denen ... wenn du keine Ahnung hast, wen ich meine, dann halt die Klappe. Ist besser so.
Also, wenn die einen brauchen, der was für sie erledigt, na dann geben sie was her. Ein bißchen was extra verdient, denkt der arme Trottel. Muss wo mit anpacken. Und ehe er sich versieht, steckt er mittendrin. Hat geholfen, ist mit dran.
Raus kommt man nicht mehr, nur tiefer rein. Und ihr wisst ja, was das heißt ...

Sie lassen einen Familie abstechen. Zum Beweis, dass man treu ist. Wer sich weigert, bei dem sind sie trotzdem dran. Alle. Und man selbst wird nie wieder gefunden. Jaja, mein Onkel sagt, er kennt einen, der ...


Andererseits ... Urist fiel es schwer zu glauben, dass eine allgegenwärtige, unüberwindliche Verbrecherorganisation ausgerechnet ihn als gedungenen Mörder anwerben wollte. Töten aus Versehen, vielleicht. Aber mit Absicht, und noch dazu ohne Hoppla?

Außerdem ... der Rum war nicht schlecht. Vielleicht konnte es nicht schaden, zumindest ein wenig mitzuspielen. Eventuell übersah die kleine Herrschaft dann den ausgehobenen Fensterladen hinten, am kleinen Tor. Aber vorher, zur Sicherheit ...

Ich, ich kann ... also was ich bestimmt nich' kann, das is' so ... so Zeug. So Mörderassassinenzeug ... das kann ich nich' Ganz schlecht. Und ...  
... da war noch die andere Geschichte über den Männerverbrauch der Pakata (obwohl das auch ein dreckiger Scherz gewesen sein konnte) ...
... und ich bin auch ganz schlecht im Bett. Nicht, schlafen, ich meine, also. Also, so beim 'Stopf-die-Schildkröte'. So als ... naja. Gar nicht gut.

Die kleine Herrschaft starrte ihn so an. Vielleicht war es doch nur ein dummer Witz. Besser schnell antworten.

Äh, äh, gut. Gut kann ich ...

Handwerk war definitiv nicht dabei. Oder schwere Arbeit. Oder Kochen. Oder überhaupt alles, das mit Dingen zu tun hatte, die er nicht kontrollieren konnte. Heiße Dinge, schnelle Dinge, Dinge die zappelten, brüllten, saufen oder einen verdreschen konnten. Was konnte er eigentlich? Er war immer schon ... außer ...

Ach ja.

Urist duckte sich wieder, als er fortfuhr. Für so etwas konnte man Schläge kassieren.
Ich ... ich kann schreiben. Also ... nicht nur so ein bißchen, den Namen und so. Ich kann ... ich kann wirklich ...

Seine Stimme verlor sich, als er das Unausweichliche abwartete. Schreiben, das war etwas für Elfen, Magier und andere Weichflöten. Vater hätte ihm jetzt ein paar gelangt. Ein echter Mann vergeudete seine Zeit nicht mit so einem Blödsinn.

Ein echter Mann wurde allerdings auch nicht so oft verdroschen.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Fr Jan 08, 2016 12:03 am

Jetzt hockte dieser große Mann tatsächlich kauernd wie ein Häufchen Elend auf dem Boden und versteckte sich hinter seinen Armen. Die sahen ziemlich schlimm aus, wie Nanis wachsame Augen feststellten. Diese Haltung kannte sie neuerdings zu ihrem eigenen Bedauern. Er musste sich furchtbar fühlen. Nur warum? Sie könnte Urist tatsächlich eins überbraten, wenn sie wollte, aber deshalb war sie nicht hier. Er schien ihr das nur nicht zu glauben.
Vhenan ließ dem Wrack Zeit sich zu sammeln und vielleicht doch einen Funken Vertrauen aufzubauen. Dahin, dass sie ihm keine verpasste.

Geduld.

Verdammt, die würde sie nie haben.
Deswegen verlagerte sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere und wieder zurück.
Währenddessen nahm sie ihre Flasche wieder an sich. Man musste es ja nicht übertreiben!

Ihr war selbst auch gar nicht klar, dass ihre Frage, nicht ihre Art, ihn dieses Mal zu verstören schien.


Nach einer Weile taute Urist tatsächlich auf, es war ein winziger Fortschritt. Aber was Nanis Ohren wahrnahmen war nichts womit sie gerechnet hatte.

Mörderassassinenzeug?... Ja, das kann ich mir vorstellen.... das machen wir auch lieber selbst.“, entgegnete Vhenan trocken, um doch ein wenig Eindruck zu schinden. Ein paar kleine Schauergeschichten waren nun einmal notwendig, um ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten. Der Archon selbst konnte auch nicht mit einem Seidentaschentuch wedeln und erwarten, dass man ihn dafür besonders ernst nahm. Ein bisschen verwegen musste man sein... Oshead wusste selbst was davon wahr war und was nicht. Nur das mussten die anderen ja nicht wissen.

Wenn Nani über die Gerüchte des Männerverschleises nachdachte und Urists nächsten Worten lauschte, wusste sie an welche Tür sie nicht klopfen würde.
Stopf die Schildkröte?“, wiederholte sie befremdet und trug einen Ausdruck im Gesicht, der deutlich machte, dass sie nicht wusste, ob sie weinen oder lachen sollte. Sie entschied sich für letzteres.
Wenn du das so nennst ist es kein Wunder, dass keiner Lust hat dir was beizubringen...“ Nani lachte einmal mehr und entspannte sich zusehends. Offenbar war der Kerl wenigstens ehrlich. Das gab man nicht einfach so zu, wenn es nicht stimmte. Eigentlich sollte man das überhaupt nicht zugeben, sondern üben, verdammt! Da hätten dann mindestens zwei was davon...  

Ich will dir hier übrigens kein Angebot machen. Jetzt antworte endlich.“, forderte sie dann. Konnte der nicht einfach auf eine einfache Frage antworten.

Nani wartete ungeduldig, hielt sich aber zurück so gut es ging. Sie wusste jetzt Dinge von diesem Kerl, die sie gar nicht wissen wollte. Aber beides sollte sie nicht überraschen. Mörderassassinen und wie zum Bolchan kam der auf eine Schildkröte? Das hatte sie ja noch nie gehört und sie war schon weit herumgekommen... sie versuchte sich vorzustellen wie man diese Dinge mit einer Schildkröte in Verbindung bringen konnte und war einige Momente deutlich abgelenkt.

Bis Urist endlich sprach.
Das was er tatsächlich konnte überraschte sie dann doch.

Schreiben?“, entfuhr es ihr ehrlich erstaunt. Verdammt! Erst konnte er nichts und dann konnte er etwas, das sie selbst nicht einmal beherrschte! Jedenfalls nicht in dieser komischen Sprache!
Oh... das ist doch gut. Das kann hier kaum einer.
Sie eingeschlossen, aber hey sie machte Fortschritte und schipperte der Pakata davon! DAS war pure Motivation! Aber auch das musste Urist nicht wissen!

Na dann... suchen wir dir was zu schreiben. Das kann man immer gebrauchen... dann tust du uns und dir nur einen Gefallen. Warum hast du das nicht früher gesagt, dann hätte ich mir das Bad sparen können. Holzkopf!
Denn natürlich war sie immer noch beleidigt, dass er sie ins Wasser geworfen hatte. Sie war zu einem Hoppla geworden und das war alles andere als angenehm.

Und steh endlich auf, ich tu dir schon nichts.“ Sie reichte ihm die Hand, um ihm aufzuhelfen. Nani war es nicht gewohnt, dass jemand kleiner war als sie, es war eine ganz befremdliche Perspektive.
"Wäre ich ein Mörderassassine hättest du mich nicht kommen hören und wärst längst Geschichte.", hängte sie an und grinste höchst erfreut. Was für eine herrliche Vorlage dieses Stümpers. Das würde sie ihm noch öfter unter die Nase reiben und ihn vielleicht hin und wieder dreist überraschen... ja, das klang nach einem perfekten Plan! Aber zuerst mussten andere Dinge geklärt werden.

Wo hast du schreiben gelernt? Und was hast du schon geschrieben? Wehe du verarscht mich!“, drohte sie mit erhobenem Finger und wurde schlagartig wieder ernst.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 09, 2016 5:48 pm

Auf dem Boden vor der Küche

Der Rum hatte Urist ein wenig entspannter werden lassen. Er saß jetzt an der Wand, Beine ausgestreckt, den Rücken eher dagegengelehnt, als daran gepresst. Trotzdem war er froh, dass die kleine Herrschaft die Flasche wieder weggepackt hatte. Sie wurde ihm langsam ein wenig sympathisch und er wollte sich ungern mit ihr prügeln.

Als sie allerdings die vielen Morde bestätigte, die man Oshead zuschrieb, wurde ihm doch wieder mulmig. Wie konnte jemand nur so kühl und unbeteiligtdarüber sprechen, Leute umzubringen?! Sicher, Menschen starben an den Docks immer wieder, aber das geschah dann eben im Suff oder weil die Frau frech geworden war. Aber allein aus Kalkül ...
Urist schüttelte den Kopf. Es stimmte doch, was Großvater ihm gesagt hatte: Herrschaft bleibt Herrschaft. Und sie ist nur so lange freundlich, wie man ihr nützlich ist. Unbewusst rückte er ein paar Handbreit von Vhenan (und ihren Messern) weg.

Als sie sich über sein Geständnis lustig machte, war das ihm dann doch wieder peinlich. Ein Mann sagte so etwas natürlich nicht. Aber beschämt musste er sich eingestehen. dass es stimmte. Er taugte im Bett einfach nichts. Ihm fehlte die Entschlossenheit, richtig zuzuschlagen. Und die Schreie fand er auch einfach nicht so toll wie die anderen aus der Arbeitsgruppe. Kein Wunder, dass die Frauen bei ihm nie aufhörten, sich zu wehren. Er war eben doch ein Schwächling, wie Vater immer gesagt hatte.

Nur bei den Huren, da lief es einigermaßen. Die lagen ja nur widerstandslos da und starrten aus leeren Augen zur Decke. Da konnte er. Das war aber natürlich teuer, weswegen Urist auch froh war, dass es nun, unter der neuen Herrschaft, wieder mehr gebrochen dreinblickende junge Frauen mit viel Schminke (und deren Besitzer) in die Stadt spülte. So musste er vor den anderen Männern nicht zu viel lügen - auch Brom und Karrol hatten keine Frau sondern gingen in die Roten Häuser. Das gab ihm auch noch den Anschein des welterfahrenen Zynikers. Er brummelte daher, während Vhenan noch kicherte, leise etwas von ... eingerittene Stuten sind mir halt lieber, aber es klang nicht sehr überzeugend. Zum Glück hatte sie es wohl nicht gehört - stattdessen reagierte sie auf diese andere Sache, die ihm auch noch peinlich war.

Allerdings nicht so, wie er es erwartet hätte. Er wusste natürlich, dass die hohe Herrschaft Schreiber zu schätzen wusste und sie sogar gut entlohnte. Trotzdem wäre es ihm im Traum nicht eingefallen, zu versuchen, sich bei der Zunft zu bewerben. Nicht nur wegen des Spotts und der Schläge, die er sicherlich würde ertragen müssen. Auch Großvater hatte ihn nachdrücklich gewarnt:

Du glaubst, die Herren würden sich freuen, dass du so einen Mist kannst?! Du glaubst, das gibt Gold und gutes Essen?! Dummkopf, denk doch nach! Das ist Aufsässigkeit, sowas. Das zeigt, dass du dich für was Besseres hältst. Und Volk, was sich wichtiger dünkt als es ist, das mögen die gar nicht gerne. Peitschenhiebe gibt es für sowas, das kann ich dir versprechen!
Nein, du hältst besser gut dein Maul darüber. Mach, was sie dir sagen und gar nichts mehr. So gibt es keinen Ärger.


Aber die kleine Herrschaft schien es tatsächlich zu freuen. Anscheinend hatten sie Bedarf. Aber natürlich ging es nicht ohne Predigt ab ... Urist zog wieder den Kopf ein. (Das mit dem Mörderassassinen schien sie aus irgendeinem Grund komisch zu finden. Da kam eben doch wieder die kaltherzige Verachtung für das Leben in ihr durch.) Trotzdem nahm Urist die ausgestreckte Hand und ließ sich auf die Beine ziehen. Von hier oben wirkte ihr strenger Gesichtsausdruck beinahe niedlich ...

Urist vergaß für einen Moment, mit wem er es zu tun hatte, als sie seine Behauptung in Zweifel zog. Er hatte sich, trotz allem, immer ein wenig Stolz über seine ungewöhnliche Fähigkeit erlaubt. Und so zog er, statt einer Antwort, ein Stück Kreide aus der hinteren Tasche. Er hob die Hand, ließ den Arm über die Mauer tanzen ...

Buchstaben mochte er. Buchstaben kippten nicht plötzlich, schrien ihn an oder rutschten weg. Sie machten eigentlich immer, was er wollte.

Schließlich stand an der Wand:

Ich bin Urist
Mutter und Vater sind toht
Daher muss ich Geld verdinen
Und ich kann schraiben

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Weithergeholtes
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