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 Weithergeholtes

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 09, 2016 6:57 pm

Gespannt und neugierig beobachtete Nani diesen komischen Kerl dabei, wie er etwas die Wand schrieb. Er hätte auch ein Messer aus der Tasche ziehen können, aber selbst innerlich hatte die Kleine nur minimal gezuckt. Dieser Kerl stellte überhaupt keine Gefahr dar. Und wenn doch war sie hoffentlich schneller in der Reaktion. Wenn sie bei diesem Wettkampf verlor, hätte sie es eben verdient.

Hm.“, meinte sie undurchsichtig. Erst hatte er Muffensausen und dann beschmierte er hier öffentliche Gebäude. Ob er ohnmächtig wurde, wenn sie ihm das sagte? Heribum würde bestimmt einen Schreikrampf bekommen, wenn er einen... anonymen Hinweis bekäme. Innerlich begann Vhenan zu tanzen. Oh, das wäre ein Fest!

Nani betrachtete das Geschriebene und grinste.
Du bist auch ein Bolchan.“ Sie nahm ihm die Kreide dreist aus der Hand und strich das h in tot durch.
Schreiben mit e.“, korrigierte sie noch großkotzig. Sie hatte mit Schrecken festgestellt, dass sie Scriptorias Amt immer falsch geschrieben hatte. Felszlach, verdammte Axt!
Ich weiß auch nicht warum. Ich hör da kein e. Es klingt wie ein a. Schraiben. Schraaaaaiben. Ai. Wäre viel logischer, ist aber aus irgendwelchen Gründen falsch.“, erzählte sie ihm, als hätte sie den absoluten Durchblick in dieser seltsamen Sprache. Der letzte Fehler fiel ihr aber gar nicht auf.

Nagut, damit kann man arbeiten.“, meinte sie halbwegs überzeugt. Es war nicht perfekt, aber mehr als sie erwartet hatte. Nur musste das der Kerl ja nicht wissen. Trümpfe musste man bewahren und erst im richtigen Moment ausspielen.

Heribum ist ein Bolchan., schrieb sie dann auf eigene Faust in großen Buchstaben an die Hauswand und freute sich diebisch. Das sollte er ruhig lesen und ihr einen Vortrag halten. Auch Herrschaften durften sich einen Scherz erlauben. Gerade wenn es um einen Bolchan ging. Dann zeichnete sie ein kleines Männchen in einer unförmigen Robe daneben, das eine Suppenkelle in der Hand hielt. Mit einer dicken Frau im Tanzrock daneben, von der man nur zwei riesige Arschbacken sah. Es sollte klar sein wer das war.

"So. Nanuz!
Vhenan lachte erfreut und reichte Urist die Kreide zurück.

Ich werde mit dem Mahzhak sprechen und ein Schreibplätzchen für dich finden.“, verkündete sie beinahe offiziell. Vielleicht hatte der Hafenmeister auch Bedarf. Jetzt wo mehr Schiffsverkehr herrschte, mussten doch bestimmt mehr Listen und Formulare ausgefüllt werden. Irgendetwas wurde doch immer geschrieben.

Melde dich morgen einfach beim Hafenmeister, der wird dich einteilen und auch bezahlen. Und wenn er dir Ärger macht, dann sag mir bescheid. Dann kriegt er einen auf den Sack.“, sagte Vhenan dann nicht mehr so offiziell. Der schleimige Kerl kroch doch ständig um Raûl herum. Da gab es viele Möglichkeiten. Entweder sie versprach ihm Dinge, die Raûl niemals tun würde oder aber sie drohte damit ihm das genau vorzuenthalten. Und, und, und.... ihr fielen so viele schöne Gemeinheiten ein. Das kam ganz auf diesen widerlichen Kerl an.

Bis dahin kannst du üben. Die Fehler müssen weg!
Sagt die Richtige! schoss ihr in den Kopf und ließ sie grinsen.

Und... häng das hier nicht an die große Glocke. Ich hab dich nur gefragt, weil du so furchtbar ungeschickt warst. Die anderen sollen nicht auf die Idee kommen plötzlich alle Schreiber werden zu wollen. Verstanden? Sonst lernst du vielleicht doch einen Mörderassassinen von Nahem kennen.“ Ihr Mundwinkel zuckte bei dieser Drohung schon wieder verräterisch.

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 09, 2016 8:26 pm

Vor einer neuerdings beschrifteten Hauswand

Urist ließ Vhenans Korrekturen stumm über sich ergehen. Immerhin war sie die Herrschaft und hatte demzufolge recht. Und offensichtlich war alle Herrschaft hervorragend im Schreiben und Lesen, so, wie er es erwartet hätte. Nur ihr seltsames Zucken, als er die Kreide aus der Tasche genommen hatte, verwirrte ihn. Hatte sie etwa Angst? Die gewissenlose Mörderassassineuse?

Seltsam. Aber es war ohnehin eine seltsame Frau, die ihn da in die Enge getrieben hatte. Sie verhielt sich so anders, als erwartet. Herrschaft sollte ... distanzierter sein. Keine Wände bekritzeln Und sich gewählter ausdrücken.

Andererseits war es auch keine gewöhnliche Herrschaft. Wie die Schieber und Halsabschneider an den Docks, nur an der Macht. Kein edles Blut, sondern besonders grausame Gossenschlächter. Urist schauderte, als er daran dachte, was so eine Herrschaft für die Stadt bedeuten mochte. Bei Aristokraten konnte man immer noch auf Desinteresse hoffen, aber diese neuen Gaunerfürsten würden einen nicht vergessen ...

Einstweilen schien sie allerdings Gefallen an ihm gefunden zu haben. Urist versuchte, nicht daran zu denken, dass man solcherart Gefallen auch wieder verlieren konnte. Ganz zu schweigen davon, was die anderen aus ihm machen würden, wenn sie mitbekämen, dass er neuerdings der Liebling der Herrschaft war. Vhenans Rat war ganz richtig: Bloß die Klappe halten.

Daher nickte er einfach stumm und versuchte, sie nicht zu verärgern. So war es am sichersten. Immerhin, wenn das hier ausnahmsweise gut ausging, war hoffentlich genug Geld da, die Baderin zu bezahlen. Eventuell kam Mirja ja doch durch den Winter.

Jawohl, ja, sagte er zu Vhenan, als sie fertig war. Danke, sehr vielen Dank. Ich geh gleich morgen zu Herrn Joakim. Ich will auch ganz viel üben, heute noch. Ihr sollt es nicht bereuen, das verspreche ich. Bis ich blutige Finger hab, werde ich üben.

Urist wartete darauf, dass die Herrschaft ihn entließ, damit er sich daran machen konnte, sein ungewohntes Glück weiterzutragen. Obwohl ... diese eine Sache musste er einfach noch wissen:

Äh. Was ist ein Bolchan?
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 09, 2016 9:28 pm

Jaja, als ob.“, kommentierte sie trocken. Der würde aufhören wenn er keine Lust mehr hatte zu üben oder spätestens, wenn heute ein Fass angestochen wurde. Wer hart arbeitete, durfte es sich auch gut gehen lassen. Mit dieser Einstellung segelte man doch ganz hervorragend. Man durfte das Leben nicht an die Arbeit verlieren. Und solange sich jeder daran hielt (und man die Faulen nur gelegentlich in den Boden stampfen musste) war alles in bester Ordnung.

Vhenan besah sich ihr Kunstwerk noch einmal lächelnd und ging davon aus, dass Urist von allein wusste wohin er jetzt gehen würde. Aber der stand nur herum und beobachtete sie.
„Was noch?“, fragte sie irritiert. Ach, da war noch diese eine Sache... jaja. Warum mussten sie denen ständig sagen, dass sie gehen durften. Man merkte doch wenn ein Gespräch beendet war. Manchmal hatte sie das Gefühl, dass hier alle so beschränkt waren wie ein jeder Kan. Aber sie war noch immer sehr empfindlich was dieses Thema anging und war schnell genervt wenn jemand nur schwieg und glotzte.

Aber Urist hatte tatsächlich noch eine Frage. Eine sehr gute!
Ein Bolchan?“ In Vhenans Augen blitzte es diebisch auf. „Das wüsstest du wohl gerne, hm?“ Sie grinste breit und freute sich, dass der Bolchan die Runde machte. Das hätte den Bolchan selbst bestimmt auch gefreut.
Was bekomm ich, wenn ich es dir sage?“, feilschte sie direkt. Alles hatte seinen Preis.

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 09, 2016 9:54 pm

Urist fühlte sich ein wenig getroffen, als Vhenan ihm so nebenbei vorwarf, sich nicht anstrengen zu dürfen. Natürlich ließ er sich nichts anmerken - man durfte den Herren gegenüber schließlich nicht frech werden. Das gab mindestens Schläge.

Aber trotzdem, ein kleiner Teil von ihm dachte daran, dass Faulheit und ein fröhliches Leben leicht zu unterstellen war, wenn man selbst so viel hatte. War am Ende der Woche genug Geld übrig, um sich mal satt zu essen, konnten sie sich glücklich schätzen. So viele neue Leute in der Stadt und das Brot, das immer teurer wurde ...

Egal. War ja nicht zu ändern. Und die Herrschaft schien schon wieder wütend zu werden - dabei machte Urist nur, was man ihm beigebracht hatte. Kopf gesenkt, Beine zusammen, Hände hinter den Armen um nicht aggressiv oder aufsässig zu wirken. Gut, in diesem Fall war selbst sein gesenkter Kopf immer noch ein gutes Stück über ihrem, aber was das etwa seine Schuld? Herrschaft sollte ja auch größer sein, oder zumindest auf einem Pferd sitzen.

Es ist dieser Unsicherheit zuzuschreiben, dass Urist auf den nächsten Satz von Vhenan so reagierte, wie er eben reagierte. Da er ihr nicht in die Augen blicken konnte, sah er auch das diebische Blitzen nicht. Und den fröhlich-frechen Tonfall nahm er schlicht nicht so wahr - Herrschaft war nicht freundlich. Also ...

Was bekommen? Wegen einer Frage? Was meint sie? Was soll das? Ist das ein Test? Ach so ... oh nein!

Den Platz als Schreiber gibt es natürlich nicht umsonst - sie will bestochen werden. Darum geht es! Bei denen ist sie ja auch nicht ganz oben, die will auch sehen, was sie kriegen kann. Und natürlich darf man das so direkt nicht sagen ...


Urist überlegte verzweifelt, was er anbieten konnte. Schließlich war das vielleicht seine einzige Gelegenheit, der Familie endlich mal genug Essen nach Hause bringen zu können. Aber er hatte ja nichts ... das war ja gerade ... oder, halt ...

Svarni würde es bestimmt verstehen. Sie musste! Er würde es ihr später erklären. Zuerst war es an ihm, die Idee der Herrschaft verkaufen.

Was geben? Äh, ich, ich hab grad nichts. Aber ... aber ich hab ... also ...
Tief Luft holen.
Meine Schwester! Sie ... also, sie ist im 'Feuchten Loch'. Da arbeitet sie. Für Gold. Mit, mit Männern. Sie würde bestimmt ... also, für umsonst.
Halt, das hatte sie jetzt bestimmt falsch verstanden. Schnell zurückrudern.
Ich, ich meine ... nicht, dass Ihr ... also, nicht für so hohe Herrschaft .. oder dass ihr sorum ... aber sie ist beliebt. Und, und das Auge ist auch schon wieder verheilt und man sieht gar nix mehr. Viele Männer würden was springen lassen, wenn sie danach, oder davor, also für Euch natürlich. Nur der Wallraff, der darf nichts wissen, weil, sonst wird er wütend ... also, nicht dass Ihr da ... aber Svarni, meine Schwester, die würde er .... also ... aber es würd sich lohnen, bestimmt.

Urist versuchte so etwas wie ein überzeugendes Lächeln.
Er musste sich eingestehen dass es, ausgesprochen, eher erbärmlich klang. Trotzdem. Es war alles, was er anbieten konnte.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 09, 2016 11:32 pm

Das feuchte Loch? Beim Klabautermann, ihr müsst wirklich andere Namen finden. Da geht doch keiner hin! Außer vielleicht diese Schildkröten!“, brüskierte sich die Kleine, zappelte aber längst wie ein Fisch am Haken. Das klang nicht sehr einladend. Aber man wusste sofort was dort geschah. Und ihre Selbstbeherrschung war manchmal einfach nicht existent.
Umsonst?“ Nani war schon kurz davor möglicherweise vielleicht doch, nur ganz vielleicht, annähernd zuzustimmen, als das ganze Ausmaß ihren Verstand erreichte.

Was?“, fragte sie plump und blinzelte denkend. „Du verhökerst deine Schwester? An Mich? Für die Bolchangeschichte? Bist du noch ganz dicht?
Offenbar nicht, der muss Leckgeschlagen sein. Sie hatte doch nur einen dummen Witz gemacht! Und er nahm sie ernst? Sie hatte offenbar überhaupt keine Ahnung wie man mit 'Dienern' umging. Sie war sonst weder Diener noch Herrscher gewesen, sondern immer das, was gerade am Günstigsten gewesen war. Das, was man sein musste, um sich durchzuschlagen. Vielleicht sollte sie Raûl und die Pakata ein wenig beobachten wie sie das machten. Die hatten diese elegante Haltung manchmal mit einem Fingerschnipp griffbereit. Nani war viel plumper und dachte nie über Konsequenzen nach. Deswegen bekam sie auch ständig eins aufs Maul.

Urists nächste Worte brachten sie noch weiter ins Wanken. Nicht für so hohe Herrschaft und nicht sorum?
Jetzt doch nicht?“, rief sie beinahe leidend, nicht sehr würdevoll. Der konnte doch nicht mit sowas wedeln und dann einen Rückzieher machen! Ganz egal wie rum!

Bursche! Entscheid dich mal!“ Vhenan grübelte noch darüber nach was der Kerl ihr jetzt anbot. Sie verstand ihn vollkommen falsch und hatte auch keine Absichten in die Münzrichtung zu denken.

Hast du ihr das Auge verpasst?“, fragte sie plötzlich in einem Stimmungswechsel und wurde minimal größer. Versuchte es zumindest zu werden. „Du kannst doch nichts kaputt machen und es dann verhökern wollen. Noch dazu deine Schwester. Wie geht ihr hier mit euren Huren um!“, beschwerte sich die Kleine und war auf einmal nicht mehr so freundlich. Natürlich war es ein Geschäft. Leistung für Geld. Da ging es nicht immer um Spaß, aber hier wurde nie geleistet, zumindest nicht so, wie sie es erwartete. Deswegen konnte sich Nani auch nicht unbefangen in diesen furchtbar benannten Häusern herumtreiben. Die waren alle furchtbar langweilig.

Du hast echt keine Ahnung davon, oder? Wenn du nur was bezahlst und selbst nichts bietest, wird es langweilig, da kannst du es auch gleich sein lassen. Zuhause behandeln wir unsere Schönheiten mit Respekt. Nicht überall, hin und wieder gibt es sicher auch ein blaues Auge, aber ich kann dir sagen, du hast weit mehr davon, wenn du nett bist. Geheuchelt oder nicht! Du weißt nicht was die für Sachen mit dir machen, wenn die auch Spaß haben.“ Nani schüttelte nur den Kopf. Der hatte keinen Schimmer. Aber er sagte ja selbst, dass er schlecht im Bett war.

Nani dachte an Lyvianne, die das auch gemacht hatte. Die hatte keine blauen Augen kassiert, sondern sie verteilt. Vielleicht machten die Huren hier auch einfach was falsch. Manchmal vermisste Valvas ja schon... da war so vieles anders und leichter... Die roten Laternen dort waren auch ein Grund weshalb die Naihlar ständig knapp bei Kasse war.

Behandel deine Schwester mal besser. Wenn sie schon da arbeiten muss, dann hack nicht so auf ihr rum. Wenn du mehr Geld brauchst, treib selbst was ein und lass es sie nicht ausbaden. Du hättest da auch landen können, wenn du sonst nichts kannst. Am besten verziehst du dich jetzt, bevor ich es mir anders überlege und nicht mit dem Mahzhak spreche! Der Bolchan ist viel zu wenig für deine Schwester.“, knurrte sie langsam wütender. „Das lohnt sich nicht für sie.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   So Jan 10, 2016 12:30 am

Urist wahr vollkommen verdattert. Hielt ihm die Herrschaft gerade einen Vortrag darüber, wie man seine Schwester verkaufte? Oder ... sich selbst? Woher ... hatte sie etwa ... und jetzt ...

War sie beleidigt, dass er ihr nicht die Schwester anbot?! War sie wütend, dass die Ware beschädigt war? Aber was sollte dann das mit dem "gut behandeln"? (Ein Konzept, welches am Dock mehr als nur ein paar verwirrte Blicke eingebracht hätte.) War er noch immer für den Schreiberposten gedacht? Und wer bei allen Elementen war dieser "Bolchan"?

Er schrumpfte in sich zusammen, die Arme hilflos taumelnd, halb erhoben, halb fallengelassen. Während Vhenans ganzer Tirade brachte er nicht mehr als ab und zu ein Ähm, Uhmf oder Was? zustande. Das Einzige, was er so einigermaßen verstanden hatte, war die Aufforderung, sich zu verziehen. Eigentlich ein willkommener Befehl, und doch hielt ihn etwas zurück.

Urist machte ein paar stolpernde Schritte nach hinten, taumelte und hielt dann inne. Sein Mund klappte auf und zu, sein Blick rollte hilfesuchend in der Gegend herum. Schließlich schien er sich zu so etwas wie einer Entscheidung durchgerungen zu haben.

Ich hab sie nicht ... ich hab sie nicht geschlagen. Ich nicht.
Es gehörte zu den merkwürdigen Regeln im Ehrenkodex der Docks, dass man die eigene Frau nach Herzenslust misshandeln konnte (ja, es wurde sogar erwartet) und die Tochter erst recht, aber nie die Schwester. Oder die Mutter. Die gehörten einem nicht.
Der vom "Feuchten Loch" ... weil, sie ist halt frech geworden ... hab ich ihr auch gesagt, dass sie achten muss, wo ihr Platz ist.
Inzwischen wurde ihm klar, dass die kleine Naihlar, obwohl sie nicht so aussah, wohl an höherwertige Etablissements gewöhnt war.
Also ... ist halt nicht der beste Platz. Ist halt alles, was wir haben. Wenn das nicht genug ist, dass ich die Schreiberstelle haben kann, dann isses so - jetzt mit hängender Miene und kraftlosem Blick. Dann sah er Vhenan wieder an (von schräg oben).
Ich würd's aber trotzdem machen. Weil, wenn das geht, dann muss Svarni da nicht mehr hin, wenn wir sie auszahlen können. Dann kann sie ihre Zähne behalten. Darum mein ich das Ernst, wenn ich sage, ich übe, bis ich blute. Ich will auch was tun. Großvater und Svarni ... die haben schon geblutet, dass wir was zu Essen haben. Da ist es nur fair. Das ich das auch tue, meine ich.

Für Urist Verhältnisse war das eine ziemlich lange Rede, und er war sich unsicher, ob es nicht alles noch schlimmer gemacht hatte. Aber er hatte es einfach tun müssen ...
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   So Jan 10, 2016 1:49 am

Nicht?“ Nani musterte den Kerl prüfend, ob der sie hier für dumm verkaufte. Aber er machte zum ersten Mal den Mund auf und widersprach ohne dabei fast in Ohnmacht zu fallen. „Na besser für dich.“ Vielleicht hatte er seine Schwester wirklich nicht geschlagen. Er schob die Schuld dem Hurenhausbesitzer zu. Vielleicht stimmte das... wäre denkbar. Aber es war unprofitabel. Welcher Geschäftsmann verschandelte denn seine Ware. Gerade das Gesicht einer Dockschwalbe. Das war doch dumm.

Außerdem konnte sich Nani nicht damit anfreunden. Natürlich hatte jeder seinen Platz. Bis er was besseres fand. Urist könnte noch jahrelang an den Docks arbeiten und würde irgendwann als Wasserleiche an den Strand gespült werden, weil er jedem nur mehr Arbeit machte und furchtbar auf den Sack ging. Da war ein kleines Hoppla, das ihm das Genick brach, viel effektiver. Oder aber er war gut im Schreiben und griff den Arbeitern so unter die Arme. Vielleicht hatten die anderen ja auch etwas davon, das würde sich zeigen. Wenn sie überhaupt soweit dachten, das war ja hier ja offenbar ein Problem. Überhaupt war dieser Hierarchie nichts, was in Vhenans Kopf Sinn machte. Auf dem Schiff steckte man auch keinen zündelnden Einäugigen mit zwei linken Händen als Pulveraffen in den Munitionsraum. Und man steckte keinen Kerl mit Dauerhusten und Krätze in die Küche, nur weil dort sein Platz war. Das war vollkommen ineffektiv und dämlich. Manche Plätze gehörten einfach jemand anderen, egal was alle sagten. Das hatte sie schon immer so empfunden. Diesen Platz hier, ihren Platz, hatte sie sich auch selbst gewählt. Wenn es nach anderen ging wäre sie jetzt in Valvas und würde Gewürze verkaufen. Vielleicht wäre sie dort besser aufgehoben gewesen, nach dem was die Ratio ihr angetan hatte, aber sie wollte hier sein. Sie hatte sich entschieden und musste jetzt mit den Konsequenzen leben.

Ihre Gedanken wurden grob von Urist unterbrochen, der sich tatsächlich in Rage redete. Sieh an. Vhenan hörte plötzlich aufmerksam zu und ließ ihn ausreden. Erstaunt und ja, ein wenig beeindruckt. Der hatte ja doch mehr Rückgrat als Heribum. Erstaunlich. Wenn auch nicht schwer, der Naevit war wie eine Qualle.


Vhenan schwieg eine Weile und musterte Urist eindringlich. Sie schien zu überlegen. Das konnte eine ausgeklügelte Mitleidsnummer sein. Aber es klang ehrlich. Waren sie wirklich nur wegen des Bolchans an diesen Punkt gekommen? Da war der Gute doch noch zu etwas gut. Möge er in Frieden ruhen. Trotzdem würde sie Urist nie einweihen, das Schiff hatte längst abgelegt.

Jeder blutet irgendwann mal.... das kannst du nicht verhindern.“, murmelte sie ernster. Aber bei Schreibern war sie sich nie sicher gewesen. Vielleicht beim Anspitzen der Feder? Egal.

Nani seufzte leise, weil der Unglückliche wirklich dachte sie würde das Angebot zurückziehen. Vielleicht war sie hin und wieder ein wenig ungestüm und cholerisch, aber deswegen schoss sie doch nicht alle guten Pläne in den Wind! Nur das wusste hier ja niemand. Diese Kommunikation war miserabel. Sie mussten sich dringend besser kennen lernen. Aber aus dieser Unterhaltung hatte sie immerhin ein wenig gelernt.

Ich hab dir gesagt ich rede mit ihm und dann tu ich das auch.“, stellte sie unmissverständlich klar. „Sieh zu, dass du keinen Mist baust und die Stelle behältst. Wenn du es versaust kann ich auch nichts mehr tun. Will ich dann auch gar nicht. Klar?“ Sie versuchte ihre Körperhaltung wieder zu entspannen und nicht mehr so aggressiv zu wirken.

Und... wenn du unbedingt bluten willst... dann tu das während der Arbeitszeit. Es bringt gar nichts, wenn du dich beim Üben verletzt.... wie auch immer du das anstellen willst.“, sie hob gestikulierend ihre Arme, weil sie keinen Schimmer hatte wie man sich da verletzten konnte. Vielleicht durch einen Schnitt am Papier? Ja, das tat verdammt weh!

Da hat deine Familie auch nichts von. Arbeite wenn du es musst und spar deine Kräfte, wenn du es kannst. Aber fang nicht so an wie Fellar! Mein persönlicher Rat. Und... noch einer.... mach öfter mal den Mund auf. Ich kann nicht für alle hier sprechen, aber die meisten der Herrschaft schätzen ein ehrliches Wort. Dieses Gekrieche nervt uns, das kannst du ruhig weitersagen. Du kennst jetzt mich. Du kennst den Mahzhak. Und Mallo... Wir sind laut und wir reden über Dinge und entscheiden dann. Aber natürlich haben wir am Ende immer das letzte Wort, nicht dass wir uns da falsch verstehen. Also kriech nicht immer rum. Du hast nicht umsonst einen Knochen im Rücken.“, sprach der Freigeist vom Meer und nickte bestimmt ohne den Blick abzuwenden. Schaffte er es tatsächlich einmal ihr in die Augen zu sehen?

Dieses Geschimpfe hatte ihm gerade den Posten gesichert, in dieser Hinsicht war Vhenan etwas eigen. Und sie würde sich vielleicht sogar etwas mehr ins Zeug legen, falls sich irgendjemand quer stellen sollte. In Valvas ging es doch auch gut. Jeder war laut, jeder hatte seine eigene Meinung und es lief. Warum war das hier so ein verdammt großes Problem. Vielleicht machten sie irgendetwas falsch. Ein gespräch mit dem Mahzhak oder der Pakata unter drei oder vier Augen wäre vielleicht angebracht.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   So Jan 10, 2016 9:50 pm

Es schien funktioniert zu haben. Auh wenn Urist nicht wirklich verstanden hatte, warum Vhenan das Schicksal irgendeiner Dockhure so sehr interessierte - oder, vielmehr, ihre effiziente Verwertung. Diese Obsession für das Detail war er von einer Herrschaft nicht gewohnt ... noch dazu so ein nebensächliches.

Einerlei, es schien seine Zukunft fürs Erste gerettet zu haben. Sie faselte zwar noch ein bißchen, aber der Sinn war klar: Urist würde die Stelle trotzdem kriegen. Oder vielleicht auch deswegen, so eindeutig war das nicht zu erkennen.

Vom Schreiben verstand er zwar nicht mehr als Vhenan, aber er kannte die abgerissenen, dürren Gestalten, die auf dem Marktplatz für ein paar Kupfer den Bauern ihre Bittgesuche schrieben. Daher murmelte er zu ihrem Kommentar: [color=#660000's Blut kommt im Winter, mit dem Husten. Oder von den Messern, wenn man nicht mehr geradeaus sehen kann.[/color]

Inzwischen hatte er deutlich mehr Mut gefasst. Die kleine Herrschaft wirkte zwar immer noch recht bedrohlich, auf eine seltsam unvorhersehbare Art und Weise. Aber sie würde ihn wohl nicht zum Auspeitschen auf den Schandgalgen schleifen lassen, wenn er frech wurde. Oder ihn an Ort und Stelle von ihrem Pferd in den Schlamm treten lassen. (Dass die neue Herrschaft ohne Pferde und Reitgerten in der Stadt unterwegs waren, verblüffte nicht nur Urist noch immer.)

Es waren seltsame Adlige, dieses neue Volk - halt, es waren ja noch nicht einmal Adlige. Auf den Feldzügen konnte natürlich alles fähige Volk schnell aufsteigen (wenn manes überlebte), darum hatte Urist natürlich Geschichten über derlei unkonventionelle Herrschaft gehört. Aber ein so betont kumpanesker Umgangmit den Dienern war ihm dann doch fremd. Es gab allerdings Beispiele, in der Vergangenheit. Großvater hatte so etwas erzählt ...

Urist neigte den Kopf und versuchte, dabei nicht zu kriecherisch auszusehen. Darum beschränkte er sich auch auf ein schlichtes Danke. Er wäre wahrscheinlich einfach weggegangen, aber etwas nagte an ihm, in seinem Hinterkopf. Da war was mit dieser Art freundlicher Stadtherrscher, die "ein ehrliches Wort" und "treue, mutige Untertanen" zu schätzen wussten. Ein Grund, warum es nicht mehr von ihnen gab. Was war es nur ...

Ah.

Urist hielt noch einmal inne. Ihm war ziemlich mulmig zumute. Immerhin - die Peitsche war ja immer noch drin. Aber sie hatte gesagt, dass sie Offenheit zu schätzen wusste. Und sie sah ein wenig so aus, als ob sie Hilfe brauchte. Eine absonderliche Vorstellung, aber trotzdem. Urist holte tief Luft.

's ist ein schöner Gedanke. Das Ihr uns zuhören wollt und so. Aber ... es wird nicht bleiben. Herrschaft geht. So ist das immer. Sie bleibt auf dem Schlachtfeld, am Hof, oder sie muss sich woanders um was kümmern. Wir, wir müssen bleiben. Und die Leute ... die wie der Hafenmeister. Die bleiben auch. Die Peitsche. Und die Befehle, und der Gehorsam. Das bleibt. Das offene, ehrliche Wort ... das geht schnell wieder vorbei. Wer's anders versucht ...

Urist sah Vhenan nun direkt in die Augen. Wenn man sich die Messer und die Macht wegdachte ... eigentlich sah sie fast aus wie die Mädchen an den Docks. Nur besser genährt.

Er zerbricht. Am zuviel, am Mitgefühl, an den vielen Stimmen. Nur die Harten, Stolzen. Die bleiben.

Es wren nicht seine Worte - Großmutter hatte das manchmal gesagt, tief in der Nacht, wenn sie glaubte, er würde schlafen. Sie hatten damals nicht viel Sinn ergeben, und auch jetzt kamen sie ihm eher instinktiv als bewusst passend vor. Aber passend nichtsdestoweniger.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   So Jan 10, 2016 11:22 pm

Vhenan war begeistert. Der Kerl redete weiter! Er schien wie ein Rumfass. Einmal angestochen floss das Gold heraus, bis es leer war. Oder bis man einen Korken hineinstopfte. Vorerst ließ sie es fließen. Urist schien ja doch zu denken und eine klare Meinung zu haben. Davon war vorher nichts zu spüren gewesen.

Herrschaft kam und ging. Ja, das waren wahre Worte. Vhenan war sich darüber mehr als im Klaren, genau das war einer der Gründe warum sie Angst vor der Antwort vom Hof hatte. Und der Zukunft danach. Was wenn einer der feinen Herren da oben die Überlebenden von allen Taten frei sprach? Egal was sie hatten tun müssen? Das wäre genau das, was Nani heimlich hören wollte, aber was wenn es irgendjemandem nicht passte und der auf eigene Faust handelte? Was wenn der Archon irgendwann das Zeitliche segnete? Oder abdankte? Nani wusste nicht weshalb, aber im Herold hatte gestanden, dass zwei Archontenthrone frei waren. Aus einer Herrschaft konnte schnell nur ein leerer Platz werden. Und dann? Dann galt dieses Wort einen feuchten Dreck und sie war kurz gesagt wieder 'Am Arsch'. Sie wurde augenblicklich wieder unruhig.

Glaub mir, das weiß ich besser als du ahnst.
Es nervte sie, dass Tonar so lange verschollen war. Wenn da jetzt nicht bald was kam, dann würde sie auf eigene Faust dahin laufen und Sciptoria höchstpersönlich die Tür eintreten! Die Konsequenzen waren ihr dann herzlich egal, schlimmer als ihre dunkelsten Befürchtungen konnte es eh nicht werden! Außerdem hatte sie über das Vademecum nachgedacht. Wie sollten sie die Stadt befestigen, wenn sie nicht wussten wie. Sie durften nicht warten. Wenn Nani hier alles aufhielt, nur weil sie sich fürchtete, würde sie wieder Blut an den Händen tragen, falls die Zweifel doch irgendwann hier auftauchten. Sie musste dieses Ding so schnell wie möglich besorgen. Ein Grund mehr Scriptoria in das gepuderte Hinterteil zu treten. Wie schwer war es eine Antwort zu schreiben? Nani hatte eine ganze Nacht gebraucht und den Tag danach, aber es war auch nichts was sie sonst tat. Vielleicht war es ein Fehler gewesen ihr zu schreiben... aber die Karten sagten etwas anderes. Nani wollte nicht, aber sie musste dumm grinsen. Die Karten sagten noch etwas ganz anderes.... wenn die feine Dame wüsste! HA!

Ihre kurzweilig heiteren Gedanken wurden unterbrochen, als Urist es wagte ihr in die Augen zu sehen. Vhenan blieb ruhig, hielt seinem Blick stand und versuchte ihn bei diesem Heldenmut nicht zu erschrecken. Er hatte schöne Augen. Aber es fehlte das Glitzern, das sie mochte. Der Schalk. Selbst im Armenviertel hatte sie den gefunden... es musste an Urist liegen.

Willst du, dass wir gehen?“, fragte sie in provokant. „Du weißt nicht wie lange wir bleiben. Ich weiß es auch nicht.... vielleicht hast du Recht und wir sind irgendwann weg. Ob das gut oder schlecht für dich wäre weiß ich nicht. Du auch nicht. Raûl hat mir gestern noch gesagt, dass man nicht in falschen Gedanken leben sollte. Was wäre wenn. Hätte, könnte, müsste... Diese Gedanken sind da, aber sie sind falsch. Niemand weiß was morgen passiert. Deswegen leben wir im Jetzt. Wir sind vielleicht nicht das, was du willst, das was du erwartet hast, aber wir sind da. Wir sind jetzt hier und alles was du bekommst. Leb damit. Und versuch gut damit zu leben. Eine Stunde Spaß am Tag ist besser als keine... vielleicht sehnst du dich irgendwann nach uns zurück, wenn wir weg sein sollten und bereust, dass du nicht versucht hast einfach zu leben, wo du die Möglichkeit hattest. Du kannst nicht unter jeder Herrschaft gleich kriechen...“, gab sie zu bedenken.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 13, 2016 11:28 pm

Na.

Urist schüttelte den Kopf. Die kleine Herrschaft hatte wieder sehr viel geredet. (Dass sie das gerne machte, nachdem sie eine Weile ins Leere gestarrt hatte, war Urist inzwischen aufgefallen.) Er war zunächst nicht so recht mitgekommen, aber dann wurde der Sinn klar: Sei fröhlicher.

Diese Aufforderung hatte er schon öfter hören müssen, darum hatte er auch tatsächlich eine Antwort parat. Meistens lag sie ihm ein oder zwei Stunden später auf der Zunge, was aber ganz gut war - wer dem Falschen gegenüber frech wurde, konnte damit rechnen, ein paar Tage nicht mehr gehen zu können. Und ein paar Tage machten eine Menge aus ...

'S geht nicht, das. Nicht an morgen zu denken, und so. Kann man sich nicht leisten, hier. Wenn's moergen das Brot teurer wird, müssen wir heute sparen - oder es ist Hunger. Was ich morgen keine Arbeit habe, spürt Mirja übermorgen. Wenn die neue Herrschaft ... wenn Ihr weg seid, dann müssen wir schon wissen, wer dafür kommt, das wir richtige Verbeugung machen. Sonst gibt#s Ärger und wir müssen gehen, woandershin. Und dann ... dann sterben Leute.

Urist dachte an Mirjas Husten, an Großvaters zitternde Knie. Die alte Semprine aus der Kate am Ende der Straße, die sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Hükker, mit seinem kurzen Arm. Die vielen ausgezehrten Frauengesichter, die immer irgendwo über ein paar Kindern hervorlugten. Die ewig grantigen, alten Männer mit von Arbeit gebeugten Rücken. Und all die vielen Möglichkeiten, sich Sorgen zu machen - um einen Kanten Brot, das Loch im Dach, die kaputte Hose, den allgegenwärtigen Husten. Sich nicht zu sorgen, das war etwas für ...

'S ist für Leute, die genug haben, das. Oder die wissen, wo sie sich was holen können. Oder ... na, die anderen. Die es nicht kümmert. Die die Familie nicht kümmert, die anderen nicht. Die können trinken und lachen und Geld weggeben. Die können auch sterben, auf Schlachtfeldern oder im Winter. Die können frei rumrennen und sich nicht sorgen. Aber unsereins ... wir müssen kümmern und sorgen und machen und tun. Weil so viel davon abhängt.

Urist's Schultern sackten nach unten und für einen Moment konnte man beinahe das Gewicht spüren, das auf ihm lastete. Dann hellte sich seine Miene auf. Er lächelte Vhenan an, zum ersten Mal.

Aber Ihr, Ihr braucht euch nicht zu sorgen. Um euch nicht und auch nicht um mich oder um uns hier. Weil, Ihr seid vom guten Archon eingesetzt und werdet gute Herrschaft sein, das glaub ich. Denn morgen schon schreibe ich für den Herrn Joakim und kriege Silber dafür. Und es wird gut werden.

Dann beugte er noch einmal den Kopf, weil er es so gelernt hatte, und weil es angemessen erschien.

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 14, 2016 1:03 am

Immer wenn Urist seinen Mund aufmachte und sprach (was bisher nur in den letzten Augenblicken vereinzelt geschehen war), fühlte sich auch Vhenan schwerer und dem Erdboden stärker verbunden. Musste der immer so negativ sein? Kein Wunder, dass die hier alle gebückt gingen, wenn jeder viel zu viel Last auf den Schultern trug. War das wirklich notwendig? Oder trugen sie mehr als sie mussten? Weil sie es gewohnt waren? Die mussten wirklich lernen zu leben.

Die Leute hier waren nicht frei, nicht so, wie Nani es gewohnt war. Jeder hatte seine Aufgaben, seine Pflichten und manchmal war man auf hoher See ziemlich am Arsch, gerade wenn Turor und Goias sich gegenseitig um die Leben der Mannschaft stritten, aber selbst dann sangen die Naihlar noch. Lera chin lera, hallte es unbeugsam durch den Sturm. Selbst dann, wenn die Meerriesen die Schiffe zerschlugen und Menschen in die Tiefe rissen. Naihlar gingen erhobenen Hauptes unter. Bis zum letzten Atemzug. Dieser Stolz schlug auch in ihrem kleinen Herzen. Noch immer. Trotz allem.

„Ich glaube ihr müsst dringend singen lernen.“, antwortete sie kryptisch und erwarte nicht, dass Urist sie verstand. Sie lauschte weiter und war überrascht, als er tatsächlich... lächelte? Ein kleines Wunder schien zu geschehen.

Als Urist den Hafenmeister erwähnte, verdrehte Vhenan wieder genervt, aber ebenfalls grinsend die Augen. Sie wusste nicht, ob sie sich so freuen würde für diesen Kerl zu schreiben. Allgemein zu schreiben. Aber das war ihre persönliche Abneigung, Urist wollte ja offenbar bluten und seine Arbeit so gut machen, dass er andere damit durchbringen konnte. Das war ein ehrenwerter Gedanke. Einen, den sie als Mitglied einer Schiffsmannschaft teilte. Dieser innere Kompass würde an Land nicht einfach zerbrechen. In keinem von ihnen. Sahen die Menschen das hier nicht? Sogar der Mahzhak arbeitete mit. Er schwang keine Peitsche, er blutete mit ihnen. Er hatte doch sogar diese Schramme an der Stirn, weil er zu blöd gewesen war diesem Holzbalken auszuweichen. Klong.

Vielleicht würden sie mit der Zeit doch besser klarkommen, als es jetzt schien. Vhenan hatte Hoffnung, denn Urists Beschreibung von Aufgaben und Verantwortung schien nicht nur auf ihn und seine Familie beschränkt. Auch andere arbeiteten hart. Nicht nur für sich. Abgesehen von Joakim vielleicht, aber den kannte Nani auch nicht gut. Raûl wüsste vielleicht mehr, selbst wenn der das gar nicht wollte. Irgendwie hatte sich diese Schlange den Posten verdient und sich festgebissen. Er würde hier bleiben und er würde hier sterben. Nur das Alter schien ungewiss. Der Hafenmeister schätzte sein Nest und würde es nicht verlassen. Er würde es verteidigen. Mit Heimtücke, Arbeit und schönen Worten. Und wie es aussah auch mit seinem Hinterteil. Der wusste aber auch noch nicht recht vor wem er hier kroch. Die Mörderassassinen spielten sein Spiel in Nanis Augen weitaus besser, wenn sie es wollten. Sonst wären sie gar nicht erst an diese Herrschaft gekommen.

Die kleine Naihlar lächelte, als Urist sich verbeugte. Die Geste zählte, denn sie musste wie gewohnt immer noch zu ihm aufsehen.
Hm... ob du es willst oder nicht, wir sorgen uns trotzdem... oder nein... sorgen würde ich es nicht nennen.“ Nani überlegte kurz und musterte Urist kritisch. Das hier war eine Hafenstadt, aber trotzdem wimmelte es hier von Landratten. Die schienen das alle nicht zu verstehen.
Bist du jemals gesegelt?“, fragte sie. „Nicht nur an der Küste, sondern weit draußen. Na vermutlich nicht.“ Er sah nicht so aus. Er hätte seine Familie auch sicher nicht zurückgelassen. „Egal... was ich sagen will: Es kümmert uns. Ihr kümmert uns. Selbst wenn wir neu sind. Wir... oder zumindest ein paar von uns... ICH sehe diese Stadt hier wie ein Schiff. Es gibt einen Kapitän, der den Kurs vorgibt und einige Offiziere, die ihn unterstützen. Der Rest ist die Mannschaft und arbeitet mit. Wir geben den Kurs vor und erwarten, dass ihr im folgt, weil wir eine Idee haben, die auch für euch nützlich ist. Wir wollen etwas aufbauen. Etwas Gutes, etwas das Spaß macht. Vielleicht kannst du dann auch ein wenig gerader gehen. Aber wenn wir euch in einen Sturm führen und dort verlieren, ist das unsere Schuld. Wir haben auch eine Verantwortung für euch. Die nehmen wir ernst, auch wenn du mir nicht glaubst. Nimm den kommenden Winter als Sturm. Wir arbeiten mit euch, weil wir wissen, dass es hart wird. Du hast mich eben noch ins Wasser geworfen! Ich arbeite auch mit und lass dich nicht allein schuften. Weil wir wissen, dass niemand allein bestehen kann. Es gibt den Kapitän und auch den blöden neuen Schiffsjungen. Und viele dazwischen. Aber jeder hat eine Verantwortung für jeden. Niemand geht hier ungesehen über Bord. Die Chirya, wie Mallo, würden es zwar anders ausdrücken und dir irgendetwas über eine Baum erzählen, wie ich vermute, aber der Gedanke bleibt gleich. Wenn wir hier versagen und ihr sterbt, dann kriegen wir von dem Archon einen auf den Sack. Normalerweise würde ich das sogar als Herausforderung ansehen und herausfinden wollen wir er das denn machen würde, aber ich sag dir eins: wir versagen nicht gerne. Und das bedeutet, dass wir wollen, dass diese Stadt groß wird. Für alle. Wenn du mithilfst und gute Arbeit leistet, dann wird das hier deine Stadt. Und du bist immer größer als jeder Gast, den es hierhin verschlägt. Selbst wenn du am Boden sitzt und bettelst.

Nani lächelte nun auch. Sie musste doch ausstrahlen, dass sie sich innerlich größer fühlte als sie körperlich war. Vielleicht schaffte Urist das auch irgendwann. Urist und jeder andere hier, der gebückt ging. Noch war es ein Traum, sie hatte nicht mehr als ein paar Hütten hervorgebracht, aber sie hatten eine Vision und verfolgten sie.

Wir sind nicht adelig, das ist kein Geheimnis und ich denke das ist sogar gut für dich. Wir wissen wie man sich die Hände schmutzig macht... manchmal müssen wir auch Mörderassassinen sein“ (Sie wollte die ganz offensichtliche Gaunerei ja nicht einfach unter den Teppich kehren), „aber das gilt nur denen, die nicht Teil der Mannschaft sein wollen. Wenn wir den Winter überleben, dann werden wir im nächsten Jahr vorsorgen... wir kennen Orte und Menschen, von denen du nicht einmal ahnst, dass sie existieren. Wir wissen wo es was zu holen gibt. Und wir wissen wie wir diese Dinge bekommen, die wir haben wollen. Sonst wären wir jetzt gar nicht hier. Hab ein bisschen Vertrauen. Versuch es. Im Frühling sieht die Welt wieder ganz anders aus... aber hey auch eine Schneeballschlacht macht Spaß. Und lachen macht gesund. Versuchs mal öfter, selbst wenn es schwer fällt. Das färbt ab und macht auch die Menschen um dich herum glücklicher. Und jetzt genug geschwafelt, ich bekomme Durst davon!

Kelriothar sprach hier wohl noch aus hier. Dort hatte sie öfter Monologe führen müssen, weil die anderen für Antworten gar nicht kräftig genug gewesen waren. Als Geschichtenliebhaberin hatte sie so ein wenig helfen können. Sonst hatte sie nicht unbedingt viel geleistet. Der Fluchtversuch war ja voll nach hinten losgegangen. Nani redete seitdem entweder kaum und sehr kurz angebunden, sogar aggressiv, oder sie wollte gar nicht mehr aufhören zu reden. Das war ganz von der Situation abhängig und ihrem Gesprächspartner. Vielleicht richtete sie auch gerade aufbauende Worte an Urist, weil der Kerker ihr im Nacken saß. Sie wollte, dass er sich hier in seinem Zuhause sicher fühlte. Auch wenn sie nur für sich Sprach und jedem anderen Naihlar die Worte in den Mund legte, ohne dass der sich wehren konnte. Vielleicht würde Raûl ihr widersprechen und vielleicht stimmten einige Details gar nicht, aber darum ging es bei aufbauenden Worten ja selten. Man hörte nicht das, was der Wahrheit entsprach, sondern das, was man hören musste, um Hoffnung zu schöpfen. Nani wusste das.


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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 14, 2016 3:16 pm

Urist konnte nur mit offenem Mund daneben stehen, als die naihlar'sche Herrschaft (Miniaturausgabe) einmal mehr zu reden anfing. Oder eher zu predigen. Es hatte tatsächlich starke Ähnlichkeit mit den langen Monologen der Priester. Die waren auch immer um irgendein Gleichnis aufgebaut, das Urist nicht verstand, und leiteten dann rech abrupt zu einer etwas undurchschaubaren Morallehre über.

Vhenans Handicap war, das Urist, wie viele Einwohner des Kontinents, nur wenige Male in seinem Leben mit dem Schiff gefahren war, und dann immer unter Deck eingepfercht. Für ihn waren es stinkende, gefährliche Ungetüme die, allen Geschichten nach zu urteilen, ebenso oft in Stürmen sanken wie sie von irgendwelchen Ungeheuern verschluckt wurden. Immerhin verstand er soviel, dass sie ihn wohl immer noch dazu aufforderte, mehr Spaß zu haben. Und sie versprach, sich um die Belange des Volkes von Gutenbucht zu kümmern.

Nur gegen Ende wurde es nachvollziehbarer. Das die Herrschaft alle umbringen wollte, die nicht zur "Mannschaft" gehörten, beunruhigte ihn zwar ein wenig, aber er vermutete, dass es sich wohl um die übliche "gehorch oder stirb" - Einstellung handelte, welche man von Herrschaft gewohnt war. Mit dem Unterschied, das diese hier einem nachts die Kehle durchschneiden würde, anstatt ihn tagsüber auf dem Marktplatz zu hängen. Und die Sache mit dem "beschaffen" und vorsorgen" war durchaus interessant. Urist überlegte kurz, ob er es ansprechen sollte (immerhin hatte sie gerade wieder bestätigt, dass sie eine gewissenlose Mörderassassineuse war). Auch wusste er nicht, ob der letzte Satz als Einladung, Abschied oder Befehl gemeint war.

Schließlich beschloss er, es einfach zu versuchen. Er schloss zu Vhenan auf und räusperte sich:
Also ... wenn's drum geht, das wir was brauchen und was man tun könnte ... weil, 's ist ja ganz nett, dass Ihr mit arbeiten tut, aber das können wir auch gut allein, und 's ist eigentlich gar nicht so gut, dass wir schneller fertig werden, weil, dann gibt es weniger Kupfer ... also, wegen dem, aber auch wegen den anderen ...

Er merkte, dass er druckste. Na gut, Zeit es auszusprechen. Sie würde ihm wahrscheinlich nichts abschneiden ... hoffentlich.

'S wär gut, wenn der Preis für Brot, wenn der nicht so hoch wär. Weil, bei sechs Stück Kupfer für den Viertelpfünder braucht's vier und noch zwanzig für die Woche, aber es gibt nur vier-zehnig für die Arbeit, und da muss auch Holz her, was auch gestiegen ist, und wenn man knappst, sind das immer noch acht-zehn oder acht-zehn und drei, wenn man Achtelpfünder nimmt, was nicht viel ist.

Es war erstaunlich, wie gut man zu rechnen lernte, wenn die nächste Mahlzeit davon abhing.

Also, Brot. Und Holz, ja. Wenn die Seewinde kalt werden, braucht es Holz, was mit dem Schiff kommt, weil das Land kaum hat. Wenn Ihr das machen könntet. Der Bäckermeister, der Adam Schmitt sagt, 's ist, weil das Mehl so teuer ist und weil so viele Neue da sind, und die Fischer können auch nicht mehr fangen, darum ist auch der Fang teurer ... also, Mehl und Holz und Fisch. Das wär gut.

Und wenn die Neuen, wenn man denen verbieten täte, dass sie ihre Weltschwenker anbeten tun, weil, das ist heidnisch und die Elemente sind dann zornig. Wenn die das nicht mehr täten, dann wär die nächste Ernte bestimmt besser
, sagte Urist, für einen Moment vergessend, mit wem er es zu tun hatte. Herrschaft war eben zunächstHerrschaft und erst dann von irgendwoher.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 14, 2016 7:42 pm

Noch während sie sprach, beschlich Vhenan der leidige Verdacht, dass sie gegen eine Wand redete. Oder sich mit einem Kan unterhielt. Die hatten auch nur immer geglotzt und nichts verstanden.
Dies war nicht das erste Mal, dass sie mit ihrer Einstellung ins Nichts lief. Warum war es so schwer für viele einfach mal seinen Kopf zu lüften und sein Herz sprechen zu lassen. Die eigenen Füße trugen einen schon irgendwo hin, an einen Ort, an dem etwas Unvorhersehbares geschah. Und dann freute man sich darüber. Urist wollte an keinen dieser Orte gelangen, gut, dann eben nicht. Blieb mehr Platz für die Naihlar.

Sie hatte innerlich beschlossen es sein zu lassen, bei ihm war wohl erst etwas zu holen, wenn er sah, dass sie es ernst meinte. Reden konnten ja viele, Nani selbst war auch eher durch Taten zu beeindrucken und nicht durch Worte. Immerhin hatte sie oft einem gewissen Magier zuhören müssen, der immer etwas geliefert hatte, aber nie das, was geplant war. Vielleicht dachte Urist ebenso. Wäre eine gesunde Einstellung. Nani war schon im Begriff sich umzudrehen und den Kerl wieder stehen zu lassen, da räusperte er sich. Aha. Noch mehr? Nani wandte sich ihm wieder zu und stutze ein erstes Mal.
Der Gutenbuchter eckte jetzt deutlich bei ihr an. Hatte der gerade wirklich gesagt, was sie gehört hatte? Langsam aber stetig änderte sich Vhenans Haltung, aber noch war sie sich nicht sicher. Vermutlich hatte er es nicht so gemeint, wie man es verstehen könnte... Oder? Vorerst sprach sie ihre Gedanken nicht aus.

Sie hatte nicht damit gerechnet, dass tatkräftige Unterstützung auf negative Gedankens stieß. Respektierte man Herrscher nicht viel eher, wenn man den Eindruck hatte, dass die wussten was sie taten? Bei Kapitänen war es so. Wenn einer nur Pakata wurde, weil er die wenigsten dümmsten Ideen hatte, dann segelte man trotzdem nicht gut.

Hatte der das eben wirklich gesagt? Noch immer kreisten ihre Gedanken um diesen fatalen Satz. Selbst dann, als es geschäftlich wurde.

Um diese Art von Handel kümmert sich der Mahzhak. Raûl. Das hat er immer gemacht und ich vertraue seinen Fähigkeiten. Ich weiß nicht was er geplant hat, aber er wird vorsorgen. Bald kommen neuen Menschen. Für die bauen diese Hütten. Du würdest auch nicht im Winter ohne Dach über dem Kopf hier kampieren wollen, oder? Also halt dich etwas zurück. Hunger wird noch schlimmer, wenn es auch noch kalt ist. Mit diesen Menschen kommt übrigens auch neue Fracht.

Als Quartiermeister würde Raûl das irgendwie schaukeln. Wie auch immer, war ihr egal. Rohstoffe und Handel lagen ihm. Er plante gut und auch in Flauten hatte es immer gereicht. Die Stadt war eine andere Dimension als ein Schiff, aber sie hatten jetzt auch mehr Möglichkeiten. Er würde das schaffen.

Was das Brot angeht... ich kann nicht zaubern. Als ich das das letzte Mal versucht habe, hab ich Feuer gefangen. Mein Mantel hat immer noch ein großes Loch.“, faselte mit einem kleinen Grinsen, wurde aber wieder ernst. „Auch der Bäcker will für seine Arbeit entlohnt werden. Er hat die Backarbeit. Und auch Holzkosten für den Ofen... ich weiß nicht...“ Nani überlegte angestrengt. Stimmte das Preis-Leistungsverhältnis oder waren die Händler Gombad? Natürlich war Profit unabdingbar, aber man musste trotzdem aufpassen. „Wie habt ihr denn den letzten Winter hier überlebt? Ich hab hier noch keine Speicher gesehen... bereitet ihr euch von allein gar nicht vor?

Die taten hier ja nichts ohne Anleitung. So konnte man doch nicht leben. Irgendwie musste man diese Menschen hier einfach ins kalte Wasser schubsen, sonst stünden sie nur still und sähen sich beim Verhungern zu. Jammernd, aber ohne etwas zu tun. Nani schüttelte bei dem Gedanken nur den Kopf.

Unsere Weltenlenker sind unsere Sache, die haben nichts mit eurer Ernte zu tun.“, stellte die Kleine plötzlich ungewohnt scharf klar. „Du solltest mehr auf deine Hände als auf die Elemente vertrauen.
Sie meinte es so, war vielleicht unbewusst besonders kritisch, weil sie sich gegen den Einfluss wehrte. Dieses Thema war für die Naihlar heikel und undurchsichtig. Was hatte Neome gesagt, als sie durch das Portal in diese wirkliche Welt gestolpert waren? 'Ich will von Terra und den falschen Götzen nichts mehr hören.' Vhenan hatte damals nichts gesagt, weil die Welt auf sie eingeprügelt hatte, aber jetzt und hier... würde sie etwas sagen? Widersprechen? Es widerstrebte der kleinen Naihlar sich diesen neuen Elementen zuzuwenden. Sie kannte ihre Weltenlenker, hatte sie gesehen und gespürt... aber hier war auch etwas anderes. Es war ihr erst bewusst geworden, als in Kelriothar etwas gefehlt hatte... alles. All das, wovon ein Seefahrer abhängig war... Und alles war zurückgekehrt, als die Streiter durch das Portal geschritten waren. Vhenan hatte die Kraft zum ersten Mal richtig gespürt und sie zugelassen, sie willkommen geheißen. Wie könnte sie diese Macht jetzt ignorieren. Die Elemente waren überall und sie waren stark, wenn man ihnen zuhörte. Nani wurde langsam von ihnen angezogen wie arme Tölpel von den Sirenen. Und sie driftete mehr und mehr von Oshead weg. Zu etwas hin, das sie nicht kannte. Es fühlte sich an wie ein Verrat, auch deswegen war noch immer diese Kluft zwischen ihr und Neome. Sie wollte nicht weg, aber sie spürte auch andere Dinge.

Du weißt nicht einmal wer meine Weltenlenker sind. Und ich nehme an du willst es auch nicht wissen. Also verspotte sie nicht, sonst ist vielleicht genau das der Grund weshalb du so viel Pech hast.“, beschwerte sich Vhenan leicht angesäuert. Vielleicht war es ihr so ergangen, weil sie die Elemente verspottet hatte. Sie wurde unleidigt undd entschloss sich nun doch diesen einen Gedanken auszusprechen.
Hast du mir eben gesagt, dass du absichtlich alles kaputt gemacht und uns sabotiert hast, damit wir beim Aufbau länger brauchen und du mehr Kupfer einsacken kannst?

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 12:19 am

Urist hob die Hände und trat einen ... besser zwei Schritt zurück.

Obgleich er den Stimmungsumschwung hätte ahnen müssen, schon bevor Vhenan ihm erklärt hatte, dass die gegenwärtigen Versorgungsengpässe nicht ihr Problem waren. Offenbar war die kleine Herrschaft der Meinung, dass das Volk sie gefälligst selbst zu beheben hatte.

Dieses Konzept war Urist neu. Die Herrschaft ... herrschte. Sie kümmerte sich. oder eben nicht, aber der Punkt war doch, dass es bei ihr lag. Wer anfing, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, kam schnell in Schwierigkeiten. Und nun waren da diese neuen Herrscher, voller Tatendrang und Entschlossenheit, aber ohne die gewohnte Tendenz, zu befehlen, zu entscheiden, zu veranlassen. Zu herrschen, eben. Es mochte natürlich daran liegen, dass sie ebenfalls neu in diesem Geschäft waren ...

Urist war mehr als nur ein wenig gekränkt, dass man ihm und seinem Volk Faulheit, Dummheit und vielleicht sogar Böswilligkeit vorwarf. Aber natürlich zeigte er es nicht. Auch mit dieser hier blieb also alles beim Alten - besser den Kopf untenlassen und auf bessere Zeiten hoffen. Immerhin, ein paar gemurmelte Bemerkungen konnte er nicht unterdrücken.

Klar, wir haben einen Speicher. Ist nur eben nicht voll genug. 'S liegt an ... aber Vhenan war schon weitergerauscht.

Was er nun hörte, jagte ihm dann doch einen gehörigen Schrecken ein. Die Stadt zugrunde wirtschaften, seinethalben. Rauben, morden und die Männer schänden so etwas mochte man noch hinnehmen. Aber den Elementen lästern? Von denen alles Leben und Gedeihen abhing? Urist konnte nicht glauben was er da hörte. Sein Blick wanderte ängstlich hin und her, als ob bereits jetzt himmlisches Feuer auf die Lästerin und alle zufällig in ihrer Umgebung stehende Unschuldige regnen würde. Fremdländische Götzenanbeter und ihre obskuren Kulte ... das war gar nicht gut. Hier musste er einfach etwas sagen, nur wie? Wenn er sie darauf hinwies, dass ihre Weltenlenker gefährlicher Unsinn waren, würde sie ihn vielleicht assassinieren. Eventuell konnte er es subtil verpacken ...

Nein, nein 's ist alles gut ... wir tun was, jawohl 'S ist nicht wegen uns ... also, die Semprina sagt eben, 's wird zu wenig gebetet, dass die Elemente das nicht mögen ... zu wenig Glaube ... dass deshalb das Brot so teuer ist. Und dass auch deswegen heidnische Fremde ohne Moral und Anstand hierherzogen, aber das sagte Urist natürlich nicht. Er entschloss sich, noch eine alternative Theorie darzulegen, welche an den Docks die Runde machte.
Oder ... also, der Hüttner Arthulf, der sagt, *s ist wegen der Zwerge ... dass die die Brunnen vergiften täten und die Ernte verfluchen ... weil sie uns unsere Größe und edlen Wuchs neiden ... und dass sie heimlich Frauen entführen, um sie zu schänden ... dass man was tun müsste.
Urist erkannte, dass diese Ansicht, so beliebt sie in den Tavernen nach dem vierten Bier auch war, bei Vhenan auf wenig Anklang stieß. Aber es gab ja noch eine Möglichkeit, eine, bei der sich alle Beteiligten auf einen gemeinsamen Feind einigen konnten:

Oder ... der Ignifer Brandtlieb, der auf dem Feldzog vor sechs Jahren dabei war ... also der sagt, dass es die Verfemten sein müssen ... weil die alles Schlechte bringen. Da. Da war doch nun wirklich niemand schuld, wenn es am Feind lag. Hier musste die kleine Herrschaft doch einfach einsehen, dass es nun an den Beschützern der Stadt lag, das zu ändern. Er legte sicherheitshealber noch ein wenig nach, um ihre Bemühungen auch in die richtige Richtung zu lenken.
Das ist es bestimmt ... da gibt's welche, so Zaubervolk ... die treffen heimlich Pakte .... also, die machen mit denen gemeinsame Sache. Hexenweiber und Magisten, die ihre Seelen den Unaussprechlichen verkauft haben. Und die führen jetzt das finstere Werk der Verfemten aus, verderben das Mehl, machen den Wind kalt. Da müssen halt tapfere Recken an, die zu finden und zu erschlagen. Also, 's ist gewiß nicht, dass wir hier faul sind. Wir sind gute, treue Diener der Elemente, wir alle hier.
Er neigte den Kopf, mehr aus Instinkt denn aus bewusster Entscheidung.
Ihr werdet's sehen, euer Wohlgeb ... äh - dieses Wort schien unmöglich mit der kleinen, vagabundenhaft gekleideten, grimmigen Gestalt vereinbar zu sein, die da vor ihm stand.
Also, Ihr werdet's sehen. Ich will gleich losgehen, Feder und Tinte besorgen und morgen steh' ich mit Sonnenaufgang bei Herrn Joakim, zur Arbeit. Bis Sonnenuntergang. Ihr werdet's nicht bereuen, euer ... äh, Eminenz.
Das letzte hatte er irgendwo aufgeschnappt - er wusste auch nicht, was es bedeutet, aber es stand mit Oshead in irgendeinem Zusammenhang. Er wandte sich um und eilte davon, bevor sein Mund ihn in noch mehr Schwierigkeiten bringen konnte.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 1:39 am

Gut, vielleicht war sie hier zu weit gegangen. Urist verstand aber auch immer alles falsch und war so furchtbar empfindlich. Der sollte mal zur See fahren, da würde er abgehärtet und lernte sich bei Gelegenheit zu entspannen.

Es prallten Welten aufeinander, soviel war jedem hier klar. Unter normalen Umständen (und der gewohnten Umgebung einer Taverne) hätte Vhenan ihm jetzt wortlos eins übergebraten. Aber sie gehörte jetzt zu den Herrschern. Sie durfte nicht mehr einfach irgendwen verprügeln, nur weil es ihr in den Fingern juckte. Dabei fühlte sie sich Urist nur in ihrer Freiheit überlegen. Nicht weil sie hier plötzlich etwas zu sagen hatte. Immera hatte im Kerker schon immer diese furchtbare Erhabenheit ausgestrahlt, die Vhenan niemals besitzen würde. Raul war ihr als Statthalter mit seiner Art viel lieber. Vhenan selbst war im Kerker eher der halbstarke Abenteurer gewesen, der gar nicht wusste in welch große Schwierigkeiten er sich selbst redete. Aber sie war auch so gut wie mit jedem aneinander geraten. Außer mit Rashid, weil der einfach viel zu nett gewesen war.

Mehr und mehr drängte sich ihr der Verdacht auf, dass sie keine Herrschaft war. Neome und Raul vielleicht... aber sie? Nani musterte Urist. Schon nach wenigen Wochen im 'Amt' (das sie noch gar nicht besaß) hatte sie keine Lust mehr sich mit diesen.. kriechenden, würdelosen, lebenden Hüllen abzugeben, die vorgaben Menschen zu sein. Sie kannte Bettler und Bauern, die mehr Respekt vor sich selbst hatten. Das ging ihr auf die Nerven und jeder Hinweis darauf prallte gnadenlos an Leuten wie Urist ab. Traurig. Vielleicht war sie aber auch einfach nur die falsche Ansprechpartnerin für ihn, vielleicht könnten Raul und Neome es ihm besser verkaufen. In manchen Dingen war Vhenan einfach schlecht.

Was ist eine Semprina?“, fragte sie dazwischen, weil sie keinen Schimmer hatte von wem oder was er hier sprach. Es klang irgendwie technisch.
Ein Bäcker, der den ganzen Tag betet, backt dir auch kein Brot.“, antwortete Vhenan pragmatisch hinterher.
Diese Elementhuldigung jedenfalls kam ihr seltsam vor. Ja, Nani spürte den Einfluss der Elemente selbst, aber sie gab es noch nicht zu. Sie wehrte sich, geriet aber mehr und mehr in Bedrängnis sich ihnen zu öffnen.
Verspotte du meine Weltenlenker nicht und ich lass vielleicht deine Elemente in Ruhe!“, maulte sie beleidigt in Urists Worte hinein. Wenigstens sprach er weiter, wo er schon zurückwich. Sollte sie ihn noch ein wenig fordern? Vielleicht einen Hauch zu schnell an den Gürtel greifen, wo immerhin zwei ihrer vier offensichtlichen Messer steckten? Nur einmal kurz?

Nein. Vhenan zwang sich zur Ruhe. Provokation war nicht hilfreich. Nicht mehr. Es wäre unmenschlich. Sie erinnerte sich an Rauls Worte, während sie Urists lauschte. Ihre Laune wurde schlagartig gehoben, als er eine wilde Theorie über Zwerge aussprach. Ohne es kontrollieren zu können begann sie zu lachen.
Zwerge schänden eure Frauen? Du glaubst auch alles. Erstens machen die nichts heimlich, die sind laut und treten dir höchstens brüllend die Tür ein und erschlagen dich mit einem Hammer, weil sie gerade Lust dazu haben. Und zweitens nehmen sie sich bestimmt nicht deine Frau. Alles ohne Bart kommt denen selten ins Bett, glaub mir, ich hab da so meine Quellen...
Das war hochgradig amüsant! So verzückend, dass Nani direkt den Ernst der Lage vergaß. Das ging ziemlich schnell bei ihr. Wenn hier ein Zwerg auftauchte, dann vielleicht ein Bekannter von Muriel, der herzlich willkommen wäre. Oder aber Zwerge aus Shadun. Die würden aber vorrangig Naihlar abschlachten und sich einen Dreck um die Ernte scheren. Ihr wurde ganz warm ums Herz. Sie war schon lange nicht mehr von einem Zwerg richtig beleidigt worden...

Urists nächster Versuch war besser und riss sie aus dem leichten Heimweh heraus.
Während Nani noch überlegte was vor sechs Jahren geschehen war, sprach der Schreiber in Spe von den Verfehmten. Nani gab einen genervten Laut von sich.
Jajaja, ich sag ja nicht, dass ihr Schuld an den leeren Speichern seid. So war das nicht gemeint. Ich wollte nur sagen...“ Nani überlegte. „Wenn du Brot willst musst du es dir vom Bäcker holen. Oder magisch begabt sein. Sonst kommt es nicht zu dir geflogen.
Das verstand er bestimmt auch nicht.
"Es war nicht meine Absicht dich zu beleidigen. Aber du hast zuerst auf meinen Weltenlenkern herumgehackt!“, sagte sie kindisch und zeigte innerlich mit dem Finger auf ihn. Er hatte angefangen!

Glücklicherweise verabschiedete sich Urist jetzt wirklich. Vermutlich war das besser für beide. Aber nicht ohne eine letzte, spitze Bemerkung.
Boah!“, platzte es aus ihr heraus. Eminenz? Noch glotzte sie Urist hinterher. Sie wollte keine Eminenz sein... andererseits.... sie grinste. Wenn sie Chattras unter die Nase rieb, dass sie jetzt auch eine Eminenz war, dann würde der im Reiskreis springen und sich dabei selbst versehentlich umbringen. Nani strahlte dümmlich vor sich hin und wanderte zu den Docks. Urist war dabei sich vorzubereiten, jetzt musste sie nur dafür sorgen, dass der Hafenmeister von seinem neuen Angestellten erfuhr.

Eminenz.“, murmelte sie glücklich und lachte sich auf dem Weg noch halb tot.

Haaaaaaa wie schön.“, jauchzte sie ein wenig erschöpft vom vergangenen Lachschnauben, als sie an den Docks angekommen war.
Wo steckte diese schleimige Kreatur denn jetzt wieder?

EY! Ihr da! Kann mir einer von euch sagen wo der Hafenmeister steckt?“, rief sie einer Gruppe Arbeiter laut und fordernd entgegen.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 2:19 pm

Morins Arbeitstrupp hatte den ganzen Tag Löcher für die neuen Uferpfähle ausgehoben und dementsprechend erschöpft waren er und seine Männer. Sie standen am Ende des halbgemauerten Piers und ließen einen Priem herumgehen. Dumpf gemurmelte Halbsätze wechselten sich mit dem schleimigen Platschen ausgespuckten Kautabaks ab.

Na, 's is nich recht. Hart schuftendes Volk wie wir, datt kricht nix, un dieses Gesindel ...

Angriff is, wasses is. Dasse alle hierherkommen tun, un mit ihre komische Welledenker, und mit die Tüchers un die Gebamsel ...

Woher hammse das Gold, das is, was ich jamalnoch frachen will. Gestohlen, datt wett ich. Un wir, hart arbeiten un Elementes ehren un nie aufmucken, für uns is nichs da.

Nee, nee. Alles voller Fremder un das Brot wieder teurer un die Herrschaft immer nur am Quatschen un Saufen un nie nich ein anständiger Hof ... wo solles enden, das tu ich mich fragen.

Ein haariger, massiver Arm streckte sich und entfaltete einen beinahe ebenso haarigen und massiven Zeigefinger.
Kuch mal, Morind, da is einer vonne denen. Die Hand schob sich über das Auge.
Aber keiner vonne denen wichtichen. Nur die Kleene.

Watt willse denn?

Ich mach schon, sagte der große, schwere Mann namens Morin, und schulterte seine Schaufel. Er trat ein paar Schritte nach vorn und beäugte Vhenan gründlich, von oben nach unten.

Dann beantwortete er ihre Frage.

Jau!, sagte er und spuckte einen schwarzen Rest zähflüssigen Tabaks in eine Pfütze direkt neben ihren Schuhen.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 6:57 pm

Die frisch ernannte Eminenz war durch diesen überraschenden Aufstieg noch zu gut gelaunt, um sich von Morin besonders beeindrucken zu lassen. Sie trat, vom gewohnten Schmuckscheppern begleitet, näher und wiederholte seine offensichtliche Geste einfach. Nani beäugt auch ihn eindringlich und schien trotz dessen Größe nicht sehr beeindruckt. Der war ja fast so groß und so breit wie Tyskke. Und selbst dem hatte sie eine gezimmert, obwohl sie kaum an sein Kinn gekommen war.

Erst als er ihr fast auf den Fuß spuckte, runzelte sie die Stirn. Gut gezielt oder daneben? Dieser Kerl war das Gegenteil von Urist. Bei dem musste man auch nicht zimperlich sein.

Wärst du dann so freundlich mir zu sagen wo? Und ich meine zeitnah, ich will nicht, dass du mir sagst wo er vor zwei Stunden war, sondern wo er jetzt ist.“, forderte Nani auf Nummer Sicher gehend. Dieses Gespucke war schon ziemlich ekelhaft, was sie mit dem Rümpfen ihrer Nase verdeutlichte. Lange wollte sie hier nicht bleiben.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 7:24 pm

Die Kleine starrte tatsächlich zurück! Natürlich gab es Gerüchtef, aber Morin glaubte ihnen kein Wort. Das Mädchen vor ihm hatte in ihrem Leben bestimmt noch niemand sauber von hinten erledigt. Morin starrte selbstgefällig auf die kleine Herrschaft zurück. Ging ihm doch kaum bis zur Brust. Was würde die schon reißen?

Trotzdem, sie war Herrschaft, und der einäugige Wichtigtuer, der bei denen das Kommando hatte, würde es wahrscheinlich nicht mögen, wenn er ihr die Schaufel über das Plappermaul zog.

Apropos ... die hörte ja gar nicht mehr auf. Wo hatte die bloß ihre gedrechselte Sprache her? Sah gar nicht studiert aus.

Morin reagierte auf die einzige Art, die er beherrschte. (Eigentlich eine von zweien, aber die Schaufel war ja, wie gesagt, keine Option.)

Watt?

Von hinten brüllte Saller, der zweite Mann und der Schlaukopf in der Truppe.

Sollst endlich ausspucken, wo's die Hafnmeisterin is, die elfgewichste!

Das sorgte für eine Runde höhnischen Gelächters. Brakk, der breiteste Schaufler, gröhlte in Vhenans Richtung: 'S willse von die alde Bücksau, hä?! Hasse nichs von, hä?! Nimmse lieber was gut's, dickes! Guddnbuchder Edelrohr!
Und griff sich wenig subtil, aber eindeutig, in die braune Lederhose.

Morin hingegen, der einen Instinkt für Ärger besaß (und gerne darauf verzichten konnte), brachte seinen Kompagnon mit einer Handbewegung zum Schweigen. Dann deutete er flußabwärts.

Tut ammns imma im "Kartenhaus" sitzn.

Er spuckte aber nochmal aus. Alles durfte man sich ja auch nicht gefallen lassen.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 8:05 pm

Wie watt?“, fragte Vhenan irritiert zurück. Sie hatte sich doch extra klar ausgedrückt, nachdem Urist sie schon nicht verstanden hatte. Reichte das immer noch nicht? Vielleicht sollte sie sich ein wenig anders ausdrücken und dachte an die Bauern in der Stadt der alten Feldzüge zurück. Die hatten auch so einen befremdlichen Dialekt gehabt... vielleicht sollte sie sich das zu Nutze machen.
Aber nein, da kam der Übersetzer von hinten.

Er sagt's.“, gab sie plumper von sich. Hafenmeisterin. Nani grinste. Das würde sie sich merken. Nicht, dass sie das verwerflich fand, jede sollte das suchen und finden, was ihm gefiel, sie selbst war da auch nicht festgelegt... aber der schleimige Kerl verdiente einen dummen Kommentar, einfach weil er ein Mistkerl war. Genau wie Brakk, der sich dahinten ungeniert in den Schritt griff und ihr tatsächlich so Avancen machten wollte?

Vhenan sah ihn eindringlich an. „Das kannst du dir alleine durchspülen.“, rief sie dreist zurück und ignorierte ihn dann. Morin gab ihr eine Antwort, die sie nicht ganz zufriedenstellte. Verdammt, im Kartenhaus müsste sie wieder leise sein... dass die Spieler sich bei dieser Stille konzentrieren konnten war ihr ein Rätsel. Je lauter es war, desto besser konnte sie denken (und betrügen). Aber vielleicht würde sie auch ein Spielchen wagen.. nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hatte.

Morin spuckte erneut und wieder verzog Nani das Gesicht. Was die hier Taba nannten war auch ein Witz. Die sollten mal wieder Rindenwurz probieren, aber gerade war sie nicht in der Stimmung zu teilen. Besonders nicht mit diesen Holzköpfen.

Danke.“, murmelte sie kaum hörbar und schritt dann weiter flussarbwärts in Richtung Kartenhaus. Wenigstens war die Gesellschaft dort angenehmer. Bestimmt hatte auch jemand ein paar spannende Reisegeschichten auf Lager, denen sie lauschen konnte. Das einzige, was sie wirklich störte war die Ansage ruhig und leise zu sein. Das konnte sie doch so schwer.

Aber sie würde es versuchen. Nani warf Trochgert in der Taverne ein kurzes, freundliches Nicken zu. Den sah man einfach immer als erstes, so groß wie er war. Dann sah sie sich um. Es roch wieder sehr gut hier. Nach Tee und Früchten. Und uh. Die Naihlar lächelte leicht und nickte auch Alwyss zu. Hübsches Ding. Auf die könnte Mallo auch ein Auge geworfen haben. Nani starrte noch einen Augenblick länger, bevor sie sich besann. Bradach, sie musste diese gute Gesellschaft ignorieren und sich mit der rückgratlosen Qualle abfinden. Wo steckte der denn? Nani sah sich um (sie hatte es immer schwer sich in Tavernen einen Überblick zu verschaffen, weil alle anderen so verdammt groß waren) und erspähte irgendwann Joakims Mantel. Dann nutzte sie ihre geringe Größe und schlängelte sich unauffällig durch das Getümmel, um sich dreist und uneingeladen ganz entspannt an seinen Tisch zu setzen.

Atata.“, begrüßte sie ihn hoheitlich und grinste gelassen. „Wir müssen uns unterhalten.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 9:22 pm

Joakim hatte sich heute ein wenig verspätet, aber er beharrte darauf, dass es nicht seine Schuld war. Schließlich hatte der edle Mahzhak ihn heute mit einem Besuch beehrt, und dergleichen Köstlichkeiten waren einfach zu sinnverwirrend, als dass ihre Reizung nicht prompt genossen werden musste. Natürlich war der glutäugige Krieger weit jenseits aller Erreichbarkeit, aber es gab ja gewisse Stuben.
Joakim konnte sich etwas herablassende Schadenfreude nicht verkneifen, wenn er dort zu Gast war. All die ungeschlachten, demonstrativ brutal-maskulinen Burschen, die man in dieser Stadt ertragen musste, die ihre albernen Scherze hinter (und manchmal auch vor) seinem Rücken gröhlten. Aber wenn einer Brot oder Dach nicht mehr bezahlen konnte, schlich er sich doch wieder in das Haus mit der gelben Hintertür und nahm Joakims Münzen gerne entgegen ...

Ein wenig Gerechtigkeit war manchmal höchst annehmlich.

Danach war die friedliche Stille im "Kartenhaus" stets sehr willkommen. Die weichen Teppiche (Zeche eines sehr schlechten Kartenspielers) schluckten den Lärm der Straße und Kharabhoudians strenger Blick sorgte für ruhiges und gesittetes Benehmen unter den Gästen.
Seine beiden Freunde waren auch da: Adam Schmitt, der Bäckermeister/Müller, und Beoz ter Rjinswann, der so etwas wie einen Priesterersatz für alle Elemente darstellte (Gutenbucht hatte keinen eigenen Tempel). Sie waren das, was in diesem winzigen Nest einer Honoratiorenschaft noch am nächsten kam. Ausgenommen die Herrschaft natürlich, aber die betrug sich dieser Tage höchst unherrschaftlich. Vom schönen Raûl mal abgesehen, aber das war eine ganz andere Tasse Tee ...

Man trank zurückhaltend und spielte nur um kleine Beträge. Immerhin waren sie Freunde, oder doch zumindest Kollegen.

Joakim baute gerade an seiner Großen Nyame, als vom Eingang her Unruhe herüberraschelte. Er beugte sich nach vorne, um einen Blick in den geschickt angebrachten Spiegel zu werfen, mit dem Kharabhoudian die ganze Stube im Auge behalten konnte. Da war eine von den unkultivierten Neusiedlern ... nein, halt, die gehörte zur Herrschaft. Ein eher drolliges Exemplar - so wild und so unhöflich (im Wortsinne) wie die Dockarbeiter, aber gerade versuchte sie offenbar vergeblich, den subtilen Stil der Taverne zu imitieren. Man merkte, dass sie darin nicht geübt war - sie rumpelte durch den Raum wie ein alter Marktkarren. Joakim seufzte, und seufzte dann noch mehr, als sich abzeichnete, dass sie in seine Richtung unterwegs war.

Wenn er ganz tief in seine Karten starrte, bemerkte sie ihn vielleicht nicht ...

Zu spät. Ihr Gruß krähte durch den Raum, wie ein akustischer Klaps auf den Hintern. Im runden Gesicht vermischten sich Aufsässigkeit, gutmütige Selbstgefälligkeit und ein Hauch Ignoranz. Joakim nahm sich zusammen, unterdrückte ein Zucken, und zwang sich, ergeben zu lächeln.

(An diese kleine Barbarin waren gute Manieren natürlich verschwendet, aber das machte echtes Benehmen ja eben aus: Man hatte es, oder man hatte es nicht. Und wenn man es hatte, dann hatte man es immer. Auch, und besonders denen gegenüber, die es nicht hatten.)

Ihro höchsterfreuliche Herrschaftlichkeit, die Dame Bazhima. Welch unerwartetes Vergnügen. Er erhob sich, und machte die kleine Verbeugung mit dem Schlenker.
Darf ich Ihro Liebden die Gesellschaft anbieten? Eine Erfrischung? Was immer Ihro Liebden bedürfen - ich stehe zur Verfügung.

Das Lächeln war vielleicht ein klein wenig gequält, aber die Verbeugung war trotzdem perfekt. Und der Tag war biuslang so schön verlaufen ...
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 9:40 pm

Nani staunte nicht schlecht, als Joakim tatsächlich aufstand und sich verbeugte. Musste der das immer machen? Der sollte einfach sitzen bleiben und die Füße still halten. Außerdem war es befremdlich von ihm in seinen geheuchelten Worten mit ihrem Nachnamen angesprochen zu werden. Der war doch nur da ohne oft benutzt zu werden. Felzlach, es wurde schon wieder anstrengend. Und dann diese Stimmfarbe! Bei jedem Wort aus Joakims Mund schrie es in ihr nach einem Krug Rum. Am besten gleich zwei. Vhenan litt bei dieser Zusammenkunft nicht weniger die Hafenmeisterin. Aber sie hatte eine Aufgabe. Deswegen lächelte sie nur offensichtlich geheuchelt und wunderte sich erneut, dass ihr geschundenes Gesicht ihr nicht ein wenig mehr Respekt einbrachte. Bei Raûl funktionierte es doch auch! Warum war sein kaputtes Auge mehr wert als ihre Wange. Vermutlich weil sie klein und eine Frau war, die man verprügelt hatte... irgendwann müsste sie vielleicht tatsächlich etwas tun, um sich vor mehreren Augen Respekt zu verschaffen. Gerüchte alleine reichten da nicht mehr.

Gerade war sie gedanklich aber nicht reifer als Morin. Darf ich Ihro Liebden die Gesellschaft anbieten? Ihr schoss auch nur ein plumes 'Watt?' durch den Kopf. SIE hatte ihm doch ihre Gesellschaft aufgedrängt. „Gehst du, wenn ich deine Gesellschaft ablehne?“, fragte sie also stumpf und grinste ihm amüsiert und dreist entgegen, bevor sie mit einer Hand wedelte, um den Gedanken zu vertreiben.
Vergiss es. Blöder Witz. Ich bin hier, um mit dir zu reden, nicht, um mir deinen Tisch unter den Nagel zu reißen.“, erklärte sie. „Aber zu einem Krug Rum sage ich nicht nein.“ Es wäre ja unhöflich so eine Einladung auszuschlagen. Soviel Manieren hatte sie dann doch.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 10:04 pm

Natürlich hatte sie keinen Sinn für Höflichkeit. Man konnte ihr ansehen, dass sie die Bedeutung von Gestik und Formel nicht einmal erahnte. aber dies war nun einmal Joakims Los im Leben, und er würde es duldsam ertragen. So ging er auf Vhenans albernen Bruch der gegenseitigen prospektiven Diminuisierung auch nicht mit einem Wort ein. Nur, was hochsteht, kann sich erniedrigen ...

Er hieß statt dessen die Gelegenheit willkommen, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Kaum, das Vhenan ihren Wunsch ausgesprochen hatte, wirbelte er auch schon herum und setzte Alwyss gegenüber seine Befehlsstimme auf.
Schankmaid, einen Krug mit dem Besten vom Zuckerrohr, was im Hause anzutreffen ist, zack zack! Und nur das edelste Behältnis für Ihro wohlgeborene Edeldame, wenn ich bitten darf!
Es war natürlich Zeichen von schlechter Führung, wenn man die Dienerschaft auf die gute Behandlung extra hinweisen musste, aber Joakim konnte sich den kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. Wohlgeborene Edeldame, von wegen.
Er rückte seinen Stuhl zurecht und nickte seinen beiden Spielgefährten knapp zu.

Adam und Beoz waren bei Weitem nicht so vom Wohlwollen ihrer Herrscher und Kunden abhängig wie Joakim und konnten sich daher erlauben, auf seine Art von Unterwürfigkeit zu verzichten. (Elemente und Brot werden immer gebraucht, aber den Hafen kann man notfalls auch selbst schmeißen.) Ihrem Kumpan zuliebe waren sie allerdings bereit, gewisse Zugeständnisse zu machen. Immerhin hing sein spielwichtiges Vermögen davon ab. Sie erhoben sich kurz, und gaben unter schmalen Verbeugungen ein feines Wohlgeboren, zu Diensten von sich. Joakim unterdessen verwandte alle Mühe darauf, seine Herrschaft zu umwerben.

Was immer Ihro Liebden begehren. Ihro Liebden sind stets willkommen, jaja, es ist eine Ehre, Ihro Liebden an unserem bescheidenen Tische zu begrüßen. Sprecht nur ein Wort, und Ihro Liebden bescheidener Diener ist unertänigst zu, äh ... Diensten.

Letzteres klang nicht so elegant, wie er sich das gewünscht hatte, aber er stand immerhin unter unangemessen viel Stress mit dieser Person.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 10:30 pm

Ey, kein Grund sie so grob herum zu scheuchen.“, meckerte Vhenan dazwischen, drehte sich halb auf dem Stuhl um und brüllte nun ihrerseits ein „Lass dir Zeit, nim rion, er übertreibt.“ durch den Raum, das eigentlich nur Alwyss galt, der sie zulächelte.
Dafür, dass du ständig hier herumlungerst weißt du ziemlich wenig über das Geschäft. Verärgere die Schankmaid und sie küsst jeden deiner Krüge.“, faselte Vhenan wissend und musterte Joakim, als sie sich losreißen konnte. Verstand der, was sie meinte? Um sicherzugehen sprach sie es aus. „Das heißt sie spuckt rein.

Wozu sich verstellen. Sie wussten doch hier alle, dass sie keine Edeldame war. Und sie alle mussten sich an die fremden Sprachfetzen gewöhnen, mit der Nani die Schankmaid betitelt hatte. Es klang wie ein Kompliment. Und es war eins. Vhenan lächelte und wandte sich dem staksenden Kerl wieder vollkommen zu. Das war ja schlimmer als die Etikette einmal fehlerfrei abzuschreiben. Und das hatte sie nicht einmal versucht. Allein die Androhung war eine Qual.

"Jaja.“ Vhenan wedelte einmal mehr mit der Hand, als Joakim wieder redete ohne, dass sie ein Wort verstand. Sie lehnte sich entspannt zurück, schlug die Beine übereinander und tippte in unregelmäßigen Abständen mit ihren Fingern auf den Tisch. Das würde ihn noch bestimmt nerven. Sie grinste. „Kommen wir jetzt zur Sache. Morgen bei Sonnenaufgang steht dir ein neuer Schreiber zur Seite.... sagt dir der Name...“ Sie grinste breiter. „Urist etwas?“
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 10:49 pm

Joakim nickte natürlich gehorsam, als Vhenan ihn zurechtwies, aber er war dann doch ein wenig gekränkt. Grob zur Dienerschaft sein, dass war schließlich die Aufgabe eines guten Majordomus. So konnte die Herrschaft gütig und freundlich erscheinen, während das Gesinde den hasste, der sie beaufsichtigte. Er war beinahe versucht, ihr zu sagen, dass er um die Spucke im Krug sehr wohl wusste, und dergleichen mit Freude trank, um es der Herrschaft zu ersparen. Aber Vhenan schien gerade abgelenkt, von irgendetwas.

Joakkim kannte sich mit Frauen nur bedingt aus.

Während seine Gesprächspartnerin noch in die Nähe starte (Alwyss bedankte sich gerade für ihre scharfe Zunge mit einem strahlenden Lächeln), wehrte Joakim verzweifelt die finstere Miene des Wirtes ab. Kharabhoudian schätzte Gegröhle in seiner ruhigen Stube überhaupt nicht, und der Hafenmeister musste gleich mehrere Gefallen einlösen, um diese Situation nicht sofort Im Knall enden zu lassen. All dies übermittelt nur durch scharfe Blicke und ein paar schnelle, versteckte Gesten.

Als die kleine Herrschaft aber dann ihr Anliegen vortrug, musste Joakim sich doch sehr anstrengen, um nicht sein Bier zu verschütten. Ausgerechnet der ... wie sollte er das dieser ganz und gar antisubtilen Person die drastische Problematik in ausgerechnet diesem Fall nur verdeutlichen? Er nahm sich zusammen, und stürzte sich in das diplomatische Gefecht.

Welch ... hochinteressante Idee, euer Liebden. Obgleich ich gar keinen neuen Schreiber anforderte, doch Ihro Liebden habt schon den Bedarf der Zukunft erkannt. Sehr scharfsinnig, wenn mir die Bemerkung gestattet sei.

Das zur Ablenkung. Jetzt der eigentliche Kampf.

Jedoch ... allein ... Ihro Liebden haben sicherlich in gutem Glauben gehandelt, nur aus den edelsten Motiven, aber ... nun. Der junge Herr Gassbrückler, er ist sicherlich ein höchst ... adäquater Geselle, aber leider mit, nun ... ... dies musste so höflich wie möglich formuliert werden ... ... leider von schicksalhafter Widrigkeit begleitet, welche eine Anstellung in anderem Lichte unratsam erscheinen lassen. Es mag vielleicht ein geeigneterer Kandidat gefunden werden? Wenn Ihro Liebden mir diese Bürde vertrauensvoll auferlegen möchten? Es wird auch alles ganz sanft und freundlich geregelt werden, und Ihro Liebden brauchen sich gar nicht mit den Details zu belästigen.

Was musste sich die kleine Tavernendrossel auch ausgerechnet in diesem Fall in den Kopf setzen, zu befehlen.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mo Jan 18, 2016 11:30 pm

Vhenans Finger tippten weiter unablässig auf die Tischplatte und beobachteten jede Bewegung Joakims. Je schneller sie ihn hier überzeugte, auf welche Art auch immer, desto schneller konnte sie sich angenehmeren Dingen widmen. Alwyss hatte ein ganz bezauberndes Lächeln. Vielleicht täte es ihr gut sich aus diesem... wie sollte sie es nennen... Flüsterschuppen zu entfernen und einen Krug Rum mit Menschen zu teilen, die wussten wie man ordentlich feierte. Wer an leisen Orten arbeitete, musste die lauten doch zu schätzen wissen. Aber das erst später.

Vorher musste sie aufpassen was dieser Glimp hier alles von sich gab. Der konnte Beleidigungen sicher gut verpacken und für Nani unverständlich ausdrücken. In dieser Hinsicht dachte sie genauso schlecht über ihn, wie auch Raûl. Nur dass der hier bessere Karten hätte.

Scharfsinnig hm? Alter Schleimbeutel! Nani lächelte nur matt vor sich hin und versuchte nicht zu offen zu zeigen, dass sie sich über Joakims Ablehnung köstlich amüsierte. Natürlich mochte der Kerl Urist nicht. Niemand mochte Urist. Und das leider nur, weil er einen falschen Platz hatte und deswegen nichts richtig machen konnte. Gassbrückler hieß der? Das musste sie sich nicht merken.

Nani ließ das Gesagte erst einmal sacken und lachte dann leise. „So... meine scharfsinnige Weitsicht hat also auf halber Strecke versagt und eine dir nicht genehme Person an Land gezogen?“ fragte sie versucht gestakst nach und atmete einmal tief ein. Jetzt musste sie sich ja tatsächlich anstrengen.

Welchen Grund gäbe es denn ihn nicht als Schreiber einzustellen? Abgesehen von deiner eigenen Meinung.“, knallte sie ihm unverfroren an den Kopf. „Wir brauchen Schreiber und er kann Schreiben. Noch nicht perfekt, aber das lässt sich doch ändern...
Urist wollte bluten, hatte er gesagt, und sie glaubte ihm.
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