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 Weithergeholtes

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Di Jan 19, 2016 5:17 pm

Joakim verzog gequält das Gesicht, aber nur für einen Augenblick. Sie ließ sich nicht davon abbringen. Und bestand darauf, seine wohlausgesuchten Komplimente zu unterlaufen., was vielleicht noch schlimmer war. Beim Umgang zwischen Herr und Diener gab es schließlich Regeln, und er war bestimmt nicht der, der sie brach.

Erst einmal war es wichtig, weiter hartnäckig zu bleiben. Solche von ihrer Sorte gaben oft schnell auf, wenn sie feststellten, dass ihre hochfliegenden Pläne keinen schnellen Erfolg brachten. Außerdem waren sie anfällig für Disziplinlosigkeit und Ablenkungen ...

Joakim nickte ergeben und drehte sich mit einer entschuldigenden Geste zur Theke.
Wärt Ihr wohl so freundlich, noch einen weiteren Krug von eurem köstlichen Rum beizuschaffen, werte Frau ... Alwyss? (Verflucht, wie war nur gleich wieder ihr richtiger Name? Das hatte man davon, wenn man nicht immer scharf aufpasste.) Der edlen Herrschaft scheint es vortrefflich zu munden, und so kann ich nicht anders, als ihr weiteren Genuss anzubieten.
Er legte das Silber neben den Krug (und noch einen extra), damit auch klar war, wer hier wem etwas spendierte. Dann widmete er sich wieder dem eigentlichen Problem.

Es ist durchaus wie Ihr sagt, euer Liebden, und ich will Euch auch in keinster Weise mit diesen Petitessen belästigen. Es sind widrige Umstände, unglückliche Komplikationen, und es würde auch gar keine Mühe bereiten, dass von euch so trefflich erkannte Problem des Scriptionsmangels auf andere Weise zu beheben. Wirklich, es wäre mir eine Ehre.

Joakim sah in Vhenans Gesicht und erkannte, dass sie sich damit nicht zufrieden geben würde. beinahe hätte er leise geseufzt - das schien in ihrem Umfeld oft vorzukommen - aber er ließ die Maske nicht fallen. Nun gut. Wenn sie darauf bestand, die weniger erfreulichen Aspekte ihrer neuen Stadt kennenzulernen ...

Er lächelte in Richtung der Herren Schmitt und ter Rjinswann. Die verstanden den Hinweis und erhoben sich, raschelnd. Ein paar eher mäßig vorgetragene Floskeln über die Zeit und die viele Arbeit (Joakim schnitt eine Grimasse bei so viel Stümperei), und sie waren schon aus der Tür.
Er wartete nicht ab, bis Vhenan irgendetwas anstellen konnte, sondern beugte sich nach vorne und raunte, halblaut und eindeutig nicht für fremde Ohren bestimmt: Euer Liebden ... Ihr habt euch doch sicherlich gefragt, weshalb ein armer Schauermann aus den Hafengassen das Schreiben beherrscht?

Guten Klatsch wusste sie bestimmt zu schätzen. Und verstand dann eventuell etwas besser, warum die Dinge waren, wie sie waren.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Di Jan 19, 2016 6:46 pm

Anfällig für Ablenkungen? Was für ein haltloses Gerü.... oh, ihr wurde ein neuer Krug Rum spendiert? Dabei war dieser hier noch nicht einmal geleert, aber wer konnte denn da schon nein sagen? Natürlich ließ sich Vhenan davon ablenken, auch besonders, weil Joakim dazugelernt hatte und Alwyss anständig ansprach. So war es recht.
Es ist in der Tat ein sehr guter Tropfen. Anmei.“, bedankte sich die Kleine ausnahmsweise höflich und auch ehrlich. Was Joakim davon hielt war ihm überlassen.

Nani trank einen großen Schluck und überlegte schon, ob die Qualle sie abfüllen wollte. Da musste er aber noch ein paar mehr bestellen. Aufmerksam lauschte sie, während ihre Augen prüfend durch den Raum glitten. Man musste ja aufpassen was im Hintergrund geschah.
Doch, doch, belästigt mich mit... Petitessen.“, wiederholte sie ohne zu wissen was das war. Es klang irgendwie verboten in ihren Ohren. „Sag mir was diese... Widrigkeiten sind, von denen du redest. Was hat er ausgefressen?

Natürlich ließ sie nicht locker, nicht einfach so, nicht ohne triftigen Grund. Nur weil es Joakim nicht in den Kram passte, musste ihr Plan ja keine Schnapsidee sein. Aber es schien durchaus etwas vorgefallen zu sein. Joakim schmiss seine Kumpanen galant vom Tisch, um allein mit Nani zu sprechen. Das waren ja schöne Aussichten... wenigstens hatte sie noch ihren Rum, von dem sie einen Schluck trank. Der war tatsächlich gut... ein Grund für sie ein wenig leiser zu sein, um nicht zu früh vor die Tür gesetzt zu werden.

Als sich Joakim herüberbeugte strebte alles in ihr in die entgegengesetzte Richtung. Jetzt wurde er ja doch ein wenig aufdringlich, aber als deutlich wurde, dass es um geheimnisvolle Gerüchte ging, beugte sich die Naihlar nach vorne und die Goldringe in ihrem Haar klimperten neben ihrem Ohr leise.
Das habe ich, ja. … So wie du guckst, lieferst du mir die Antwort gleich, hm?
Sie war gespannt was der sich hier zusammenreimen würde, um sie von der Idee abzubringen. Gerüchte waren ja immer so eine Sache. Das meiste daran war erlogen.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 12:19 am

Sich höflich bedanken konnte die Herrschaft natürlich nicht. Brabbelte nur etwas Unverständliches in ihrer heidnischen Sprache ... unter solchen Fürsten musste er nun dienen Da fiel ihm der alte Herr vom Radebrecht ein - was ein Kerl. Immer schnell mit der Peitsche zur Hand, und niemals die Form verloren.

Joakim fühlte Vhenans hemmungsloses Starren. Ihm war, als könne sie seine Gedanken lesen, was ihn sich nur noch mehr unwohl fühlen ließ. War ihre völlige Ignoranz gegenüber jeglicher Etikette denn nicht schon genug? Musste sie auch noch die vierte Wand und die willige Gutgläubigkeit des Lesers beschädigen? Er war versucht, zu seufzen (aber das wäre unhöflich gewesen. Und klischeehaft.)

Er vertrieb solcherart metamedialer Gedanken und kramte in seinem Gedächtnis nach den Einzelheiten von Urists Geschichte ...

Ihro Liebden wollen wohlgefällig verstehen, dass Ihro Liebden bescheidener Diener zu jenen Tagen noch nicht auf der Welt war, daher ist der erste Teil des Berichts wohl wenig genau. Doch ist alles wahr, so hat man es mir versichert.
Es fing alles an mit des jungen Urist Großmutter. In ihren Tagen muss sie eine wahrlich stattliche Frau gewesen sein. Mancher Mann drehte sich wohl nach ihr um, denn sie hatte ...
Joakim überlegte, was Männern an Frauen wohl gefallen könnte ... prachtvolle Oberschenkel und hübsch flaumiges Haar. Doch was noch[ wichtiger war, - und hier beugte er sich weiter vor, flüsterte beinahe - sie war von Stand. Jawohl, eine echte Edeldame. Gebildet, sogar. Und versprochen, so erzählt man sich, mit einer sehr guten Partie. Angeblich bei Hofe, aber Genaueres weiß man nicht.

Doch dann, eines Tages, beinahe aus heiterem Himmel, warf sie all dies fort. Für einen Matrosen, einen einfachen Seemann! Es war ein furchtbarer Skandal, natürlich. Die Familie war angemessen entsetzt und verstieß sie beinahe am selben Tag. Sie, so erzählt man sich, scherte dies nur wenig, denn sie war jung und leichtsinnig. Sie zog mit ihrem Buhlen fort, nach Gutenbucht, und dort lebten sie eine Weile von dem, was er mit seiner Hände Arbeit erwirtschaften konnte. Viel war es selbstverständlich nicht.

Sie gebahr ihm vier Kinder, von denen zwei überlebten. Eines davon war Urists Mutter, welche von ihrer Mutter in allerlei freien Künsten unterwiesen wurde. Schreiben, Rechnen, Rethorik, Musik. Derlei. Es sollte ihr nicht gut bekommen.


Joakim lehnte sich wieder zurück und rieb sich die Augen. Hier wurde die Geschichte recht traurig, und sie ließ auch ihn nicht unberührt.

Zwar war sie talentiert und auch den Umständen entsprechend gut erzogen, doch Frucht einer illegitimen Verbindung und ohne jedes Vermögen. So nahm sie statt dessen ein Schauermann von den Docks zur Frau, welcher in jenen Tagen ein stattlicher Bursche gewesen sein musste. Er strengte sich sicherlich auch ernstlich an, seiner Gattin ein angemessenes Leben zu ermöglichen, doch konnte dies ihr, die sie mit Erzählungen von hohem Stand aufgewachsen war, nie genug sein. Und dies gab sie wohl auch an die eigenen Kinder weiter, welche sie darüber hinaus, wie ihre Mutter sie selbst, in den freien und hohen Künsten unterichtete.

Aber was für die Herrschaft gut ist, tut dem Gesinde lange nicht wohl. Unnütze Spielereien und hochfahrende Ansprüche setzte sie seiner Familie in den Kopf, so musste es der gute Herr Gassbrückler gesehen haben. Wen wundert es da, dass er sie züchtigte, und als dies nichts half, zur Flasche griff? Obgleich manche sagen, dass er schon zuvor starke Neigungen zur Trunksucht zeigte.

Einerlei, der Großvater verlor an Kraft, Mutter und Goßmutter fehlte es an Geschick. Geld wurde knapp, häufig genug kam es überdies in die Schenke statt ins Haus. Es gab Vorwürfe, Geschrei, und immer wieder Schläge. Auch seinen Sohn versuchte er, mit Härte zum Mann zu erziehen, doch es nützte wohl wenig. Er hielt ihn an, statt seiner die Schwestern zu strafen - der verzärtelte Junge brachte es nicht über sich.


Joakims Stimme wurde wieder leiser, brach beinahe, als die Geschichte dem Höhepunkt zusteuerte.

Und dann, in einer schicksalhaften Nacht, ging er zu weit. Er schlug zu, bis sich die Mutter nicht mehr rührte, und als die Großmutter hinzukam, lag auch sie im Blut. Das Gericht sprach ihn frei, war es doch erwiesen, dass sie durch ihre übermäßige Reizung zu seiner Wut beigetragen hatte. Aber dennoch sollte er nicht mehr lange leben - bald raffte ihn der Alkohol dahin.

Und so kam es, dass der Junge allein den kranken Großvater und die kleine Schwester versorgen musste. (Die Älteste war schon vor dem Vater in das Hurenhaus entflohen, wo den Weibern nur wenig bleibt.)
Doch erkennt ihr nun, dass dem Jungen keine gute Zukunft beschieden ist? Das Blut ist verdorben, unrettbar. Die Großmutter aufsässig, die Mutter hochfahrend, der Vater ein Trinker und Frauenmörder. Nichts Gutes ist ihm mitgegeben, der Same ist in schlechter Erde gepflanzt.
Würden wir ihm Anstellung und Pflichten gewähren, wie lange würde es wohl dauern, wenn er selbst mit dem Saufen anfangen würde? Und wer von den Männern mag eine solch gebeutelte, fehlgepflanzte Seele denn ernst nehmen? Zu klug zum Diener, zu schwach zum Hern - da kann nichts Rechtes draus werden. Es ist ein Jammer, natürlich. Aber so edel eure Absichten auch sein mögen, würden wir sie umsetzen, käme nur Leid bei raus. Für ihn am allerersten.

Nein, euer Liebden, in solch tragischem Fall mag es angebracht sein, ihm hier und da ein Kupferstück zuzustecken und die Elemente zu bitten, seiner armen Seele gnädig zu sein. Dies ist, was wir vermögen, und mehr ist uns nicht gegeben.


Joakim fasste Vhenan wieder ins Auge und erlaubte sich ein kleines, mitleidvolles Seufzen.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 1:46 am

Untypischerweise schwieg die kleine Naihlar nun tatsächlich, um der Geschichte zu lauschen, die der feiner Herr ihr erzählen wollte. „Natürlich.“, stimmte sie höhnisch zu, als Joakim betonte alles sei ihm wahrheitsgemäß vermittelt worden. Nani sah ihm prüfend entgegen. Glaubte der das wirklich? Oder verkaufte er ihr hier nur gutes altes Seemannsgarn in seiner Qualität, damit sie es auch glaubte. Auch aus purer Ignoranz dem Hafenmeister gegenüber glaubte Vhenan erstmal gar nichts von dem was er sagte und sah ihn entsprechend erheitert an. Mit einem Funken Neugier in den Augen. Im Grunde genommen war der Herr gar nicht so übel. Nur seine Manieren waren so furchtbar übertrieben und allgegenwärtig.

Nani hob irritiert eine Augenbraue, als die Hafenmeisterin prachtvolle Oberschenkel anpries. Gut, die waren jetzt... nicht zu ignorieren aber... die Naihlar versuchte vergeblich ein kleines Lachnschnauben zu unterdrücken und versteckte es in einem aufgesetzten Husten. Der Kerl konnte ja richtig witzig sein.

Sie unterbrach ihn jedoch nicht deutlicher und lauschte weiter. „Ohhhh, Romantik?“, platzte es aus ihr heraus, als die Olle mit dem Seemann durchgebrannt war. „Das kann ihr doch keiner verdenken.“, murmelte sie ungeniert dazwischen. Wenn so ein stattlicher Seemann daherkam. Braungebrannt mit langem Haar und diesem diebischen Seemannsgrinsen... da konnte man doch nicht einfach nein sagen.... Die Geschichte wurde richtig interessant und Vhenans Haltung wurde offener. Das wollte sie unbedingt hören. Urist kletterte auf ihrer Rangleiter gerade einige Sprossen nach oben!... und dann stürzte die ganze Geschichte ab.

Vhenan wurde still, lauschte nur noch ohne blöde Zwischenkommentare und klebte mit langsam erwachendem Zorn in ihren Augen an Joakims Lippen. Diese Geschichte gefiel ihr nicht und noch weniger gefiel ihr Joakims Unterton, der deutlich werden ließ auf welcher Seite er hier stand.
FREI?!“, polterte sie empört dazwischen und lenkte einige Blicke auf sich, die sie gar nicht bemerkte. „Reizung seiner...?!“ Die Worte blieben ihr im Hals stecken und Vhenans Gesichtsfarbe nahm deutlich zu. War das sein Ernst? Wenn man dafür jemanden umbringen würde, dann wäre sie ja schon dreiundzwölfzig mal fällig gewesen!

Vhenan kochte innerlich und merkte erst gar nicht, dass Joakim sie direkt ansprach. Für ein paar Augenblicke sah sie ihn abwesend an, bevor sie seinen Blick tatsächlich sah. Die Naihlar lehnte sich ein wenig zurück, um Abstand zwischen diesen Rekkhak und sich zu bringen. Sie griff nach dem Krug und leerte ihn zur Beruhigung in einem Zug. Nichts überstürzen. Daran arbeitete sie gerade hart, denn in ihr schrie alles danach dem Kowa die hochnäsige Gesichtsmitte einzuschlagen.
Sie brütete einige Augenblicke vor sich hin, den Blick streng auf Joakim lastend.

Das ist tragisch... in der Tat.“ Vhenan nickte verstehend und noch relativ ruhig. Aber sie verstand andere Dinge, als Joakim sich vielleicht erhoffte. „Was ist denn mit dir?“, fragte sie als erstes und sah Joakim durchdringend in die Augen. Ohne Scheu. Sie konnte anderen lange in die Augen sehen, wenn sie es wollte. „Und deiner Familie? Manch einer würde sagen dein... Geschmack für Bettgeschichten sei verwerflich. Schadet das irgendjemanden? Und wem willst du dein Amt vererben? So pflanzt man keine neuen Palmen. Sollten wir dich deswegen deines Amtes entheben? Wegen... Unsittlichkeit?“ Nani grinste leicht ohne ihren Blick abzuwenden. „In diesem Fall hast du Glück, denn einige von uns teilen deine Wünsche und Sehnsüchte. Am Hof in der Hauptstadt sähe das vielleicht ganz anders aus... oder in einem anderen Siegel.

Nani tippte wieder mit den Fingern auf die Tischplatte, ihr Blick ruhte undurchsichtig auf dem Hafenmeister. Ruhig bleiben., sagte sie sich innerlich immer wieder und man sah es ihr vielleicht an. Gilda! Gilda!.

Du solltest vorsichtiger sein mit dem was du sagst, ehrenwerter Hafenmeister. Wir sind anders als ihr es gewohnt seid, wir sind frei. Wir können tun und lassen was wir wollen, wir betrügen sogar die See und Stürme, wenn es sein muss. Und wir leben immer noch. Gerade sind wir sogar über dir. Wir haben einige Herrscher gesehen, gute und schlechte. Die Regeln und die Etikette ändert sich von Ort zu Ort. Das was du hier als schlecht empfindest, als verdorbene Saat, empfindet man an anderen Orten der Welt als... schlichtes Pech. Oder Glück. Vielleicht hat Urist Glück, dass sein Vater sich selbst zugrunde gerichtet hat. Vielleicht hat er Glück, dass es vorbei ist. Und... mein lieber Joakim... vielleicht hat er Glück, dass wir jetzt hier das Sagen haben und nicht du.

Nani beugte sich wieder ein wenig vor. „Soll ich dir etwas über mich verraten? Mein Urgroßvater... war ein Dieb. Ein ziemlich schlechter, wie ich beschämenderweise zugeben muss. Er hatte vor einen Händler auf dem großen Markt zu bestehlen und ist geschnappt worden. Wenn es nach dir ging wären ihm vermutlich beide Hände abgehackt worden... er hätte es vielleicht sogar verdient. Aber es kam nicht so. Er wurde zur Strafarbeit von dem Händler gezwungen und er war so gut darin, dass er Jahre später zum Geschäftspartner aufstieg. Mein Vater verkauft heute noch an dem Stand seine Waren... vielleicht hätte ich das Geschäft sogar übernommen, wenn ich nicht gegangen wär... du siehst... vielleicht trage auch ich die verdorbene Saat in mir. Ich selbst sehe es eher so, dass pures Glück durch meine Adern fließt. Ein Glück ohne das ich längst Geschichte wäre.

Hätte sie dieses unverschämte Glück nicht, wäre sie tatsächlich schon einige Male über die Planke gegangen oder säße im nächsten Kerker, um auf die eigene Exekution zu warten. Das kam ganz darauf an wo auf der Welt sie sich befand. Vielleicht war sie auch schon gerichtet und wusste es nicht. Noch hielt der Archon ja seine Füße still, aber wie lange würde das so bleiben?

Hat nicht jeder von uns schon einmal vom Glück in den Mund gelebt? Jeder hat irgendwann Dinge getan, die er bereut. Die falsch waren. Erzähl mir nicht, dass es dir nicht so ergeht!
Ihr Blick änderte sich ein weiteres Mal und wurde herrischer. Oder versuchte es zu werden.

Du wirst ihn morgen bei Sonnenaufgang einer Schreibarbeit zuteilen und du wirst ihn behandeln wie jeden deiner Angestellten. Urist ist nicht verantwortlich für die Taten seines Vaters. Oder seiner Großmutter, der ich ihre Entscheidung nicht verdenken kann. Das wirst du tun, weil ich es so will. Haben wir uns verstanden? Und komm nicht auf Idee ihm irgendein Hoppla passieren zu lassen, das ihn das Leben kostet.

Nani dachte kurz nach. Nein, das war noch nicht deutlich genug.
Wenn du so...  darauf bestehst, dass jemand für die Taten eines anderen zu leiden hat dann... ernennen ich dich hiermit offiziell zu Urists Lehrmeister. Ein Hoppla von ihm, ist auch ein Hoppla von dir. Hilf ihm sich zu beweisen, bestrafe ihn, wenn er sich zu dumm anstellt, aber sei gerecht. Vielleicht lernt ihr beide dann ein wenig dazu. Glaubst du, dass das in dem Bereich deiner Fähigkeiten liegt? Ehrenwerter Hafenmeister?
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 2:46 pm

Joakim war höchst angenehm überrascht, als die junge Bazhima ihn während der ganzen Zeit nicht unterbrach. Oder doch zumindest selten. Nur, als er vom Tod der Frauen und dem Gericht sprach, schien sie kurz wieder die Beherrschung zu verlieren. Joakim nickte bei sich - es war ein recht umstrittenes Urteil gewesen. Aber damals, zu Anfang der Besiedelung, wurde dergleichen noch recht informell gehandhabt. Kapitän Marrenkarl, der das Schiff befehligt hatte, mit dem die Neusiedler gekommen waren (und aus dessen Holz man die ersten Hütten angefertigt hatte), hatte dem alten Gassbrückler einfach auf die Schultern geklopft und ihm gesagt, dass er es wohl genauso gemacht hätte. Es waren eben rauere Zeiten.

Dann aber klappte ihm die Kinnlade nach unten, als Vhenan, sichtlich verbissen, zu reden begann. Er hatte kaum Zeit, Atem zu holen oder sich etwas zu denken, so schnell kam Schlag auf Schlag. Seine Familie ... und dann sie? Und ihr Großvater? Dieb? Und dann sollte er ... und wenn er nicht ... aber es war ...

Joakim versuchte verzweifelt einen klaren Gedanken zu fassen, in diesem Ansturm aus Unsäglichkeiten irgendwie die Oberhand zu behalten. Aber sie ließ sich nicht unterbrechen, bis zum Schluss. Mehr als ein Aber und Ihro Liebden brachte er nicht heraus. Seine Gebete nach einer Atempause sollten allerdings erhört werden, gerade als Vhenan fertig war.

Trochgert verstand oft nicht so viel. Viele Sachen waren schwer. Nicht so wie Fässer. Die waren leicht. Er konnte drei auf einmal tragen. Aber wenn viel geredet wurde, kam Trochgert oft nicht mehr mit. Deswegen hielt er sich an Herrn Kharabhoudian. Der war nett und half ihm.
Herr Kharabhoudian mochte aber keinen Lärm. Dann musste Trochgert helfen. So wie jetzt. Die kleine Frau mit dem roten Kopf war laut. Herr Kharabhoudian hatte ihm zugenickt. Daher ging Trochgert zu ihr. Es dauerte aber, weil viele Leute da waren. Er musste oft Tschuldigung sagen. Weil er so groß war. Das konnte weh tun.

Als Trochgert bei der kleinen Frau war, war sie schon wieder ruhig. Aber Herr Kharabhoudian mochte nicht, wenn laut war. Also legte Trochgert der kleinen Frau die Hand auf die Schulter. Nicht die ganze, dafür war die Hand zu groß. Nicht zu stark, das tat weh. Nur fest. Wenn Trochgert wo seine Hand hinlegte, konnte das dann zappeln und winden und drücken, Trochgerts Hand blieb da. Das klappte auch mit wütenden Stieren, wilden Pferden und rollenden Fässern. Trochgert sagte zur kleinen Frau: Herr Kharabhoudian mag nicht, wenn laut ist. (Den Namen von Herrn Kharabhoudian hatte er oft üben müssen. Er war schwer.)
Er sah der kleinen Frau in die Augen und sagte nochmal: Herr Kharabhoudian mag nicht, wenn laut ist. Dann ging er wieder. Sie war ja jetzt still.

Die kurze Ablenkung erlaubte es Joakim, seine Gedanken zu fassen. Es war aber auch ... ja, eben unfasslich. Ihm seine kleinen Fehler vorzuhalten, nun ja. Aber die Vergangenheit der Herrschaft ... es war doch guter, überkommener Brauch, dass jemand, der von höherer Stelle zu Amt und Würden erhoben worden war, schnell seine manchmal unrühmliche Vergangenheit vergaß und sich mit Eifer in das neue Leben stürzte! Viele Herrscher waren Gauner, Mörder, Schurken gewesen. Aber darüber sprach man doch nicht! Der Federstrich des Fürsten tilgte alle Verbrechen aus und machte aus einem dreckigen Halunken einen Edelmann. Der sich dann auch gefälligst wie einer zu betragen hatte - so war die Übereinkunft.

Joakim war fest davon überzeugt, dass die Herrschaft immer recht hatte. Und höhere Herrschaft hatte noch mehr recht. Wenn der Archon sagte, dass ein Haufen Strolche nun lehnstreue Gebieter waren, dann war es an Joakim, dafür zu sorgen, dass sie das auch so behandelt wurden. Und sich von ihm behilflich sein ließen, wenn es mit dem Edelsein nicht so recht klappte. Aber diese ... diese Hafenratte prahlte ja regelrecht mit ihrer Herkunft! Und das Glück ... dass sie Glück gehabt hatte, nahm sie nicht etwa zum Anlass, es nach Kräften zu nutzen, sondern vielmehr genauso weiterzumachen wie bisher! Es war erschütternd.

Der Hafenmeister war ein paar Momente in widersprüchlichen Impulsen gefangen. Die Herrschaft hatte recht. Und sie war Herrschaft. Aber sie verlangte, jemand zu sein, der unmöglich Herrschaft sein konnte. Also konnte sie nicht recht haben. Es war schlimmer als die Geschichte mit dem Barbierparadoxon vor ein paar Jahren.

Schließlich traf Joakim eine Entscheidung. Er war Diener, und ein guter Diener tat, was der Herr ihm auftrug, so wirr und widersinnig es auch sein mochte. Wenn der Befehl war, aus dem unglücklichen Urist einen Schreiber zu machen ... nun, dann war das eben die bislang größte Herausforderung seiner Karriere. Er erhob sich, und verbeugte sich vor seiner sogenannten Herrschaft.
Ihro Liebden Wunsch ist mir stets und unverzüglich Befehl, sagte er und ignorierte nach Kräften all das, was sie vorher gesagt hatte. Wenn er es nur stark genug ignorierte, vielleicht hörte es dann damit auf, gesagt worden zu sein.
Mit Anbeginn des morgigen Tages soll Herr Gassbrückler der erste Hafenschreiber unter persönlicher Aufsicht von Ihro Liebden treuem Diener werden. Es wird ihm vorzüglichste Bildung zuteil, wie Ihro Liebden wünschen. Dabei verbeugte er sich noch einmal, so ehrerbietig es eben möglich war. Es gab da zwar noch eine Möglichkeit ... Joakim glaubte nicht richtig daran, aber er konnte es einmal versuchen, vielleicht ...

Ich darf davon ausgehen, dass diese Anweisung das Wohlwollen des edlen Mahzhak besitzt?
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 7:27 pm

Vhenan war selbst nicht minder überrascht, dass Joakim ihr nicht mehr als Gestotter entgegen brachte. Natürlich hatte sie versucht ihn dort zu treffen wo es wehtat und unangenehm wurde. Sonst kam man bei ihm ja zu nichts. Dabei hatte sie still gehofft sich nicht wieder lächerlich zu machen, weil sie hier ohnehin viel zu selten ernst genommen wurde. Heute dagegen schon zweimal. Sie überlegte leicht abwesend was sie heute anders getan hatte als sonst, kam aber zu keinem klaren Ergebnis. Auffordernd sah sie Joakim entgegen, der sich wohl erstmal sammeln musste. NANUZ! Vhenan lächelte triumphierend und sonnte sich in diesem überraschenden Erfolg. Befehlen konnte ja richtig einfach sein.

Da legte sich etwas auf ihre Schulter. Erschrocken fuhr die Kleine zusammen und glotzte der Hand entgegen. Das war eine riesige Hand mit riesigen Fingern! Sie folgte dem Arm mit ihrem Blick nach oben und sah Trochgert verunsichert an. Was war denn jetzt los? Er sagte es ihr. „Aber ich war doch gar nicht laut!“, beschwerte sie sich umgehend. „Nur einmal ganz kurz! Und das musste sein!
Trochgert wiederholte sich und schien nicht zum Reden bereit. Er ging. Und Nani wusste, dass das eine der letzten Warnungen gewesen war, die sie hier bekam.
Was seid ihr denn alle so furchtbar unentspannt. Das war nich laut! Wenn du die Ulumulus kennen würdest, wüsstest du was laut ist!“, behauptete sie angesäuert in Joakims Richtung, aber von dem konnte sie auch keinen Zuspruch erwarten. Nani schmollte leicht und wünschte denen die Ulumulus für ein paar Stunden hier ins Haus!

Wo waren wir?“ Während Joakim sich sammeln konnte, hatte Nani jetzt den Faden verloren.
Achja, da waren sie gewesen.
Vhenan nickte zustimmend, als Joakim wieder förmlich wurde und sich mit einem neuen Treueschwur verbeugte. Sie wog sich offensichtlich in Sicherheit.

Dann verpasste er ihr doch noch eine verbale Ohrfeige.
Jetzt seufzte auch Vhenan leidend. (So wie sie sonst nur seufzte, wenn man sie gegen ihren Willen und ohne Rum in eine Bibliothek zerrte)
Der Mahzhak hat genug um die Ohren, er muss sich nicht persönlich um alles kümmern. Was glaubst du ist profitabler? Ein umgestoßenes Tintenfass oder eine abgerissene Hütte, die Raûl gerade hat bauen lassen? Hier geht es um Profit. Wenn Profit winkt und sich die Arbeit auszahlt, ohne dass Urist wieder alles kaputt macht, kann auch Raûl besser schlafen. Und du weißt ja wie viel besser man gelaunt ist, wenn man lange und anständig schläft.

In ihrem Fall war das lange nicht mehr passiert, weil sich die Zweifler immer noch in ihre Träume schlichen, aber Joakim würde sicher wissen was sie meinte.

Von einem entspannten Mahzhak hast du doch auch mehr, also tu mal nicht so. Ich will dir nicht schaden, Hafenmeister, auch wenn du es so empfindest. Urist erscheint mir als Schreiber aber besser aufgehoben. Schlechter geht ja kaum. Sieh es doch auch als Gelegenheit für dich. Du hast das Wissen, du hast die Fähigkeiten. Wenn du es schaffst aus ihm einen guten Schreiber zu machen, dann wissen wir alle hier wem er das zu verdanken hat. Nicht mir... ich hab ihn nur dahin gesteckt. DU bist sein Lehrer. Du bekommst seinetwegen graue Haare, das tut mir schon ein wenig leid... aber du erntest auch das Lob. Und vielleicht sogar meinen Respekt. Glaub mir, ich weiß was ich verlange, ich hab auch mit ihm gearbeitet.

Nani sah Joakim fragend an. Es musste doch kein Machtkampf sein. Aber sie würde nicht kleinbei geben. „Übrigens ist auch höchstinteressant, dass du Raûls Amt in unserer Sprache so zu schätzen weißt.“ Nani grinste wieder. Das musste ihm doch aufgefallen sein.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 8:45 pm

Joakim lächelte dünn. Es war, wie er erhofft hatte. Die junge Frau war zwar schnell mit Befehlen bei der Hand, hatte aber natürlich nicht die Macht, sie tatsächlich durchzusetzen. "Zu beschäftigt", in der Tat. Als ob er selbst diese Phrase nicht schon tausendmal verwendet hätte.

Es war immer das Gleiche mit diesen Hitzköpfen, ob es nun reiche Kauffahrer, breitgebaute Matrosen oder arrogante Söldner waren: Sie kamen hereingepoltert in sein Büro, stellten jede Menge Forderungen, ließen ihre Schwerter, Titel oder Muskeln glänzen und glaubten, damit alles erledigt zu haben. Aber unangenehmen Befehlen widersprach man nicht. Man lächelte, verbeugte sich, und versprach, sie sogleich zu erledigen.

Dann vergaß man sie.

Oder verschob sie auf einen anderen Tag. Wenn erneut Beschwerden kamen, entschuldigte man sich wortreich und vergaß sie erneut. Wenn der Druck zunahm, musste man noch eine kleine Anfrage an eine zuständige Stelle richten, jeden Tag, Herr, sicherlich, auch ich finde dies mehr als beschämend. Man arbeitete unaufhörlich an einem immer komplexer werdenden Problem. Man stellte leider notwendige gegenfragen, führte Untersuchungen und schrieb viele, viele Briefe. Man war ohnehin nur selten anzutreffen. Und man machte sich nie, niemals angreifbar. Aber dergleichen Volk hatte nie die Geduld, so lange durchzuhalten. Oder die Intelligenz, dieses Spiel zu gewinnen. Sie schlugen zu und glaubten, damit gewonnen zu haben.

Er verbeugte sich erneut vor Ihro Liebden.

Seid versichert, dass Ihro bescheidener Diener stets Amt und Würden des ihm zugeteilten Herrschers nur in höchster Ehrerbietung zu schätzen weiß. Und selbstverständlich würde Ihro Liebden niemals den ehrenwerten Mahzhak mit derartigen Petitessen unnötig belästigen. Alles, was Ihr sagtet, ist vollkommen wahr, daher wird dieses kleine Hindernis in kürzester Zeit aus dem Weg geräumt werden. Ich werde noch heute schriftliche Eingabe veranlassen, so dass Mazhak Raûl sich jener Kleinigkeit annehmen kann, wann er einmal einen Augenblick seiner wertvollen Zeit erübrigen möchte. In der Zwischenzeit wird es dem jungen Herrn Gassbrückler sicher nichts ausmachen, kurz zu warten. Es wird wohl nicht lange dauern. Immerhin - und hier erlaubte er sich ein weiteres, zufriedenes Lächeln - ist es ja nur eine kleine, bürokratische Formalität.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 9:16 pm

Vhenan wog sich noch immer in Sicherheit, es hatte geklappt wie am Schnürchen. Nur warum grinste dieser Schleimbeutel jetzt so komisch? Sie wurde misstrauisch. Und versuchte angestrengt diesem Geschwafel zu folgen. Um es mit Morins Worten zu denken: Watt?

Welches Hindernis?“, warf sie ein und hatte keinen blassen Schimmer was er meinte. Es war doch alles geklärt, was regte der sich jetzt auf? Nani setzte sich etwas ordentlicher auf den Stuhl und hatte das Gefühl, dass sie ihm doch noch eine verpassen musste. Nur wofür?

Ihr Verstand brauchte einen Moment, bis sie begriff was dieser Mistkerl tatsächlich vorhatte. Erst wuchsen ihre Augen um einige Millimeter. „Schriftliche Eingabe?“, wiederholte sie beinahe tonlos.
Dann verengten sich ihre Augen und sie stand ruckartig auf. Der Stuhl kippelte bedrohlich und der Schmuck an ihrem Körper schepperte laut.

Tschad aî, Rekkahk!“, fluchte sie lauter als gewollt und musterte den Hafenmeister wütend. „Willst du dich wirklich mit mir anlegen? Ich sagte bis Sonnenaufgang, Kowa! Wenn es dir unbedingt noch nach einer bürokratischen Formalität verlangt, dann leg eine Nachtschicht ein und sieh eigenständig zu, dass du vor Schichtbeginn, noch bevor Urist vor deinem Büro steht, von Raûl eine Gegenzeichnung bekommst.“, drohte sie ihm jetzt nicht mehr sehr freundlich.

Was glaubst du wird Raûl sagen, wenn er hört, dass du Arbeitsabläufe absichtlich verlangsamst, nur weil dir jemand auf den Rockzipfel getrampelt ist? Dafür, dass du glaubst so viel Macht zu haben, scheint dir dein Amt sehr wenig wert zu sein. Hast du mal den Kopf nach draußen gesteckt? Hier wimmelt es von fähigen Seemännern, die wissen wie es in Häfen zugeht. Hier gibt es mehr geeignete Hafenmeister als Schreiber, wenn ich das richtig sehe. Also überleg dir was dir wichtig ist!“, motzte sie ihm aufbrausender entgegen. Irgendwann war mal Schluss und dieser Punkt war gerade überschritten.

Trau dich nur. Aber dann ertrag auch die Konsequenzen, Hafenmeister.“ Sie sah ihm wieder direkt in die Augen und war gespannt wie mutig er tatsächlich war. Musste der sich jetzt wirklich verbal auf die Zehenspitzen stellen, um ihr zu zeigen, dass er größer war? Elender Drachkao!
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 9:40 pm

Er hätte fast anerkennend die Augenbraue gehoben. Nach vertrauensseligen Bitten, empörten Appellen an das Gute in der Welt und haltlosen Versprechungen auf die Zukunft erschien sie zum ersten Mal wie eine echte Herrschaft. Soll und Ist deckten sich wieder, in Joakims leicht gequälter Welt. Es tat gut, Befehle zu befolgen ...

Der Hafenmeister verbeugte sich, zum sicherlich hundertsten Mal an diesem Tag, und immer noch formvollendet. Es soll geschehen, wie Ihro Liebden wünschen. Wirklich, setzte er nach, weil er inzwischen verstanden hatte, dass Vhenan die subtilen unterschiede einer Antwort noch nicht so ganz durchschaute.

Er drehte sich um, griff nach seiner Jacke und ging in Richtung Ausgang - gerade, als ihm bewusst wurde, dass seine Herrschaft vielleicht ein wenig Hilfe verdient hätte. Immerhin war sie neu in einer ihr unbekannten Welt. Fast hätte er sich eingestanden, dass er Mitleid mit ihr empfand (was einer Herrschaft gegenüber natürlich sehr ungehörig war). Einen kurzen Moment zögerte er, dann drehte er sich noch einmal um und ließ, für ein paar Momente, seine Maske fallen.

Vhenan, sagte er leise zu ihr (vermutlich zum ersten Mal), es ist nun vorbei. Es war ein Kampf, den Ihr mit mehr Geschick vielleicht nicht hättet fechten müssen. Und gesiegt habt Ihr durch Stärke, die nicht die Eure ist. Dass Ihr über diese Stärke verfügen könnt, ist Euer ... Glück.
Joakim lächelte traurig. Es war ein trauriges Wort, auch wenn Vhenan das noch nicht wusste.
Glück ... endet. Eines Tages werdet Ihr wieder jemanden brauchen, der keinen Grund hat, euch zu helfen. Sucht euch bessere Gründe, schärfere Waffen, als Glück Sonst ...
... Joakim starrte in die Ferne seiner Erinnerung.
Sonst werde ich eines Tages auch um euch trauern.

Er drehte sich um und verließ das Lokal, bevor jemand seine Tränen sehen konnte.

Was auch immer Vhenan nun dachte oder vorhatte, es wurde durch einen festen und doch vertrauten Griff auf die Schulter unterbrochen.

Herr Kharabhoudian mag nicht, wenn laut ist.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 10:24 pm

Jaja, wirklich! Steck dir dein 'wirklich' sonstwo hin!“, hörte sie sich sagen, ohne dass die Naihlar es aufhalten konnte. Sie kochte innerlich auch zum bestimmt hundertsten Mal an diesem Tag und langsam verlor sie letzten Funken ihrer sehr begrenzten Geduld. Sie wusste nicht was schlimmer war. Ein Kan, der kein verdammtes Wort sagte oder diese rückgratlose Kreatur, die sich durch feine Ritzen um alle Widerstände herumschlängelte und sich dabei genügsam das Bäuchlein rieb.

Und jetzt ließ der Glimp sie hier stehen? Aufgebracht machte Vhenan einen Schritt vorwärts, um ihm zu folgen, sie ließ sich doch jetzt nicht wieder abwimmeln!! Da drehte er sich um und... sprach sie mit ihrem Vornamen an? Nani hielt automatisch die Luft an und war sich nicht sicher was das sollte. „Was?!“, zischte sie ihm zornig entgegen und war wenig bereit auf seine Worte einzugehen. Dennoch hielt sie still und lauschte. Sie verstand seinen Wandel offensichtlich nicht. Stärke, die nicht ihre eigene war? Meinte der Raûl? Womit hätte sie denn sonst drohen sollen?

Ihre Stirn legte sich in Falten, während sie versuchte den inneren Vulkan in Schach zu halten. Der konnte doch kein Pulverfass anzünden und dann daneben Tee trinken!

Dann sagte Joakim etwas, das traf. Nani sackte innerlich ein wenig in sich zusammen, ihre Schultern sackten mit. Glück endete. Ihr Blick wurde klarer und weniger zornig. Manchmal brauchte man mehr als Glück, das wusste sie. Tyskke hat das in Kelriothar auch gesagt.Tu was und hoff nicht nur! Das hatte er mal zu seiner betenden Frau sagen sollen. Was beten besser als auf sein Glück zu hoffen? Und schon waren sie wieder aneinander geraten. Zwei Pulverfässer, die nichts gesprengt hatten außer sich selbst.

Vhenan schnaufte bei diesen unliebsamen Erinnerungen und Joakims Worten wütend und wirkte leicht unbeholfen. Das hätte ihr Vater zu ihr sagen können. Gerade fühlte sie sich zurechtgewiesen und wusste nicht, ob er recht hatte oder nicht. Welche Waffen gab es denn noch? Glück hatte bisher gereicht. Sogar in Kelriothar. Hieß das nichts? Und warum war er plötzlich so.... SO! Das nervte sie noch mehr. Und sie wusste nicht wie sie es ausdrücken sollte, deswegen tat sie rein gar nichts.

Joakim war längst weg, da stand Nani noch immer regungslos glotzend mitten im Raum und dachte nach. Da spürte sie wieder diesen Druck auf ihrer Schulter. Sie hörte Truchgerts Bass und schloss resignierend die Augen. Felszlach.

Jaja, ich geh ja schon.“, murmelte sie. Mit diesem Berg wollte sie sich jetzt nicht noch anlegen. Sie klopfte zweimal tätschelnd auf die viel zu große Hand und setzte sich dann in Bewegung. Richtung Ausgang, in der Hoffnung, dass sie Hand sie auch gehen ließ. Und wieder hatte sie Glück. Truchgert hätte sie auch einfach im hohen Bogen aus der Taverne werfen können. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Draußen vor der Tür atmete sie die kühle Luft ein und versuchte zu verstehen was da gerade passiert war.
Ey, diese Leute sind seltsam.“, stellte sie für sich fest und lief ein paar Schritte. Hatte sie jetzt gewonnen? Oder verarschte der sie wieder? Sie wusste nicht woran sie bei diesem Schleimbeutel war. Spätestens morgen würde sie es wissen. Bei Sonnenaufgang. „Ah Bradach, dann muss ich ja früh aufstehen!“, fluchte sie vor sich hin, denn natürlich traute sie Joakim nicht über den Weg.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 10:44 pm

Ach, man gewöhnt sich an sie, tönte es fröhlichvon der Seite. Alwyss trat hinter dem großen Waschfass hervor, einen ganzen Stapel tropfender Krüge in den Händen. Sie lächelte Vhenan freundlich zu.

Die junge Herrschaft war eine merkwürdige Figur. Den Einäugigen sah man immer irgendwo in der Stadt, Befehle geben, und diese geheimnisvolle Anführerin ,die sie hatten, zog natürlich im Hintergrund die Fäden (das konnte man jeden auf der Straße fragen), aber der Rest hatte sich bisher rar gemacht. Außer dieser kleinen, verschmitzt grinsenden Frau, die fast jeden Abend irgendwo war, wo es etwas zu trinken gab. Sie wirkte nicht sehr herrschaftlich, aber sehr lustig.

Jetzt allerdings blickte sie eher verwirrt drein. und ein bißchen ungehalten. Alwyss hatte was übrig für Leute, die sich für sie einsetzten, und sie konnte an einem so verloren wirkenden Gesicht nicht einfach vorrübergehen. Also stellte sie die Krüge ab, schüttelte die feuchtgewordenen, langen Locken und zog eine kleine Tonflasche aus ihre Schürze.

Hat Trochgert dich "rausbegleitet", hm? Mach dir nichts draus - Kharabhoudian ist heute besonders empfindlich.

Sie blickte nachdenklich auf die Schenke, und nahm einen Schluck.
Träumt immer noch davon, dass der Laden der erste Treffpunkt für die reichen Kauffahrer von der Ostküste wird, mit Hinterstuben und geplauderten Verhandlungen und alles in fein und so. Drauf lachte sie, glockenhell.
Aber es kommen meistens nur gröhlende Matrosen, die auf den Teppich spucken und nach Schnaps gröhlen. Das macht ihn fuchsig.
Sind beides eigentlich liebe Kerle. Also, Trochgert sowieso. Und Kharabhoudian auch, wirklich.

Sie hielt Vhenan die Flasche hin und schaute ihr aufmunternd in die Augen.
Schluck Meerbrandt? Siehst aus, als könntest du einen vertragen.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Mi Jan 20, 2016 11:23 pm

Erschrocken fuhr Vhenan herum und starrte Alwyss einen Moment lang unhöflich an. Was machte die denn jetzt hier?
Ähm.... ja hat er.“, bestätigte die Naihlar und verzog das Gesicht. „Ich bin schon aus einigen Tavernen geflogen, aber sicherlich nicht weil ich zu laut war. Hier sind alle furchtbar empfindlich. Liegt das an der Luft?“, beschwerte sie sich, noch unfähig sich zu beruhigen. Das war nicht mehr so einfach wie vor dem unfreiwilligen Aufenthalt in Kerlriothars Kerkern. Da hätte sie es einfach gelassen ignoriert und sich den schönen Dingen zugewandt. Warum konnte sie das jetzt nicht mehr?

Erst als Alwyss lachte, musterte Vhenan sie etwas offener, aber noch mit sichtbarer Zurückhaltung. Joakim ging ihr nicht aus dem Kopf. Und er war der letzte, an den sie in so erfreulicher Gesellschaft denken wollte. Sollte sie wieder Glück haben, weil Alwyss hier war? …. Glück endet. .. Dieser Satz hatte sich noch festgebissen.

Aber sie riss sich los, zwang sich aus den Gedanken auszubrechen. „In fein und so? Seefahrer?“ Nani grinste hämisch. „Da kann er aber lange warten und lange fuchsig sein.“, sagte sie offen. Das musste er doch selbst wissen.

Nani sah die Geste und griff nur halbherzig danach. Dieser seltsame Mensch hatte ihr die Laune verdorben. Da war ein Schluck gar nicht verkerht. „Anmei.“, antwortete Vhenan und nickte der anderen Frau zögerlich, aber dankbar zu, bevor sie einen Schluck trank. Meerbrandt? Der brannte wirklich. Angenehm überrascht ließ sie sich den guten Tropfen auf der Zunge zergehen. „Für die schweren Stunden in der Taverne, hm?“, fragte sie mit einem ehrlicheren Grinsen und reichte die Flasche zurück.

Die reichen Leute sind meist doch nur Fracht und verkriechen sich unter Deck. Und wenn sie an Land gehen bringen sie so viele Schritte wie möglich zwischen sich und das Meer... vielleicht hat er sich den falschen Platz ausgesucht. In Porto Habana oder Porto Armatio hätte er vielleicht mehr Glück. Wieso ist er ausgerechnet hier gelandet?... Nicht, dass es nicht eine schöne Küste ist, aber... hier werden eben solche wie wir angeschwemmt.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 1:40 pm

Alwyss zuckte lässig mit den Schultern. Er hat halt geglaubt, dass noch viel mehr kommen. Dass das hier ein Hafen für Siedler wird, und dann für die Kauffahrer, die die neuen Siedlungen ansteuern. Aber mit den Verfemten ...
Die junge Frau schauderte. Es waren wirklich gruselige Gestalten, mit denen sie sich die neue Heimat teilen musste. Da sollte man besser nicht zu sehr dran denken. Vhenan war da anders, die ging ja sogar auf Feldzug. Denen ins Gesicht zu starren ... und auch noch rüberzugehen ... das könnte sie nicht. Sah eigentlich gar nicht so aus, aber man hatte ja Gerüchte gehört.

Sie lächelte der jungen Herrschaft noch einmal zu, und erzählte weiter. Außerdem ... so viel Auswahl hat er wohl nicht gehabt. Keine Ahnung, was er gemacht hat. Vorher, meine ich. Oder wo er das Geld herhatte. Ist immer noch recht viel. Sie nahm noch einen kleinen Schluck - nicht zuviel, das gefährdete die Balance. Dann griff sie nach ihrem Stapel Krüge.

So, noch eine "schwere Stunde", dann ist Ruhe. Kann man mal wohin gehen, wo man trinken und singen darf.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 6:48 pm

Na vielleicht hat er ja doch noch Glück und der Hafen hier kommt in Schwung. Wir haben große Pläne... davon profitiert er vielleicht auch. Wer weiß, wer weiß.“, lamentierte die Kleine vor sich hin. Falls sie ihre Macht denn richtig nutzen konnten... offenbar hatte Joakim viel mehr Ahnung davon als sie gedacht hatte. Und er hatte eine seltsame Art sie zu nutzen... Erst forderte er sie heraus und dann reichte er ihr die Hand? Völlig unverständlich. Vhenan trug immer noch ihren 'was, bei den Weltenlenkern, ist gerade passiert?!' Ausdruck im Gesicht. Es gab nicht viel, was sie aus heiterem Himmel nachdenklich stimmte, aber Joakim hatte es geschafft.
Darüber würde sie noch länger brüten. Vorerst auch ohne Gesellschaft, denn Alwyss musste wieder an die Arbeit. Schade, schade. Aber es gab noch Möglichkeiten.

Nani betrachtete Alwyss von der Seite. Sie sah ein wenig jünger aus als die Naihlar selbst,, aber nicht viel. Als Schankmaid zu arbeiten war in jedem Fall eine würdige Aufgabe, selbst wenn es in so einem Flüsterschuppen war.

Komm doch später zu uns Feuer. Dort gibt es immer etwas zu trinken. Und niemand beschwert sich über die Lautstärke. Vielleicht sing ich dir sogar ein Lied.“ Bot sie mit einem verschmitzten Grinsen an. Da konnte doch keiner nein sagen. Herrschaft hin oder her, wenn jemand Trank und Gesang zu schätzen wusste, durfte man nicht einfach darüber hinwegsehen.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 7:24 pm

Vhenan sah wirklich ziemlich erschlagen aus. Was sie nur hatte? Aber natürlich, als so junge Frau mit einer so schweren Bürde ...
Alwyss hatte Herrscher und Adel immer als weit entfernte, irgendwie fremdartige Geschöpfe erlebt. Wie wandelnde Bilder, oder Zauberwesen aus der Legende. Prachtvoll anzusehen und stets so überirdisch schön. Keine richtigen Menschen, die lachten und tranken und von Trochgert aus der Taverne befördert wurden. Daher war ihr erster echter Kontakt zu den neuen Herrschaften natürlich besonders interessant.

Gut, es gab Raûl, aber der hatte mehr etwas von einem Soldatenhauptmann, wie er durch die Stadt stapfte, immer beschäftigt. Dagegen diese Fürstin von ihnen, diese ... Paketa? Die war wirklich geheimnisvoll, so wenig, wie man von ihr sah. Und umso mehr wurde erzählt, von Zauberkarten und geflüsterten Befehlen an gedungene Meuchler. Alwyss platzte innerlich vor Neugier, aber sie ließ sich nichts anmerken. Am Ende wurde Vhenan noch wütend und dann würde sie ihr nichts über die Geheimnissen verraten, die die Herrschaft umgaben. Also lächelte sie nur, und tat so, als hätte sie nichts Besseres zu tun, als heute abend Krüge zu spülen.

Endlich machte die kleine Herrschaft ihr das ersehnte Angebot. Natürlich war Vhenan fast jeden Abend irgendwo unterwegs, aber wenn man sich einfach so dazu setze, war sie wenig später meistens schon wieder woanders. Direkt fragen war außerdem unhöflich. Und neugierig. (Was Alwyss natürlich war, aber das zeigte man ja nicht.) Wenn sie sie aber eingeladen hatte ... wenn man dann ein wenig plaudern konnte ... wenn sie vielleicht etwas getrunken hatte ...

Daher sagte die Schankmaid fröhlich: Aber klar. Liebend gern doch. Bin ja bald fertig, hier.

Dann hole ich Mark und wir kommen vorbei.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 7:44 pm

Als Alwyss zusagte hellte sich auch Vhenans Blick wieder ein wenig auf. Bis dahin hatte sie vielleicht genug über Joakim und sein seltsames Verhalten nachgedacht und sich wieder entspannt.
Wunderbar.“, entgegnete sie erfreut und lächelte. Für wenige Wimpernschläge. Mark? Nanis Lächeln fiel etwas in sich zusammen. Sie hoffte sehr, dass das nur ihr Bruder war.

Ja... ähm... je mehr Gesellschaft, desto besser, nicht wahr?“, versuchte sie sich zu retten. „Kommt vorbei.“, erweitert sie die Einladung aus reinem Zwang heraus.
Lass dich nicht mehr zu sehr herumschubsen. Bis dann.“ Vhenan wunk kurz und verabschiedete sich dann in die Nacht hinein.

Vielleicht is das nur ihr Flügelmann...“, murmelte sie gedankenverloren. Ein Gespann wie Mina und Jupp? Alwyss und Mark? Sie und ihr Rumkrug? Jetzt war auch Vhenan neugierig auf die Zusammenkunft und steuerte zielsicher das besagte Feuer an. Vielleicht war ja schon jemand der anderen da.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 8:04 pm

Am Feuer, einige Minuten zuvor

Es hatte dann doch kürzer gedauert, als sie gefürchtet hatte. Das Kartenhaus war, nachdem Vhenan sich auch verabschiedet hatte, recht schnell wieder leer geworden. Die meisten Stadtbewohner hatten nicht genug Geld, um dort mehr als zwei Krüge zu leeren, und Kharabhoudian mochte, neben Lärm, auch keine Tresenhocker. Es war Alwyss schleierhaft, wie die Taverne unter diesen Umständen Gewinn abwerfen konnte, aber aus irgendeinem Grund schien immer genug Geld da zu sein. Nun, das war natürlich nichts, worüber man meckern konnte. Immerhin wurde sie pünktlich bezahlt, die Trinkgelder waren zwar selten, aber dafür üppig und der liebe Trochhert warf alle Grabscher schnell hinaus. Außerdem bedeutete es, dass sie heute Abend schon vor Sonnenuntergang zum Feuer gehen konnte, wo sich die Neusiedler trafen.

Sie musste gestehen, dass sie sich immer noch ein wenig unwohl fühlte, unter diesen Fremden. Allein die seltsame Sprache! Und, dass sie nie die Elemente anriefen, was schlimmes Unglück bringen konnte, wie der Priester sagte. Die Gerüchte, die in den Hafengassen herumgingen, waren auch nicht sehr aufmunternd.

Aber eigentlich waren es doch auch nur Menschen wie sie, die in einem neuen Land neue Hoffnung suchten. Sie schüttelte die bösen Gedanken fort und hob ihre Flasche, um einem beeindruckend goldbehängten Kerl zuzuprosten, in dessen breitem Grinsen Goldzähne funkelten. Da kam ja auch schon Vhenan ... wie schön.

Alwyss ergriff Marks starke Hand und zog ihn mit sich. Im warmen Licht des Feuers glänzten seine traumhaft meerblauen Augen noch schöner als sonst. Ihre andere Hand strich sanft über seinen festen, muskulösen Rücken, während sie verträumt seine harten und doch so friedfertig wirkenden Gesichtszüge betrachtete. Sie fühlte seine Kraft, als er ihr verspielt um die Hüften fasste, und sie kicherte wie ein junges Ding. Dann ging sie auf Vhenan zu, ein glückliches Lächeln auf den Lippen.

Die junge Herrschaft schien aus irgendeinem Grund wieder besorgt zu sein. Sie brauchte ein wenig Aufmunterung.
Alwyss verbeugte sich höchst umständlich, und sagte, im näselnd-gezierten Ton eines gewissens Hafenmeisters:
Euro Lieben, wie schön, euch zu begegnen. Darf vorstellen: Mark Hartstiel, euer Lieben bescheidener Dienerin edler Galan. Während sie noch gebückt dastand, griff besagter Galan ihr uverschämt fest an das gereckte Hinterteil. Sie gab ihm einen sanften Klaps auf die Finger, aber ihr helles Lachen dabei zeigte deutlich, dass sie durchaus keine Einwände hatte ...
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 8:54 pm

EEEEEEEY!“, rief Vhenan laut und unbefangen herüber, als sich neue Gesichter näherten. Ihre Landsmänner und Landsfrauen stimmten mit ein und das Gegröle war laut. So, wie sie es am Liebsten hatten. Sie saß schon länger mit ihrem Lieblingskrug in den Händen auf einer Bank und ließ ihre Kleidung vom angenehmen Qualm des Feuers einhüllen. Sie mochten diesen Duft.

Leider war ihr nicht bewusst wen sie so euphorisch begrüßte. Mit Alwyss hatte sie erst später gerechnet. Oder war es schon so spät? Seit Kelriothar war ihr inneres Zeitgefühl etwas angeschlagen, sie verschätzte sich ständig um viele Augenblicke und kam deswegen häufig noch später (als ohnehin schon) zu Verabredungen.

Ah ney! Bradach!“, meckerte sie leise. Das sollte Mark sein? Sie sah nur eine dunkle, aber riesige Silhouette. Dennoch... Einladung war Einladung. Also erhob sie sich ein klein wenig leidend und lief ihnen entgegen. Nicht mehr ganz so euphorisch, denn es wurde mehr als deutlich, dass Mark nicht ihr Bruder war. Felszlach! Aber nunja, man hatte ja hoffen können. Gegen den hätte dann eher Mallo eine Chance, wobei... gegen diesen Körper wirkte der Junge wie ein Zahnstocher.

Nani seufzte innerlich und vergaß alles was sie vorher gedacht hatte. Da standen ihre Chancen bei Nijkai ja besser und mit dem stritt sie seit Tagen über diese blöde Sache am Spieltisch. Ein Missverständnis war das gewesen, mehr nicht! Die Karte hatte sie schon die ganze Zeit in der Hand gehabt! Da konnte er viel behaupten... Ihre Jacke war leider immer noch blutig, weil er ihre Nase gefordert hatte. Herrschaftlich war das nicht, aber am Spieltisch gab es nur Glück und keine Ränge. Und hin und wieder kleine Missverständnisse.

Atata.“, begrüßte sie die beiden Neuankömmlinge und wunderte sich im nächsten Moment verdattert, als Alwyss sich verbeugte. Und sich über Joakim lustig machte. Einen Moment lang glotzte Nani fassungslos, dann lachte sie. Auch weil der Herr so einen bescheuerten Namen hatte.
Hartstiel, hm?“, witzelte sie amüsiert vor sich hin und lachte weiter. Der musste sich selbst so genannt haben.
Bescheiden ist er aber nicht.“, sagte sie lauter, als er Alwyss dreist an den Hintern grabschte. Gut, war ihre Sache.
Willkommen.“, wiederholte sie in der allgemeinen Sprache und machte eine einladende Geste in die Runde. „Kommt, kommt, setzt euch und trinkt.

Sie lief voran und klatschte in die Hände.
Ata!“, rief sie ihren Kumpanen zu, die aufsahen. „Das sind Alwyss und Mark.“, stellte sie knapp vor. „Der Goldzahn dahinten ist Dian und der Beleidigte da ist Nijkai. Neben ihm sitzt die bezaubernde Lumia und das da ist... der Bolchan.“, würgte sie Gend mit hämischem Gelächter rein, in das die anderen sofort einstiegen.
EY! Ma Bulba, Nani!“, beschwerte er sich und zeigte ihr die Faust. „Ich bin Gend!
Ein Großmaul bist du!“, konterte Nani und setzte sich ebenfalls. „Er ist unser Geschichtenerzähler. Wenn er dir einen guten Morgen wünscht lügt er schon zweimal.“, ärgerte sie ihn weiter und lachte wieder entspannter.

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 9:20 pm

Mark nickte Vhenan zu, als Alwyss ihn zu ihr hinzog. Sie sah nicht so interessant aus. Klein und dürr und kurze Jungshaare. Und viel zu wenig Vorbau. Ein Mannweib. Aber Alwyss wollte heute unbedingt zu den Fremden, also war er eben mitgekommen. Vielleicht würde es sich später noch lohnen.

Als Vhenan dann zu lachen anfing, sank Marks Meinung von ihr noch tiefer. Er mochte es nicht, wenn Frauen über ihn lachten. Warum hatte Alwyss nur immer so komische Freundinnen? Und wo waren eigentlich diese berühmten Neila-Weiber mit den vollen Blusen, die tanzten und einem feurige Blicke zuwarfen? Mark posierte noch ein wenig, um der kleinen Neila das Kichern abzugewöhnen, aber die war schon weitergestapft. Dann spürte er einen vertrauten Zug an der Hand.



Dass Vhenan plötzlich all diese Namen herunterrasselte und sie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zerrte, beruhigte Alwyss nicht gerade. Die sahen auch ziemlich merkwürdig aus. Aber sie lächelte tapfer, winkte und warf ein fröhliches Ignis im Krug in die Runde. Dann zog sie Mark, der mal wieder stehen geblieben war, zu sich heran und begann mit der Vorstellung.
Also, ich bin Alwyss, aus dem Kartenhaus. Und das ist Mark. Er ist Pfahlrammer an den Docks.
Jau, sagte Mark. Ich ramm die Dinger tief rein.
Sie lächelte ihm zu. Dass er da war, dadurch fühlte sie sich sicherer. Er war nur immer so still. Sie musste oft das Reden übernehmen.
Er macht auch Steinweitwurf, sagte sie.
Jau, sagte Mark. Ich schmeiss die Dinger weit weg.
Es waren auch ein paar Frauen anwesend ... Alwyss wollte lieber sichergehen. Und er ist mein Liebster, schloss sie die Aufzählung.
Jau, sagte Mark. Ich fick sie.
Alwyss lächelte verliebt. Er sagte immer so romantische Sachen! Derart gestärkt und mit neuer Zuversicht ließ sie sich neben Vhenan hingleiten. Sie blitzte ihre neue Freundin vergnügt an und begann, ihrer Neugier freien Lauf zu lassen. Als Erstes das Wichtigste ...

Und du?, sagte Alwyss. Wo ist denn dein Galan heute abend?

Nebendran erzählte Mark Nijkai, wie er einmal einen Stein echt weit geworfen hatte.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 10:15 pm

Ignis im Krug!“ hallte es aus allen Kehlen zurück. Man musste die Elemente ja nicht zu sehr huldigen, aber wenn Ignis im Krug war, dann war das in Ordnung. Zumindest vorübergehend. Ein hoheitliches „Ma Horai!“ wurde hinterher geschmettert und die Krüge geleert. Die Flasche setzte sich wie von allein in Bewegung und kreiste einmal, um die Krüge neu zu füllen.

Atata!“, erklang es einzeln und versetzt, aber höflich und die Naihlar nickten den beiden zu, was die Goldringe kollektiv zum Klingeln brachte. Jede Bewegung war laut, weil sich automatisch der Schmuck mit bewegte. Und darauf war jeder hier besonders bedacht.
Kartenhaus hm?“, horchte Nijkai auf.
HA! Deine Bibliothek!“, jaulte Dian lachend auf und schlug Nani gegen den Arm. Sie hatte den Flüsterschuppen mal so genannt.
Gilda!“, raunzte sie zurück. Das musste er doch hier jetzt nicht so sagen. Aber die Aufmerksamkeit lag schon woanders.
Pfahlrammer, oho??“, mischte sich Lumia mit einem Schmunzeln ein und pfiff einmal gespielt beeindruckt. So sah er auch aus. Aber sonst hatte er nichts was sie an einem Mann zu schätzen wusste. Der trug ja gar keinen Schmuck!
Steinweitwurf?“, kam es abfällig über Vhenans Lippen und sie musterte den Mann befremdet.
Warum wirft man denn Steine?“, fragte auch Dian, der sich keinen Reim darauf machen konnte. Das musste ein ortsansässiger Brauch sein.

Als klar war, dass die beiden neuen häufiger übereinander herfielen, gab es gemeinschaftlichen Applaus und hier und da ein „Nanuz!“ und auch ein von Gelächter begleitetes „Dwog!“.
Nani lächelte jetzt doch. Bis die erste Frage kam. Dann lächelte sie nicht mehr. Machte Alwyss das absichtlich? Nani wurde kurzzeitig misstrauisch, riss sich aber zusammen. Nein, dafür war sie zu nett.
Für heute Abend habe ich meinen Galan noch nicht gefunden.“, erklärte sie gelassen und grinste leicht. Sie hatte ja eine fixe Idee gehabt, aber die hatte sich im Nu zerschlagen.
Aber die Nacht ist ja noch jung. Da kann und wird noch viel passieren.“, prophezeite sie. Das war immer so.

Die Jungs lachten derweil hämisch auf, als Nijkai mit dieser seltsamen Selbstbelobigung gequält wurde.
Ich hab auch schonmal nen Stein geworfen.“, behauptete Gend grinsend dazwischen und machte seinem Namen als Bolchan alle Ehre. „Sehr weit. Vom Schiff aus quer über den Ozean. Fünfzehn Mal ist es auf dem Wasser aufgekommen.“, erklärte er mit dramatisch erhobenem Zeigefinger. „Dann hat er einen Meerriesen getroffen und wir sind fast versenkt worden. Garstige Biester sind das! Aber wir sind garstiger!
Jawohl, das sind wir!“, grölten die Naihlar und stießen mit ihren Krügen an.
Nani reichte die Flasche weiter und bot auch Alwyss etwas an. Und ihrem Galan, wenn es denn sein musste.
Rum? Den haben wir vorhin noch ein wenig mit Vanille verfeinert.“, gab sie ein wenig an und grinste.
Mag Herr Kharabhoudian eigentlich gar keine lauten Dinge oder nur in seinem Kartenhaus nicht?
Das hatte sie schon länger fragen wollen und nie die Gelegenheit gehabt.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 10:43 pm

Mark mochte die Fremden nicht besonders. Es waren hauptsächlich Männer, mit Schmuck behängt wie Weiber. Und an ihrer Kleidung konnte man die Muskeln kaum erkennen. Da war zwar eine Frau, aber der fehlte es an der richtigen Einstellung. Sie guckte so komisch und war überhaupt nicht respektvoll.
Genau wie der Rest der Bande. Dass es alles Tagediebe waren, klang schon ziemlich richtig. Er entschloss sich, Gutenbuchter Brauchtum zu verteidigen.
Man wirft Steine, um zu zeigen, dass man kein Weichei ist, sagte Mark zu Dingdong. Der sah allerdings wie ein Weichei aus. Mark hob den Arm und zeigte seinen Bizeps, um seinen Punkt zu verdeutlichen. Dann erklärte er diesem Nicky die Sache etwas genauer.

Sie verstanden es aber immer noch nicht. Der Kerl, den sie Geng nannten, redete einen Unsinn daher. Er machte sich wahrscheinlich auch über ihn lustig, aber Mark ließ sich das natürlich nicht gefallen. Haha, dass musst du zeigen, lachte er ihm ins Gesicht. Wer bei uns zwei Acker schafft, der ist gut. Kann nicht jeder Weichling, fügte er hinzu, um klarzumachen, wie seine Meinung von diesen labbrigen Strandsäufern war.

Aber einen Schluck aus dem Krug nahm er doch.


Alwyss guckte vielleicht ein ganz klein wenig verdattert drein, als Vhenan ihr ihre lässige Einstellung zu Männern so unverfroren unter die Nase rieb. Dass alle Neusiedlerinnen Schlampen seien, war natürlich ein häufig zu hörendes Gerücht, aber die Schankmaid hatte das bislang nicht so recht glauben wollen. Immerhin sagten das die alten Frauen über beinahe jedes fremde Volk, selbst die Urvölker. So etwas erzählte man sich eben über komische, neue Leute (besser gesagt, deren Frauen). Doch hier ...
Sie warf einen verstohlenen Blick in die Runde. Hatte diese Lumia da gerade dem Bolchan über die Hand gestreichelt? Aber da war wahrscheinlich Einbildung. Trotzdem ... sie bekam das Bild nicht aus dem Kopf. Wie sie hier alle schamlos übereinander herfielen. Ein wenig aufgeregt fing sie an, Vhenan darüber auszufragen.
Nimmst du dir wirklich ... also, gleich heute Abend? Einfach irgend jemanden? Aber ... wie findet man denn so jemanden zum Heiraten?, fragte sie einigermaßen verblüfft. Natürlich war von der Herrschaft niemand offiziell verheiratet, aber Alwyss hatte gedacht, sie hätte es einfach noch nicht gemerkt.

Dann nahm sie die Rumflasche zur Hand und antwortete auf Vhenans Frage.
Vielleicht. Also, ich habe ihn noch nicht so oft auswärts gesehen. Er geht nicht zu Festen und so. Sie dachte ein wenig über ihren seltsamen Herrn nach. Eine Sache fiel ihr ein.
Also, einmal, da ist mir im Keller so ein richtig ekliges Viech in die Haare gekrochen. So ein langes, mit ganz vielen Beinen. Da habe ich ganz schön laut geschrien, und auf einmal stand er in der Tür, mit der Axt vom Feuerstapel in der Hand. hat mich mit einem Griff hinter sich an die Wand gedrückt. Und dann ist er durch den ganzen Keller durch, bis ich ihm erklärt hatte, was los war. Da war er ziemlich sauer. Und das komische ist, dass Trochgert das Feuer schlägt. Und er lässt die Axt am Schluss immer ganz tief stecken, so dass man sie kaum rausbekommt.
Alwyss zuckte mit den Schultern und nahm einen tiefen Schluck. Das mit der Vanille war tatsächlich eine gute Idee,
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Do Jan 21, 2016 11:50 pm

Ah... verstehe.“ Dian nickte langsam. Er verstand es nicht und er verstand auch nicht weshalb der andere Mann ihm jetzt den Arm präsentierte. Der war dick. Aber käseweiß. Kraftvoll vielleicht, aber schnell? Dian bezweifelte, dass Mark besonders beweglich war. Höchstens vielleicht in den Lenden, aber das nutzte ihm auf See sehr wenig.
Kraft ist wichtig. Aber du brauchst auch Geschick und Köpfchen.“, entgegnete der Mann mit dem goldenen Lächeln, warf eine Münze in die Luft, die er plötzlich zwischen den Fingern hatte, und fing sie wieder auf. Dann grinste er 'bescheiden'.

Gend dagegen legte seinen Kopf schief, lauschte dem Schlagabtausch und seufzte. Hier hielt kaum jemand etwas von guten Geschichten, es war eine Schande. „Nein, ich kann es hier nicht zeigen. Euer Meer ist anders als unseres. Das Wasser ist anders. Und hier gibt es keine Meerriesen. Die gibt es erst hinter den sieben Zehen in Höhe der roten Strömung.“, klärte er den Gutenbuchter auf. Das war zwar auch gelogen, aber es klang nicht so. Mark würde es auch nicht besser wissen.

Wir jagen Stürme. Jeder, der überlebt ist kein Weichei. Hey, ich bin mal von einem Hai gebissen worden!“, fiel ihm dann ein und zog seine Pluderhose hoch. Sein Unterschenkel wie deutliche Bisspuren auf.

Ja und ausgespuckt hat er dich wieder!“, johlte Dian.
An dir ist ja nichts dran!“, meinte auch Lumina und lachte dreckig, während sie ihm tatsächlich kurz über die Hand fuhr. Lustiger Kauz!


Nani grinste derweil wieder vor sich hin. Weil sie den Stimmen der anderen lauschte und weil sie Alwyss offenbar Dinge offenbart hatte, die hier anders waren.
Gleich heute abend?“, wiederholte sie amüsiert und lachte leise. „Das weiß ich doch jetzt noch nicht... aber, nein, nicht einfach irgendjemanden. Für wen hältst du mich.“, lachte sie und stieß die andere Frau leicht mit ihrem Ellbogen an.
Nur jemanden, den ich mag.“, antwortete sie so als müsste man von allein darauf kommen.

Und heiraten... warum wollen immer alle heiraten?“, sagte sie bestimmt und musterte Alwyss. „Ich kann nicht für alle von uns sprechen, aber viele von uns sind in die See verliebt. In den Kurs. Wir sind mal hier, mal dort, an manchen Orten kein zweites Mal... An Bord sind solche Verbindungen innerhalb der Mannschaft nur schädlich. Wir vergnügen uns deshalb hier und da, wenn uns jemand gefällt und dann verschwinden wir.“ Es legte sich ein leicht sehnsüchtiger Ausdruck in ihre Augen. In diesem Punkt hatte sie sogar mit dem Jupp übereingestimmt. Der nahm sich auch was ihm gefiel.

So leben Seefahrer. Es gibt viele exotische Orte... viele exotische Menschen. Männer, Frauen, was dir gefällt..“, erklärte sie wissend. „Aber vielleicht ändert sich das jetzt. Hier... wo wir einen Heimathafen haben. Ein Zuhause.“ Nani zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht... ich bin vor sechs Jahren aus meiner Heimat weggegangen, da habe ich längst nicht ans Heiraten gedacht. Und jetzt ist alles anders... aber einige von uns sind schon verheiratet und haben Familie. Manche Kinder. Die vielleicht irgendwann mit den Schiffen nachkommen... Ich verrate dir aber nicht, wer das sein könnte...“, entgegnete sie verschmitzt grinsend.

Stattdessen zeigte sie selbst ein wenig Interesse. Wenn auch zuerst an anderer Stelle.
Er geht nicht zu Festen? Das ist aber traurig.“, stellte sie fest. Auf eine Weise sogar unhöflich.
Aber scheinbar hatte auch der KartenhausKauz ein Geheimnis. „Aber wenn er so auf dich aufpasst kannst du dich glücklich schätzen.“, bemerkte sie. „Wenn du wieder von einem Krabbeltier angefallen wirst, weißt du nach dem du rufen kannst.“, scherzte Vhenan und trank einen Schluck. Vielleicht war der alte Mann mit dem langen Namen ein Soldat, der sich zur Ruhe gesetzt hatte. Das taten viele, wenn sie so lange lebten.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 23, 2016 10:17 pm

Mark wa sich nicht sicher, ob der Kerl, der so viel erzählte, sich nicht heimlich über ihn lustig machte. Und das machte ihn wütend. mark mochte es nicht, wenn sich jemand über ihn lustig machte.
Der andere Kerl war ein Weichei, ganz klar. redete sich raus, dass er keine Kraft hatte. Da war auch nicht viel an den Armen. Mark maß seinen Oberarmumfang jeden Morgen mit dem Seil. Da war keiner besser, hier in Gutenbucht. Er hatte zunächst befürchtet, dass ihm die fremden den Rang streitig machen würden, aber zum Glück waren sie alle Weicheier.

Er nickte dem Münzenschmeisser (wozu sollte das gut sein?) kurz zu, dann drehte er sich zu Gend um.
Hä? Wasser ist Wasser. Groß und nass. Wie soll das anders sein, sagte er zweifelnd. Und wer ist so dumm, Stürme zu jagen? Die kann man doch nicht festhalten. Da ersäuft man ja nur.
Dann kam ihm eine Idee. Vielleicht würde der Abend doch nicht so langweilig werden.
He, Haimann. Zeig doch mal, was du kannst, wenn du so toll bist. Komm her, Arm hoch!, rief er dem Angeber zu und präsentierte seinen Bizeps. Er hatte eigentlich gehofft, dass Alwyss bald wieder gehen wollen würde, damit er sie ficken konnte. Aber Armdrücken war auch gut.


Es war schon ein seltsames Volk, aber irgendwie auch lustig und interessant. Diese Männer hier waren so anders als die, die Alwyss kannte ... mehr flink und ständig am Reden, nicht stark und ruhig. Sie wirkten fast wie Frauen. Aber vielleicht lag das auch am Goldschmuck. Und dass sie so wahllos miteinander ins Bett stiegen ...
Aber Vhenans Erklärung ergab irgendwie Sinn. Die Matrosen von den Schiffen rannten auch immer ins Bordell und machten mit den Mädchen rum. Nur das eine anständige Frau, auch von den Docks, sich mit solchen Leuten eigentlich nicht abgab. Da hatten die alten Frauen auch ein Auge drauf. Wer mit den Seeleuten redete, machte sich verdächtig - eben weil sie ... so ... waren. Nur dass sich das anscheinend nicht mehr vermeiden ließ. Die halbe Stadt würde ja bald aus Seeleuten bestehen.
Allerdings ...

Ein seltsames Leben muss das sein. Kann ich mir gar nicht vorstellen, sagte sie nachdenklich zu Vhenan. Hier bei uns, an Land, da geht so was nicht. Vor den leichtfertigen Matrosen muss man sich in Acht nehmen, das hat Mutter immer gesagt. Und es ist wichtig, dass man bald heiratet, weil einen sonst niemand mehr will. Auch wegen der Kinder ...
Dabei sah sie Vhenan scheu von der Seite an. Immerhin war die junge Herrschaft doch nicht ganz so jung.
Wir sind Siedler. Wir bleiben hier, verwurzeln uns fest in Terras Erde. Wir müssen stark und beständig sein wie sie - das sagt zumindest der Priester immer. Und ... jetzt wurde sie vorsichtig, nicht ganz sicher, wie sie es aussprechen sollte ... das seid ihr doch jetzt auch, oder nicht? Siedler, meine ich. Das mit dem Schifffahren ist vorbei für euch und ihr bleibt hier, oder nicht? Selbst, wenn wir jetzt Schiffe bauen, hier in Gutenbucht. Es können ja trotzdem nur wenige damit fahren. Die andern müssen an Land bleiben. Vor allem die Herrschaft.
War der Gedanke Vhenan unangenehm? War sie deshalb so besorgt? Alwyss hoffte, dass ihre Frage für nicht noch mehr Unruhe gesorgt hatte.
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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   Sa Jan 23, 2016 11:06 pm

Gend lachte nur wissend. „Oh nein, Wasser ist nicht gleich Wasser. Wasser lebt und verändert sich. Und es verändert dich, wenn du es zulässt. Erzählt man sich hier nicht Geschichten, dass Aqua die See beherrscht und nur der Seehandelsgilde Zutritt gewährt?“, sprach er ein wenig eloquenter daher, weil er merkte, dass Mark... eher ein Mann weniger Worte war, um es kurz zu machen.

Es gibt viele Herren der Meere, sei es nun dieser Aqua... für mich ist es Turor. Egal wie du ihn nennst, er spielt mit dem Meer und mit jedem, der darauf segelt. Wenn wir die von Goias geschickten Stürme bezwingen, dann erobern wir die See. Und wir machen uns einen Namen. Wir...“ Er machte eine dramatische Pause und lächelte erhaben. „Wir ersaufen nicht einfach.
Aber das würde ein Dockarbeiter nicht verstehen. Der glotzte nur auf den Horizont und wollte niemals selbst herausfinden was es dort alles für Wunder gab.

Eine gute Herausforderung erkannten sie aber beide. Auch wenn Mark sich schon als Sieger sah. Gend stand auf und kam zur Bank herüber.
NANUZ!“, gröhlte Nijkai direkt und zückte seinen Beutel. „Drei Kupfer auf Gend. Mach den Pfahlrammer platt!
Süßer, ich glaube der liebe Gend veliert. Ich setzte drei Kupfer auf den Hengst hier.“, sagte Lumia unverfroren und Dian griff sich an die Brust.
Du verräter! Hintergehst deine eigenen Leute!
Wenn es um Kupfer geht, habe ich keine Freunde.“, erklärte sie zurück und die Wetten waren gesetzt.

Na dann zeig mal was du kannst. Dieser Arm hier ist dürrer als deiner, aber sturer!
Gend konnte ein Tau lange halten, Pfähle wurden ja nur reingerammt und dann hatte es sich. Dachte er.


Daneben unterhielten sich die Frauen seltsamerweise über die Zukunft und die verschiedenen Vorstellungen. Leichtfertige Matrosen? Augenblicklich legte sich ein schelmisches Grinsen auf Vhenans Lippen, aber sie unterbrach die andere Frau nicht. Ja, Nani fühlte sich angesprochen und zeigte es offen, denn ja, sie war auch ein Matrose. Naihlar segelten enin Njama, egal ob Mann oder Frau und sie gehörte zu genau dem Schlag, vor denen Alwyss' Mutter warnte. Man musste aufpassen, damit man als Mann nicht ablegte und etwas... zurückgelassen hatte, was den Männern auf See egal und den Frauen an Land ein Fluch war. Naihlarfrauen wussten sich da aber schon zu helfen, man wollte ja segeln und nicht sesshaft werden. Genau diesen Punkt sprach Alwyss jetzt aber an.

Nanis Blick wurde ernster und sie schwieg ein paar Augenblicke, um darüber nachzudenken. Sie hatte keine klare Antwort.
Das... hängt von vielen Dingen ab.“, sagte sie zuerst krypisch und wartete einen kleinen Moment. Es wäre sicherlich besser ein paar Ängste zu beschwichtigen, aber keine falschen Eindrücke entstehen zu lassen. Aus ihren Unterredungen mit den verschiedenen Einwohnern hatte sie noch nicht viel gelernt. Sie redeten immer aneinander vorbei. Vielleicht stieß sie ja bei Alwyss auf besseres Gehör. Die fragte wenigstens und sagte ihre Meinung, ohne dass man sie aufforderte. Vielleicht mochte Nani sie deswegen. Sprechende Menschen waren gut!

Wir wollen bleiben und uns eine neue Heimat aufbauen. Alle, die gekommen sind. Und nicht alle sind Seefahrer. Die Chirya sind... das sind die hell gekleideten von uns. Mallo ist einer... die kennen sich mit Land und Erde aus. Sie mögen das Meer manchmal nicht... und wir Seefahrer sind...
Wie sagte sie das jetzt ohne zu viel zu verraten. Ortac war und würde ein Geheimnis bleiben. „Ich bin in einer normalen Siedlung aufgewachsen... mit vielen Zelten und Jurten. Diese Art von Städten sind uns fremd, aber wir haben nicht alle unser ganzes Leben auf See verbracht. Wir können uns anpassen... wie wir uns auch an den Seegang anpassen und... wir werden sicherlich hin und wieder davonsegel. Nicht alle, aber ein paar. Handelsbeziehungen wollen gepflegt werden, vielleicht besuche ich auch ein paar Freunde und meine Familie in meiner alten Heimat. Aber das hier... Takbal ist ab jetzt mein richtiges Zuhause.“, antwortete sie, wirkte aber nicht sonderlich glücklich damit.

Wir haben dieses Lehen Shäekara genannt. Das bedeutet ... Neubeginn.. in unserer Sprache. Wir wollen einen Neuanfang, ein neues Leben. Aber es zieht uns auch hinaus auf das Meer. Hier können wir beides tun. Leben und segeln... irgendjemand wird immer hier sein und aufpassen... wo ich selbst sein werde... wird sich zeigen... ich weiß nicht... Kinder? Familie? Das wollte ich bisher nicht. Es gab nie den Richtigen. Nie die Gelegenheit. Oder den Wunsch. Und jetzt..“ Nanis Blick wurde mit jedem Wort strenger und distanzierter. „Nein.“, sagte sie bestimmt und sah Alwyss ernster in die Augen.. „Solange dieser Krieg nicht gewonnen ist, sicher nicht. Ich weiß nicht einmal, ob es sich lohnt darüber nachzudenken, ob ich noch lange genug lebe, dass das passieren könnte.“ Sie schüttelte den Kopf, wandte ihren Blick ruckartig ab und sah ins Feuer. Sie fühlte sich immer noch gejagt und wirkte auf einmal verkrampft. Vielleicht lohnte es sich nicht einmal 'herrschen' zu lernen. Vielleicht würde Joakim viel schneller um sie trauern als er glaubte. Falls das überhaupt ernst gemeint war.

Da lasse ich mich lieber auf ein paar Abenteuer ein und lebe von Tag zu Tag... und warte darauf, dass mein Glück endet.“, murmelte sie leiser werdend in ihren Krug. Verdammt, dieser blöde Kerl kroch immer noch durch ihren Kopf. Es war bedauerlich, dass nie genug Rum da war, um die Ratio aus dem Kopf zu bekommen. Es wäre so viel einfacher. Aber nicht einmal trinken konnte sie wie früher. Sie wollte nicht betrunken sein, wenn die Ratio angreifen sollte.

Das hier sind harte Zeiten für Träumer...“, ergänzte sie und lächelte den Flammen bitter entgegen. Wenn ein Narr plötzlich gezwungen war der Realität ins Auge zu sehen war, noch dazu auf so brutale Weise, dann durfte er sich vielleicht ein paar Tränen erlauben.

Aber hör nicht auf mich, lass dich von dem düsteren Geschwätz nicht davon abhalten... ist das mit ihm was ernstes?
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Weithergeholtes   So Jan 24, 2016 12:54 am

Dieser Gend hatte schon wieder zu faseln angefangen. Mark zuckte mit den Schultern. Aqua, ja. Kann sein. Der Priester redet von solchen Sachen. Diese Art von Geschwätz war etwas für verweichlichte Laberer. Priester, Magier, solche Leute. Er wunderte sich ein wenig über diesen Matrosen. Die Seeleute, die er bisher kannte, hatten von handfesteren Sachen geredet. Heuer. Huren. Wie das Wetter wurde und ob der Kapitän was taugte. Mark zog solche greifbaren Konversationsobjekte vor. Ihm waren eben Sachen lieber, die was taugten. Die fest waren und nützlich und, nun ja ...
Mir ist Terra lieber, sagte er in einem seltenen Moment der Introspektion. Da weiß man, was man hat.

Egal. Jetzt ging es endlich um richtige Dinge. Und diese Neila-Frau hatte sogar auf ihn gesetzt. Er warf ihr einen kalkulierenden Blick zu - nicht so hübsch wie in den Geschichten und definitiv zu aufsässig. Aber vielleicht würde sie Alwyss eifersüchtig machen. Dann würde sie sich wieder um ihn kümmern. Also warf er Lumia ein breites, selbstsicheres Grinsen zu, Ich mach den Plapperer platt!

Er stellte sich hin, platzierte Arm und Ellenbogen und griff zu. Natürlich war Mark stark, aber er war, zumindest was das Armdrücken anging, auch geschickt. Es gab einen Grund, weshalb er Dritter an den Docks war.
Zuerst so hart wie möglich reingehen, für den Fall, dass der hier tatsächlich nur ein Schwächling war. Dann, falls echter Widerstand kam, zurück, aber nur ein wenig. Die Kraft des anderen auffangen, anwinkeln und ... drehen!
Wer diese Art von Schmerz überstand und nicht nachließ, der war ein echter Gegner.


Alwyss hatte Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Vhenan wurde immer nachdenklicherer und düsterer. Und davor hatte sie ein paar seltsame Sachen gesagt - Alwyss war ja eigentlich an den Geheimnissen der Herrschaft interessiert gewesen, aber angesichts dieser fast schon bitteren kleinen Herrschaft änderte sie ihre Pläne. Nun ja, vielleicht ein oder zwei Sachen ...
Warum habt ihr das Land eigentlich anders genannt? Ich meine, es hatte doch schon einen Namen. Oder hat das was mit den Weissagungen zu tun? Alle wussten, dass die Anführerin der Herrschaft aus den Karten die Zukunft las. Darum benahmen sie sich manchmal so seltsam - sie mussten ein böses Omen abwehren.
Es gab allerdings noch eine andere Erklärung, aber die war weniger nett. Alwyss sprach es trotzdem an, vorsichtig. Viele ... also, manche Leute ... also, die Männer an den Docks, die sagen ... naja, eigentlich sagt es der Hüttner. Die anderen nicken aber. Also, der sagt, dass ihr uns verdrängen wollt, und deshalb alles umbenennt. Dass ihr uns überfremden wollt und unsere Sittlichkeit kaputt machen. Also, ich glaub das natürlich nicht, fügte sie schnell hinzu. Es war ja auch nur böses Gerede. Andererseits - sie hatten schon ziemlich lose Gewohnheiten. Sittlich war das bestimmt nicht. Alwyss ging schnell dazu über, Vhenans Düsternis ein wenig zurückzudrängen..

Der Priester sagt, dass wir gewinnen werden. Weil die Verfemten unfruchtbar sind. Sie sind zwar stark, aber sie können nichts Neues, nichts Gutes machen. Nur immer zerstören und verderben. Deshalb müssen wir auch tiefe Wurzeln schlagen und Kinder haben. Damit wir sie verdrängen. Es war eigentlich keine nette Vorstellung, Kinder für den Krieg zu gebären. Aber es war immerhin ein heiliger Krieg, für die Elemente. Auch wenn er derzeit angenehm weit weg war. Es klang trotzdem nicht so positiv, wie sie gehofft hatte.

Dann brachte Vhenan das Gespräch auf schönere Dinge, und Alwyss griff die Gelegenheit dankbar auf.
Oh ja, sehr ernst. Er hat schon meinen Vater gefragt. Wir sollten eigentlich schon versprochen sein, aber Mark will warten, bis er genug verdient hat, um Land zu kaufen. Er will mir ein Haus bauen!, sagte sie stolz. Er wird es sebst machen, er hat die Kraft dafür. Sie blickte andächtig auf die andere Seite des Lagers, wo Mark gerade diese Kraft unter Beweis stellte. Und wir werden uns ein richtiges Bett kaufen und eine Truhe und irdenes Geschirr und eine Lampe. Vielleicht sogar einen Schrank, nur für Kleider, sagte sie, während ihre Augen vom Gedanken an derartig unerhörten Luxus leuchteten.
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