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 Neomes Zelt

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Neome
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BeitragThema: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 6:14 pm

Ein Abend.

Die Luft war geschwängert von einem Zopf Süßgras, der in einer Feuerschale vor sich hin räucherte. Ein Zug frischen Windes drang durch den offenen Spalt in das Zelt.
Neome hatte, wie auch die Anderen, den Brief gelesen, und dann Vhenan gebeten, ihr in die Abgeschiedenheit dieses Zeltes, dass sie manchmal für sich beanspruchte, zu folgen. Hier stapelten sich Lagen von Decken übereinander, und kleine, bestickte Kissen, weil sie noch keine größeren beschaffen hatte können. Manchmal war es bitter zu sehen, wie bald und alltäglich die Grenzen der eigenen Macht erreicht waren.

Neome hatte den Brief nicht behalten. Sie hatte ihn auf den kleinen Tisch aus Holz und Messing gelegt, auf dem auch die Feuerschale stand.
Sie trug an jedem Finger mindestens einen Ring, das Licht beleuchtete deren Gold. Ihre Aufmerksamkeit lag, während sie die Hände ruhig ineinander auf dem Tisch abgelegte, auf Vhenan.

"Was ärgert dich an dem Brief am Meisten?", fragte sie und studierte noch eindringlich die Erscheinung der Jüngeren. "Dass sie deinen Freund ganz außen vor gelassen hat? Oder Ihr Tonfall? Oder etwas ganz anderes? Oder, lass mich anders fragen: Was hattest du dir von ihr erwartet?"
Sie hob, fragend, wenngleich ohne eine Frage zu stellen, eine Flasche Rum in die Höhe. Sie war angebrochen und mit einem Korken zugesteckt. Es war Rum aus ihrem privaten Vorrat, ein solcher, den sie selten trank und wenn, dann nur sparsam. Die Gelegenheit musste feierlich oder ernst genug sein.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 6:40 pm

Vhenan hatte keine Ahnung weshalb Neome sie nach einem neuen Wutausbruch in ihr Zelt zitiert hatte. Kaum hatte die kleine Naihlar den Brief der Hofdame gelesen, war ihr die Hutschnur geplatzt und sie hatte sich lautstark Luft gemacht. Sie verstand nicht weshalb sie jetzt auch bei Neome auf Unverständnis stieß. Was war denn los mit allen anderen?!
Aber sie war der Pakata gefolgt. Murrend, aber doch willig. Jetzt saß sie im Schneidersitz auf dem weichen Boden und starrte auf den Brief neben der Feuerschale. Sie hätte ihren eigenen vielleicht doch lieber verbrennen sollen!
Kurz hatte sie schon gedacht, dass Scriptoria sich über sie lustig machen wollte. Sollte ein Schreiber, besonders die Königin der Griffelspitzer, nicht auch 'schreiben können'. Aber dann war ihr Raûls Anliegen eingefallen. Auch Scriptoria hatte in Kelriothar wohl etwas verloren. Nani hatte das seltsame Schriftbild deshalb akzeptiert. Mehr aber auch nicht.

Die Kleine saß mit verstimmtem Blick da und versuchte ihr inneres Chaos irgendwie zu formulieren. Neomes Fragen war nicht einfach zu beantworten.
Alles.“, maulte Vhenan nach kurzem Schweigen los. „Ich weiß nicht was ich erwarte habe, aber nicht... nicht das... was ist denn mit diesen verdammten Schreibern los? Die eine in der Feldkanzlei war schon unfähig und jetzt DAS? Sie kann die Hälfte des Blattes damit verschwendet dieses Treffen anzupreisen aber sie hat nicht einen Satz für Rashid übrig? Nicht einen einzigen?!
Nani schüttelte wieder nur den Kopf. „Ich hab IHR geschrieben, weil ich mir Sorgen um Rashid mache. Weil er wegen MEINER Worte umgebracht werden kann. Und sie? Sie schreibt, dass sie mit anderen darüber geredet hat, aber nicht wie es danach um ihn steht!
Während die kleine Naihlar meckerte, wie sie es erst seit ihrem Verschwinden tat, schob sie Neome ihren Krug entgegen.
Offenes Ohr.“, tönte sie weiter. „Das geht in das eine Ohr rein und auf der anderen Seite des Kopfes kommt es wieder raus. Und dazwischen passiert rein gar nichts. Was ist denn so schwer daran einen winzigen Satz an das zu verschwenden was mir am Wichtigsten war? Ich denke ich war deutlich genug was das betrifft.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 6:51 pm

"Das kann ich nicht beurteilen", sagte Neome, nachdem sie Vhenan ausreden lassen hatte; dabei nahm sie einen ihrer langen Ärmel vorsichtig zurück, beugte sich in ihrem Sitz, der von dem Leder um ihre Körpermitte immer aufrecht gehalten wurde, nach vorn und goss Vhenan zwei gute Schluck ein. "Weil ich deinen Brief nicht gelesen habe." Sie goss auch sich selbst einen Schluck ein.
"Kommen dir ihre Worte aufgesetzt vor? Und als du geschrieben hast - hast du für dich selbst auch Konsequenzen befürchtet? Hat Rashid etwas gemacht, das schlimmer war als das, was du getan hast? Ich frage dich nicht: Und wie fühlst du dich dabei. Komm dir bitte nicht von mir veralbert vor, Vhenan. Aber mir fehlen ein paar Informationen. Wichtige, wahrscheinlich."

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 7:15 pm

Es war schwierig Neome nicht direkt aufgebracht und kopflos ins Wort zu fallen. Vhenan hielt sich nur mühevoll zurück. Und erst dann dachte sie tatsächlich darüber nach was gesagt worden war. Sie nickte kurz und lehnte sich mit dem Rum im Krug zurück.
Ja, ich weiß...“, räumte sie ein und seufzte leise. „Als ich den Brief geschrieben hab... war ich nicht bereit euch mehr zu sagen. Die Dinge einem Fremden zu erzählen war einfacher... es musste einfach sein... und ja, ich habe Konsequenzen befürchtet. Ich befürchte sie auch jetzt noch... für mich... für ihn...“ Nani trank einen Schluck, aber der Rum wollte ihr nicht wirklich schmecken. „Ich weiß nicht was er alles getan hat oder tun musste... zu einigen Dingen sind wir beide gezwungen worden... aber ich fürchte, dass ich etwas viel schlimmeres getan habe als er... vielleicht sind die Konsequenzen für mich schlimmer.“, sagte sie mit gesenktem Blick. „Ich weiß nicht, ob Rashid geredet hat. Ob er ihr davon berichtet hat... oder ob er aus gutem Grund schweigt und ich ihm die Haie auf den Hals gehetzt habe. Ich weiß auch nicht, ob die aus dem Norden geredet haben... das müssen sie doch eigentlich. Wenn die Statthalterin der Hauptstadt nicht mit den anderen Siegeln zusammenarbeitet, wie sollen wir dann gegen die Grauen eine Chance haben?... Interesse“, äffte sie den ersten Satz des Briefes nach“... bringt uns da nicht weit.“ Nani schüttelte den Kopf und mied den Blick der Pakata. „Ich hab ja erwartet, dass sie mit nem Stock im Arsch schreibt, aber so?! Vielleicht ist Rashid längst tot und sie hat ihn deswegen nicht erwähnt...
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 7:29 pm

"Manchmal erwähnen Leute Dinge nicht, weil sie sie für selbstverständlich halten. Und du hast schon Recht. Manchmal drücken sich die Leute wirklich selten dämlich aus, meistens dann, wenn sie nicht wissen, wie sie etwas sagen sollen. Ich stell mir eine Frage", erzählte Neome, lehnte sich im Schneidersitz zurück und trank erst einen Schluck. Ihr schmeckte der Rum nicht fad. Ein dickflüssiger, nussiger Tropfen. Wer lange genug mit ihr unterwegs war wusste, dass sie Sorten mochte, die in Portweinfässern gelagert worden waren. "Ich frag mich, ob die Frau dir so geschrieben hat und nicht anders, weil sie es nicht anders wollte. Oder ob sie so geschrieben hat, weil sie es nicht anders konnte. Durch wie viele Hände geht dieser Brief, bis er versiegelt und zu dir geschickt wird. Wissen wir das? Welche Erwartungen - und wessen - hat sie zu erfüllen versucht, als sie geschrieben hat. Manchmal klingen Worte dumm, weil sie übervorsichtig sind, und das scheint unpassend, weil ein anderer die Barrieren der Vorsicht längst durchbrochen hat. Dann herrscht Ungleichgewicht. Und unausgeglichenheit. Nenani, hast du dir schonmal die Frage gestellt, ob Rashid vielleicht deshalb nicht erwähnt wird, weil diese Leute gar nicht in Erwägung ziehen, ihm irgendwas zu tun oder ihn für etwas zu bestrafen, wozu andere ihn gezwungen haben? Es klingt nicht, als ginge es für dich zur Schlachtbank. Jedenfalls nicht aus deren Sicht." Sie tippt auf den Brief. "Kann doch sein, dass sie dir _das_ klarmachen wollte, als sie davon geschrieben hat, dass es guten Wein gibt?"
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 8:03 pm

Selbstverständlich?!“, motzte Vhenan dazwischen, schwieg dann aber respektvoller. Trotzdem schüttelte sie widerwillig den Kopf. Ein stiller Protest musste sein!
Nani wartete halbwegs geduldig, nur ihr Fuß wippte auffällig, bis Neome die angekündigte Frage stellte. Dann stutzte sie. Warum fragte Neome soetwas? Vorerst schwieg die kleine Naihlar und lauschte den Ausführungen der Pakata, die leider meistens doch irgendwie Recht hatte. Nur kam Vhenan selten allein an diesen Punkt der Erkenntnis.
Genau wie jetzt.
Mit gutem Wein kann man so gut wie jeden anlocken. Was ist wenn es doch nur ein Henkersmahl ist?“, fragte sie misstrauisch und blieb uneinsichtig.

In meinem Brief standen Dinge, die viel gefährlicher waren als dieses Geschmier hier.“, sie machte eine abfällige Handbewegung in Richtung des Briefes. „Ich habe meinen Boten gründlich gewählt und ich hab ihn angemessen bezahlt. Mein Brief ist nur durch meine, Tonars und ihre Hände gegangen! Und diese Antwort hier sollte den gleichen Weg zurückfinden!“, antwortete Nani, denn genau diese Erwartung hatte sie selbst gehabt. „Wenn ICH es schon schaffe einen Brief an ihre Tür zu schmuggeln, dann sollte die Königin der Schreiber das doch wohl auch schaffen. Gerade wenn sie weiß um was es geht. Hier ist nichts selbstverständlich! Und wenn sie richtig gelesen hat, dann sollte ihr das klar sein! Oder aber alle Schreiber am Hof sind unfähige Idioten, an denen alles abprallt. Ich habe zwei Versuche gebraucht, um diese Informationen an den Hof zu bringen. Und jetzt soll ein dritter folgen? Persönlich! Als ich das letzte Mal einem Fremden blind vertraut habe, weil die Oaui und Edalphi ja angeblich auf unserer Seite stehen, bin ich fast umgebracht worden!“, stellte sie bitter klar.

Dieser Brief...“ Sie sah auf das Stück Pergament und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht warum, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich ihr trauen kann... nicht, wenn sie SO schreibt... ich hab... ich hab irgendwie mehr erwartet. Kein höfliches Gestakse. Ich hab nicht ihren Rang angeschrieben, sondern SIE. Aber vielleicht hat sie das nicht verstanden...

Vhenan fühlte sich durch so viel Höflichkeit regelrecht beleidigt.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 8:46 pm

"Vhenan", herrschte Neome, oder es schien so, aber im nächsten Moment war schon klar, dass sie nur einen Appell gesprochen hatte, damit die Andere sich nicht reinsteigerte. "Niemand erwartet von dir, dass du ihnen vertraust. Aber vor lauter Misstrauen vergiss eines nicht. Es sind Fremde. Die sprechen eine andere Sprache. Machst du es ihnen zur Alleinschuld, wenn ihr einander deshalb nicht versteht?"
Neome rückte das Kreuz gerade - noch gerader - und schnappte nach dem Brief. "Ich versteh schon, dass es dich ärgert. Es ist ja auch wieder typisch banishosha-mäßig geschrieben." Sie klang selbst ein bisschen verständnislos oder ärgerlich und schmunzelte nicht, aber um ihre Mundwinkel zuckte die Versuchung. "Lass uns den Brief nochmal mit klarerem Auge lesen.

Sie spricht von Interesse, aber auch von Entsetzen. Hier steht Mitgefühl, nicht Schuld. Von Schrecken, die lauern. Ich sehe darin nirgends den Verdacht, dass jemand dich für das Geschehene verantwortlich machen könnte. Erfolgt eine herzliche Einladung für diejenigen, denen man zürnt? Und ich weiß nicht, ob du so wichtig für sie bist, als dass sie ihr Fest extra deinetwegen zu einer Henkerei umgestalten würden. Angenehme Gespräche sollen dich deine Sorgen vergessen lassen." Sie senkte den Brief. "Natürlich kann es alles ein Lockmittel sein. Stell dir eine Frage. Was hältst du für wahrscheinlicher? Dass sie dich austricksen wollen, mit einem billigen und schlechten Trick, oer dass sie selbst wissen, wie heftig diese Angelegenheit ist und sie deshalb nicht wissen, wie sie mit dir umgehen sollen, folglich wählen sie den Weg, der ihnen am sichersten scheint. Ist es wahrscheinlicher, dass sie dich bestrafen wollen, obwohl sie wissen, dass andere Schuld sind, weil sie unter diesen selbst zu leiden hatten oder ist es wahrscheinlicher, dass du die Schuld, die du dir selbst gibst, auf die anderen überträgst, Vhenan?"



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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 9:36 pm

Unwillig ließ sich Nani von Neomes harschem Ton in die Schranken weisen und hielt den Mund. Das musste man häufiger mit ihr machen und es war tatsächlich meistens Neome, die Erfolg hatte. Sie war ja auch die Pakata. Also lauschte Nani und stellte im Laufe der Rede zähneknirschend fest, dass an den Worten etwas dran war. Sie rutschte bei dieser Erkenntnis etwas auf dem Boden herum.
Ja. Vielleicht.“, murmelte sie leise. Ein bisschen tat sie es... Scriptoria war in Vhenans Augen gerade vollkommen unfähig, weil die Naihlar glaubte sich unverkennbar klar ausgedrückt zu haben. Wie konnte man das falsch verstehen! Dabei hatte sie schon schriftlich mitten im Brief gelegentlich wütend nach Luft schnappen müssen... vielleicht hatte Neome doch recht. Nani brummte noch einmal, weil sie nicht zugeben wollte, dass sie falsch lag und trank einen Schluck Rum. Sie würde es nicht laut sagen!

Immerhin stieß sie nicht ganz auf taube Ohren. „Ajdû badeen mi dundra ân banishoshad!“, beschwerte sie sich leidend, ließ sich aber mit einer entspannteren Körperhaltung auf Neomes neuen Versuch der Sinnfindung ein. Vielleicht musste sie ihre Wut erst vergessen und... ihrem Verstand die Oberhand lassen. Ihr Herz meckerte dabei beleidigt.

Ja... von Interesse!“, warf Vhenan abwertend in Neomes Worte. Interesse. Das zweite Wort hinter der Anrede hatte sie innerlich schon zum Kochen gebracht. Allein der Gedanke daran entfachte ihre innere Glut neu und Vhenan musste sich sehr beherrschen Neome tatsächlich zu folgen.
Die wissen doch gar nicht was herzlich ist.“, maulte sie beleidigt. „Die rennen nicht, die stöckeln! Ich glaube nicht, dass die überhaupt echt und ehrlich lachen können. Wenn dann nur verhalten hinter einem Tuch aus Seide, damit es bloß keiner sieht!“, urteilte Nani wieder grob.

Dann musste sie ein zweites Mal zähneknirschend zugeben, dass Neome wieder nicht Unrecht hatte. Es war frustrierend wie sehr die Pakata sie durchschaute. Die Schuld lag immer noch in der Luft. Vhenan sah zu Boden.

Aber... wie soll ich das machen? Wenn ich da hingehe.. wenn ich da bin... bei denen... wie soll ich denn mit denen reden ohne jedes Mal einen Wutanfall zu bekommen? Die reden doch nur so! Immer! Das geht mir bei Chattras schon furchtbar auf den Sack, aber bei dem kann ich weghören... und wenn ich wieder hinhöre, dann redet er immer noch.“, stellte sie fest und grinste zum ersten Mal verhalten. „Angenehme Gespräche... das heißt es wird stinklangweilig! Falls du recht hast. Wie... soll ich da sein ohne mich lächerlich zu machen? Und ohne rauszufliegen? Wir könnten Wetten abschließen wie lange es dauert bis ich vor der Tür sitze.
Immerhin war sie erst kürzlich aus dem Kartenhaus geflogen, nur weil sie einmal ganz kurz laut gewesen war. Das Kartenhaus würde den Banishoshad gefallen. Es wäre ein Paradies für Scriptoria. Vhenan hasste es, wenn Kharabhoudian wieder einen schlechten Tag hatte.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 10:22 pm

Neome trank Rum und wartete geduldig und beobachtete, wie die Einsicht einsickerte, sich wie Licht unter eine Oberfläche grub und die Risse darin zeigte.
"Äth." Sie nickte. "Ar iä badenn njenn njeme, Nenani. Sie sind nichts anderes gewohnt. Du kannst wütend auf sie sein, weil sie nicht auf die Idee kam, dass Nachricht über Rashid dir wichtiger ist als ihre Einladung. Sie hat etwas übersehen. Vielleicht ist sie auf diesem Auge blind oder hat das Sehen einfach noch nicht gelernt. Die Karten haben nicht gelogen. Wenn sie wäre wie du und du wie sie, dann hättet ihr einander nichts zu geben. Vielleicht ist es ein Mädchen aus dem Volk der Naihlar, das ihr noch etwas beibringen kann. Wird es leicht? Nein. Aber könntest du Ehre empfinden, eine Prüfung bestanden zu haben, wenn sie dir leicht vorkäme?"

Sie regte sich auf ihrem Kissen und schob den Rumkrug zur Seite, denn er war leer.
"Ich stelle mir die Frage, warum sie dich allein dorthin laden. In unserem Volk würde man soweit denken, dass Gastfreunschaft kein Einsiedler ist. Sie hätten jemanden einladen können, um dich zu begleiten. Doch das haben sie nicht. Es gibt niemanden, der dich von dieser Prüfung ablenkt und dich vergessen lassen könnte, dass es eine ist. Was spricht dagegen, ihnen zu erklären, dass man da, wo du herkommst, anders feiert. Und wer weiß - vielleicht überraschen sie dich ja und sind lustiger als man meint...wenn sie erst mal unter sich sind. Andernfalls, du bist doch geschickt. Nethir njen en zcarthszithid mi njenn gdemed.."
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jan 29, 2016 11:22 pm

Nein... ein geschenkter Sieg ist nichts wert.“, stimmte Nenani nickend zu. Sie mochte Wettkämpfe und sie verlor nicht gerne. Aber hin und wieder war eine Niederlage in Ordnung, wenn ihr Gegner würdig war und besser. Auch das musste man anerkennen. Sollte sie das tatsächlich als Prüfung ansehen? „Ich bin und bleibe aber wütend. Das werde ich ihr auch sagen. Ob ich dann wieder angezischt werde oder nicht...“, prophezeite die Kleine und begoss diesen Schwur mit einem Schluck Rum.
Vielleicht hab ich sie auch beleidigt und sie ist deswegen so komisch. Ich weiß es nicht.“, mutmaßte sie dann aus ihrer Einsicht heraus und zuckte mit den Schultern. Denkbar war das leider schon.
Soll das die Fassade sein? Da brauch ich viel Anlauf um die einzureißen...“, dachte Nani laut über die Karten nach. Einer von ihnen musste etwas tun, aber Vhenan sah sich nicht zwangsweise in der Bringpflicht. Wenn sie wollte, konnte sie einfach hinter ihrer Fassade herausspazieren und dieses Gestakse mit klaren Worten beenden. Das hatte sie eigentlich schon im Brief getan, wie sie dachte... aber vielleicht waren die am Hof welche von der langsamen Sorte... und vielleicht hatte Neome wieder Recht und persönlich war Genefe anders. Hoffentlich. Konnte ja nur besser werden. Vhenan verzog bei dem Gedanken leidend ihr Gesicht und hoffte auf Neomes Rat.
Vielleicht galt diese... Allianz nur mir und meinem Rumkrug, weil Scriptoria mir Kopfschmerzen macht“, witzelte sie halbherzig, obwohl sie den Karten natürlich vertraute. Die Karten logen nicht, es gab nur hin und wieder kleine Missverständnisse. Die verhärteten Fronten waren auf jeden Fall spürbar da. Die Lady war da.

Nenani lauschte der Pakata und nickte bedacht. „Ja... aber vielleicht haben sie nicht so viele Freunde, die sie einladen können.“ Wieder legte sich ein Grinsen auf ihre Lippen. Dieses Mal breiter und am Ende lachte sie laut bei dem Rat der älteren Naihlar. „Ja... mamelaszithid, hm? Vielleicht sind die Feiern so grausam, dass man da nur einmal hingeht... wenn das so ist und niemand ein zweites Mal eingeladen wird... Ma Horai.“ Sie prostete Neome grinsend zu und trank den Krug Rum leer.

Anmei. Für den Rum... und den Rat... auch wenn ich es immer noch scheiße finde... wie kann man denn nur so sein. Das tut doch irgendwann weh... ich muss ihr mal zeigen wie wir das hier mit den Gefühlen handhaben... schade, dass du nicht da bist, um mich zu bremsen. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe da ruhig zu bleiben. Aber vielleicht ist ein Ausbruch mal gut für die...


Zuletzt von Vhenan am Sa Jan 30, 2016 2:27 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 12:11 am

"Du hast das Recht auf Wut. Aber vergiss nicht, dass es viele Formen gibt, Wut auszudrücken, und dass es keinen Sinn macht, eine zu wählen, durch die du sie nicht loswerden kannst. Und was die Fassade betrifft. Wenn sie stark ist, macht größerer Anlauf den Aufprall nur härter. Du bist doch geschickt und klug. Du weißt, wie man Schlösser knackt. Dann weißt du auch, wie man Schwachstellen findet und dann Stein um Stein abträgt."
Vhenan war ruhiger, sie war offener und sie lächelte nun wieder öfter. Und ohne, dass sie es beabsichtigt hatte, ließ sich Neome von ihr anstecken, lachte leise über den ein oder anderen Spruch, blickte oben in den höchsten Winkel des Zeltes und gestand ihr kopfneigend ein gewisses Recht zu.
"Es ist schade. Aber es ist auch wichtig." Dann verlor sich ihr Lächeln von jetzt auf gleich. "Es gab andere Stunden, in denen ich wichtiger gewesen wäre und nicht da war." Dann, recht rascht, hob sie eine der beringten Häne. "Gut für die, das mag schon sein. Ich bitte dich nur darum, darauf zu achten, dass es nicht schlecht ist für _dich_. Das ist, was mich wirklich interessiert."

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 1:12 am

Vhenan versuchte ihr Lächeln aufrecht zu erhalten, aber es wirkte mit jedem Augenblick weniger echt.„Es bringt dir einen Scheiß, wenn du eine Tür aufbrichst und dahinter nur weitere Schatten lauern.“, murmelte sie leiser. „Aber einen Versuch ist es trotzdem wert.
Es könnte immerhin auch ein Ausgang sein. Eine Schatzkammer mit viel Gold darin. Oder nur ein leerer Raum. Oder aber ein Mensch, der sprechen konnte ohne so ein furchtbarer Banishosha zu sein. Vhenan dachte kurz darüber nach warum die am Hof diese Räume verbarrikadierten, obwohl sie doch am Wichtigsten waren. Das war für sie nicht nachzuvollziehen. Wie konnte man so miteinander leben?

Trotzdem versuchte sie den neu gefundenen Elan nicht zu verlieren. Es stand völlig außer Frage, ob sie gehen würde. Natürlich. Stolz und Wut hin oder her, sie hatte bereits einen Kontakt aufgebaut, weil sie wusste wie wichtig es war. Und wenn sie jetzt noch einmal reden sollte... dann sollte es so sein. Wenn das allerdings immer noch nicht genug war, würde ihr wieder die Hutschnur platzen! Und dem Archon zur Not persönlich sagen was sie davon hielt. Irgendwann reichte es mal!

Nani sah Neome stumm und für ihre Verhältnisse recht undurchsichtig entgegen, als die Stimmung wieder ernster wurde. Sie hatte ihren Kurs bekommen. Einen, den sie selbst im wütenden Nebel nicht gefunden hätte.
Es ist nicht deine Schuld, dass du nicht da warst... da drüben war jeder allein.“, stellte sie fest. „Mal mehr, mal weniger...“ Die Naihlar sah in ihren leeren Krug. „Du hast versucht für mich da zu sein und ich hab dich weggestoßen... ich weiß nicht was passiert wäre, wenn Rashid mich nicht zu Vernunft gebracht hätte... ohne ihn hätte ich nicht überlebt... ohne die anderen. Vielleicht ärgert es mich deswegen so sehr. Aber vielleicht … vielleicht kann Scriptoria das nicht verstehen... ich hab sie angeschrieben, weil ich glaube, dass sie keine Ahnung hat wie man eine Waffe führt... sie allein könnte Rashid gar nicht töten. Aber vielleicht kann sie deswegen auch nicht wissen was diese Information mir bedeutet. Ich glaube nicht, dass sie diese Bande versteht, die man teilt, wenn man gemeinsam Blut vergossen hat.. vielleicht kann ich es ihr erklären. Falls ich sie nicht vorher versehentlich beleidige und sie davonstöckelt...

Nani balancierte den Krug nachdenklich in einer Hand und musterte die Pakata dann ernst.
Als du gestolpert bist... stand ich die ganze Zeit an deiner Seite. Und ich hab nichts getan. Mallo hat dir Hilfe geholt. Nicht ich... obwohl ich schon lange vorher wusste wie schwer es dort war... ich hab nur geholfen dich tiefer in den Abgrund zu ziehen... und dann war ich wochenlang wütend darüber, dass du da unten warst... das war nicht gerecht. Auch ich schulde dir eine Entschuldigung. Ich hätte besser sein müssen... ich will jetzt besser sein. Egal was es kostet... es spielt aber keine Rolle was mit mir passiert, solange die endlich hinhören. Ich weiß nur nicht, ob sie das tun... außer mit... Interesse.
Da war wieder dieses bescheuerte Wort!
Was wollen die tun? Mich rauswerfen? Im schlimmsten Fall bringen sie mich doch um... und wenn nicht sie.. dann vielleicht irgendwer anders... was ist schon ein Leben, wenn dadurch viel mehr gerettet werden. Ich bin nur noch am Leben, weil sich jemand für mich geopfert hat... wenn ich die verprügeln muss, damit sie begreifen was dieses Opfer wert ist, werde ich es tun. Die haben da drüben eindeutig die falschen Prioritäten.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 1:57 am

„Schatten“, wiederholte Neome. Ihre Augen hatten eine seltsame Blässe im Dämmerlicht und unter den Rauchvorhängen des Zelts. „Sind etwas, gegen das man sich vorbereiten kann. Stell sicher, dass du Licht bei dir hast. Und zerbrich dir vorher nicht zu sehr den Kopf. Manche Wege werden erst zu Wegen, nachdem einer sie gegangen ist.“

Sie hatte keine Absolution von Vhenan erfragt und erhielt sie nun doch. Mit einem ernsten Schweigen, das wie Nebel über ihren Zügen hinm folgte Neome allem, was sie sagte.
„Du kannst versuchen es ihr zu erklären. Aber sei nicht enttäuscht, dass sie es niemals nachvollziehen kann, solange sie es nicht selbst erfahren hat. Sie kann nur versuchen, es sich vorzustellen. Und das ist nicht dasselbe.“ Neome lächelte müde.

Als Vhenan begann, sich an der Situation in der Spiegelwelt die Schuld zuzuschreiben, ruckte sie mit dem Kopf, hin, her, um ihn zu schütteln.
„Nichts war gerecht da drüben. Aber du hast mich nicht runtergezogen. Sondern die Welt. Es gibt Dinge, für die sind wir nicht gewappnet. Diese Spiegelwelt saß wie ein fremder Feind in meinem Kopf. Es gab nichts, was du hättest tun können.“ Sie schob, womöglich nur, um ihre Hände zu beschäftigen, die Schale mit dem Süßgraszopf etwas seitlicher. „Wenn der Nebel dick genug aufzieht, sieht man die Bäume neben sich nicht mehr, ganz gleich, wie dicht sie stehen.“ Sie brummte und streckte ein Bein aus. „Genug von den ganzen Bildern. Ich will von dir keine Entschuldigung hören, Nenani, du schuldest mir keine. Du warst so gut wie du warst und keiner von uns war besser. Wir sind aber alle jetzt besser als wir an dem Tag waren. Das zählt. Der Rest nicht. Und..“ Sie schmunzelte abgehackt. „An Interesse ist nichts verkehrt. Interesse bedeutet, sich einer Sache nicht verschließen. Wenn wir uns an einem einzigen Wort aufhängen, vergeuden wir am Ende zuviel Konzentration darauf und verpassen das Wesentliche. So wie die, die wir bemängeln?“ Um ihre Mundwinkel spielte ein vages Schmunzeln.
„Niemand wird dich umbringen. Sie wissen, dass wir nicht ihre Feinde sind. Und das will auch niemand.“ Kurz schienen ihre Wangen knöchern, da sie sie in die Luft hobund einen hässlich garstigen Blick aus dem Zelt hinaus schießen ließ. „Niemand bringt dich um“, wiederholte sie dann noch einmal, viel weicher.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 2:52 am

Innerlich stimmte Vhenan Neome nicht zu, sagte aber vorerst nichts. Sie hörte mit deutlich aufkeimender Abneigung im Blick zu und schwieg. Ihr Blick lastete mit einem Mal unerwartet richtend auf Neome. Es schien als sei ihr Verständnis verbraucht, der Rat der Pakata hatte sein Ende erreicht.
Einige waren besser.“, hauchte sie leise, bevor ihre Stimme kräftiger wurde. „Du kennst die Schatten nicht, von denen ich rede. Kein Licht kann dir helfen, wenn es verschluckt wird und einfach verschwindet. Du kannst dich nur blind im Dunkeln vorantasten. An manchen Orten gibt es kein Licht. Hör auf eins zu suchen. Es gibt keins. Und bevor ihr das nicht begreift, ihr alle... wird keiner von euch diese Monster als das sehen was sie wirklich sind.

Vhenans Blick lastete mit bisher unbekannter Härte auf Neomes. Sie stellte den Krug beiseite und richtete sich in ihrer Haltung etwas auf. „Du kannst mir nicht versprechen, dass mich niemand umbringt. Du weißt nicht was da drüben passiert ist... und ich wills dir nicht sagen...
Nani schüttelte den Kopf, konnte die zurückkehrenden Bilder aber nicht abschütteln.
Ich weiß nicht... ich weiß nicht, ob ich so gnädig sein könnte, wenn das jemand mit dir gemacht hätte... vielleicht wäre es mir egal ob derjenige Schuld daran trägt. Du weißt wie man sein kann, wenn man wütend ist... vielleicht sind die Banishoshad da oben gnädiger als ich denke. Dann habe ich vielleicht wieder Glück. Aber vielleicht auch nur hier. Es sind schon Menschen für weniger Schuld gerichtet worden. Gnade ist selten.... Erinnerst du dich an unsere Ankunft hier? Als Raûl sich missverständlich ausgedrückt hat und wir für einen kurzen Moment dachten der Navigator würde den Weg nach Ortac kennen? Er hätte sterben müssen und jeder von uns wusste das. Hatte er Gnade zu erwarten, weil Raûl wieder zu viel geredet hat? Obwohl den Navigator keine Schuld traft? Nein. Er hätte sterben müssen und jeder von uns hätte es akzeptiert.... wenn jemand herausfindet was in Kelriothar wirklich geschehen ist... und diejenigen, die Glück hatten und leben doch umbringen... dann regen sich vielleicht einige wenige auf, aber... viele würden es akzeptieren. Zu manchen Zeiten waren auch wir dort der Feind.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 2:35 pm

„Keiner kennt die Schatten eines anderen. Deshalb ist es töricht, die seinen mit denen der anderen zu vergleichen, Vhenan.“ Ihre Stimme war fester geworden, gemahnend, wie ein Schild, den sie vor Vhenans Wut hochriss, anstatt sie zu erwidern. „Nicht nur dort, wo du warst, gibt es Schatten. Und wo kein Licht ist, da hast du immer noch deine anderen Sinne. Deinen Verstand. Schärfe den, anstatt dich immer nur in schnellen Gefühlen zu ergehen!“

Sie zog ihre Beine wieder an, den Kopf ein wenig seitlich, die Augen und Wangen gespannt und Vhenan vorfühlend entgegen gerichtet.
„Du kannst nichts dafür, dass es dich getroffen hast und du all das erfahren musstest. Hör aber auf, zornig auf die zu sein, die es nicht erfahren mussten. Sie sind genauso wenig Schuld. Im Übrigen habe ich dir gar nichts versprochen. Ich habe dir nur gesagt, was ich glaube. Dein Einwand ist natürlich klug und berechtigt.“ Sie lächelte zugestehend, aber es war ein rasiermesserscharfer Ausdruck von gewisser Anerkennung und keiner von Heiterkeit. „Der Mann, den du erwähnst, hätte sterben müssen. Er wäre eines Tages verschwunden und keiner hätte gewusst, wo er hin ist. Solltest du verschwinden, wissen wir, wen wir dafür verantwortlich machen. Der Rosenhof braucht Verbündete und keine Feinde. Sie schreiben dir auf diese Weise, mit so komischen Worten“ Noch einmal zuckte ihr Blick zu dem Brief „Weil sie sich respektvoll ausdrücken wollen. Weil du ein wertvoller Quell für sie bist. Also? Was hältst du davon, dir deine Sicherheiten auszuhandeln, bevor du zulässt, dass sie dich erschöpfen?“
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 3:19 pm

Töricht? Vhenan horchte auf, als dieses Wort fiel. Es fiel recht häufig, sobald sie involviert war.
Ich weiß nicht wie ich diese Gefühle einfange.“, gab sie zu. „Mein Herz ist schneller als mein Verstand. Ich weiß nicht, ob ich das ändern will.

Hin und wieder schlug ihr Kopf aber auch zu. Leider war es in diesem Fall schon zu spät.
Ich kann nicht mehr verhandeln... die wissen schon alles. Bis auf kleine unwichtige Details.“, gab Vhenan zu und lächelte matt. „Es war vielleicht dumm... ich hab alles auf keine Karte gesetzt ohne mein Blatt auch nur anzusehen... aber... DIE müssen den Pott gewinnen... jeder andere kann aus dem Spiel fliegen... dafür haben wir in Kelriothar in blinder Hoffnung gearbeitet... geblutet... wir haben Informationen gesammelt. Als Geschenk. Nicht als Ware. Und das habe ich nur mit Wut und schnellen Gefühlen geschafft. Ich weiß nicht was passiert, wenn meine Aufgabe hier erfüllt ist... dann bin ich kein Quell mehr... ich in es eigentlich jetzt schon nicht mehr.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 3:43 pm

"Der Weg zwischen Kopf und Herz ist der längste überhaupt, hab ich mal gehört", schmunzelte Neome mit einer gewissen Nachsicht. "Wir sind alle nicht gefeit davor." Dann vertiefte sich ihr Ausdruck und gewann Wärme, als Vhenan davon sprach, kein Quell mehr zu sein.
"Das weißt du. Der Trick ist es, sie dessen nicht so sicher sein zu lassen. Dein tatsächlicher Nutzen für sie ist weniger wichtig als der Nutzen, den sie dir zuschreiben. Sieh es als Prüfung. Ich weiß, es ist keine leichte. Ich wünschte, ich könnte dir mehr dabei helfen. Aber keiner kann dir das abnehmen. Es ist die deine. Sie haben gesehen, dass du Wert hast. Jetzt ist es an dir, ihnen klar zu machen, dass du ihn auch behalten kannst, deinen Wert. Such dir dort Verbündete. Und mach es dir zur Stärke, dass sie anders sind als du, denn das macht es ihnen schwerer, dich zu durchschauen." Ihre Augen drifteten wie ein Deut zu dem Kartenstapel, der etwas abseits verrutscht auf einer Kiste lag. Und dann zurück zu Vhenan. "Leider gibt es keine klare Route für diesen Weg. Du wirst ihn selbst finden müssen, indem du ihn gehst. Wen willst du für die Reise mitnehmen?"

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jan 30, 2016 5:36 pm

Wieder sah Vhenan seufzend zu Boden.
Nein.... wenn ich jetzt so tue als wüsste ich mehr, würde ich mein Wort brechen.“, antwortete sie und schüttelte selbst mit einem traurigen Grinsen den Kopf. „Ich habe nichts zum Verhandeln. Gar nichts. Ich habe ihnen versichert, dass das alles ist was ich weiß und dass es die Wahrheit ist... ich wollte, dass sie mir glauben. Da war kein Platz für Tricks oder Stolz oder Sicherheiten. Rückwirkend betrachtet war es das dümmste, was ich tun konnte, aber es war notwendig... die wenigen Details, die sie nicht kennen, sind kaum wichtig genug, um irgendetwas zu fordern.
Vhenan hob ihren Blick wieder.
Ich kann ihnen nichts anbieten, ich kann ihnen nicht drohen... ich kann nur hoffen, dass.. der Wille ihnen zu helfen vielleicht etwas Wert ist. Eine Treue, die sie sich noch gar nicht verdient haben...“ Nani schüttelte den Kopf. Sie traute dem Hof nicht und sie mochte ihn nicht einmal.
Vielleicht finde ich aber auf dem Weg etwas, das mir hilft.“, gab sie zuversichtlicher von sich und nickte leicht. „Es ist keine Prüfung, die ich ablehne. Ich weiß nur nicht, wie ich mich darauf vorbereiten soll... aber wenn du recht hast, wissen die das auch nicht. Die rechnen wahrscheinlich nicht mit....“ Nani grinste nun stolz. „Jemandem wie mir.“ Sie lachte leise. „Ich habe in meinem Brief an sie auch gestakst. Mit Worten, die sonst nur Chattras, Jael oder auch Vayle benutzen... glaub mir, das war schwer... aber ich wollte ihnen ein wenig entgegen kommen... vielleicht ist das mein Trumpf. Verwirrung und Chaos... darin bin ich gut.
Wenn sie länger darüber nachdachte, desto sicherer fühlte sich die Naihlar tatsächlich. Das konnte ein Trick sein von dem Neome sprach, wenn auch in anderer Absicht. Sie war nichts, das man auf etwas festlegen konnte. Nani versuchte das zu sein was man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein musste, um die besten Karten abzugreifen. „Im Höflichsein allerdings nicht... das ist mein Klotz am Bein...

Dann dachte sie einen Moment nach. „Ich dachte daran... die See, die Sehnsucht und Regir mitzunehmen.“, scherzte sie nicht ohne Wahrheit im Blick. „Und Tonar. Meinen Boten... er ist den Weg zweimal gelaufen. Jedenfalls in die Hauptstadt. Er kennt den Weg und ich mag ihn. Er redet gern und viel. Langweilig wird es mit ihm nicht und er hat ein paar Geschäfte zu erledigen. Willst du mitkommen? Vielleicht in die Hauptstadt? Den letzten Weg beschreite ich allein, aber.... vielleicht ist es nicht verkehrt ein wenig von dem Reich zu sehen, in dem wir uns ein Nest bauen...
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Feb 01, 2016 11:56 am

"Von Lügen habe ich gar nicht geredet. Es ist nicht so schwer, wertvoll für jemanden zu werden. Das schwierige ist, es auch zu bleiben. Sie wissen nicht, wie wichtig du für sie werden könntest. Du gewinnst schon etwas, wenn du dein Verhalten sie erwägen lässt, und sei es noch so subtil, dass du ihnen in irgendeiner Weise noch wichtig sein könntest."

Es war viel geredet worden. Neome blickte zum Süßgras, das seinen waldmeisterartigen Geruch im Zelt austrug. Es gab Archonten, dort, wo sie herkamen, aber sie waren anders als hier. Ein Archon, das war auf Ortac so etwas wie der König. Und die meisten Könige kümmerten sich nicht um die kleinen Dinge. Hier, für die ihren, war sie so etwas wie der Archon, und sie wollte so sein wie der ihres Volkes. Bei den Naihlar war der Anführer den Leuten ein Vertrauter, ein Freund. Er stand den Seinen zur Seite.
"Wenn es dir hilft, begleite ich dich und bleibe in der Nähe. Ich könnte eine kleine Reise gut vertragen, mir die Gegend ansehen, die Leute...und hören, was passiert. Allerdings wird Mallo sich anschließen wollen, wenn er es hört, wetten? Was soll ich ihm sagen?" Kurz hatte sie gestockt. Manchmal war sie unentschlossen, ob sie über Malen tatsächlich wie einen Mann sprechen sollte. Aber bei ihr durfte jeder das sein, was er wollte, also tat sie ihr den Gefallen.

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Feb 01, 2016 12:33 pm

Wichtig werden für den Archon? Vhenan hob skeptisch ihre Augenbrauen und wirkte unschlüssig. „Hm.“, brummte sie leise und beließ es dabei.
Ich werde es versuchen....“, versprach sie und nickte nachdenklich. Sie würde sich über Neomes Worte nachträglich noch ein wenig den Kopf zerbrechen.

Die Wette gewinnst du.“, entgegnete Nani mit einem ehrlichen Lächeln. Mallo würde sich aufdrängen und ein Nein nur unter heftigstem Protest akzeptieren. Wenn überhaupt. „Meinetwegen soll er mitkommen. Ich habe nichts dagegen... dann wird wenigstens die Reise nicht langweilig. Und er kann so tun als würde er uns beschützen.“, erlaubte sie sich einen spitzen Seitenhieb. Liebevoller Art. Mallo war Mallo.

Dann komm ich auch nicht in Versuchung auf halber Strecke beizudrehen.“, bemerkte sie leiser und selbstkritischer. Sie wusste wie wichtig diese Aufgabe war, aber vor Furcht war dennoch niemand sicher.
Dann sah sie zu dem Brief zurück.

Habe ich hier wirklich übertrieben?“, fragte sie und schüttelte einmal mehr den Kopf. „Ist das die Banishoshaart, mit der wir hier jetzt immer leben müssen? Ich weiß nicht.... sie hätte sich ja wenigstens mal bedanken können. Aber scheinbar ist für sie so einiges selbstverständlich... und dann fuchteln die mit ihrer Etikette herum und mahnen uns ab, weil wir unhöflich und laut sind... Cath û!“, meckerte Nani noch einmal abschließend, griff aber noch einmal nach dem Brief.

Ich versteh das nicht... sie ist so förmlich... aber sie hat nicht mit ihrem Rang unterschrieben. Nur mit ihrem Namen... ist das nicht ein Widerspruch? Vielleicht stakst sie persönlich auch und kann gar nicht anders... Oder ist sie gar keine Schreiberin mehr? Offiziell? Als ich ihr geschrieben habe wusste ich nicht, dass sie ihre Fähigkeiten verloren hat... vielleicht hat der Archon sie deswegen abgesägt und sie hat wegen mir Schwierigkeiten bekommen...

Vhenan sah unschlüssig auf den Brief und schüttelte nur den Kopf. „Na ich werde es ja sehen... Reisen bei denen man vorher weiß welche Gefahren auf einen lauern sind nur halb so abenteuerlich... nur bisher war es nie so wichtig.... danke, dass du mitkommst.
Nani rollte den Brief zusammen und steckte ihn in ihren Gürtel. Dieses gestakste Geschmiere wollte sie vorerst nicht mehr sehen. Sie würde vor Ort schon genug Kopfschmerzen bekommen.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Feb 04, 2016 2:06 am

"Hast du übertrieben? Das ist möglich. Aber wir wissen es nicht. Das lässt sich erst sagen, wenn wir mehr über deine Scriptoria und ihr Gründe, so zu schreiben wie sie schreibt, wissen. Meistens wollen die Leute besser sein in dem was sie tun, sind aber eben nunmal nur so gut wie sie sind. Vielleicht meinte sie es besser." Sie hebt eine Schulter. "Allein dafür lohnt es sich, hinzugehen und zu sehen, was zwischen diesen Zeilen steht."

Allem anderen konnte sie nur zustimmen, auch Vhenans Spitze gegen Mallo, bei der sie jedoch die Loyalität besaß, abgesehen von einem kleinen Lächeln nichts weiter hinzuzufügen.
"Das ist selbstverständlich", sagte sie nur, als Vhenan sich bedankte. "Jeder hat seine Aufgabe. Und meine ist es, für euch da zu sein." Sie pausierte kurz. "Und das ist weniger schmierig gemeint als es nun gerade klang." Sie schüttelte sich und trank noch einmal ihren bereits leeren Becher leer. Bis auf den letzten Tropfen.

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jun 01, 2016 1:15 pm

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DAS DRITTE AUGE
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„Weise Vorsicht und törichtes Vorurteil lagern unmittelbar nebeneinander“, sagte Neome.
Dämmerung hing über der Jurte mit den vielen Kissen. Im Innern glomm eine gelbliche Lampe, die ihr Licht auf die Rauchkreise warf, die in unendlichen Schleifen von den Süßgraszöpfen hochstiegen. Eine Hand voller Ringe schob die kleine Schale von sich, in der die Zöpfe lagen.
Neome vermisste einen Vertrauten, jemanden, der ihr verlässlichen Rat zum Zwischenmenschlichen gab. Aber das dritte Auge war objektiv, wenn es in den Menschen hineinblickte. Zuweilen musste sie Rat mit sich selbst halten. Dieser Rat fand in einem gedanklichen Zwiegespräch der Impulse statt, das sich auf einen herkömmlichen Wortwechsel nicht herunterbrechen ließe, doch müsste man es, wäre es dem folgenden Dialog nicht unähnlich.
Das dritte Auge war ein Teil ihrer selbst, ein Vermögen ihres Geistes, damit war sie ihre eigene Ratgeberin und stand doch außerhalb ihrer persönlichen Involviertheiten. Der Blick, der sie betraf, drang von außen nach innen. Er tastete die Symptome ab wie die Hand eines Medicus einen Körper und stellte dann seine Diagnose.
Und zwischen weiser Voraussicht und törichtem Vorurteil gibt es keine sichtbare Grenze. Worauf beruht dein Misstrauen? Auf Fakten oder Interpretationen?
„Eines stößt das andere an. An dem Hang, an dem wir leben, braucht es vom einen nur das Geringste, um das andere in rasante Bewegung zu versetzen.“
Eine Gesetzmäßigkeit, die kleine Schubser zu großem Effekt bemächtigt. Ist es gerechtfertigt? Hat Raûl das Misstrauen der Leute verdient wie ihren Dank?
„Ich bin ihm dankbar.“
Und misstraust ihm.
„Aufgrund von Beobachtungen und Interpretationen, ja. Es wäre dumm, einen Mann, von dem man nichts weiß, zu vertrauen.“
Einem Mann, von dem man nichts weiß, zu misstrauen wäre klug – ist das der Umkehrschluss?
„Ach!“
Wie schmeckt ihm der Lohn für seine Dienste? Wenn seine Loyalität tadellos ist. Wenn seine Art allein der Anstoß ist, der Interpretationen scheinen lässt wie Fakten. Welchen Geschmack hinterlässt es auf seiner Zunge, wenn der Dank für seine Mühen euer Misstrauen ist?
„Er verdient also Beschäftigung. Vielleicht weiß er nicht, wie er wirkt. Vielleicht braucht er nicht weniger Zuwendung als die, die mehr danach aussehen.“
Gilt dein Misstrauen ihm? Oder misstraust du deinen Fähigkeiten zur Anführerin? Oder aber zürnst du ihm, weil du glaubst, dass er dich nicht für eine fähige Anführerin hält, sich als geeigneter ansieht?
„Er irrt sich.“
Ah. Hat er denn irgendetwas Derartiges gesagt?
„Nein. Natürlich nicht. Es sind meine eigenen Zweifel. Ich muss mich ihrer annehmen. Und seiner.“
Das Auge schwieg.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jun 26, 2016 7:03 pm

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VERRÜCKTES WETTER
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Heute Morgen noch hatten einige Naihlar lachend die Hände in den Himmel gereckt und Sprüche in den blasenden Wind gerufen. Dann hatten sich einige der Zelte aufgebläht und eines war aus dem Boden gerissen worden. Die Naihlar hatten darüber ihren Humor noch nicht verloren, die Jurte war, wie sie urteilten, laienhaft aufgestellt worden. Zu lachen aufgehört hatten sie erst, als der Hagel zu fallen begonnen hatte.

Im Zelt war es angenehm warm und trocken.
Neome hatte einen Ghalmarenjungen für ein Kupfer losgeschickt, damit er Vhenan aufsuchte und zu ihr bat. Da hatte es noch nicht geregnet. Jetzt fühlte es sich an, als wären Goias und Turor gemeinsam unterwegs, um einen ausgedehnten Landspaziergang zu machen. Das Land brauchte das Wasser, wenn auch nicht unbedingt die Kälte.
Aber alles hatte zwei Seiten. Hagel war schlecht für die Ernte, wenn es überhaupt Sinn machte, zu dieser Zeit soweit voraus zu denken, aber die Regengüsse waren gut für einige der Leute in der Hafenstadt gewesen. Zumindest musste man sich keine Gedanken mehr darüber machen, wann sie endlich ein Bad nähmen.

Es brannte eine Kerze unter einer Schale mit Öl, das nach Zitronen roch. Neome hatte ihren meisten Schmuck abgelegt. Sie warf einen besorgten Blick nach draußen, aber nur kurz, denn das Wetter trieb aggressiv durch jeden Spalt, den man ihm öffnete.

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jun 26, 2016 7:16 pm

Bradach! Was für ein verdammtes Dreckswecker. Tschad ai orie!
Man hörte Vhenan schon schimpfen, bevor sie das Zelt erreicht hatte. Dann riss ein Arm die Zeltöffnung auf und ein kleiner Körper stürmte ins Zelt, um dort abrupt zum Stehen zu kommen.

Wenn das so weitergeht saufen wir hier an Land auch ab. Und dann erfrieren wir!“ Sie fuhr sich über das Gesicht, um die Wassertropfen wegzuwischen.

Pakata. Du wolltest mich sprechen?
Vhenan wirkte trotz des Zornes auf das verdammte Dreckswetter recht entspannt, aber ein Funke Misstrauen lag in ihrem Blick, als sie Neome musterte. Hatte sie wieder etwas verbockt? Oder war das nur ein normales Gespräch? Beide Möglichkeiten hatten eine Grundlage, deswegen musste sich die Naihlar wohl oder übel überraschen lassen.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jun 26, 2016 7:24 pm

"Ah, da bist du ja."
Vhenans Auftritt war nicht still, Neomes Lachen daraufhin war es.
"Zieh die Schuhe aus." Sie hatte sich in ihren Polstern aufgerichtet und wies Vhenan mit sehr einladender Geste den Platz gegenüber zu. "Wir müssen den Regen und Dreck ja nicht auch noch hier drin haben. Leider hab ich keinen Tee hier, den ich dir anbieten kann."
Im Sprechen blieb sie mit den Augen plötzlich an etwas in Vhenans Gesicht hängen.
"Kein Grund für Argwohn. Ich hab mich Raûl gesprochen. Ich wollte dich noch mal sehen, um mich mit dir auszutauschen. Zum einen will ich dir persönlich sagen, dass ich mit ihm über das gesprochen habe, was du mir erzählt hast - über sein Fortbleiben, als ihr die Ouai schützen solltet. Es kann sein, dass er mit dir darüber sprechen will. Zum anderen will ich dich bitten, mir zu sagen was du weißt über diesen drohenden Weltuntergang da draußen."
Sie hatte, während sie sprach, hinter sich gegriffen, wo den Geräuschen nach Flaschen verstaut waren.
"Vilgrin?"
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