Dies ist das Forum für das Reich der Rosen im Herzen Mythodeas
 
StartseiteFAQAnmeldenLogin
Austausch | 
 

 Neomes Zelt

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3, 4  Weiter
AutorNachricht
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jun 26, 2016 7:56 pm

Vhenan kam der Aufforderung nach, entledigte sich ihrer Schuhe und stellte sie halbwegs geordnet neben den Zelteingang.
Das macht nichts. Immerhin ist es hier schön warm.“ Nani setzte sich auf den gebotenen Platz und entspannte sich nach dem kleinen Sprint durch das Unwetter merklich. Und auch, weil hier keine Rüge zu erwarten war. Das war gut.

Die Naihlar nickte mit nassem Bandana, war weder überrascht, noch verärgert. Bei Raul konnte man Dinge manchmal nicht oft genug sagen. Den Namen der Reichshauptstadt konnte er sich immerhin auch nicht merken.

Gern“, antwortete sie auf das Angebot. Dann kam sie mit Unverständnis zurück zum Thema.
Wieso will er mit mir darüber sprechen? Ich dachte das hätten wir bereits geklärt“, murrte sie und gab einen verärgerten Laut von sich. „Hat er sich wieder rausgeredet?

Vhenan schüttelte verärgert und verständnislos den Kopf, bevor sie aus ihrer kleinen Umhängetasche aus braunem Leder ihr Notizbuch herauskramte.

Was weißt DU bereits? Ich persönlich bin mit dem Land hier mittlerweile vertrauter, für Mutmaßungen ist es trotzdem zu wenig. Aber!“ Vhenan setzte sich augenblicklich etwas gerader hin und grinste blöd. „Ich stehe mal wieder in Kontakt mit der wandelnden Blibliothek des Hofes. Sie hat mir drei Texte mitgeschickt, die erahnen lassen was auf uns zukommen kann. Das kann richtig unangenehm werden.
Vhenan reichte Neome die Texte herüber. Die fünfte Jahreszeit, Die Legende der fünften Jahreszeit und Über den ersten Winter

Ist zielmlich langweilig geschrieben, aber nunja.... Ich habe ihr auch in deinem Namen für die Texte gedankt. Als Pakata. Raul hab ich extra nicht erwähnt. Ich weiß nicht, ob das irgendetwas bringt, aber einen Versuch war es wert... irgendwie muss das ja mal in deren Köpfe reingehen. Aber auch Scriptoria kann nur vermuten und wenn sie das schon sagt, müssen wir uns blind vorantasten. Sie gehen alle davon aus, dass die Krähe etwas damit zu tun hat... Firin... Die Leere, das Ende der Zeit und so... mit dem Weltenbrecher als Werkzeug...“ Bei der Erwähnung dieser beschissenen Aparatur verdunkelte sich Vhenans Blick merklich. Sie hasste dieses Ding. „Wir haben ihn während des letzten Feldzuges zwar beschädigt, aber... die Zweifler haben ihn gebaut, die können ihn auch wieder reparieren. Vielleicht verbessern... Die einzige Hoffnung ist, dass Aeris irgendetwas tut, um den Stillstand aufzuhalten. Es ist beinahe lustig, dass wir wieder ausgerechnet in dem Lager sind, in dem Firin öfter vorbeischaut, um seine Liste abzuarbeiten.... mitten im Sturm.

Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jun 26, 2016 9:10 pm

Während Vhenan erklärte, reichte Neome ihr wortlos ein Tuch rüber, das über einigen anderen lag. Sie konnte, wenn sie wollte, ihr Gesicht daran trocknen oder es anderweitig nutzen, um sich zu wärmen.
"Nme", sagte sie leise, als sie ihrerseits die Texte annahm. Einer, der in der Zunge der Naihlar ungeübt war, hätte vielleicht Probleme, diese mundartlichen Verkürzungen zu begreifen, aber Vhenan hatte über die Zeit mitbekommen, wie Neome aus Danke und Bitte, anmei und azmeni, die abgehackten Varianten anme und azme gemacht hatte, bis sie irgendwann nur noch nme und zme gesagt hatte. Es war nicht einmal ungängig unter denen, die Chollodann alltäglich benutzten.
"Für die Texte und das Bedanken...sehen wir mal."

Sie schob Vhenan zuerst den Becher mit Vilgrin hin, den sie ihr eingeschenkt hatte. Dann überreichte sie ihr im Gegenzug einen Schrieb.
"Lies solange das. Raûl hat es mir gegeben - er sagte übrigens, du redest keinen Scheiß. Wenn du so etwas sagst, wird etwas dran sein. Ich begrüße es, wenn ihr noch mal darüber sprecht. Es mag sein, dass er das, was andere ihm als Fehler anrechnen, gar nicht sieht. Und je mehr Stimmen es ihm verdeutlichen, desto klarer wird das Bild, das ihm dabei helfen kann."

Dann las sie eine Weile. Sie beeilte sich und stellenweise überflog sie nur. Vhenan hatte genug Zeit, den Brief von Balor zu studieren.

"Ich frage mich, ob diese Texte andere Leute mitzureißen vermögen", sagte Neome schließlich wohlüberlegt. "Hier steht, diese Mellesan wurde zu Eis. Und hier steht, sie fiel im Kampf gegen die Viinshar..." Neome blickte stirnrunzelnd auf und sah Vhenan ins Gesicht. Das waren die blauen Augen einer Person, die höhere Erwartungen an eine Geschichte hatte, um sich davon berühren zu lassen. Womöglich erhoffte sie sich von der anderen eine Erklärung, die ihr die Texte zugänglicher machte.

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jun 26, 2016 9:59 pm

Anmei.“ Vhenan hatte sich dafür entschieden die Worte auf Chollodan besonders exakt auszusprechen, um sie anderen Personen des Reiches um die Ohren zu werfen. Die sollten erkennen, dass sie eine eigene Sprache hatten und stolz darauf waren. Und sie sollten im besten Fall trotzdem erkennen was die Worte für eine Aussage hatten. Das behielt sie auch unter den Ihren größtenteils bei.

Sie trocknete sich das Gesicht mit dem gereichten Tuch und legte es dann achtlos beiseite. Ein wenig Wasser auf der Kleidung würde ihr schon keine Erkältung einbringen. Dazu brauchte es mehr. Die Kleine trank einen Schluck, stellte den Becher ab und widmete sich dem Brief von Balor. „HA! Baron! Fiete ist nur Vogt, glaube ich... Lazantin ist soetwas wie ein Kanzler und Akademieleiter... darf der so genannt werden? und Raul...“ Vhenan lachte gehässig. „Wenn ich ihn Vogt nenne, ärgert ihn das bestimmt. Cho'Wa ist kein Kastellan, sondern ein Vogt! Wer hat denn diesen Murks verfasst! Hat Barlor das persönlich geschrieben? Der hat doch Caspar für solche Sachen. Und der ist kleinlich genau, wenn es um Anreden geht... dem passiert soetwas nicht... jedenfalls nicht in dieser Menge. Da stimmt ja nichts! Seltsam... aber wenn es Balor selbst war... er ist ein... Krieger... eben nicht der hellste Stern am Himmel.“ Nani ließ durchscheinen, dass sie Balor nicht für besonders helle hielt, aber in Zweiwasser hatte bisher niemand wirklich ihre Sympathien gänzlich geweckt. Und in keinem Fall beim ersten Eindruck. Sie las leise, kommentierte aber wie gewohnt laut weiter.

Verstorben... ja. So kann man das auch nennen.“ Nani überflog den Brief und wurde unruhiger. „Hast du mit Raûl darüber geredet? Du solltest erstmal wissen, dass einige Details.... unglücklich formuliert wurden. Und ja, auch darüber weiß ich dank Scriptoria mehr. Sprechen wir erst über Balor?

Über zwei Texte gleichzeitig zu sprechen war sehr fordernd.
Ersteinmal: Perendur ist nicht nur verstorben, er wurde vergiftet. Oder um es ganz neutral zu sagen: Man fand seinen Leichnam neben einem Becher mit Gift... aber jeder am Hof zweifelt daran, dass er sich selbst ausgelöscht hat. Deswegen gehen die eigentlich davon aus, dass er von jemand anderem vergiftet wurde. Dass die Nyame ohne Absprache mit unserem Archon einfach einen neuen Neches'Re berufen hat, stimmt wohl. Die Informationen erreichten Karl direkt in der Hohld und er war sauer. Die waren alle sauer. Zu dem Zeitpunkt wollte dieser Asamantes ja noch Archon des Nordens werden und Karl wollte ihn töten... dazu kam es aber nicht, weil Asamantes den Anspruch auf das Archonat selbst zurückgezogen hat. Ob er immer noch ein Feind ist, weiß ich gerade nicht, aber ein Freund wird er kaum sein. Deswegen... vielleicht war es klug die Tochter eines größeren Feindes an sich zu binden... das kommt darauf an wer diese Melessan ist, denn das weiß ich nicht genau. Die Nyame hat sich bestimmt etwas dabei gedacht“ Vhenan zuckte mit den Schultern.

Was ich aber weiß ist folgendes: Dieses Problem kann uns vorerst gestohlen bleiben. Wenn in weniger als 40 Tagen die Zeit endet, nützen uns alle Sorgen und Mutmaßungen nichts mehr. Genefe hat eine Vermutung dazu und ich denke diejenigen, die wissen wer die Spieler auf diesem Brett sind, können sie einschätzen. Wir... kennen die alle nicht. Und ich weiß nicht, ob wir dem Aufruf einfach so folgen sollten. Solange die Nyame nichts sagt, werden wir nicht wissen was sie plant. Vielleicht hatte sie ja gute Gründe von denen wir nichts wissen. Manchmal muss man Dinge im Alleingang entscheiden. Weil keine Zeit bleibt... weil Karl gerade in der Hohld war und nicht da, wo die Nyame war oder dort wo Perendur wie auch immer gestorben ist ... er kann nicht überall sein, vielleicht hatte sie keine Wahl. Ich kenne diese Frau nicht und kann sie nicht beurteilen... ich weiß nur, dass hier viel zu viele 'Vielleichts' im Zelt herumschwirren, mit denen wir nichts anfangen können. Die am Hof kümmern sich darum und wenn jemand einen Aufruf in die Lehen herausschickt, dann sollte es nicht Balor sein. Er denkt mit dem Schwert und will vielleicht einfach nur Karls Gunst erlangen oder bestätigen. Wie Raul, der ständig anerkannt werden will, obwohl er längst das ist, was er sein will. Oder es sein könnte, wenn er sich nicht darauf konzentriert immer gelobt werden zu wollen. Was die Nyame macht weiß ich nicht und auch nicht warum. Die kenne ich nicht. Aber ich kenne unseren Archon ein wenig besser. Der handelt. Wenn ihm das nicht passt was sie tut, wird er schon an ihre Tür klopfen und sich beschweren. Dafür braucht er Balor nicht.

Vhenan dachte wieder laut und sagte ehrlich ihre Meinung.

Wie gesagt: die am Hof haben eine Vermutung... wenn das stimmt, stehen uns angeblich schlimme Tage bevor. Aber wann war das nicht so? Wir haben hier ganz andere Probleme. Wenn die Welt untergeht und es kein Reich mehr gibt, kann uns egal sein was die Nyame gemacht hat oder machen wollte. Das könnten wir Balor schreiben. Der konzentriert sich auf die falschen Dinge.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jun 27, 2016 6:56 am

Neome hatte bereits angesetzt über die Texte zu sprechen, die Vhenan ihr mitgebracht hatte, als ihre ehemals so ruhige Freundin aufschäumte und sie mit Meinungen und Ansichten zu dem Brief überrollte. Neome durchstarrte sie als bestünde sie aus Nebel, aber ihre Mundwinkel waren nach oben gerichtet. Nicht nur Nachsicht spielte um ihre Züge, auch eine seltenere Form der Heiterkeit, die nur einige wenige so offen und schnell erweckten.
"Gut. Dann reden wir zuerst über diesen Text", stimmte sie zu, absichtlich so betont, dass klar war, dass die Entscheidung längst getroffen, ihre Zustumming folglich nur ein rhetorisches Mittel war.
"Du hast, nebenbei, eine bemerkenswert schonungslose Ansicht über deinen Kameraden Raûl."
Es war nicht das erste Mal, dass sie über ihn sprachen. Vhenan vermittelte nicht den Eindruck den Mazhahk nicht zu schätzen, vielleicht im Gegenteil, und deshalb war ihre ehrliche harte Ansicht das hilfreiche Wort eines Freundes, das zu hören wertvoll war. Aber ehrlich hart war sie.
"Hast du es ihm jemals so direkt gesagt?"

Neome wandte sich noch einmal um und schenkte auch sich selbst etwas aus der verstöpselten Flasche ein. Von draußen schlug immernoch das Wetter gegen die Planen.
"Ich freue mich darüber, dass du nicht über irgendetwas urteilen willst, von dem wir nicht einmal die Hälfte der Einsicht haben. Wie könnte ich urteilen? Ich bin nicht einmal in die Strukturen dieses Machtgefüges eingeweiht. Ich kenne nicht einmal den Titel Neches'Re."

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jun 27, 2016 12:59 pm

Vhenan musterte Neome fragend und dachte dann einen weiteren Moment allein für sich nach.
Wenn es sein musste, dann ja... ich habe Raûl meine Meinung anvertraut, wenn er darum gebeten hat. Und wenn ich den Eindruck hatte, dass er sie hören sollte, selbst wenn er nicht darum gebeten hat.
An dieser Stelle musste Nani leicht grinsen.

Er ist in Holzbrück zum Kastellan ernannt worden, hat sich aber in aller Deutlichkeit geweigert die Urkunde zu unterschreiben und es anzunehmen. Er weiß wo sein Platz ist. Das war vielleicht der perfekte Moment um zu meutern... aber er hat es nicht getan, er hat mit uns gesprochen und an dieser Stelle habe ich ihm gesagt, dass ich diesen Schritt von ihm sehr schätze. Ihn aber auch als selbstverständlich ansehe. Er ist der Mazhahk und ich denke ehrlich nicht, dass er ein guter Pakata wäre. Ich habe ihm hin und wieder ein paar Kommentare vor die Füße geworfen... wie in der Hohld, als ich ihn zu den Ouai zurückgepfiffen habe. Da hat er sogar gesagt ich hätte recht. Deswegen wundert es mich, dass er diesen großen Fehler einfach so vergessen kann.... ich werde noch einmal mit ihm sprechen.

An dieser Stelle wurde ihr Lächeln matter. „Vielleicht müssen die sich auch erst dran gewöhnen... vor einem Jahr habe ich solche Dinge noch nicht gesagt. Es hat sich einiges geändert... manchmal ist ein Schritt nach vorn ja nicht verkehrt, aber manchmal nehm ich zu viel Anlauf. Vielleicht habe ich Raul zu wenig gesagt. Arden zu viel. Ihn habe ich mit Worten so getroffen, dass er auseinandergebröckelt ist und erst dann bin ich leiser geworden. Obwohl auch das wieder falsch war, weil ich jemand anderem in den Hohld die Meinung hätte sagen müssen um ihr zu helfen. Und jedem anderen Kämpfer dort. Dass ich Arden so getroffen habe, hat mich auch getroffen. Aber solche Dinge müssen sein. Ich glaube ich muss noch eine Balance finden.... ich habe viel zu viele neue Dinge gelernt, unter anderem auch...“ Sie wedelte mit dem Brief „... erst alle Fakten einzusammeln, bevor man sich entscheidet und solche Schritte einleitet. Aber auch hierbei bin ich noch nicht konsequent... viele Dinge gleichzeitig zu lernen ist anstrengend. Und vielleicht war das alles nichts wert, wenn der Winter kommt.... Was der Titel Neches'Re bedeutet weiß ich nicht, aber er ist sowas wie der Mazhahk der Nyame, würde ich meinen. Schon wichtig. Ich weiß nicht wie das Prozedere normalerweise abläuft. Ob der Archon überhaupt ein Mitspracherecht hat... oder sich nur über den Zeitpunkt beschwert. Nicht jeder kann ein Mazhahk sein und nicht jeder kann ihn ernennen. Das wissen wir ja alle.“ Wieder grinste sie und trank einen Schluck Vilgrin.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 6:50 am

"Es wäre ein guter Zeitpunkt für eine Meuterei gewesen", stimmte sie zu. "Aber es hätte Raûl nichts gebracht. Karl könnte ihn zu allem möglichen ernennen. Es ist nutzlos, wenn die Leute hier ihn nicht annehmen. Hätte er den Titel nicht zurückgewiesen, hätten manche es womöglich als Hochverrat betrachtet und ihm das Fell über die Ohren gezogen. Man kann..." Neome hob lächelnd eine Schulter "eben nicht ohne Mannschaft meutern."
Sie trank einen Schluck und stellte den Becher dann zur Seite. Sie lachte leise und vereinzelt.
"Aber es ist nicht soviel verkehrt daran, auch mal schlicht dafür dankbar zu sein, dass die Leute das tun, was sie sollen."

Vhenans Ausführungen hörte sie sich sehr genau an. So genau, dass sie zuerst gar nichts dazu sagen mochte.
"Das Leben mit anderen ist, vor allem wenn es ihre Empfindlichkeiten betrifft, ein Seiltanz. Es braucht viel Übung, um sicher über die Schnur zu kommen. Wichtig ist, dass du den Blick nach vorn und nicht nach unten richtest. Und du machst nicht den Eindruck, als sähest du nicht nach vorn, Nenani." Plötzlich räumte Neome die Briefe aus dem Weg. Eine wichtigere Angelegenheit, so schien es immerhin, musste sich dazwischen geschoben haben.
"Sollen wir sehen, ob die Karten noch einen Ratschlag für dich haben?"

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 10:01 am

Vhenan beobachtete überrascht, wie die Texte beiseite gelegt wurden. Sie waren doch noch gar nicht fertigt. Aber sie liefen auch nicht weg. Ihr Blick fiel auf die Pakata, bevor sie nickte und den Karten zustimmte.

Ich sehe nach vorn. Jedenfalls glaube ich das auch. Aber ich schlage auf jeden Gegner mit gleicher Härte und gleicher Taktik ein. Im Kampftraining kann ich das nicht tun, denn es ist nicht klug... aber mit Worten... tu ich es trotzdem, obwohl ich es besser wissen sollte“, erklärte sie weiter und legte nun ihrerseits auch Balors Brief an die Seite.

Ich habe keine Angst mehr davor jemandem zu sagen was ich denke. Keine Angst vor den Konsequenzen. Jedenfalls keine, die mich deswegen zurückhalten würden. Was soll mir schon passieren? Es gibt nichts mehr was mir nicht schon widerfahren ist, also.... was soll ich fürchten? Wenn mir jemand etwas neues antun will.... dann muss er mich schon umbringen. Das meine ich ernst.

Sie sah auf, um Neomes Reaktion einzufangen.

Aber ich sehe ein, dass.... meine Schonungslosigkeit... andere verletzt, obwohl ich ihnen eigentlich helfen will... das muss ich ändern, sofern das in der Situation nicht tatsächlich notwendig ist. Mein Zorn steht mir auch hier im Weg. Ich verletzte sie, weil ich wütend bin, dass sie tun was sie eben tun. Ich will es verhindern oder unterbinden... und meine Gefühle stehen mir im Weg, sodass ich nicht auf die... Schmerzgrenze meines Gegenübers achte. Eine Fähigkeit zu besitzen und sie nicht kontrollieren zu können ist nutzlos. Wie soll ich das ändern? Wie soll ich mich bändigen? Das würde ich die Karten gerne fragen. Ich habe schon viel daran gearbeitet und Erfolge erzielt, aber... wenn es drauf ankommt, gewinnt immer die Wut. Gegen sie habe ich noch keinen Weg gefunden.


Zuletzt von Vhenan am Di Jun 28, 2016 12:53 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 11:34 am

Neome sagte immer noch nichts. Was sie hätte einwenden können, sagte Vhenan im Anschluss selbst. Manchmal wurde man auch dadurch verletzt, dass andere verletzt wurden.
"Es gibt schlimmere Dinge als den Tod. Und auch wenn wir denken, wir hätten das Schlimmste gesehen, lauert immer noch etwas in den Schatten. Und weil es in den Schatten lauert, sehen wir es auch nicht", sagte sie in einem ruhigen Ton und ohne Belehrung, dabei mischte sie die Karten, die auf einem flachen Tisch nahe ihrer Bettstatt gelegen hatten.
"Das ist eine gute Frage. Und keine leichte. Wir werden sehen, wie klar oder unklar die Antwort der Karten ist. Sie können nichts neu erfinden, nur beleuchten, was bereits da ist."

Neome versuchte sich an einem aufmunternden Ausdruck. Sie schob Vhenan die Karten zu.
"Dreimal mischen, bitte. Und nach jedem Mischen abheben. Der unterste Teil kommt nach oben."
Sie machte es sich solange gegenüber der kleineren Naihlar bequem und rückte den Tisch zwischen ihnen zurecht.
"Dann reich mir die Karten gemeinsam mit deiner Frage zurück."
Wenn Vhenan dies tat, legte Neome den Stapel auf den Tisch.
"Heb nach deinem Gefühl ab. Zwei Stapel. Das aktive und das passive Deck."

Die ersten drei Karten entstammten dem aktiven Deck, vier weitere dem passiven. Dann bat Neome, die übrigen Karten noch dreimal zu mischen. Aus diesem Stapel dann legte sie eine achte Karte.
"Bereit?"

((ooc: Bitte eine Zahl zwischen 1 und 78 sagen für das Abheben ^^.))

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 12:13 pm

Das ist eine Frage, die ich schon mindestens vier Personen gestellt habe und ich habe versucht ihren Ratschlägen zu folgen ... aber noch kein Ergebnis gefunden. Mein eigener Weg liegt noch im Nebel, vielleicht können die Karten mir eine bessere Richtung weisen.
Vhenan war klar was die Karten leisten konnten und was nicht, aber eine weitere Richtung war vielleicht nicht verkehrt. Oder wenigstens etwas, über das man nachdenken konnte.

Sie mischte die Karten routiniert und folgte Neomes Anweisung genauso sicher.
Wie bändige ich meinen Zorn?
Sie reichte den Stapel mit der Frage zurück, hob ab, sodass rechts von Neome (aus Sicht der Pakata) der aktive Stapel lag.

Wieder wurde gemischt und Vhenan wartete geduldig.
Bereit. Ich bin gespannt.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer hatte sich in Nanis blaue Augen geschlichen. Manchmal reichte bei ihr ja schon ein kleiner Schubs, um in die richtige Richtung zu segeln, aber ohne Kurs war es schwierig bei ihr.

[49 cheers ]
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 8:06 pm

"Du weißt aber auch, davon bin ich überzeugt, dass ein Mann, der nicht im selben Boot sitzt wie du, es schwer haben wird, aus deiner Sicht den Kurs zu bestimmen. Seine eigene hindert ihn stets daran."
Sie nahm nickend die Karten entgegen.
"Gut, dass diese hier keine Subjektivität kennen. Für die Karten ist jeder gleich."
Und schließlich drehte Neome die Karten um.

Sie lächelte.
"Vor uns liegt das Gericht. Am dunklen Himmel bläst der Geflügelte und weckt die Toten zu einem letzten Urteil. Diese Karte beschreibt deine Situation in Bezug auf deine Frage. Diese Karte bedeutet Karma. Ich sehe eine Prüfung, bei der es keinen menschlichen Richter gibt, die vor dir liegt. Du musst aufwachen, dein Bewusstsein erwecken. Vielleicht brauchst du einen kräftigen Weckruf. Aber dann wirst du verstehen, dass eine Änderung beginnt. Du hast den zwanzigsten Trumpf vor dir liegen, bist am Ende eines langen Weges angelangt. Du siehst jetzt die Welt mit anderen Augen. Sinn tut sich auf, der vorher nicht da war. Du kannst dich aus deinen alten Denkmustern befreien. Aber verstehst du bereits, warum die Dinge so und nicht anders gekommen sind? Bist du bereits aufgewacht? Oder schläfst du vielleicht noch? Du kannst, wie die Toten, dem Wasser entsteigen, wieder leben, wenn du auf die richtigen Botschaften hörst. Kannst du den Tod hinter dir lassen? Sollen wir sehen, welche Umstände und Situationen dich begünstigen?"
Sie sprach leise, deutlich und mit mancher Pause, in der sie Vhenan eindringlich ansah.
"Siehst du den schwarzen Himmel, in dem der Geflügelte steht? Und siehst du den hellen Lichtstreif der aufgehenden Sonne? Eine lange Nacht kann morgenlos scheinen. Aber die Nacht ist nicht stark genug, den Morgen zu verdrängen. Er kommt."


Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 8:29 pm

Ja, das weiß ich. Deswegen habe ich viele Meinungen eingeholt, aber meinen eigenen Weg noch nicht gefunden.
Vielleicht würde sie Aqua niemals finden, sie zweifelte dieses Vorhaben mittlerweile schon deutlich an. Vielleicht war aber auch nicht Aqua ihr Weg... vielleicht konnte sie ihre innere Ruhe anders finden. Nicht im Wasser, sondern im Auge des Sturms. Oder in einer wärmenden Flamme, die nicht alles verbrannte. Vhenan hatte Hoffnung, dass sich eine Lösung fand. Manchmal dauerte es nur ein wenig länger, aber bisher war alles geglückt. Warum nicht auch hier?

Sie lauschte gespannt und betrachtete die Karten, die auf den ersten Blick gar nicht schlecht aussahen.
Karma... na toll.“ Vhenan grummelte leicht vor sich hin. Aber eigentlich störte sie vielmehr das 'Gericht der Toten'. Sie hörte sich alles geduldig an, stellte sich dem eindringlichen Blick und schwieg einen Moment, um die Botschaften zu verarbeiten.

Ich hatte in der Hohld erst einen Weckruf, der einiges verändert hat“, gab sie zu und legte ihre Stirn in Falten. „Ich wurde dort geprüft und bin auf eine Weise erwacht, ja.... Kann das gemeint sein? Oder liegt dieser Ruf noch in der Zukunft? Ein weiterer? Den Tod habe ich nicht hinter mit gelassen... aber dafür den Wunsch nach Rache. Vorerst jedenfalls. Und verbohrte Ansichten, die falsch waren.... zumindest ein paar, sicherlich nicht alle“, gab sie mit einem Grinsen zu.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 8:42 pm

"Wann dieser Ruf stattfindet oder wie er aussieht, das sagen die Karten uns nicht. Aber es mag wohl sein. Und der Tod ist im Tarot nicht der wahre Tod. Er steht nur für das Alte, für das, was wir mit uns tragen, obwohl es nicht mehr für uns zeitgemäß ist."

Sie ließ sich zu einem sekundenkurzen Lächeln hinreißen.

„Die Welt.“ Neomes Fingerkuppe streichelte über den Rand einer Karte, die eine nackte Frau in einem aus einem Steinrelief ausgelassenen Oval zeigte. „Alles fügt sich, Vhenan. Der 21. Trumpf bedeutet das Ende der Reise. Die große Arkana beginnt mit der Reise des Narren – und endet auch damit. Doch zuvor erkennt er in der Welt die Vollendung. Er geht hinaus und lernt und sieht zuletzt, dass er Schöpfer seines Lebens ist. Und ist nicht mehr derselbe, als der er aufbrach. Auf der Karte siehst du eine Frau in reiner weißer Nacktheit. Sie hält Polarstäbe, links und rechts, und schafft ein Gleichgewicht mit sich und ihrem Sein. Sie befindet sich vor einem Himmel, denn sie steht über den Dingen. Um ihren Körper und zwischen den Polaritäten fließt ein blaues Band. Blau bedeutet Loyaltität. Du bist nicht allein auf deinem Weg.“
Ihr Finger strich über das gezeichnete Relief.
„Aber wer sind diese vier Geister am Rande? Kuh, Löwe, Adler und Mensch – es gibt fremde Prophezeiungen, die sie als die vier Tiere des Weltendes beschreiben. Sieh aber hin – sie sind nur Bilder, und frei davon steht die rothaarige Frau in ihrer Vollkommenheit. Sie ist von ihnen umgeben, doch sticht heraus, sie ist stärker und kräftiger als die Geister im Stein. Kann ihre Nacktheit nicht bedeuten, dass sie sich entblößen muss, das Kostüm ablegen, um zur Erkenntnis zu gelangen? Das Band der Loyalität ist ihre einzige Kleidung. Was gilt es also zu verstehen? Was bedeutet die Welt? Wo liegt deren Begünstigung?

Die Karte will dir sagen, dass du dein Leben selbst in der Hand hast. Um Dinge verändern zu können, die deine Situation betreffen, musst zu dein Bewusstsein erweitern. Es ist wichtig, dass du verstehst, dass die Grenzen, an die du jetzt glaubst, nur in deiner Vorstellung existieren. Wenn du den Wirkungskreis um dich erweitern willst, wenn du neue Kraft wünschst, die dir zufließen soll, muss dein Bewusstsein an die Möglichkeit der Verbesserung glauben. Wenn du wahrnimmst, wessen du fähig bist und es glaubst, dann kannst du es bewirken. Zweifelst du noch sehr an dir? Vielleicht solltest du dir selbst mehr zutrauen. Denn die Welt besagt, dass du Reife erlangt hast, die deine Lage sehr begünstigt. Sie ist ein Zeichen des Lobs für die Veränderung in dir selbst. Das Ersehnte ist, am Ende eines langen Wegs, der nicht immer leicht war, zu etwas geworden, nach dem du greifen kannst. Und wohl mag der Kreis der Geister des Weltendes wohl ein Zeichen sein, den Weg bis zum Ende zu gehen. Denn du kannst auch daran noch wachsen."
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jun 28, 2016 9:19 pm

Hmm.“ Mehr sagte Vhenan vorerst nicht, konzentrierte sich auf Neomes Worte und die Karten.
Als die Pakata den Narren erwähnte, Vhenans Lieblingskarte, musste die kleine Naihlar unweigerlich erheitert grinsen. Sie betrachtete 'Die Welt' genau, um Neomes Ausführungen zu folgen und sah plötzlich auf. „Weltenende? Ha...“ Dann lachte sie amüsiert.

Sie ließ Neome noch einige Sätze sagen, bevor sie sich nicht mehr zurüchhalten konnte. „Mir wurde von anderen Karten prophezeit, dass ich nicht in naher Zukunft sterben werde. Das heißt eigentlich, dass die Welt für uns nicht untergehen kann, solange ich bei euch bin“, scherzte sie fröhlicher zwischen Neomes Worte, als es bei diesem ernsten Thema angebracht war. Aber solche Dinge erheiterten Vhenan immer besonders. Sie räusperte sich und konzentrierte sich erneut. Bis die Pakata endete.

Ich zweifle nicht an mir“, gab sie dann freimütig zu und lehnte sich zurück. „Ich habe einen Weg gefunden mich von vielen Ketten zu befreien. Und ich habe einen Weg gefunden wieder kämpfen zu können. Allein und mit der Hilfe von anderen. Es war ein langer Weg bis hierher, aber ich habe ihn gemeistert. Häufig nur durch Worte. Mehr musste ich kaum tun. Ich hatte genug Freunde und auch Fremde, die mir geholfen haben... Und ich zweifle auch nicht daran, dass ich die Fähigkeit besitze andere vorwärts zu bringen, indem ich ihnen die Meinung sage. Oder sie dadurch von Unsinn abhalte. Ich kann Einfluss nehmen und gehe dabei vielleicht weiter als manch anderer... Diese Fähigkeit hat nicht jeder. Und ich habe sie vielleicht nur...

Jetzt stockte Vhenan in ihrem Denken und schwieg überrascht.

Nein, vielleicht haben die Karten doch recht. Ich habe diese neue Fähigkeit nur, weil die Zweifler mir in der Kelriothar etwas gestohlen habe. Meine innere Ruhe. Erst dadurch konnte ich diesen Weg beschreiten... Vielleicht habe ich in der Kelriothar eine Fähigkeit gegen eine andere getauscht. Ich bin nicht mehr die selbe Person, die ich vorher war... ich bin nicht mehr so ruhig wie vorher... diese Ruhe fehlt mir jetzt. Ich finde sie nicht mehr... aber ich brauche sie.“ Das war eine Erkenntnis, die ihr vorher nicht bewusst gewesen war und Vhenan war selbst davon überrascht.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jun 29, 2016 8:51 am

"Die nahe oder ferne Zukunft", ging Neome auf eine andere Legung ein, "ist unwillig, sich genau bestimmen zu lassen. Zeit lässt sich nicht in enge Rahmen pressen. Und wenn der Zeitstrom durcheinander gerät, ist vorn womöglich nicht mehr vorn und hinten nicht mehr hinten. Es kann gefährlich sein, sich zu stark auf diese Aussagen zu verlassen. Wo die Grenze zwischen nah und fern gesetzt ist - wer kann das sagen. Für ein Kind ist das Ende der Woche schon fern."

Dann schwieg Neome länger und gab Vhenan Raum für ihre Überlegungen.
"Die zwei Stäbe in den Händen der Weltentänzerin. Sie sind im Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht muss sich noch einstellen."
Ihr Blick wich weiter zur nächsten Karte, die verkehrt herum vor ihr lag.
"Das As der Stäbe. Eine Karte des Feuers und der Energie. Aber diese Karte steht Kopf. Du kannst lernen, indem du lehrst."
Einige Worte erklärte sie zu dem Bild, das sich der Naihlar auftat.
"Der Hase ist ein Symbol von Energie und Leben, von Anpassungsfähigkeit auch. Er tarnt sich gut, fügt sich in sein Umfeld ein, aber er ist auch schnell und vermehrt sich mit großer Geschwindigkeit. In dieser Legung weist die Karte auf einen Menschen hin, der dir bei deiner Aufgabe helfen kann. Es handelt sich um einen Menschen, der seine Kraft nicht nutzen kann. Womöglich hat er sein eigenes Potenzial noch nicht erkannt, den Weg dorthin noch nicht gefunden oder die Geduld nicht aufgebracht. Vielleicht fehlt es ihm selbst an Ruhe. Hast du schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man eine Sache selbst besser verinnerlicht, indem man sie anderen erklärt und erläutert?"

_________________
Herrin des Gegensatzes, Nyame der Rosen
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jun 29, 2016 11:56 am

Das ganze Leben ist gefährlich. Und irgendwann muss jeder sterben, davor sollte man nicht so eine Angst haben... aber keine Sorge, ich hatte nicht vor euch nochmal allein zu lassen. Wer macht denn sonst schlechte Witze? Raul kann ja nur diesen einen komischen, den keiner versteht“, schwächte Vhenan ihre Worte ein wenig ab und ignorierte das Zeitgefüge gekonnt.
Sie sammelte sich wieder und konzentrierte sich auf die Karten, die vor ihr lange. Wieder einmal schienen ihre Gedanken auf Reisen zu gehen, ob sie dabei abgelenkt wurden oder nicht konnte man vorher nie genau sagen.

Nani dachte über ihr Ziel nach diese neue und bisher verborgene Fähigkeit zu nutzen. Sie hatte sie vielleicht vor einem Jahr bekommen und erst jetzt begriffen was für eine Kraft sie haben konnte. Sie sah auf die Karte der Welt. Das Ende einer Reise? Das konnte gut möglich sein. Und vielleicht fand sie auch das besagte Gleichtgewicht.

Vhenan lauschte Neome und betrachtete den Hasen. Ein Hase war eine Karte des Feuers? Sie zweifelte im ersten Moment, musste aber feststellen, dass Neomes Beschreibung tatsächlich gar nicht so langweilig war. Aber wer dachte schon über Hasen nach?

Hm.... wer kann das sein?“ Auf Anhieb fiel der Naihlar niemand ein, dem sie spontan diese Rolle zuordnen würde. Aber vielleicht kannte sie diese Person auch noch gar nicht. Oder sie war blind.

Ja.... das mache ich hin und wieder... aber häufig erlange ich selbst keine Erkenntnis dadurch. Erst die Person, der ich es erkläre kann mir zeigen wo die Fehler in meinem Denken liegen. Ich versteh es nur durch ihre Worte, nicht durch meine. Das ist immerhin etwas...“, sagte sie pragmatisch, denn das hatte ihr in den letzten Monaten wunderbar geholfen.
Aber das scheint nicht das zu sein was die Karte will...
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jun 30, 2016 8:52 am

"Warum nicht? Es widerspricht der Aussage der Karte nicht. Der Lehrende ist stets auch ein Lernender. Niemand sagt, auch diese Karte nicht, dass, was er selbst lernt, nicht aus dem Diskurs entstammen kann."

Sie zog ein Bein ein wenig zu sich. Es war in eine rote Pluderhose mit goldenem Muster gewandet.
"Es gibt viele um dich herum, deren Herzen unruhig sind. Muss nicht auch Mallo sich in Herzensgeduld lernen? Muss nicht auch Raûl verstehen, wie man sich zügelt? Muss nicht Gwendola verstehen, wo die Tür zu ihrer Kraft liegt? Oder Arden? Muss nicht Asdan seine Stärke ergründen? Der Weg zum Ziel ist selten offensichtlich, nicht wahr? Oft ist unser Ziel von einer Mauer umgeben, um die herum noch bewachte Gräben liegen. Ist es nicht manchmal sicherer, den Weg hintenrum zu nehmen, selbst wenn es länger dauert, ihn zu finden. Sei nicht beunruhigt, wenn du ihn nicht sofort siehst, er ist versteckt. Aber du bist klug, du kannst einen Schlupfweg hinein finden, wenn du die Suche nur nicht aufgibst."

Sie wies auf die Karte mit dem Ritter.
"Der Ritter der Stäbe weist auf die Zeit hin, die dem Jetzt nicht unmittelbar nahe ist."
Einige Momente starrte Neome auf das verkehrte Bild.
"Du hast dich hindern lassen. Rücksicht und Vorsicht haben dich ausgebremst und deine Fähigkeit, voranzukommen, blockiert. Der Ritter ist der Mann, der ungehindert vorwärtsdringt, ein energetischer Macher, doch auch derjenige, der vielleicht ein wenig unachtsam in seiner Energie vorgeht. Vielleicht verletzt er andere. Das ist der Preis seines Fortschritts. So warst du nicht. Du bist mehr mitgelaufen als deinen eigenen Weg zu gehen. Das bedeutet, deine Frage richtet sich auf die Situation der Gegenwart. In der Vergangenheit musstest du nicht lernen, mit deiner jetzigen Situation umzugehen. Dir fehlt die Erfahrung damit und diese musst du erst machen. Sei also nicht beunruhigt, wenn es nicht gleich gelingt, wir sind auch vor dem Laufenlernen oft hingefallen. Die Karte zeigt, dass du nicht nur etwas verloren hast - deine Ruhe - sondern im Vergleich zu damals auch große Schritte nach vorn getan hast. Kannst du dem zustimmen?"
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jun 30, 2016 11:27 am

Hmm...“ Vhenan dachte über Neomes Worte nach und nickte dann langsam. „Ich glaube so lerne ich am Besten...“ Sie nickte ein weiteres Mal, viel überzeugter als vorher und nahm die Karte hin. Und auch die unerwartet lange Liste an Personen, die Neome spontan aufzählte. Nani schien nicht überzeugt. „Ja, vielleicht...“ Bei Mallo hatte sie vielleicht die besten Chanchen, mit den anderen stritt sie sich immer nur und stieß auf Granit. Aber es war ein Anfang und sie ging es sehr wahrscheinlich falsch an, genau deswegen ließ sie ja hier die Karten sprechen.
Ich suche solange, bis ich ein Ergebnis habe“, stellte sie klar, setzte sich wieder ein wenig gerader hin und betrachtete die nächste Karte. Aufgeben war keine Option.

Der Ritter... Vhenan grinste ein wenig ertappt. Sie hatte diese Dinge als Ursache für ihre Frage aufgezählt. Mangelndes Feingefühl, Vorsicht an falscher Stelle. Diese Legung bestätigte es ihr nur noch einmal und Vhenan beantwortete Neomes Frage mit einem klaren „Ja.“ Sie nickte und musterte die Pakata.

Früher bin ich mitgelaufen und habe mich vom Wind dahin treiben lassen wohin er mich geschickt hat. Nach diesem Mist in der Kelriothar habe ich versucht wieder an diesen Punkt zurück zu kommen, aber es ging nicht. Ich habe gezögert und gewartet, weil ich dachte, dass jemand anderes den Kurs setzt und ich wieder unbedarft mitsegeln kann... aber das kann ich nicht mehr. Dann habe ich gehandelt... ich habe danach oft gehandelt und jedes Mal ist jemand verletzt worden. Dieser Preis ist ziemlich hoch. Ich war vielleich nicht bereit ihn zu zahlen. Oder ihn jemandem aufzuzwingen... Aber auch das hat sich geändert. Ich weiß jetzt, dass ich etwas ändern kann, wenn ich es zulasse... ich muss es nur annehmen und lernen es zu meistern, mit den Konsequenzen dieses Preises zu leben. Das kann ich noch nicht richtig... weil ich niemanden verletzen will, aber... das vergeht im besten Fall irgendwann. Oder aber ich schätze den anderen falsch ein und er ist gar nicht verletzt... auch das ist schon passiert und jemand sagte mir genau das: nimm keine Rücksicht, wenn du dir sicher bist, dass du das richtige sagen willst.
Vhenan lächelte matt.
Das ist schwieriger als gedacht.... aber ich folge dem Kurs weiter, den ich selbst gesetzt habe. Ich muss mich nur damit abfinden, dass es manchmal wehtun kann Verantwortung zu übernehmen.

Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jun 30, 2016 1:42 pm

Neome nickte auf Vhenans Worte hin.
"Denn bleibt ein Schwert nicht immer nur ein Stück Metall, wenn wir es nicht mit dem Hammer bearbeiten. Keiner fängt als Meisterschmied an. Bis man das richtige Feingefühl entwickelt hat, vergehen einige Fehlschläge. Wichtig ist, sie als solche zu erkennen und beim nächsten Mal besser zu zielen."

Sie deutete auf die Karte unterhalb des Ritters. Auch sie stand auf dem Kopf.
"Der Herrscher bestätigt alles, was du sagtest. Ein Anführer sein, das ist, sieh in sein Gesicht, kein leichtes Leben. Wer einem anderen wirklich helfen will, der beschränkt sich nicht darauf, ihn zu verhätscheln. Ein Anführer sollte darauf bedacht sein, das Beste aus anderen herauszuholen. Doch die Karten raten dir, nicht zu vergessen, dass du nicht der Herrscher bist. Und manchmal ist es vielleicht gar nicht angemessen oder notwendig, derjenige zu sein, der den Leuten vor den Kopf stößt. Nicht immer musst du derjenige sein, der das Urteil ausspricht. Nicht immer musst du das Richtige und Wichtige selbst und sofort aussprechen. Manchmal ist es nicht angemessen."

Neome lächelte ein wenig.
"Es ist annehmbar, dass du gerade ein gewisses Führungspotenzial entwickelst und die Freundin wirst, die einem Gefährten die Wahrheit sagt. Aber du musst die Wahrheit nicht immer sagen. Denn manchmal ist die Wahrheit nur etwas, was du für dich konstruiert hast und es gibt Dinge dazwischen, die dein Kopf nicht einsehen kann. Überlege also, ehe du sprichst, ob es angemessen und notwendig ist, dass du diejenige bist, die die Nachricht überbringt oder ob es in manchem Fall nicht besser wäre, du holtest Hilfe von einem Mittelsmann."
Ihr Lächeln, das wohlmeinend war, vertiefte sich.

Dann ging sie weiter.

„Das Rad des Schicksals liegt hier als Karte der Schattenseite. Die Karte warnt dich, dein Schicksal anzunehmen und im Hier und Jetzt zu leben. Aber ich sehe Frust. Dir stoßen Dinge zu, die du nicht ändern kannst. Und doch sagtest du selbst, du hast versucht, dich gegen die Drehung des Schicksalsrades zu wehren.  Du kannst nicht alles kontrollieren – du musst es auch nicht. Doch achte darauf, dass du dich nicht in eine Abwärtsspirale treiben lässt. Achte darauf, dass dein Zorn keine unheilvolle Eigendynamik entwickelt. Denk dran, dass es, nachdem es runterwärts ging, auch wieder aufwärts geht. Wenn du fatalistisch denkst und redest, wirst du dein Ziel nicht erreichen. Die Karten raten dir zur Annahme. Auf manches hast du keinen Einfluss – zum Beispiel darauf, dass unangenehme Wahrheiten schmerzen. Frustrier dich nicht selbst deshalb – überlege dir besser, wann sie notwendig sind. Und beachte-“

Sie ging unmittelbar über zur nächsten Karte.
„-dass nicht nur die Wahrheit eine Gefahr für die Freundschaft sein kann, sondern auch die Freundschaft eine Gefahr für die Wahrheit. Ich sehe jemanden, der dir in irgendeiner Form nahe ist, jemand, mit dem du in einer Beziehung oder gegenseitiger Übereinkunft stehst. Das kann eine geschäftliche Beziehung sein oder eine freundschaftliche. Es kann jede Art sein. Hinterfrage dich, ob deine Übereinkünfte, so wie sie jetzt getroffen sind, noch gut für dein Ziel sind. Denn eine derer schadet dir. Ein Mensch in deinem Umfeld will deine Veränderung ausbremsen, vielleicht nicht bewusst. Möglicherweise fürchtet jemand deine neue Ehrlichkeit und hält an deinem alten Bilde fest. Oder vielleicht bremst er dich von innen heraus. Vielleicht gibt es jemandem, dem gegenüber du nicht aufrichtig sein kannst. Demgegenüber du nicht loslassen kannst. Und das hindert dich, dich selbst weiterzuentwickeln, denn es raubt dir die Kraft. Das Gericht, die Situation, die entscheidend ist für deine Fragestellung-“ Neome zeigte noch einmal auf die erste Karte der Legung. „Bedeutet auch, dass du JETZT etwas tun kannst, wozu du vorher nicht fähig warst. Etwas, das dich lange belastet hat, ist bereit, losgelassen zu werden. Du kannst an alte Stärken anknüpfen, aber zuerst musst du dich reinigen. Bleib bezüglich dieses Aspektes nicht in deinem Grab liegen. Neuer Frust wächst leichter, wenn die Nährstoffe des Alten noch in deinem Boden sind. Es gibt jemanden- “Sie kehrte zur aktuellen Karte, den zwei Kelchen, zurück, „der diesen Frust in dir begünstigt oder deine Entwicklung aufhält. Jemand, der dir nahe genug steht, als dass es so nicht sein sollte.“
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jun 30, 2016 7:18 pm

Vhenan betrachtete das Bild des Herrschers und beugte sich dafür sogar über die Karten, um den Ausdruck in dessen Gesicht besser zu sehen. Herrscher hatten ein anstrengendes Leben, der Archon der Dornen saß ja sogar unbequem auf seinem Thron. Vhenan hatte den Stuhl während eines Spiels selbst einmal ausprobieren dürfen und hatte ganz schnell wieder darunter gewollt. Sie nickte vorerst und hob dann den Blick, einen herausfordernden Ausdruck in den Augen.
Angemessen aus wessen Sicht?
Nani unterbrach Neome daraufhin eine ganze Weile nicht, antwortete erst, als die nächsten zwei Karten abgeschlossen waren.

Mir ist mittlerweile egal ob Dinge angemessen sind oder nicht. Manchmal muss etwas gesagt werden... für mich sind andere Dinge angemessen als für dich. Als für die Chirya... oder den Hof. Mir wurde geraten Dinge auszusprechen, wenn ich es für notwendig erachte. Und nur dann habe ich es bisher auch getan. Ich habe nicht vor jedem den kleinsten Fehler vorzuwerfen. Derjenige kann ihn auch allein finden und allein lernen. Aber wenn es um wichtige Dinge geht, werde ich nicht mehr schweigen. Egal ob es angemessen oder unbequem ist. Solange...“ Vhenan machte eine kleine Pause und grinste abschließend. „Solange ich ihm die Möglichkeit gebe zu antworten sehe ich darin auch keinen Fehler. Ich habe erst neulich jemandem etwas vorgeworfen und ihn gerügt. Für ein Verhalten, dass ich bei ihm gesehen habe. Innerlich konnte ich mir diesen Schritt von ihr nicht erklären. Also habe ich sie konfrontiert und ihr gesagt, dass soetwas nicht geht. Sofern es der einzige Grund war. Sie hat mich angehört und geantwortet. Es war nicht der einzige Grund und wir haben normal über diese Dinge geredet. Ohne ausfallend zu werden, ohne den anderen abzuwimmeln.“ Vhenan lehnte sich wieder zurück und musterte Neome ernster.

Ich habe nicht vor grundlos oder wahllos auf jemanden einzuschlagen. Aber wenn ich etwas sehe, was nicht in Ordnung ist und andere gefährdet, dann sage ich das. Ich habe es auch bei Arden getan. Mein Verhalten war auch dort nicht angemessen, aber das war Absicht von mir. Asdan gefiel nicht wie Arden gehandelt hat. Und er hat nichts gesagt. Raûl hat nur den Kopf geschüttelt und vorerst nichts gesagt... Ich habe den Mund aufgemacht und versucht Arden zu verstehen. Wir haben in Holzbrück lange geredet, ich habe ihn sogar für sein überlegtes Verhalten gelobt. Er prescht nicht einfach vor, er schaut und denkt.. und dann entscheidet er. Das ist kein Verhalten, das ich nicht schätze, aber er hat aus unserer Unterhaltung nichts gelernt und ich werde nicht zulassen, dass er Asdan, Raûl, mich selbst oder einen anderen in Gefahr bringt, nur weil er nicht bereit für seine Aufgabe ist. Entweder er ist es oder er ist es nicht. Und wenn er es nicht ist, dann muss ihm das jemand sagen. Ich habe das nur getan, weil es sonst keiner getan hat, obwohl die Gedanken auch durch andere Köpfe krochen. Es war nicht angemessen von mir und ich habe mit Konsequenzen gerechnet. Mit einer Bestrafung. Aber die kam nicht. Und wenn sie mich doch getroffen hätte, dann wäre auch das angemessen gewesen. Ich wusste was ich tat. Und warum. Und war bereit die Konsequenzen zu tragen. Ich hätte auch gerne mit ihm geredet, aber er schwieg nur... und irgendwann ist er vollgerüstet und schweigend gegangen. Ich habe mir sogar Sorgen gemacht, weil er lange verschwunden war, er hätte auch blutend auf dem Schlachtfeld liegen können. Ich habe ihn stundenlang gesucht und mir die Füße wund gelaufen und als ich ihn im Lager wiedergesehen habe, hat er mir nicht geglaubt, dass ich mich sorgte. Warum weiß ich nicht. Ich will seine Position nicht, ich habe ihn nicht abgesetzt, um seinen Platz einzunehmen. Darüber solltest du vielleicht noch einmal mit ihm reden, bei mir bringt das nichts.... Was ich dir sagen will ist, dass ich vielleicht konstruiere, aber über den Punkt hinaus bin das als unanfechtbare Wahrheit anzusehen. Jedenfalls arbeite ich darauf hin, vielleicht übersehe ich es manches Mal, aber das ist nicht das was ich will.

Jetzt holte sie erst einmal Luft.
Auf sein Verhalten habe ich auch keinen Einfluss und das nervt mich, das gebe ich zu. Aber das ist dann eben so. Ich denke nicht, dass er einer derjenigen ist, die mich zurückhalten...

Vhenan sah Neome jetzt direkt an. „Es gibt einige Möglichkeiten an Personen, die mich zurückhalten, und ich kann mich auch irren, aber.... mir ist der Gedanke nicht fremd, dass.... du dieser jemand bist.

Das ließ sie einen Moment sacken und lächelte matt.
"Ich wollte schon länger mit dir darüber reden, aber das ist nicht so einfach. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen... mit Scriptoria... mit Miro, dem Hofmagus der Dornen... mit Kahina, einer Freundschaftsträgerin von Ignis... sogar mit Jael. Sie alle haben mir geholfen... irgendwann habe ich mich aber gefragt, weshalb ich nicht dich aufgesucht habe... ich würde gerne ein paar Antworten von dir bekommen. Auf drei Fragen. Zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft."

Vhenan atmete einmal tief durch und stellte sich dann dieser unangenehmen Aufgabe.

Die erste Frage betrifft die Vergangenheit. Ich habe dich damals im Winter um Rat gefragt wie ich mich am Dornenhof am besten verhalten soll. Wie ich vorgehen soll. Aber ich habe nie danach gefragt was du überhaupt davon hältst. Damals war es mir auch gar nicht richtig bewusst. Jetzt seh ich klarer. Die eine Karte sagt ich kann jemandem gegenüber nicht aufrichtig sein. Dir gegenüber war ich es nicht. Bis jetzt nicht. Ich habe den Eindruck wir haben eine stille Übereinkunft getroffen einfach nicht darüber zu reden... Ich habe Fremden erzählt was in der Kelriothar geschehen ist... ich habe Karl gesagt, dass wir es auf dem Schiff so handhaben, dass der Pakata alle Informationen bekommen muss und er dann ernscheidet was damit geschieht. Er ist der Pakata des Reiches. Aber du bist meine Pakata. Und dir habe ich bis heute nicht viel erzählt... stört dich das gar nicht? Dass ich Fremden mehr vertraut habe als dir?
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jul 01, 2016 8:42 am

Vhenan tat, was so oft geschah, wenn die Karten gelegt wurden. Sie rechtfertigte sich für etwas, das ihr vom Deck gar nicht vorgeworfen wurde. Sie erklärte sich für ihre eigene Deutung der Karten und dies allein mochte einiges zu bedeuten haben.

Während Vhenan sprach, lag Neomes Blick auf ihr und beschien sie wie ein seltsames Zwielicht.
"Du sagst, dein Verhalten war nicht angemessen", erwiderte sie schließlich ruhig. "Und anschließend erklärst du mir anhand von Beispielen, weshalb es doch angemessen war. Angemessenheit ist in dieser Hinsicht keine Sache der persönlichen Befindlichkeit. Sondern der Wirkung. Manchmal muss man selbst derjenige sein, der etwas an- oder ausspricht. Und manchmal richtet es nur Schaden an."

Neome richtete sich etwas auf, ohne ihren Sitz zu verändern.
"Und so ist es auch in deinem Fall. Es spielt keine Rolle, ob es mich stört oder nicht. Es gibt Momente, da ist Geduld angebracht. Es gibt Entwicklungen, die unterbunden werden, wenn man eingreift. Was ich davon halte? Kann ich eine klare Stellung einnehmen zu einer Sache, die ich nicht selbst erlebt habe?"

Sie beugte sich ein wenig vor. Wie von selbst legte diese Bewegung den Schleier des Entgegenkommens über ihren Gestus.
"Es gibt Dinge, die man einfordern kann. Und Dinge, die man sich, wenn sie wahr sein sollen, lediglich verdienen kann. Deine Pakata mag ich sein, aber auch deine Freundin. Und als eine Freundin, die dich verletzt hat ohne es zu wollen, habe ich eine Wahl getroffen zwischen zwei Wegen. Der eine wäre gewesen, dich zum Reden zu drängen. Der andere war, dir Zeit zu geben, ein wenig zu heilen, dir die Freiheit zu lassen, selbst auf die Füße zu kommen und dann zu entscheiden, wann sie dich zu mir tragen. Diese Wege sind nicht endgültig. Jederzeit, wärest du nicht gekommen, hätte ich dir entgegenkommen können. Aber da bist du. Und hier bin ich und sage dir, dass es nicht darum geht, ob es mich stört oder was ich mir gewünscht hätte. In dieser Sache geht es nicht um mich. Es gibt keine stille Übereinkunft, die besagt, dass wir nicht darüber reden. Höchstens eine, die besagt, dass du entscheidest, wann wir es tun. Denn was dein eigenes Leben betrifft, bist du deine Pakata."

Es gab noch eine letzte Karte, über die sie nicht geredet hatten. Doch diese konnte warten.
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Fr Jul 01, 2016 11:42 am

Vhenan hörte Neomes Worte und ihre Stirn legte sich dabei in Falten. Bei einem Satz gab die Naihlar einen genervten Laut von sich und rollte kurz mit den Augen.
Du sollst keine klare Stellung beziehen. Nimm eine unklare, irgendwas. Aber du kannst dich doch auch nicht immer raushalten.“ Vhenan beschwerte sich wieder und spürte direkt eine neue Unruhe in sich aufsteigen. Trotzdem hörte sie zu, um eine Antwort zu bekommen. Die blieb bisher aus.

Gut... dann... stelle ich meine zweite Frage. Zur Gegenwart. Was denkst DU über meine neue Ehrlichkeit? Sie hat bisher einiges an Schaden angerichtet. In guter Absicht, aber das geht schnell unter, wenn zu viel dabei kaputt geht. Wenn niemand Arden gesagt hätte, dass er seine Leute so nicht schützt, sondern nur in den Tod führt, hätte das noch mehr Schaden angerichtet. Ich denke zu sprechen war angemessen, nur meine Wortwahl war es nicht. Denn die war für ihn offenbar zu hart, sonst wäre er nicht so in sich zusammenfallen. Da hast du die verfehlte Wirkung... Und ich etwas, an dem ich arbeiten muss.... 'Angemessen' ist ein schwammiges Wort“, bemerkte Vhenan beharrlich, weil sie sich immer noch auf der richtigen Seite sah.

Bei Jael war es einfacher... Bei allen anderen, mit denen ich nicht einer Meinung war. Es ist immer einfacher, wenn der Streitpartner einfach mal redet... und nicht bei jeder dummen Bemerkung gleich umfällt... Ich habe dir vorhin gesagt, dass ich ein Problem mit meinem Zorn habe... das ist gerade mein größtes Problem. Ich sagte, dass du nicht die erste bist, der ich es sage.... Und du legst mir die Karten. Das ist ein weiterer Denkanstoß und ich danke dir dafür, aber... bisher weiß ich nur was die Karten wollen. Bis auf die letzte. Aber was denkst DU? Über mich? Ich wurde von vielen Stimmen ermutigt diese Fähigkeit zu nutzen... aber es sind Stimmen, die weit weg leben. Stimmen, die hier keinen Einfluss haben. Ich frage auch, weil ... ich in Valvas einmal eine Freundin hatte, die sich stark veränderte... wir waren noch Kinder und ständig zusammen... und irgendwann ist sie mit einer Karawane abgereist. Als sie eine Ewigkeit später wiederkam war kaum noch etwas von dem Mädchen übrig, das ich verabschiedet habe... wir hatten uns beide verändert und für eine Freundschaft.... gab es plötzlich keine Grundlage mehr.... ich will nicht, dass das nochmal geschieht... Deswegen frage ich dich. Ich habe viele Meinungen gehört. Aber nicht deine.
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jul 04, 2016 11:48 am

"Sich rauszuhalten und noch kein Urteil zu sprechen, bevor der Eindruck sich gefestigt hat ist nicht dasselbe", stellte Neome etwas ernster, etwas dringlicher fest. "Ein Sturm hat dein Leben aufgewühlt. Es ist nicht möglich, weit unter die Oberfläche zu sehen. Erst wenn sich diese Oberfläche ein wenig beruhigt hat, macht es überhaupt Sinn, darüber zu sprechen. Vorher sind alles nur Spekulationen, die vielleicht für Fakten gehalten werden und die nur schwer zurückgenommen werden können. Auch wenn sie falsch sind. Aber da du dir Klarheit zu wünschen scheinst..."

Sie lächelte, obwohl es nicht glücklich aussah. Neome war nicht wohl damit, klare Aussagen zu treffen. Ihre Gedanken waren mannigfaltig und konnten gar nicht anders als verfälscht werden, wenn sie in das enge Korsett eines Wortes gepresst wurden.

"Du sagst, du hast Schaden angerichtet. Ich sehe das nicht so. Ich verstehe, dass es dir so vorkommt. Aber das ist nur der erste Eindruck. Du hast etwas umgeworfen. Und das ist schmerzhaft. Aber das bedeutet nicht, dass du Schaden angerichtet hast. Vielleicht war es gerade notwendig, dass es so hart war. Vielleicht hat er es so gebraucht, um endlich loslassen zu können, was von vornherein locker war. Du willst also wissen, was ich denke? Ich denke es ist gut, dass du über deine Situation reflektierst. Und gleichzeitig denke ich, dass du zu streng mit dir bist. Du hast sehr großes Potential in dir, das ist, was ich denke. Und ich denke, dass ich nicht beurteilen kann, ob du bei Arden alles richtig gemacht hast, dass die Chancen aber gut stehen dafür, dass in seinem Fall keine Unangemessenheit vorlag, wenn es um das Ergebnis geht. Ich war nicht da. Keiner hat dir abgenommen, diese undankbare Aufgabe zu übernehmen. Du hast Verantwortung übernommen."

Und ohne dass sie ein klares Lob aussprach klang es doch nach etwas Gutem und konnte immerhin nicht für etwas Schlechtes gehalten werden.

"Im Tarot", fuhr Neome fort, "gibt es eine Karte für deine Situation. Es ist der Turm. Ein Blitz schlägt in den Turm ein und die Menschen fallen in die Tiefe. Der Turm ist das unheilvolle Zeichen für einen unabwendbaren Wandel, eine schmerzvolle Veränderung. Aber er bedeutet auch Befreiung aus den starren Mauern verkrusteter Ansichten. Arden hat sich vielleicht an seinem Willen festgehalten, aus einer alten Ansicht heraus. Vielleicht hat es deinen Blitzschlag gebraucht, ihn aus dem Turm zu werfen und das zu hinterfragen, was er für seine Wünsche gehalten hat. Der Aufschlag tut weh, ja. Aber danach ist er frei. Der Schmerz ist ein Teil dieses Lebens, Nenani, und den Menschen wird beigebracht, dass es schlecht ist, ihn anderen zuzufügen. Aber das ist eine Lehre aus Bequemlichkeit, die nicht immer zutrifft. Es gibt Situationen, in denen ist er wichtig und du richtest mehr Schaden an, wenn du ihn vermeidest."

Sie legte ihre Hand auf den Tisch, anstatt nach Vhenan zu greifen.
"Ich bin sehr stolz auf dich. Und ich bin für dich da, immer wenn du reden willst. Aber ich bin nicht unabsichtlich vorsichtig mit meinen Urteilen und Meinungen. Die, die uns nahestehen, können uns beeinflussen. Und gerade jetzt ist es wichtig, dass du DEINEN Weg findest. Du kannst mich jederzeit um Rat fragen. Aber wenn du nicht nach meiner Meinung fragst, werde ich sie dir nicht zuflüstern, denn ob gewollt oder nicht, sie kann dich von DEINEM Weg abbringen. Aber du hast gefragt und hier hast du sie bekommen. Mehr als das was ich sagte kann ich dir nicht geben, gwin, denn ich sehe dich mitten in einer Entwicklung, die wertvoll ist, aber wohin sie geht, ist noch nicht entschieden. Es wird dich Kraft kosten, dich dem Ziel entgegen zu manövrieren. Denke ich, dass du es kannst? Natürlich. Ich hätte es deinem Vater nicht angetan, dich mitzunehmen, hätte ich nicht von Vornherein Kräfte in dir gesehen, die unter der Oberfläche lagern."

Zuletzt war Neomes Blick einen Deut weit fragend oder rätselnd, aber vielleicht sah es auch nur so aus.
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jul 04, 2016 7:09 pm

Vhenan hörte sich alles stumm an und nickte hin und wieder bedacht. Dann grinste sie leicht, aber es wirkte unzufrieden.

Mein Sturm tob mittlerweile seit genau einem Jahr... wieviel Zeit willst du mir geben? Glaubst du wirklich, dass sich... diese Oberfläche überhaupt wieder beruhigt? Für mich sieht es nicht danach aus... sie tobt weiter... in neue Richtungen und Möglichkeiten. Und ich habe keinen Kurs, deswegen frage ich andere um Rat. Nicht um die Oberfläche zu beruhigen, sondern um besser auf ihr zu segeln.

Vhenan lehnte sich wieder ein wenig zurück und stützte sich mit den Armen neben ihrem Körper ab.

Diese Reise endet nicht. Wenn es einen Zeitpunkt gab, an dem etwas Ruhe eingekehrt war, dann liegt er jetzt hinter mir. Der Feldzug steht bevor. Ich muss wieder dorthin zurück. Ab jetzt wird sich gar nichts mehr beruhigen, sondern nur schlimmer werden.... Was ist wenn ich dann Schaden anrichte? Hast du überhaupt schon mit Arden gesprochen? Ich sehe ein, dass du zurückhaltend mit einem Urteil bist, weil du nicht dabei warst. Aber du kannst dich nicht heraushalten. Er hat sein Amt niedergelegt, das betrifft uns jetzt alle... auch der Kleinkrieg zwischen ihm und mir. Du hast mich auch nicht direkt gefragt, ich habe es zur Sprache gebracht. Willst du allem einfach seinen Lauf lassen? Oder hattest du noch vor etwas dazu zu sagen?

Nani legte ihren Kopf schief und musterte die Pakata eindringlich. „Das führt mich auch zu meiner letzten Frage... Was die Zukunft betrifft.... Wie stehst du hier den Elementen gegenüber? Mittlerweile? Ich habe mich an andere gewandt, weil ich den Zorn in mir spüre und ihn nicht kontrollieren konnte. Noch immer nicht, auch wenn ich Fortschritte mache. Es ist kein gewöhnlicher Zorn... er wird hier in diesen Landen verstärkt... Ignis hat Einfluss auf mich.... Ich habe mich deswegen jemandem anvertraut, der länger hier lebt als ich es tue, jemandem, der angekommen ist. Sie hat mich an einen Freundschaftsträger von Ignis verwiesen und diejenige konnte mir helfen. Ich habe ihren Rat befolgt und Jael aufgesucht. Weil er... weil er sieht wie die Elemente hier dieses Land bestimmen, er sieht die Harmonie, das Zusammenwirken ... er konnte mir mehr helfen, als ihm bewusst ist. Aber ich fragte ihn... nicht dich.... ich habe das Gefühl, dass du die Elemente, die hier herrschen anders wahrnimmst als ich es tue... so anders, dass ich keinen brauchbaren Rat erwartet habe, was sonst selten der Fall ist... wie willst du das handhaben? Wir leben jetzt hier. Wenn wir den Feldzug überleben, dann müssen wir die Neuankömmlinge auch an dieses Land gewöhnen... hier herrschen andere Elemente, nicht die Chollojazhad. Ich kann sie immer noch sehen, sie sind nicht fort... aber... es ist anders ... Ich sehe Goias... ich spüre ihn, er leitet mich ... aber hier trägt er vielleicht den Namen Aeris. Oder manchmal Ignis... das kommt ganz auf seine Laune an... Ich habe noch nicht entschieden wie ich das alles in Einklang bringen will, es ist schwer... aber ich muss es... weil ich gespürt habe welche Kräfte hier wirken. Welche Kräfte in der Kelriothar fehlen. Ich spüre es, ich kann mich dem nicht mehr entziehen... und ich muss danach handeln. Das dürfen wir nicht ignorieren. Hast du dir darüber auch schon Gedanken gemacht? Ich habe ein ganzes Jahr gebraucht, um das zu verstehen.... die Neuankömmlinge werden das nicht einfach so hinnehmen... das kann zu weiteren Unruhen führen."
Nach oben Nach unten
Neome
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 307
Anmeldedatum : 10.08.15

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jul 04, 2016 8:22 pm

Neome lächelte trocken.

"Ein Jahr ist keine lange Zeit, schnellebiges Mädchen. Nicht in solchen Dingen. Haben dir die Karten nicht gesagt, dass fatalistisches Reden dein Ziel von dir fortrückt? Jede Reise endet. Auch diese. Nur wird sie vorher erst wilder. Wann sie endet und was danach kommt können wir nicht sagen. Aber enden wird sie."


Neome Blick engte sich, als Vhenan ihr abermals sagte, sie könne sich nicht raushalten.
"Ich habe dir darauf geantwortet", sprach sie. "Klar und deutlich."
Es ratschte. Qualm stieg auf. Sie hatte ihre Hand zurückgezogen und sich Tabak angezündet. Ein süßlicher Geruch breitete seinen Teppich im Zelt aus.
"Es ist meine Rolle, die richtigen Fragen zu stellen, damit die Leute sich ihre Antworten selbst geben. Nur selten und nicht gern diktiere ich anderen die Antworten vor. Wenn es um die Frage geht, wer Ardens Posten einnimmt - falls es dich beruhigt, diese Frage steht schon im Raum. Aber keine der möglichen Antworten und keine von denen, die ich bis jetzt bekommen habe, scheinen wirklich recht. So oder so wird es mehr eine Notlösung sein, die in der Schnelle getroffen werden muss. Was Arden selbst betrifft."

Sie blies einen dünnen Striemen Rauch in die Luft.
"Ich hab ihn aufgefordert, sich mir zu öffnen, wenn er will. Auch er wird seine Zeit bekommen, sich zu sortieren. Manchmal muss man nicht direkt fragen. Es wird zur Sprache kommen und jeder wird glauben, dass es an ihm lag, gleich, wer es letztlich initiiert hat und durch welchen heimlichen Anstoß."

Hier herrschen andere Elemente, nicht die Chollojazhad, sagte Vhenan. Doch Neome stimmte nicht zu.
"Es herrschen dieselben Elemente. Erde, Feuer, Wasser, Luft....Magie...die Weltenlenker sind Aspekte dieser Dinge und diese Dinge sind Aspekte der Weltenlenker. Eine Kraft manifestiert sich anders, und es wird anders mit ihr umgegangen, doch die Aspekte, die dahinter wirken, bleiben dieselben. Die Kraft, die hier durch den Glauben der Lebewesen und durch das, an was sie glauben, freigesetzt wird, ist spürbar. An sie zu glauben, sich ihnen zu öffnen oder ihnen zu folgen ist kein Widerspruch zu den Weltenlenkern und auch kein Verrat an ihnen. In Valvas ist der Archon ein Mann wie Dion." Kurz fiel ihr Blick in die Tiefe. Sie versteinerte eine Sekunde, ehe sie ihn wieder hob. "Und hier ist es ein Mann wie Karl Weber. Es ist unterschiedlich, aber beide können Archonten sein und teilen sich bei allen Unterschieden den Aspekt ihrer Herrschaft. Und Goias ist ein Aspekt dessen, was die Menschen hier Aeris nennen. Vielleicht mehr ähnlich als gleich. Ich habe keinen Zweifel an den Elementen, denn sie sind überall, sie anzuzweifeln wäre wie das Leben selbst anzuzweifeln. Was allerdings seltsam sein wird für alle Neuankömmlinge und sogar für manche, die länger hier sind, ist die Art mancher, mit ihrem Glauben umzugehen."

Neome begradigte ihre Haltung.
"Es gibt andere Völker mit anderen Gottheiten. Und einen starken Unterschied. Manche Völker bestimmen vage Gebilde ihres Geistes zu einem Gott, Einheiten, die dadurch stark sind und Stärke geben, dass man an sie glaubt. Der Glauben schafft die Kraft. Und andere Völker nehmen Dinge, die es schon gibt, und machen sie zu ihren Göttern. In diesem Fall schafft die Kraft den Glauben. Im ersten Fall kann dein Gott nur Gewalt auf dich ausüben, wenn du an ihn glaubst. Im zweiten kann er es, gleich, ob du an ihn glaubst oder nicht. Die Menschen hier haben die Elemente selbst zu ihren Gottheiten gemacht. Freilich spürst du sie. Und der Glaube, der dadurch entsteht, vermehrt die Wirkung. Wenn es dich stärker macht und dir hilft, warum solltest du nicht daran glauben? Du hattest Zweifel daran, dass ich die Elemente anerkenne?"
Nach oben Nach unten
Vhenan
Einwohner
Einwohner
avatar

Anzahl der Beiträge : 728
Anmeldedatum : 17.07.15
Ort : Gutenbucht/Shäekara

BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jul 04, 2016 9:18 pm

Vhenan grummelte leise, als sie wieder genau das tat, wovor die Karten sie warnten.
Ein Jahr ist sehr lang“, verkündete sie stur. Besonders für jemanden ohne viel Geduld war es eine Ewigkeit. Und es kam ihr vor als hätte sie in dieser Zeit kaum etwas getan.

Als Neome einen schärferen Ton anschlug, sei es nur durch ihre Augen, hob auch Nenani ernster das Kinn. Sie verkniff sich den Seitenhieb gegen Arden. Es lag ja auch an ihm!. Zumindest verbal, vielleicht sprach ihr Blick mehr als sie ahnte.

Dann lauschte sie weiter und konnte dem am Ende nur nickend zustimmen. Mit ihren eigenen Gedanken war sie nie zu diesem Ergebnis gekommen. Wie so oft.

Zweifel würde ich es nicht nennen...“ Auch Nani setzte sich wieder auf, um auf die ernste Frage zu antworten. „Ich habe mich mit den Aspekten befasst, die den einzelnen Elementen zugeordenet werden können... manchmal nicht ganz freiwillig, aber das tut hier nichts zur Sache. Ich habe versucht herauszufinden welches Element mich antreibt... welche Elemente die anderen Oshead antreiben. Es ist vielleicht hin und wieder sehr vereinfacht, aber... ich habe bei Raûl eine Tendenz zu Aerisgesehen... bei Asdan zu Terra... bei Arden zu Aqua... sogar Gwen glaubt sie ist Terra verbunden... also habe ich mich irgendwann gefragt welches Element dich leitet. Es muss ja nicht nur eins sein, jeder trägt alle Elemente in sich, aber mir wurde erklärt, dass jeder ein Element hat, das ihn am meisten prägt. Es ist wie eine große Säule, umringt von vier anderen, die die anderen Elemente repräsentieren. Wie hoch diese jeweiligen Säulen sind ist bei jedem unterschiedlich... deswegen... habe ich eine Antwort gesucht... und bei dir keine gefunden.

Jetzt lächelte Vhenan wieder ehrlicher. „Ich unterstelle dir gar nichts. Und ich weiß, dass wir Naihlar von allen Elementen geleitet werden. Wir brauchen alle. Wir segeln auf Aqua, wir tanzen mit Aeris auf Geschenken, die Terra uns gab. Und wir tragen Ignis im Herzen, um die Stürme zu bezwingen. ... Um es ein wenig dramatisch und elementkonform zu formulieren.“ Sie grinste und machte eine wegwerfende Handbewegung. Das war vielleicht doch etwas übertrieben gewesen.

Wie gesagt... ich habe fast ein Jahr gebraucht, um mich darauf einzulassen... und ich finde einige Dinge nach wie vor seltsam und unsinnig... ich schätze das wird sich nicht ändern... Ich fragte dich deshalb direkt, weil ich allgemein Schwierigkeiten habe dich zu lesen. In manchen Punkten. Nimm es als Kompliment, nicht als Beleidigung. Deshalb war ich mir nicht klar darüber wie du über all das hier denkst. Oder wie du es lenken willst. Immerhin bist du diejenige, zu der alle Neuen aufblicken. Aus unterschiedlichen Gründen, ob dir das gefällt oder nicht. Deswegen frage ich. Damit die anderen und ich dich unterstützen können. Du musst das nicht allein machen. Nur fehlte mir ein Kurs, um eine Botschaft vermitteln zu können, die auch in deinem Sinne ist.

Die Menschen haben sie nicht zu Göttern erhoben. Sie waren lange vor den Siedlern hier... sie haben die Kraft. Sie lassen es uns nicht nur glauben.... Hast du es nicht selbst gespürt, als die Herrin der Elfen dich heilte? Hast du nicht ihre Kraft gespürt, die auf dich überging? Die Herrin der Elfen hat auch mich... an einem anderen Zeitpunkt für einen kurzen Moment gestärkt... in der Hohld habe ich mich einem Edalphi ausgeliefert und er hat mich geheilt... Das hier sind keine Götter aus Geschichten... ich glaube nicht an sie, weil ich sie sehe, sondern weil ich ihre Kraft gespürt habe. Ich habe eine Flamme in einem Freundschaftsträger von Ignis gesehen. Sie hat sich mir offenbart und ich habe sie brennen sehen. Ein loderndes Feuer in ihr.... es war wunderschön! Das ist etwas anderes als.... Götter in anderen Landen. ... Sie beherrschen uns nicht.. Sie dienen diesem Land. Nicht uns. Nicht sich selbst.
Nach oben Nach unten
 
Neomes Zelt
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 2 von 4Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3, 4  Weiter
 Ähnliche Themen
-
» Neomes Zelt
» Fragen zum Campingplatz
» Zelt in Scheune nochmal herstellen?
» Ein Zelt - Altes Klauendruiden-Ritual

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Reich der Rosen :: Gutenbucht - Takbal-
Gehe zu: