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 Neomes Zelt

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Neome
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 05, 2016 9:57 am

"Ich entstamme dem Windvolk und erlebe die Welt auch so, was also die Elemente in ihrer reinen Form angeht, ist die Wahl nicht schwer. In mir sind weder die ruhige Erdung noch der gefräßige Antrieb am Stärksten. Sein wie der Fluss, der Hindernisse zurücklässt, indem er sie umfließt, das trifft es eher. Noch mehr aber trifft es die Luft, die Hindernisse auf gleiche Weise umgeht, sie weht herum, aber anders als beim Wasser sieht man die Wege nicht, die sie geht. Und trotzdem kann ich es dir, was dieses Land betrifft, noch nicht sicher sagen. Die Wesen rücken womöglich andere Aspekte der Elemente in den Vordergrund."

Neome sah nicht annähernd so aus, als wäre sie überhaupt auf den Gedanken gekommen, beleidigt zu sein, weil Vhenan sie nicht lesen konnte.
"Eben weil viele Augen zu mir sehen, wäre es gefährlich, wenn ich so leicht zu lesen wäre", erwiderte sie sanft, mit einem fast zustimmenden Schmunzeln. "Weil nicht alle Augen so wohlwollend und freundschaftlich sind wie deine. Aber ich weiß, dass ich nicht allein bin."
Sie überlegte ein paar Sekunden.
"Ich hab darüber nachgedacht. Und weiß rückblickend nicht, ob es wirklich diese Elfe war, die mich geheilt hat, wie du sagst. Mein Gefühl sagt mir, dass sie wenig damit zu tun hatte. Sie hatte die Rolle einer Mittelsfrau und sie hat die Situation begünstigt, sich zu öffnen und den Druck herauszulassen, der da war. Aber es war viel mehr der Rückhalt der meinen. Sie hat im Grunde, mir geholfen, den Blick auf den richtigen Fleck zu lenken. Das ist das, was ich zumeist bei den anderen tun will - aber manchmal brauche auch ich einen Rat." Ihr Schmunzeln zuckte neckisch hoch, obwohl ihre Augen einen seltsam gründerischen Ernst behielten. Sie drehte den Vilgrinbecher.

"Hast du dein Element schon gefunden?"
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 05, 2016 12:59 pm

Nani lauschte gespannt und trank einen Schluck Vilgrin. Dann grinste sie. „Das stimmt...“, murmelte sie leise und trank noch einen Schluck, bevor sie den Becher wieder abstellte. „Ich habe es trotzdem versucht und bin immer gescheitert...“ Es klang nicht bedauernd, eher so wie eine Herausforderung, die noch nicht bezwungen war. Menschen zu lesen war schwierig. Aber dieser Anlass war wichtig genug, um eine sinnvolle Abkürzung zu nehmen und zu fragen.

Auf Neomes Antwort, dass sie wisse nicht allein zu sein, nickte Vhenan mit einem ehrlichen Lächeln hin und entspannte sich innerlich. "Gut." Neome ging andere Wege, aber solange sie das wusste und sich wirklich darüber bewusst war, gab es nichts mehr um weiterzubohren. In dieser Hinsicht erschien die Pakata einsichtiger und klüger als Raul, der auch nicht alleine war und trotzdem alles allein machen wollte.

Hmm... vielleicht war deine Begegnung mit ihr doch anders... ihr habt geredet. Ich konnte ihr kaum antworten.
Vhenan dachte an den Moment zurück, konnte sich aber nicht ganz daran erinnern was da eigentlich geschehen war. Sie wusste aber, dass es geholfen hatte.

Ich denke schon... Es hat mich gefunden. Aber es ist nicht das Element, das ich erwartet habe. Viele wollten mir Ignis andrehen und ich war mir nicht sicher, ob das überhaupt stimmt... ich habe lange darüber nachgedacht, auch weil ich lange davon ausgegangen bin, dass es falsch ist. Ich dachte Aeris sei es... ich lag wohl falsch. Jedenfalls was ihre Kraft angeht... Ignis ist stärker, aber hin und wieder zeigt sich auch Aeris... Ich weiß noch nicht wie ich damit umgehen soll... Ich hatte vermutlich Angst davor es überhaupt anzunehmen, was mich auch wieder zurückgehalten hat.... wir freunden uns noch miteinander an...“ Vhenan grinste leicht. Seit fast einem Jahr freundeten sie sich an und es kam ihr vor als wäre sie kaum voran gekommen.

Mittlerweile denke ich, dass die anderen alle Recht hatten und ich mal wieder blind gewesen bin... ich frage mich nur was gewesen wäre, wenn ich den Zweiflern nicht in die Hände gefallen wäre. Dann wäre Ignis niemals in dieser Form erwacht... jedenfalls vermute ich das... Die haben das heraufbeschworen und ich muss jetzt auch damit leben. Vielleicht ein weiterer Grund für meine Ablehnung... ich weiß es nicht. Aber für den Moment... habe ich mich mit Ignis abgefunden. Mir gefällt de Gedanke mittlerweile sogar... Das Feuer hilft mir... es ist nützlich und eröffnet mir neue Wege … nur manchmal richtet es auch Schaden an ... die Frage ist, ob es so bleibt, wenn wir den Feldzug überleben sollten... wohin er mich dann führt ist ungewiss...
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jul 09, 2016 4:51 pm

"Dann, liebe Nenani, hoffe ich, dass du offen an das herangehst, was ich dir nun sage, denn es wird bestimmt nicht das sein, was du erwartet hättest. Und oftmals sind die Dinge, in denen gravierendes Potential liegt oft auch die Dinge, die uns zuerst am undenkbarsten scheinen."

Neome streckte sich und tippte dann mit einer hauchfeinen Berührung auf die letzte Karte.
"Die achte Karte spricht über den Schlüssel zu deiner Frage. Es ist das Ass der Münzen. Im Ass liegen stets sämtliche Aspekte einer Farbe. Das Ass bedeutet, eine Chance und eine Gelegenheit, die ergriffen werden muss. Es mag wohl sein, dass in dir das Feuer am stärksten ist. Und das ist gleichzeitig, womit du zu kämpfen hast. Der Schlüssel liegt im Element Erde. Denn dafür steht die Münze."

Es strich ein Moment dahin, indem Vhenan die Nachricht ankommen lassen konnte.

"Du brauchst vielleicht nicht Wasser, denn du musst das Feuer nicht löschen. Du brauchst Erdung. Diese Karte ist nur eine Chance, keine Gewissheit. Aber vielleicht wäre es hilfreich für dich, dein Auge auch einmal einem Element zuzurichten, das du bisher nie in Erwägung gezogen zu haben scheinst."

Sie lächelte, auch, weil sie nun schweig. Neome kannte Vhenans Drang, ihre Meinung unmittelbar kundzutun und sie räumte ihr die Gelegenheit ein, ohne dass sie erst dazwischenrufen musste.

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Sa Jul 09, 2016 5:58 pm

Oh.“ Vhenan sprach das kleine Wort wenig begeistert aus und nahm automatisch eine ablehnendere Haltung an, um den Schlag besser auffangen zu können, der wohl folgen würde. Es klang nicht vielversprechend.

Die Naihlar hörte alarmiert zu und beugte sich der Münze entgegen. Dann schlug die Botschaft zu. „Was? Erde? Terra?!“ Vhenan sah so ungläubig aus als hätte Neome ihr gesagt, sie hätte dem Rum abgeschworen.
Das ist doch jetzt ein Scherz oder?“ Sie glotzte noch einmal auf die Karte und lachte dann hilflos, bevor sie Neome weiter zuhörte und gar nichts tun konnte außer sich dem Unglauben hinzugeben. Machte die Pakata sich gerade lustig? Aber es schien zu stimmen.... bei Tarot scherzte man in der Regel auch nicht.

Als Neome abschließend schwieg... schwieg auch Vhenan unerwartet. Sie konnte keinen Gedanken wirklich greifen, das war... zu unerwartet und suspekt. Erst nach einer kleinen Weile fand sie neue Worte.
Die sitzen im Blumenbeet und spielen Harfe! Und singen dabei! Und die beten den ganzen Tag!
Das waren alle negativen Aspekte, die ihr gerade einfielen, alles Dinge, um sich Terra besser vom Hals zu halten, wenn man nicht gerade mit der Rotte zu tun hatte.

Dann seufzte Vhenan erneut genervt und lehnte sich zurück. „Manchmal hasse ich die Karten.“ Ein Grinsen schwächte diese Behauptung ab, denn nur durch solche Wendungen waren sie ja sinnvoll. Bisher hatten die Karten sie nie enttäuscht.

Im Ernst? Das ist das Element, das ich am Wenigsten verstehe.... da ist mir sogar Aqua lieber.... felszlach!
Sie brummte einmal mehr und ließ die Erkenntnis langsam sacken. Noch war der Widerstand zu groß, um sich dieser Möglichkeit zu öffnen. Allerdings kam ihr wieder in den Sinn, dass sie keine Zeit hatten... wenn sie es jetzt nicht versuchte, dann bekam sie keine Chance mehr und gefährdete ihr eigenes Ziel.

Nagut.... wenn die Karten das meinen.... dann versuch ichs mal mit Terra... schlechter als mit Aqua kann es ja kaum laufen...“, merkte sie sarkastisch an und schüttelte den Kopf. Das war so absurd, dass es schon wieder lustig war und sie lachen ließ.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jul 10, 2016 10:41 am

Auch Neome lachte. Es vermittelte sofort ein anderes Bild von ihr, zog den Schleier von Wahrsagemythos für einen Augenblick über ihr fort.

"Ruhig, ruhig", sagte sie im Abklang dieses Lachens. "Es muss ja nicht bedeuten, dass Terra jetzt von allen Elementen das deine sein muss. Aber erkennst du den Hinweis, den die Karten dir geben? Du hast viel versucht und doch weisen sie dich darauf hin, dass es einen blinden Fleck bei dir gab, all die Zeit, eine Möglichkeit, die du gar nicht in Betracht gezogen hast. Vielleicht ist die Erdkarte nur ein Sinnbild dafür, deinen Blick zu erweitert und nicht von Vornherein Dinge auszuschließen. Aber wenn du selbst sagst, dass es das Element ist, das du am wenigsten verstehst - du musst es nicht lieben lernen, aber wie wäre es mit einem Versuch, es zu verstehen?"

Neome schien selbst überrascht und angetan von dem Ergebnis der Karten, als sie sie behutsam wieder aufsammelte.

"Ich habe heute Abend ein Treffen mit Raûl im Kartenhaus. Mallo ist wieder da und hat Karten mitgebracht. Komm auch, wenn du willst. Es gibt noch etwas anderes, das ich ansprechen muss, etwas, das Wamai betrifft."
Ihre Miene festigte sich.
"Es wäre gut, wenn du dabei bist."

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jul 10, 2016 12:58 pm

Ich glaube nicht, dass es das ist!“ Vhenan sprach wieder dazwischen, um diesen Punkt klarzustellen. Obwohl sie sich noch nicht großartig mit den Aspekten dieses Elements beschäftigt hatte... Eine Meinung hatte sie in diesem Fall aber trotzdem. Wie so oft.

Abschließend hörte sie stumm zu und nickte einsichtig. „Aber ich vertraue den Karten... Ich werde sehe, ob Terra wirklich gemeint war oder ob ich etwas anderes übersehe....“ Sie nickte bestimmt und motiviert. Es war ein überraschendes Ergebnis, Vhenan grinste noch immer darüber. Sie mochte den Humor der Karten.

Anmei.

Dann trank sie einen Schluck Vilgrin und beobachtete die Pakata dabei, wie sie die Karten einsammelte.

OH! Mallo! Nanuz!“ Ihr Blick hellte sich auf, als der lange Zeit abwesende Freund erwähnt wurde. Den würde sie später gewiss noch überfallen! „Ich werde da sein.

Sie ließ einige Momente verstreichen und richtete ihren Blick wieder auf die Briefe, die abseits lagen und übergangen wurden.

Was den Winter betrifft... du hast in den Texten gelesen, dass die Aerisportale beschädigt wurden... Genefe hat wie gesagt die Vermutung, dass Firin Krähensang und der Weltenbrecher eine Rolle spielen.... Ich interpretiere das so, dass er als Vertreter der Leere, so nenne ich es jetzt mal.... vielleicht den Weltenbrecher nutzt, um eine zerstörende Brücke zu schaffen? Das ist das, was ich aus diesen Texten und ihren Worten herausfiltere... der Weltenbrecher ist mächtig. Vielleicht können die ihn nun besser einsetzen und nicht nur kurzzeitig, um uns zu besuchen und zu verschleppen.... Und was.... die Bekämpfung angeht...  Ich  weiß nicht wie diese Melessan gestorben ist... tot ist tot. Ich glaube eher, dass in beiden Texten Wahrheit liegt. Dass die Leere und auch die Vinshar damit zu tun hatten und Melessan totzdem zu Eis wurde. Würden sie behaupten, dass eine solche Statue existiert, wenn es nicht stimmt? Aber ich weiß nicht, ob sie tatsächlich noch dort steht. Wie gesagt. Tot ist tot. Vielleicht braucht es eine zweite Statue, um zu siegen.... vielleicht siegen wir und der Winter kommt trotzdem... Ich würde es aber vorziehen selbst zu kämpfen und nicht nochmal zusehen zu müssen wie jemand anderes für mich stirbt.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jul 11, 2016 10:36 am

Neome hatte keineswegs vor, die Briefe zu übegehen. Sie richtete sich diesem Thema zu, sobald die Karten fortgeräumt waren. Sie legte den Stapel an einen anderen Ort als den, von dem sie ihn vorher genommen hatte. Dann ruhte ihr Blick lange auf Vhenan.

"Eine Frage, die sich jeder einzelne stellen muss, ist ob er dieses Land genügend liebt. Ob er Dinge hat, an die sein Herz gebunden sind, die ihn überzeugen, sein Leben für diese fremde Erde zu riskieren. Gerade für einen Naihlar ist ein Boden nur so lange Heim, solange es ihm als solches gut dient. Versagt es seinen Dienst, zieht der Nomade weiter. Er wurzelt nicht in kranker Erde. Die Entscheidung, es doch zu tun und sein Leben dabei aufs Spiel zu setzen, ist eine Gravierende. Liebst du diese Welt genug, um es mit vollster Überzeugung zu tun?"

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mo Jul 11, 2016 12:38 pm

Vhenan ließ Neomes Worte sacken, lehnte sich wieder ein wenig zurück und dachte darüber nach. Für etwa drei Wimpernschläge.
Die Antwort auf deine letzte Frage ist 'nein'.“ Vhenan grinste leicht. „Das Land, die Erde ist mir relativ egal. Aber die Menschen und... andere Lebensformen sind es nicht. Wenn ich kämpfe, dann für die Bewohner hier. Für meine Freunde.
Sie richtete sich wieder auf und beugte sich leicht nach vorn.

Du hast Recht... wir könnten die Segel setzen und an einen anderen Ort fahren. In Gebiete, die vielleicht sicherer sind... aber das gilt nur für Naihlar. Was ist mit den Leuten, die wir hergebracht haben? Die Chirya... die Ghalmaren... sogar die Naeviten sind vor dem Krieg auf Ortac geflüchtet. Und jetzt sind sie hier. Wenn du dachtest, dass die Gefrorenen daheim ein schlimmes Schicksal erlitten haben... dann stimmt das, aber hier gibt es aus der Kelriothar eine ganz andere Bedrohung. Ich weiß was die dort mit Gefangenen machen... die töten dich nicht. Die quetschen alles aus dir heraus, was sie nutzen können... du stirbst irgendwann von allein. Manchmal haben sie nicht einmal für den Tod einen Finger krumm gemacht. Wenn wir nicht kämpfen... dann überrennen die uns. Irgendwann kommen sie hierher... nicht nur mit kleinen Truppen... sondern mit einer Armee. Dann versklaven die jeden, den sie in die Finger bekommen und benutzen ihn wie sie es wollen und solange sie wollen.

Vhenan schwieg einen Moment, wurde von Erinnerungen geohrfeigt und schüttelte sich leicht.

Wir können nicht alle wieder wegbringen... wohin denn auch? Das hier ist jetzt unser Zuhause. Wir haben es selbst gewählt. Diesen Heimathafen. Wer nicht bereit ist für sein Zuhause zu kämpfen, der verdient es nicht. Ich brauche kein Land, um glücklich zu sein, ich brauche seine Menschen. Und ich bin nicht bereit sie einfach so sterben zu lassen, weil ich zu feige bin etwas zu tun. Ich werde nicht weggehen. Meine Antwort ist deshalb: Ja, ich würde für meine Überzeugung sterben. Nicht für dieses Land, sondern um diejenigen zu schützen, die mir wichtig sind.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 12, 2016 1:54 pm

Neome nickte. Sie dachte bereits über die Worte nach, während Vhenan sie noch aussprach. Einmal kurz zuckte ihr Mundwinkel. Wer wusste schon, was Karg oder die Gefrorenen mit den Menschen mochten, ob sie sie nur töteten. Gefoltert wurde doch im Grund überall, wo Krieg war, gerade für Informationen. Nur sprach man selten mit denen, denen es passierte, aus offensichtlichen Gründen.

"Für mich heißen hier alle gleich", vertraute sie Vhenan dann an. "Die Leute sind aufgedunsen vor Titeln und komplizierten Namen. Wir werden einen viel besseren Überblick darüber brauchen, wer wer ist und was er zu bedeuten hat. Die Geschichte dieses Landes hat sich mir nie entworren."
Damit leerte sie ihren Becher.
"Es scheint, als gäbe es tausend lose Enden und niemanden, der sie anständig zusammenführen kann. Das wird mehr Arbeit als Vergnügen."
Neome lächelte schief. Natürlich wurde es mehr Arbeit. Nur ein Naihlar dachte in so einer Situation überhaupt an Vergnügen, hätte wohl mancher geschimpft, obschon es nicht stimmte. Je dunkler die Stunde, umso gieriger die Blicke nach dem Licht.
"Wir müssen aufpassen, dass wir bei all dem Theater unseren guten Humor nicht auf der Strecke lassen."

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 12, 2016 6:59 pm

Vhenan grinste plötzlich breit. „Mit Titeln übertreiben sie es wirklich“, warf sie dazwischen und freute sich über diese Meinung, die sie teilten. Sie nickte und schwieg solange, bis Neome den Humor erwähnte.

Da sagst du was!“ Vhenan trank darauf den Rest Vilgrin und stellte den Becher ab.
Damit sollten wir nicht geizen... ich habe den Eindruck, dass die anderen Reichsbewohner sich mit Humor schwertun... sie können ihn... irgendwie nicht selbst erzeugen. Aber sie freuen sich häufig, wenn jemand gute Laune verbreitet. Ich glaube, dass wir da in einer ziemlich nützlichen Position sind....“ Sie lehnte sich wieder zurück und grinste weiter.

Man sollte sich auch besser merken welche Gesichter wichtig sind und welche Funktionen sie haben.... die Titel kann man getrost vergessen, wie ich finde... und erstaunlicherweise akzeptieren es auch viele nur mit dem Namen angesprochen zu werden... die sind gar nicht so kompliziert, wie ich gedacht habe... aber das gilt nur für das Rosenreich und die meisten Lehen. Du siehst ja an Balors Brief, dass der auch alles durcheinanderbringt... wenn ich damit Recht habe... also scheiß drauf.“ Sie zuckte mit den Achseln.

Ich bin bisher auch damit durchgekommen, solange ein bisschen Grundrespekt vorhanden ist... ich würde das nicht so eng sehen.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 13, 2016 8:10 am

"In einem Reich, in dem Schweinemenschen ein eigenes Lehen bekommen und der Herrscher sich Borst nennen lässt, kann es gar nicht so strikt zugehen." Neomes Mund zuckte. "Aber jetzt müssen wir zusehen, dass uns unser eigenes Reich nicht kopfsteht. Ich weiß...aus Erfahrung, dass sogar die Naihlar Schwierigkeiten haben, andere Konzepte der Weltenlenker anzunehmen." Ihre Stirn fiel in leichte Furchen. "Aber vielleicht", wischte sie den Einwand, der ihr Gesicht für die Dauer eines Herzschlages so seltsam eingefärbt hatte, dann weg, "sind die Elemente ihnen nicht fremd genug und sie finden einen Konsens zwischen dem Glauben der Menschen von Mytraspera und ihrem eigenen. Eine ähnlliche Sache, unterschiedlich benannt. Da ist noch etwas anderes. Es interessiert mich. Wen sähest du an Ardens Stelle, wenn er kein Heerführer mehr sein will?"

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 13, 2016 1:14 pm

Wen ich sehe?“ Vhenan war überrascht, dass sie gefragt wurde. Aber die Frage war nur berechtigt. Wer einen Platz räumte, musste ersetzt werden und derjenige, der seine Finger dabei im Spiel gehabt hatte, der trug auch weiterhin eine Verantwortung.

Sie nickte willig und überlegte einen Augenblick. „Ich weiß es nicht... es gibt keinen, der all das in sich vereint, das notwendig ist, um ein guter Heerführer zu sein, fürchte ich. Es gibt viele, die nicht kämpfen können... dann gibt es die, die es nicht wollen oder sich fürchten. Wie Arden... Mallo... Denen fehlt der letzte Schritt, um sich durchsetzen zu können. Vielleicht lernen sie dazu, vielleicht nicht. Und dann gibt es die, die anführen wollen, aber keinen Überblick oder keine Erfahrung haben. Wie Raûl zum Beispiel. Er ist ein guter Kämpfer, genau wie Arden... aber er ist kein Krieger. Er ist ein Gomba. Ein Gomba bestitzt andere nützliche Fähigkeiten. Auf Kaperfahrten, als Söldner oder Leibwächter hat er viele gute Dinge gelernt, aber er ist kein Anführer auf dem Schlachtfeld ... er ist im Kampf genauso unruhig und wüst, wie als Mazhahk. Das ist keineswegs schlecht, ich schätze seinen Einsatz und konnte ihm viel besser folgen als Arden, aber... auf dem Schlachtfeld geht das eigentlich auch nicht.... sein Ego ist dafür zu gierig. Tja... Jael... würde ich als Berater hinzuziehen, wenn nötig... er hat eine gute und klare Vorstellung davon wie ein Heerführer sein sollte. Ich bin sehr angetan von seiner Sichtweise... aber er ist ein Einzelgänger, ein Späher. Tja... Niemand von uns würde Vayle folgen, selbst wenn er kämpfen kann... und Revan ist ein Wanderer...

Vhenan seufzte und grinste anschließend schief.

Keiner von uns ist darauf vorbereitet. Es geht bei dieser Aufgabe nicht darum sich zu profilieren... Das schließt Raûl aus. Er hat auch genug andere Aufgaben. Es geht darum eine Schlacht zu gewinnen und dabei die Verluste möglichst gering zu halten... Das schließt auch Arden aus, denn er wollte niemanden opfern. Er hat ein zu gutes Herz dafür und kann keine schwierigen Entscheidungen treffen. Er ist keine Inspiration.... Ich kann dir darum nur eine Antwort geben: Wir haben keinen fähigen Heerführer. Wenn jemand diese Bürde auf sich nehmen soll, dann muss er es ohne wenn und aber annehmen. Jetzt. Dann darf er nur im Dienst dieser Aufgabe stehen und alles andere hat er hinten anzustellen. Aber ich wüsste nicht wer dazu bereit wäre.

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jul 14, 2016 10:03 am

Neome hörte zu. Hin und wieder richteten sich ihre Mundwinkel auf, nie weit genug für ein Lächeln.
"Zwei halbe für ein Ganzes", sprach sie schließlich. Es klang nach einer Zustimmung. "Das war der Ausweg, auf den ich gehofft hatte. Ich habe, gleich nachdem Raûls und mein Weg sich getrennt haben, versucht, herauszufinden, ob die Möglichkeit besteht, dass Revan und Jael die Aufgabe gemeinsam übernehmen. Revan bringt die strategische Erfahrung von seiner Ausbildung in Ghalm mit sich. Und Jael hat Mund, Füße und Augen, die Entscheidungen an die Menschen heranzutragen, sie ihnen begreiflich zu machen und darauf zu schauen, dass sie eingehalten werden."
Es deutete sich schon an, dass ihre Idee einen Haken hatte.
"Revan wird uns dieses Jahr vermutlich nicht begleiten. Ihn halten andere Pflichten zurück. Damit stellt sich die Frage, ob Jael der Sache allein gewachsen ist, oder ob es besser wäre, unsere Leute schlössen sich einem anderen Heerführer an, um befreundete Truppen zu stärken. So diese Möglichkeit überhaupt besteht."

Neome blickte zum Zeltausgang. Der Hagel hatte sich für den Augenblick beruhigt, wer wusste wie lange.

"Es ist ein Wagnis. Wie die meisten Dinge im Leben. Setzen wir die Messlatte hoch an für Jael, wird er wachsen, um sie zu erreichen oder wird er sie unterschreiten?" Neome spannte die Augen an, als blicke sie durch Schatten. "Meine Mutter hat mir etwas beigebracht. Über eine Geschichte, die mein Vater mir überbracht hat. Eine Frau namens Zarra hatte viele Kinder, ältere und jüngere. Und ihre Schwestern und Brüder hatten ebenfalls viele Kinder. Die Jungen und Mädchen stritten sich untereinander und rangelten und die stärkeren triezten die, die schwächer waren. Zarras Schwester bestrafte die Aufsässigen. Anschließend hatten die Schwächeren noch schwerer unter deren Gemeinheiten zu leiden. Zarras Bruder sagte zu den Friedlichen: 'Ihr müsst zurückschlagen.' Aber sie waren nicht dafür gemacht, zu kämpfen, und sie gewannen den Kampf nicht, stattdessen bezogen sie noch mehr Prügel. Dann ging Zarra zu den Kindern, die den meisten Ärger verursachten und gab ihnen eine Aufgabe. Sie sah ihnen einzeln in die Augen und sagte: 'Es gibt hier Ungerechtigkeiten. Stärkere übergehen die Schwächeren. Ich brauche dich, um auf die Friedlichen zu achten und das Gleichgewicht zu wahren. Achtest du darauf?' Jetzt fühlten sie sich verantwortlich. Sie steckten ihre Energie in ihre Aufgabe und die meisten Kämpfe erledigten sich von allein."

Neome schwieg kurz.
"Vielleicht ist Jael Einzelgänger, weil er nicht anders kann. Doch was, wenn ihm allein der Ansporn fehlt? Ist es nicht früh, ihm die Zielstrebigkeit abzusprechen, ehe ihm jemals ein Ziel gegeben wurde?"

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jul 14, 2016 12:44 pm

Vhenan lächelte während Neomes Erzählung sanft und sagte abschließend: „Kinder sind viel leichter zu lenken als verbohrte Erwachsene.“ Sie behielt ihr Lächeln bei und nickte hin und wieder.

Was ist wenn wir Jael damit seinen Fähigkeiten und seiner eigentlichen Stärke berauben? Er ist wie der Wind. Mal hier, mal da, aber nützlich darin. Ich weiß nicht, ob ihm eine Aufgabe fehlt oder ob es in seiner Natur liegt... In Takbal kümmert er sich vorbildlich um die neu angekommenen Familien. Nicht nur Chirya. Er verteilt Aufgaben, hilft einzelnen bei persönlichen Problemen... er lenkt. Aber er ist frei darin, damit er schnell den Ort wechseln kann.“ Jetzt zuckte Nani mit den Schultern. „Ich bin unsicher... aber ich denke er könnte die Aufgabe eines Anführers erfüllen. Wenn er sie annimmt.

Ihr Blick wurde undurchsichtiger, ein Funke Winderstand kam auf.
In der Hohld sind wir Karl gefolgt... Und Balor, aber der war eigentlich nur dafür da die Befehle laut rauszubrüllen...“ Vhenan grinste wieder. „Und er hat es einfach getan.... keine dankbare Aufgabe und keine, die ihn besonders klug erscheinen ließ. Jedenfalls... sind wir ihnen gefolgt, weil sie die Aufgaben koordiniert haben. Wenn es in der Kelriothar Aufgaben vom Banner- oder Viertelrat gibt, sollten wir uns vielleicht einfach dem anschießen, der die Truppen anführt. Das gilt zumindest für größere Aufgaben... und für Kleine, die wir allein bestreiten... da stürzen wir ja sowieso meist chaotisch voran, um erstmal zu schauen was überhaupt getan werden muss. Wir haben auch das Problem, dass wir keine gute, geschlossene oder vertraute Kampfeinheit bilden. Raûl und Arden sind vollgerüstet und waren immer gewillt in die erste Reihe zu preschen. Asdan genauso, aber er trägt keine Rüstung... ich... war Bogenschütze und musste sowieso an einer anderen Stelle kämpfen. Wir sollten deshalb dringend Taktiken besprechen und das demjenigen einbläuen, der Anführer wird. Oder eben mehreren, wenn sie sich die Aufgabe teilen. Ich habe keine Erfahrung damit wie man soetwas koordiniert, aber ich habe festgestellt, dass wir nicht aufeinander achten. Deswegen habe ich Arden die Meinung gesagt. Jemand muss diese lebendigen Taktikwechsel überblicken und lenken. Einmal sind viele Kämpfer auf eine Trupp des Untoten Fleisches losgegangen … Ich habe mich einer anderen Bogenschützin angeschlossen, um effektiver zu sein. Wir haben die Plattenkämpfer weiträumig umrundet, um uns von hinten an die unbewaffneten, wichtigen Untoten zu schleichen. Das lief auch ganz gut, bis die Plattenkämpfer das gemerkt haben... und dann kamen sie zu uns. Felzlach! Wir hatten keinen Schutz, jemand hätte auf uns Acht geben müssen, wenn wir schon schutzlos auf die Wichtigen zielen... das hat da auch nicht funktioniert. Die andere Bogenschützin ging zu Boden und ich habe mich flüchtend hinter meinem Schild versteckt, bis ein Kämpfer kam, der dem Untoten gewachsen war. Das hat aber viel zu lange gedauert. Was ich damit sagen will: Wir müssen unseren Blick weiter richtigen als nur auf uns selbst. Das sollten wir in jedem Fall an alle weitergeben... vielleicht sind sie sich dessen nicht bewusst... oder können es nicht sein, mir war es bis zu dem heiklen Maneuver in der Hohld auch nicht klar. Wir sollten dringend daran arbeiten, egal wer uns führt.

Sie blickte Neome ernst an. „Was ist, wenn...“ Vhenan zögerte noch und seufzte leise. „Was hältst du davon Jael und Arden die Rolle gemeinsam übernehmen zu lassen. Arden HAT taktische Kenntnisse, genau wie Revan, er weiß wie Truppen funktionieren müssen. Ihm fehlt nur der Biss sich durchzusitzen. Er kann denken und kämpfen, nur nicht reden. Aber das kann Jael. Vielleicht... wäre das eine Möglichkeit. Ich habe ja nie gesagt, dass Arden generell unfähig ist. Vielleicht ist Jael als Lehrer gut für ihn? Sie vertreten eine ähnliche Einstellung, wie ich meine... ich könnte mir vorstellen, dass das funktioniert. Wenn Arden noch bereit ist das zu tun... vielleicht nur für diesen Feldzug. Wir haben nicht viele Möglichkeiten.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 20, 2016 5:13 pm

"Wir können es ihm vorschlagen", sagte Neome, nachdem sie lange nur zugehört hatte. "Wenn sie überzeugt sind, ist es vielleicht ein Weg. Aber ich weiß nicht, ob die Verunsicherung in Arden nicht noch zu groß ist."
Sie begann plötzlich damit, in ihren Sachen zu wühlen und wandte sich dafür ein wenig ab.
"Ist wie eine eitrige Wunde am Fuß. Wenn man den Stiefel ausgezogen hat, müssen die Zehen erst ein bisschen an der Luft heilen, bis man sie wieder einquetschen kann. Ich weiß nicht, ob Arden nicht nur humpeln würde, wenn er jetzt schon wieder in den Stiefel schlüpfte, aber wir können mit ihm reden. Ich wollte sowieo noch zu Jael."

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 20, 2016 6:30 pm

Gut.... dann rede du mit beiden. Eine bessere Alternative habe ich leider auch nicht. Ich würde sonst einfach vorschlagen uns dem Heilerschutz anzuschließen. Das ist sehr sinnvoll, hilfreich und wenig anspruchsvoll für Führungskräfte. Man richtet sich ja nach dem, was auf einen zukommt.... und wohin die Heiler an die Arbeit müssen. Und ich habe gehört, dass es im letzten Jahr etwas vernachlässigt wurde, was viele Kräfte kostete.

Nani zuckte mit den Schultern und ließ die Pakata kramen.

Im Reich gibt es ja einige Heiler. Vielleicht kann Asdan dort gleich etwas lernen... vorausgesetzt die rücken geschlossen aus. Das werden wir dann ja sehen.
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jul 24, 2016 12:41 pm

"Keine schlechte Idee", stimmte Neome über das Rascheln ihrer Handbewegungen hinweg zu.
"Komm doch ins Kartenhaus heute Abend bei Sonnenuntergang. Ich möchte, dass du Mallos Ergebnisse auch zu sehen bekommst."
Danach war Neome ganz in ihre Suche vertieft und schien nicht zu finden, nach was sie Ausschau hielt. Aber bevor Vhenan das Zelt verlassen konnte, rief die junge Frau noch einmal nach ihr.
"Nenani." Als sie sich umwandte, traf das kleine Sturmherz ein verbindlicher Blick aus den sehr hellen Augen. "Ich weiß deine Unterstützung und dein Engagement sehr zu schätzen. Ich will, dass du das weißt." Sie nickte Vhenan solidarisch zu. Damit war sie entlassen, denn mehr musste sie nicht sagen.

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   So Jul 24, 2016 3:53 pm

Vhenan nickte. „Ich werde da sein.“ Als Neome weiter suchte nahm die kleine Naihlar das als Zeichen, dass die Besprechung beendet war. Die drei Texte ließ sie bei der Pakata und schlüpfte zurück in die dreckigen Schuhe. Das Wetter schien schlimmer zu werden. Innerlich regte sie sich wieder darüber auf und fluchte schon, bevor sie in den Regen hinausgetreten war.

Sie war gerade aufgestanden, als Neome sie noch einmal ansprach. Ein leichtes Lächeln schlich sich bei den Worten der Pakata in ihr Gesicht und Nenani nickte zurück, bevor sie durch den Zelteingang im Wolkenbruch verschwand.
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Adhemar

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 26, 2016 10:42 pm

Ganz wann anders:

Ein schwatzhaftes Volk, das waren sie. Das Stimmengewirr, dass sich erhob, wann immer mehr als einer von ihnen sich auf einem Platz, einem der Kais im Hafen oder auch nur auf einem Donnerbalken in einer dunklen Ecke versammelte, ließ seinen Kopf kreisen und seine Ohren summen.

Obwohl sie ihn bei sich aufgenommen hatten, ob widerwillig, oder gleichgültig, wer vermochte das zu sagen, so hatte er sich noch mit keinem von ihnen soweit angefreundet, oder auch nur abgegeben, dass er in der Lage gewesen wäre, sich in ihrem Idiom mit ihnen zu verständigen, oder auch nur zu verstehen, was sie gerade von sich gaben.

Gemäß der Erfahrungen, die Adhemar gemacht hatte, seitdem er nach seiner überstürzten Flucht wieder mit den OShea'd reiste, war es eine recht sichere Wette, dass es um Alkoholisches, zu Raubendes, oder beides ging, daher machte er sich darüber auch keine weiteren Gedanken, denn er nannte weder ersteres, noch letzteres sein Eigen. Sein Besitz beschränkte sich auf das, was in seinem kleinen Bündel ruhte, sowie seine Loyalität.

Diese war es auch, die ihn nun, nachdem er sicher war, dass jenes Ritual, das zu vollziehen ihm auferlegt gewesen war und das seine Seele, sollte sie jemals in der Spiegelwelt aus seiner sterblichen Hülle entweichen, auf direktem Wege in die Kugel zurückführen würde, ihn weder das Leben, noch seinen Verstand gekostet hatte, hierher zu Neomes Zelt führte.

Vor dessen Eingang verharrte er kurz, unschlüssig, wie er seine Anwesenheit kund tun sollte. Sollte er nachfragen, ob er herein kommen durfte? Um Erlaubnis fragen? Die Anführerin einer Schar von Menschen, die mit etwas gutem Willen gerade noch so als Scharlatane, Aufschneider und Piraten genannt werden konnten? Oder die Anführerin dieser Leute, die ihn mit sich ziehen hatten lassen, die mit ihm geblutet hatten und mit ihm Wein und Gesang teilten? Die ihn hatten für sich bluten lassen, um ihn dann auf der Walstatt zurückzulassen? Die mit ihm gewacht hatten? Hatten sie ÜBER ihn gewacht?

Er zuckte mit den Schultern, ratlos und mit sich selbst hadernd. Nun, da er aber genau aus dem Grunde hier war, sich sein altes Leben zurück zu erobern und wieder der zu werden, der er war, was konnte es also Sinnigeres geben, als sich auf seinen Stand und seine Herkunft zu besinnen und sich demgemäß zu gebärden?

Während Adhemar den Zelteingang in einem Schritt durchmaß und zu sprechen anhob, durchzuckte ihn der Gedanke, dass sie vielleicht gar nicht hier sein könnte, dass sie sich stattdessen in ihrem Haus aufhielt und er seine schwungvolle Rede an einen leeren Raum richten würde.

Dieser Vorstellung folgte auf dem Fuße das Bewusstsein, dass er gerade ohne Ankündigung das Zelt einer Frau betreten hatte, die sich von jungfräulich nackt bis dreischichtig bepelzt in sämtlichen Zwischenstadien der Bekleidung befinden konnte und er eventuell einen flammenden Appell an eine Frau in ihren Geburtskleidern richten würde.

Aus seinem Plan, wortgewandt zu berichten, dass er den Entschluss gefasst hatte, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, seinen neuen Reisegefährten reinen Wein einzuschenken und deren Anführerin die Treue zu geloben bis die Schuld, in die er sich bei ihr begeben hatte, vergolten sei und er ehrenvoll seinen Platz als irgend etwas wichtiges wieder einzunehmen würdig sei, wurde im Verlauf eines Wimpernschlages ein heroisch vorgetragenes:

"Äh... hallo?"
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 26, 2016 11:07 pm

Im Zelt herrschte ein seltsamer Geruch. Da war Salbei und etwas Räucherndes wie Süßgras, darüber ein anderes scharfes Gewürz - aber in all das mischte sich der stockige Dunst feuchtklammer Kleider, die nicht weit davon entfernt standen, Schimmel anzusetzen.

"Mir wird bei diesem Wetter alles klamm. Die Jurte hält allmählich nicht mehr Stand", sagte Neome ihrem Gast, indem sie ärgerlich ein großes Tuch auseinanderfaltete und nur nebenher über die Schulter blickte. "Du bist es." Womöglich war sie überrascht. Sie schüttelte das Tuch aus und legte es beiseite. "Komm rein."

Adhemar - Vayle - waren die jungen Entwicklungen gewiss nicht entgangen. Der Hagel, der sich in den Sommer verirrt hatte, die drohende fünfte Jahreszeit, die wie ein Schwert an einem Faden über ihnen in der Luft hing. Das Wetter spielte verrückt. Zwischen den Neuankömmlingen, die mit Schiffen aus Ortac gekommen waren, herrschte keine richtige Harmonie - und jetzt waren auch noch Truppen der Nyame und ihrer Neches'Re nach Gutenbucht gekommen, um die Menschen aufzufordern, sich gegen Karl Webers Willen ihrer Sache anzuschließen.
Neome streckte die Hand aus, an der mehr Ringe staken als sie Finger hatte. So lud sie ihn auf ein Polster ein, ein trockenes bequemes Kissen jenseits des kleinen Tisches, der zwischen ihnen in der Zeltmitte stand.
"Setz dich doch. Aber wenn du kommst, um dich über die Truppen zu beschweren, sage ich es dir gleich: Ich kann nichts tun. Sie benehmen sich eben wie Söldner. Es ist zu riskant, sich mit der Nyame anzulegen wegen solcher Empfindlichkeiten. Wenn sie dich ärgern dann schlag zurück."
Sie behielt den jungen Mann indes gut im Auge. Sie wusste nicht, ob das der Grund seines unerwarteten Besuches war.

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Di Jul 26, 2016 11:40 pm

Weder gähnende Leere, noch Nacktheit erwarteten ihn. Noch bevor er Zeit hatte, Letzteres zu bedauern, richtete sie schon das Wort an ihn, klimpernd wie eine Herde Ziegen auf dem Heimweg von der Weide.

In seiner einstweiligen Verwirrung fiel ihm zunächst keine wirkliche Erwiderung ein, weshalb er sich, ihrer Aufforderung folgend, setzte und wissend nickend sagte:

"Die Wäsche..."

Schnell wurde sein Blick aber wieder scharf, als er auf ihre neuerliche Rede antwortete:

"Macht Euch keine Sorgen, ich habe die letzte Zeit mit Schlimmerem verbracht, als dem, was derzeit über die Stadt hereinbricht. Zwischen all den Neuankömmlingen und den Einwohnern, die sich um ihre althergebrachte Vorrangstellung fürchten, fallen diese Landsknechte doch gar nicht weiter ins Gewicht."

Adhemar schwankte, wie stets, zwischen der respektvollen Anrede und dem vertraulicheren "Du", zu unsicher war er sich selbst noch, sowohl, was ihrer beider Verhältnis betraf, als auch seine eigene Stellung innerhalb ihrer Gruppe. Seinem Geburtsrecht folgend hätte er nicht einmal auf die Idee kommen dürfen, dieser Vagabundin und Führerin von Vagabunden mit so etwas wie Entgegenkommen zu begegnen. Doch die Jahre hatten ihn gelehrt, dass es nicht der Adel der Geburt war, der Menschen aufblicken ließ zu jenen, die zu führen trachteten. Und hatte er selbst nicht... sei's drum. Er schuldete ihr viel und mehr, weshalb er gewillt war, ihr den Respekt zu bezeugen, den er ihr schuldete. Er fuhr fort:

"Nein, ich bin aus einem anderen Grunde hier. Ich höre, dass Ihr wieder in die Schlacht ziehen werdet. Zurück in die Spiegelwelt."

Ihn schauderte, als ihn die Erinnerung über seinen letzten Besuch dort überkam, als ob ein kleiner Teil seines Selbst nie wieder fröhlich würde sein können. Unmerklich schüttelte er die dunklen Gedanken ab und sprach weiter:

"Ich... ich werde Euch und die Euren nicht begleiten. Meine Wunden, äußerliche und innerliche, sind noch nicht so weit verheilt, dass ich guten Gewissens in Euren Reihen stehen kann, ohne eine Schwachstelle darzustellen. Doch seid versichert, dass es genau das ist, was ich Euch heute bezeugen will. Meinen Wunsch, in Euren Reihen zu stehen und Euch zu dienen, wie ich es vermag. Selbst, wenn ich hier zurückbleibe, so ist es mein Wunsch, Euch zu Diensten zu sein, als ein Teil eurer Gefährten."

Kurz Adhemar, denn was er nun im Begriff war, zu sagen, konnte Konsequenzen haben, sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Gruppe, die er womöglich nicht abschätzen konnte.

"Doch dazu ist es notwendig, dass ihr mir Vertrauen erweist. Ein Vertrauen, das sich auch vor den anderen rechtfertigen lässt. Und dies ist nicht möglich, wenn... wenn sie mich für einen anderen halten, als den, der ich bin."
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 27, 2016 12:00 am

Neome beobachtet Vayle. Auf dem Tisch stand ein Schälchen, von dem aus sich dünne Rauchfäden in die Luft hoben, sich eindrehten und vergingen. Sie schob die Schale seitwärts, damit die aufsteigenden Kreise ihre Sicht aufeinander nicht einschränkten.
Lange sagte sie nichts und ließ ihn nur sprechen.
"Diese förmliche Anrede ist nicht nötig", war der erste Schluss, den sie letztendlich zog, ein Schluss im Gewand eines Angebots, ohne Szepter, ohne Befehl.

"Du kommst also nicht mit." Das Licht im Zelt war fahl. Von außen kam nicht viel herein. Hier innen glimmte nur eine unscheinbare Lampe. "Das ist eine verständliche Entscheidung", sagte sie dann, und die Pause zu ihrem vorherigen Satz war nicht lang. "Kein Ort, den man vermisst. Aber Vhenan und Raûl haben herausgefunden, dass auch dieser Grund und Boden untergeht, wenn nicht in der Spiegelwelt verhindert wird, dass eben dies eintritt. Ich habe zugelassen, dass Menschen aus Ortac hierher kommen. Ich selbst muss noch einmal zurück mit denen, die für alle kämpfen, die nicht in die Kelriothar können."
Er hatte eine Wahl getroffen, die ihm keiner abnehmen konnte. Er hatte, zumindest von Neome, kein Urteil zu befürchten.
"Mir zu Diensten sein bedeutet, uns allen zu Diensten sein. Den Frieden wahren. Verhindern, dass sich die Menschen die Schädel einschlagen." Kurz bleckte sie die Zähne. "Möchtest du Vilgrin? Ich habe nur kalte Getränke hier - und Rum."

Es mochte sein, dass Adhemar einen steinigen Weg ging. Es war bestimmt zumindest kein leichter. Die Decke zu heben, unter der man sich verborgen hatte, wurde schwerer, je mehr sich mit der Zeit darauf ansammelte. Sie ließ sich Zeit für ihre Antwort und ehe sie seinen Blick suchte.
"Wie also willst du vorgehen?"

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 27, 2016 10:01 pm

"Nichts zu trinken, ich danke Euch."

Abwehrend hob Adhemar die Hand, ihre Aufforderung, nicht so förmlich zu sein, ebenso beiseite wischend, wie die das Angebot von Erfrischungen. Das Zwielicht im Zelt und der Rauch, der zwischen ihnen aufstieg, reizte seine Augen und er beabsichtigte nicht, seinen Aufenthalt in diesem nass-klammen Klima über die Maßen auszureizen.

Den Frieden zu wahren, das erschien ihm unter den gegebenen Umständen, wo auf jeden Pflug drei Klingen zu kommen schienen, fast wie ein Hohn, zumal, wie sie selbst gesagt hatte, das Schicksal dieser Welt nicht einmal in ihren eigenen Händen lag. Dennoch nickte er, als er fortfuhr:

"Frieden, das klingt nach einem erstrebenswerten Ziel. Es mag sein, dass ich Euch in Eurer Abwesenheit in diesem Sinne dienlich sein kann. Doch..."

Er stockte kurz, unsicher, wie weit er gehen durfte, ohne sie in eine prekäre Lage zu bringen, oder sie gar vor eine Entscheidung zu stellen, deren Ausgang weitaus ungewisser war, als ihm lieb sein konnte. Aber letztlich war er hier, um genau das zu tun. Entscheidungen zu treffen und das Leben seinen Gang gehen lassen, ohne weitere künstliche Umwege.

"...doch bin ich nicht sicher, wie sehr das Euren... Gefährten behagen mag, wenn sie erst wissen, wer ich bin. Und vor allem, wer ich nicht bin."

Adhemar dachte an Raûl, der ein Mann war, den auf seiner Seite zu haben in jedem Falle besser war, als ihn gegen sich stehen zu haben, dessen Loyalität und Motive allerdings nach seinem Dafürhalten so zweifelhaft waren, wie eine Schatzkarte, die einem ein alter Mann mit freundlichem Grinsen in einer dunklen Gasse anbot, für einen kleinen Unkostenbeitrag von was auch immer man zu diesem Zeitpunkt in der Geldkatze hatte. Wenn dieser Mann, der sich hier offenbar dabei war, eine ansehnliche Machtposition aufzubauen, erfuhr, dass der, den er für einen heimatlosen Streuner und Herumtreiber halten musste, der sich unter die Röcke einer alten Bekannten geflüchtet hatte, durchaus ein Mann von Ambitionen war, so würde er ihn mit Sicherheit vor seiner Abreise kalt stellen. Wenn nicht mit blankem Stahl, so doch sicherlich mit Anweisungen an seine eigenen Schergen, Adhemars Schritte zu überwachen und, wann immer möglich, an den Rand des Abgrunds zu drängen.

"Ich will offen zu Euch sein. Ihr wisst, dass ich Euch dafür dankbar bin, mir einen Platz in der Mitte Eurer Gemeinschaft zumindest in Aussicht zu stellen, wenn ich mich seiner würdig erweisen sollte, auch in den Augen Eurer... Freunde. Das will ich auch gerne tun, doch bin ich nicht sicher, in wie weit man dem ein- oder anderen vertrauen kann. Vhenan, nun, sie kenne ich ebenso lange, wie Euch selbst, auch wenn ich nicht weiß, ob sie sich dessen bewusst ist, so stand ich doch, als sie dessen bedurfte, an ihrer Seite.

Die Männer, Arden, Asdan, Jael, Wam...ui? Wamai! und... der andere, sie scheinen mir tüchtig und treu... auf ihre Art. Doch Eure rechte Hand, dieser Raûl... unabhängig davon, was im Felde geschehen sein mag und ob er sich recht verhalten hat, seinen Waffenbrüdern und mir gegenüber... dieser Mann gewinnt schnell Freunde und Einfluss. Sehr schnell. Ein solcher Mann duldet keinen neben sich, zumindest nicht lange. Was denkt ihr, wird er tun, wenn er erfährt, dass sich in seinen Kreisen ein Mann bewegt, der möglicherweise danach trachtet, verlorenen Stand und entgangene Macht an sich zu bringen?"
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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Mi Jul 27, 2016 11:19 pm

Neome hörte zu. Sie lächelte nicht, bis zuletzt.
Obwohl ihr fraglos auffiel, dass er sie früher anders angesprochen hatte, und obwohl sie nicht davon ausging, dass so ein Wechsel der Anrede ohne Deutung geschah, überließ sie ihm selbst die Wahl des Adressats und fiel ihm auch sonst nie ins Wort.

Sie selbst goss sich, nachdem seine Frage in den Raum gestellt worden war, aus einem Krug in einen irdenen Becher ein. Es war durchsichtig und roch süßlich und würzig, aber nur wenn man nahe genug saß.

"Es ist unerheblich was ich denke", sagte sie ruhig. "Weil meine Gedanken nicht in die Zukunft sehen können und meine Spekulation wenig verlässlicher ist als deine. Ich könnte sagen, dass manch einer davon ausginge, ein Mann wie Raûl hat sich auf sein eigenes Vorankommen fixiert. Sein Blick geht mit einer gewissen Sturheit geradeaus und in ist die Zukunft gerichtet, nicht nach links oder rechts. Aber ob jene, die so etwas behaupten, im Recht sind..."
Sie hob die Schultern.
"Befürchtest du, dass Raûl dich als Bedrohung sieht? Er argwohnt dir, weil er wähnt, dass hinter deinem Verhalten etwas steckt, das du nicht verrätst. Gegen solchen Argwohn soll Ehrlichkeit eine gute Medizin sein. Das Misstrauen, das er dir jetzt ganz offen gegenüber empfindet besorgt dich weniger als das Denken von Konkurrenz, das nur eine Option ist?"

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BeitragThema: Re: Neomes Zelt   Do Jul 28, 2016 11:40 am

Er zog bei ihrer Aussage, ihre Gedanken seien nicht von Belang, eine Augenbraue nach oben. Was für eine Führerin war sie, dass sie eine derart naive Position vertrat? Natürlich konnte sie nicht in die Zukunft sehen, wenngleich ihresgleichen das immer wieder behaupten mochte, doch deren Voraussagen waren ebenso sicher, wie der Mumpitz, den er sich mit der Beantwortung nicht beantwortbarer Fragen durch seine Kugel (Die KUGEL! Unwillkürlich legte sich seine Hand auf die Gürteltasche, in der die KUGEL verborgen war.) angewöhnt hatte.

Doch war es nicht gerade die Aufgabe einer Führerin, auf der Basis ihrer Gedanken durch ihre Handlungen der Zukunft Form zu geben? Sie sah das offenbar nicht so. Beabsichtigte sie, neutral zu sein? Nur zu beobachten? Gerade in einem Moment, wo ein starker Gegenpol, ein Gleichgewicht zu dem, wie sie selbst gerade, zumindest, wenn man es so auslegen wollte, zugegeben hatte, egomanisch agierenden Verwalter so wichtig war?

"Natürlich bin ich mehr besorgt über das, was er in Zukunft von mir denken mag, als über das, was er mir gegenüber jetzt empfindet.

Wenn ich einen Mann sehe, den ich für einen zerlumpten Bettler halte, dann bin ich ihm gegenüber ein klein wenig vorsichtig, weil ich argwöhne, dass er mir mein Geld stehlen könnte. Das ist etwas vollkommen anderes, als wenn ich sicher weiß, dass der Mann, den ich für einen Bettler hielt, in der Lage ist, einen Heerhaufen auszuheben, auszubilden und gegen mich ins Feld zu führen, wenn ihm das in den Sinn kommen sollte, unabhängig davon, ob das nun sein Streben ist, oder nicht."


Nach einer kurzen Pause fügte Adhemar noch hinzu:

"Was es nicht ist."

Kurz rutschte er auf dem Kissen hin und her, um sich wieder in eine bequemere Haltung zu bringen, bevor er fortfuhr:

"Meine Befürchtung ist jedoch nicht meine eigene Sicherheit oder mein Stand innerhalb der Gruppe. Meine Sorge ist eher, dass, falls ich meine Identität jetzt, so kurz vor Eurem Aufbruch auf den Feldzug offenbare, dass der Mann dann seine Konzentration nicht mehr voll und ganz auf Euch und die Euren legt, sondern sich der Konsolidierung der Macht, die er sich hier erarbeitet hat, widmet, aus einer falsch verstandenen Bedrohung heraus. Das gefährdet Eure Sicherheit, was ich unter allen Umständen zu vermeiden versuche. Daher wäre meine Bitte die folgende: Euch vertraut jeder der OShea'd und gibt sich bedingungslos in Eure Hände. Deshalb mag es vielleicht angezeigt sein, dass Ihr es seid, die ihnen meine Identität und die Umstände meines Hierseins offenbart. So entsteht nicht der Eindruck, dass ich eventuell gar Euch getäuscht haben könnte und heimliche Motive hege. Wählt einen Zeitpunkt auf der Heerfahrt, der Euch günstig erscheint. Vielleicht spricht Vhenan ja auch für mich, in jedem Fall wären mögliche Animositäten bis zur Rückkehr der Gruppe nach Gutenbucht abgeebt. Im ungünstigsten Falle könnt Ihr mir kurz vor Eurer Rückkehr eine Warnung zusenden, damit ich ausreißen kann, bevor sie mich massakrieren."

Bei seinen letzten Worten verzog sich sein Mund zu einem leichten Lächeln.
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