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 Im Kartenhaus

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Aug 30, 2016 2:46 pm

Durch die Menge schälte sich eine kleine Gruppe. Weder Avraim noch der Archontensohn hatten sich Geleit oder Bewachung mitgenommen. Sie schritten durch Gutenbucht wie die gewöhnlichsten unter den Einwohnern. Viele kamen, gingen ein Stück mit und ließen sich dann abwimmeln, setzten aber noch mit anderen der Gruppe als Fahnenschweif hinterher.

„Da ist Jesko!“, hörte man es ehrfürchtig tuscheln. „Da, da, der Archontensohn.“
Und überall überlagerten sich gesenkte Stimmen.
„Wo? Wo?“
„Na da! Da!“
„...Das ist Jesko? Ist ja enttäuschend.“
„Na was hattest du denn erwartet?“

Wer Jesko in seiner einfachen Gewandung in den irdenen Farben Ghalms sah, ging verständlicherweise nicht davon aus, den Sohn eines Archons vor sich zu haben. Über seiner Hose, dem Hemd und der Weste, die allesamt in verschiedenen Erdtönen und nur mäßig bestickt waren, trug er einen dunklengrünen Umhang von ausladender Kapuze, die ihm über den Rücken hing.  Sein Gesicht war gleichmäßig und hübsch und hatte immer noch einen verschlagenen Ausdruck in sich, der ihn flatterhaft und unzuverlässig anmuten ließ, aber diejenigen, die ihn von früher kannten, sahen, dass er sich verändert hatte. Sein Haar war mittelbraun. Es fiel ihm immer noch in vielen Fransen ins Gesicht und reichte nicht ganz bis zu seinen Schultern, aber es sah fahler aus, sowie auch der Junge nach nur wenigen Jahren um viele gealtert zu sein schien. Seine Erfahrungen hatten seine Jugend überholt. Der junge Mann, dessen Augen so gewitzt und abgefeimt jedem ins Gesicht funkelten, hatte viel Traurigkeit gesehen und hohe Bürden getragen. Er war wahrscheinlich jünger als Neome. Doch bei manchen Blicken konnte selbst ein Greis neben ihm unwissend aussehen.

Auch ähnelte er Dion, dem geliebten Freund und Anführer der Naihlar, nur hatte er nicht dessen dünne, helle Haarsträhnen und nicht dieselben spitzen Züge. Seine Augen waren nicht vom gleichen undurchdringlichen Grau wie Dions oder Emmerichs, sondern hellbraun oder grün, es ließ sich nicht leicht einschätzen. Manchen winkte er oder warf ihnen knappe Antworten auf ihre Anliegen zu, die ihre Fragen aber nie tatsächlich beantworteten.
„Danke, uns geht es gut“, antwortete er beispielsweise einem Mann aus Naevi, der ihn fragte, was er hier vorhatte. Er ging an Avraims Seite ohne die Größe eines Herrschergeschlechts auszustrahlen. Und dennoch strahlte er etwas aus. Seine Kraft ließ sich schwer in Worte fassen. Doch viele mussten sich mittlerweile eingestehen, dass sie Jesko, Emmerichs jüngsten Sohn, lange Zeit für einen Taugenichts gehalten hatten, dass er ihnen guten Grund dafür gegeben hatte und dass sie mit ihrer Einschätzung dennoch falsch gelegen hatten.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Aug 30, 2016 10:58 pm

Sie stemmte sich noch einmal in die Höhe, um Raûl nachzusehen.

"Hm", war der einzige Laut, sie wog ab, was er vorhatte und es schien nicht falsch, zumindest aber nicht dumm. Dann lehnte sie sich zu Vhenan und stützte die Ellen auf dem Tisch, leise Worte an sie richtend.

"Habt ihr schon gesprochen, inzwischen?", fragte sie die kleine Naihlar und warf einen Seitenblick in die Richtung, in die Raûl verschwunden war, aber ehe sie Gelegenheit zum Antworten hatte, war da Lahmi, dieser schöne Kerl, der sich immer in der Nähe der Gwinad herumtrieb. Mallo reckte ihm mit abgeklärtem Lächeln das Kinn zu auf seinen Gruß und sah, ob es noch Platz für ihn gab, um dann vage auf diesen zu deuten - der Freund der Pakata war bestimmt nicht unwillkommen an diesem Abend.

Da schepperte es hinter ihnen, Schritte, die zum Tisch gerichtet waren, und Raûl kehrte mit Wächtern zurück - Mallo freute sich zu sehen, dass er mehrere Völker dafür ausgewählt hatte. Ihre Absicht funktionierte. In kleinen Schritten, aber dies war wieder einer. Um die Männer zu betrachten, stützte sie sich aufs Knie.

"An der Tür ist Gedränge. Ich glaube, sie kommen."
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Aug 30, 2016 11:21 pm

Nani sah belustigt und erfreut zu Lahmi, der sich wieder als sehr nützlich herausstellte. "Dann vertrauen wir deinem Wissen doch einfach mal..." Sie sah zum Wirt hinüber, ob der sich bewegte und tatsächlich brachte er eine Flasche heran, die er Lahmi vor die Nase hielt als wolle er wissen ob der in Ordnung war. Auch er witterte, dass etwas bedeutsames vor sich ging und wenn das hier im bescheidenen Kartenhaus stattfand, musste man sich auch präsentieren.

Auch Nani wartete eine Antwort ab, während Mallo die Wachen beobachtete. Vhenan sah erst jetzt kurz über die Schulter, sah Raûl und verspürte den Drang ihm direkt auf die Nase zu schlagen.

Nani brummte deshalb nachträglich missfallend auf die Frage von der Seite. "Nein", hängte sie düster an. "Ergab sich noch nicht... wird sich jetzt auch nicht ergeben." Damit wollte sie ausdrücken, dass sie wusste, dass jetzt nicht der richtige Ort und Zeitpunkt war, um sich zu streiten. Leicht fiel es ihr nicht, aber das würde Mallo wissen und auch sehen.

Automatisch erhob sich Vhenan, durch die höfische Etikette vielleicht noch ein wenig assimiliert, wenn man so wollte, und sah zum Eingang.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Aug 31, 2016 5:55 pm

Raûl postierte die Wachen zwei Schritt weg Links und Rechts vom Tisch und blieb selbst etwas abseits stehen. Er hatte eine freundliche Partie um den Mundwinkel herum, aber sein gutes Auge zuckte von Person zu Person im Raum, erfasste jede Bewegung, Körperhaltung, Andeutung einer Intension, wer was in der Hand hielt und ob sich dies als Waffe einsetzen ließ. Nach außen wirkte die Körperhaltung eher entspannt mit den leicht gebeugten Knien, nur auf den Fußballen, die Hacken einen Fingerbreit über dem Boden, aber er war innerlich gespannt wie eine Armbrust, die Hände am Gürtel, kurze Wege zu den offenen und verdeckten Langdolchen, die er trug.
Warum er so angespannt war wusste er selbst nicht. Aber er vertraute auf seine Intuition - im Zweifelsfall lieber jedes Mal zu viel als einmal zu wenig...

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Neome
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Sep 02, 2016 1:44 pm

Neome kam als erste rein. Sie drehte sich, nachdem sie die Schwelle überschritten hatte, mit einem schwingenden Schritt um und lud die anderen beiden mit einer gastfreundlichen Geste ins Kartenhaus ein. Hinter ihr ging ihr Vater, groß, hager, mit dem silbergrauen Blick, der sich nichts vormachen ließ. Erst an dritter Stelle - und neben Avraim wirkte er fast klein, obwohl er größer war als Neome - der Archontensohn.
"Hier sind wir", sagte sie zuerst zu den Ihren, nur Sekunden ehe sie es in ganz anderem Tonfall am Tisch wiederholte. "Hier sind wir." Und da Avraim die meisten Gesichter bereits kannte, wandte sie sich an Jesko. "Das sind einige meiner Vertrauten und Berater. Die ersten Siedler im neuen Gutenbucht. Der dort steht ist Raûl, meine rechte Hand. Am Tisch Vhenan und Lahmi, und Mallo."

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Sep 02, 2016 1:58 pm

Mit aufrechten langen Schritten bemaß Avraim das Gasthaus, überblickte es, sah die Leute und strahlte doch nicht aus, sich übermäßig für sie zu interessieren. Er wechselte sowie sie an den Tisch traten die Position, sodass er den Archontensohn Jesko von hinten abschirmte.

Jener hatte sich sofort die verschiedenen Leute angesehen. Seine Augen waren schneller und findiger hin und her gesprungen als die seiner Begleiter, hatten sich in manchem Gesicht festgesehen und in anderen etwas Lustiges entdeckt, sich aber niemals lange irgendwo aufhalten lassen.
"Die wahren Invasoren also", sagte er leichthin auf Neomes Vorstellung. Er wandte sich damit nicht an jene, die ihm vorgestellt wurden, sondern sprach noch mit der Jazha und hob erst danach den Kopf. Er war jung. Er sah aus wie ein Mann, mit dem man gut auskommen konnte, einer, bei dem verstockte Phrasen nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Aber er war, selbst in seinen einfachen Kleidern, sichtbar der Sohn eines Herrschers. Ihm war etwas in die Haltung gewachsen, eine grazile Größe, die auch seiner Kopf- und Handbewegung innewohnte, als er die Menschen gestisch grüßte, und die Blässe, die wahrscheinlich noch von der Seefahrt kam, strich ihm eine Nobelkeit ins Gesicht, die sein Verhalten vielleicht gar nicht besaß.
"Eins, zwei, drei, vier, fünf Naihlar und eine Chirya", zählte er spöttisch lächelnd. "Und ein Ghalmar, jetzt. Dann stärke ich ein bisschen dieses kümmerliche Gegengewicht." Und ohne auf irgendjemandes förmliche Einladung zu warten, rutschte er über die Bank und schob sich unmittelbar neben Malen, erkannte den Wein, den Lahmi vorher dem Wirt abgenommen hatte (denn er war passend) und machte alles in allem einen munteren Eindruck.
"Jesko", stellte er sich, aber da war Müdigkeit in seinem Blick, der Runde vor. "Nennt mich auch so. Ich bin hier einfach euer Gast und schnorre euren Wein."
Avraim tauschte einen Blick mit dem Mazhak.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Sep 02, 2016 4:43 pm

Raûl sah, dass alle unbeschadet angekommen waren. Auf Neomes Vorstellung lächelte er und öffnete seine Hände nach oben zum Naihlargruß und deutete ebenfalls auf die offene Runde und die freien Plätze.
"Atata jespad. Als Statthalter dieses schönen Hafenstädtchens Namens Gutenbucht heiße ich Euch ebenfalls herzlich willkommen. Das wird aber der einzige offizielle Satz sein, den ihr von mir hören werdet. Fühlt Euch ganz wie zuhause."

Sein Blick traf den von Avraim. Noch einmal huschte sein Auge kurz über die Masse, dann nickte er ihm kaum merklich zu und setzte sich so an den Tisch, dass er direkt am Ende der Sitzreihe Richtung offenem Raum saß, dass seine rechte, seine "Gute" Seite, der Masse der Leute zugewandt war. So hatte er alle Menschen unverstellt im Blick und konnte einem potentiellen Angreifer direkt begegnen. Sobald alle saßen, rückten auch die beiden Wächter etwas auf und versperrten der Menge zwar nicht ganz plump den Weg, aber zumindest so, dass so etwas wie eine Privatsphäre entstand.

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Jael

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Sep 02, 2016 6:55 pm

Irgendwo in der Menge, unters gewöhnliche Volk gemischt, war für einen Moment lang Jaels brauner Schopf zu sehen. Er hatte, genau wie die ihn umringenden Männer und Frauen, den Hals gereckt, doch sein Blick, sein ernstes Gesicht war weniger von Staunen, als von Nachdenklichkeit erfüllt. Er stand einfach da, bis er wie ertappt in Malens und Vhenans Richtung zwinkerte und im nächsten Moment schon hinter einem kräftigen Ghalmaren der seinen kleinen Sohnemann auf den Schultern trug aus der Sicht verschwunden war.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Sa Sep 03, 2016 4:30 pm

Sie hatte die Augen auf die Tür gerichtet gehabt; Vhenans düstere Worte lockten ihren Blick für die Kürze eines Austausches unter Schwestern nach neben-unten. Sie nickte. Sie hatten noch nicht gesprochen. Das erklärte, warum Vhenan sich an ihrer Seite anfühlte, wie ein Bleiklotz, ohne, dass Malen sie berühren musste. Kaum spürbar und vielmehr als Geste des Beistands in dieser Sache ließ Malen die Hand sinken und berührte Nanis, als sie ihrem Beispiel Folge leistete und sich selbst ganz erhob.

Dann traten sie ein. Die Augen der Chirya glänzten, als sie die Pakata erspähten, sie kam um ein Lächeln ihrer Jazha zu nicht umhin. Und dann der Vater, wie sie Avraim in seiner Abwesenheit und unter den Ihren manchmal nannte. Ihr Lächeln wurde breiter, verlor aber keinen Deut der Zurückhaltung und des Respekts, die sie dem Seebären gegenüber empfand. Sie waren gemeinsam durch Stürme gegangen; Sie hatte an Bord der Rumbullion mehr als einmal um ihr Leben gefürchtet; Aber Avraim hatte stets gewusst, was zu tun war. Er hatte bei der Steuerung seines Schiffs und seiner Leute stets Finesse und Umsicht bewiesen und inzwischen zweifelte sie nicht mehr daran, dass er nicht irgendeines seiner Ziele je verfehlen würde.

Und dahinter schritt also Jesko einher. Mallo musterte den Ghalmaren offen und nicht ohne Neugier. Sie mochte sich einen ersten Eindruck machen, tauschte aber nur einen Blick mit Vhenan, statt etwas zu sagen. Vielleicht konnte es warten oder löste sich bis zum Ende des Abends auf.

Sie nahm ihren Hut ab und nickte tief, als Neome sie vorstellte.

"Herr", grüßte sie Avraim leise und musste wieder Jeskos Profil mustern, während Raûl sie an den Tisch bat. Auch dem Archontensohn dasselbe Nicken... und dann kam der plötzlich her.

Mallo blinzelte verblüfft und rutschte wie aufgerüttelt zur Seite, einen Arm symbolisch um Vhenan gelegt, um die kleine Naihlar nicht aus Versehen zu schubsen.

"Ja gern", brachte sie im ersten Moment etwas unbeholfen hervor, blieb aber noch stehen, als alle sich setzten. Da blitzte jemand in ihrem Augenwinkel.

Ihre Blicke kreuzten sich für einen Herzschlag und für diesen Herzschlag spürte Malen Bedauern, dass sie mit dem Rücken zum Rauminneren sitzen würde. Vielleicht ließ sie Jael ein knappes Nicken zukommen. Sie schärfte den Blick, schon in der Bewegung beriffen. Es war zu voll und die Menschen so warten zu lassen, dass es ihnen auffiele, war der schlechteste Eindruck, den sie machen konnte. Jael hatte gesehen. Er würde schon kommen, wenn er irgendetwas wollte.

"Dann sollt Ihr nicht länger drauf warten müssen", sprach sie zu Jesko und zu all den Neuen am Tisch. Sie bat die Weinflasche von Lahmi und als er sie ihr gab, stieg sie über die Bank, um allen Anwesenden rundum einzuschenken, den Gästen und der Pakata allerdings zuerst. "Es ist schön, Euch hier zu begrüßen. Ortac ist so weit fort und Ihr seid... wie ein Lufthauch von Früher", sprach sie und es klang, als meinte sie damit etwas Zugeneigtes.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Sa Sep 03, 2016 4:54 pm

Die solidarische Berührung Mallos bewirkte - wenn überhaupt - nur minimal etwas in Vhenans Innerem. Sie regte sich nicht, erwiderte den Blick nur kühl und sah keine Möglichkeit besonders schnell aufzutauen oder sich zu entspannen. Dafür war der Sturm in ihrem Inneren zu mächtig und zu gewichtig. Raûl würde ihn noch früh genug zu spüren bekommen und sich dann rechtfertigen dürfen. Seine Worte würden einige Weichen für die Zukunft legen. Aber jetzt war nicht die Zeit dafür.

Vhenan stand derweil selbstsicher am Tisch und verbeugte sich mit dem bekannten Naihlargruß vor Jesko, dem offenbar wenig an Förmlichkeiten lag. Das machte ihn doch gleich sympathisch und ein wohlwollendes Lächeln schlich sich auf Vhenans Lippen.

Seid herzlich willkommen, Jesko.“ Damit setzte sie sich wieder und Mallo klebte plötzlich an ihr - Jesko war der Grund dafür. Der machte auf den ersten Blick auch den Eindruck sehr volksnah und unkompliziert zu sein. Eine Eigenschaft, die sie an Archonten, Herrschern oder Herrscherkindern schätzte. Vermutlich waren die Herrscher an sich selbst genervt von Regeln, die Untergebene ihnen auf die Nase banden, nur damit sie mächtiger wirkten. Am Rosenhof schien es ähnlich zu sein. Vielleicht war das in diesen hohen Rängen einfach so. Vhenan tat diese Gedanken mit einem innerlichen Schulterzucken ab und konzentrierte sich auf die Gäste.

Es ist eine unausgesprochene Pflicht einen guten Tropfen mit Freunden zu teilen“, antwortete sie mit eine verschmitzen Grinsen und meinte es genau so, wie sie es sagte.

Mallo sah sich derweil in der Aufgabe den Wein einzuschenken und Vhenan beobachtete die Freundin kritisch dabei. Wie lange würde sie es wohl dieses Mal schaffen 'zu dienen' ohne ihre Aufgabe zu vergessen und beleidigt zu sein? Auch hier tat sich ein Abgrund auf und Vhenan fühlte sich in Raûl und Mallos Gegenwart unwohler als gewohnt. Wobei Raûls Nähe deutlich mehr schmerzte. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und ignorierte ihn dann geflissentlich. Vorerst schwieg die kleine Naihlar auch, um der Pakata, Avraim oder Jesko selbst die Möglichkeit zu geben das zu sagen was sie sagen wollten, denn immerhin waren sie nicht ohne Grund hier.

Jael hatte sie in der Menge gesehen, aber er würde selbst entscheiden, ob er herkam, oder ob der neugierige Blick genug war.
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Neome
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Sa Sep 03, 2016 5:57 pm

Es war schon eigenartig. Hier saß sie nun, mit ihrem Vater, Freunden, von denen sie noch vor Jahren nicht gewusst hatte, dass sie sie einst haben, geschweige denn dass es ihre Vertrauten sein würden, und dem Sohn eines Archons. Und sie war diejenige, der es oblag, zu sprechen.
Sie, nicht ein anderer. Ein Älterer, Größerer, Lauterer, Wortgewandterer, nein, sie, die noch in Valvas ihr Zelt aufgeschlagen und Gäste in Stillen Momenten zu sich gelockt hatte, um ihnen im Tausch für Haar, Kupfer oder anderes Geheimnisse zu enthüllen, die ihre Gegenüber vor sich selbst versteckt hatten. Sie hatte nie wichtigten Zusammenkünften beigewohnt. Vor allem nicht als diejenige, die sie anführte. Und jetzt saß sie hier. Neome hatte sich, das war ihr Wesen, schon immer mit grundsätzlich jedem auf Augenhöhe gefühlt - aber jetzt war es legitim.
"Dann sagt." Sie wartete, bis die Leute saßen und ihnen eingegossen war, bis sie sich an den Archontensohn richtete. "Was führt den Sohn des weisen Archons auf ein Schiff und in die Ferne? Was gibt es hier, das ihn interessiert und die Gefahr der See in Kauf nehmen lässt?"

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Sep 04, 2016 11:23 am

"Oh, danke, danke." Es galt sowohl den Willkommensworten wie auch dem Wein, den er sich, so wie es aussah, am liebsten selbst eingeschenkt hätte, aber er zwang sich, die Hand zu senken und abzuwarten. "Es ist nett, dass ihr euch um Bewirtung gekümmert habt. Mein Magen ist ziemlich leer."

Avraim hatte sich ebenfalls gesetzt. Er war aufrecht und behielt die Leute drumherum im Blick. Es schien nicht, als erwartete er einen Angriff. Er hatte ein skeptisches Interesse an den Gesichtern des Gasthauses. Vom einen Tisch aus jubelte man Jesko zu und ließ die Krüge erschallend gegeneinanderkrachen, von einem anderen Tisch her, wo Gutenbuchter saßen, drangen nur unverständige Blicke.


Der junge Ghalmar schien nicht überrascht über die erste Frage, die Neome ihm stellte. Er antwortete ihr und allen anderen.
"Dem Sohn des Archons kam zu Ohren, dass alle Völker jetzt Schiffe besteigen. Der Sohn des Archons dachte sich also, das ist die eine Hürde, die er noch nicht genommen hat. Und er war neugierig." Er hob seinen Weinbecher in die Runde.
"Der Sohn des Archons sollte nicht auf leeren Magen trinken", brummte Avraim tonlos und ohne einen Muskel zu regen.
Jesko lachte.
"Da hat er Recht. Was gibts zu essen? Bestecht mich mit einer guten Mahlzeit und ich verrate euch alles!"
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mo Sep 05, 2016 9:32 am

Als wäre dies das Stichwort gewesen, brachte der alte Kharabhoudian alles an, was seine kleine Küche zu bieten hatte. Hauptsächlich lokale Produkte, Ziegenkäse und Fleisch, einen Eintopf mit... allem drin und Meeresfrüchte in allen Variationen. Es war nicht viel, aber das lag auch eher an den Umständen. Oliven, Datteln, Fladenbrot und eingelegte Feigen rundeten das Angebot ab. Außerdem brachte er noch eine Flasche mit goldenem Inhalt, den die Ansässigen sofort als Ahkgrul erkannten, sowie die dazugehörigen Tonkrüglein.

Es war abwechslungsreich, aber sicher kein üppiges Mahl, vom Fisch einmal abgesehen.
Raûl dankte dem Wirt und wandte sich an Jesko: "Genießt bitte, was wir Euch in Gastfreundschaft anbieten. Die Zeiten sind hart, mehr haben wir leider nicht."
Aber Raûl hatte ohnehin nicht das Gefühl, dass sich der Archontensohn groß beschweren würde. Er machte ihm bisher einen sehr genügsamen Eindruck, was ziemlich im Widerspruch zu dem stand, was er sonst so über ihn gehört hatte. Andererseits wusste er auch, wie schnell Gerede und Gerüchte entstanden und gab nicht allzuviel darauf.

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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mo Sep 05, 2016 4:31 pm

Gäste am Tisch, alle Sitzen, allen ist eingeschenkt, es riecht schon nach Essen. Das Gespräch läuft.

Mallos Augen flogen auf die Tischplatte, auf die Hände der Anwesenden, auf die Becher, zum Tresen, zu Kharaboudian, zuletzt über die Mienen ihrer Runde. Als der Wirt sich mit den ersten Platten näherte, stellte sie die Flasche ab und griff ihm unter die Arme - zuzweit wäre die Tafel im Nu gedeckt. Während sie massiv-metallenes Besteck verteilte, trug sie den Schatten eines zufriedenen Lächelns auf den Lippen, ihre Miene sagte etwas Ruhiges und Aufmerksames über Gastfreundlichkeit. Mit keinem Deut signalisierte sie, während sie half, dass sie nicht zuhörte. Und darauf beschränkte sie sich, ohne viel Aufhebens, denn es lag ihr anscheinend im Reflex: Alle versorgen, im Kopf alle Häkchen machen, das Getane abnicken und dann wieder Teil einer Runde werden, die sie nie wirklich verlassen hatte. Möglichst lautlos schob sie sich wieder zwischen Jesko und Vhenan und lauschte; Und wenn jemand nach dem Essen linste, würde sie auftun, sollte jemand Hilfe benötigen.
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mo Sep 05, 2016 6:12 pm

Vhenan schaffte es zwar einen brummenden Laut zu unterdrücken, der ihr Missfallen über diese Verzögerung ausdrückte, aber sie schaffte es nicht ihr Knie im Zaum zu halten, das wie gewohnt anfing zu wippen, weil sie ungeduldig war. Auch ihre Fingerkuppen tippten kurzerhand geräuschvoll auf die Tischplatte. Konnte der nicht einfach reden während das Essen gebracht wurde? Allerdings gefiel ihr die Bemerkung mit der Bestechung. Jesko wusste wie das lief und Nani grinste wieder. Lediglich seine eigene Betitelung erschien ihr seltsam.

Sie wartete ungeduldig und mischte sich weder in die Bewirtung, noch in das Gespräch ein.
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Neome
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Sep 07, 2016 11:00 am

Neome hörte, wie Jesko den Titel Sohn des Archons aufgriff, mir dem sie ihn angesprochen hatte, und auf sich selbst anwandte, um ihr damit zu zeigen, dass sie nicht, wie er gebeten hatte, seinen Namen benutzte. Er tat es nicht der Kritik halber, sondern um sich darüber lustig zu machen. Sie schmunzelte es müde weg. Es wunderte sie nicht, dass er war wie er war. Sie hatte schon oft gehört, dass beide Söhne Emmerichs angeblich bessere Naihlar abgaben als manche, die in das Volk hineingeboren wurden. Einmal war ihr zu Ohren gekommen, dass Jesko sogar mehr von einem Naihlar haben sollte als sein Bruder. Sie selbst glaubte nicht, dass es so war. Er war anders als sein Bruder. Und in gewisser Weise war er ihm ähnlich. Und von seinem Vater Emmerich, einem lebensklugen und vernünftigen Mann, hatte Jesko, wie sie gehört hatte, nicht viel geerbt. Das war, was die Leute redeten. Aber die Leute redeten oft auch dann, wenn sie gar nicht wussten, was sie sagten.

Neome erinnerte sich an den Tag, als Jesko nach Valvas gekommen war, um Dion zu treffen, der mit einem Zwergen, einem Thur und den Töchtern des Archons von Naevi unterwegs gewesen war. Jesko hatte die Stadt sogar vor seinem Bruder erreicht. Sie hatte manchen Blick aus der verborgenen Beobachtung auf ihn geworfen.
Er hatte auf die Rückkehr seines Bruders gewartet, fröhlich erzählt, dass der Ältere ihm die Arbeit abnahm und sich von hübschen Naihlarmädchen die Augen verdunkeln und Goldfäden und Bänder ins Haar einflechten lassen. Er hatte sich in einen prachtvollen Überwurf hüllen lassen und ausgesehen wie ein reicher unter den Naihlar. Aber er war verletzt gewesen. Seine Hand war verbunden, und wenn er sich unbeachtet geglaubt hatte, waren seine Augen mehr als einmal nervös über die Siedlung gewandert, wie die Augen jener, die voller Sorge auf etwas warteten. Alles, was sie wusste, war, dass er Gefrorene getroffen hatte. Und dass er ohne Dion nach Valvas gekommen war, weil Jesko einer Aufgabe nachgegangen war, die nur er hatte erfüllen können.
Er saß jetzt zwischen ihnen und sprach ausgelassen und wohlwollend. Aber sie erinnerte sich an die Woche zu Zeiten des Krieges, die Jesko in Valvas verbracht hatte, wie angespannt er gewesen war und dass es zuletzt seinem Drängen geschuldet gewesen war, dass der Archon mit den Archontentöchtern weitergezogen war. Wären sie alle in Valvas geblieben, wie Dion es heimlich gehofft zu haben schien, wäre die Stadt womöglich überrannt worden.

Neome ahnte, dass Jesko seine Narretei nicht vortäuschte. Dass er sie aber gleichfalls betonte und es damit allen schwerer machte, zu erkennen, was dahinter lag. Aber würde es stimmen und er wäre wirklich ein Narr - alle anderen Führer Ortacs wären noch größere Narren, ihn ausgewählt zu haben, die Archontentöchter von Naevi zu beschützen. Und das war unwahrscheinlich.

Der Geruch von Essen und die Handbewegungen vor ihrem Gesicht holten Neome zurück aus der Vergangenheit.
"Jesko", sagte sie. "Die Siedler, die aus Ortac kamen, haben widersprüchliche Geschichten mitgebracht. Manche behaupten, Karg sei tot. Und andere sagen, er ist es nicht. Kannst du uns etwas über die alte Heimat sagen?"
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Sep 07, 2016 11:57 am

Für Jeskos Maßstäbe wurde kein Festmahl aufgetischt. Anders für Avraim, der kargere Mahlzeiten gewohnt war. Was beide gemein hatten, war, dass sie die Vielfalt über die Menge stellten.
"Danke", sagte Jesko im erfrischenden Klang reinster und purster Aufrichtigkeit.
Daran, wie er zulangte, ließ sich erkennen, dass er Bescheidenheit nicht gewohnt war, dass er aber gelernt hatte, zu teilen. Er tat sich selbst auf und wischte etwaige Hände, die ihm die Arbeit abnehmen wollten, wie lästige Fliegen aus dem Weg.
Gleichsam klatschte er Avraim ungefragt einen Batzen Eintopf in seine Schale, der unbewegt saß und den jungen Ghalmaren grimmig betrachtete.

"Das ist so viel besser als der Fraß, den es auf dem Schiff gegeben hat", erzählte Jesko munter und vollkommen blind für den Ausdruck auf dem faltigen Gesicht des Kapitäns. Lahmi beobachtete Avraim. Mit jeder Sekunde wuchs das heimliche Lächeln in seinen Mundwinkeln. Wahrscheinlich hatte sich der alte Seemann an das Wesen des Archontensohns schon gewöhnt und lange nichts mehr darüber zu sagen.

Eine Weile saß Jesko nur da und kräftigte sich, aß hiervon und davon, stopfte sich Ziegenfleisch in den Mund und kaute mit bedächtig gesenkter Stirn auf einem Stück Trockenobst. Er musste viel hungriger und geschwächter gewesen sein, als man ihm angesehen hatte, auch viel hungriger als Avraim, der langsam und ruhig aß.
Irgendwann, nach etwa anderthalb Minuten des Schlingens, strich Jesko sich das braune Haar aus der Stirn und hob den Kopf. Neome hatte ihn angesprochen.
"Es gibt viel darüber zu sagen", behauptete er und leerte seinen Wein auf Anhieb zur Hälfte. Bevor er weitersprach, drehte er sich nach Mallo um. "Hast du einen Krug Wasser?" Er lächelte entschuldigend, wie er sich wieder vordrehte. Das Lächeln verblasste. "Der Krieg ist nicht vorbei. Emelie sitzt in Peneran. Ich glaube, sie steht unter Kargs Einfluss. Wahre Niedertracht dringt an Orte, die man mit dem Schwert nicht erreichen kann. Man muss klug sein" Er tippte sich mit dem Finger doppelt gegen die Schläfe "und gut überlegen, was zu tun ist. Karg hat so viele Bereiche unterwandert, dass es schwer zu sagen ist, wem man heute noch trauen kann. Zur Zeit werden keine offenen Kämpfe geführt. Wir gehen davon aus oder müssen befürchten, dass er die alten Magier auf Ortac befreien will." Jeskos Blick sprang über die Gesichter, als wolle er feststellen, ob seinen Zuhörern die Bedeutung dieser Sache bewusst war. "Es ist die oberste Aufgabe der freien Völker, das zu verhindern. Was Chirya betrifft - Emebeth lebt nicht mehr. Die meisten kleineren Siedlungen wurden überrannt und niedergebrannt. Gefrorene und Naeviten haben manche Orte leergeräumt und als Lager für ihre Gefangenen genutzt. Eine Weile lang wurde ich in Lostar festgehalten. Wir wurden wie Vieh in leeren Ställen zusammengepfercht. In den Häusern dort leben keine Chirya mehr. Wir versuchen nach und nach, Boden zurückzugewinnen. Aber es gibt Hoffnung. Emebeths Tochter hält die Leute zusammen. Und ein Mann names Chrean, der der Archontin nahestand, leitet sie."
Jetzt, da er erzählte, vergaß er zu essen. Schatten spielten über sein Gesicht, die nicht vom Licht dorthin geworfen wurden.
"Und das Volk der Naihlar ist noch führungslos. Mein Vater verhandelt mit ihnen und ich mische mich ein, wo ich kann. Mir wurde gedroht, ich solle bloß meinen Mund halten, aber ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht. Es könnte schon sein, dass der nächste Archon von Naihl euch gegenübersitzt."

Lahmis Krug tanzte über den Tisch. Er hatte ihn etwas zu früh losgelassen. Es war Glück, dass er nichts verschüttet hatte.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Do Sep 08, 2016 11:13 am

Raûl saß am Tisch und hatte den Raum im Blick. Irgendwann dachte er, er hätte Jael in der Menge entdeckt, aber da war er schon wieder verschwunden. Wie immer.
Jesko langte ordentlich hin und schaufelte das Essen in sich hinein, was ihm offensichtlich gut tat. Dann endlich packte er aus und es war Raûl, als wehte ihm ein Wind aus der Vergangenheit zu, zerrte an seinen Haaren, zerrte an seiner Seele. Der verdammte Krieg war nicht gewonnen, er hatte offensichlich erst begonnen, so viele Tote, so viel Verluste.

Jesko formulierte, dass Karg versuchte die alten Magier zu befreien. Das war etwas, dass Raûl schon immer befürchtet hatte, dass es früher oder später versucht werden würde. Die wenigen Jahre in Mythodea hatten seine Vorurteile und Angst vor der Magie nicht bedeutend mildern können. Diese Ansage überraschte ihn also nicht, aber trotzdem wurde er einige Nuancen fahler. Das war einer der Gründe gewesen, Ortac für alle Zeiten, mit allem was ihm lieb und teuer war, zu verlassen.
Und dann die Andeutung, dass es einen neuen Archon der Naihlar geben könnte, dass Jesko es sein könnte? Oder Avraim?
Raûl drehte sich weg vom Raum und wandte sich Jesko zu. Lahmi hatte vor Überraschung seinen Krug fallen lassen, der nun, ohne seinen Inhalt zu verschütten, auf dem Tisch wackelte.
"Bitte wie meinen?" Raûl glotze Jesko mit offenem Mund an.

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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Sep 11, 2016 6:41 pm

Schmunzelnd reichte sie die Kelle an Jesko weiter, damit er sich selbst und Avraim auftun konnte, bevor sie sie wieder nahm und es bei den Anderen gleichtat. Selbst spähte sie etwas tiefer in den Eintopf... Meeresgetier. Hm. Schade. Aber mit Brot und Oliven und etwas Gemüse und Früchten und dem guten Wein war sie anscheinend absolut zufrieden. Eben so betrachtete sie noch einmal die Anwesenden, bevor sie selbst etwas aß und horchte auf, als Neome diese Frage stellte, die ihnen sicherlich allen auf der Zunge brannte. Mallo musterte Jesko und wie seine Miene sich veränderte. Irgendwas war an diesem Jungen, das ihn mit einem so eigentümlichen Fluidum umgab, das sie nicht erfassen konnte. Als trüge er etwas fernab alles Irdischen an sich... und auf den zweiten Blick war es, als wäre sie dem Schillern einer Täuschung anheimgefallen. Vielleicht hatte auch nur der Kerzenschein und der Schattenfall sein Gesicht so jungfahl erscheinen lassen.

"Hmhm", machte sie unkompliziert, als er um Wasser bat und erhob sich, noch kauend. Der Tyrann lebte also allem Anschein nach noch. Auch wenn Jesko das nicht klar gesagt hatte, klang es so und zog eine Wolke über Mallos Stirn. Ortac bewegte sich also in einem Kalten Krieg. Für den ahnungslosen Wirt vermutlich eine Spur zu ernst sah sie zu Kharaboudian am Tresen auf.

"Kann ich bitte etwas Wasser für den Tisch haben? - Ja, ruhig in dem Krug da. Danke." Und während er schöpfte, lehnte sie die Unterarme auf den Tresen und betrachtete die sprechenden Oshead und ihren Besuch einige Schritte entfernt. Ihre Gesichter erzählten von nichts Gutem. Mit den Wächtern in der Nähe hatte ihr Tisch etwas Imposantes, etwas Wichtiges und Hochoffizielles. Sie erinnerte sich an ihre Reisen in die Kelriothar, die sengend-schwülen Abende im Tross, wo sie des Öfteren die Wichtigen einer Gruppierung an einem Tisch, versammelt bei Verhandlungen, beobachtet hatte. Es hatte stets so weit weg geschienen. So theoretisch und ungreifbar. Jetzt waren solche Begebenheiten Teil ihrer Welt, wie es schien, und sollte sie Neome mit den Jahren noch besser kennenlernen, würde sich das vielleicht nie wieder ändern.

"Emebeth lebt nicht mehr", sagte Jesko, als sie zurückkehrte und ihm schweigend einen Becher Wasser einschenkte. Sie ging reihum und wiederholte das bei Jedem, der wollte, wieder lauschend. Es ging um Chirya. Es zog die Wolken um ihr Antlitz dichter, während sie Jesko ansah. Den Krug langsam sinken gelassen blieb sie so stehen am Tischkopf, in Raûls Nähe, und spähte eine Weile über die Schulter, zu einem nicht näher definierten, aber für sie selbst anscheinend sehr konkreten Punkt; Und sie spürte Erleichterung, dass Jael das gerade nicht hörte.

Erst als es um Naihl ging, wand sie sich wieder um und die Sorgenwolken wandelten sich in verfolgende Nachdenklichkeit und, zuletzt, in bloßes Stutzen. Sie musterte Raûl. Neome. Vhenan. Avraim.

"_Ihr_?", entfuhr es ihr, aber in ihrer Stimme klang nicht die geringste Wertung mit, sondern aufrichtiges und schlichtes Erstaunen.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Sep 11, 2016 10:46 pm

Auch Vhenan grinste schief, als sich Jesko über den Fraß an Bord eines Schiffes brüskierte. Um solche Worte aussprechen zu können, ohne vielsagende Blicke zu ernten, saß er vielleicht in dezent falscher Gesellschaft. Nani tauschte deshalb einen kurzen Blick mit Lahmi und spürte dann doch das Verlangen etwas zu sagen. „Das ist der Vorteil von Eintöpfen: Man weiß nie genau was drin ist. Vielleicht ist es sogar ähnlich dem, das Ihr an Bord gegessen habt... nur anders verpackt.“, warf sie ungeniert in den Raum und tauschte einen kleinen amüsiert-herausfordenden Blick mit Jesko. Er hatte ja explizit darum gebeten keinen Aufstand zu machen, also ließ sie es auch. Nani begnügte sich auf ihrem Teller mit kleinen Mengen von allem. Sie war genügsam -  jedenfalls was das Essen betraf – und in anderen Dingen nicht mehr zurückhaltend. Rang hin oder her, am Ende war Jesko auch nur ein Mensch.

Sie aß selbst ein paar Früchte und wartete noch immer ungeduldig, sagte aber ansonsten nichts mehr. Stattdessen beobachtete sie Jesko unaufdringlich, studierte sein Äußeres, seine Körpersprache und dachte sich ihren Teil. Bis er zu sprechen begann.

Seine Worte waren düsterer als gehofft und sie seufzte resignierend. Vhenan hatte gehofft der Krieg sei vorbei.. aber wann stimmte das schon einmal wirklich? Irgendetwas kam doch immer noch hinten dran. „Die Magier?!“, rutschte es ihr an einer Stelle heraus und es war deutlich, dass sie diese Vorhaben für wahnsinnig hielt. Die sollten bloß in ihrem Turm bleiben! Auch die Lage in Chirya war dramatisch. Nenani hatte es selbst in Valvas nie richtig gespürt, aber sie ahnte nach Jeskos Worten wie es dort aussehen musste und bei den Worten 'Eingepfärcht wie Vieh' legte sich ein deutlicher Schatten über ihren sonst so oft lachenden Blick. Er kannte das selbst? Ein neuer, weitsichtigerer Blick ruhte nun auf Jesko, der mit diesen Informationen auch verriet, dass er – trotz der Dinge, die man so über ihn hörte – wissender sein musste, als man erahnte. Vielleicht sogar weiser als manch anderer hier. Vielleicht.

Vhenans Blick glitt automatisch zu Mallo, die die Information besonders treffen musste. Der entrückte Blick der Freundin sprach Bände und Vhenan fühlte sich automatisch mit schlecht. Drübern schien nichts mehr annähernd heile zu sein... Nani versuchte einen Blick ihrer Chiryafreundin zu erhaschen und wurde vom nächsten Satz Jeskos selbst kalt erwischt.

Was?“, staunte die Kleine, genau wie der Rest. „Schon wieder ein Ghalmar?... Also versteht das jetzt bitte nicht falsch, Dion war... ein würdiger Herrscher, soweit ich das überhaupt beurteilen kann. Dass _Ihr_ Euch aufs Meer hinaus gewagt habt, spricht nur für Euch... aber... ist Euer Platz nicht in Ghalm? Wenn Ihr Dions Nachfolge in Naihl antretet, wer... übernimmt dann irgendwann das Archonat in Ghalm?“ Vhenan fragte wie immer etwas forsch, aber mit echtem Interesse und keinem Vorwurf in der Stimme. Dion war ein feiner Kerl gewesen, wenn Jesko auch so war... warum nicht? Außerdem hatte er im Krieg schon gelitten, er wäre kein Grünschnabel auf dem Thron. Aber Emmerich war auch nicht mehr der Jüngste...
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Sep 13, 2016 2:47 pm

Avraims Kiefer war wie ein dünner Mahlstein, der lange und beständig kaute und kaute und eine halbe Ewigkeit für einen Bissen brauchte, bis der Mann sich mit unbewegtem Ausdruck den nächsten in den Mund schob. Viel lebendiger war Jesko, den zu beleidigen ein Ding der Unmöglichkeit zu sein schien, weil er einen so schnellen Tritt hatte, der sich mit einem Sprung stets über das hinweg setzte, was ihn andernfalls treffen hätte sollen. Er war demnach eine gute Gesellschaft für Vhenans Sticheleien, denn sie konnte sicher gehen, dass er sie nicht falsch verstand.

Seine Hand schlug auf den Tisch und er lehnte sich ihr, das beruhigende Lächeln eines Schelms auf dem Gesicht, ein Stück weit entgegen.
"Aber ihr Naihlar wisst doch besser als jeder andere, dass es auf die Verpackung ankommt", sagte er zu ihr mit einem gewitzten Blick auf ihren Schmuck.

Er erzählte schließlich von Ortac. Jesko wurde dabei nicht ausführlich. Es war niederschmetternd genug, wenn er bei den großen Neuigkeiten blieb, und zum Ende schlug er einen Bogen und richtete seine Erzählung nach dem Lichte aus. Er sorgte mit seiner abschließenden Aussage für großes Erstaunen.
"Bitte wie meinen?", "_Ihr_?" und "Was?" schlugen ihm entgegen und Lahmi ließ seinen Becher fallen.

Jesko lachte. Avraim lachte nicht mit.
"Ich fühl mich geehrt, dass ihr euch alle so freut", rief Jesko und hob den Wasserkrug als sei es Wein. Er stürzte ihn runter. "Aber natürlich rede ich nicht von mir."
Er tauschte einen Blick mit Raûl, bei dem er zu erkennen geglaubt hatte, dass seine Gedanken in die richtige Richtung gezuckt hatten, und mit Neome, die ihn die ganze Zeit über auf eine Weise beobachtet hatte, als habe sie es früh verstanden.
"Avraim war früher schon einmal Häuptling, noch bevor es Archonten gab. Das ist lange her. Ich versuche dem Alten ins Gewissen zu reden, dass er es überdenken soll. Aber wie ihr seht - er ist keiner der Männer, die sich um die Verantwortung reißen."

Tatsächlich hatte Avraim kaum einen Muskel in seinem Gesicht verändert, während über ihn gesprochen wurde. Er hatte nur über seine straffen Wangen und Augenfalten hinweg in die Augen derer geblickt, die um ihn herum saßen. Er wusste sehr wohl, dass er betroffen war. Einzig und allein, es brachte ihn nicht aus der Ruhe.
"Ich bin ein Seefahrer", sagte er knöchern. "Sollen sich andere die Köpfe einschlagen für diesen Posten."
"Ja", stimmte Jesko frohgemut zu. "Sie schlagen sich die Köpfe ein und er steht als letzter noch aufrecht und kümmert sich darum, versteht ihr?"
"Der Bursche macht es sich zu leicht", brummte Avraim und aß einen Löffel Eintopf.
"Na jedenfalls wisst ihr jetzt Bescheid", schloss jener Bursche, ohne den Vorwurf, der ihm gemacht wurde, abzuwehren. "Es ist nicht entschieden, aber der Mann hat Aussichten darauf. Wenn er sie denn annehmen wollte."
"So eine Verantwortung nimmt man nicht leichtfertig an." Avraims Becher rutschte über den Tisch. Er wollte Rum.
Jesko sah zur Gesellschaft. Seine Brauen machten einen kleinen Hüpfer.
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Sep 13, 2016 3:04 pm

Neome erinnerte sich daran, dass früher viele auf Avraim gehört hatten. Sein Wort hatte Gewicht.
Es waren Erinnerungen, auf die sie nur zugreifen konnte, wenn sie durch dicken Nebel fasste, Bilder von sich tummelnden Menschen vor hellen Jurten, von Ratsuchenden, die ihn umringten, ein Mann, der auf ihren Vater losgehen wollte....eine Frau, die vor ihm niederfiel und um irgendetwas flehte.

Neome wusste, dass er früher einmal Häuptling gewesen war. Jede Siedlung hatte ihr Oberhaupt gehabt, ehe sie alle unter den gemeinsamen Befehl ihres Archons gefallen waren. Aber viele hielten es noch immer so, dass sie ihre Häuptlinge auswählten, an die sie sich wenden konnten. Und Avraim hatte niemals aufgehört, ein wichtiger Mann unter den Naihlar zu sein.
Neome war stets seine Tochter gewesen, sein langer Schatten war über sie gefallen und er hatte große Fußspuren hinterlassen, in die sie mal hinein, mal darum herum gesprungen war.
Eine Weile lang hatte sie es fast vergessen gehabt. Und jetzt war sie selbst eine Anführerin geworden, womöglich weit weniger zufällig als viele geglaubt hatten. Vielleicht weniger zufällig, als sie selbst geglaubt hatte.

Aber Avraim, ein Archon?
Es lag auf der Hand, dass er es nicht wollte.
Macht hatte ihm nie etwas bedeutet. Er hatte sich immer nur für sein Volk verantwortlich geführt. Das musste es sein, was ihn in Jeskos Augen zum richtigen Mann machte. Es war dasselbe Prinzip, das Neome in den Augen anderer zur richtigen Frau gemacht hatte.
Sie begann plötzlich, leise in sich hinein zu lachen und griff den Krug ihres Vaters. Sie goss Rum hinein, ehe jemand anders es tun konnte. Aber zuerst leerte sie ihn einmal selbst. Erst dann füllte sie ihn wieder auf und gab ihn zurück.
Sie sagte niemandem, was sie darüber dachte.
Aber sie saugte alles auf, was gesagt wurde.

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Sep 14, 2016 4:57 pm

Raûl klappte den Mund wieder zu und nickte, als Jesko bestätigte, was er vermutet hatte. Es wäre ihm leichter gefallen, den Rest von Ortac und aller Naihlar für wahnsinnig zu erklären, wenn sie Jesko zum Archon hätten haben wollen. Avraim machte hingegen Sinn, wenn auch Raûl bisher nur wenig von ihm gesehen hatte. Aber alles in seinem Inneren hatte rebelliert, als er ihn gesehen hatte. Er hatte das Alphatier gewittert, das Macht über Neome hatte und damit auch über die Oshead und über ihn. Diese innere Hohe Wacht hatte er nach den ersten Wortwechseln zurückgenommen, was den Alten umso beeindruckender machte, da er zu denen gehörten die konnten, aber nicht wollten. Avraims Bemerkung zu der Offenbarung unterstrich dies noch einmal deutlich.
Neome griff sich den Krug, schüttete sich erst mal selbst einen hinter die Binde und dann ihrem Apa nach - dafür hätte er sie küssen können.

Er kam ihr gleich nach, füllte die leeren Krüge mit Rum, nahm sich selbst einen und prostete Neome zu:"Arejazha..." wartete auch nicht, wer mit prostete und löschte den Inhalt in einem Zug.
In seinem Kopf sprangen bereits die Gedanken zu den Konsequenzen der Entwicklung. War die Delegation hier, um Neome heimzuholen? Oder sie auf die neue Führung einzuschwören? Sie zu irgendwas zu verpflichten? Suchten sie Schutz? Einen Rückzugsort? Würde dies Feinde der Naihlar zu ihnen locken? Assassinen Kargs, um seinen Widersacher da zu treffen, wo er wahrscheinlich am empfindlichsten war?

Das Brennen des Rums rückte seinen galoppierenden Verstand wieder ein, fokussierten ihn auf das Hier und Jetzt. Seine folgenden Worte waren an Avraim gerichtet, sein Blick wieder auf den Raum. Hier und Jetzt - wo war der Angreifer?
"Aber Ihr denkt darüber nach, dass Ihr dem Wunsch eures Volkes nachkommt, weil es für die Menschen ein größerer Schaden wäre, wenn ihr ablehntet?" es klang eher wie eine Feststellung denn wie eine Frage.

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Do Sep 15, 2016 8:41 pm

Gut, das wurde interessant. Avraim, sagte Jesko. Warum hatte sie nicht gleich daran gedacht? Sie musterte den Vater und da trafen sich ihre Blicke für den Moment, da Besagter die Anwesenden musterte, auf seine unverrückbare, neblig brütende Art; Und sie hielt stand, bis er sie entließ. Leise ließ sich Mallo wieder zwischen Vhenan und Jesko gleiten und besah die Anderen Avraim nach, vielleicht verhaltener, aber aufmerksam, zuletzt blieben die grauen Augen auf der Pakata liegen und lasen. Sie faltete die Hände vor ihrem Teller, hörte auf das Gesagte und vergaß für den Moment, selbst zu essen oder zu trinken.
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Do Sep 15, 2016 9:29 pm

Vhenan grinste erfreut, als Jesko auf ihre Stichelei ansprang und sie beugte sich ihm auch etwas entgegen. „Da habt Ihr Recht.... aber nicht alles kann schön verpackt werden. Deshalb haben wir immer eine Ration Rum dabei“, verkündete sie gewitzt und freute sich darüber, dass der Ghalmar seinem Ruf gerecht zu werden schien. Sie mochte ihn jetzt schon. Auch, weil er so pragmatisch reagierte, als beinahe alle ihn falsch verstanden. Er sollte gar nicht ihr Archon werden, sondern Avraim. Vhenan kam sich für einen Moment ziemlich dämlich vor und man sah in ihrem Gesicht. Bradach. Sie tauschte einen Blick mit dem Pakataapa. Jesko hätte ihr wegen seiner Lebendigkeit vielleicht gerade ein wenig mehr auf dem Thron gefallen, aber das war nur eine persönliche, menschliche präferenz. Nichts relevantes. Vielleicht war es besser, wenn jemand wie Avraim dort säße. Er hatte Erfahrung und die Ruhe, um sich mit Naihlar herumzuschlagen. Diese Gedanken kreuchten durch ihren Kopf, während sie ihn musternd anglotzte und dann den Rum in der Runde trank.

Raul fragte am Ende das, was auch Nani durch den Kopf ging und sie nickte unbewusst, obwohl sie dem Mazhahk gar nicht offiziell zustimmen wollte. „Darf man so eine Verantwortung überhaupt ablehnen, wenn andere denken, dass man sie tragen kann?“ Sie fragte so, dass deutlich war, dass sie die Antwort selbst nicht sicher kannte. „Diejenigen, die sich stürmisch darum reißen sind meist die schlechtesten Anwärter. Die wissen gar nicht was auf sie zukommt... jedenfalls gibt es genug Geschichten darüber und die sind meistens recht kurz...“, plauderte sie weiter und räusperte sich dann, um ihre Worte zum Stillstand zu bringen. Sie sah zu Neome, um vielleicht herauszufinden, was sie darüber dachte. Und ganz nebenbei glitt ihre Hand unterstützend auf Mallos Rücken und verharrte dort, wie sie es in der Kelriothar auch so oft getan hatte. Hier ging es nicht mehr um Jael, es ging um ein ganzes Volk, das viel mehr geblutet hatte, als es konnte. Das musste Mallo schmerzen, auch wenn der Fokus gerade auf Avraim lag. Die Erzählung hatte hier sicher niemand vergessen.
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