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 Im Kartenhaus

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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Sep 16, 2016 1:37 pm

Avraims Augen waren wie ein Himmel voller Wolken. Mal blitzte ein freier Streif hervor, doch auch der Hintergrund, der sich dann offenbarte, war grau. Kein Licht schien auf seine Miene. Die Gefühle, die er haben musste, waren derart komplex, dass es unmöglich war, sie zu entwirren. Es war ein hartes, verfestigtes Knäuel, das sich durch den Blick von außen nicht auseinanderhalten ließ.
Zuerst blickte er Raûl an, da seine Tochter es nicht für nötig zu halten schien, etwas zu der Angelegenheit zu sagen.
"Es ist möglich, dass es so kommt. Ich habe so etwas in jüngerer Zeit anderswo beobachtet."
Seine Augen glitten über den Tisch. Lahmi hob seinen Krug wieder auf, wie wenn ihm kalt geworden wäre ohne etwas Wärmendes in der Hand.
"Ich denke nach. Ich denke über vieles nach. Ich habe Jesko gesagt, dass die Zeit des Nachdenkens nicht die Zeit des Sprechens ist. Aber er scheint zu allem seinen eigenen Willen zu haben."
Der Ghalmar schob sich ein Stück Fladenbrot in den Mundwinkel und zwinkerte Vhenan zu. Er musste glauben, man habe ihn gelobt.
"Es wird ab diesem Tag noch viel geredet werden", erklärte Avraim ihnen allen, aber gerade noch vor allem Raûl, weil er es war, der ihn zuerst darauf angesprochen hatte. "Und vielleicht wird es am Ende ein ganz anderer werden."
"Ich mach's!", sagte Lahmi in seinen Becher, und erntete von Jesko ein angetanes Lachen und von Avraim einen gestrengen Blick. Danach drehte sich die Adlernase des Kapitäns der kleinen Bazhima zu.
"Wenn ein Archon entscheidet, dass er keiner sein will - nun, dann kann er unmöglich einer sein. Der glühende Wille, den Posten zu tragen ist kein Ausschlusskriterium für einen guten Anführer, Vhenan. Sondern die Gründe, die hinter diesem Willen stehen."
Jesko lehnte sich Mallo zu und raunte: "Was er meint und so umständlich sagt ist: Es kommt nicht drauf an, ob man will, sondern warum man will."
Avraim überging das Getuschel als wäre es nicht existent.
"Wir werden sehen, was passiert. Gerade ist es zu früh, darüber zu sprechen."

Jesko schlug auf den Tisch, und in der lebendigen Geste verbarg sich eigentlicher Zuspruch.
"Na, Avraim, sie haben gefragt. Und ich glaube, ein oder zwei hier am Tisch, halten es für erwähnenswert."
Der Ghalmar tauschte jetzt das Wasser gegen Wein. Er hatte eine gute Art an sich, alle miteinzubeziehen, wenn er redete. Seine Augen waren jung und flink, und aufmerksam denen gegenüber, denen er Beachtung schenken wollte.
"Wir sind aus verschiedenen Gründen hier. Zuerst einmal sei gesagt: Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Unsere Anliegen sind gut. Wir hatten sogar Pferde dabei, zwei waschechte Flaten. Es war ein erster Test. Leider ist er nicht gelungen." Er rieb sich über die Schläfe. Da war kein Witz mehr, der seine Worte fesselnd machte. Hier war etwas passiert, was Jesko aufrichtig bedauerte. "Die Tiere habens nicht gepackt, die Reise war zu lang und streckenweise zu stürmisch." Er selbst sah allein durch den Gedanken im Lichtschein wieder etwas geblässt aus.

"Ich wollte dieses neue Leben hier unbedingt sehen und habe Avraim beschworen, mich mitzunehmen. Ich werde Archon auf Ortac sein." Das Mundwinkelzucken eines weltläufigen Mannes rüttelte seinen Bericht auf. "Wenn auch nicht von eurem Volk, Freunde. Das heißt nicht, dass ich nicht gute Kontakte und Freundschaft will. Mein Vater ist ein Mann der Tradition, und Tradition hat enge Grenzen. Ich hingegen..." Er lehnte sich zurück und überließ einem jeden seine eigene Deutung. "Naja. Ich bin jünger."
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Neome
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Sep 16, 2016 1:55 pm

Neome stand unter Spannung. Sie sah aus, als könne sie jeden Moment unvermittelt aufspringen und irgendwohin laufen, aber solange noch gesprochen wurde, schwieg sie, hörte zu und änderte wenig an ihrem Ausdruck. Es gab viel zu verarbeiten, Dinge, die überraschend kamen und Dinge, die sie nach und nach durchschaute. Sie beließ es dabei, andere die Fragen stellen zu lassen und die Antworten mitzuhören.

Es wäre nicht wunderlich gewesen, hätten die Ghalmaren versucht, ihnen wieder einen Archon aus Emmerichs Familie vorzusetzen. Und vielleicht wäre es passiert, hätte Jesko noch einen zweiten Bruder oder eine Schwester gehabt. Vielleicht kam es noch einmal zur Sprache. Da waren winzige Spuren in den Gesichtern der Männer, die Neome den Eindruck vermittelteten, dass der Verdacht nicht so weit hergeholt sein mochte, wie Jeskos freigeistige Erwiderung ihnen Glauben machte. Etwas in den Augenwinkeln des Archontensohns war aufgestört. Aber vielleicht lag es an der Erinnerung an die tosende See und die verlorenen Tiere.

"Flaten?", fragte Neome, obwohl ihre Aufregung schnell in Enttäuschung umschwang. Pferde auf dem Meer waren eine Neuheit. Die Tiere an ein Schiff zu gewöhnen war das eine. Das andere war, die Menschen an Tiere auf einem Schiff zu gewöhnen.
"Ich habe mit einer Frau Namens Dilgis darüber gesprochen, wie man Pferde am Besten per Schiff transportiert", sagte Neome. "Ich habe es niedergeschrieben. Nachher gleichen wir es noch einmal ab. Ich hatte es eigentlich schon geschickt."

Sie sagte immer noch nichts zu ihrem Vater als Archon. Fast war es, als wage sie kein Urteil zu fällen oder wolle das seine nicht durch ihre Meinung trüben.
Als Avraim Raûl zuerst geantwortet hatte, waren ihre Augen schmal geworden und sie hatte geschmunzelt. Interpretierte ihr Vater sie? Hatte er Recht? Sie hatte Raûl zugeprostet, sich dabei aber zögerlich verhalten. Es war eine Geste zwischen ihr und ihm.

Dann hob Neome den Kopf und eine Hand - und ihren Becher in die Allgemeinheit.
"Ich will unsere Gäste hiermit offiziell willkommen heißen. Es ist eine Ehre - nicht weil ihr Mächtige seid. Sondern weil ihr Freunde seid. Euer Interesse an uns freut mich. Und wenn ihr uns nichts wegnehmen wollt - diese Direktheit erlaubt ihr mir sicher - seid ihr gleich umso willkommener. Ma ajdûn jaspad."
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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Do Sep 22, 2016 12:04 pm

Die Nachricht über die misslungene Überfahrt von den Pferden betrübte ihn, aber nur kurz. Er selbst war nie ein besonders begabter Reiter gewesen und verzichtete eher gerne auf dieses Beförderungsmittel. Aber Pferde waren ein großartiges Geschäftsfeld und daher sollte man dringend dran bleiben, zumal die weiten Strecken nach Oron und weiter auf einem Pferderücken deutlich zusammenschmolzen. Es würde so kommen oder nicht, es lag heute nicht in seiner Hand.

Raûl freute Neomes kurzes Zuprosten. Nach den Spannungen der letzten Wochen erleichterte es ihn, dass zwischen ihnen beiden wieder alles einig schien. So nahm er auch der Pakata Grußwort auf - und rief es, wie es bei ihnen Brauch war, lauthals in den Raum "MA ADJÛN JASPAD!"

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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Sep 28, 2016 2:04 am

Mallo rückte mit dem Blick, als sie Vhenans Hand am eigenen Rücken spürte. War ihr Verhältnis die letzten Wochen über unausgesprochen und angespannt, berührte sie diese Geste umso mehr und war doch viel mehr wert, als irgend große Worte und Zuneigungsbekundungen. Das Einzige was sie zeigte, war ein unwillkürliches Heben der Mundwinkel; Nani, die vielleicht mit einem Augenwinkel auf eine Reaktion auf die eigene Geste geachtet hätte, hätte es lesen können.

Ihre Hauptaufmerksamkeit aber lag nach wie vor auf Neome: Es war ihr inzwischen in vielen Situationen in einen Reflex übergegangen, am Gesicht der Pakata zu lesen, was sie tun oder wonach sie als Nächstes verlangen würde. Ihre Ohren den Worten der Anderen zugerichtet, griff sie der Pakata gleich nach dem Rumbecher und roch zunächst an dem goldenen Getränk. Sie mochte es nicht. Sie mochte umso mehr, was sie damit assoziierte. Oshead. Familie.

"Ach was", murmelte sie mit kumpelhaftem Lächeln Jesko zu, als er ihr die Motive eines "guten" Anführeranwärters in einfache Worte übersetzte. Hielt er sie für minderbemittelt? Wie auch immer, Vorurteile waren für sie nichts Unvertrautes und er hatte bereits signalisiert, dass er damit leben konnte, einen Konter im Gewand eines freundlichen Hinterkopfbatschers zu bekommen. Dann berichtete Jesko von den Flaten.

Erst das ließ Mallos Blick von Neome abrücken und sie sah den Archontensohn frontal an. Sie kannte Neomes Bemühungen zu diesem Thema, wusste nicht um deren letztendliche Ergebnisse. Als sie vorschlug, die Taktik nocheinmal abzugleichen, nickte Malen schemenhaft. Sie enthielt sich dessen, etwas dazu zu sagen; Selbst als Chirya, Freundin einiger Reiter und Pferdeherren und selbst gelegenheitliche Reiterin hatte sie mit Pferden auf See keine Erfahrung und überließ die Strategie mit wachen Augen denen, die das Gebiet besser kannten, in das sie nicht hineingeboren worden war.

Ihr Nicken war deutlicher zu sehen, als Jesko ihre Absichten in Shäekara kundtat. Sie senkte den Blick auf den Rand ihres Krugs, hörte. Segnete für sich ab und ihre Schultern senkten sich.

"Das ist schön zu hören", sagte sie unlaut und das war ihr Beitrag zum Thema, keine falsche Höflichkeit und keine weitere Ausschweifung. Ein Draht nach Ortac. Neue alte Freundschaft und die Hoffnung, dass man seine Wurzeln ja doch nicht völlig verlieren und vergessen würde. Das war schön. Sie sah zur Pakata auf, dann zu Raûl, Nani, schließlich Lahmi und den Gästen.

"Ma ajdûn jaspad!"

Ihre Stimme war eine von den Leiseren, aber dafür in keinster Weise der Aufrichtigkeit beraubt. Als sie den Krug den weiteren entgegenhob, hob sie die freie Handfläche für einen Sekundenbruchteil an Jeskos Rücken. Freunde, hatten sie gesagt.
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Do Sep 29, 2016 1:32 pm

Vhenan betrachtete Avraim aufmerksam, als er sprach und dachte danach eine ganze Weile stumm über seine Worte nach. Sie aß langsam und bedacht weiter, sah hin und wieder in die Runde, um Reaktionen der anderen aufnzunehmen und zu verarbeiten. Flaten, undurchsichtige Beweggründe, Verlust und Hoffnung tanzten miteinander durch ihre Gedanken und sie ließ keine besonderen Gefühlsregungen erkennen, zu angestrengt dachte die Naihlar gerade nach. Wenn man etwas nicht sein wollte konnte man es nicht sein... trotz der Verantwortung, die man hatte? Ein widerspenstiger Blick traf Avraim irgendwann, als Nani innerlich eine eigene Meinung formte. Dann wurde ihr Blick wieder sanfter und nachdenklicher, als ihr ein anderes Gesicht vor das innere Auge sprang, das ihre Gedanken in eine andere Richtung lenkte- Stimmte das oder stimmte es nicht?

Selbst auf Mallos vages Mundwinkelzucken hatte sie nicht wirklich reagiert, obwohl sie es wahrgenommen hatte. Erst der offizielle Willkommensgestus riss sie aus ihren Gedanken und sie hob wie von selbst den Rumkrug. „Ma ajdûn jaspad!“, rief sie leiser als gewöhnlich, aber damit immer noch lauter als Mallo.

Wie lange bleibt ihr?“, fragte sie an die beiden Gäste gewandt. „Es gibt einige Plätze, die man hier gesehen haben sollte.
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Oshead Erzähler

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Okt 07, 2016 1:46 am

Während die anderen sprachen, kratzte Jesko sich am Hals. Er hatte ihn, wie es aussah, eine Weile nicht gewaschen, und störte sich doch genausowenig offen am Schmutz unter seinen Fingernägeln wie der Bettler auf der Straße.

Dann aß er eine Weile und störte sich tatsächlich an keiner Erwiderung, die ihm von irgendwoher gegeben wurde. Als er endlich genug im Magen hatte, wurden seine Weinschlücke ausschweifender, und als irgendwo an einem Tisch weiter hinten einer schwungvoll aufstand, sich in seinem Stuhl verhedderte und mitsamt des Stuhls zu Boden krachte, lachte der Archontensohn, den Becher noch in der Hand, lauthals auf und mitten ins Gespräch hinein.
"Entschuldigt", sagte er gleich. "Lasst euch nicht stören."
Und Avraims gestrengen Blick daraufhin übergehend, gehörte Jesko mit Lahmi zu denen, die mit am lautesten in Raûls Ruf einstimmten. Anschließend war der junge Mann einen Herzschlag lang verwundert über die Hand an seinem Rücken, drehte sich danach um und ruckte, einen räudigen und gleichsam schneidigen Charme auf den lächelnden Zügen, Malen mit dem Kinn entgegen.

Als Vhenan sie nach der Dauer ihres Aufenthalts fragte, wollte Jesko antworten, doch diesmal kam der alte Kapitän ihm zuvor und drang mit einer Stimme, die gar nicht laut war, die sich aber trotzdem ihren Raum am Tisch verschaffte, über alle anderen hinweg.
"Ein paar Tage. Wir sehen uns eure Plätze gern an. Sehen wir doch, was wir geben können und was wir brauchen. Ich werde aber, wenn du deinen Geburtstag feierst, lange nicht mehr da sein." Das richtete er an seine Tochter.
Jesko und Lahmi begannen in plötzlicher Zeichensprache, die gewiss eine Erfindung des Augenblicks war, stumme Worte zu wechseln, und schließlich, nachdem die Albernheit eine Weile gegangen war, stellte sich heraus, dass sie nur ohne das Gespräch zu stören vereinbaren hatten wollten, einen Schluck des jeweiligen Getränks zu tauschen. Und doch musste wohl jeder am Tisch einsehen, dass es viel weniger Wirbel gemacht hätte, hätten sie einfach einen Satz miteinander gesprochen.
Anschließend lehnte sich Jesko in Richtung der beiden Mädchen, die mit ihm auf der Bank saßen.
"Ein Zuber ist so ein Ort, den ich gesehen haben sollte." Dabei war er eitel, der Geruch der See haftete ihm nicht an, dafür auch nur so wenig Gestank, dass man kaum den Schweiß roch, der unter seinem Schmutz alt wurde. "Bitte zwingt mich nicht, ihn mit den anderen zu teilen oder ihr Wasser zu nehmen."

Seine Scherze wurden am Rest des Tisches nicht gehört. Und dennoch spürten sie allesamt Avraims Blick auf sich, der aufgehört hatte zu sprechen und jene ansah, die sich ablenken lassen hatten oder abgelenkt hatte.
Jesko lächelte, einsichtig, entschuldigend. Es mangelte ihm nicht an Respekt oder Sitte. Aber in ihm steckte noch der halbe Knabe, und wenn er nicht gezwungen war, ihn zu unterdrücken, dann tat er es nicht, und das bedeutete keine Beleidigung. Avraim musste es wissen. Denn sowie es still war, fuhr er fort.
"Ich habe ein altes Wort einzulösen."
Seine Tochter ahnte es, wie er und sie alle sahen, bereits.
"Ich kam mit drei Schiffen. Aber ich hab damals versprochen, die Rumbullion soll weitergehen. Ich werde sie hier lassen."
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Neome
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Fr Okt 07, 2016 1:53 am

"Ich habe ein altes Wort einzulösen."
Leicht wie Fächer fuhren Neomes Hände auf den Tisch.
"Du lässt uns die Rumbullion?"
"Ich kam mit drei Schiffen. Aber ich hab damals versprochen, die Rumbullion soll weitergehen. Ich werde sie hier lassen."
Man mochte ihrem Vater vorwerfen, dass er sich nicht darauf verstand, Spannung aufzubauen, aber wenigstens vergeudete auch niemandes Zeit. Ein Blick von Freude, alter Aufregung, halbem Wissen und halber Hoffnung traf die Runde, in der all ihre Freunde saßen. Und irgendwo sah man Neome, die hinter ihrer Miene oft vieles absichtlich versteckt hielt, bereits an, dass Avraim ihr etwas gab, was sie schon lange hatte haben wollen. Etwas, das ihr im Herzen bereits gehörte. Zuerst Vhenan, dann Malen und Jesko, die nebenan saßen, dann Lahmi und Raûl sah sie an. Raûl zuletzt, dafür war er es, an den sie zuerst Worte richtete.
"Ich glaube wir können ein Schiff mehr gut gebrauchen, oder? Endlich kann ich es einplanen. Endlich bleibt es bei mir."
Der Mann im Hintergrund hatte seinen Stuhl hochgezogen, nur um ihn beim nächsten Schritt, weil er immer noch daran festhing, hinter sich herzuziehen. Diesmal drehte sich Neome nach ihm um und lachte mit Jesko mit.

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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Sa Okt 15, 2016 3:40 pm

Raûl nickte, als Neome ihn direkt ansprach. Obwohl es klar war, dass ihr Vater das Schiff an sie übergab, setzte sie es in der Sprache gleich in "uns" und "wir", definierte es als Gut der ganzen Oshead. Ein Teil von ihm beneidete und ein anderer Teil bedauerte Neome für so viel Selbstlosigkeit. Er wandte sich an Avraim:
"Tatsächlich war ich schon drauf und dran zu fragen, ob Ihr uns für eine Weile mit den Euren unterstützten könnt, da wir jedes Schiff für Nahrungsmittel- und Flüchtlingstransporte oder für die Fischerei brauchen können. Insofern macht Ihr uns mittelfristig ein viel größeres Geschenk, wenn die Rumbullion dauerhaft in Neomes Hand übergeht. Ihr seid sehr großzügig und das Schiff ist ein Prachtstück."
Raûl neigte seinen Kopf tief und als er ihn wieder hob schmunzelte er fast, da sein nächster Satz offensichtlich etwas dreist war, aber ihn brennend interessierte:
"Mit oder ohne Crew?"
Schelmisch ließ er seinen Goldzahn blitzen.

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mo Okt 17, 2016 2:06 am

Avraim lachte. Es war ein trockenes Geräusch, wie Wind, der über einen uralten, harten und bröseligen Steinboden kratzte. So schnell wie es gekommen war, hörte es wieder auf.
"Ihr seid wohl in der Lage, eine eigene Crew zusammenzustellen", sagte er dann und von seinem Lachen war nichts mehr zu hören. "Ich bin nicht umsonst mit drei Schiffen in See gestochen. Die Mannschaft fährt nach Hause."
Er hatte sein Mahl beendet.
"Was das Schiff angeht, ich hab es Neome schon lange versprochen. Jetzt scheint die Zeit richtig zu sein. Zumindest nicht mehr richtiger zu werden."
Er warf seiner Tochter einen Blick zu, den man nicht einmal mit viel gutem Willen als liebevoll hätte bezeichnen können. Der Ausdruck darin war streng, kritisch und stolz. Und dennoch bestand kein Zweifel an den aufrichtigen Gefühlen, die er ihr gegenüber haben musste. Anders als Raûl sah er die Dinge, die sie sagte durch den unverklärten Spiegel der Vertrautheit und deutete ihre Worte nicht als Selbstlosigkeit, sondern als Kalkül.
"Ich bin müde", sprach er dann. "Ich bin kein so junger Mensch mehr wie ihr. Die See zermürbt mich. Ihr seht es mir sicher nach, wenn ich mich ausruhe und wir später weitersprechen."

Lahmi war aufgesprungen, kaum dass Avraim geendet hatte.
"Du wohnst bei-" Aber Avraim winkte nur in Lahmis Richtung ab als habe er es mit einem übereifrigen Enkel zu tun. In diesem Moment sah er alt aus, älter als er war, bis er aufstand und seine Würde einen Schatten auf den Tisch warf, den man nicht sah, aber mit ein wenig Feingefühl doch wahrnahm.
"Ich gehe auf mein Schiff. Ein letztes Mal in dem knarrigen Bett. Das müsst ihr mir gönnen."
Auf einmal war da etwas Trauriges an ihm. Nicht er selbst schien niedergeschlagen, doch sein Anblick, die vielen Jahre auf See, die ihn umgaben, sein Leben, das eigentlich gelebt war und der müde Mann, der nun alles fahrenlassen und mit seiner verbliebenen Kraft etwas Neues beginnen sollte. Ein Schwermut, den man sich nicht erklären konnte, lag auf seinem Bilde.

Aber Jesko, der kein schwermütiger Mensch war, winkte mit der Hand.
"Geh du von mir aus, Avraim. Ich trinke noch ein bisschen Wein. Einer hier muss den Naihlar ja im Zechen die Stirn bieten."
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mo Okt 17, 2016 1:23 pm

Vhenans Augen weiteten sich überrascht zu kleinen Monden. Die Rumbullion blieb hier? Sie erwiderte Neomes Blick, ein Mundwinkel zuckte stolz in die Höhe. Hervorragend! Neomes Blick zog weiter, Nanis dagegen lag weiter auf Avraim. Wollte er wirklich einen Schritt in ein anderes Leben machen.... so alt war er doch noch gar nicht. Aber wenn sich der alte Seebär dazu entschlossen hatte... vielleicht auch durch die anstehende Archontenwahl? Dann sollten man es akzeptieren. Aber man sollte jedem geschenkten Gaul ins Maul schauen.

Avraim verließ die Runde überraschend und kurz kam Vhenan der Gedanke, dass er vielleicht doch alt geworden war, andererseits sollte man sich nach langen Reisen auch ausruhen dürfen, ohne dass sich jemand lustig machte.

Schlaf gut,“ rief sie und nickte ihm mit einem Lächeln zu. „Bis morgen.
Dann wandte sich die kleine Naihlar an Jesko.

Und Ihr... wollt Ihr heute noch in den Zuber steigen, wenn wir Euch unter den Tisch getrunken haben oder wäre es Euch lieber ihn morgen bei vollem Bewusstsein zum Wachwerden zu genießen?“ Vhenan grinste wieder herausfordernd.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Okt 19, 2016 9:39 pm

"Die gibt's hier oben bestimmt auch", hauchte Mallo, als Jesko sich ihnen mit dem Zuber auf der Zunge zuneigte. Ihr Blick wich kaum von Avraim, denn sie kannte es, dem Hauptgeschehen zu folgen und auf leiserer Ebene andere Dinge zeitgleich zu tun, und sie deutete dabei unauffällig gen Decke des Raumes, wohl die oberen Stockwerke des Kartenhauses meinend, dort, wo die Zimmer der Gäste sich befanden. Doch Avraims strenger Blick beförderte sie beide rasch in die Aufrechte. Wo Jesko entschuldigend lächelte, sah Mallo dem Seebären unverwandt entgegen und nickte rasch. Eine wortlose Entschuldigung, ein "Ich-habe-verstanden" in einem.

Die Rumbullion wollte er hierlassen. Das zog die Brauen der Chirya in die Höhe. Dieses Schiff, auf dem er hergekommen war, dieses Schiff war er. Und er wollte es abgeben. Es der Pakata überlassen. Die Blicke von Herrin und Knappe trafen sich und Freude loderte in Mallos Grau auf, ehrliche Freude für die Freundin dort gegenüber.

Als der Stuhl von dem Besoffenen erneut schepperte, folgten den Augenbrauen auch die Mundwinkel in immense Höhen, was in Malens Fall einem ehrlichen, sonnigen Lachen gleichkam. Sie wand es schlussendlich Raûl zu - der Kapitän hatte Recht, auch wenn der Gedanke des Mazhahks nicht abwegig gewesen war: Sie hatten tatsächlich viele Leute über, die noch eine richtige Beschäftigung brauchten. Sie würden der Rumbullion eine Crew bilden können, und wenn sie die Zahlen richtig im Kopf hatte, konnte es sogar eine reine Naihlarcrew sein. Und als Avraim sich plötzlich verabschiedete, erhob sie sich mit Lahmi und ihm in einem Zug, um ihn, wie so üblich lieber in Gesten, statt in vielen Worten, zu verabschieden. Mit dem Krug in der Hand deutete sie eine respektvolle Verneigung an und hob das Gefäß symbolisch auf Schläfenhöhe.

"Gute Nacht, Herr. Träumt erholsam."

Sie würde ihm nachsehen, das Knie wieder auf die Bank gestützt, bis er die Taverne sicher verlassen hätte. Dann ließ sie sich auf den Hosenboden sinken, mit größerer Leichtigkeit als zuvor an diesem Tag, auf eine latente Art angenehm angetan und behellt durch das Letztgesprochene.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mo Okt 24, 2016 10:33 pm

Raûl stand auf als sich Avraim erhob und nickte ihm zu:"Wenn Ihr gestattet würde ich Euch gerne bis zum Pier begleiten. Ich habe im Hafen eh noch etwas zu erledigen." Er hatte das auch halb Neome zugewandt gesagt, um ihr ebenfalls die Gelegenheit zum Widerspruch zu geben. Ob der Mahzhak tatsächlich was am Hafen zu schaffen hatte, den möglichen zukünftigen Archon der Naihlar etwas unter 3 Augen sagen oder einfach nur persönlich für seinen Geleit sorgen wollte, war nicht zu deuten. Vielleicht alles drei auf einmal.

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Nov 06, 2016 10:34 pm

Neome warf Raûl einen langen Blick zu, der sich weder für, noch wider ihn aussprach. Er hatte eine freie Bitte an ihren Vater gesprochen und ihrem Vater blieb es überlassen, frei darauf zu antworten. In dieser Angelegenheit mischte sie sich nicht ein. Wenn es Avraim unrecht war, so würde er es sagen. Wenn er nichts sagte, so würde Neome sich nicht dazwischen drängen.
"Wie willst du es haben?", fragte sie stattdessen Jesko, dabei stand sie auf, küsste ihrem Vater die Stirn und legte bei der Rückkehr an ihren Platz kurz ihre Hand auf Raûls Rücken, für den Fall, dass ihr Schweigen ihm nicht genug gesagt hatte. "Willst du den Zuber ganz für dich allein haben?"
Sie bot ihm nicht offen die Gesellschaft hübscher Mädchen an. Er sollte selbst deuten, wie sie es meinte.

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Nov 06, 2016 10:56 pm

Avraim sog die Wangen ein. Den Kuss seiner Tochter nahm er bewegungslos an wie ein Geschenk, das man äußerlich über sich ergehen ließ, ganz gleich, wie man innerlich darüber dachte, und vielleicht war das innere Gefühl goldener als der äußere Anschein.
Seine Hand, braun und lang, striemig und vernarbt wie eine alte Holzplanke, hob sich einladend gen Raûl, aber er wartete nicht auf ihn, sondern setzte mit weit ausfallenden Schritten voraus.
"Gute Nacht", wünschte er gerade noch. Die rechte Hand seiner Tochter würde ihm folgen, wenn ihm sein Anliegen wichtig war.


Jesko blickte die Verbliebenen der Reihe nach an.
"Gleich fühlt es sich ein bisschen leichter an am Tisch", sprach er schmunzelnd. Dabei hatte auch vorher keine Schwere den Eindruck gemacht, ihn erreichen zu können. "Und was mein Bad betrifft. Na, Neome, wie schätzt du es ein. Hat sie hier mir gerade eine Einladung ausgesprochen?" Seine Mundwinkel hoben sich zum Ausdruck eines wüsten Charmeurs, der mit seinem Charme beizeiten gar nicht umzugehen wusste, und seine Hand wies mit dem Fingerspitzen auf Vhenan. Er verhielt sich bei all seiner Plumpheit, die er an den Tag legte, umsichtig genug, ihnen suggestiv klarzumachen, dass er Scherze trieb.
"Ich komme mit, wenn du willst", sprach Lahmi mit einer sehr einladenden Stimme. Und jetzt nahm Jeskos Lachen etwas Klägliches an. So stand er auf und schenkte, egal, ob die Becher leer waren oder nicht, noch eine Runde aus.
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Nov 08, 2016 12:37 pm

Auch Vhenan warf Raul einen langen Blick hinterher und fragte sich was er da wieder für sich herausschlagen wollte. Aber sie hatte Vertrauen in Avraim, der jedem mit Leichtigkeit Grenzen aufzeigen konnte, wenn er es denn wollte und deshalb entließ sie die Männer aus ihrem Blick und konzentrierte sich wieder auf die Anwesenden am Tisch. Besonders auf Jesko, den sie spontan wegen seiner liebenswürdigen Dreistigkeit immer mehr mochte.

Ja, Neome. Habe ich ihm gerade ein Angebot gemacht?“ Sie fragte die Pakata, sah aber zu Jesko. Mit einem Blick, der sagte: Frag mich das doch selbst!

Sie griff im nächsten Moment nach dem Becher, den Jesko gefüllt hatte und hob ihn. „Wenn Jesko und Lahmi gleich gemeinsam zubern gehen, bleiben mehr Rum und Wein für uns.“, sagte sie gut hörbar an Mallo gewandt und grinste diebisch.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Nov 08, 2016 9:49 pm

Sie setzte sich wieder auf den Hosenboden, wackelte ein wenig mit dem Knie und sog Mienen und Stimmen auf von um sie herum, schmunzelnd die Anderen betrachtend. Gegen Jeskos neue Runde sagte sie nicht das Geringste,

"Frech!" fand sie aber seine Unterstellung, Vhenan möge ihn begleiten. Aber sie hatte natürlich seine Stimme zu deuten gewusst, und so schwand ihr Lächeln nicht, sondern wanderte über das Gesicht der kleinen Freundin, der sie leger zunickte, als forderte sie sie auf, die Idee anzunehmen. Dann stieß sie mit Nani an und sagte, trinkend, nichts mehr dazu.
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Raûl
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Mi Nov 09, 2016 6:09 am

Raûl verabschiedete sich mit einem kurzen Gruß vom Tisch und wies mit einer Geste zwei der Wachmänner an, ihm zu folgen, dann verließ er das Kartenhaus direkt im Windschatten von Avraim. Seine Schritte waren ebenso zielgerichtet und ausladend, ein Mann, der noch viel zu erledigen hatte.

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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Nov 15, 2016 8:17 am

"Tscha!", rief Jesko aus, als wäre damit eine klare Antwort auf alle Belange gegeben. Sein Kinn schnellte dabei in die Höhe, seine Mundwinkel hintendrein, und er musterte Lahmi wie einen alten Freund, den man reinen Herzens beleidigen durfte, ohne Furcht vor Unfrieden haben zu müssen.
"Ich hab schon schönere Frauen gesehen als den da!"
Und er sollte Recht behalten.
"Ich hab auch schon schönere Frauen gesehen als dich!", rief der Naihlar zurück.
"Das glaub ich gern", erwiderte der Archontensohn mit einem Lächeln, das plötzlich von einem seltsamen Dunst beschlagen schien. Nur einen Moment. "Und schönere Männer", sagte er dann, klarte wieder auf und trank den guten Wein. Dabei war er schön, obwohl seine Züge nicht im selben Maße scharf und elegant waren wie die seines Bruders. Dafür steckte in den seinen mehr Leichtmut. Er zog das Narrenkostüm stets dem purpurnen Umhang vor, dabei konnte er nicht verhüllen, auch nicht, wenn er mit dem Schellenkranz hantierte, dass es nur ein Kleid war, und dass darunter ein Anführer steckte. Er hatte den Wein schnell geleert und stellte ihn mit einem erfrischten Ruck auf den Tisch.
"Ich zieh mich zurück", rief er und stand dann schon, so als wüsste er genau, wohin es geht. "Danke ihr beiden, dass ihr mich morgen herumführt!" Das galt Vhenan und Mallo, die er mit seiner unverschämten Dankbarkeit überfuhr, und er ließ es nicht wie einen Befehl klingen. Es schien darüber auch keiner zu sein. Er musste wohl tatsächlich davon ausgehen, dass ein jeder sich gern die Mühe antat, Jesko durch Takbal zu führen.
Lahmi beobachtete die Gesichter der Frauen. Doch auch er erhob sich, nachdem er einen Blick zu Neome geworfen und sie genickt hatte. Beide standen auf.
"Bis morgen", grüßte Jesko, unabhängig davon, wie Vhenan oder Mallo ihm antworteten, bevor er sich spielerisch verbeugte und hinausging. Lahmi warf einen ironischen Blick zurück zum Tisch, durch den sich glühend die Ernsthaftigkeit brannte, die Tradition und Stolz und etwas Drittes, Geheimnisvolleres in ihrem Innersten bargen.
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Neome
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Nov 15, 2016 8:26 am

"Ich bringe dich!" Neome hatte ihre Freundinnen spaßen lassen. Ab einem gewissen Punkt hatte sie sich rausgehalten und war gegen eine unsichtbare Lehne zurückgesunken als säße sie im Stuhl des Beobachters, von dem aus man einen feineren Blick auf das Geschehen hatte, doch nur, wenn man sich selbst nicht übermäßig daran beteiligte.
Sie hatte gesehen, dass unter Jeskos Lustigkeit eine alte Erschöpfung lag, wenn ihr auch unklar war, wie lange er sie mit sich herumtrug. Sie wusste, dass sie ihn nicht fragen konnte, jetzt nicht, und wahrscheinlich würde er nicht lange genug bleiben, als dass sie es überhaupt wagen wollte. Nicht unter den Augen ihres Vaters. Und vielleicht nicht einmal unter Jeskos. Jetzt lachte er. Doch welcher Mensch war er, wenn er damit aufhörte?

Sie war um den Tisch herum getreten, hatte ihren Wein noch in der Hand. Ihre Freundinnen kannten dieses Gebaren. Sie nahm den Wein mit. Was einem gewöhnlichen Gast vom Wirt aus nicht gestattet war, konnte er bei ihr doch schlecht verhindern, gemessen daran nutzte sie ihr selbstgegebenes Recht nur selten aus.
"Aufessen", sprach sie mit einem spaßhaften Deut auf den Tisch und was dort noch an unbezwingbaren Speisen lag. Einen warmen Blick schickte sie Vhenan und Mallo noch aus ihren kalten Augen. Dann zog sie an den Männern vorbei und ging an deren Spitze.

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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   Di Nov 15, 2016 4:54 pm

Und da geht meine freie Zeit flöten...“, antwortete Vhenan leidend und offensichtlich gespielt bedauernd, ließ aber durch ein Lächeln sicherheitshalber erkennen, dass sie es nicht so meinte. „Es wird uns ein Vergnügen sein.“ Damit nickte sie Jesko zu. Wenn er forderte, dass sie Reiseführer sein sollten, dann würden sie es auch sein.

Gute Nacht!“ Vhenan blieb sitzen und eine plötzliche Einsamkeit saß mit ihre am Tisch. Jetzt waren alle weg. Nur Mallo war noch da... ohne wirklich da zu sein.
Nani schenkte sich einen Rum nach und sprach dann von der Seite zu ihrer Freundin, ohne sie anzusehen.
Du musst Jael die Informationen geben. Vielleicht nicht sofort, aber er muss es wissen.“ Dann trank sie den Rum und sah halb zur Seite, weil die Naihlar ahnte, dass Mallo den älteren Mann sehr wahrscheinlich vor diesen Neuigkeiten schützen wollte. Und es war offensichtlich, dass Nani dieses Vorhaben für falsch hielt.
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Mallo
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Nov 20, 2016 9:54 pm

Sie schmunzelte, als Jesko über ihren nächsten Tag verfügte, nahm diese Erwartung mit einem galanten Nicken entgegen.

"Wenn das so ist... bis Morgen, Jesko." Sie trank einen Schluck auf ihn und jetzt, da die Pakata mit den Kerlchens voranging, ließ sie sich wieder sinken und widmete einen ersten, ernsthaften Blick dem Essen, an diesem Abend.

Vhenan sprach. Mallo kaute langsam, starrte irgendwohin in die Tischplatte, lauschte offenbar bis zum Ende. Die Muskelchen unter ihren Augen zuckten, ehe sie antwortete.

"Er war doch vorhin noch hier. Er hat seine Kumpels überall. Ich bin sicher, er wird es eher erfahren, als ich ihn finde." Sie trank einen großen Schluck, ohne darauf zu achten, was es überhaupt war. "Aber ja. Wenn ich ihn früher sehe, sage ich ihm das."
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Vhenan
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BeitragThema: Re: Im Kartenhaus   So Nov 20, 2016 10:08 pm

Vhenan aß selbst noch ein Stück Ziegenkäse und musterte ihre Freundin skeptisch von der Seite.

Er war da bevor Jesko gesprochen hat. Und selbst wenn ein neugieres Ohr gelauscht haben sollte, so wird es nicht alles gehört haben. Du kennst die ganze Geschichte.... Mach es nicht von anderen abhängig, Mallo. Sag es ihm selbst. Ich glaube er würde es erwarten. Und... damit hilfst du vielleicht auch dir selbst.

Es legte sich ein weicherer Blick in ihr Gesicht, der trotzallem einer gewissen Entschlossenheit nicht weichen wollte.


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